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Friday, January 21, 2011

ERÖFFNUNG: Jörg Herold, Sieg ... in der Galerie EIGEN + ART Berlin (eigen-art.com)

photo: Ralph Hälbig
Eröffnung
Samstag, 22. Januar 2011
17 - 21 Uhr

Dauer der Ausstellung
22. Januar - 12. März 2011


Seit Ende 2008 arbeitet Jörg Herold an einer Folge von Bildwelten zu einem fiktiv erschaffenen Land. In loser Reihung überarbeiteter Kopien von ethnografischen Fotos hinterfragt er mit kritischem Blick das Fremde und Unbekannte. Seine Arbeiten beinhalten dabei seine Sicht auf Prozesse des Verlöschens weltweiter Lebensgemeinschaften auf allen Ebenen sozialer Strukturen.

Unter dem theoretischen Dach der „Postkolonialen Transformation“ analysiert er verschiedene Formen von Identität im lokalen und globalen Kontext, Aspekte der Gewalt und ihre Auswirkungen auf Natur und Landschaft. In Bildern, Skulpturen und Texten dokumentiert er die beschleunigte Konversion sozialer und kosmologischer Organisationen. Die Arbeiten befragen Vorstellungen zu Körperlichkeit und Muster von Ritualen marginalisierter Völker.

In einer achtwöchigen Reise durch Vietnam, Kambodscha, Thailand und Laos (Bilder von Ralph Hälbig von der Reise) beleuchtete Jörg Herold die indigenen Konstruktionen von Gemeinwesen sowie deren Interaktionen zwischen der „zentralen“ und der „peripheren“ Gesellschaft näher. Ähnliche thematische Ansätze führten ihn bereits 2006 und 2007 auf Reisen zur Wiege Europas: den Kaukasus (Bilder >>>). Eine Region von Gegensätzlichkeiten in Kultur, Religion und Brauchtum, verwurzelt in Jahrhunderte alten Traditionen. Dort suchte er den Ursprung Europas, warf einen Blick auf das Ursprüngliche, die Schönheit der Wildnis, das vermeintliche Paradies Gottes. Doch die Wirren vieler Konflikte haben tiefe Narben hinterlassen in den paradiesischen Orten und mancher Streit ist noch nicht entschieden.

Vor diesem Hintergrund fühlte Jörg Herold sich herausgefordert an Orten gestillter Geschichte „zu graben“ und Wurzelwerk an Überlieferungen freizulegen – der Eingriff des Künstlers als Zeitzeuge. Die Reise nach Südostasien folgte diesen konzeptionellen Überlegungen und Wirkungsansätzen erneut.

Von seiner Reise zurückgekehrt, hat Jörg Herold die dort gemachten Beobachtungen erneut aufgearbeitet und künstlerisch umgesetzt. Als „Dokumentararchäologe“, wie er sich selbst nennt, versucht er dabei mittels der Ethnologie und ihrer Erkenntnisse über die Vielfalt der Volksgruppen eine künstlerische Darstellung südostasiatischer Lebenswelten zu erschließen und die Einwirkungen regionaler Folklore vor Ort auf den Ist-Zustand unseres globalisierten Systems festzuhalten.

Eine zentrale Aufgabe des Dokumentararchäologen ist, die Möglichkeiten der Erinnerung für die Zukunft aufzuzeigen und in dem Konflikt zwischen Ästhetik und Ethik der Darstellung hervorzuheben. Vor diesem Hintergrund soll das Projekt in 10 Jahren noch einmal wiederholt werden, um die Beobachtungen zu ergänzen, zu erweitern und im kulturellen Gedächtnis zu speichern.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.eigen-art.com

Das Projekt wurde gefördert vom Haupstadtkulturfonds.

Tuesday, October 19, 2010

AUSSTELLUNG: Caucasian Mentality. Photographie von Ralph Hälbig

im CAFÈ KAUKASUS IM CAFÈ TELEGRAPH

begleitend zum

DOK-Film Festival in Leipzig
Sonderprogramm "KAUKASISCHE LEKTIONEN"


flyer >>>

# Empfänger, Shatili, 26. August 2010

Ralph Hälbig, geboren 1970, Kaukasusreisender, Photograph, Journalist, Blogger

Seit Jahren reist Rappo*, wie in die Semi-Nomaden aus den Bergen schmunzelnd nennen, in die Gegend, die die Russen Transkaukasien nannten. Geopolitisch ist es heute der Südkaukasus. Die letzten Reisen dorthin führten ihn zusammen mit dem Leipziger Künstler Jörg Herold auf eine dokumentararchäologische Recherchereise, dann war er für eine Fernsehproduktion in Georgien unterwegs und zuletzt mit einem Autor der ZEIT bei den tushetischen Hirten „Am Ende der Welt“ nahe der tschetschenisch - dagestanischen Grenze. R. interessiert das Versprengte in dieser Gegend und trifft dort gleichzeitig auf den unterschiedlichsten Menschenschlag – frei und arm. Immer wieder trifft man dort auf die unbändige Überlebenskraft, den Glauben – auch an die Zukunft – ja und auch auf die Heiterkeit.

* Rappo war ein berühmt, berüchtigter Tagedieb und begnadeter Jäger aus den kaukasischen Bergen


20.10.2010, 19 Uhr
im Cafe Telegraph
Dittrichring 18-20 - 04109 Leipzig
www.cafe-telegraph.de

support:
www.kaukasus-reisen.de +++ www.cafe-telegraph.de +++ www.fineart-factory.com +++ www.dokfilm-leipzig.de

Tuesday, January 23, 2007

RADIO: Jörg Herold: "Das Kaukasische - Eine Nachlese

Audioportal Freier Radios
Jörg Herold: "Das Kaukasische -
Eine Nachlese zu Empfindungen des Herrn Blumenbach"

Download Anhören

AutorIn: Friederike John
Radio
Radio Corax, Unterberg 11, 06108 Halle

fon: 0345/4700745, fax: 0345/4700746
info@radiocorax.de

Produktionsdatum 17.01.2007
Datum 18.01.2007/18:30
Art / Interview / Sprache / deutsch
Länge 11:25 Minuten
Name/Grösse 20070118-jrgherold-15350 / 16065 kB


MPEG-1 Layer 3, 192 kbit/s, Joint Stereo, (44100 kHz)
Kurzbeschreibung
Anmod. Vorschlag: Galerie Eigenart, eine über die grenzen der Stadt bekannte Galerie. Dort stellt ab Samstag Jörg Herold Exponate aus, die unter dem Titel "Das Kaukasische - Eine Nachlese zu Empfindungen des Herrn Blumenbach" stehen. Was es mit diesem seltsamen aber irgendwie doch spannenden weil nicht recht begreifbaren Namen der Ausstellung auf dich hat, erklärt Jörg Herold selbst: Infos: Ausstellung beginnt am 20. Jan. endet 14.April. 2007 Vernissage

20.1.07 11 - 21 Uhr

Source: http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=15350

Mehr zu Jörg Herold

Sunday, January 21, 2007

EXHIBITION: Jörg Herold in der Galerie Eigen+Art in Leipzig

Jörg Herold, Schneestürmer, s/w Kopien übermalt mit Beize, Gouache, Acryl, 29,7 x 42 cm, WV Nr. 981, 2006

Jörg Herold, Züchter, s/w Kopien übermalt mit Beize, Gouache, Acryl, 29,7 x 42 cm, WV Nr. 987, 2006

Jörg Herold, Flussbiegung rechts, s/w Kopien übermalt mit Beize, Gouache, Acryl, 29,7 x 42 cm, WV Nr. 967, 2006

Jörg Herold, Dorf am Fluss, s/w Kopien übermalt mit Beize, Gouache, Acryl, 29,7 x 42 cm, WV Nr. 960, 2006

Rechte der Bilder: courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

Galerie EIGEN + ART Leipzig, Spinnereistrasse 7. Halle 5. D - 04179 Leipzig

Phone: +49.341.960 7886. Fax: +49.341.225 4214 . mail to: leipzig@eigen-art.com

Tuesday - Saturday 11am - 6pm

upcoming show: Jörg Herold

Das Kaukasische - January 20th - April 14th 2007

Thursday, January 18, 2007

KUNST: Jörg Herold, artour, MDR, am Donnerstag, 18. Januar, um 22:05 Uhr,

19. Januar, um 01:30 Uhr, um 10:05 Uhr

Im Portrait: Jörg Herold
Der Dokumentararchäologe

Anlässlich seiner Ausstellung "Das Kaukasische - Eine Nachlese zu Empfindungen des Herrn Blumenbach" in der Galerie EIGEN+ART Leipzig stellt "artour" den Künstler vor. mehr



Uploaded on January 18, 2007 by Rapho (http://georgien.blogsp ot.com)

Jörg Herold
Das Kaukasische -
Eine Nachlese zu Empfindungen des Herrn Blumenbach

Seit Jahrzehnten begeistern sich Forscher aus aller Welt an Funden in den staubigen Weiten und felsigen Tiefen Kaukasiens. In Georgien, unweit der Mündung des Flusses Pinesauri in den Maschawera-Fluss, liegt das berühmte Dorf Patara Dmanisi. In seiner Nähe, auf einem kleinen Plateau, fanden Paläontologen Tausende Tierfossilien aus einer Epoche vor 2,5 – 1,4 Millionen Jahren.

Im Jahr 2001 dann die Sensation, der Fund eines 1,8 Millionen Jahre alten Frühmenschen, der älteste Homo außerhalb des afrikanischen Kontinents. Doch das Relikt unseres Ahnen hatte einen extrem kleinen Schädel und Kiefernknochen. Sein Gehirn war nur halb so groß, wie das des modernen Menschen. „Denke man sich einen Körper hinzu“, kolportierte einer der Ausgräber, „war dieser klein, von schmächtiger Figur, hatte eine kurze Nase und mächtig große Zähne“. Trotz der Verunstaltungen entwickelte sich die Spezies prächtig, das kleine Hirn reichte für die Evolution, und begann Europa zu erobern.
Vor über zweihundert Jahren konnte ein Professor, daheim in Göttingen, noch nichts von dieser Aufgeregtheit ahnen. Herr Blumenbach sammelt Schädel aller Nationen. Er will ordnen, die Varietäten im Menschengeschlechte klären.
Im Lauf von Jahren, mit scharfem Blick auf Hunderte von ausgekochten Köpfen, erregt ihn eine jüngst verstorbene Georgierin. Sein ganzes Augenmerk ist gerichtet auf ihr Ebenmaß, was ihn entzückt. Ganz sanft gerundet sind die Formen, mäßig geebnet die Stirn und nirgends springen die Jochbeine hervor. Der Zahnhöhlenrand ist ziemlich rund, die Vorderzähne in beiden Kiefern stehen senkrecht. Ihr gibt er den ersten Platz in seiner Rassensystematik. Zur „Miss Kaukasia“ gekoren, geistert von nun an eine Typologie in der Welt, die als wundersamer Terminus von der „Kaukasischen Rasse“ bis heute in Volkszählungen fortlebt.
Der Natur gemäß erklärt Herr Blumenbach im Folgenden die Kaukasische zur ursprünglichen Rasse, den Rest zur Abweichung der Norm. Natürlich war sich der Professor der Konsequenz seiner Empfindungen nicht bewusst. Konnte er doch nicht in die Zukunft derer sehen, die sich seines Ideals bemächtigten und zum Fanal ihres Rassenwahns verstümmelten. Aber bis in diese Zeit war noch viel zu forschen und zu reisen. Viele machten sich auf den Weg ins gelobte Reich der Kaukasier, dorthin, wo das Maß der Schönheit regiert.

2006 brach der Dokumentararchäologe Jörg Herold auf, um Dmanisi zu sichten und den sagenumwobenen Kaukasus zu bereisen. Vielleicht auch, um die schöne Georgierin des Herrn Blumenbach zu finden, die, wie er hoffte, noch immer strahlte.
Im Gepäck Schriften, Bilder und Mythen, die Jahrhunderte europäischen Geist und Geschichte prägten und aufs engste mit dem alpinen Gebirgszug zwischen dem Schwarzen- und Kaspischen Meer verbunden sind.
Er besuchte das Geburtshaus von Väterchen Stahl, mit Millionen Leichen im Keller und durchschritt, umgeben von steil aufragenden Felsen, die Schlucht Darjal bis hin zum Grenzland ins russisch-tschetschenische Idyll.
Er dokumentierte und inventarisierte eine Bäckerei in Tiflis und die Flüchtlingswohnung von Frau M., einer vor dreizehn Jahren durch Krieg vertriebenen Georgierin aus Abchasien.
Natürlich betrat er die Grabungsstätte von Dmanisi und wurde überrascht von neuen Funden. Er besuchte Orte schwäbischer Bauern, die einst aus dem hungernden Deutschland dem Paradies entgegeneilten und ihrem Heil und dem Heiland beinah begegnet wären.
Jörg Herold begegnete im „Heimweh“ blätternd, Johann Heinrich Jung genannt Jung-Stilling, dem Verfasser des grauen Mannes, dem Boten des tausendjährigen Reich Christi auf Erden.
Er sah durch die Brille des Schädelverliebten Delinquentenjägers, Herrn Lombroso, mit messendem Blick auf die Welt des Verbrechens, so hoch auf den Gipfeln und doch so tief im Geist.
Heimgekehrt, sind die Erinnerungen vom Kaukasischen frisch in Form gebracht. Zeichnungen, Fotografien, Filme und Objekte sind der Öffentlichkeit ab dem 20. Januar in Leipzig zugänglich. Spätere Ausstellungen werden im Februar in New York und im März in Brüssel zu sehen sein.

BlogLink: http://trendbeheer.com/2007/01/25/georg-herold-eigenart-leipzig/

Galerie (MDR)
Jörg Herold in der Galerie Eigen+Art in Leipzig (Sechs überzeichnete Kopien)

Mehr auf diesem Blog zu

Galerie EIGEN + ART Leipzig

Spinnereistrasse 7. Halle 5.

D - 04179 Leipzig

Phone: +49.341.960 7886 .

Fax: +49.341.225 4214 .

mail to: leipzig@eigen-art.com

Tuesday - Saturday 11am - 6pm

upcoming show: Jörg Herold

Das Kaukasische

January 20th - April 14th 2007

www.eigen-art.com

Tuesday, December 19, 2006

KUNST: Jörg Herold im Kaukasus

Das Kaukasische
Eine Nachlese zu Empfindungen des Herrn Blumenbach

Seit Jahrzehnten begeistern sich Forscher aus aller Welt, an Funden in den staubigen Weiten und felsigen Tiefen Kaukasiens. In Georgien, unweit der Mündung des Flusses Pinesauri in den Maschawera-Fluss, liegt das berühmte Dorf Patara Dmanisi. In seiner Nähe, auf einen kleinen Plateau, fanden Paläontologen Tausende Tierfossilien aus einer Epoche vor 2,5 – 1,4 Millionen Jahren. Im Jahr 2001 gab es dann die Sensation, der Fund eines 1,8 Millionen Jahre alten Frühmenschen, der älteste Homo außerhalb des afrikanischen Kontinents.

Doch das Relikt unseres Ahnen hatte einen extrem kleinen Schädel und Kiefernknochen. Sein Gehirn war nur halb so groß wie das des modernen Menschen „Denke man sich eine Körper hinzu“, kolportierte einer der Ausgräber, „war dieser klein, von schmächtiger Figur, hatte eine kurze Nase und mächtig große Zähne“. Trotz der Verunstaltungen entwickelte sich die Spezies prächtig, das kleine Hirn reichte für die Evolution und begann Europa zu erobern.

Vor über zweihundert Jahren, konnte ein Professor, daheim in Göttingen, noch nichts von dieser Aufgeregtheit ahnen. Herr
Blumenbach sammelt Schädel aller Nationen. Er will ordnen, die Varietäten im Menschengeschlechte klären. Im Lauf von Jahren, mit scharfem Blick auf Hunderte von ausgekochten Köpfen, erregt ihn eine jüngst verstorbene Georgierin. Sein ganzes Augenmerk ist gerichtet auf ihr Ebenmaß, was ihn entzückt. Ganz sanft gerundet sind die Formen, mäßig geebnet die Stirn und nirgends springen die Jochbeine hervor. Der Zahnhöhlenrand ist ziemlich rund, die Vorderzähne in beiden Kiefern stehen senkrecht. Ihr gibt er den ersten Platz in seiner Rassensystematik. Zur „Miss Kaukasia“ gekoren, geistert von nun an eine Typologie in der Welt, die als wundersamer Terminus von der „Kaukasischen Rasse“ bis heute in Volkszählungen fortlebt. Der Natur gemäß erklärt Herr Blumenbach im folgenden die Kaukasische zur ursprünglichen Rasse, den Rest zur Abweichung von der Norm. Natürlich war sich der Professor der Konsequenz seiner Empfindungen nicht bewusst. Konnte er doch nicht in die Zukunft derer sehen, die sich seines Ideals bemächtigten und zum Fanal ihres Rassenwahns verstümmelten. Aber bis in diese Zeit war noch viel zu forschen und zu reisen. Viele machten sich auf den Weg ins gelobte Reich der Kaukasier, dorthin, wo das Maß der Schönheit regiert.

2006 brach der Dokumentararchäologe Jörg Herold auf, um Dmanisi zu sichten und den sagenumwobenen Kaukasus zu bereisen. Vielleicht auch, um die schöne Georgierin des Herrn Blumenbach zu finden, die, wie er hoffte, noch immer strahlte. Im Gepäck, Schriften, Bilder und Mythen die Jahrhunderte Europäischen Geist und Geschichte prägten und aufs engste mit dem alpinen Gebirgszug zwischen Schwarzen- und Kaspischen Meer verbunden sind.

Jörg Herold besuchte das Geburtshaus von Väterchen Stahl, mit Millionen Leichen im Keller. Durchschreittete umgeben von steil aufragenden Felsen die Schlucht Darjal, bis hin zum Grenzland ins russisch-tschetschenische Idyll. Dokumentierte und Inventarisierte eine Bäckerei in Tbilisi und die Flüchtlingswohnung von Frau M., einer vor dreizehn Jahren durch Krieg vertriebenen Georgierin aus Abchasien. Natürlich betritt er die Grabungsstätte von Dmanisi, und wird überrascht von neuen Funden. Er besucht Orte schwäbischer Bauern, die einst aus dem hungernden Deutschland dem Paradies entgegeneilten und ihr Heil und den Heiland beinah begegnet wären. Im
„Heimweh“ blätternd, begegnete Herold Jung-Stilling, den Verfasser des grauen Mannes, dem Boten des tausendjährigen Reich Christi auf Erden. Er sah durch die Brille des in Schädel verliebten Delinquentenjägers, Herrn Lombroso, mit messenden Blick auf die Welt des Verbrechens, so Hoch auf den Gipfeln und doch so tief im Geist.

Heimgekehrt, sind die Erinnerungen vom Kaukasischen frisch in Form gebracht. Zeichnungen, Fotografien, Filme und Objekte sind der Öffentlichkeit ab dem 20. Januar 2007 in Leipzig in der
Galerie EIGEN+ART zugänglich. Spätere Ausstellungen werden im Februar in New York und im März in Brüssel zu sehen sein.

Weiter:
Frau aus Tiflis

Sunday, December 17, 2006


”Frau aus Tiflis”

Drei Schichtholzplatten verschiedener
Abmaße, 416 Fotografien einer Inventarisierung, 1 Film, 1 Skulptur,
300 x 125 cm 2006




+ portfolio
+ "9.12.1940 Zerstörung Birminghams Birmingham II" (nine works on paper)
+ Katalog"Kunst für den deutschen Bundestag - Der Datenschlüssel" veröffentlicht anlässlich "Jörg Herold - Der Datenschlüssel" 2003
+ Teil 1 (2,5 MB) + Teil2 (3,2 MB) + Teil 3 (3MB)
+ "Heldenfriedhof"

Mehr: Jörg Herold - bekannt für seine Reisen eines Dokumentararchäologen - hatte jetzt auf dem art forum in Berlin eine erste Präsentation unserer Reise in den Kaukasus vorgestellt...

Wednesday, October 11, 2006

KUNST: Jörg Herold - eine erste Präsentation unserer Reise in den Kaukasus

Jörg Herold - bekannt für seine Reisen eines Dokumentararchäologen - hatte jetzt auf dem art forum in Berlin eine erste Präsentation unserer Reise in den Kaukasus vorgestellt...
Durch einen Briefwechsel wurde der Kontakt zu einer Georgierin, die Anfang der 90-iger Jahre aus Abkhasien vertrieben wurde, hergestellt...
Tbilisi, 2006-08-19

Lieber T.,


wie Sie sicher schon von unserer Dolmetscherin S. erfahren haben, suchen wir jemanden, der/die aufgrund des Bürgerkrieges aus Abkhasien Anfang der 90-iger Jahre vertrieben wurde und jetzt immer noch als Flüchtling in Tbilisi sozusagen als georgischer Vertriebener unter Georgiern lebt, wie es vielen ihrer Landsleute geht.

Der deutsche Künstler Jörg Herold arbeitet derzeit an einem Projekt „Reise eines Dokumentar-Archäologen in den Kaukasus“, wobei mehrere Aspekte in den Blick geraten. Eines davon soll eine umfassende Dokumentation eines abchasischen Flüchtlings in seiner Privatsphäre sein. Uns ist bewusst, dass diese Arbeit erklärungsbedürftig ist, da die „fotografische“ und „filmische“ Dokumentation sehr nahe geht, vor allem wenn es sich um eine Biografie handelt, die außerordentliches Leid erfahren hat.

Jörg Herold befasst sich schon sein Jahren mit dem Erinnerungsvorgang. Gerade als Künstler stellt er sich die Frage, wie man sich gesellschaftlich aber eben auch privat mit der Vergangenheit beschäftigt. Besonders beachtet er die Paradoxie des Erinnerns. Einerseits beschäftigte er sich mit Mahn- und Denkmälern die aufwendig inszeniert wurden, die die späteren Generationen jedoch kaum noch zu lesen verstehen. Andererseits interessiert er sich für den privaten Erinnerungsvorgang, wobei er diesen anonymisiert und respektvoll darstellt, bei dem gerade das zur Sprache kommt, was entweder nicht erzählt wird und überhaupt nicht bekannt ist. Gerade was nicht öffentlichkeitswirksam thematisiert wird, gilt sein Augenmerk. Hier ist Jörg Herold auch medienkritisch, doch dass ist nicht das Anliegen seiner künstlerischen Herangehensweise. Letztendlich arbeitet der Künstler weder moralisch, soziologisch, im engeren Sinne politisch oder gar historisch-wissenschaftlich. Jörg Herold nähert sich seinen Themen künstlerisch und nicht vordergründig kritisch. Er konterkariert damit die Stammbäume der Überlieferungen.

In seiner künstlerischen Arbeit möchte der Künstler dem abchasischen Bürgerkrieg und dem Leben als Flüchtling eine Chiffre des Alltags abgewinnen, weil gerade dort „unsichtbare Geschichten“ überliefert werden, die der Nachwelt erhalten bleiben sollen. Auch die Privatsphäre eines Flüchtlings Jahre nach dem Krieg ist dahingehend gefährdet, da die Spuren und Indizien solch eines Schicksals verschwinden werden, sobald diese Menschen an einem neuen Ort eine Heimat finden, oder vielleicht irgendwann zurückkehren. Die Einraumwohnung mit seinem Inventar wird es dann nicht mehr geben! Daher möchte Jörg Herold solch einen Raum vollständig inventarisieren, also jeden Gegenstand katalogisieren, fotografisch festhalten und beschriften. In der Vergangenheit gab es schon ähnliche Inventarisierungen in Deutschland (in Leipzig, in Wolfsburg). In Zukunft soll das Projekt auch international fortgeführt werden. Zudem würde er auch gern ein Video aufnehmen, bei der der Bewohner/die Bewohnerin zu einzelnen Gegenständen etwas sagt, ohne dass der Film dramaturgisch geschnitten wird oder er/sie gar zu sehen ist. Dadurch kann erreicht werden, dass die „Dinge selbst sprechen“, auch wenn eine Stimme zu hören ist. Interessant ist auch der Gedanke, wie in ferner Zukunft das ganze angesehen werden könnte.

Für die Arbeit benötigen wir zwei/drei Tage. Wir sind uns bewusst, dass es auch eine kulturelle Begegnung wird. Die Gastfreundschaft der Georgier haben wir kennen gelernt. Dennoch bitten wir darum, dass nichts geschönt bzw. für Gäste vorbereitet wird. Wir wollen gern einen Ort vorfinden, der weitestgehend den Alltag der/des georgischen Flüchtlings zeigt. Es könnte sein, dass manche Gegenstände sehr privat sind. Doch besonders wichtig für die Inventarisierung ist, dass jeder Gegenstand in das Projekt Eingang findet!

Wir wären sehr froh, wenn sie jemanden für diese Arbeit gewinnen könnten. Natürlich sichern wir auch eine finanzielle Unterstützung für die Mühe zu. Erst mal vielen Dank für ihre bisherige Arbeit!


Mit besten Grüßen, Jörg Herold & Ralph Hälbig



Tbilisi, 2006-08-19


Lieber Herr Jörg Herold,

T. erzählte mir von ihrer Arbeit und zeigte mir den Katalog. Ich beschloss, Sie zu unterstützen. In meiner Jugend studierte ich einmal Geschichte. Auch deswegen interessiert mich ihre Herangehensweise. Dann war ich die jüngste Schulleiterin Abkhasiens in Sukhumi bis der Bürgerkrieg begann und 250.000 Georgier 1992 fliehen mussten. Der Krieg dauerte etwas über ein Jahr. Es gab Kriegsverbrechen, viele tausend Tote. Viele sind auch bei der Winterüberquerung hoch oben in den Bergen gestorben. Es war grässlich. Dass Sie an der Problematik der georgischen Flüchtlinge aus Abchasien Interesse hegen, finde ich beachtenswert. Zumal unser Schicksal kaum Beachtung findet. Für viele ist es unmöglich in ihre Häuser und Gärten zurück zu kehren.

Auf jeden Fall werden sie, wenn sie zu mir hier an den Tbilisi-See kommen, sich ein Bild davon machen können, wie ich hier lebe. Am besten Sie nehmen ein Taxi. Es kann sein, dass nicht gleich der erste Fahrer sie hierher bringen wird. Einige meiden diesen Ort. Hier in diesem ehemaligen sowjetischen Sanatoriumsgebäude leben an die 800 Vertriebene aus Abkhasien auf engstem Raum. Manche Kinder sind hier groß geworden und haben Abkhasien nie kennen gelernt. Überhaupt sind die Flüchtlinge in Sanatorien und Hotels, die im Bürgerkrieg eh niemand brauchte untergekommen. Viele sind sehr arm. Das Leben miteinander ist im Großen und Ganzen sehr hilfsbereit.

Ich selbst lebe hier mit meinem Sohn, meinen beiden Töchtern und meiner 82-jährigen Schwiegermutter, die noch bis vor drei Jahren als Ärztin arbeiten ging, hier im vierten Stock auf demselben Gang. Mein Mann ist Mitte der Neunziger Jahre gestorben.

Wundern sie sich nicht. Das Leben findet hier auch auf dem Gang statt, so wie wir früher im wunderschönen Abkhasien an der Schwarzmeerküste auf den Straßen und auf den Plätzen in Nachbarschaft zusammenlebten. Ein Nachbar unterhält auf seinem engsten Raum ein kleines Lebensmittelgeschäft. Manche bauen Tomaten und Melonen draußen im Hof an. Ich selbst lebe in einem spartanisch eingerichteten Zimmer. Vieles was sie dort vorfinden wurde geschenkt oder war irgendwo übrig geblieben. So gut wie nichts konnte ich damals mitnehmen. Es gibt ein Bild, dass eine Freundin in Sukhumi damals gestickt hat. Es verkörpert für mich die Freiheit. Das Klavier wurde von meinem spärlichen Geld abgespart, damit meine Töchter mit Musik groß werden. Vor ein paar Jahren bekamen wir eine Wohnung. Doch diese haben wir vermietet, damit die beiden Mädchen eine gute Ausbildung bekommen. Sie werden sehen, dass man sich mit Ihnen gut in der englischen Sprache unterhalten kann.

Mein Sohn B. wird sie an der U-Bahn-Station …. abholen. Er wird sie begleiten uns sie zu uns hier außerhalb der Stadt führen.


Beste grüße, Ihre Frau B.