Thursday, July 31, 2014

FEIERN WIE IN GEORGIEN: Europäische Kulturtage in Dahlem werden eröffnet (stadtrand-nachrichten.de)

(stadtrand-nachrichten.de) Die Europäischen Kulturtage widmen sich 2014 der Lebenslust! “Supra – Feiern auf Georgisch” sind die Kulturtage, die am Donnerstagabend, 31. Juli, im Museum für Europäische Kultur in Dahlem eröffnet werden, überschrieben.


Trinkhorn - Symbol für die Weinkultur Georgiens
Die „Supra“ ist ein traditionelles georgisches Fest. Die Feiern werden aus unterschiedlichen Anlässen abgehalten und sind ein wesentlicher Bestandteil des georgischen Gesellschaftslebens. Eine reich gedeckte Tafel mit Essen und Wein sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Feste. Bei jeder Supra wird ein Tamada (Tischleiter) ernannt, der die Festtafeln mit Trinksprüchen leitet, die bestimmten Regeln unterliegen. Es ist die Kunst des Tamadas, die Themen zu dem jeweiligen Anlass und Ort rhetorisch zu einem Kunstwerk zusammenzufügen. Die anwesenden Gäste leeren ihre Gläser, nachdem der Tamada einen Trinkspruch beendet hat, können aber diesen auch weiterführen und ergänzen. So kann ein beseelter Dialog entstehen, der durch Gesang und Tanz ergänzt werden kann.

Musik, Gesang und Tanz aber auch Vorträge erwarten die Besucher während der Kulturtage, die bis zum 30. August andauern. So gibt zum Beispiel am 9. August das Kammerorchester Georgian Sinfonietta zusammen mit der Konzertpianistin Dudana Mazmanishvili ein Konzert, am 18. August erzählt die Schriftstellerin Rusudan Gorgiladze über Herkunft und Verwendung von Lebensmitteln und Gewürzen, die den “georgischen Geschmack” ausmachen.


Georgisches Nationalmuseum/Dimitri Ermakov
Ergänzt werden die Kulturtage durch die Ausstellung „Wein-Kultur“ mit 30 historischen Objekten und 40 Fotografien von Dimitri Ermakov aus dem Georgischen Nationalmuseum. Zu sehen sind Weingefäße aus dem 19. Jahrhundert aus Silber und Keramik, Trinkhörner und Zeichnungen zur Weinherstellung, der Nachbau eines Qvevris, einer Weinamphore aus Ton, in Originalgröße mit Transportwagen.

Wein kennt man in der Region des Kaukasus bereits seit 8000 Jahren. Bis heute ist dieses Getränk mit seiner kulturellen Bedeutung so sehr mit Georgien und seinen Menschen verbunden, dass die Unesco die spezielle Technik des Weinausbaus in Amphoren 2013 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen hat.

Die Ausstellung “Wein-Kultur” ist auch über die Kulturtage hinaus, bis zum 5. Oktober, im Museum zu sehen. 

Link:
Wein - Kultur. Georgische Kulturtage (smb.museum)

 
Europäische Kulturtage: Supra – Feiern auf Georgisch (art-in-berlin.de)


Museum Europäischer Kulturen / Museen
Dahlem / Staatliche Museen zu Berlin

Supra-Feiern auf Georgisch 1.-31.8.14
und
Ausstellung „Wein-Kultur“ 1.8.-5.10.14

Ausstellungseröffnung
Europäische Kulturtage
Supra – Feiern auf Georgisch
Georgische Kulturtage im Museum Europäischer Kulturen
1. bis 31. August 2014


Altstadtstraße in Tiflis. Von Dimitri Ermakov
Die Europäischen Kulturtage widmen sich 2014 der Lebenslust! Essen und Trinken sind nicht nur eine Notwendigkeit, sondern oft ein Grund zum Feiern. Leger oder mit vorgegebenen Abläufen, zeigt sich in der Ess-Kultur ein wichtiger Bestandteil sozialen Lebens. In Georgien, dem diesjährigen Gastland artet eine Mahlzeit auch gerne mal in einen theatralischen Abend aus, bei dem alle Hauptdarsteller und Publikum zugleich sein können






Supra – Feiern auf Georgisch სუფრა
Die „Supra“ ist ein traditionelles georgisches Fest. Die Feiern werden aus den unterschiedlichsten Anlässen abgehalten und sind ein wesentlicher Bestandteil des georgischen Gesellschaftslebens. Eine reich gedeckte Tafel mit Essen und Wein sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Feste. Bei jeder Supra wird ein Tamada (Tischleiter) ernannt, der die Festtafeln mit Trinksprüchen leitet, die bestimmten Regeln unterliegen. Es ist die Kunst des Tamadas, die Themen zu dem jeweiligen Anlass und Ort rhetorisch zu einem Kunstwerk zusammenzufügen. Die anwesenden Gäste leeren ihre Gläser, nachdem der Tamada einen Trinkspruch beendet hat, können aber diesen auch weiterführen und ergänzen. So kann ein beseelter Dialog entstehen, der durch Gesang und Tanz ergänzt werden kann.


Weinhandlung in Tiflis, Dimitri Ermakov
Gemeinsam Essen, Trinken, Tanzen, Singen bilden einen wesentlichen Aspekt dieser Kultur. Die Ausstellung „Wein-Kultur“ greift dieses Thema auf, indem historische Fotografien von Dmitri Ermakov und Ethnografika aus dem 19. und 20. Jahrhundert Einblicke in die Wein-Kultur vermitteln. Gemeinsam mit der Botschaft von Georgien, dem Ministerium für Kultur und Denkmalschutz von Georgien, dem Georgischen Nationalmuseum sowie weiteren Partnern in Georgien und Deutschland widmen sich die Kulturtage 2014 mit Musik, Tanz, Literatur, mit Vorträgen und Veranstaltungen der vielfältigen historischen und zeitgenössischen Kultur Georgiens.

Ausstellung „Wein-Kultur“
1. August bis 5. Oktober

Die vom Georgischen Nationalmuseum präsentierte Ausstellung „Wein- Kultur“ greift das Motto der Kulturtage auf. Wein kennt man in der Region des Kaukasus bereits seit 8000 Jahren. Bis heute ist dieses Getränk mit seiner kulturellen Bedeutung so sehr mit Georgien und seinen Menschen verbunden, dass die UNESCO die spezielle Technik des Weinausbaus in Amphoren 2013 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen hat.
So bietet die Ausstellung mit Objekten des alltäglichen Lebens und Bildern des herausragenden Fotografen Dimitri Ermakov (1846-1916) Einblicke in den Umgang mit Wein im 19. Jahrhundert in Georgien.


BEGLEITPROGRAMM
Donnerstag, 31.7., 18 Uhr
Eröffnung mit einem Fest im Museumsgarten
Zu Gast sind The Shin, Georgiens Beitrag zum Eurovision Song Contest 2014.

The Shin sind eine der bekanntesten georgischen Musikgruppen. Gegründet wurde sie in 1998 in Deutschland, wo die Musiker noch heute leben. In ihren Kompositionen verschmelzen Elemente traditionell georgischer Musik, wie der polyphone Gesang, mit modernen Stilrichtungen, wie Jazz, Funk, Fusion, Flamenco, Ravel und Shakti, zu einer eigenen und unverkennbaren Form der Weltmusik.


Samstag, 2.8., 18 Uhr
Abchasischer Kulturabend

Abchasien ist landschaftlich durch subtropische Küsten und die Berge des Kaukasus geprägt. Die dort lebenden Menschen werden auch als „Langlebige“ bezeichnet, da überdurchschnittlich viele Menschen ein hohes Alter haben. Man vermutet, dass dieses auf gesundes und nicht zu fetthaltiges Essen zurückzuführen ist. Der abchasische Abend führt in das kulturelle, musikalische und kulinarische Leben der Region am Schwarzen Meer ein.


Donnerstag, 7.8., 18 Uhr
Abend zur Weinkultur
Mit einem Vortrag von Malkhaz Kharbedia, Präsident des Georgischen Wein-Clubs, und dem Dokumentarfilm „Cradle of wine“ von Merab Kokochoshvili, 2011

Die traditionelle Methode des Weinausbaus erfolgt in den typischen eiförmigen Tongefäßen, den Qvevri, in denen der Wein fermentiert und gelagert wird. Als Teil der kulturellen Identität georgischer Gemeinden spielt diese Tradition eine tragende Rolle im täglichen Leben und bei Feiern. Das spiegelt sich in einer Vielzahl mündlicher überlieferungen und traditioneller Lieder wider, in denen Wein und Weinreben gepriesen und besungen werden. Das Wissen um dieses Erbe wird von Familien, Nachbarn, Freunden und all denjenigen, die sich an der Ernte und Weinherstellung beteiligen, weitergegeben.


Samstag, 9.8., 18 Uhr
Musikabend
Konzert mit Georgian Sinfonietta und Dudana Mazmanishvili

Das Kammerorchester Georgian Sinfonietta wurde im Sommer 2008 gegründet und wird durch das Kulturministerium Georgiens unterstützt. Die Musiker sind Studenten in Tbilisi, St. Petersburg und Moskau. Ihr Musikrepertoire reicht von Bach, Händel und Mozart bis zu Barber, Schostakowitsch und Hindemith. Ein Schwerpunkt liegt auf georgischen Komponisten, wie Kancheli, Cincadze und Machavariani. Dudana Mazmanishvili ist Konzertpianistin und hat mit zahlreichen Orchestern weltweit gespielt. Sie hat sich bei zahlreichen internationalen Klavierwettbewerben als Preisträgerin in den Siegerlisten verewigt. 2006 erschien ihre Debut-CD bei Oehms Classics mit Werken von Bach, Busoni, Liszt und Rachmaninow. Sie ist zurzeit als Kulturattachée der Botschaft von Georgien in Berlin tätig.


Donnerstag, 14.8., 18 Uhr
Deutsche und Georgier in Geschichte(n) einer Jahrhunderte langen Beziehung
Vortrag von Dr. Manfred Nawroth

Die ersten Kontakte zwischen Deutschen und Georgiern reichen bis in das 12. Jahrhundert zurück. Besonders intensiv entwickelten sich diese im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als sich zahlreiche Deutsche in Georgien niederließen und die Entwicklung des Landes mitprägten. In dem Vortrag wird die Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschen und Georgiern an ausgewählten Beispielen bis in die Gegenwart skizziert.


Samstag, 16.8., 18 Uhr
Georgien kosten – eine Reise durch Zeit und Geschmack
Vortrag von Rusudan Gorgiladze

Der Vortrag beschreibt die georgische Küche und Festtradition im Kontext der Weltkultur. Die Schriftstellerin erzählt über Herkunft und Verwendung von Lebensmitteln und Gewürzen, die den „georgischen Geschmack“ ausmachen.

  
Dienstag, 19.8., 18 Uhr
Jugend und Geschichte in der Kaukasusregion
Podiumsdiskussion des Kulturforums östliches Europa

Über die Weltbilder, die den Jugendlichen in Georgien, Armenien und Aserbaidschan im Studium und in studienbegleitenden Kursen und Workshops vermittelt werden, diskutieren Experten aus der Praxis. Dazu gehören: Archil Abashidze, der mit seinen Studierenden immer wieder durch Besuche der Nachbarländer zu diesem Thema arbeitet; Prof. Eva-Maria Auch, die sich an ihrem Lehrstuhl für ein besseres Verständnis des Südkaukasus engagiert und über dortige deutsche Spuren gearbeitet hat; Liana Badaljan, lange Zeit an der Linguistischen Universität in Jerewan tätig, die in ihren Projekten versucht, Jugendliche mit widersprüchlichen Geschichtsbildern zu konfrontieren; S. E. Dr. Dr. h.c. Lado Chanturia, Botschafter von Georgien in der Bundesrepublik Deutschland, der Justizminister und Präsident des Obersten Gerichts war und eine DAAD-Gastdozentur an der Universität Kiel innehatte.
Moderiert wird die Diskussion von Heike Fahrun, freie Trainerin in der internationalen Jugend- und Erwachsenenbildung Berlin.


Donnerstag, 21.8., 18 Uhr
Ein wiederentdeckter Ikonenschatz in Swanetien
Vortrag von Prof. Dr. Rolf Schrade

Swanetien ist eine schwer zugängliche Region des großen Kaukasusgebirges, wo sich bis heute eine eigene Sprache erhalten hat. Rolf Schrade ist einer der besten Kenner dieser Gegend. Er erforscht und unterstützt in abgelegenen Dörfern die Restaurierung von Kirchen, Wandmalereien und Ikonen des 10. bis 14. Jahrhunderts. In dem Vortrag stellt er Ergebnisse seiner jahrzehntelangen Arbeit aus einer Region mit einer atemberaubenden Landschaft vor.


Samstag, 23.8., 18 Uhr
Literaturabend
Lesung mit Nino Haratischwili aus ihrem Roman „Mein sanfter Zwilling“ und der soeben erschienenen „Familiensaga“

Nino Haratischwili, geb. 1983, ist Theaterregisseurin, Dramatikerin und Romanautorin. Von 2000 bis 2003 studierte sie Filmregie an der staatlichen Schule für Film und Theater in Tbilisi. Darauf folgte ein Studium der Theaterregie an der Theaterakademie Hamburg, das sie 2007 erfolgreich mit ihrer Inszenierung „Mein und dein Herz. Medeia“ beendete. Sie schrieb auch mehrere Prosatexte und Stücke, die sowohl in Deutschland als auch in Georgien veröffentlicht wurden.


Donnerstag, 28.8., 18 Uhr
Konzertabend

Mit dem Ensemble Suliko und einer Einführung zum polyphonen Gesang von Dr. Susanne Ziegler
Der georgische, mehrstimmige Gesang hat eine lange Tradition. 2001 wurde er in die UNESCO Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Nach einer Einführung durch die Musikethnologin Susanne Ziegler gibt die Gruppe Suliko aus Tbilisi Kostproben dieses Gesangsstils. Den Namen „Suliko“ (Seele) hat das Ensemble von einem bekannten georgischen Volkslied abgeleitet.

  
Samstag, 30.8., 18-22 Uhr
Finissage der Georgischen Kulturtage

Die heute autonome Region Adjara liegt im Südwesten Georgiens. Sie grenzt im Süden an die Türkei und im Westen an das Schwarze Meer. Zum Abschluss der Georgischen Kulturtage wird die durch zahlreiche Auftritte auch international bekannte Adjarian Song & Dance State Company Tänze und Lieder aus Adjara und anderen Gebieten Georgiens vorführen. Die Darbietung wird die Vielfalt der Tanzformen und des Gesangs zu verschiedenen Anlässen und aus unterschiedlichen Regionen zeigen. Im Rahmen des Festes werden auch kulinarische Leckereien der georgischen Küche angeboten und Bücher zur georgischen Landeskunde und Literatur präsentiert.

Monday, July 28, 2014

LESETIPP: Noch ein Land, in dem Orangen blüh’n - Stephan Wackwitz: Die vergessene Mitte der Welt. Von Ijoma Mangold (zeit.de)

(zeit.de) Unterwegs zwischen Tiflis, Baku, Eriwan. S. Fischer Verlag; 248 S., 19,99 €, als E-Book 17,99 €

Für das neue Buch von Stephan Wackwitz, Die vergessene Mitte der Welt – Unterwegs zwischen Tiflis, Baku, Eriwan, habe ich meinen alten Schulatlas hervorgekramt und festgestellt: Kaum etwas entfaltet eine stärkere Sogkraft als eine Landkarte. Der Finger auf der Landkarte kann dem Feldherrn gehören, der sich ein Weltreich erobern will, dem Entdecker, der neue Räume gangbar macht, dem Kaufmann, der nach der sichersten Handelsroute sucht, dem Investor, der von neuen Märkten träumt, oder dem Kulturtopografen, der in den vergessenen Winkeln des Raumes die Überdauerungen vergangener Zeiten entdeckt.

Darin ist Stephan Wackwitz, einer unserer glänzendsten Essayisten, ganz groß. Als Leiter verschiedener Goethe-Institute kennt er die Welt. Er war unter anderem in Krakau, Bratislava und New York. Doch sein Herz hat er erst jetzt in Tbilissi verloren. Seine Liebe springt auf den Leser über, der sich verwundert die Augen reibt, wie ihm eine Gegend, die ihm bis dahin noch weniger als Hekuba war, zum Sehnsuchtsort wird. Zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer entdeckt Wackwitz einen Raum, der das genaue Gegenteil der Welt ist, in die wir mit unserer Miles-&-More-Karte ohne Reibungsverluste einchecken können. Als Mitte der Welt bezeichnet Wackwitz den Kaukasus, weil er geostrategisch eine Drehscheibenfunktion hatte zwischen Europa, Asien und Afrika. Keine Weltmachtfantasie, in der er nicht vorkommt. Gleichzeitig ist Georgien eine arkadische Landschaft, von den Russen gern als ihr Italien umschwärmt (und erobert). Wie in einem frühen Fellini-Film fühlt sich Wackwitz hier, weil sich die schockartige Modernisierung mit dem geschichtsfatalistischen Verfall, der Renitenz des Überkommenen, verbindet und so Dumpfheit in Poesie verwandelt. Die elementare Kraft der Dinge schlägt Wackwitz in ihren Bann. Ein bisschen ist er in diesem Buch der Peter Handke der Seidenstraße. Nur Dummköpfe können das für eine abschätzige Bemerkung halten.

Ijoma Mangold

Sunday, July 27, 2014

ARTE-YOUROPE: Junge Tushen bei Zezvaoba in Georgien. Von Katrin Molnár und Ralph Hälbig - Sendung. Partyfieber - So bunt haben junge Europäer Spaß (arte.tv)

Timecode: 05:20 - 10:23

Samstag, 26. Juli um 14:10 Uhr (27 Min.)

(arte.tv) Auch wenn es oft nur nach Konsum aussieht, sind moderne Partys soziale Kultur und festigen den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Hatten Feste früher fast immer einen religiösen Hintergrund, so sind sie heute ekstatische Auszeiten von den Zwängen des Alltags. Was sie außerdem mit der traditionellen Party der jungen Cowboys in Ost-Georgien gemein haben, findet "Yourope" heraus.

Der Sommer ist die Zeit der Festivals und der großen Partys. Hatten Feste früher fast immer einen religiösen Hintergrund und das Feiern folgte einem strengen Ritual, so sind sie heute ekstatische Auszeiten von den Zwängen des Arbeitsalltags. Sie gehorchen nicht mehr religiösen und regionalen, sondern globalen "Moden". In diesem Jahr zum Beispiel stehen Holi-Partys ganz oben auf der Rangliste der Party-Pflicht-Events, Festivals der Farben, angelehnt an das religiöse indische Frühlingsfest. Andere, etwa in den Niederlanden, feiern Nachhaltigkeitspartys: Sie feiern zwar ausgelassen, versuchen aber trotzdem einen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt zu leisten.

Auch wenn es manchmal nur nach Konsum aussieht, sind moderne Partys soziale Kultur und festigen den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Selbst die scheinbar monotonen "Electropartys sind nicht nur fressen, saufen, scheißen", wie es der deutsche DJ Dominik Eulberg etwas drastisch formuliert. Sie haben trotz allem viel gemein mit der traditionellen Party der jungen Cowboys in Ost-Georgien, deren Hirten-Fest ihnen ebenfalls Energie für die Bewältigung ihres beschwerlichen Alltags gibt.

Partyfieber - so haben junge Europäer Spaß – darum geht es bei ARTE am 26. Juli 2014 um 14.15 Uhr.

Thursday, July 24, 2014

EXHIBITION: The famous Italian photographer and mountaineer Vittorio Sella at Svaneti Museum of History and Ethnography (museum.ge)

(museum.geGeorgian National Museum, Embassy of Italy in Georgia and National Geographic Georgia, present photo exhibition by famous Italian photographer and mountaineer Vittorio Sella at Svaneti Museum of History and Ethnography. Opening event will take place on 24 of July 2014, at 2 p.m.

Vittorio Sella (1859 -1943) was an Italian photographer and mountaineer, who took photographs of mountains which are regarded as some of the finest ever made. His contribution to geography, ethnography and development of Alpinizm is outstanding.

Vitorio Sella was born in Biella, Italy in the foothills of the Alps and acquired his interest in photography from his father, Giuzeppe Venanzio Sella and in alpinism from his uncle, Quintino Sella, scientist and politician, who was also the founder of the Italian Alpine Club.

Vitorio Sella made a number of significant climbs in the Alps and participated in numerous expeditions on four continents, including three travels to the Caucasus in 1889, 1890 and 1896.

Svanetian villages, landscapes, ethnography, families, culture, portraits and other significant details perfectly pictured by Sella will be presented for public at Svneti Museum of History and Ethnography for the first time. After decade, author's works return to the place where photographer was travelling.

The majority of photographs taken during the Caucasian expeditions is connected with Svaneti. In his diaries, Sella writes about Svans as the original, proud and noble people. Rezo Tabukashvili, famous Georgian film director, made a wonderful film "Vittorio Sella" in 1980.

Amazed with the beauty of the Caucasus, different regions of Georgia and with Svaneti in particular, Vittorio Sella left the wonderful photographs and important documents of our country to the world and the future generations.

Adress: Svaneti Museum of History and Ethnography. Mestia, 7 A. Ioseliani Street.

KUNST: Shalva Berekashvili ist Preisträger des Förderpreises der Casino-Gesellschaft. Von Marija Herceg (saarbruecker-zeitung.de)

(saarbruecker-zeitung.deDer aus Georgien stammende Kunst-Student Shalva Berekashvili ist fasziniert vom Zusammenspiel künstlicher und natürlicher Dinge. Für seine künstlerische Arbeit wurde der 32-Jährige mit dem Preis der Casino-Gesellschaft ausgezeichnet. (Veröffentlicht am 24.07.2014)

Saarbrücken. Die Casino-Gesellschaft hat ihren mit 1500 Euro dotierten Förderpreis an den Studenten der Hochschule der Bildenden Künste (HBKsaar) Shalva Berekashvili (32) vergeben (wir berichteten). Anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Casino Gesellschaft habe man den Preis für Nachwuchskünstler vor 18 Jahren ins Leben gerufen, um jungen, talentierten Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr Schaffen zu präsentieren und weiterzuentwickeln, so Lothar Arnold, Vorsitzender der Saarbrücker Casino Gesellschaft.

Neu waren Berekashvilis Arbeiten für Arnold nicht: „Bei einer Vorstandssitzung durften wir Berekashvili schon einmal kennenlernen: Seine Arbeiten haben uns damals schon sehr beeindruckt“, sagte Arnold. Es sei immer schwer, jemanden aus den über 400 HBK-Studenten explizit herauszuheben und für den Förderpreis vorzuschlagen, gestand Laudatorin Gabriele Langendorf, Rektorin und Professorin der HBKSaar. Dennoch habe man mit Berekashvili als Preisträger die richtige Wahl getroffen, weil er beharrlich und konsequent seinen Weg verfolge. Er erweitere in seinen Bildwelten und konzeptionellen Arbeiten das Verständnis der Malerei, indem er die Leinwand nicht nur als einfaches Tableau betrachte, sondern verschiedene Materialien wie Verpackungskarton und Techniken wie Siebdruck zusätzlich nutze, um neue Räumlichkeiten entstehen zu lassen, lobte Langendorf.

Berekashvilis Arbeiten seien deshalb hochaktuell, weil die zeitgenössische Malerei derzeit durchtränkt wird vom Anspruch „mehr Raum, mehr Gegenstände“ ins Bildinnere einzubinden.

Dass Konsequenz sich nicht immer in Gradlinigkeit ausdrückt, zeigt Berekashvilis Lebenslauf: Der gebürtige Georgier studierte an der Kunsthochschule Tbilissi erst Malerei, später absolvierte er einen Bachelor-Studiengang in Psychologie an der Uni in Tbilissi und belegte Meisterkurse für Fotografie. Seit 2011 studiert er an HBKsaar Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Konzeptuelle Malerei im Atelier von Professorin Katharina Hinsberg und befindet sich derzeit im sechsten Semester. Er setzte sich intensiv mit der Siebdrucktechnik auseinander und entdeckte den Reiz der Synthese der unterschiedlichen künstlerischen Verfahrensweisen, so Langendorf.

Im Fürstenzimmer im Casino am Staden zeigte der 32-jährige Künstler drei seiner Werke, die er als „industrialisierte Landschaften“ beschreibt, weil sie das Zusammentreffen von Natur und Zivilisation zeigen. Landschaft sei für ihn nie einfach nur Natur gewesen, sondern schon immer geprägt durch eine urbane Räumlichkeit, die er in der postsowjetischen Architektur von Tbilissi erlebt habe.

Seine „industrialisierten Landschaften“ mischen Natur und von Menschenhand geschaffene Gegenstände. Bei zwei seiner Werke klebte er Verpackungskarton auf die Leinwand. Die kreisrunden Aussparungen füllt er mit Farbe. Inspiration für diese Arbeiten waren Bewässerungssysteme, da sie Technisches mit dem natürlichen Element des Wassers mischten: „Mich interessiert das Zusammenspiel von künstlichen und natürlichen Gegenständen“, erklärt er. Der konstruierten Umwelt stellt er die natürliche entgegen. „Das Spiel mit Kontrasten und Gegensätzen fasziniert mich“, so Berekashvili.

www.die-saarbruecker-casino-gesellschaft.de

www.hbksaar.de

Saturday, July 19, 2014

KUNST: Georgische Malerei in Berlin - Herzblut in Öl. Von Anna Pataczek (tagesspiegel.de)

Bild schließen

(tagesspiegel.deZaza Tuschmalischvili kam vor 20 Jahren in die Stadt. Die Liebe bescherte dem Maler eine Muse – und seinen georgischen Landsleuten eine Galerie. 

Zaza Tuschmalischvili ist ein optimistischer Mensch. Sein Glaube an eine gute Zukunft hat ihm schon in der Vergangenheit viel geholfen. 200 Dollar hatte er eingesteckt, eine Palette und 25 Bilder im Koffer, als er Berliner Boden betrat. 1991 war das. Der Eiserne Vorhang war gefallen. Nach dem Ende der Sowjetunion war Georgien in einen blutigen Bürgerkrieg getaumelt, Zaza Tuschmalischvili wollte wie viele andere Landsleute nicht bleiben. So packte er seine Leinwände auf der Straße Unter den Linden aus, gleich neben den Bücherständen an der Humboldt Universität. Das kannte er von Tiflis, auch dort gibt es einen Kunstmarkt auf der Straße.

„Schon am ersten Tag habe ich drei Bilder verkauft“, erinnert sich der 54-jährige Künstler, und den Stolz darüber sieht man ihm heute noch an, jetzt, wo er auf dem Sofa seiner Wohnung sitzt, mal eben den Pinsel aus der Hand gelegt hat und sich erinnern soll, wie das damals alles so war. „Ich habe auf der Straße sehr nette Leute kennengelernt.“

Zum Beispiel Annelie Hillmer. Sie ist eine Passantin, sieht das Gemälde „Rendezvous“ und verkuckt sich in das Bild. Ein Mann überreicht einer Frau eine Blume. „Ich war tief berührt“, sagt Annelie Hillmer. Doch es war schon verkauft. Zaza Tuschmalischvili lädt die junge Frau zu sich ins Atelier ein. Dort geht Annelie Hillmer, Psychologin und Autorin, mit drei Werken heraus. Und bietet ihm an, bei ihr zu arbeiten. Platz hat sie genug, in ihrer 200-Quadratmeter-Wohnung in Wilmersdorf. Zaza Tuschmalischvili sagt zu. Und von da an wird Annelie Hillmer seine Managerin und Muse.

Hotel Tbilisi nennt Annelie Hillmer ihr Zuhause

20 Jahre ist das her. Und das feiert das ungleiche Paar – die große resolute blonde Westfälin und der zierliche, dunkle zurückhaltende Georgier – mit einem Buch, das sie zusammen herausgebracht haben. „Einsichten Georgien–Berlin“ heißt es und gibt einen Überblick über das gesamte Schaffen des georgischen Künstlers. Noch immer arbeitet Zaza in Annelies Wohnung, hat sich eine Ecke am Balkon eingerichtet, mit Staffelei und der Sammlung bunter Tuben. Durch die Wohnung zieht der beißende Geruch von Ölfarbe. Hotel Tbilisi nennt Annelie Hillmer ihr Heim. Dank Zaza Tuschmalischvili und vielen Reisen in seine Heimat hat sie viele weitere Künstler aus Georgien kennengelernt. Immer wieder beziehen Stipendiaten und Berlin-Besucher bei ihnen für einige Zeit Quartier. Das Hotel Tbilisi, diese aus der Zeit gefallene Pracht mit den vielen Zimmern, hat es in Georgien zu einer kleinen Berühmtheit gebracht.

Es ist auch der Ort, an dem die beiden jahrelang ihren Kunstsalon veranstaltet haben. Die hohen Wände der herrschaftlichen Wohnung mit Zazas Bildern vollgehängt und die Flügeltüren weit aufgerissen, damit die Kunstinteressierten hindurchschlendern konnten. Es gab Lesungen und Konzerte. Erst später, 2007, eröffnete Annelie Hillmer ihre Galerie Georgia Berlin. Sie vertritt Zaza Tuschmalischvili, zum Jubiläum hängt eine kleine Retrospektive in den Räumen an der Bleibtreustraße. „Ohne ihn wäre ich keine Galeristin geworden“, sagt Annelie Hillmer. Sie hat ihre Charlottenburger Adresse inzwischen zu einem Zentrum für georgische Kunst ausgebaut, in der sie verschiedene Künstler zeigt und Veranstaltungen organisiert.

Ein Triptychon von Tuschmalischvili hing im U-Bahnhof Alexanderplatz

Und Zaza Tuschmalischvili? Er ist ein etablierter Maler geworden, ist ein wichtiger Vertreter georgischer Kunst, seine Bilder sind auf Messen vertreten und finden Sammler, verkauft werden sie für 1400 bis 19 000 Euro. Vielen Berlinern dürfte ein Bild vertraut sein, ein fast vier Meter langes Triptychon, „Harmonie für die Liebe“. 1997 hatte der Maler eine Ausschreibung um die Gestaltung des U-Bahnhofs Alexanderplatz gewonnen. Das Bild war ein Jahr lang ausgestellt. Was, wenn er nicht auf diese Frau getroffen wäre? Solche Fragen stellt sich der Maler nicht. Das Leben ist ein Spiel, findet er. Und noch deutlicher sieht man das in seinen Bildern.

Gerade sitzt er an einem großen Format. Es lehnt auf einer Staffelei. Noch ist es nicht fertig. Aber den Titel weiß Zaza schon: „Puppentheater“. Der Künstler hat die Fläche in verschiedene geometrische Formen aufgeteilt. Köpfe sind zu erahnen. Für Tuschmalischvili ist das Motiv des Puppentheaters zentral, für ihn ist das ganze Leben ein solches. Er meint damit das Schöne, Verzauberte, Schicksalhafte. Nicht etwa, dass wir alle wie an Strippen hängend unfrei agieren.

Und so ist es fast logisch, dass er sein Herz ein bisschen ans Glücksspiel verloren hat, seit er das erste Mal ein Kasino betrat. Spieler tauchen immer wieder in seinen Bildern auf, Ass, Pik, Kreuz und kopflose Menschen. Den Schlüssel zu seiner symbolhaften, farbkräftigen Malerei zwischen Surrealismus, Kubismus und Volkskunst findet man immer bei ihm selbst. Oft in seiner Herkunft. Vielleicht hat ihn die Ferne, hat das Leben in Berlin ihn noch näher an den Kaukasus herangerückt. Die Ockerfarben, die er gerne verwendet, tauchen auch in georgischen Ikonen auf. Genauso wie das tiefblaue Lapislazuli. Seine Bilder sind flächig wie sakrale Kunst, ornamental, manchmal trägt er Blattgold auf. Und oft unterteilt er die Leinwand in Fächer, die er mit kleinen Geschichten füllt, in denen Liebespaare und Cherubine die Hauptrolle spielen. Bevor er nach Berlin kam, hat Zaza Tuschmalischvili an der Kunstakademie in Tiflis Freskenrestaurierung studiert und mittelalterliche Wandmalereien in georgischen Kirchen wiederhergestellt.

Und dann ist da noch seine Kindheit. „Schön war sie“, sagt Zaza Tuschmalischvili. Bei den Großeltern ist er aufgewachsen, auf dem Dorf, umgeben von Obstplantagen und einem Fluss, am Fuße des Kaukasus. Der Junge, der erst mit vier Jahren anfing zu sprechen, hatte Tiere, Hunde, Tauben, Kätzchen, Esel. Im Fluss hat er Fische gefangen. All das sieht man in seinen Bildern. Der Fisch ist profane Kindheitserinnerung und christliches Symbol gleichzeitig. Kreise mit Kreuzen sind bei ihm Aureolen, aber auch jene Räder, die er als Kind unter Boote schraubte. Fußballprofi wollte er werden, spielte auch gut. „Aber mir fehlten die Fürsprecher in den Sportkadern“, sagt er. Seine Eltern waren Fabrikarbeiter. Sie wünschten sich, dass der Sohn Chirurg wird. Es ist anders gekommen. Heute unterstützt Zaza Tuschmalischvili seine Familie mit dem Geld, das er mit seinen Bildern verdient. Einmal im Jahr fährt er nach Hause. Er braucht die Heimat, auch wenn er sich in Berlin sehr wohl fühlt. „Georgien ist mein Blut.“ Tragisch, dass der Maler seine Kunst dort bisher noch nicht gezeigt hat. Er und seine Galeristin fürchten die instabile Rechtsstaatlichkeit und den Zoll. Vielleicht kämen die Bilder nicht mehr zurück.

Georgia Berlin Galerie, Beibtreustraße 17, Charlottenburg, bis 30. Juli, Mo–Sa 11–19 Uhr, Katalog 49,50 Euro

Thursday, July 17, 2014

FILM: Das andere Ufer. Ein Film von George Ovashvili (arte.tv)


(arte.tvDas Leben legt dem zwölfjährigen Tedo (Tedo Bekhauri) viele Hindernisse in den Weg. Er gehört zu einer Generation in Georgien, die Massenvertreibungen erleben musste. Grund ist ein in der Region Abchasien wütender Bürgerkrieg um Autonomie. Der Film erzählt das außergewöhnliche innere Drama des kleinen Jungen. Debütfilm des international beachteten georgischen Filmemachers George Ovashvili.

Tedo ist zwölf Jahre alt. Er lebt gemeinsam mit seiner jungen Mutter in einer abgeschiedenen Hütte außerhalb von Tiflis. Sie sind Flüchtlinge aus Abchasien. Der Bürgerkrieg hat ihnen alles genommen, auch ihre Hoffnung auf eine glückliche Zukunft in einer intakten Familie.

Als sie aus Abchasien flüchteten, war Tedo erst vier Jahre alt. Seinen Vater mussten die beiden zurücklassen, sein Herz war zu schwach, als dass er die anstrengende Reise hätte auf sich nehmen können. Inzwischen ist Tedo Lehrling in einer Autowerkstatt und seine Mutter arbeitet als Verkäuferin.

Die wenigen Groschen, die Tedo verdient, steckt er seiner Mutter zu, damit sie es nicht länger nötig hat, zu fremden, unfreundlichen Männern freundlich zu sein. Der Junge leidet sehr darunter, dass er zum Lebensunterhalt nur wenig beitragen kann, und auch der Lebenswandel seiner Mutter bereitet ihm große Probleme. Als er entdeckt, dass sie einen Liebhaber hat, fasst er den Entschluss, zu seinem Vater nach Abchasien zurückzukehren, in der Hoffnung, dort eine Lösung für all seine Probleme zu finden.

Auf seiner Reise macht Tedo viele Bekanntschaften und muss Rückschläge erleiden. Nicht überall ist er willkommen. Aber als er seinem Ziel näher kommt, hat er viele neue Einsichten gewonnen: zum Beispiel, dass das Gras woanders nicht unbedingt grüner ist …

Origin: ARTE F
Land: Georgien, Frankreich, Kasachstan
Jahr: 2009
Als Live verfügbar: ja
Tonformat: Stereo
Bildformat: HD, 16/9
Version: OMU
Arte+7: 16.07-23.07.2014

Autor: Nugzar Shataidze
Drehbuch: Nugzar Shataidze, Rustam Ibragimbekov, George Ovashvili
Ton: Vladimir Golovnitski, Nezamedin Kiaie
Schnitt: Sun-min Kim
Kamera: Shahriar Assadi
Musik: Josef Bardanashvili
Produktion: KINO company, East Gate Film
Regie: George Ovashvili
Produzent: Sain Gabdullin, George Ovashvili
Verleiher: Arizona Productions

Mit:
Tedo Bekhauri (Tedo)
Galoba Gambaria (Tsupak)
Nika Alajajev (Goshka)
Tamara Meskhi (Mariam)
Leila Khokhosadze (Tante Maro)

BERLIN: Wein - Kultur. Georgische Kulturtage (smb.museum)


Kwewri, Gefäße für die Weinlagerung, um 1900

(smb.museum) vom 01.08.2014 bis: 05.10.2014

Museum Europäischer Kulturen
Lansstraße 8 / Arnimallee 25
14195 Berlin


Die Ausstellung "Wein-Kultur" des Georgischen Nationalmuseums wird anlässlich der der diesjährigen Kulturtage im Museum Europäischer Kulturen präsentiert.

Wein kennt man in der Region des Kaukasus bereits seit 8000 Jahren. Bis heute ist dieses Getränk mit seiner kulturellen Bedeutung so sehr mit Georgien und seinen Menschen verbunden, dass die UNESCO die spezielle Technik des Weinausbaus in Amphoren 2013 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen hat.

In der Ausstellung werden Fotografien von Dimitri Ermakov (1846-1916), einem der herausragenden Fotografen Georgiens, zum Umgang mit Wein im 19. und frühen 20. Jahrhundert gezeigt. Geräte für den Weinausbau und Gefäße aus der ethnografischen Sammlung des Georgischen Nationalmuseums vervollständigen das Bild der "Wein-Kultur".

Gemeinsam mit der Botschaft von Georgien in der Bundesrepublik Deutschland, dem Ministerium für Kultur und Denkmalschutz von Georgien, dem Georgischen Nationalmuseum sowie weiteren Partnern in Georgien und Deutschland widmen sich die Kulturtage mit dieser Ausstellung und mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm zur Festkultur, Musik - und Tanztradition und zeitgenössischen Literatur Georgiens.

Sunday, July 06, 2014

RELIGION: The rise of Mormons and Jehovah's Witnesses in the Caucasus. By Tara Isabella Burton @T_I_Burton via via @AJAM (america.aljazeera.com)

(america.aljazeera.com) Armenia and Georgia were the first to adopt Christianity as their state religion; now, American evangelical sects beckon

In the Armenian town of Artashat, a grid of Soviet concrete and corrugated tin roofs an hour from the capital city of Yerevan, few buildings stand out like the meeting hall of the Church of Jesus Christ of Latter-day Saints (LDS). Unlike the crumbling towers that surround it, this building sports an impeccably white façade. On one Sunday in May, more than a hundred Armenians — most in their 40s and 50s — are sharing what Mormons call spiritual “testimony,” their words translated via earpiece to attending American missionaries.

Here in the Caucasus region, ethnicity and faith are often treated as one. Christians in Armenia and Georgia — which in the fourth century became the first two countries worldwide to adopt Christianity as their state religion — almost uniformly belong to the Armenian Apostolic and Georgian Orthodox Churches, respectively (93 percent in Armenia, 83 percent in Georgia).

But a near-century of Soviet-imposed secularism dramatically weakened the standing of state churches. Now, many ethnic Armenians and Georgians are gravitating toward American evangelical sects with an emphasis on attracting converts and a strong missionary presence in the region, such as LDS and Jehovah’s Witnesses. In Armenia, the number of Jehovah’s Witnesses here hovers around 11,000; LDS claims more than 3,000 members (also known as Mormons). These may be small numbers, but they are significant in this country of 3 million, where practitioners of other faiths tend to be members of minority ethno-religious groups, such as Jews or Muslim Kurds.

Both Jehovah’s Witnesses and Mormons identify as Christians, although their non-Trinitarian doctrine — both deny that Jesus Christ shares a single fundamental divine essence with God the Father and the Holy Spirit — has often brought them into conflict with mainline Christian tradition.

“Ask any Armenian on the street and they’ll say, ‘Yes, I believe in God. I believe in Jesus,’ ” says Varuzhan Pogosyan, president of the LDS Mission in Armenia. “But they don’t always practice.”

Pogosyan’s journey started shortly after the fall of the Soviet Union. Then an expatriate in Russia, he attended a local Armenian church, both for spiritual reasons and for the opportunity to socialize with other ethnic Armenians. But an encounter with a Mormon missionary made him realize he could do more than just attend services. “I could participate,” he says. “I could be involved in the life of the church.” In the absence of formal clergy, the LDS church offers ordinary members a greater role in church affairs, Pogosyan explains.

It is this sense of involvement that inspired his colleague, Margarit Ayvazyan, to convert. Like Pogosyan, Ayvazyan grew up nonreligious during Soviet rule, adopting atheism as a philosophically inclined teenager. Yet her encounters with LDS missionaries in the early 90's left her with a sense of spiritual fulfillment she had not found in her parents’ Armenian Apostolic services. In a traditional Armenian service, she says, “You just stand there and the priests pray.” Many Armenians cannot even understand the classical Armenian used in services. In LDS, where congregants are encouraged to share their experiences and participate in Bible-study classes, she has a role to play. Even those church members who do not become missionaries are encouraged to circulate information among family and friends, recruit curious “investigators” to visit services and keep track of lapsed members. Pogosyan says most converts here grew up like Ayvazyan: secular under the Soviet regime, but now seeking something more.

In some ways, he says, their history makes his mission easier, as “Armenians have always been religious.” Soviet-era secularism was a temporary aberration, and organizations such as LDS are ideally situated to reach those whose religious needs have not been met elsewhere or who feel that the Armenian Apostolic Church has failed them. After all, in all the years since he left the Church, he’s never once been contacted by any priests trying to win him back or find out why he left: a striking contrast with the LDS church, whose members actively identify and reach out to those whose attendance has lapsed.

Of course, there are challenges. Smoking, drinking and abortion were all permissible under the Soviet regime, Pogosyan says, and encouraging new converts to maintain what he calls a “healthier” way of life is a struggle. The American missionaries at Artashat tell stories of priests who attacked their brethren in neighboring towns, boys who throw rocks at them as they walk down Yerevan streets (“I think [the boys] thought we were Jehovah’s Witnesses,” one laughs. “They can’t tell the difference”).

But the biggest challenge for those seeking to convert others may be reconciling converts’ faith with their ethnic identity. Many of Pogosyan’s countrymen see those who leave the Apostolic Church as less Armenian. He takes pains to emphasize the long-standing relationship between Armenia and the LDS church, which first took hold in the Armenian diaspora in 19th-century Constantinople, as well as the increasing number of foreign missionaries of Armenian descent who have come to their ancestral homeland to serve. He is also careful to stress the cultural similarities between Armenia and the LDS church. “We’re very big on family values in Armenia,” he says, making the LDS church here a perfect fit. Ultimately, his faith has made him more Armenian, not less. It has strengthened his relationship with his family, his local community. “It has made me a better citizen.”

Minority evangelical Christian sects face similar challenges in Armenia’s northern neighbor, Georgia, where religion and nationalism are even more closely intertwined. Between 1999 and 2003, Jehovah's Witnesses lodged almost 800 complaints of religiously-motivated incidents of conflict, many violent, says Manuchar Tsimintia, a lawyer and practicing Jehovah's Witness who frequently defends the church in human rights cases. Following Georgia's bloodless Rose Revolution in 2008 and the subsequent installation of Western-leaning Mikhail Saakashvili as president, things drastically improved, but tensions remain. This situation isn’t ameliorated by the fiercely Orthodox, nationalist stance of the ruling Georgian Dream coalition, which has succeeded Saakashvili's United National Movement. In early May, a group of teenagers destroyed a cart of pamphlets Jehovah’s Witnesses were using to proselytize in Tbilisi’s city center, although, Tsimintia is pleased to report, the police charged and fined the culprits responsible.

Still, he estimates that there are about 20,000 baptized converts; another 20,000 or so attend meetings and worship: such figures, if accurate, would comprise nearly 1 percent of Georgia's population. Like the Mormons in Armenia, adherents say they converted because of disillusionment with Soviet-style anti-clericalism and existing ecclesiastical institutions and a desire to participate more fully in the activities of their church.

“It was the end of the communist regime,” Tsimintia says of his joining the Jehovah’s Witnesses. “All people were seeking God.” But Tsimintia, then enrolled in college, felt dissatisfied by the Georgian Orthodox Church, which stirred him emotionally, but could not provide him with the answers he sought. “Who is God? Who are we? Where do we come from?” It was through independent Bible study, Tsimintia says, that he came to the conclusion the Jehovah’s Witnesses had access to spiritual truth.

Increasingly, he says, those who came of age after the collapse of the Soviet Union are also finding themselves disillusioned with what they see as hypocrisy and corruption within the current hierarchy of the Georgian Orthodox Church, whose vast wealth and close financial relationship with the country’s ruling classes have often attracted scrutiny. In 2009, for example, each of Georgia’s 10 archbishops received a luxury SUV from the Georgian government. And the disenchantment has only grown more common in recent years as the church has attempted to wield greater political influence through its alliance with the Georgian Dream party ruling coalition. Many youths are also critical of the church’s tacit approval of violence; in May 2013, local Tbilisi priests, leading a mob of 20,000, attacked a small group of unarmed anti-homophobia protesters, injuring at least 12.

“They are not living according to Bible standards,” Tsimintia says. “[That is what] young people see.”

His colleague Tamaz Khutsishvili recalls a friend who sought spiritual guidance from an Orthodox priest, only to have the priest turn up at his home “so drunk he could not stand up.” One potential convert became disillusioned with his own church after a local priest with whom he had entrusted some money for temporary safekeeping informed him he had spent the funds on the construction of a new church. And both Khutsishvili and Tsimintia condemn the Orthodox church-sanctioned anti-gay violence last year as an example of church hypocrisy. The Bible, they say, condemns aggression. “Even if [people] are doing something we see as against the Bible,” Khutsishvili says, “we must never talk of violence.”

Yet here, too, converts struggle with reconciling their cultural and religious identities. “You are not Christian. You are not Orthodox. You are not Georgian. I must have heard that 10 times a day,” says Tsimintia.

Still, as with the Mormons in Armenia, Tsimintia and Khutsishvili choose to appeal to history to defend the essential Georgianness of their choice. “Once our ancestors were pagans,” Khutsishvili says. “Then they found the truth and became Orthodox. Now we’re finding truth again — and converting. We are following our ancestors.”

AUSSTELLUNG: UNGEDULD DER FREIHEIT SALON HANSA Berlin goes GALERIE HOLGER JOHN Dresden (galerie-holgerjohn.com)

(galerie-holgerjohn.com) ... mit Malerei von Hans Heiner Buhr aus Tbilisi


Created with flickr slideshow.


Rähnitzgasse 17 | Ecke Heinrichstrasse
01097 Dresden - Neue Königsstadt - Barockviertel

Ausstellung von 30.5 – 22.6.2014
Dienstag – Sonntag 14 – 19 Uhr

Artisten

JUNIOR TOSCANELLI, PIA DEHNE, JONNY STAR, FRANK BAUER, ISA GENZKEN, OLIVIA BERKEMEYER, ARMIN BOEHM, SASCHA BOLDT, LUKAS BUGLA, SASKIA BUWERT, LISA JUNGHANß, JACOB COENDERS, LEOPOLD COENDERS, FRANK DIERSCH, SEBASTIAN LUKAß, BJÖRN DRESSLER, NICOLAS DUPONT, OLIVER BORNER, ROEY HEIFETZ, FLORIAN HEINKE, CHRISTIAN HOISCHEN, ERIKA LUST, ANDREW DICK, HANS HEINER BUHR, MARCUS MÜLLER SCHOENEICH, SILKE HÖPPNER, ANDREY KLASSEN, MAXIMILIAN RÖDEL, DIETMAR MÜLLER, MICHA KOCH, MARC GROESZER, ALEXANDER KLENZ, FRANZISKA KLOTZ, CLAUDIA VAN KOOLWIJK, SVENJA KREH, ANNE LANGENBACH, ISA MELSHEIMER, LEA ASJA PAGENKEMPER, REGINE MÜLLER WALDECK, ANDREAS BRÄUNSDORF, SADOR WEINSCLUCKER, EVA RAEDER, JENNY ROSEMEYER, DENNIS RUDOLPH, MORITZ SCHLEIME, TORSTEN SOLIN, MIRIAM VLAMING, BJÖRN WELTBRANDT WALLBAUM, MARCUS WITTMERS, MICHAEL WUTZ, HANSA WIẞKIRCHEN, HOLGER JOHN

GALLERY OPEN AIR special guest: SALON SUISSE SÄCHSISCHE SCHWEIZ HELMUT OTTO RABISCH (tout les jours en plein air) STEFFEN FISCHER (Dresden/Dürrrörsdorf) VOLKER LENKEIT (Pirna) ICEMANN (staatenlos) CHRISTOPHER HALEY SIMPSON (Dresden/Greater Lancaster & Morecambe)

Galerie Holger John

Thursday, July 03, 2014

SHORTSTORY: Das historische Gedächtnis: Von Anna Kordzaia-Samadaschwili (einslive.de)

(einslive.de) "Die Liebe ist das wahre Leben. Wenn du liebst, lebst du", sagt die Heldin. Aber warum sie verliebt ist, weiß sie nicht. "Was in aller Welt mich mit diesem Mann verband, war wirklich eine gute Frage. Karmische Schulden vielleicht." Und es müssen verdammt hohe Schulden sein - denn sie leidet. Er betrügt sie ständig. Und macht ihr seltsame Versprechungen: "Ich habe ein Geschenk für dich, einen Ficus, willst du ihn haben?" Doch dann kommen weder er noch der Ficus vorbei. Leider will sie ihn dadurch nur umso mehr. Vielleicht sollte sie sich endlich trennen? Aber vielleicht liegt das Problem auch tiefer, in der nicht funktionierenden Verbindung von Mann und Frau an sich? 

Anna Kordzaia-Samadaschwili, 1968 in der georgischen Hauptstadt Tbilissi geboren, ist Schriftstellerin und Übersetzerin. Als Vertreterin der in der sowjetischen Zeit geborenen Frauengeneration beschäftigt sie sich seit Jahren mit verschiedensten Frauenproblematiken. Seit 2009 ist sie Professorin an der Ilia Universität Tbilissi.

"Das historische Gedächtnis" ist erschienen in der Anthologie "Techno der Jaguare", herausgegeben von Manana Tandaschwili und Jost Gippert (Frankfurter Verlagsanstalt) 

Gelesen von Maja Bothe
Regie: Susanne Krings
Länge: ca. 58 Minuten - Produktion: WDR 2014

"Das historische Gedächtnis" - die 1LIVE Shortstory, Sonntag, 23. März 2014, 21 bis 22 Uhr  
Hörprobe: "Das historische Gedächtnis"

Wednesday, July 02, 2014

FILM: ‘In Bloom’ movie review. By Stephanie Merry @stephmerry (washingtonpost.com)

(washingtonpost.com) When a gun lands in the hands of a defiant 14-year-old, a bleak drama suddenly turns into a stomach-churning suspense film. Every moment seems like it could lead Natia to pull the trigger, whether she’s being stalked by a young man trying to force her into marriage or dealing with the hateful bully who terrorizes her best friend’s walk home from school.

Natia (Mariam Bokeria), left, and Eka (Lika Babluani) stick up for each other at school, but they face their own troubles at home. (Big World Pictures)
The deadly weapon is usually out of sight, but it’s never far from mind during “In Bloom.” The object charges even the most banal moments as the two girls come of age in Tbilisi, Georgia, during the early 1990s.

“In Bloom” has won prizes at festivals around the world, and the film was Georgia’s submission in the foreign language category at this year’s Academy Awards. It didn’t make the final cut, but it was a worthy contender, even with two first-time actresses in starring roles. Lika Babluani and Mariam Bokeria are captivating as Eka and Natia, girls who sit next to each other in class, gallivant together after school and stick up for each other when they can.

Each girl has her own troubles at home. Natia’s father is an alcoholic, and his drinking inevitably leads to screaming arguments with her mother, where insults and broken glass fly. Eka’s father, meanwhile, is in prison, possibly for murder, although the girl’s mother won’t disclose the full story.

Life outside the house proves even less comforting. The two are tasked with navigating a suffocating cluster of a bread line, and their teacher is a tyrannical nightmare. Even the story’s most gentle narrative thread — Natia’s fledgling relationship with a boy named Kopla (Giorgi Aladashvili) — has an ominous feel. He’s the one who gives her the gun, just before he departs for Moscow. His timing couldn’t be worse, as the sinister Kote (Zurab Gogaladze) is set on turning Natia into a child bride. (Bridal kidnapping has been a persistent problem in countries around the world, including many former Soviet republics.)

The whole unsettling scenario mirrors the state of Georgia at the time. The country was in the midst of civil war, and although no battles are fought where the girls live, reminders are everywhere, from talk of boys taking up arms and leaving town to radio dispatches about bombings in Sukhumi. Later, that city would be the sight of a horrifying massacre, and the reality of what’s to come hangs over the movie. Violence is inescapable.

There is an obliqueness to “In Bloom.” Writer Nana Ekvtimishvili, who directed the movie with Simon Gross, doesn’t spell things out, and the complete story never comes into focus. That sense also is reflected in the way the movie is shot. In a scene where Eka is dancing during a wedding reception, we never see her feet, even as the other guests are hollering in appreciation. The viewer becomes keenly aware that she is only getting part of the story. But when the truth is so troubling, sometimes part of the story is more than enough.

★ ★ ★

Unrated. At AFI Silver. Contains language. In Georgian with subtitles. 102 minutes.

Tuesday, July 01, 2014

KONZERT: Musiker der "New Masters of Mugam" aus Aserbaidschan treten am Donnerstag - 3. Juli - in Erfurt auf. Von Lavinia Meier-Ewert (thueringer-allgemeine.de)

(thueringer-allgemeine.de) Lange Nacht der Musikkulturen: Jahrhundertealte Lieder über die Liebe erklingen im Kaisersaal Erfurt 

Lange Nacht der Musikkulturen: Musikerinnen und Musiker aus Südkorea, Aserbaidschan, Tansania und Brasilien im Kaisersaal Erfurt [pdf]

Pressemappe [pdf]

Weimar. Die Musiker der "New Masters of Mugam" aus Aserbaidschan treten am Donnerstag in Erfurt auf. Ihre Kompositionen aus Aserbaidschan spielen, sind jahrhundertealt, und doch hat sie nie jemand aufgeschrieben. Sie werden mündlich weitergegeben, von einer Generation zur nächsten, so ist es Tradition.

Und so ist zugleich gesichert, dass die Tradition immer lebendig bleibt, erklärt Philip Küppers vom Lehrstuhl für "Transcultural Music Studies" der Weimarer Liszt-Hochschule. "Die Musik muss sich erneuern - sonst wird sie etwas fürs Museum."

Dieser Weiterentwicklung der alten Musiktradition des Mugam widmen sich die vierzehn Musiker des Ensembles "New Masters of Mugam", die am Donnerstag in Erfurt auftreten. Sie kommen vom Nationalkonservatorium in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. 300 Studenten erlernen dort ausschließlich Mugam und ihm verwandte Musikstile.

Die Traditionen in die Moderne holen

Der Mugam ist als musikalischer Zyklus verfasst und lässt sich in etwa mit einer mehrsätzigen Suite vergleichen. Bei jedem der Teile wird improvisiert - allerdings nach vorgegebenen musikalischen Gesetzmäßigkeiten. Die Melodielinie wird in einer höheren Tonlage gesungen, der darunter laufende Instrumentalton mit einem kleinen Rohrblattblasinstrument erzeugt.

Die "New Masters of Mugam" sind Dozenten und Meisterschüler am Konservatorium, unter ihnen der Tar-Spieler Shahriar Imanov, der 2013 beim "International Mugam Festival" ausgezeichnet wurde, ebenso wie Sänger Miralam Miralamov. "Mugam ist das Zentrum", sagen sie über ihre Musik. "Von hier aus können wir in jede Richtung Neues schaffen." Das Ensemble verknüpfe Moderne und Erneuerung, ein traditionelles Repertoire mit virtuoser Ausgestaltung, sagt Philip Küppers, der die Musiker vor wenigen Wochen in Baku besucht hat.

Die Texte indes sind seit Jahrhunderten dieselben: Gedichte über das Schicksal und die Liebe, meist verfasst von berühmten Dichtern des Landes.

Donnerstag um 19.30 Uhr im Erfurter Kaisersaal. Es spielen Ensembles aus Tansania, Südkorea und Brasilien. Karten: 16-19 Euro, Tourist-Information und Abendkasse 

+++

Konzert auch beim tff-rudolstadt.de

Muğam ist die aserbaidschanische Bezeichnung für eine Musikform, die von den Uiguren im Nordwesten Chinas durch ganz Zentralasien bis in die Türkei verbreitet ist. Je nach Ort und Sprache heißt sie Maqam, Muqam oder auch Shahmaqam. „Seiner Form nach ist der Mugham ein Zyklus im Charakter einer Suite oder Rhapsodie. Jeder der Mughamteile ist eine Improvisation, die sich im Rahmen der jeweiligen Tonart, in der der Mugham steht, bewegt und sich auf die freie Nutzung von melodischen Wendungen, wie sie für diese Tonart charakteristisch sind, gründet. Jeder folgende Mughamteil hat einen anderen Stützton und entfaltet sich in einem höheren Klangbereich. Die Sätze werden durch Intermedien – Tasnif (ein begleitendes Lied) und Rjang (eine tänzerische Instrumentalepisode) –  unterteilt. Die komplizierten Regeln dieser Kunstform werden von den Interpreten streng befolgt. Doch wie die ganze Folklore gehören auch die Mughame zur mündlich überlieferten Musiktradition. Dadurch werden die Mugham-Intonationen auch ständig erneuert.“ (Alexandra Tichanowa)

Für diese ständige Erneuerung sorgt in Baku das Nationalkonservatorium; seit 2009 begleitet die Heydar Aliyev Foundation diese Bemühungen durch ein jährliches Festival International World of Mugham, das passenderweise im International Mugham Center of Azerbaijan stattfindet. Aus diesem Umfeld kommt auch die von Tiago de Oliveira Pinto von der Musikhochschule Weimar handverlesene Gruppe junger Meister: „Dass die Musiker aus dem Nationalkonservatorium stammen, ist gut, denn an dieser Ausbildungsstätte wird die Mugham-Tradition bereits seit vielen Jahrzehnten vermittelt und gepflegt. Es handelt sich dabei nicht um eine westlich orientierte und daher artifizielle traditionelle Musik. Ich habe dieses Konservatorium besucht und war erstaunt, wie viele junge und talentierte Musiker hier von großen Meistern unterrichtet werden. Bei dieser Gruppe handelt es sich um die Vertreter der jüngeren Generation des Mugham.“

VORTRAG: Die türkischen Bosniaken und Georgier als Verbindungslinie zwischen Balkan und Kaukasus. Von Dr. Christoph Giesel in Jena (slawistik.uni-jena.de)

Logo der FSU Jena (slawistik.uni-jena.de) (Dr. Christoph Giesel spricht zu uns im Rahmen unserer Ringvorlesung SAKRALITÄT UND MOBILITÄT IN SÜDOSTEUROPA UND IM KAUKASUS, und zwar bereits MORGEN (02. Juli, 18-20 Uhr) über die türkischen Bosniaken und Georgier.

Der Abend verspricht einen spannenden Vortrag mit anschließenden Diskussionen mit dem Referenten.
Ort der Veranstaltung: Accouchierhaus, Seminarraum 101, Jenergasse 8, Jena.
Ich hoffe auf ein gesundes Wiedersehen,
Ihr und Euer TDK

Die türkischen Bosniaken und Georgier als Verbindungslinie zwischen Balkan und Kaukasus – transnationale, historische, soziale und politische Aspekte im Vergleich

Christoph GIESEL

Nach der Eroberung weiter Teile des Balkans und des Kaukasus durch die Osmanen kam es dort langfristig zu Prozessen einer Islamisierung von christlichen Bevölkerungsteilen. Infolge des allmählichen osmanischen Verlustes dieser Gebiete setzten im 19. und 20. Jh. verschiedene Flucht- und Auswanderungsbewegungen unter zahlreichen Angehörigen dieser islamisierten Gruppen mit verschiedenen ethnischen Zugehörigkeiten in das verbliebene osmanische Kernland ein. Zu diesen Gruppen zählen unter anderem auch die Bosniaken aus Südosteuropa und die islamisierten Georgier aus dem Kaukasus, die insbesondere im nördlichen und westlichen Raum Anatoliens dauerhaft miteinander in Berührung kamen und oftmals zusammen (mit anderen ethnischen Gruppen) in gemeinsamen Siedlungen leben. Im Zuge der türkischen Unabhängigkeitsbewegung unter Mustafa Kemal Atatürk waren sie aufgrund ihrer islamischen Religionszugehörigkeit, ihrer pro-osmanischen Loyalität, ungefestigter bzw. hybrider Selbstverortungen und ihrem diffusen Verständnis vom Türkentum (welches mit dem Osmanentum häufig gleichgesetzt wurde) wichtige Adressaten der nationalideologischen, assimilatorischen Türkifizierungs- bzw. ethnischen Homogenisierungspolitik der Kemalisten. Die politischen, sozialen und rechtlichen Bedingungen in der Türkischen Republik führten im Laufe der Jahrzehnte bei beiden Gruppen zu einem Wechselspiel aus Verlust und Erhalt ethnospezifischer Merkmale und zur partiellen bis fast vollständigen türkischen Assimilierung von vielen Gruppenangehörigen. Das führte auch zu gegenseitigen partiellen Verschmelzungsprozessen bei den Nachfahren der bosniakischen und georgischen Auswanderer. Mit den ab den 1980er Jahren allmählich einsetzenden politisch-sozialen Liberalisierungsprozessen in der Türkei verbesserten sich auch schrittweise die Möglichkeiten einer offeneren öffentlichen ethnokulturellen Entfaltung und Organisation sowie einer wissenschaftlichen Erforschung dieser Gruppen. Das erwirkte eine stetige Zunahme von ethnic revival-Prozessen, die bis zum heutigen Zeitpunkt andauern.

Eigene, von 2007 bis 2012 durchgeführte Feldforschungen zu beiden Gruppen zeigten auf, dass es neben den Unterschieden (zumeist im ethnokulturellen und historisch-geographischem Bereich aber auch im Hinblick auf religiöse Attitüden) zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen Türkei-Bosniaken und Türkei-Georgiern gibt, wobei diese Gruppen andererseits jedoch auch jeweils gruppeninterne Ausdifferenzierungen aufweisen. Darauf Bezug nehmend, widmet sich die Präsentation einem strukturellen Vergleich zwischen diesen Gruppen unter politischen, historischen, religiösen, sozialen, sozialpsychologischen und transnationalen Gesichtspunkten. Diese Darlegungen werden durch Erfahrungsberichte aus den Feldforschungen und umfangreiche Bildmaterialien ergänzt. 


+++


SAKRALITÄT UND MOBILITÄT IN SÜDOSTEUROPA UND IM KAUKASUS

RINGVORLESUNG, SS 2014, Mittwochs, 18-20 Uhr 

PROGRAMM (pdf) >>>