Showing posts with label Edward Burtynsky. Show all posts
Showing posts with label Edward Burtynsky. Show all posts

Thursday, August 16, 2012

ENERGIE: "Big Oil wird aggressiver". Interview mit dem Fotografen Edward Burtynsky (zeit.de)

Socar Oil Fields #1a, Baku, Azerbaijan 2006
Der kanadische Fotograf Edward Burtynsky, geboren 1955, porträtiert in Langzeit-Projekten den Einfluss der Menschen auf die Natur. Seine Fotografien wurden unter anderem in Sammlungen der National Gallery of Canada, der Bibliotèque Nationale in Paris, dem Museum of Modern Art und dem Guggenheim Museum in New York aufgenommen. In Deutschland zeigt das C/O Berlin seine Ausstellung Oil bis zum 9. September 2012. Link: www.co-berlin.info

+++

Von |

(zeit.de) Der Fotograf Edward Burtynsky reiste jahrelang um die Welt, um das Geschäft der Ölindustrie zu dokumentieren. Er sagt: Die Branche steht vor dem Todeskampf.

ZEIT ONLINE: Herr Burtynsky, benutzen Sie eigentlich Tupperware?

Edward Burtynsky: Bestimmt.

ZEIT ONLINE: Dann geht es Ihnen ja wie den meisten von uns: Wir verwenden Plastikdosen und Kleidungsstücke, ohne darüber nachzudenken, dass sie Öl enthalten – einen Rohstoff, mit dem wir doch eigentlich sparsam umgehen wollen.

Burtynsky: Es ist schlicht unmöglich, sich vom Strom der Produkte und damit vom Erdöl unabhängig zu machen. Selbst unser Essen enthält in gewisser Weise Öl, wegen der Düngemittel und der Lastwagen, die Lebensmittel durchs Land fahren. Die einzige Chance, ohne Erdöl zu leben, ist in der Wildnis nach Hasen zu jagen und Fische zu fangen.

ZEIT ONLINE: Sie fotografieren seit mehr als zehn Jahren die Förderung von Öl und die Umweltschäden, die dadurch entstehen. Warum wissen wir so wenig darüber?

Burtynsky: Weil die meisten von uns in ihrer vertrauten Welt leben, zwischen Arbeit und Wohnung. Wir müssen uns die Frage nicht stellen, wo die Dinge herkommen, die uns umgeben. Bevor ich anfing, die Ölförderung zu fotografieren, ging es mir ja genauso.

ZEIT ONLINE: Wie kamen Sie damals auf das Thema?

Burtynsky: Ich war 1995 mit dem Auto unterwegs, um Kohleminen zu fotografieren. Auf der Strecke ging mir das Benzin aus. Ich saß im Wagen und bemerkte, dass die Straße gerade neu asphaltiert worden war. Dann sah ich auf mein Armaturenbrett aus Kunststoff, auf meine Kleidung mit Synthetikfasern – alles, was mich in diesem Moment umgab, war zum Teil aus Öl gemacht. Also beschloss ich, die Landschaften zu erkunden, in denen Erdöl gefördert wird und die Herstellungsprozesse zu fotografieren: in den Raffinerien, in der Konsum- und Motorkultur und schließlich auf Schrottplätzen.

ZEIT ONLINE: Was war in dieser Zeit Ihre größte Erkenntnis?

Burtynsky: Dass alles, was das Wachstum der Bevölkerung und Wirtschaft in den vergangenen Jahren angetrieben hat, auf dieser scheinbar unerschöpflichen und billigen Energieform beruht. Als ich in den fünfziger Jahren geboren wurde, gab es 2,4 Milliarden Menschen auf der Welt. Mittlerweile sind es mehr als sieben Milliarden. Dazwischen lag keine grüne Revolution, wie viele denken, sondern die Ölrevolution: Die Mechanisierung der Landwirtschaft, der Einsatz von Düngemittel hat es der Menschheit ermöglicht, so schnell zu wachsen. Der Preis ist eine ungeheure Zerstörung.

ZEIT ONLINE: Welches Bild der Zerstörung hat Sie besonders beeindruckt?

Burtynsky: Was ich in Bangladesch gesehen habe, werde ich nie vergessen. Dort zerlegen Menschen für einen Dollar am Tag die völlig verseuchten Öltanker aus der Ersten Welt. Viele erblinden durch die Gifte nach einigen Jahren, keiner wird älter als 40. Ich fühlte mich zurückversetzt in die Zeit der Industrialisierung und musste an die Beschreibungen Charles Dickens’ in Hard Times denken. Ich hätte niemals gedacht, dass Menschen auf der Welt so arbeiten.

ZEIT ONLINE: Auf ihren Bildern sind fast keine Menschen zu sehen. Warum nicht?

Burtynsky: An meiner Arbeit sind nicht die Menschen interessant. In den späten siebziger Jahren habe ich begonnen, den Einfluss der Menschen auf die Natur zu fotografieren. Wo Menschen in meinen Bildern auftauchen, sind sie mit den Konsequenzen unserer Konsumwelt konfrontiert. Sie sind human fallout, ein Beiprodukt unserer Ersten Welt.

ZEIT ONLINE: Sehen sie sich selbst nur als Fotografen oder auch als Aktivisten?

Burtynsky: Wenn ich ein Aktivist bin, dann in meiner Arbeit selbst. Der Fotograf Ansel Adams zeigte die amerikanischen Nationalparks, um uns klar zu machen, was wir verlieren könnten. Seine Bilder wurden sogar im Kongress gezeigt. Allein in der Zeitspanne meines Lebens sind fünf Milliarden Menschen auf der Erde hinzugekommen. Etwas passiert gerade. Darüber muss ich reden, daran denke ich als Fotograf.

ZEIT ONLINE: Womöglich wird schon die nächste Generation von der abgelaufenen Epoche des Öls sprechen. Die Vorräte gehen zur Neige.

Burtynsky: Ja, der Moment des peak oil...

ZEIT ONLINE: ... die maximale Menge an Öl, die weltweit gefördert werden kann ...

Burtynsky: ... wird kommen, womöglich haben wir diesen Punkt schon erreicht. Das Wesen des Öls ist, dass es seine eigene Geschwindigkeit hat. Es fließt immer im gleichen Tempo, sie können nicht schneller pumpen und selbst wenn sie neue Felder entdecken, wird irgendwann nichts mehr herauskommen. Es ist wie Ping-Pong in einem fahrenden Zug: Der Ball bewegt sich hin und her, aber der Zug fährt immer in die eine Richtung.

ZEIT ONLINE: Wie macht sich das an den Förderstätten bemerkbar?

Burtynsky: Für die Ölkonzerne wird es immer riskanter und teurer, an Öl heranzukommen. In meiner Ausstellung gibt es eine Fotografie des Kern-River-Ölfelds in Kalifornien, das Sie vielleicht aus dem Film There will be blood mit Daniel Day-Lewis kennen. Als das Feld Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt wurde, benötigte man die Energie von einem Barrel, um an hundert Barrel Öl zu kommen. Heute liegt das Verhältnis bei 1 zu 10. Der Mensch nimmt sich immer schneller, was die Natur vor 400 bis 500 Millionen Jahren bereitgestellt hat, als die ersten Ölformationen entstanden.

ZEIT ONLINE: Wie reagiert die Ölindustrie darauf?

Burtynsky: Vor allem die US-Konzerne werden aggressiver, wenn es darum geht, die Zweifel darüber zu zerstreuen, was Öl anrichtet. Die Ölindustrie hat dabei von der Tabakindustrie gelernt, die noch 40 Jahre nach der Entdeckung, das Zigaretten Krebs erzeugen, das Gegenteil behauptete. Genauso verneint die Industrie die Tatsache, dass wir auf peak oil zusteuern.

ZEIT ONLINE: Warum?

Burtynsky: Die Leute von BP und Shell sind chemical guys: Sie kennen sich mit chemischen Prozessen aus. Selbst wenn sie umdenken wollten, könnten sie auf anderen Energiemärkten nicht mithalten. Zum anderen gibt es eine Art kognitive Dissonanz: Es ist unangenehm, zu sagen, dass das eigene Tun schlecht für die Welt ist. Also glaubt man eher den wenigen Wissenschaftlern, die das Gegenteil behaupten – obwohl die Evidenz überwältigend ist.

ZEIT ONLINE: Kann der Markt helfen, unabhängiger vom Öl zu werden?

Burtynsky: Ich denke schon, dass Märkte korrigierend wirken. Wenn die Nachfrage steigt und das Angebot sinkt, wird der Preis für Öl womöglich schon bald steigen, 100 Dollar, 200 Dollar das Barrel, sogar noch mehr. Irgendwann werden Alternativen dann lohnender. In manchen Fällen wird das dazu führen, dass wir vielleicht nachhaltiger wirtschaften.

ZEIT ONLINE: Beeinflusst das politische System unseren Umgang mit Ressourcen?

Burtynsky: Nein. Es geht darum, wie wir Menschen uns in der Natur einrichten. Fahren Sie nach China, wenn Sie wirklich ausgebeutete Landschaften sehen wollen – die Umweltzerstörung ist dort unvergleichlich. Unlängst bin ich mit meinem Team mit dem Auto von Shanghai aus durch China gefahren. Wir haben vier Stunden lang keinen Vogel gesehen. Nicht einen einzigen.

ZEIT ONLINE: Warum lassen wir die Umweltzerstörung zu?

Burtynsky: Die Menschen sind gut im kurzfristigen Denken, aber schlecht, wenn sie 20 oder 30 Jahre voraus denken sollen. Wir erwarten von unseren Politikern, dass sie uns Wachstum bringen, und wenn sie das nicht tun, schmeißen wir sie raus. Barack Obama etwa wollte die Energiewende, aber am Ende blieb er irgendwo zwischen Republikanern und der Finanz- und Öl-Lobby stecken.

ZEIT ONLINE: Es liegt nur an unserem Verhalten.

Burtynsky: Natürlich. Der Punkt ist, dass wir im Moment nur noch wenige Möglichkeiten haben, die Katastrophe zu verhindern: das Abschmelzen der Polarkappen. Die Freisetzung großer Mengen Methan in die Atmosphäre, gegen das die Abgase von rund einer Milliarde Autos derzeit ein Scherz ist. Die Überflutung von Städten wie Los Angeles, London oder New York. Das alles können wir bald nicht mehr verhindern. Dann fahren wir eben alle zur Hölle.

Mehr dazu:

* Edward Burtynsky "Oil" im C/O Berlin

+++

EDITION. Edward Burtynsky: SOCAR Oil Fields #3, Baku, Aserbaidschan, 2006, a.d.S. The End of Oil, 45,7 x 55,9 cm . C-Print, Edition 15. 3,800 Euro incl. 19 % MwSt, Versandkosten, Bestellung und weitere Informationen unter web@co-berlin.com 

burtynski

Edward Burtynsky: SOCAR Oil Fields #3

"Oil" ist eine einzigartige Kartografie des Rohstoffes und deckt in vier Kapiteln dessen enorme Auswirkungen auf. In "Extraction & Refinement" liegt Burtynskys Fokus rein auf der Förderung – von kargen Ölfeldern bis hin zu labyrinthischen Fabriken. "Transportation & Motor Culture" zeigt mehrspurige Highways mit gordischen Verkehrsknoten, die sich endlos durch Metropolen und Landschaften ziehen. Zugleich entlarvt Edward Burtynsky durch die Aufnahmen endloser Reihenhaussiedlungen, gigantischer Parkplätze und spielerischer Wettrennen die allgegenwärtige Dominanz des Autos als gesellschaftlich-kultureller Fetisch. Müllkippen für Stahlschrott, stillgelegte Förderpumpen, ausrangierte Flugzeuge, Halden voller Autoreifen und ölverschmierte Fässer – das dritte Kapitel "The End of Oil" zeigt das schmutzige Ende der Verwertungskette in all ihrem umweltschädlichen Ausmaß. Die Ausstellung fügt ein weiteres, aktuelles Thema hinzu: Edward Burtynskys "Oil Spills" von der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010.

Seine Panoramen stehen in ihrer makellosen Ästhetik und faszinierenden Schönheit in der Tradition der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts – und gleichzeitig jedoch im völligen Kontrast zu ihrem dramatischen Inhalt. Sie lösen im selben Moment Faszination und Scheu, Anziehung und Beängstigung aus. Aus der Distanz oder Vogelperspektive fotografiert wirken Edward Burtynskys Sujets in ihrer Geometrie wie betörend reizvolle Landschaften. Wie ein Maler oder Bildhauer erzeugt er visuelle Abstraktion verbunden mit perfekter Bildkomposition und weichen farblichen Übergängen, die seinen Arbeiten ihren widersprüchlichen Charakter verleihen.

C/O Berlin präsentiert erstmals in Berlin ca. 30 Fotografien aus seiner Serie „Oil“. Zur Ausstellung ist ein Katalog bei Steidl erschienen.

* co-berlin.info

+++

* Aus dem Lebenszyklus des Erdöls. Von Johanna Treblin
* AUSGEBEUTETE LANDMASSE
* kunstundfilm.de/2012/07/edward-burtynsky-oil

+++

Podcast: Eine Mahnung vor der Apokalypse des Wachstums (dradio.de)
Fotografien des Kanadiers Edward Burtynsky bei C/O Berlin
Von Carsten Probst

Öl sei der Kern menschlicher Expansion seit dem 20. Jahrhundert, sagt der Fotograf Edward Burtynsky. Der Kanadier mit ukrainischen Wurzeln hat der Produktion und Nutzung des Kraftstoffs eine Serie gewidmet, von der nun ein kleiner Teil in der C/O Berlin ausgestellt ist.
Oft wählt Edward Burtynsky die Faszination durch schiere Masse, durch die Ordnung riesiger Mengen von Konsumgütern oder durch ein lichttechnisch verschönertes Chaos von Abraumhalden oder Müllbergen. Draufsichten aus Helikoptern oder von Höhenzügen über gewaltige Landschaftsformationen, die der Ausbeutung durch Industrie anheimgefallen sind, fotografiert der Kanadier mit ukrainischen Wurzeln mit einem ausgeprägten Sinn für die Schönheit des Schrecklichen, die Faszination des Monumentalen in der Natur. In dieser Hinsicht ist er vielleicht ein später Erbe der großen Naturbewunderung der Romantik, aber zugleich fasziniert ihn daran der Gedanke, dass die Landschaften, zerstört und brachial, wie sie sind, allesamt durch Menschenhand gemacht worden sind.

"Es begann damit, dass ich bei meinen Landschaftsaufnahmen darüber nachzudenken begann, woher aus der Natur eigentlich all die Dinge stammen, aus denen unsere Städte gemacht sind. Woher kommt das Einsen, der Stahl? Woher kommen Nickel, Gold? So begann ich, Mienen zu fotografieren, oder Steinbrüche, aus denen die Steine für die Häuser kommen, um zu erkunden, wie unsere Städte entstanden sind und dass es Orte in der Natur gibt, die die selben Größe haben wie unsere Städte, als ihr Äquivalent in der Natur."

Seine Neugier in Bezug auf die Ressourcen, aus denen Städte heute entstehen, trieb ihn seit den neunziger Jahren immer wieder in jenes Land, das noch immer wie kein zweites für rasendes Wirtschaftswachstum und die damit einhergehende rasante Zerstörung und den Neuaufbau gewaltiger Stadtzentren steht: China.

"An einem bestimmen Punkt stellte ich fest, dass zwar alle Lebewesen die Natur nutzen, um ihr Überleben zu sichern. Aber der mechanische Vorteil des Menschen beim Abbau der Ressourcen basiert auf dem Öl, auf Kraftstoffen. Sie bewirken erst die Geschwindigkeit und die Größe der Ausbeutung der Natur, zu der der Mensch fähig ist. Mitte der neunziger Jahre wurde mir klar, dass Öl der Kern menschlicher Expansion seit dem 20. Jahrhundert ist."

Im Fall seiner noch nicht abgeschlossenen Serie über Produktion und Nutzung des Öls finden sich durchaus buchstäblich spektakulär zu nennende Aufnahmen von Ölraffinerien, Ölabbaufeldern in Kalifornien oder im Kaspischen Meer vor der Aserbaidschanischen Küste.

Riesige Autofabriken entfalten sich ebenso horizontweit wie die einstöckigen Vorstadtlandschaften von Los Angeles, die nur mit dem Auto erreichbar sind. Endlose Müllhalden für die Entsorgung von Ölprodukten oder von Maschinen, die diese Ölprodukte benötigen, erzeugen ganz eigene Landschaften: Flugzeugfriedhöfe, Gebirge alter Autoreifen, Tankschifffriedhöfe wie in Chittagong in Bangladesh. Burtynsky arbeitete bis vor kurzem mit analogen Großbildkameras, um die einheitlichen Großformate zu erzeugen, die fast etwas gemäldehaftes haben.

Aus Platzgründen zeigt C/O Berlin leider nur eine stark begrenzte Auswahl von ungefähr 30 Arbeiten. Wirklich überwältigend in ihrer gewaltsamen und verstörenden Schönheit werden Burtynskys Bilder freilich erst in der Häufung und Wiederholung der Motive. Das ist aber auch das Einzige, was man dieser eindrucksvollen Ausstellung vorwerfen kann: Dass in ihr der Aspekt der ästhetischen Schönheit ein wenig überbetont wird und Burtynskys Werk als Mahnung vor der Apokalypse des Wachstums hinter der Faszination des Schrecklichen ein wenig verschwindet.



VIDEO: Exposition: Edward Burtynsky . Oil . Photography at c/o Berlin, Germany

+++


Erschreckend und zugleich faszinierend schön sind die Bilder der in Berlin eröffneten Ausstellung "Oil" des Industriefotografen Edward Burtynsky. Sie zeigen die "Absurdität hinter dem Ölkonsum", wie Kuratorin Bertrand sagt. Zu sehen ist vor allem das Resultat des menschlichen Eingreifens in die Natur.

Tuesday, November 24, 2009

PHOTOGRAPHY: Edward Burtynsky's 'Oil' at the Corcoran, part two


Edward Burtynsky's photographs about our reliance on oil (on view now at the Corcoran) include a kind of trap. The pictures are beautiful. A Burtynsky picture of the landscape near extraction facility outside Fort McMurray, Alberta, looks like a classic Western landscape, complete with big sky, a reflection of a just-right cloudscape and endlessly unfolding hills.

But look closely: That sky isn't reflected in water, it's reflected in a pool of something that isn't nearly as pure. There's an oil refinery
in the distance. Other photographs nearby show the gross, toxic process by which oil is freed from bitumen deposits. The beguiling, deceptive beauty in Burtynsky's photographs is effectively a metaphor for our fascination with, our at-almost-any-cost pursuit of, la belle vie. We're hooked.

Once Burtynsky hooks us on his work, he shows us how the black gold has enabled our lifestyle. The Corcoran exhibition starts with Burtynsky's pictures of how we get oil:
Pumpjacks in the California desert, extraction from oil sands in Alberta and pictures of refineries. Then it shows us how we've used oil, how oil has helped us transform our landscape: Pictures of bizarre, artificial-lake-surrounding Las Vegas subdivisions, the Sturgis motorcycle rally, a NASCAR race and more. (I think that the NASCAR pictures is the one around which the show spins.) The exhibition ends with a section called 'End of Oil' that chronicles what happens to places and things after they're used up. These pictures include a spent, abandoned oil field in Azerbaijan andshipbreaking photos from Bangladesh. The Azerbaijan pictures complete a rhyme: Abandoned oil fields leave pretty reflected skyscapes too.

There are obviously a hundred other ways oil has impacted us and a hundred more ways in which our pursuit of oil has impacted the planet. Showing all of them would be impossible, so consider Burtynsky's project an introduction to an enormous subject. Burtynsky's inability to document the totality of all-things-oil should not be considered a fault of his project, but a reminder of how thoroughly oil suffuses human life on Earth.

Regardless, there's a particular cleverness to Burtynsky's approach: He has mixed the traditions of landscape art -- scale, beauty and grand vistas -- with the conceptual rigor of the New Topographics, the photographers who found smart ways to show us how humans were impacting the land. Burtynsky's pictures are huge -- four-by-five feet each -- which helps to enable the detail that draws the viewer right up to the surface of the pictures. Photographs by the New Topos were typically much smaller, measurable in inches.
IndustrialParkBurtynsky.jpgIt is a connection that Burtynsky seems eager to encourage. Included in the Corcoran show is this picture, Industrial Parks(2007, at left), featuring a development in North Las Vegas, Nevada. The picture seems like a direct tip-of-the-hat to New Topo artist Lewis Baltz, whose The New Industrial Parks near Irvine, California
(1974) is one of the landmarks of 20th-century photography. Burtynsky's intent is to show us not just what we've done, but to use beauty and scale to show us how massively we've done it, how we're at the point of no return. It's depression by seduction.

The last galleries of the show drive home the point: They include pictures of the third-world work-sites and workers who break up the giant oil tankers that ship crude around the globe. The conditions are nothing short of disgusting. They are ultimately lethal. It is possible, even likely, that the people in these pictures are dead. Burtynsky's shipbreaking pictures are an appeal to conscience: Look what oil has enabled, but also consider the human cost of our reliance.

The exhibition's final picture, installed just outside the suite of galleries in which the show is installed, is of oil that appears to have seeped up onto a beach in Chittagong, Bangladesh. The oil is in the shape of a
footprint, a kind of literal, poisonous carbon footprint.
Related: In the NYT, Ken Johnson found the beauty of Burtynsky's pictures to be problematic.




AmazonShop: Books, Maps, Videos, Music & Gifts About The Caucasus




PHOTOGRAPHY: Die Matrix der Modern. Von Lennart Laberenz

Edward Burtynsky hat eine erschütternde Bilderreise durch die Welt des Öls vorgelegt (edwardburtynsky.com)
Das letzte Bild, bevor in Edward Burtynskys prächtigem Bildband „Oil“ der Essay-Block beginnt, fällt etwas aus der Reihe. Ein Porträt ist es, für den forensisch vorgehenden Industrie-Landschaftsfotografen Burtynsky fast eine Nahaufnahme: In Chittagong, Bangladesh, stehen drei barfüßige Männer, geradezu eingezwängt zwischen verschmutzten Ölfässern. Der Boden ist eine einzige glänzende Oberfläche, Pfützen und Fußabdrücke in der dicken Schicht aus schwarzem Ölschlamm. Die drei Männer stehen vor einer Sickergrube, sie versuchen verdrecktes Altöl, mutmaßlich aus den ausgeschlachteten Tankern irgendwo im Rücken des Fotografen, wiederaufzuarbeiten. Die verdreckten Reste werden in die Erde geschüttet. Das Bild hat keinen Horizont, hinter einem Zaun und einer Baracke schließen Palmen und Bananenbäume das Blickfeld. Es scheint, als sei dieser grauenhafte Ort, in dem ein nun zum Gift gewordenes Naturprodukt der Natur selbst wieder zugeführt wird, ihr in täglicher Abwehr abgetrotzt.

Die Aufnahme korrespondiert mit dem ersten Bild des Bandes: Gewienerte Pipelines durchpflügen den kanadischen Wald bei Cold Lake, in der Provinz Alberta. Auch dies ist eine Landschaft, in der der Wald aus dunklen Nadelhölzern dominiert und zurückgetrieben wurde, dazwischen die Schneise mit dem erratisch anmutenden Muster der glänzenden Leitungen. Darüber türmen sich Wolken, auf den ersten Eindruck wirkt das Ensemble friedlich, es ist futuristisch, sauber und verspricht im Subtext Fortschritt, Wärme, Modernität. Erst weiter hinten, als gezackte Narbe erscheint eine Sandpiste wie ein Eingriff, der das Idyll stört: Die Pipelines selbst sind zur zweiten Natur geworden, der Kontrast entsteht durch das schmale Band, auf dem man schwere Lastwagen und geländegängige Autos vermutet. Ihr Motorenlärm, ihre Abgase sind es, die auf Arbeit hinweisen, auf Verschmutzung und Zerstörung.

Zwischen diesen beiden Aufnahmen hat sich Edward Burtynksy auf eine lange Reise mit dem Titel „Oil“ begeben, zwölf Jahre lang hat er um das Thema herum fotografiert, was ihm einfiel und was er mit dem Rohstoff verbinden konnte. Nun ordnet er die überwältigenden Bilder in dem vom Steidl-Verlag in Steidl-Qualität herausgegebenen, wuchtigen Band in drei Kapitel: „Produktion und Weiterverarbeitung“, „Transport und Motor-Kultur“, sowie „Das Ende des Öls“.

Der französische Philosoph Roland Barthes hat einmal bemerkt, dass Plastik „weniger eine Substanz als vielmehr die Idee ihrer endlosen Umwandlung“ sei und als solche „die sichtbar gemachte Allgegenwart“. Plastik sei stets mit dem Erstaunen vor dieser Umwandlung durchdrungen und als solches weniger Gegenstand im eigentlichen Sinn, sondern „die Spur einer Bewegung“. Wenn Plastik für Barthes die sublimierte Bewegung und zugleich fast substanzlos, weil beinahe unbeschränkt wandelbar ist, steht es ebenfalls in der sinnbildlich für den Erfindergeist und den Ausbeutungswillen der Moderne. Edward Burtynsky weist mit seinen großformatigen Aufnahmen von den Stätten der Produktion, den Modi des Verbrauches und den grauenhaften Beschädigungen beider auf das Substrat der Moderne hin. Die gewaltigen Förderanlagen, die zur eigenständigen Landschaft gewachsen sind und beinahe nicht mehr als Störung der Natur ein Menetekel bilden, die Raffinerieleitungen, die einen eigenen Urwald bilden, die Vorstädte, in denen man selbst zum Brötchenkaufen das Auto benötigt: Die Moderne, so kommentieren die Bilder von Burtynsky trocken, ist eine Lebensform der Vergangenheit, in ihrer Konsequenz noch präsent bis weit in die Zukunft hinein. Und außerdem: Diese Moderne ist eine amerikanische Welt. Grade der letzte Aspekt ist überdeutlich. Die kalifornischen Förderstätten des Erdöls verraten den Größenwahn ihrer Besitzer und den Überlegenheitsglauben der Nation selbst. In den dreckigen Hinterlassenschaften deutet sich die dünne Schicht der Zivilisation an, über die P.T. Anderson in seinem Film „There Will be Blood“ erzählt.

Edward Burtynsky hat bereits in drei vorhergehenden Bildbänden die Spuren der industriellen Bewegung, die von Menschen gemachten Landschaften beobachtet. Eher überraschend habe er den Kern seiner Arbeit, bereits tief in den Prozess der Arbeit selbst verwickelt, erzählte er einmal: Er habe sich einmal in Pennsylvania verfahren und sei in ein Kohlenstädtchen geraten. Eine Landschaft, komplett von Menschenhand gemacht, transformiert, ins Surreale verändert. Daraufhin habe er begonnen die Eingriffe der Industrie in die Natur zu betrachten, sie als Landschaft selbst zu entziffern. „Und das wurde zur Basis von dem, was ich tue.“

Burtynsky hat darüber einen Blick auf die Industrie, die Rohstoffe fördert oder Energie produziert entwickelt, der sehr nüchtern wirkt. „Mit fehlt die Verbindungs zwischen unserer Zivilisation und der Produktion ihrer Voraussetzungen,“ bemerkte er in einem Interview. Mit einer Bildsprache, die der Becher-Schule sehr nahe steht, will er diese Lücke schließen. Dafür steigt er auf Hebebühnen, Kräne und in Helikopter, um Steinbrüche, die Parkplätze mit frisch produzierten Neuwagen sowie surreale Landschaften aus abgenutzten Reifen zu vermessen. Der Blick ist geometrisch, gelegentlich erinnert er an die Industriefotografie der frühen Jahre: Menschen erscheinen als Anhängsel der Maschinen, sie sind in ihrer Funktion zum Objekt geworden.

Burtynsky schlägt einen Bogen zu den Auswüchsen der Überflussgesellschaft, jener Welt aus Plastik. In „Oil“ geht er auch einen entscheidenden Schritt weiter: Die stärksten Aufnahmen sind jene, von den verseuchten Flüssen, den ausgeschlachteten Autos, den stillgelegten Fabrikationsanlagen unserer Konsumgesellschaft. Hier verschwimmen die Perspektiven, die Moderne erscheint nicht mehr nur als Amerikanisch: Das verlassene Ölfeld ist ganz in der Nähe der weltweit ersten Stätte der Ausbeutung, in Baku, Aserbeidschan. Darauf folgen Aufnahmen von US-Kampfjets, die nie wieder fliegen werden. Auch die riesigen B-52, denen Stanley Kubrick in „Dr. No, oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“ auf der Spur war, sind für immer geparkt.

Der Interpretationsraum für diese Aufnahmen ist gewaltig. Die Städte zeigen das Bekenntnis zum Wachstum, zur Sorglosigkeit und zum Fortschrittsoptimismus. Das Ergebnis ist fatal: Eine schwerfällige Moderne haben wir uns gebaut, ein umständliches System, in dem sich nur zurechtfindet, wer Moral und Empathie vergessen kann, wer sich dem Erstaunen vor der Spur der Bewegung nicht zu lange hingibt. Heute sind wir genügend informiert über den Umstand, dass wir unsere eigene Lebensgrundlage zerstören, ein einziger Hinweis aus dem klugen Essay von Michael Mitchell macht dies deutlich: Wir verbrennen seit Mitte der 1990er-Jahre mindestens 24 Millionen Barrel Öl im Jahr, während wir weniger als zehn Millionen Barrel finden. In diesem Licht weisen Burtynskys Bilder in die Vergangenheit, die Produktion und die Verschwendung im Verbrauch als Matrix der Moderne. Sie sind atemberaubend nüchtern in ihrer eleganten Hoffnungslosigkeit und ihrer verschwenderischen Tristesse.
Andere Artikel:Die Matrix der Moderne (taz.de)