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Tuesday, October 19, 2010

AUSSTELLUNG: Caucasian Mentality. Photographie von Ralph Hälbig

im CAFÈ KAUKASUS IM CAFÈ TELEGRAPH

begleitend zum

DOK-Film Festival in Leipzig
Sonderprogramm "KAUKASISCHE LEKTIONEN"


flyer >>>

# Empfänger, Shatili, 26. August 2010

Ralph Hälbig, geboren 1970, Kaukasusreisender, Photograph, Journalist, Blogger

Seit Jahren reist Rappo*, wie in die Semi-Nomaden aus den Bergen schmunzelnd nennen, in die Gegend, die die Russen Transkaukasien nannten. Geopolitisch ist es heute der Südkaukasus. Die letzten Reisen dorthin führten ihn zusammen mit dem Leipziger Künstler Jörg Herold auf eine dokumentararchäologische Recherchereise, dann war er für eine Fernsehproduktion in Georgien unterwegs und zuletzt mit einem Autor der ZEIT bei den tushetischen Hirten „Am Ende der Welt“ nahe der tschetschenisch - dagestanischen Grenze. R. interessiert das Versprengte in dieser Gegend und trifft dort gleichzeitig auf den unterschiedlichsten Menschenschlag – frei und arm. Immer wieder trifft man dort auf die unbändige Überlebenskraft, den Glauben – auch an die Zukunft – ja und auch auf die Heiterkeit.

* Rappo war ein berühmt, berüchtigter Tagedieb und begnadeter Jäger aus den kaukasischen Bergen


20.10.2010, 19 Uhr
im Cafe Telegraph
Dittrichring 18-20 - 04109 Leipzig
www.cafe-telegraph.de

support:
www.kaukasus-reisen.de +++ www.cafe-telegraph.de +++ www.fineart-factory.com +++ www.dokfilm-leipzig.de

Monday, June 08, 2009

FORSCHUNG: Die Ehre der Frau - die Ehre des Mannes. Ehrvorstellungen in Georgien. Von Elke Kamm (journal-ethnologie.de)

Käseherstellung. Foto: E. Kamm

Ein interessanter Artikel über die Ehrvorstellungen in Georgien. Dabei wird gezeigt, wie die Geschlechter zueinander stehen und daraufhin die Familienstruktur immer wieder generiert wird. Wesentlich ist, dass der Individualismus nicht den Stellenwert hat, dem er in der westlichen Welt zuerkannt wird:
Jeder Einzelne ist dazu angehalten, sich entsprechend den gesellschaftlich-sozialen Ehrvorstellungen zu verhalten. Das „richtige“ Verhalten der Individuen gewährleistet Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Gruppe.

Dabei ist gerade der Ehrbegriff die soziale Kontrolle schlechthin, auf ihn beruht die Regel des Zusammenlebens in Georgien. Das hatte sich auch zu Sowjetzeiten erhalten - vor allem im Haus und in der Familie lebten die Traditionen fort, die natürlich respektiert werden, da sich das Überleben der georgischen Kultur auf diese Tradition beruft.

Interessant sind auch die Rollenverteilungen. Die Frau ist die Trägerin der Kultur, der Mann tritt für die Gerechtigkeit ein. Wie es sich mit dem Sexualleben, der Hochzeit und dem Leben in der Ehe verhält wird auch beschrieben bzw. angerissen.

Meistens wurden und werden die Kinder heute noch traditionell erzogen, da die Georgier in der Wahrung der alten Normen und Werte die einzige Möglichkeit sahen und sehen, sich gegen die Fremdherrschaften zu wehren. Obwohl die Georgier das Epos ihres berühmten Dichters Šot´a Rust´aveli in Teilen auswendig aufsagen können und diese folgenden Zeilen verinnerlicht haben: „Die Welpen eines Löwen – egal welchen Geschlechts – seien Löwen“, werden dennoch unterschiedliche geschlechtsspezifische Erziehungsstile praktiziert. Die Mädchen werden stärker überwacht und dazu angehalten, häusliche Tätigkeiten zu übernehmen, während die Jungen größere Freiheiten genießen und die Tätigkeiten des Vaters nachahmen.

Der ganze Text in journal-ethnologie.de >>>


Weiterführende Literatur
Dragadze, Tamara (1988): Rural Families in Soviet Georgia. A Case Study in Ratcha Province. London, New York: Routledge
Dragadze, Tamara (1997): The Sexual Division of Domestic Space among Two Soviet Minorities: The Georgians and the Tadjiks. In: Ardener. Woman and Space: Ground Rules and Social Maps. Oxford, New York: Berg. S. 156 - 164
Herzfeld, Michael (1980): Honour and Shame: Problems in the Comparative Analysis of Moral Systems. In: Man, New Series (15). S. 339–351
Koehler, Jan (2000): Die Zeit der Jungs: Zur Organisaton von Gewalt und der Austragung von Konflikten in Georgien. Münster: LIT
Kotthoff, Helga (1980): Der Recke im Pantherfell und das Veilchen im Moose? Geschlechterrollen in Georgien. In: Mitteilungen des Instituts für Wissenschaft und Kunst, 3/1990. Wien. S. 40-46
Peristiany, John G. (Hg.) (1966): Honour and Shame. The Values of Mediterranean Society. Chicago: The University of Chicago Press

Zur Autorin
Elke Kamm, M. A., Ethnologin. Magisterarbeit zum Thema „Die Ehre der Frau – Annäherung an ein Geschlechterverhältnis in Georgien und der Türkei“. Seit 2001 jährliche Reisen nach Georgien. 2003: Studium an der Staatlichen Universität Tbilisi (TSU). Ab 2009 Forschungsprojekt zu

Sunday, January 04, 2009

HOSPITALITY: Georgians are grabbing baggage or giving brother-kisses during the first meeting.

Der Bericht von Daniel McBrayer ist schon interessant. Zugegeben, er beschreibt faktisch, was wirklich stattgefunden hat, wie es war, am Flugplatz empfangen wurden zu sein. Dass es Verschiebungen in den Erwartungen gab. Bloß diese kleinen Beobachtungen verweisen auf etwas anderes. Ähnliches habe ich auch vor Jahren erlebt. Ich bin zwar nicht wie er das erste mal nach dem Bürgerkrieg nach Georgien gekommen. Aber Ende der Neunziger Jahre machte auch ich die Erfahrung, auf diesem Flughafen zu landen und von einer riesigen Menge von Georgiern abgeholt zu werden. Überall passierte für mich unvorstellbares und unerwartetes - beinahe alles auf einmal. Ich war begeistert! Es war aufregend hier zu landen, und das hat nicht nur etwas mit der sprichwörtlichen Gastfreundschaft zu tun.

Aber mittlerweile sind auch die Georgier müde geworden, sich umgehend umeinander zu bemühen. Sie können daraus nicht mehr ihre unbändige Kraft ziehen, sich in die Augen schauen und füreinander da zu sein, egal wohin es geht. Auch bei ihnen ist die Welt eingefallen - in einem doppelten Sinne . Die Jungen wollen das Land verlassen, in die Welt ziehen und ihr Glück woanders versuchen, gerade auch nach dem kurzen noch andauernden Krieg, der die Georgier in ihrem Vertrauen in die Welt und in die Möglichkeiten ihres Landes erschüttert hat). Zudem kommt die Welt auch noch nach Georgien - unmissverständlich spricht sie ihre eigenen Sprachen. Alle erfahren irgendwie, was es heißen könnte, in einer globalisierten Welt zu leben. Wie schwer es ist, angesichts der überwältigenden Probleme, sich einzig auf eine eigene unverwechselbare Indentität zu verlassen und es auch zu können ...

Sicher, wie Daniel McBrayer beschreibt, kommt die Gastfreundschaft immer wieder vor. Umgangssprachlich könnte man das aus den Genen herleiten. Das Thema ist ja auch en vogue ... Doch meines Erachtens können die Gesetze des Zusammenlebens nur kulturell lebendig gehalten werden! Und mental gesehen, wird sich wohl auch das ewig gültige in Georgien verschieben, wenn sich kleine "endemische" Völker auf Teufel komm raus, in der großen Welt zurechtfinden müssen, wenn nichts mehr gilt, wie es zu Hause immer war. Da müssen neue Rituale des Zusammenlebens erfunden werden, die über Grenzen hinweg wirken und verstanden werden, oder?

Ob das die westliche Konsumgesellschaft leisten kann, wage ich nicht nur hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung sondern auch der Ressourcen und des Umgangs mit ihnen zu bezweifeln. Und welche Werte Bestand haben werden und mit welchen Strategien sie durchgesetzt werden sollen, überhaupt welche Visionen man hat, darüber wird öffentlich nicht mal gemunkelt, obwohl meines Erachtens da schon Vorstellungen herrschen, betrachtet man mal nur die christliche und die islamische Welt ... Was die Menschen im Kaukasus dazu meinen, werden wir zu gegebener Zeit dann noch sehen bekommen oder auch miterleben! (Ralph Hälbig)

Mehr dazu in diesem Blog Arriving Alone in a Special Land of Hospitality
via ჩაფიქრება: Reflections on Georgia and the Caucasus (Daniel McBrayer) am 24.12.08

Arriving at the Tbilisi International Airport with no traveling companions, I must admit that I felt somewhat lonely with no one to greet me. After grabbing my baggage and proceeding toward the crowd of joyful welcomers, a desolate feeling among a crowd took hold. My first welcome to Georgia in 2001 was complete with a sold round of applause, whistles, and cheers. I had done
little more than flown across an ocean and a continent with other Peace Corps volunteers, but we were seen as a sign of progress in Georgia by some after the horribly dark 1990s. But returning this year, was so different while observing the tear-soaked reunions of mothers and sons, grandmother kisses, and addies seeing their babies all grown up after many years away making a living for their families. The only people who talked to me were taxi drivers trying to charge me
way too much money to drive me away into the dark Tbilisi early morning.

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