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Thursday, September 26, 2019

BUCH: Die "Kaukasische Post". Karl August Fischer. Sammlung Georg Lieibbrandt. Band 10. Leipzig. 1944. 1 / 279

Quellen und Materialen zur Erforschung des Deutschtums in Osteuropa im Auftrag herausgegeben E. Meynen

Entsprechend dem Charakter der Sammlung Georg Leibbrandt als einer Materialiensammlung soll die vorliegende Arbeit über die „Kaukasische Post“ Stoff darbieten einmal zur Geschichte der rußlanddeutschen Presse und ferner zur Geschichte der kaukasischen Deutschen. Die „Kaukasische Post“ erschien als einzige deutsche Zeitung des Kaukasus in Tiflis in den Jahren 1906—1914 und 1918—1922. Die äußeren und inneren Schicksale der Zeitung sollen erzählt werden an Hand der Zeitung selbst und auf Grund von Aufzeichnungen, Briefen und persönlichen Erinnerungeij, der Inhalt der Zeitung soll gesichtet und als Quelle vornehmlich für die Geschichte der kaukasischen Deutschen gewürdigt werden.

Link: Die "Kaukasische Post". Karl August Fischer. [pdf]

Friday, November 17, 2017

CHARITY-PROJEKT: Vom Kaukasus zum Königsstuhl. Martin Fluch - 4.500 km auf Cross-Skates von Georgien bis nach Deutschland.

Ein gemeinsames Charity-Projekt von Martin Fluch und der Kaukasischen Post

Seit Februar 2013 ist Martin Fluch Deutsch-Lehrer in Batumi/Georgien. Sein Arbeitsverhältnis mit der Schule Euro 2000 endet im Juni 2018. Die Rückkehr nach Eppelheim/Heidelberg, wo er wohnt, will er mit Cross-Skates in maximal 90 Tagen (inklusive der eingeplanten Erholungspausen auch für Presse- Foto- und Filmtermine) über die Türkei, Griechenland, Bulgarien, Serbien, Ungarn und Österreich bewältigen. Es soll eine langsame Wieder-Annäherung an Deutschland werden und eine ebensolche Entfernung aus Georgien. Und ist nebenbei auch ein völkerverbindender Lauf während des vom Auswärtigen Amt offiziell ausgerufenen Deutsch-Georgischen Jahres.

Erfahrungen aus früheren sozialgeprägten Sportprojekten - einer Kanu-Tour über die gesamte Donaustrecke von der Quelle bis zur Mündung (2811 Km) und einem Langstreckenlauf über 885 Kilometer und 2 Gebirgspässe über 3000 Meter in 11 Tagen durch Kirgistan - liegen diesem neuen Vorhaben des ambitionierten Ausdauer-Sportlers zugrunde.

So soll auch dieser Lauf einem gemeinnützigen Zweck dienen – Charity-Partner ist die Kinderkrebshilfe des georgischen Solidarity Funds zusammen mit der Uni-Kinder-Klinik Freiburg, wobei dem Läufer selbst keine großen Privatkosten entstehen sollten.
 
Medien-Partner: Kaukasische Post, rainer.kaufmann@erkanet.de
Ausrüster: boss sports, Stettiner Str. 24, 76356 Weingarten(Baden), Tel.: +4972442059888










Finanzierung und Charity:
Pro Tag ist ein Budget von 50,-- € fest eingeplant, in der Summe € 4.500,--. Dazu eine Reserve für unvorhergesehene Ausgaben von € 1.000,--. Das Geld soll durch Sponsoring aufgebracht werden. Aufgerufen sind Firmen und Privatpersonen, sich mit einem Tagessatz von € 1,-- bis € 25,-- zu beteiligen.

“Grenzen für eine Spende sind weder nach oben noch nach unten gesetzt.“

Platin-Sponsor: € 25,-- pro Tag = € 2.250,--
großes Logo auf allen Veröffentlichungen, sofern machbar Sonder-Termine mit Presse, Verlinkung auf Webseite

Gold-Sponsor: € 20,-- pro Tag = € 1.800,--
großes Logo auf allen Veröffentlichungen, Verlinkung auf Webseite

Silber-Sponsor: € 15,-- pro Tag = € 1.350,-- <
mittel großes Logo auf allen Veröffentlichungen, Verlinkung auf Webseite

Bronze-Sponsor: € 10,-- pro Tag = € 900,--
kleines Logo auf allen Veröffentlichungen, Verlinkung auf Webseite

Premium-Supporter: Tagesbeiträge von mindestens € 1,-- (90 Euro).

Unterstützer: Beiträge ab 10 Euro

Alle Sponsoren und Unterstützer werden namentlich auf der Webseite gelistet (nach Wunsch mit Höhe der Spende).

Charity-Partner:
Kinderkrebshilfe des georgischen Solidarity Funds zusammen mit der Uni-Kinder-Klinik Freiburg

Charity-Beitrag: 25 % der Sponsoring-Beiträge gehen sofort direkt an die Kinderkrebshilfe, dazu alle erzielten Überschüsse. Die eingespielten Tagessätze werden für jeden Tag, den Martin Fluch früher in Heidelberg ankommt als geplant, in voller Höhe an die Kinderkrebshilfe weitergeleitet. Je mehr Spenden eingehen, umso größer werden die prozentualen Sponsoring-Beiträge.

Rechenbeispiele: Wenn 5.000,- Euro gesponsert werden, gehen 1250 Euro an den Solidarity-Fond, das fehlende Geld für den Lauf trägt der Läufer selbst. Bei 7.000 Euro könnten schon mindestens 2000 Euro an die Kinderkrebshilfe gehen (knapp 30%)

Ab 10.000 Sponsoring erhöht sich der Charity-Beitrag auf ca. 50%.
Mit jedem Tag, den Martin Fluch das Ziel früher als die angesetzten 90 Tage erreicht, erhöht sich die Spendensumme an die Kinderkrebshilfe ebenfalls.

Die Kaukasische Post hat ein Sonderkonto eingerichtet, wird die Beiträge der Sponsoren und Unterstützer verwalten und nach der Reise eine transparente Abrechnung erstellen.

Spendenquittungen können – nach Wunsch - ab einer Höhe von 200 Euro ausgestellt werden.

KaPost Kinderkrebshilfe Georgien
Sparkasse Kraichgau
IBAN: DE48 6635 0036 0018 2986 89
BIC: BRUSDE66XXX

Medien-Partner Kaukasische Post:
Die Kaukasische Post begleitet das Projekt als Medienpartner mit einer eigenen Webseite ab Dezember 2017. In ihr werden Vorbereitung und Streckenverlauf dargestellt, ebenso wird während des Laufs regelmäßig in Bild, Text und Video über den Verlauf berichtet. Auf der ganzen Strecke wird außerdem intensive Medienarbeit betrieben.

Geplant sind über die Fahrt noch eine TV-Dokumentation und ein Buch zu produzieren.

Ausrüster:
boss sports
Stettiner Str. 24, 76356 Weingarten (Baden), Deutschland
Telefon: +49 7244 2059888

Susanne Boss

Kontakt:
Rainer Kaufmann
Kaukasische Post
rainer.kaufmann@erkanet.de

Sunday, April 19, 2015

NEWSPAPER: Kaukasische Post (KaPost) bildet Nachwuchs aus (kaukasische-post.com)

(kaukasische-post.com) Ohne vernünftig ausgebildeten journalistischen Nachwuchs wird auch die KaPost auf Dauer nicht überleben können. Deshalb haben sich Verlag und Redaktion entschlossen, ab Sommer eine praktische Berufsausbildung in der Redaktion der KaPost anzubieten, ähnlich einem Volontariat an deutschen Tageszeitungen. Sie wird zwei Jahre dauern und alle Bereiche des journalistischen Handwerks umfassen. Gesucht werden ein oder zwei georgische Bewerber/Innen mit ausgezeichneten Deutsch-Kenntnissen und Interesse am Beruf. Ideal als studienbegleitende Ausbildung.

Bewerbungen mit Lebenslauf und Arbeitsproben an: verlag@karo-media.net.

Monday, November 18, 2013

POLITIK: Zum Rücktritt des georgischen Generalstaatsanwalts Archil Kbilaschwili. Von Rainer Kaufmann (kaukasische-post.com)



(kaukasische-post.com) Hintergründe und Fragen

Der Chefankläger Georgiens ist nach nur etwas mehr als einem Jahr Amtszeit zurückgetreten. Normalerweise eine innergeorgische, wenn nicht sogar eine persönliche Angelegenheit. Nicht aber im Falle Archil Kbilaschwili und nicht in Georgien ein Jahr nach dem Regierungswechsel von Saakaschwilis UNM (United National Movement) zu Bidsina Iwanischwilis Georgischem Traum. Schon gar nicht, wenn ganz offensichtlich nicht nur innenpolitische Gründe eine Rolle gespielt haben, wenn es auch eine europäische Komponente gibt. Und viel weniger, wenn man sich erinnert, dass Kohabitationspräsident Micheil Saakaschwili im Juli dieses Jahres die ihm ungeliebte Justizministerin ultimativ aufgefordert hat, den ihm ebenfalls ungeliebten obersten Ankläger des Landes zu entlassen. Ihre Antwort an den Präsidenten damals: “Es ist notwendig, dem Staatsanwalt und dem Richter Respekt zu erweisen, egal ob die Justizministerin oder der Präsident mit den Entscheidungen, die sie treffen, einverstanden sind oder nicht. Richter, Ankläger und Anwälte sind drei Berufsgruppen, die wir zu achten haben, wenn wir wirklich eine unabhängige Justiz wollen.“

Der georgische Hintergrund des Rücktritts

Der heute 42-jährige Archil Kbilaschwili war Rechtsanwalt, bevor er mit der Gründung des Georgischen Traums vor etwas mehr als zwei Jahren in die Politik einstieg. Er hatte auch Bidsina Iwanischwili während der Wahlschlacht 2012 in dessen Prozessen in Sachen Staatsbürgerschaft und Parteienfinanzierung vertreten und regelmäßig eine Schlappe vor Gericht erlitten. Er darf als einer der ganz wenigen engen Vertrauten von Bidsina Iwanischwili gelten. Auch deshalb ist sein Rücktritt, fast zeitgleich mit dem Iwanischwilis vom Amt des Premiers, eine besondere Betrachtung wert.

In seinem Rücktritts-Statement erklärte Kbilaschwili, dass er keine grundsätzlichen Differenzen sowohl mit dem noch amtierenden Premier Iwanischwili als auch mit dem designierten Nachfolger, dem heutigen Innenminister Irakli Garibaschwili, habe. Man sei sich in allen strategischen Fragen einig. Es habe aber Meinungsverschiedenheiten in der Frage gegeben, welches Tempo man bei den notwendigen Reformen der Strafverfolgungsbehörden anschlage. Nach langen Gesprächen mit Iwanischwili hätten beide entschieden, dass er gleichzeitig mit Iwanischwili vom öffentlichen Amt zurücktrete, um zusammen mit ihm und seinem Team in der Zivilgesellschaft weiter zu arbeiten. „Das heißt, ich habe Bidsina Iwanischwili meine Unterstützung versprochen bei der Umsetzung der Aufgaben, die er während seinen weiteren öffentlichen Aktivitäten plant.“ Die ganze Wahrheit?

Die unabhängige Zivilorganisation „Free Georgia“ brachte die inner-georgische Diskussion um Kbilaschwili auf den Punkt: „Vertreter der früheren Regierung und Kbilaschwilis Kollegen vom regierenden Georgischen Traum waren mit seiner Arbeit gleichermaßen unzufrieden. Die ersten beklagten sich darüber, dass er hochrangige frühere Regierungsvertreter ohne Grund in Untersuchungshaft genommen hat, die anderen sind unglücklich darüber, dass er nicht in der Lage gewesen ist, Gerechtigkeit im Lande wieder herzustellen.“

Es war sicher eine der schwierigsten Aufgaben der neuen Administration, die Archil Kbilaschwili vor einem Jahr übernommen hatte. Tausende von Anzeigen gegen Vertreter der Regierung Saakaschwili stapelten sich plötzlich in den Registraturen der Staatsanwaltschaften, die abzuarbeiten noch Jahre dauern wird. Die Unzufriedenheit der Kläger, die alle eine schnelle Behandlung ihrer Einzelfälle wollten, war vorprogrammiert. Es handelt sich vor allem um unzählige Fälle von Erpressungen und illegalen Enteignungen, die Privatleute der vorherigen Regierung und ihren Vertretern anlasten. „Die Zeit ist gekommen, in der der Staat eine klare Aussage machen muss, wie er mit diesen Fällen umgeht“, sagte der scheidende Chefankläger. Es handelt sich auch um einige Fälle von vermuteter Schwerstkriminalität, die bis heute noch nicht aufgeklärt sind.

Ein anderes Problem, mit dem Kbilaschwili zu kämpfen hatte, war die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft unter Saakaschwili nahezu alle Gerichtsentscheidungen nach ihrem Willen gestalten konnte. Richter hatten oft genug keine andere Möglichkeit, als dem Antrag der Staatsanwaltschaft, vorgegeben vom allmächtigen Justizminister, zu folgen. Dieser hat Georgien gleich nach der Wahlniederlage von Saakaschwilis Partei fluchtartig verlassen.

Am Rande einer Richterkonferenz der GIZ im Jahr 2011 war der Präsident des Obersten Gerichtshofs Georgiens, Konstantin Kublaschwili, sogar stolz darauf, dass es bei den Strafgerichten nur zwei Prozent Freisprüche gäbe. Dies begründete er mit der besonderen Qualität der Richter und der Ermittlungsbehörden. Die Anwälte, räumte er ein, seien eben fachlich nicht annähernd so qualifiziert wie die Staatsanwälte. Der jetzt scheidende Generalstaatsanwalt war zu diesen Zeiten qualifizierter Rechtssprechung ein in Insiderkreisen bekannter Anwalt.

Renate Winter, eine pensionierte österreichische Richterin und Leiterin des EU-Projektes „Capacity Building in Support of Rule of Law in Georgia“ erklärte damals im GIZ-Magazin „Aspekte“ dieses Phänomen damit, dass vor allem die Richter der ersten Instanz sich immer wieder an den „Guidelines“ des Obersten Gerichtshofes orientierten statt eigenständige Urteile zu verfassen. Die Datenbanken aller Justizorgane, der Staatsanwaltschaften und aller Gerichte waren in der zentralen Datenbank des Justizministers zusammen gefasst. Dieser, ein enger Vertrauter Saakaschwilis und qua Verfassung jeglicher Kontrolle durch das Parlament enthoben, konnte mit solchem Wissen Einfluss nehmen auf alle Verfahren. Kbilaschwili und die neue Justizministerin Tea Tsulukiani, haben zunächst einmal dieses Netzwerk zerschlagen. Die alten Staatsanwälte und die alten Richter aber sind nach wie vor im Amt, wenngleich nicht mehr digital vernetzt und gesteuert. Das sollte neuen Freiraum geben für eine wirklich unabhängige Justiz.

Seine Hauptaufgabe sei es gewesen, die totale Kontrolle der Justiz durch die Regierung zu überwinden, sagte Kbilaschwili bei seiner Abschiedspressekonferenz. Dass es dabei auch Unzulänglichkeiten gegeben habe, die er nicht übersehe, schon gar nicht gut heiße, räumte er ein. Aber es sei jetzt notwendig, die „repressive Rolle der Staatsanwaltschaft zu überwinden und ein neues, ein europäisches Modell der Strafverfolgungsbehörden zu entwerfen.“ Eine neue Politik bei der Bekämpfung der „weißen Kriminalität“ bezeichnete er als die Ouvertüre all der Reformen, die jetzt anstehen. Zur Erinnerung: Gleich nach der Niederlage im Oktober 2012 hatte Saakaschwili einen Gesetzesentwurf im Parlament eingebracht, mit der eine Amnestie für alle Wirtschaftsvergehen der letzten Jahre erlassen werden sollte. Das Parlament lehnte das Gesetz ab.

Unterstellt, Kbilaschwili wird wieder die Rechtsvertretung Iwanischwilis übernehmen, könnte es bald zu dem einen oder anderen Auftritt Kbilaschwilis vor Gericht kommen. Dann eben auf der anderen Seite des Verfahrens, als Anwalt. Nicht ausgeschlossen, dass sich beide in ihren langen Gesprächen über den Rücktritt bereits darauf verständigt haben. Denn Iwanischwili hatte im Parlamentswahlkampf immer wieder betont, dass jeder, der sich geschädigt fühlt, das Recht bekommen muss, vor einem ordentlichen und freien Gericht Klage zu erheben. Sind da nicht noch einige Rechnungen des Milliardärs und seines früheren Anwaltes mit dem georgischen Staat offen?

Der europäische Hintergrund des Rücktritts

Unter Druck geraten ist Kbilaschwili vor allem wegen seiner immer wiederholten Ankündigungen, gegen hochrangige Offizielle der Regierung Saakaschwili zu ermitteln und diese in dem einen oder anderen Fall zunächst als Zeugen einvernehmen zu wollen, auch den scheidenden Präsidenten nach Ende seiner Amtszeit. Aber manch eine Zeugenvernehmung endete im letzten Jahr in der Untersuchungshaft, wenngleich dies immer wieder durch ein Gericht bestätigt werden musste. Nicht immer sind die Gerichte Kbilaschwilis Anklägern gefolgt, ein Novum in der georgischen Justiz. Aber genau das machten ihm Freunde aus dem Georgischen Traum zum Vorwurf.

Entscheidender waren jedoch die Reaktionen im Ausland. Von selektiver Justiz war die Rede, von der rein politisch motivierten Verfolgung früherer Regierungsvertreter Prominentester Fall: Wano Merabischwili, einst allmächtiger Innenminister und kurzzeitig Premier, der seit Monaten in Untersuchungshaft sitzt und sich gleich mehreren Gerichtsverfahren stellen muss. Vor allem Vertreter der Europäischen Volkspartei (EVP), dem Zusammenschluss der konservativen Parteien in den europäischen Institutionen, wurden bis heute nicht müde, der neuen Regierung und ihren – eigentlich doch unabhängigen – Justizorganen nichts anderes zu unterstellen als Rachejustiz. KaPost-online hat mehrfach darüber berichtet.

Nach dem Wahlsieg Margwelaschwilis hat Europa noch einmal kräftig zugelegt, nicht zuletzt deshalb, darf man vermuten, weil Micheil Saakaschwili die letzten Tage seiner Amtszeit nutze, in Brüssel noch mehrfach vorstellig zu werden. Zweimal innerhalb von nur neun Tagen jettete er in die europäische Hauptstadt, um dort vor allem Repräsentanten der EVP zu treffen: Manuel Barroso, Vorsitzender der EU-Kommission, und Herman Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates. Und bei jedem dieser Treffen wetterte Saakaschwili auch öffentlich gegen die Verfolgungsjustiz der derzeitigen Regierung. Der Hintergrund: Saakaschwilis Partei, die UNM, hat bei der EVP einen Beobachterstatus, sie gehört nach Aussagen aus der EVP zur „politischen Familie“ der Konservativen in Europa.

Manuel Barroso hat in einer Pressekonferenz mit Saakaschwili die georgische Regierung recht unvermittelt davor gewarnt, nach Ende von dessen Amtszeit rechtliche Schritte gegen den scheidenden Präsidenten zu einzuleiten. Dies könne, siehe der Fall Ukraine und Timoschenko, erhebliche Auswirkungen auf das Assoziierungsabkommen zwischen Georgien und der EU auf dem EU-Nachbarschaftsgipfel in Vilnius Ende November haben. Ähnlich direkt äußerten sich auch Van Rompuy und der schwedische Außenminister Bildt, auch ein Konservativer, der bei einem Besuch in Tiflis erklärte, das Verhältnis Georgiens zu EU werde sich in ein weitaus schlechteres Szenario verwandeln als das der Ukraine mit dem Fall Timoschenko, wenn eine Untersuchung gegen Micheil Saakaschwili eröffnet wird. Dies habe er Iwanischwili sehr deutlich gesagt.

Die anderen politischen Kräfte in Europa schweigen, auch die in der politischen Familie der EVP, die – bei all seinen Verdiensten – ein differenzierteres Bild vom scheidenden Präsidenten haben. Angela Merkel, zum Beispiel, aber auch Liberale, Sozialdemokraten und Grüne in Europa.

Fragen an einige europäischen Politiker

Dabei handelt es sich bei den – vor allem parteipolitisch – einseitigen Einlassungen aus Brüssel um einen nahezu unverfrorenen Erpressungsversuch gegenüber der georgischen Regierung und ihrer Justiz. Vor allem entspricht der Adressat, die georgische Regierung, wohl kaum einem europäischen Rechtsverständnis, nach dem die Justizbehörden unabhängig von ihrer Regierung entscheiden, welche Ermittlungen und Verfahren sie einleiten oder nicht. Unter Kbilaschwili und Tea Tsulukiani, der Justizministerin, haben die georgischen Strafverfolgungsbehörden zumindest ansatzweise versucht, genau diese Unabhängigkeit wieder zu gewinnen, die sie unter der Datenbank-Kontrolle des früheren Justizministers niemals hatten. Sollte Europa diesen Anspruch zumindest bis zum wirklichen Beweis des Gegenteils nicht einfach respektieren und unterstützen? Was soll denn etwa ein deutscher, von der Bundesregierung entsandter Rechtsberater antworten, wenn ihm georgische Richter und Staatsanwälte die Brüsseler Einlassungen vorhalten? Und was soll ein georgischer Staatsbürger von Europa und seinen Standards, von Werten nicht zu sprechen, halten, wenn er diese Einmischungen höchster Repräsentanten des politischen Kontinents in die georgische Justiz zur Kenntnis nimmt?

Hat sich etwa das Verhältnis der Bundesrepublik zu EU dramatisch verschlechtert, weil ein Staatsanwalt gegen den damals amtierenden Bundespräsidenten Wulff ermittelte, der sich demnächst als Ex-Präsident wegen einer Belanglosigkeit von Vorteilsnahme, verglichen mit den Anschuldigungen in Georgien, vor Gericht wieder findet? Oder hat sich etwa das Verhältnis Italiens zur EU dramatisch verschlechtert, weil der frühere Ministerpräsident Berlusconi ein verheerendes Gerichtsurteil nach dem anderen kassiert?

Die EU und ihre Mitgliedsländer haben in den letzten Jahren Millionen Euro unter anderem auch dafür ausgegeben, die georgischen Justizbehörden an EU-Standards heranzuführen. Archill Kbilaschwili war noch vor wenigen Wochen mit einer Delegation georgischer Staatsanwälte in Berlin und Karlsruhe beim dortigen Bundesanwalt, um sich über die unabhängige Rolle der Ermittlungsbehörden im deutschen Rechtssystem zu informieren. Wie würde ein deutscher Bundesanwalt reagieren, wenn ihm einseitige Parteipolitiker aus Brüssel und das mit der Autorität ihres EU-Amtes ähnliche Vorhaltungen machen würden und er sich aus übergeordneten außenpolitischen Zwängen nicht dagegen wehren könnte? Er würde vermutlich zurücktreten.

Europa hat in Georgien mehr zu verlieren als nur sein Gesicht. Europa hat zu lange und gegen besseres Wissen an „Micheil Saakaschwili und sein Team“ geglaubt, weil viele in Europa nicht damit gerechnet haben, dass die Georgier an den Wahlurnen ihre eigene Entscheidung über dieses Team treffen. Und viele in und aus Europa haben über Jahre einfach weggesehen statt mit umsichtiger Diplomatie zu reagieren, wenn in Georgien etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Jetzt klotzt Europa, zumindest diejenigen klotzen, die derzeit für Europa sprechen. Wann hat es jemals in den letzten zehn Jahren so deutliche Belehrungen an die georgische Regierung gegeben wie sie jetzt Iwanischwili und sein Team hinnehmen müssen? Wird das anfällige Pflänzchen der Unabhängigkeit der georgischen Justiz auf dem Altar von Vilnius geopfert, an dem die EVP allein die Ministranten stellt? Und kann man es Iwanischwili verdenken, wenn er vielleicht auch deshalb zu früh resigniert, weil er nicht weiter den Lehrbuben für europäische Parteipolitiker geben will, die das Wohl ihrer “politischen Familie” über den eindeutigen Wählerauftrag in Georgien stellen, eine unabhängige Justiz zu etablieren?

Tuesday, January 08, 2013

VORTRAG: Georgien - die erste Demokratie in der Postsowjetunion? Von Rainer Kaufmann

Am Mittwoch, den 30. Januar 2013, 19.30 Uhr

Evangelisches Bildungswerk Regensburg
Am Ölberg 2 
93047 Regensburg 

Georgien - die erste Demokratie in der Postsowjetunion? 

Georgien hat am 1. Oktober ein neues Parlament gewählt. Was kaum jemand erwartete: die Regierung Saakaschwili wurde abgewählt, ein sanfter Machtwechsel fand statt, zum ersten Mal in einem Nachfolgestaat der UdSSR, mit Ausnahme des Baltikums. Und zum ersten Mal besteht die Chance, dass sich ein mehr oder weniger autokratisch regiertes Land in dieser Region zu einer funktionierenden parlamentarischen Demokratie entwickelt. 

Rainer Kaufmann, der Herausgeber und Redakteur der "Kaukasischen Post", einer in Tiflis erscheindenden deutschsprachigen Monatszeitung, ist seit mehr als 20 Jahren in Georgien und hat als einziger europäischer Journalist die politische Entwicklung von Swiad Gamsachurdia über Eduard Schewardnadse und Micheil Saakaschwili bis hin zu Bidsina Iwanischwili vor Ort erlebt und journalistisch begleitet. 

 Er lässt er die letzten zwei Jahrzehnte in Georgien Revue passieren und gibt einen Ausblick auf die künftige Entwicklung. Sein Fazit nach den Wahlen: "Politik in Georgien wird endlich interessant." 

 Nach dem politischen Vortrag wird eine halbstündige Diaschau angeboten. 

Friday, August 31, 2012

KOMMENTAR: Georgisch-russischer Grenzzwischenfall? Von Rainer Kaufmann (kaukasische-post.com)

(kaukasische-post.com) Die Medien der Welt sind sich offensichtlich einig: Es gibt wieder einmal neue Spannungen an der georgisch-russischen Grenze. Sogar die “EU zeigt sich über die jüngsten Kämpfe an der georgisch-russischen Grenze besorgt”, wie ein Sprecher EU-Außenpolitikbeauftragten Catherine Ashton am Donnerstag in Brüssel erklärte. Der österreichische Standard, sonst eigentlich ein besonnener Beobachter der Vorgänge im Kaukasus, übernimmt mit dieser Formulierung einen Agenturtext. Und BBC titelt online: “Georgian army operation on Russian border leaves 14 dead”. Und alle Agenturen bringen diese neuen Spannungen flugs in den direkten Zusammenhang mit dem georgisch-russischen Krieg um Südossetien im Jahr 2008.

Nach allem, was man zur Stunde aus seriösen georgischen Quellen weiß, ist wohl folgendes passiert: Ein Dutzend schwer bewaffnete Freischärler aus Dagestan, wo es regelmäßig zu Zusammenstößen zwischen der russischen Ordnungsmacht und muslimischen Fundamentalisten unterschiedlichster Gattung kommt, haben sich über die Grenze nach Georgien durchgeschlagen, aus welchem Grund auch immer. Dort haben sie ein paar junge Georgier als Geiseln genommen. Über die Motivation dieser Geiselnahme ist noch nichts bekannt. Nach erfolglosen Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln wurden diese von der georgischen Polizei befreit. Bei dieser Operation starben elf Geiselnehmer und drei Georgier, zwei Angehörige einer Spezialeinheit des georgischen Innenministeriums und ein Militärarzt. Die Aktion, so die Information der georgischen Regierung von heute, ist mittlerweile abgeschlossen, die toten Geiselnehmer seien ihrer religiösen Tradition folgend bereits bestattet worden.

Eine reine Polizeiaktion, wie sie von jedem Staat der Welt in seinem Territorium durchgeführt werden muss, will er seine Bürgerinnen und Bürger vor Kriminellen schützen. Eine Aktion, die sicher auch notwendig war, damit Russland den Aufenthalt von islamistischen Aktivisten aus Dagestan in Georgien nicht etwa für eigene propagandistische Ziele einsetzen kann. Über die Schweizer Botschaft, die zwischen Georgien und Russland vermittelt, da beide Länder keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, sei Russland über alle georgischen Schritte informiert gewesen, heißt es in Georgien.

Ein Vorfall demnach, der eigentlich keine größere, weltweite Aufmerksamkeit verdient, zumindest keine, die in Zusammenhang mit der politischen Großwetterlage zu stellen wäre. Georgien hatte Ende der 90-er Jahre große Probleme mit nordkaukasischen Aufständischen, die sich auf seinem Territorium eingerichtet hatten, damals auch mit Geiselnahmen und vielen anderen unangenehmen Nebenerscheinungen. Einer Wiederholung dieser Geschichte wurde schnell ein Riegel vorgeschoben. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Daraus, von welcher Seite auch immer, irgendein politisches Propagandasüppchen zu kochen, ist ein durchsichtiges Manöver, das Beobachter klar benennen sollten. Diesen Vorgang aber in den Zusammenhang mit den Ereignissen um Südossetien und Abchasien zu stellen, ist nicht nur oberflächlich, es hat mit einer seriösen, analytischen Berichterstattung aus dem Kaukasus nichts zu tun.

Warum bei aller Sorge der EU die EUMM-Beobachter nicht unverzüglich in das georgisch-dagestanische Grenzgebiet geschickt wurden, bleibt überdies ein Brüsseler Geheimnis. Das EUMM-Mandat gilt nämlich ausdrücklich für das gesamte georgische Staatsgebiet.

Thursday, August 09, 2012

KAUKASISCHE POST: Fried Nielsen - “Dann war ich doch wieder hier daheim.” (kaukasische-post.com)

(kaukasische-post.com - 18. Juni 2012) Der Diplomat und Buchautor Fried Nielsen besuchte nach acht Jahren wieder Georgien.

Er war etwas unsicher, was ihn in Georgien des Jahres 2012 erwarten würde. Fried Nielsen, von 1992 bis 1995 ständiger Vertreter in der Deutschen Botschaft in Tiflis, hatte Georgien zum letzten Mal im Jahr 2004 besucht in der Delegation des damaligen deutschen Außenministers Joschka Fischer. Damals war der Eindruck Georgiens eher bedrückender als ein Jahrzehnt zuvor. Und heute? Der erste Eindruck? „Eigentlich war ich etwas enttäuscht. Die Fahrt vom Flughafen zur Stadtmitte verlief völlig normal.“ Fried Nielsen wollte schon wieder umkehren, erst als der Fahrer mitten in der Nacht das Hotel nicht finden konnte, war für den Georgien-Oldie unter den deutschen Diplomaten die Welt irgendwie wieder in Ordnung. „Da war ich dann doch wieder hier daheim.“

Am nächsten Morgen das Ritual wie beim ersten Besuch in Tiflis am 8. August 1992: ein langer Spaziergang durch die Stadt und ein völlig neues Bild. „Noch nie habe ich in Tiflis so viele Menschen arbeiten sehen.“ Nielsen fällt die positive Atmosphäre auf in der Stadt, die Kleidung ist bunter geworden, nicht mehr nur schwarz. „Eine Stimmung, dass man was reißen und machen kann, dass man sein Leben aus eigenem Antrieb gestalten kann. Diese Stimmung ist neu für mich.“

Es wird gebaut. Aber was wird gebaut? Und wie wird gebaut? „Ja, ja, ich weiß, diese Brücke aus Glas, die Friedensbrücke.“ Man müsse sie nicht schön finden. Aber, dass sie das Stadtbild zerstöre, wie man ihm in Deutschland immer wieder suggerierte, „das ist Quatsch. Georgien braucht auch Momente moderner Architektur, um sich neu zu erfinden.“ Und ob am Aghmaschenebeli-Prospekt alle Feinheiten des Denkmalschutzes berücksichtigt wurden, müsse er auch nicht bewerten. In Baku jedenfalls sei man weitaus unsensibler mit dem Stadtbild umgegangen als in Tiflis.

Fried Nielsen
Wer Nielsen schwärmen hört, muss ihm unweigerlich die Frage stellen, ob er das Hohelied der Regierenden singe. „Die Regierung kenne ich nicht, die ist mir egal. Ich beschreibe, was ich sehe. Und wer das nicht sieht, ist krank. Die Leute auf der Straße sehen doch viel besser aus als vor ein paar Jahren. Und Momente der Unsicherheit, die wir immer erleben mussten, werden so nicht mehr eintreten.“

Und dann schweift er in die Geschichte ab, auch in die eigene: Schewardnadse habe in schwierigsten Zeiten die Grundlage gelegt für eine Entwicklung, von der auch seine Nachfolger profitieren. Und das mit kräftiger Unterstützung durch Deutschland. Nielsen erinnert sich an erste Berichte der neu errichteten Botschaft ans Amt, so heißt das deutsche Außenministerium unter Insidern. „Wir müssen unser Geld in die Modernisierung des georgischen Rechts stecken“, drahtete die Botschaft in Tiflis. Der Beginn einer Erfolgsstory: „Was dann mit deutscher Hilfe geschehen ist, hat das Fundament geschaffen, auf dem Staat, Verwaltung und Wirtschaft heute aufbauen.“

Nielsen ist nicht in offizieller Mission in Georgien. Während der deutschen Woche stellt er sein drittes Georgien-Buch vor, nach zwei Auflagen seines Erzähl-Klassikers „Wind, der weht“ eine georgische Antologie mit Texten über Georgien von der Antike bis heute. Was kaum jemand weiß: Mit rund 1.000 Titeln besitzt Fried Nielsen eine der größten Georgika-Bibliotheken. Sie könnte demnächst erweitert werden, denn das Urgestein der nachsowjetischen deutschen Diplomatie in Georgien plant ein weiteres Buch, eines über Tiflis. Sein Kurzbesuch von einer Woche, der erste nach neun Jahren, hat ihn wieder motiviert.

Eine Story dieses Buches dürfte unvermeidlich sein: Die Klage Nielsens über das Verschwinden des Laghidze-Restaurants auf dem Rustaweli. Ein Stück Kulturgeschichte Georgiens ist da verschwunden, als die mit Marmorplatten ausgestaltete Trinkhalle einem modernen Bekleidungsgeschäft weichen musste. Der deutsche Filmemacher und Regisseur Stefan Tolz, der seit Jahren in Tiflis wohnt, bereitet derzeit einen Film über Mitrophane Laghidze vor, den Apotheker, dessen Fruchtsaft-Konzentrate, verdünnt mit Mineralwasser, mehrere Generationen von Georgiern liebten und schätzten. Heute kommen die Konzentrate für Erfrischungsgetränke aus Übersee. Und einer der Enkel Laghidzes arbeitet längst für eine Marke mit weltweiter Präsenz. Und Fred Nielsen würde viel dafür geben, in dem Film eine kleine Nebenrolle spielen zu dürfen…

Saturday, July 21, 2012

ARTIKEL: Stefan Tolz und der georgische Saftladen. Im Gespräch mit dem deutschen Filmregisseur und Produzenten. Von Rainer Kaufmann (kaukasische-post.com)

(kaukasische-post.com) Er hat einen der schönsten Filme gedreht, die es über den Kaukasus gibt: Am Rande der Zeit – Männerwelten im Kaukasus. Die Rede ist von Stefan Tolz, dem deutschen Filmproduzenten und Regisseur, einem Urgestein der postsowjetischen deutsch-gorgischen Szene. Denn seit 1990, noch bevor die UdSSR aufhörte zu existieren, ist der heute 46-jährige in Georgien irgendwie zu Hause. Damals kam der Münchner Filmstudent, 24 Jahre jung war er, nach Tiflis, um an der Kino-Fakultät des Staatlichen Georgischen Theaterinstituts ein Gaststudium zu absolvieren. In den Hörsälen allerdings hielt er sich nur selten auf, seine Georgisch-Kenntnisse waren noch nicht ausreichend. Umso mehr hielt er sich in den Studios der großen georgischen Regisseure auf, bei Eldar Schengelaia etwa oder bei Tengis Abuladse. Von ihnen hat er viel gelernt. Und von den unzähligen georgischen Streifen in Schwarz und Weiß, die er sich in eiskalten Kinosälen angesehen hat.

Heute spricht er perfekt Georgisch und hat sich nach einigen Jahren in anderen Teilen der Welt seit 2007 wieder in Tiflis niedergelassen. Dazwischen war er Gaststudent am Film Department der New York University und an der Pekinger Filmakademie. Von 1993 bis 1999 arbeitete er als freier Autor, Regisseur und Produzent zunächst in Köln für verschiedene öffentlich-rechtliche Fernsehsender, danach in München. Seit 1998 erhielt Tolz auch verschiedene Lehraufträge für Dokumentarfilm in Deutschland und Österreich. 2002 gründete er gemeinsam mit Thomas Riedelsheimer und Thomas Wartmann eine Filmproduktion in München, seit 2004 auch mit einer Niederlassung in Köln, filmpunkt heißt die Firma heute.

Lange Zeit hatte er sich eher in Richtung Kalifornien orientiert, der Liebe wegen, und sich nicht vorstellen können, jemals wieder für eine längere Zeit seine Zelte in Georgien aufzuschlagen, obwohl er regelmäßig seine alten Freunde im Kaukasus besuchte. Als die Beziehung nach Kalifornien erkaltet war, machte sich Stefan Tolz auf die Suche nach einer neuen Zweit-Heimat. Für Südfrankreich hatte er sich schon fast entschieden, als er dann doch wieder zu einem Besuch nach Georgien kam. „Da habe ich ein Georgien vorgefunden, wie ich es noch nie erlebt habe.“ Waren es früher vor allem die Abgeschiedenheit der Bergdörfer, die ihn angezogen hatten, war er plötzlich überrascht, dass Tiflis nicht mehr so abgeschnitten war von der Welt wie früher. „Ich konnte in einem Cafe sitzen, einen Cappuccino trinken und hatte über den Laptop Kontakt zur Außenwelt.“ Für den Filmemacher, der in Georgien alle schweren Zeiten ohne Strom und ohne Kommunikation miterlebt hat, die Zeiten des Bürgerkriegs und der danach folgenden Herrschaft von Warlords, war dies ein Quantensprung in Lebensqualität. Alte Freunde, mit denen er zu Studienzeiten seinen ersten Film in Georgien, Das Kaukasische Gastmahl, produziert hatte, boten ihm eine Wohnung zum Kauf an. Südfrankreich war vergessen. Stefan Tolz war wieder bei denen angekommen, mit denen seine Karriere angefangen hat. Mittlerweile ist er mit einer Georgierin verheiratet, keltert, wie es sich hierzulande gehört, seinen eigenen Wein, fährt einen wunderschönen alten Wolga und betreibt ein kleines Gästehaus in Tiflis.

Diesen Film-Erstling, vorfinanziert durch journalistische TV-Beiträge über Georgien, hat er bewusst mit alter sowjetischer Ausrüstung produziert. Es ging ihm um Authentizität auch in der Technik. Ein Tamada stellt mit seinen Trinksprüchen die Gäste einer georgischen Tafel vor, die sich nicht kennen, und die dann in Kurzbeiträgen portraitiert werden. Eine erste Annäherung an die Innenwelt Georgiens. Den selbst produzierten Film zeigte der junge Regisseur dem SWF-Redakteur Ebbo Demant in Baden-Baden, der ihn sofort aufkaufte und in ARD und auf ARTE zeigte. Das war der Durchbruch für Stefan Tolz, mehrere Jahre produzierte er für deutsche TV-Anstalten vor allem Dokumentarfilme.

Der mehrfach preisgekrönte Film Am Rande der Zeit – Männerwelten im Kaukasus (u.a. Golden Gate Award beim San Francisco Filmfestival und eine Nominierung zum Grimme Preis) folgte einige Jahre später, nachdem er für den Fritz-Pleitgen-Dreiteiler Durch den wilden Kaukasus die Regie geführt hatte. Zu seinem eigenen Kaukasus-Film, der sich weniger den wilden Klischee-Facetten dieser Region widmete, führte ihn die einfache Frage, in welcher Region man denn anlässlich des Jahrtausendwechsels noch Menschen finden konnte, die in einer völlig anderen Zeit leben als wir, in einer zeitlosen Zeit. Er fand sie in Swanetien, in einem Altenheim in Adscharien, auf einer Bohrinsel in Baku und in einer Koranschule in Daghestan. Ein wirklich zeitloser Film über Menschen und ihre Wertvorstellungen. Ein zeitlos gültiger Film über den Kaukasus.

Derzeit bereitet Stefan Tolz ein neues Filmprojekt in Georgien vor, einen Spielfilm. Die Idee ist zehn Jahre alt, zusammen mit Lascha Bagradse, dem heutigen Leiter des Literaturmuseums, hat er schon im Jahr 2002 das Grundgerüst für Drehbuch und Handlung erarbeitet. Zwischenzeitlich lag das Projekt auf Eis. Es geht vordergründig wieder um eine typisch georgische Geschichte, die Geschichte von Mitrophane Lagidze und seinen Limonaden.
Georgien-Veteranen erinnern sich wehmütig an das mit Marmor verkleidete und herrlich dekorierte Saftgeschäft auf dem Rustaweli, in dem Soda-Wasser mit selbst erzeugten Saftkonzentraten, die auf einem Drehgestell in großen Glasamphoren bereit gehalten wurden, vermischt wurde. Ein Spritzer Essenz, das Wasser kam aus einem Hahn, verrührt wurde es von den Verkäuferinnen mit einem Kaffelöffel. Es gab Fruchtkonzentrate, Kräuteressenzen (himmlisch süss und herb zugleich: Darchuna), auch eine Schokoladen-Variante. Lagidze war Kult für Generationen von Tiflisern und ihren Gästen. Die marmorne Trinkhalle musste in den letzten Jahren einer 0/8-15-Boutique weichen. Leider.

1887 hatte der Apothekerlehrling Mitrophane Lagidze damit begonnen, Säfte aus Naturextrakten herzustellen, ohne künstliche Aromen und Zuckerzusätze, die in dem legendären Kultlokal am Rustaweli verkauft wurden. Eine Erfolgsgeschichte: Anfang des 20. Jahrhunderts musste bereits in einer Fabrik produziert und in Flaschen abgefüllt werden, in den 30-er Jahren wurden Trinkhallen an den Badeorten des Schwarzen Meers eröffnet und 1952 wurden 40 Prozent der in der UdSSR verkauften Limonaden nach den Rezepten Lagidzes hergestellt. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Einmarsch weltweit bekannter Softdrinkmarken auch in Georgien wurde es für die Erben des traditionellen Limonadeherstellers aus Tiflis immer schwerer, der globalen Konkurrenz zu trotzen. Die Globalisierung ging mitleidlos über Traditionen und Kulte hinweg und Lagidzes Enkel ist heute Vizedirektor in der georgischen Dependance einer weltweit operierenden, amerikanischen Softdrink-Marke….

Das Drehbuch, geschrieben vom Irakli Solomonaschwili und Ana Kordzaia, ist aber vielschichtiger angelegt. Es erzählt, ganz in der Tradition des georgischen Films, die Geschichte Georgiens während der Sowjetzeit. Der Makrokosmos einer ganzen Epoche im Mikrokosmos eines Tifliser Saftladens, in dessen Labor alle möglichen Essenzen hergestellt werden. Essenzen, die der Sowjetarmee den Sieg brachten; Essenzen, die einen Geheimdienstchef glücklich machten; Essenzen, die die Eroberung des Weltalls erst ermöglichten, den Wiederaufbau der UdSSR nach dem zweiten Weltkrieg und ihren Niedergang; Essenzen, die am Ende die ganze Menschheit hätte glücklich machen können, wenn, ja wenn nicht das System sich das Recht vorbehalten hätte, die Menschheit alleine beglücken zu dürfen. Der Tifliser Saftladen als Nabel der Weltgeschichte. Dabei geht es dem Saftmischer in Stefan Tolzens Filmprojekt von Anfang nur darum, eine verunglückte Liebe wieder zu beleben, was ihm im hohen Alter – die Sowjetunion ist längst zerfallen – dann doch noch gelingt.

Eine schrille Parabel soll es werden ganz im Stil der georgischen Tragik-Komödien über die niemals endende Suche der Menschheit nach Glück. Und dabei will Stefan Tolz mit seinen georgischen Partnern ganz nebenbei ein Bild von Georgien und seinen Menschen zeichnen, deren Charme und tiefgründiger Mutterwitz ihm dieses Land endgültig zur zweiten Heimat gemacht haben.

Saturday, April 07, 2012

DEUTSCHE ZEITUNG: Kaukasische Post wird wieder aufgelegt - monatlich! Herausgeber: Rainer Kaufmann und Götz-Martin Rosin

Seit Februar 2012 wird die deutschsprachige Zeitung Kaukasische Post nach einer Ruhepause wieder erscheinen. 

Neben aktuellen Nachrichten zu Politik und Gesellschaft werden darin künftig auch deutschsprachige Incoming Agenturen in Georgien ihre touristischen Aktivitäten und Reiseangebote vorstellen können.

Die beiden Herausgeber Rainer Kaufmann und Götz-Martin Rosin greifen damit ein historisches Projekt auf und entwickeln es engagiert weiter: "Wir wollen die 1906 gegründete Tradition einer deutschen Zeitung in Georgien fortführen und alle Bereiche der Beziehungen des deutschsprachigen Raums mit dem Südkaukasus abdecken."

Vor mehr als 100 Jahren, am 18. Juni 1906 erschien die erste Ausgabe der Kaukasischen Post in Tbilisi, ursprünglich als Wochenzeitung für die deutsche Minderheit in Georgien und Transkaukasien. Chefredakteur war der deutsche Schriftsteller und Journalist Arthur Leist (1852-1927).

1914 unterbrach der erste Weltkrieg die Herausgabe bis 1918. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Georgien
musste die Zeitung 1922 ihr Erscheinen endgültig einstellen.

Im Oktober 1994 startete der Unternehmer Udo Hirsch, u.a. Gründer der "CUNA Georgica, Gesellschaft zur Förderung der Kultur und der Natur in Georgien", einen Versuch, die Kaukasische Post neu zu beleben. In den Jahren 1996 bis 2003 erschien die Zeitschrift zweimonatlich in Tbilisi, weiterhin als einziges deutschsprachiges Printmedium Georgiens.

Die geplante Neuauflage der
Kaukasischen Post wird etwa 24 Seiten umfassen und monatlich im KARO Media Ltd. Eigenverlag erscheinen. Die erste Ausgabe 02/2012 kann bereits vorbestellt werden.

Preisliste:

Einzelverkauf Georgien im Handel: Gel 5,-
Jahresabo Selbstabholung Redaktion: Gel 48,-
Jahresabo Anlieferung Büroadresse Tbilisi: Gel 54,-
Jahresabo BRD inkl. Postversand: € 48,-
Jahresabo Österreich/Schweiz inkl. Postversand: € 78,-

>> Vorschau Kaukasische Post 02/2012
>> weitere Informationen ERKAnet
>> Kontakt Redaktion Kaukasische Post

Kaukasische Post
Barnovi Str. 30
GE-0108 Tbilissi
Telefon +995-32-293 65 93
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