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Saturday, December 28, 2013

NORDMANNTANNEN: Der Zapfenstreit. Von Paula Scheidt (zeit.de)

(zeit.de) Er duftet, er glänzt – und er hat eine Vorgeschichte: Bevor alle Jahre wieder ein Weihnachtsbaum in unserem Wohnzimmer steht, klettern Zapfenpflücker in Georgien auf 50 Meter hohe Tannen, streiten sich Deutsche und Dänen im Kaukasus um das beste Saatgut, fallen viele böse Worte und fliegen manchmal die Fäuste ...

Nach einem langen Aufstieg durch Farne, Brombeerdickicht und kniehohes Gras stemmt Karl Moser seine klobigen Schuhe in den Waldboden und legt seine Arme um die schönste Tanne, die er je gesehen hat. Ein Traum von einem Baum. Pyramidenförmig, dichte Äste, buschige Nadeln. Nahezu vollkommen. So eine Tanne existiert kein zweites Mal. Weder hier in Georgien noch sonst wo. "Das ist die Granate, die wir brauchen!", ruft Moser schnaufend.

Er kann den Stamm mit beiden Armen umfassen. "200 bis 300 Jahre alt, 30 Meter hoch", schätzt Moser. Neben Moser steht ein Mann und nickt: sein Geschäftspartner Henning Pein. "Perfekte Weihnachtsbaum-Gene", sagt Pein. Und das größte Glück: Die Baumkrone hängt voller rötlich schimmernder Zapfen, mit Zehntausenden winziger Tannenbaumsamen.

Fast 3000 Kilometer entfernt von ihrer Heimat stehen zwei Deutsche im August 2013 in einem Wald im Kaukasus und umarmen eine Tanne wie eine Chance, die es zu ergreifen gilt. Karl Moser und Henning Pein, beide Mitte fünfzig, Moser kahl, mit Stirnfalten, Pein mit rotblondem Haar. Zwei Handlungsreisende in Förstergrün, die sich in den tiefsten Osten Europas begeben haben, an den Anfang einer Geschichte, die jedes Jahr zu Weihnachten ihr Ende in den Wohnzimmern Westeuropas findet. 

24 Millionen
Nordmanntannen kaufen die Deutschen zu Weihnachten. Aus einer botanischen Rarität ist ein ökonomisches Massenprodukt geworden
Vor zwei Tagen ist Moser morgens um halb sechs in seinen Passat gestiegen und die 50 Kilometer zum Stuttgarter Flughafen gefahren, vorbei am Spalier der Straßenlaternen, durch seine Heimatstadt Nagold mit ihren Brunnen, Parks und Fachwerkhäusern.

Gemeinsam mit Pein betreibt Moser die PlusBaum Samen GmbH. Sie sind die Zulieferer einer Zulieferindustrie: Sie verkaufen Samen an deutsche Baumschulen für alle Bäume, die in Wäldern, Parks und Gärten gepflanzt werden – Eiche, Buche, Douglasie, Weißtanne, Ahorn.

Am meisten Geld verdienen Moser und Pein mit den Samen der Nordmanntanne. "Sie ist der einzige Baum, den die Deutschen konsumieren wie ein Wegwerfprodukt", hatte Moser im Auto gesagt. Jedes Jahr zu Weihnachten, 24 Millionen Mal. Was kaum ein Kunde weiß: Die Samen des Weihnachtsbaums wachsen dort, wo sich Europa in den Weiten Asiens verläuft. Deshalb diese Reise.

Im Transitbereich des Flughafens Istanbul-Atatürk hatte Moser Pein in der Menge gesichtet. Pein, dem auch eine Baumschule in Norddeutschland gehört, war in Hamburg ins Flugzeug gestiegen. Nun schlug ihm Moser auf die Schulter: "Dann woll’n wir mal." Sie tranken ein überteuertes Heineken und stiegen in eine Maschine in die georgische Hauptstadt Tbilissi.

Die schönsten Nordmanntannen wachsen im Kaukasus ab etwa 1.000 Meter Höhe, in der Region Ambrolauri, nahe der Grenze zu Russland. Die Bergrücken fallen zu einem Stausee ab, dem Schaori-See. Tagsüber spiegelt sich die Sonne auf dem Wasser, nachts der Mond. Aus den Tälern steigen Rauchsäulen. Die Menschen heizen ihre Häuser mit Holz, ihre Straßen sind aus nacktem Lehm. Armut und Idylle sehen sich in Ambrolauri zum Verwechseln ähnlich.

1841 hat der finnische Biologe Alexander von Nordmann hier eine Tannenart mit kräftigen Zweigen und tiefgrünen Nadeln entdeckt und sie Abies nordmanniana getauft. Lange interessierte dieser Fund nur Botaniker. Bis vor zwanzig, dreißig Jahren stellten die Deutschen an Weihnachten eher einheimische Blaufichten in ihre Wohnzimmer. Doch die Anspruchshaltung im Westen stieg: Weihnachtsbäume sollten tiefgrün leuchten und weder piksen noch nadeln.

Als im Osten der Kommunismus zusammenbrach, wurde der Blick auf die Nordmanntanne frei. Moser – wie Pein gelernter Gärtnermeister, dazu Außenhandelskaufmann – flog nach Georgien, vermaß Bäume, tüftelte Transportwege aus und wurde gemeinsam mit Pein zum größten deutschen Importeur für georgisches Saatgut.

Drei von vier in Deutschland verkauften Weihnachtsbäumen sind heute Nordmanntannen. Moser und Pein haben aus einer botanischen Rarität ein ökonomisches Massenprodukt gemacht.

Die Samen für neue Bäume ließen sich auch in Deutschland ernten, theoretisch. Aber es gibt hier kaum Nordmanntannen, man müsste sie erst anpflanzen. Und bis sie Zapfen tragen, dauert es Jahrzehnte. So lange wollen die Weihnachtsbaumproduzenten nicht warten. Also holen sie die Samen für die nächsten Tannen wieder aus Georgien.

Pro Jahr verkaufen Moser und Pein rund zwei Tonnen Samen aus dem Kaukasus an deutsche Baumschulen. Seit einiger Zeit aber stoßen sie auf Konkurrenz, wenn sie nach Ambrolauri kommen.

Früher waren Girci, Tannenzapfen, in Georgien so wertlos wie Laub. Sie fielen von den Bäumen und verfaulten. Seit in Europa die Nordmanntanne zum weihnachtlichen Sinnbild avancierte, ist aus den Zapfen ein wertvoller Rohstoff geworden. Sie sind Georgiens Gold. Und um Gold wird gekämpft.

Importeure wie Moser und Pein wollen die Zapfen haben. Aber auch die Einheimischen. Der Staat. Eine Mafia, angeführt von einem georgischen Maiglöckchenhändler. Und noch eine Mafia hinter der Mafia, von Russen geführt.

In den Wäldern von Ambrolauri ist schwer zu erkennen, wer gut und wer böse ist in diesem Kampf.

Am Flughafen Tbilissi wurden Moser und Pein von drei Georgiern empfangen, die so wenig Englisch sprachen wie Moser und Pein Georgisch. Die Verständigung beschränkte sich auf Händeschütteln und schiefes Lächeln, bis eine Dolmetscherin in den gemieteten Geländewagen zustieg.

Fünf Stunden dauerte die Fahrt über kurvige Bergstraßen nach Ambrolauri, es folgte eine Nacht auf harten Matratzen, Zähneputzen am Brunnen und nun der Aufstieg durch den Wald. "Wir sollten zusammenbleiben, ich habe hier schon mal die Orientierung verloren", sagt Moser zu Pein.

Am Stamm des perfekten Weihnachtsbaumes hängt ein kleines Metallschild. Darauf steht mit schwarzer Farbe eine Zahl gekritzelt: 4.

Bei ihrem Besuch vor einem Jahr hatten Moser und Pein 33 Bäume markiert, die besonders schön gewachsen waren, deren Zapfen besonders gute Samen versprachen. An die Stämme hatten sie Schilder genagelt. Die meisten sind verschwunden. Moser massiert sich die Schläfen. "Jemand muss die Schilder abgerissen haben", sagt er langsam.

Dabei ist das hier ihr Erntegebiet, offiziell verbrieft. In diesem Wald passieren seltsame Dinge.

Moser überlegt. "Besser, wir entfernen auch dieses Schild", sagt er. "Wir sollten nicht unnötig auf unsere Prachttanne hinweisen."

Ein nasser Sommer kann alles zunichtemachen

Bis heute ist Georgien für Moser und Pein ein Land voller Rätsel. Die verlassenen Städte, die schwarzen Fabrikruinen. "Ich frag mich, was die Menschen hier machen, ich sehe keine einzige Firma, die funktioniert", flüsterte Moser im Geländewagen. Und Pein sagte, er wünsche sich von den Georgiern mehr Elan: "Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun. Das ist von Goethe."

In vier Wochen, Ende September, soll die Ernte beginnen. Moser und Pein sind nach Ambrolauri gekommen, um die Zapfen zu prüfen, Erntemengen zu berechnen und Verträge mit vertrauenswürdigen Pflückern aufzusetzen. Die vergangenen beiden Jahre waren miserabel: Es gab wenige Zapfen, und die waren auch noch von Insekten zerfressen.

Die Abhängigkeit vom Wetter macht den Kampf um Georgiens Tannenzapfen unberechenbarer als den um andere Rohstoffe. Öl fließt, sobald die Quelle angebohrt ist, Diamanten vertrocknen nicht in wochenlanger Dürre. Doch selbst wenn ein Samensammler an alles gedacht, den besten Wald gefunden, eine Erntelizenz gekauft, Pflücker eingestellt hat – ein nasser Sommer kann alles zunichtemachen. Noch eine schlechte Ernte, und Moser und Pein können kein Saatgut mehr liefern. Dann fehlen in ein paar Jahren in Europa die Weihnachtsbäume.

Moser zückt sein Taschenmesser, legt einen unreifen Zapfen vor sich auf einen Baumstumpf und schneidet ihn der Länge nach auf. Die beiden Hälften kippen rechts und links der Klinge auseinander.

Moser hält die Luft an, dann atmet er langsam aus. Pein, der eine Ansammlung fremdartiger Pilze studiert hat, dreht sich um. "Das wird eine Wahnsinnsernte", sagt Moser. Die Samen liegen gleichmäßig und unversehrt im Inneren des Zapfens. Hunderte kleiner Körner, nicht größer als Sonnenblumenkerne. In einem Monat, wenn kein Harz mehr aus den Zapfen tritt, werden sie reif sein. Dann müssen sie aus bis zu 50 Meter hohen Baumkronen gepflückt werden. Es muss schnell gehen – bevor die Zapfen sich öffnen und der Wind die Samen verteilt.

"So etwas habe ich seit Jahren nicht gesehen", sagt Moser. Seine Stirnfalten haben sich geglättet.

In der Stube von Gia Momzemlidse ist der Tisch für das Abendessen gedeckt. Schüsseln und Teller, gefüllt mit Tomaten, Ziegenkäse, Huhn, Krautsalat, Bohnenbrot, gebackener Paprika, Pflaumensoße. Momzemlidse ist 38 Jahre alt, Vater von zwei Kindern und Förster, angestellt beim Ministerium für regionale Entwicklung und Infrastruktur, gesegnet mit dem Bauchansatz eines Bessergestellten. Im Herbst soll er als Chefpflücker für Moser und Pein arbeiten. Weil es in den Tälern um den Schaori-See keine Hotels gibt, übernachten die beiden Deutschen in seinem Haus.

Es ist nicht aus Holz wie die anderen im Dorf, sondern aus rotem Ziegel. Momzemlidse hat einen Internetanschluss und eine Toilette mit Spülung. Aber die Wände sind dünn, im Winter heult der Wind durch die Fensterritzen. 

2 Lari
umgerechnet 85 Cent, bekommen die Schwarzpflücker für ein Kilo Zapfen. Läuft es gut, verdienen sie mit den Zapfen aus zwei Baumkronen 170 Euro
Momzemlidse hebt das Weinglas. "Auf die Freundschaft zwischen Deutschland und Georgien", sagt er. Er trinkt das Glas in einem Zug aus, dreht es um, lässt den letzten Tropfen auf seinen Daumennagel rinnen und leckt ihn ab. "So macht man das bei uns, es muss völlig leer sein."

Er stellt Moser ein randvolles Glas hin. Der mag nicht schon wieder trinken. Der süße Wein bekommt ihm nicht. Nach jeder Georgien-Reise schreibt er in sein Notizbuch: "zu viel gelabert".

Aber was soll er machen? Es geht jetzt darum, sich gegenseitig Vertrauen anzutrinken.

Moser nimmt einen Schluck. Dann fängt er an, über die Arbeit zu sprechen. "Wir haben in Deutschland ein Problem", sagt er. "Billiges Saatgut überschwemmt den Markt. Es steht Ambrolauri als Herkunftsort drauf, aber es muss illegal geerntet worden sein, sonst wäre es nicht so billig. Diese Mafiosi machen uns das Geschäft kaputt."

Momzemlidse nickt und schweigt.

Moser und Pein haben von Jahr zu Jahr weniger Kundenanfragen. Immer mehr Konkurrenten bieten Samen aus Georgien an, immer weniger Baumschulen kaufen bei der PlusBaum Samen GmbH.

2009 hat das georgische Wirtschaftsministerium die 80.000 Hektar Wald um den Schaori-See aufgeteilt und Erntelizenzen versteigert. Moser und Pein haben eine fünfstellige Summe bezahlt, damit sie in ihrem Waldabschnitt zwölf Jahre lang jede Saison 17,5 Tonnen Zapfen ernten dürfen, aus denen sich ihre knapp zwei Tonnen Samen kratzen lassen.

Doch die Ordnung hat Risse bekommen. Einem skandinavischen Unternehmen wurde die Lizenz geschenkt, heißt es. Und die Regierung hat angefangen, für weitere Waldgebiete einjährige Zusatzlizenzen herauszugeben. Mehr Wald heißt: mehr Samen. Das macht den Preis kaputt.

Moser und Pein stellten auch fest, dass im Herbst während der Ernte oft gar nicht kontrolliert wird, wer eine Lizenz besitzt. "Das ist eine Riesensauerei", schimpft Moser. "Unsere teure Lizenz ist für die Katz."

Vor einigen Jahren wollten Unbekannte die beiden Deutschen erpressen: Sie verlangten Schutzgeld. Als Moser und Pein nicht zahlten, wurden ihre Pflücker von bewaffneten Männern überfallen. Danach trugen die Pflücker eine Zeit lang Maschinenpistolen bei sich. Wie Nebel liegt jetzt das Misstrauen über den Wäldern und Dörfern rund um den Schaori-See. Wer Freund ist und wer Feind, ist oft spät zu erkennen. Manchmal gar nicht.

Gia Momzemlidse arbeitet seit zehn Jahren für Moser und Pein. Er hält die beiden Deutschen für ein wenig steif. Sie trinken nicht und lassen die Samen jedes Jahr von einem Institut für Forstgenetik untersuchen. Aber sie haben auch ihre gute Seite. Sie zahlen pünktlich und meist mehr als die Konkurrenz.

Im vergangenen Jahr, als die Ernte schlecht war, versuchte ein Georgier im Auftrag des dänischen Großunternehmens Levinsen & Abies, Momzemlidses Pflückern die Zapfen für Moser und Pein zu einem noch höheren Preis abzukaufen. Momzemlidse verprügelte ihn. Seitdem gilt er als eine Art ständige Vertretung der PlusBaum Samen GmbH in Georgien.

Drei Tage lang bereiten Moser und Pein in Ambrolauri ihr Weihnachtsbaumgeschäft vor. Sie gehen mit Momzemlidse Wachteln schießen. Sie spähen mit einem Feldstecher die Zapfen im Waldabschnitt ihres dänischen Rivalen aus. Sie messen mithilfe eines elektronischen Chips, den sie voriges Jahr im Unterholz versteckt haben, die Temperatur im Wald, begutachten die Maschine, mit der die Samen aus den Zapfen getrennt werden, und müssen mit Momzemlidse dauernd einen trinken. Einmal flüstert Moser zu Pein: "Zum Glück sind die nicht in der EU."

Es gibt neuerdings noch einen Konkurrenten, der Moser und Pein Ärger macht: Fair Trees, auch aus Dänemark. Die Marke wirbt damit, ihre Weihnachtsbäume seien fair gehandelt. Die Pflücker tragen Schutzhelme, ein Teil des Erlöses geht an die lokale Bevölkerung. Kommt gut an bei deutschen Käufern.

Moser und Pein haben sich eine Gegenstrategie überlegt: Bio-Bäume. Beim Frühstück am Tag ihrer Abreise legen sie Momzemlidse einen Arbeitsvertrag für alle seine 15 Pflücker vor. Ein ordentlicher, schriftlicher Kontrakt zwischen deutschen Auftraggebern und georgischen Pflückern ist erste Voraussetzung für eine Bio-Zertifizierung.

Auf dem DIN-A4-Papier stehen einige Verhaltensregeln für die Ernte: keine Steigeisen an die Füße schnallen, weil die den Stamm verletzen. Nie die ganze Baumkrone abernten. Keine Äste abbrechen. Und: Alle Arbeiter tragen Sicherheitsausrüstung.

"Warum steht das da?", fragt Momzemlidse. "Einen Helm will ich nicht, der ist zu schwer. Und Schutzkleidung? So etwas besitzen wir nicht. Zu teuer. Das unterschreibe ich nicht."

Moser zieht die Augenbraue hoch. "Helme bringen wirklich nichts", sagt er. "Wenn man runterfällt, ist eh Ende."

Momzemlidse rennt raus und kommt mit einer rot-blau geringelten Kindermütze wieder, die er sich tief in die Stirn zieht. "So etwas brauchen wir, damit das Harz die Haare nicht verklebt", sagt er.

Mützen? Moser und Pein schauen sich an.

Helmverschlüsse, sagt Momzemlidse, verhakten sich dauernd in den Zweigen. Aber Mützen sind nicht bio. Tief im Kaukasus trifft europäische Ethik auf georgischen Pragmatismus. Es geht hin und her.

Irgendwann sagt Pein mit einem Seufzer: "So viel Streit dafür, dass der Weihnachtsbaum später Ruhe und Frieden verbreiten soll."

Man weiß nie, wer von der Mafia bezahlt wird

Bevor er mit Pein zurück nach Tbilissi fährt, besucht Moser den Provinzgouverneur. Vielleicht kann er helfen, das Chaos im Wald einzudämmen. In Ambrolauri, der regionalen Hauptstadt, leben 2.400 Einwohner, acht von zehn Erwerbsfähigen hier haben keinen festen Job. Im Rathaus – außer der Polizeistation das einzige Gebäude im Ort, das nicht aussieht, als könne es jeden Augenblick einstürzen – sitzt der Gouverneur hinter einem dunklen Konferenztisch und schaut Moser an. In seinem Gesicht regt sich nichts. Im Regal stehen Spirituosen.

"Sie möchten etwas für die Bevölkerung tun?", fragt der Gouverneur. "Gute Idee! Uns fehlt es an allem. Wenn Sie eine Straße bauen oder eine Schule sanieren, helfen wir gerne." Für Moser läuft das Gespräch in die falsche Richtung. Das liegt an Momzemlidse. Er hatte das Treffen vereinbart und Moser anvertraut: "Für einen Termin beim Gouverneur braucht man einen guten Grund. Ich habe gesagt, ihr wollt euch sozial engagieren."

"Wir überlegen uns das", sagt Moser zum Gouverneur. "Aber Sie müssen sich zuerst darum kümmern, dass nicht weiter illegal Saatgut geerntet wird. Das ruiniert uns das Geschäft."

"Ein großes Problem!", stimmt der Gouverneur zu, wirkt aber nicht besonders besorgt. Die Dolmetscherin hatte Moser empfohlen, keine Visitenkarte herauszugeben. Er solle sagen, er habe sie vergessen. Man wisse nie, wer alles von der Mafia bezahlt werde.

Moser und Pein reden wenig auf dem Rückflug nach Europa. Moser blättert im Nadel-Journal, dem Branchenmagazin. Pein liest in einem Buch namens Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte, eine Empfehlung seiner Yogalehrerin.

Anfang September, Moser und Pein sind seit zehn Tagen aus Georgien zurück, findet im sauerländischen Eslohe die Internationale Weihnachtsbaumbörse statt. Im Sauerland liegt das größte zusammenhängende Weihnachtsbaum-Anbaugebiet Europas, 11.000 Hektar groß. Hier werden aus Samen Bäume, wachsen Tannen und Profit. Als der Orkan Kyrill 2007 ganze Wälder fällte, nutzten die Baumproduzenten die Gelegenheit, um auf noch mehr Flächen kleine Nordmanntannen anzupflanzen.

Die Branche trifft sich in einer Schützenhalle außerhalb des Ortes. Hier hält am Wochenende nicht einmal ein Bus. 1.500 Besucher reisen an, aus Bayern, dem Schwarzwald, auch aus Dänemark, Besitzer von Baumschulen, Samenhändler, Weihnachtsbaumverkäufer. Maschinenbauer kommen mit Anhängern, auf die riesige Apparate zum Düngen, Fällen oder Verpacken von Weihnachtsbäumen geschnallt sind. Schweres Gerät, fast wie für einen Krieg. Es regnet. In der Halle gibt es belegte Brote.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger hält eine Begrüßungsrede. "450 Millionen Euro stehen nicht für irgendwas, sondern für den Umsatz im Weihnachtsbaumgeschäft", ruft er. "450 Millionen Euro stehen auch für Arbeitsplatzsicherheit. Das verstehen die da oben in der Politik langsam. Trotzdem bekommen wir Weihnachtsbaumproduzenten keine Subventionen wie andere Landwirte, wir kämpfen auf dem freien Markt."

Moser nickt zustimmend. Um ihn herum sitzen Männer in Gummistiefeln, karierten Hemden und bunten Funktionsjacken. Männer, die wenig Worte machen. Man braucht gute Nerven, wenn es im November regnet, stürmt und schneit, die Maschinen im Matsch versinken oder einfrieren und 80 Millionen Deutsche trotzdem erwarten, dass der Baum pünktlich zu den Feiertagen in ihrem Wohnzimmer steht.

Moser tritt in den Regen hinaus. Er sieht den Messestand von Levinsen & Abies, dem Konkurrenten aus Dänemark, auf dessen Unterhändler Mosers Chefpflücker Momzemlidse im vergangenen Jahr wütend einschlug. Einer der Geschäftsführer sitzt unter dem Dach des Stands.

"Und, wie läuft es bei euch dieses Jahr?", fragt Moser. Er schildert das Problem mit dem illegalen Saatgut. "Es wäre schön, wenn ihr da auch mal was unternehmen würdet", sagt Moser.

Der Däne reagiert kaum. "Ja, das ist schon ein Problem", sagt er dann. Die Schlägerei erwähnen beide mit keinem Wort. Was in Georgien passiert, bleibt in Georgien.

Mit dem Herbst kommt der Regen nach Ambrolauri. Im Haus des Chefpflückers Momzemlidse stapeln sich Etiketten, die bald auf prall gefüllten Säcken kleben sollen. Vor ein paar Tagen holten die Männer einen Zapfen vom Baum und pressten ihn mit den Händen zusammen. Es tropfte Harz heraus, für die Ernte ist es noch zu früh. Ab und zu ruft Moser an, dieser gewissenhafte Deutsche, und sagt, die Georgier sollten sich gedulden. Von Tag zu Tag würden die Samen besser. Also liegt Gia Momzemlidse im Wohnzimmer auf dem Sofa und schläft.

Auch sein Nachbar, 20 Jahre alt, wartet und spielt mit einem Cousin Backgammon. Jeden Herbst kommt er für die Zapfenernte hinauf in die Berge, um für Momzemlidse auf die Bäume zu klettern. Das übrige Jahr schuftet er in einer Kohlenmine. "Lieber würde ich das ganze Jahr über Zapfen pflücken", sagt er. Aber die Erntezeit dauert nur zwei Wochen. Seine Frau trägt ein Baby auf dem Arm. Die Hälfte der 60 Familien im Dorf haben Zapfenpflücker im Haus. In den umliegenden Dörfern ist es dasselbe. Alle sitzen und warten und belauern den Nachbarn.

Wer zu früh pflückt, kommt mit unreifen Zapfen nach Hause. Aber wer zu spät in die Bäume steigt, verdient womöglich gar nichts – sogar in einem guten Jahr wie diesem. Weil dann schon die Schwarzpflücker in den Wäldern waren und ihre Beute illegal, am Zoll vorbei, nach Europa verkauft haben.

Die Manager von Fair Trees schätzen, dass mittlerweile 70 bis 90 Prozent der Nordmannsamen, die in den Westen kommen, illegal geerntet sind. Dass diese Hehlerware, zu früh gepflückt und schlecht gelagert, manchmal nichts taugt, wird in den Baumschulen erst ein paar Jahre später deutlich. Bis aus einem weit gereisten Samen ein Weihnachtsbaum wird, vergehen etwa acht Jahre.

Hinter Momzemlidses Haus stehen sieben Pflücker mit verschränkten Armen. Momzemlidse hat sie zusammengerufen. "Die Tannenzapfen sind für uns Milch, Honig und Brot", sagt er. "Besser wäre natürlich, wenn direkt das Geld oben hinge." Die Männer lachen. Auf Anweisung der Deutschen soll Momzemlidse ihnen zeigen, wie man einen Klettergurt anzieht. Moser und Pein haben auch Öljacken und Gummihosen geschickt, Schutzkleidung. "Wenn die gut ist, ziehe ich die auch sonst an", sagt einer.

Die Winter sind hart in Georgiens Bergen, die Temperaturen fallen weit unter null, die Brunnen frieren zu. Mit dem Schnee kommen Bären und Wölfe in die Dörfer, auf der Suche nach Nahrung.

Die meisten Menschen gehen dann ins Tal hinunter, in die Städte. Sie erzählen sich wilde Geschichten von Betrug, Verrat und unermesslichem Reichtum. In ihren Wäldern wachsen die Verschwörungstheorien mittlerweile schneller als die Bäume.

Ein reicher Jude, heißt es, habe 25 Dollar pro Kilo Zapfen bezahlt, bis er auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen sei. Und der russische Präsident Putin höchstpersönlich besitze einen Wald mit Nordmanntannen nördlich des Schwarzen Meeres.

Trotz der Gerüchte wissen viele Männer nach wie vor nicht, was mit den Zapfen geschieht, für die sie in die Bäume klettern. Daraus werde in einem fernen Land Parfüm hergestellt, vermuten manche. Von deutschen Weihnachtsbaumplantagen haben sie nie gehört. Weihnachtsbäume kauft in Georgien niemand, abgesehen von ein paar Reichen in Tbilissi.

Auch die Pflücker von Fair Trees warten, auf 1.800 Meter Höhe, mitten im Wald. Seit drei Tagen und zwei Nächten hoffen sie, dass der Regen aufhört. Er macht die Stämme glitschig und das Klettern noch gefährlicher. Die Chefs haben verboten, bei Regen zu klettern. Sie haben auch verboten, ohne Sicherheitsausrüstung in die Bäume zu steigen.

Schweigend hocken die Männer um ein kleines Feuer und rauchen. Ab und zu verschwindet einer mit der Axt im Wald und kommt mit ein paar feuchten Holzscheiten zurück. Mit einer Plastikplane und Ästen haben sie ein Dach über ihrer Schlafstätte gebaut, dort liegen Schlafsäcke und zwei Gewehre.

Bio, öko, fair gepflückt – der Regen von Ambrolauri verwäscht alle Labels. Mosers und Peins Pflücker unten im Dorf haben zwar keine Helme, warten aber im Warmen. Die Erntehelfer der sozial engagierten Dänen sind ausgerüstet wie Bergsteiger, hausen aber im Wald wie in einem Slum. Dafür gewährt Fair Trees den Kindern der Pflücker kostenlose Arztbesuche.

Er springt ab und greift nach der Spitze der Nachbartanne

Weiter unten ruckelt ein grauer Pick-up durch den Wald. Das hier ist offiziell das Erntegebiet der Dänen von Levinsen & Abies. Der Wald von Moser und Pein ist nicht weit. Drei kräftige Männer mit grimmigem Blick, dunklen Bärten und verdreckter Arbeitskleidung springen aus dem Auto. Dann ein dünner Junge, keine zwanzig Jahre alt. Es sind Schwarzpflücker.

Die vier Männer stammen aus dem Nachbardorf. Der Wald ist ihnen vertraut, sie sind hier aufgewachsen. Dieses Jahr soll der Schwarzmarktpreis hoch sein, haben sie gehört, zwei Lari pro Kilo Zapfen, umgerechnet 85 Cent. Sonst gab es manchmal nur 20 Cent.

In einer guten Baumkrone hängen bis zu 100 Kilo. Zwei Baumkronen bringen dieses Jahr also rund 170 Euro, das entspricht fast dem monatlichen Durchschnittseinkommen in Georgien.

Der Jüngste zieht sich eine harzverschmierte Wollmütze mit Augenschlitz über den Kopf, wie ein Bankräuber steht er im Wald. Er streift sich rote Handschuhe über und geht mit hochgezogenen Schultern und federndem Gang auf eine schmale Tanne zu. Seit er acht Jahre alt ist, steigt er in die Bäume.

Wie eine Katze zieht er sich am ersten Ast hoch, greift nach dem nächsten, immer dicht am Stamm. Er klettert schnell und still, immer höher, die Äste sind jetzt dünner als seine Handgelenke. Je höher er klettert, desto mehr schwankt der Baum.

Dann steht er oben in der Krone, die Baumspitze dicht neben seinem Gesicht. Mit einer Hand hält er sich am obersten Ast fest, der dünn ist wie ein Finger, dafür voll buschiger Nadeln. Mit der anderen Hand bricht er die Zapfen ab und wirft sie herunter. Durch die Äste rauschen sie bis auf den Waldboden.

Als keine Zapfen mehr in der Krone hängen, beugt er sich mit dem Oberkörper nach hinten wie ein Weitspringer beim Anlauf, schnellt dann nach vorne, sodass der Baum zu schwanken beginnt. Ein paar Mal schwingt er hin und her, dann springt er ab und greift nach der Spitze der Nachbartanne. So hat er sich einen Ab- und einen Aufstieg gespart.

Unten lehnt der Anführer der Gruppe an einem Baum. Sein Name sei Bekia Kemoklidse, sagt er. Er hat tiefe Augenringe, seine Lippe ist aufgeplatzt. "Manche von uns können zwölf Baumkronen hintereinander abernten", sagt Kemoklidse, "ohne den Boden zu berühren."

Einer seiner Komplizen sammelt die Zapfen auf. "Früher ist auch er in die Tannen gestiegen", sagt Kemoklidse, "aber vor fünf Jahren hatte er einen Unfall." Er war den Stamm bis zur Hälfte hochgeklettert, da brach ein Ast. Ein gebrochener Arm, gebrochene Rippen, die sich in die Lunge bohrten. Wäre er von oben abgestürzt, wäre er jetzt tot.

Fast jedes Jahr stirbt ein Pflücker. Viele verletzen sich. "Ich würde trotzdem keinen Klettergurt anlegen", sagt Kemoklidse. "Wenn man 30 Meter hoch- und 30 Meter runtersteigt, und das mehr als zehnmal am Tag, zählt jedes Gramm. Und wenn der Ast bricht, an dem das Seil hängt, schützt auch ein Gurt nicht."

Zapfen fallen auf den Waldboden. Der Junge hat auch den zweiten Baum abgeerntet. Er hangelt sich von Ast zu Ast hinunter, nicht am Stamm entlang, sondern außen an den Zweigen, das geht schneller. Er rutscht ein Stück auf einem Zweig, greift nach dem nächstunteren, rutscht weiter, bis er unten auf dem Boden steht, heftig atmend.

Es dämmert. Die vier Männer machen ein Feuer, holen Wein in Plastikflaschen aus dem Auto, Wurst, Brot, Thunfisch aus der Dose. Sie stellen die Konserven an die Flamme, spießen Käse auf Holzspieße. Kemoklidse hebt das Glas. "Auf alle Menschen, egal, aus welchem Land sie kommen. Auf unsere Kinder, denn Kinder bedeuten Fortschritt." Die Männer stehen in der Dunkelheit, unbeeindruckt vom Regen, der ihre Pullover und Anoraks durchnässt.

Von dem System der Erntelizenzen haben die Schwarzpflücker gehört. Es stört sie nicht, dass Männer wie Moser und Pein sie Zapfendiebe nennen. "Mein Großvater, mein Urgroßvater und sein Vater haben diese Bäume gepflegt", sagt Kemoklidse. Als Kinder haben sie in diesem Wald gespielt, warum sollten sie keine Zapfen pflücken? "Der Wald gehört den Menschen, die hier leben", sagt Kemoklidse.

Es ist dunkel geworden. Vom Tal steigt Gebrumm herauf. Voll beladene Pick-ups rollen auf die Dörfer zu. Wer nicht direkt für eine Saatgutfirma arbeitet, wie die von Moser und Pein, muss seine Zapfen schnell anderswo loswerden. In den Gärten der umliegenden Weiler stapeln sich Säcke auf Holzgestellen, hinter vorgehaltener Hand werden Namen von Schleusern und Zwischenhändlern gezischelt.

Nur noch ein paar Wochen bis Weihnachten, in den deutschen Supermärkten liegen längst Lichterketten und Lametta. In den Wäldern von Ambrolauri ist vom Fest der Liebe nichts zu spüren: Der dänische Chef der Firma Levinsen & Abies wird von seinen eigenen Pflückern verprügelt, weil er nicht den Preis zahlen will, den sie ihm mit einem Streik abgerungen haben. Ein gutes Jahr ist manchmal schlecht – plötzlich sind da mehr Samen, als sich verkaufen lassen.

Auch Moser und Pein scheinen zu pokern: Sie richten Momzemlidse aus, mit der Ernte weiter zu warten. Es ist nicht mehr klar, ob es den Deutschen um die Reife der Zapfen geht. Oder ob sie auf fallende Preise spekulieren. Oder einfach nur ratlos sind.

Eines Nachts steigt Momzemlidse in seinen Jeep. Der Nebel liegt über dem Weihnachtsbaumwald wie in einem alten kaukasischen Märchen. Moser und Pein haben noch immer kein Signal zur Ernte gegeben. Die Scheinwerfer von Momzemlidses Wagen schneiden einen gelben Kegel in die Dunkelheit. Im Labyrinth der Bäume sieht er ein paar Gestalten. Sie füllen Tannenzapfen in große Säcke.

Das hier ist der Waldabschnitt der PlusBaum Samen GmbH. Aber es sind nicht Momzemlidses Pflücker.

Momzemlidse stößt einen Fluch aus.

Tuesday, December 17, 2013

VIDEO: Oh Tannenbaum. Die Jagd nach der Nordmanntanne. Film von Viktor Apfelbacher und Andy Lehmann (daserste.de)


Plantage in Dänemark
Plantage in Dänemark: Nordmanntannen, so weit das Auge reicht.
Video abspielen >>>

(daserste.de) Die Nordmanntanne, des Deutschen liebster Weihnachtsbaum: 
gerader Wuchs, weiche Nadeln und lange Haltbarkeit. Unbekannt ist, dass für diese schönen Bäume Menschen in Georgien ihr Leben riskieren. Denn die Nordmanntanne, das ist ein gutes wie auch riskantes Geschäft. Die lange Haltbarkeit macht sie für den Export geeignet. Jahr für Jahr werden 70 Millionen Weihnachtsbäume in Europa verkauft, 29 Millionen allein in Deutschland. Ein Drittel der in Deutschland verkauften Bäume kommt aus Dänemark. Ein Qualitätsprodukt also, dessen Wertschöpfungskette bereits in Vorderasien beginnt.

Der große Kaukasus: Irgendwo in den Wäldern der georgischen Region Radja, unweit der russischen Grenze, soll angeblich der beste Genpool der Nordmanntanne gedeihen. Die Autoren begeben sich auf die Spur und werden fündig. Sattgrüne Wiesen und leuchtende Bergketten prägen die wilde Schönheit Georgiens. In diesem zu Sowjetzeiten landwirtschaftlich florierenden Gebiet herrscht inzwischen Landflucht. Immer mehr Dörfer sind menschenleer und verfallen. In den Wipfeln der Bäume, die bis zu 60 Meter hoch werden und zwei Meter im Durchmesser erreichen, wachsen die Zapfen, die das hochwertige Erbgut beinhalten. Wie alle Jahre stehen auch jetzt wieder alte und junge waghalsige Dorfbewohner, Arbeiter, Landwirte und arbeitslose Angestellte zur Ernte bereit. Bereit, bis in die Baumspitzen zu klettern und ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Nicht selten kommt es zu Abstürzen, weil die Pflücker ohne Klettergeschirr in die Bäume steigen. Aber die Menschen haben keine Wahl. Die zweiwöchige Erntezeit ist seit langem für viele die einzige Einkommensquelle. Der niedrige Lohn ist so attraktiv, dass mittlerweile hunderte Wanderarbeiter aus anderen Regionen nach Radja strömen. Das Geschäft aber machen die europäischen Samenhändler. Doch plötzlich wendet sich das Blatt: Die Pflücker verweigern die Arbeit und fordern bessere Bezahlung. Zum ersten Mal setzen sie die Unternehmer aus dem Westen unter Druck. Werden die Forderungen nicht erfüllt, gibt es keine Samen.

„Oh Tannenbaum" beleuchtet das lukrative aber auch riskante Geschäft mit der Nordmanntanne. Die Filmemacher hinterfragen die Geschäftsmethoden und werden Zeugen eines Machtkampfes, in dem Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen sich plötzlich auflehnen und ihre Rechte einfordern. Nicht zuletzt folgt der Film den Spuren des beliebtesten Weihnachtsbaums der Deutschen, vom Samen bis zum ausgewachsenen Baum. Von der georgischen Provinz über die dänischen und niedersächsischen Großplantagen bis zu uns.

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Unser Weihnachtsbaum ist ein begehrtes internationales Handelsobjekt. Längst hat er sich zum lukrativen, aber auch riskanten Geschäft entwickelt. Jahr für Jahr werden 70 Millionen Weihnachtsbäume in Europa verkauft, 29 Millionen allein in Deutschland. Ein Drittel der in Deutschland verkauften Bäume kommt aus Dänemark.


Georgier
Viele arbeitslose Georgier wagen den riskanten Weg in die Gipfel der Nordmanntanne.
Dort wie hier setzt man auf die Nordmanntanne. Sie hat sich zur beliebtesten Tanne der Deutschen gemausert. Ihre Merkmale: gerader Wuchs, weiche Nadeln und lange Haltbarkeit. Letzteres macht sie besonders für den Export geeignet. Ein Qualitätsprodukt also, dessen Wertschöpfungskette bereits in Vorderasien beginnt.

Der große Kaukasus: Irgendwo in den Wäldern der georgischen Region Radja, unweit der russischen Grenze, soll angeblich der beste Genpool der Nordmanntanne gedeihen. Die Autoren begeben sich auf die Spur und werden fündig. Sattgrüne Wiesen und leuchtende Bergketten prägen die wilde Schönheit Georgiens.

Bäume mit bis zu zwei Metern Durchmesser

In diesem zu Sowjetzeiten landwirtschaftlich florierenden Gebiet herrscht inzwischen Landflucht. Immer mehr Dörfer sind menschenleer und verfallen. In den Wipfeln der Bäume, die bis zu 60 Meter hoch werden und zwei Meter im Durchmesser erreichen, wachsen die Zapfen, die das hochwertige Erbgut beinhalten.

Wie alle Jahre stehen auch jetzt wieder alte und junge waghalsige Dorfbewohner, Arbeiter, Landwirte und arbeitslose Angestellte zur Ernte bereit. Bereit, bis in die Baumspitzen zu klettern und ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Nicht selten kommt es zu Abstürzen, weil die Pflücker ohne Klettergeschirr in die Bäume steigen.


Aber die Menschen haben keine Wahl. Die zweiwöchige Erntezeit ist seit langem für viele die einzige Einkommensquelle. Der niedrige Lohn ist so attraktiv, dass mittlerweile hunderte Wanderarbeiter aus anderen Regionen nach Radja strömen. Das Geschäft aber machen die europäischen Samenhändler.

Unternehmer unter Druck

Doch plötzlich wendet sich das Blatt: Die Pflücker verweigern die Arbeit und fordern bessere Bezahlung. Zum ersten Mal setzen sie die Unternehmer aus dem Westen unter Druck. Werden die Forderungen nicht erfüllt, gibt es keine Samen.

Die Story beleuchtet das lukrative wie riskante Geschäft mit der Nordmanntanne. Die Filmemacher hinterfragen die Geschäftsmethoden und werden Zeugen eines Machtkampfes, in dem Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen sich plötzlich auflehnen und ihre Rechte einfordern.


Nicht zuletzt folgt der Film den Spuren des beliebtesten Weihnachtsbaums der Deutschen, vom Samen bis zum ausgewachsenen Baum. Von der georgischen Provinz über die dänischen und niedersächsische Großplantagen bis zu uns.


Monday, August 12, 2013

PHOTOGRAPHY: Tsageri - in Racha Lekhumi. By Robert Senftleben (flickr.com)

Tsageri (2009) at the foot of the Caucasus lies Tsageri a small town, in which it can be hard to find any thing else than sweet russian bunny milk - There is cows every where in the streets - but that does not mean that the shelves are packed with milk products like in Denmark when you go to the supermarkets - To a much higher degree people we saw in Georgia seem to supply them selves from their own cow, chickens and gardens than is the case in Northern Europe.

Source: flickr.com/fromdenmarktoindia

Set: flickr.com/georgia 

Thursday, August 23, 2007

PHOTOGRAPHY: Racha, village Shqmeri (1720m). Text & Photos on August 16, 2007 by Dato Rostomashvili



Valiko, 98 Years old

  
 
Text & Photos on August 16, 2007 by Dato Rostomashvili
Racha-Lechkhumi and Kvemo Svaneti (Georgian: რაჭა-ლეჩხუმი და ქვემო სვანეთი Račha-Lečxumi da Kvemo Svaneti) is a region in northwestern Georgia which includes the historical provinces of Racha, Lechkhumi and Kvemo Svaneti (i.e., Lower Svaneti). It covers an area of 4,954 km² and has a population of 50,969 (2002 census). It is the most sparsely populated region in the country. The capital is Ambrolauri.
 Racha 12 photos

Friday, August 17, 2007

FOOD & WINE: Viticulture and Winemaking of Georgia


Viticulture and winemaking are the most important traditional fields of Georgia`s agriculture. The history of vine culture is inseparable from the history of the Georgian people. the greative nature and deep iove for the grapvine and wines of georgian people are expressed in culture, traditions and in the fields of art, such as: architecture, ornament, chasing, painting, poetry, singing and others.

Georgia is considered as one of the oldest place of producing the top-quality wines in the world. That is proved by the variety of the wild and cultural species of vine, also by ampelogeographical, paleobotanical, historical, archeological, ethnical, phylological, linguistical and other scientific reserches of georgian and foreign researchers.

There are over 4000 vine varieties in the world. over 450 species of local vine are bred in Georgia, from which 62 sorts are put in the standart assortment including 29 wine species and 9 table ones.

The most famous high standart sorts of Georgian vines are: Rkatsiteli, Saperavi, Mtsvane, Khikhvi, Kisi, Chinuri, Tsolikouri, Tstska, Krakhuna, Alexandrouli, Ojaleshi, Chkhaveri, Aladasturi and others.
While archaeological excavutions in Georgia on the territory of Mtskheta, Trialeti, Kakheti, inside Kartli, Vani etc. different agricultural things were discovered. Among them were wine cellars with huge "KVEVRI". (widemouthed earthenware jars in which wine is matured and stored), wine bowls made from gold, silver, bronze and clay manufactured in the third or second millenium B.C.

the culture and traditions of vine-growing and grape-vine consumption, techniques of making dry, natural semi-sweet, dessert and sparkling table wines, sorts of "Kakhuri" and "Imeruli" ones created by the Georgian people are product of centuries.

After spreading Chistianity by the disciples of Iesus Christ –Andrew Pirveltsodebuli and Simon Kananeli, wine has taken part in the church-rituals. That was prove after finding wine-vessels while archaeogical excations in the areas of chrches.

Not only the local species of vine are cultivated in Georgia, but also the foreign sorts as – Aligote, Pino, Shardone, Kaberne Sovinioni, Shasla and Khalili, found the second mother land here.


Geographical location of Georgia`s Viticulture


Georgia is situated on the boundary of Asia and Evrope. Georgia`s viticulture is between 41007'-43035' north latitudo and 40005'-46044' longitude in the middle and west parts of Caucasus Mountains between the Black and the Caspian seas, which offers diversity in climate and creates ideal conditions for the development of original, high-quality viticulture and winemaking.

Georgia is divided into two makro-zones according to the differences of conditions for viticulture on the territory of the country: Western Georgia and Estern Georgia.

The climate in Estern Georgia varies from subtropical to mild continental and in Western Georgia it is most subtropical because of its nearness to the Black sea.


Estern Georgia:
- Kakheti (inside and outward kakheti)
- Kartli (below, middle and upper kartli)
Western Georgia:- Imereti (below, middle and upper kartli)
- Racha-Lechkumi
- Most-subtropical zone of the Black Sea: Guria, Adjara, Samegrelo and Abkhazia


Kakheti

Kakheti is the oldest and unique viticulture-winemaking region in Georgia. It is divided into two zones: inside and outward Kakheti. There are about twenty-five mikro-zones, where wines are produced under the names of their original places, such as: Tsinandali, Napareuli, Teliani, Akhasheni, Mukuzani, Kindzmarauli, Gurdjaani, Kardanakhi, Tibaani, Manavi, Khashmi and others. 60-65 % (percent) of vineyard of Georgia come from Kakheti. Industrial vineyeard is cultivated in the ponds of the rivers Alazani and Iori at 400-700 meters above sea level on brown forest, brown meadow, grey-brown, humus-carbonate, black earth and alluvial soils.

The klimate is mild in Kakheti. The annual average heat summation is between 35000C and 42000C. The average precipitation is within 400-800 mm and the duration of sunshaine is about 2000-2200 hours.
Producing high quality red, white, dry, naturally semi-sweet and sweet table wines is the principal direction of viticulture in Kakheti.

European type white, high-quality table wines are produced from local, unique grape varieties such as: Rkatsiteli, Mtsvane, Khikvi, Kisi and oters in micro-zones of Tsinandlai, Napareuli, Gurdjaani, Manavi etc.
red dry, high quality table wines with pleasant aroma are made from Georgian original red vine – Saperavi – in micro-zones of Kindzmarauli, Teliani, Akasheni, Mukuzani, Khashmi, etc.
In Kakheti only in the micro-zones of Akasheni, Kindzmarauli and Mukuzani they produce naturally semi-sweet red wines named affer their oroginal places. The local mikroclimate, soils and the ability of Georgian red vine – Saperavi to accumulate much sugar and acid, stipulates the harmonious, mild, velvety, cheerful tones and specific qualities of wines.

the native type of table wine in Kakheti, the one, which is quite different from other wines is the product of centuries. This is the only dry original wine in the world. It is distinguished for its high extraction, fenol admixtres and tannin, for its pleasant bucket, speual aroma and taste and what`s the most importans, this sort of wine is rich in biologically active substances – that`s so useful for health.

Kartli

Kartli is the crodle of Georgian culture. It is famous for its classical, european type, high standard table wines and high quality sparkling ones. Kartli is divided into three zones: bellow, middle and upper Kartli – called Meskheti. The vineyeards are cultivated along the rivers – the Mtkvari, the Liakhvi and the Ksani- on 450-700 meters abovesea level – on brown, alluvial, greybrown and humus-carbonate soils.

The klimate is mild continental. The average heat summation measured in "degree-days" is between 30300C and 41000C, annual precipitation equals 370-700 mm, the duration of sunshaine is about 2100-2500 hours.
Below Kartli is the best zone for producing table grapes and raisins.

Middle Kartli is the most interesting zone among the other zones in Kartli. It is famous for producing classical european type and top-quality sparkling wines. The speaking wine "Atenuri" is named offer its original place as it is produced in the goge of Ateni from the grapes: Goruli, Mtsvane and Chinuri. according to the traditional technology. High quality white and pink table wines have been produced for ages from the sorts of grapes such as – Budeshuri, Tavkveri and other local species as well as from Goruli Mtsvane and Chinuri.

It is important to notice that the gorge of the Ksani (Mukhrani lowland) is famous for its French type of grape Aligote – which provides the best high-standard wine-materials for producing european types of table and sparkling wines.

In upper Kartli – on the territory of Meskheti the viticulture and winemeaking has not an industrial character. Archaeological excavations (cellars, barrels, cups) show that viticulture and winemaking has quite developed here but for a long time (2,5 centuries). It had been under the political influnce of Turkish policy and the islamite religion forbade usung wine. That caused destroging of vineyeards and durung the period of Russian tsarism in Georgia nobody cared about growing the wine.

Since thirties of the twentieth cenury Georgian Scientific Research Institute has regularly been making special researches in this region and has come to the conclusion that producing of the europena types and sparkling wines from Goruli Mtsvane, Chinuri, Khikvi and other georgian sorts grape is very long-range. French grape varieties such as Pino and Aligote has shown the best results.

Western Georgia

Imereti

According to the quantity of production in viticulture and winemaking Imereti is the oldest and the most important region of Georgia. Imereti is divided into three zones: bellow, middle and upper Imereti. The vineyeards are cultivated in the gorges of the rivers: the Rioni, the Chkerimela, the Dzirula and their tributaries - on 50-500 meters higness above sea level – on humus-carbonate, grey, yellow and podzolic soils.

The klimate is rather damp, temperately cold with dry hot summer and snowy winter. The annual heat summation is on the average between 32000C and 41000C. Annual precipitation equals 1200-1500 mm, the duration of sunshaine is about 1200-2100 hours.

The main characteristis of viticulture and winemaking of Imereti is the great variety of local species of grape and high quality table wines.

In upper Imereti they mainly produce soft sparkling winematerials, soft european type white and red table wines from the local species: Tsitska, Tsolikouri, Krakhuna, Dzvelshavi and other sorts of grape.

Middle Imereti is considered to be the principal zone of viticulture and winemaking in western Georgia. Here the vineyards located on 140-470 meters above sea level. High quality original white, red and pink table wines are produced from the local species: Tsitska, Tsolikouri, Aladasturi, Krakhuna, Dzvelshava and others named after their original places.

On the basis of century – old traditional technology of producing wines they created original technology of winemaking quite different of others. The difference includes the following: Alcoholical fermetation of the grape-juce is carried out inside the buried vessels on "durdo"("chacha" without stems), that contains 4-6% of the whole fermenting mass. After having fermented they keep the winematerial in the vessel for 1,5-2 mounths, then withdraw from "durdo", place into the barrels and keep futher treating according to the instruction. The wine created such way is more extractive and full-bodied than european wines, at the same time it is soft, harmonious and aromated with pleasant taste.

Below Imereti is located in the west part – in the basin of the river Rioni. Here the vineyards are cultivated on 40-420 meters above sea level. They considere this place the original zone, where in different regions high quality wines are produced from the local grape varieties.


Racha-Lechkumi

Racha-Lechkumi is distinguished from the vineyards of other zones and mikro-zones of Western Georgia for its unique and original wines.

It is the cradle of naturally sweet and semi-sweet wines. Racha-Lechkumi is located to the north of Imereti – in the gorges of the rivers: the Rioni, the Tskhenistsakali and the Lajanura. It is surrounded by rocking hills that makes particular micro-climate and difanes the characteristic qualities of wines. The vineyards are growvn on 600-800 meters above sea level.

The climate is rather moist. The soils are humus-carbonate because of the limestones and carbonate sandstones.

On the south slopes of Racha which are sunny and surrounded by rocky hills, local sorts of wines, such as: Aleksandrouli and Mujuretuli are grown. There species are distigiushed for high sugar content (28-30%). They are used for making the original naturally sweet red wines known under the name "Khvanchkara".
The climate of Tvishi provokes the high sugar cintent and acidity in the grape varieties such as – Tsolikouri – that is isud for making naturally sweet white wine "Tvishi" named after the original place.

In Zubi-Okureshi microzone of Lechkumi the unique naturally sweet red wine is produced from the local wine type "Usakhelouri", that is famous for its aroma and plesant taste and is known by the name of "Usakhelouri". Naturally sweet red wine "Orbeluri Ojaleshi" is produced from Orbeluri – Ojaleshi and is named after its local place.
Adjara, Abkhazia, Guria, Samegrelo

Viticulture and vine-growing of these regions is situated along the black Sea coast from 2-4 meters (in Abkhazia) up to 800 meters (in upper Adjara) above sea level.

The climate is subtropical and moist – that is why the vine has a long period of vegetation (till the of November).

The soils are humus-carbonate, grey, yellow eard, red earth and podzolic.

From local vine type such as Chkhaveri the sparkling wine Chkhaveri is produced in the microzones of Guria (Bakvi-Askani, Partsma-Sachamiaseri), Adjara (Keda), Abkhazia (Gudauta).

In the micro-zones of Salkhino-Targamouli and Bandza in Samegrelo region from local grape variety such as Ojaleshi, naturally semi-sweet and dry wines are produced under the name of “Ojalshi”.

It’s well-known that a French man Miurat who was the son-in-law of a megrelian landlord sent the wine “Ojaleshi” to Paris on the international-tasting competition, where it was rewarded with the highest prize.
In Abkhazia one of the oldest parts of Georgia from grape varieties such as Tsitska, Tsolikauri, Chkhaveri, Tsabela, Ojaleshi, Kachichi and others are produced the original wines under the name of Apsni, Likhni, Achadara, Anakopia and others, which are very popular among the customers.


* * *

Since thirties of the twentieth century Georgia has begun a new period of developing viticulture and winemaking. The new vineyards have been cultivated, wine producing got the industrial character, developed the scientific-practical work – that created the best conditions for developing this field.
In eighties the area of vineyards was over 150 thousand hectare, about 500-700 thousand ton grapes were produced in the factories. The great part of this production was sent to the countries of former Soviet Union and a particular one was exported to the foreign countries.

The hard political and social-economical conditions in nineties and the wars in Abkhazia and Samachablo – seriously damaged Georgian viticulture.

In the last few years the legislative base was created for development of this field and it attracted foreign investors. Cultivating of vineyards was began, wine industry was equipped with material-technical base of modern standards. The process of making the unique Georgian wine was renewed conditions for business development.

Leading wineries in Georgia producing wines are: ”Georgia’s wine and sprints – GWS”; ”Telavi – wine cellar – TWC”. ”Sameba”, ”Tbilgvino”, ”Vaziani” and other companies (it’s imposiible to mention all of them). They’ve got material technical base of modern standards which stipulates the high quality of production. Besides the oldest Georgian traditions, they use modern technological achievements. These companies sell their production on the markets of Russia, the Ukraine, Baltic countries, Japan, USA, Holland, etc.