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Friday, September 06, 2019

ATLAS: Kulturweg der deutschen Minderheit in Georgien / Cultural Route of the German minority in Georgia / გერმანული უმცირესობის კულტურული მარშრუტი საქართველოშ

Die in diesem Atlas enthaltene Beschreibung und Kartografierung des Kulturerbes der von Deutschen gegründeten Orte Georgiens beruht auf der langjährigen Grundlagenforschung von Nestan Tataraschwili, Architektin, Restauratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins zur Bewahrung deutschen Kulturguts im Südkaukasus (Tiflis). Diese Forschung wurde 2015 und 2016 von der Staatsagentur für Kulturerbeschutz Georgiens finanziert. Tatia Gwineria (Tiflis) hat den Abschnitt zu Tiflis westlich der Kura und die ausführlichen Beschreibungen in dem Abschnitt zu Neu-Tiflis verfasst. Zu einzelnen Texten und Ortsplänen haben Tamas Gersamia (Tiflis) und Leonhard-Eduard Breisch (Alexandershilf) beigetragen. Mit diesem Atlas werden erstmals Ortspläne aller Siedlungen mit deren herkömmlichen deutschen Orts-, Straßenund Örtlichkeitsnamen sowie den georgischen Bezeichnungen oder – falls es solche nicht gibt – mit der georgischen Umschrift der deutschen Namen veröffentlicht.

The description and mapping of the cultural heritage in the places founded by Germans in Georgia is based on the long-term fundamental research of Nestan Tatarashvili, architect, restorer and researcher of the Verein zur Bewahrung deutschen Kulturguts im Südkaukasus (Tbilisi). The research was funded by the National Agency for Cultural Heritage Preservation of Georgia in 2015 and in 2016. Tatia Gvineria (Tbilisi) is the author of the chapter about Tbilisi west of the River Kura and the detailed descriptions in the chapter about Neu-Tiflis. Tamaz Gersamia (Tbilisi) and Leonhard-Eduard Breisch have contributed to some texts and maps. For the first time, this atlas publishes contemporary maps of the aforementioned settlements with their traditional German place, street and other topographic names as well as the Georgian names or, where the latter do not exist, with the Georgian transliteration of the German names.

გერმანელების მიერ დაარსებული კოლონიების ტერიტორიაზე არსებული კულტურული მემკვიდრეობის ძეგლების აღწერა და მათი რუკებზე დატანა ეფუძნება სამხრეთ კავკასიაში გერმანული კულტურული მემკვიდრეობის დაცვის კავშირის (თბილისი) არქიტექტორ-რესტავრატორისა და მკვლევრის, ნესტან თათარაშვილის ფუნდამენტურ და გრძელვადიან კვლევას, რომელიც დააფინანსა საქართველოს კულტურული მემკვიდრეობის დაცვის ეროვნული სააგენტომ 2015 და 2016 წელს. თათია ღვინერიას (თბილისი) ეკუთვნის თავი, რომელიც ეხება მდინარე მტკვრის დასავლეთით მდებარე თბილისის ნაწილს. მასვე ეკუთვნის დეტალური აღწერა, რაც ნოი-ტიფლისის შესახებ თავშია წარმოდგენილი. თამაზ გერსამიამ (თბილისი) და ლეონარდ-ედუარდ ბრეიშმა წვლილი შეიტანეს ზოგიერთი ტექსტისა და რუკის შედგენაში. ამ ატლასში პირველად ქვეყნდება ზემოხსენებული კოლონიების თანამედროვე რუკები, სადაც ქართულ სახელწოდებებთან ერთად მითითებულია მათი გერმანული, ტრადიციული სახელები, მათ შორის, ადგილის, ქუჩის და სხვა ტოპოგრაფიული სახელწოდებები. ისეთი შემთხვევებისთვის, სადაც შესაბამისი ქართული სახელწოდებები არ არსებობს, გამოყენებულია გერმანული ვერსიების ქართული ტრანსლიტერაცია.

Kostenloser Reiseführer zu den deutschen Siedlungen

Rechtzeitig zu den 200-Jahr-Feierlichkeiten der deutschen Ansiedlung hat der Europarat einen Reiseführer zu den von Deutschen gegründeten Orten Georgiens veröffentlicht. Der „Kulturweg der deutschen Minderheit in Georgien“ ist im Netz (https://rm.coe.int) und als Broschüre kostenlos erhältlich. Er enthält eine Einführung in die Geschichte der Deutschen im Lande und stellt dann das bauliche Erbe aller historischen deutschen Siedlungen vor. Dargestellt werden auch die Werke deutscher Architekten in Tiflis. Mit dem "Kulturweg" werden erstmals heutige Ortspläne aller Siedlungen mit deren herkömmlichen deutschen Orts- und Straßennamen veröffentlicht. Die Beschreibung und Kartografierung des deutschen Kulturerbes beruht überwiegend auf der langjährigen Grundlagenforschung von Nestan Tataraschwili, Architektin, Restauratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins zur Bewahrung deutschen Kulturguts im Südkaukasus. Diese Forschung wurde 2015 und 2016 von der Staatsagentur für Kulturerbeschutz Georgiens finanziert. Da der „Kulturweg“ auch im Deutschunterricht an georgischen Schulen eingesetzt werden soll, bietet das Goethe-Institut eine Schulung für Lehrer an (www.goethe.de). Der Europarat hat ähnliche "Kulturwege" zu zwölf anderen nationalen Minderheiten in Georgien veröffentlicht.

Mehr dazu hier: 
facebook.com/KulturerhaltGeorgien
Sichtbare Rehabilitierung: Mit den Ortsnamen kehrt die deutsche Minderheit zurück ins öffentliche Bewusstsein
Deutsches kulturelles Erbe und seine Rezeption: Deutsches Kulturerbe in der Hauptstadt Georgiens – Neu-Tiflis. Von Tamar Giorgobiani

Friday, December 15, 2017

KONFERENZ: Massenauswanderung der Deutschen in ein muslimisches Land vor 200 Jahren - am 16./17. Dezember 2017 in Berlin, Humboldt-Universität Berlin

(eurokaukasia.de)

Pressemitteilung: Deutsche Migranten im Kaukasus
200 Jahre Deutsche Geschichte und Kultur im Heute
Einladung zur interdisziplinären Konferenz zum Thema
"Entgrenzung - Deutsche Migration nach und aus Kaukasien"


Von 1817 bis 1941 haben deutsche Siedler in Kaukasien - insbesondere im heutigen Aserbaidschan und Georgien - in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht Spuren hinterlassen. Diese Spuren sind nicht nur im Alltag noch sichtbar, sondern werden auch in den neuen staatlichen Strukturen besonders gewürdigt. Die deutschen Migranten prägten besonders die Landwirtschaft - vor allem Weinbau – und die Industrie, besonders in den Bergwerken und der Erdölindustrie. Auch der Einfluss der deutschen Architekten zeigt sich immer noch im Stadtbild der Städte Tbilisi und Baku.

Dieses gemeinsame Erbe wird von Aserbaidschan, Georgien und Deutschland gepflegt und zu einem Dialog über Migration, Flucht, Vertreibung und Suche nach einer Beheimatung für alle Menschen in Kaukasien erweitert.

Die Konferenz mit Workshops dient dazu, die Geschichte der deutschen Migranten weiter aufzuarbeiten und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie schließt sich an die im Februar 2017 mit großem Erfolg an der Humboldt-Universität gezeigten Ausstellung zum Thema "Entgrenzung – Deutsche auf Heimatsuche zwischen Württemberg und Kaukasien", anlässlich des 200jährigen Jubiläums der Ankunft deutscher Siedler in Südkaukasien, an. Die Themen werden nicht nur der deutschen Geschichte und Kultur im multiethnischen Umfeld Kaukasiens gewidmet sein, sondern auch der Fragen der Identitätsbildung und Integration von Kaukasusdeutschen nachgehen. Ziel ist es u.a. eine weitere Vernetzung deutscher und kaukasischer Initiativen zur gemeinsamen Erforschung und Digitalisierung kaukasusdeutscher Geschichte.

Dadurch, dass heute in Kaukasien wieder an Versöhnung, gute nachbarschaftliche Beziehungen, Toleranz und Kooperationen zwischen Staaten und Gesellschaften erinnert wird, gewinnt auch der ideelle Nachlass der deutschen Migranten immer mehr an Bedeutung.

Die Veranstaltung findet mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes statt. Sie wird organisiert durch den Kultur- und Wissenschaftsverein EuroKaukAsia e.V. und dem Lehrstuhl Geschichte Aserbaidschans an der Humbolboldt Universität zu Berlin in Kooperation mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa.

Die Geschichte der deutschen Kolonisten in Aserbaidschan scheint aus heutiger Sicht ein unglaubliches Abenteuer zu sein.



Was waren die tatsächlichen Gründe für diese Migration und welche kulturhistorischen Folgen hatte sie?
Waren diese pietistischen Schwaben, wie manche behaupten, "Wirtschaftsflüchtlinge" oder eine verfolgte religiöse Minderheit?


Besessene Fanatiker und Idealisten oder aber ganz nüchterne, tüchtige Unternehmer?
Fromme Weltverbesserer und abenteuerlustige Vagabunden?

Mit diesen und anderen Fragen befassen sich die TeilnehmerInnen der internationalen Tagung zum Thema "Entgrenzung. Deutsche Migration nach und aus Kaukasien", auf die wir Sie hiermit aufmerksam machen möchten.

Wir laden alle Interessierten ganz herzlich zu dieser Veranstaltung an der HU in Berlin ein!

Tagung am 16./17. Dezember 2017 (Programm anbei [pdf])

Veranstaltungort:
Friedrichstrasse 191 – 193, 10117 Berlin-Mitte
7. Etage - Raum Germaine Tillion (Centre Marc Bloch)

Dr. Rasim Mirzayev
Geschäftsführer des Kultur und Wissenschaftsvereins EuroKaukAsia e.V.


Programm:

Samstag, den 16. Dezember 2017
Ort: Friedrichstrasse 191 – 193, 10117 Berlin-Mitte
7. Etage - Raum Germaine Tillion (Centre Marc Bloch)

10.00 – 10.20 Uhr Eröffnung

S.E. Ramin Hasanov, Botschafter der Republik Aserbaidschan in Deutschland (angefragt)

S.E. Ortwin Hennig, Botschafter a.D., Auswärtiges Amt (angefragt)

10.20 – 10.40 Uhr Einführungsvortrag

Kaukasusdeutsche und Deutsche in Südkaukasien als Gegenstand der Migrationsforschung?, Prof. Dr. Eva-Maria Auch (Berlin)

10.40 – 12.00 Uhr Panel I

"Glaube verbindet?" Zur Rolle des religiösen Faktors bei der Anwerbung Deutscher Württembergischer Pietismus und chiliastische Mentalität, Renate Föll (Museum Reutlingen)

Die Motive der zarischen Administration bei der Ansiedlung deutschen Pietisten in Südkaukasien, Dr. Ch. Verdiyeva (Baku)

Diskussion

12.00 – 13. 00 Uhr Mittagessen ("Maximilians")

13.00 – 15.00 Uhr Panel II

"Ein wirtschaftlich aktives Element und Vorbild für die Einheimischen"? Deutsche Unternehmer in Südkaukasien: die Aktivitäten der Firmen Mannesmann und Siemens, Prof. Horst Wessel (Düsseldorf)

Deutsche Architekten in Tbilisi, Prof. Dr. Maia Mania (Tbilisi)

Deutsche Maler in Südkaukasien, Dr. Manfred Nawroth (Berlin)

Diskussion

15.00 – 15.30 Uhr: Kaffeepause

15.30 – 17.00 Uhr Panel III

Zwischen Atempause und Deportation (1920/21 – 1941)

Die Deutschen in der sowjetischen Nationalitätenpolitik vor 1936, Dr. Dr. h.c. Alfred Eisfeld (Göttinger Arbeitskreis)

Die "deutsche Operation" in Georgien, Dr. Marc Junge (Bochum)

Die "deutsche Operation" in Aserbaidschan, Dr. Mamed Dschafarly (Staatliche Universität Baku)

17.00 – 19.00 Uhr Jahreshauptversammlung des Vereins "EuroKaukAsia e.V."

Sonntag, den 17. Dezember 2017

Ort: Friedrichstrasse 191 – 193, 7. Etage - Raum Germaine Tillion, 10117 Berlin-Mitte

9.30 – 10.30 Uhr Panel V: Zwischen Emigration - Deportation – Rehabilitierung und Aufarbeitung

Noch nicht rehabilitiert: Deutsche in der UdSSR und in der Russländischen Föderation, Dr. Viktor Krieger

Der Schmerz der Traumata bei Spätausgesiedelten, Dr. Sabine Arnold (SinNStiftung Nürnberg)

10.30 – 11.00 Uhr Kaffeepause

11.00 – 12.30 Uhr: Podiumsdiskussion: "Zwischen den Welten" - Identitäten und Erinnerungskulturen

Leben und Geschichtswissenschaften im Dialog: Podiumsdiskussion mit Nachfahren der Kaukasusdeutschen – Moderation: Dr. Rasim Mirzayev

12.30 – 13.30 Uhr Mittagspause

13.30 – 15.30 Uhr

Workshop: Zukunft erinnern, aber wie? – Erfahrungsberichte und Wissensvermittlung

Archivsituation (Olga Eisfeld, Odessa)
Familienforschung (Dr. Eduard Ohngemach, Göppingen)

Digitalisierung von Nachlässen und touristische Inwertsetzung deutschen Erbes (student. Projekte unter Leitung von Prof. Auch)

Zeitzeugenbefragung (James-A. Wehse, Berlin)

Öffentlichkeitsarbeit (u.a. Publikationsmöglichkeiten, Ariane Afsari, Potsdam)

Museumspädagogik (Dr. Nino Bakanidze, Tbilisi)

Veranstalter

Stiftungslehrstuhl "Geschichte Aserbaidschans", Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt Universität zu Berlin
Kultur- und Wissenschaftsverein "EuroKaukAsia e.V.


in Kooperation mit:

dem Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa.

Mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes.

Um Anmeldung wird gebeten:

Kontakt:

Prof. Auch: auchevam@geschichte.hu-berlin.de oder eurokaukasia@t-online.de

Sekretariat:

Birgit Luschei
Email: LuscheiB@geschichte.hu-berlin.de
Telefon: (030)2093-70577
Fax: (030)2093-70655
Anreise mit U-Bahn: U2 bis Station Stadtmitte Per PkW: Parken in der Kronenstrasse oder Parkhaus Quartier 205, Einfahrt Taubenstrasse (kostenpflichtig) Leider können Reisekosten nur für die Referenten übernommen werden.


Weitere Links:
Ausstellungseröffnung: Deutsche auf Heimatsuche zwischen Württemberg und Kaukasien
Eva-Maria Auch, Manfred Nawroth: Entgrenzung - Deutsche auf Heimatsuche zwischen Württemberg und Kaukasien
Konferenz: Entgrenzung. Deutsche Migration nach und aus Kaukasien

Wednesday, February 15, 2017

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG: Entgrenzung Deutsche auf Heimatsuche zwischen Württemberg und Kaukasien in Berlin, 20. Februar 2017, 18 Uhr

Zur Eröffnung der Ausstellung anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Ankunft erster deutscher Siedler im Südkaukasus laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein. 
 
Montag, 20. Februar 2017, 18 Uhr
Humboldt-Universität zu Berlin
Senatssaal und Foyer
Unter den Linden 6
10099 Berlin 

1817/1818 erreichten deutsche Siedler überwiegend aus Württemberg Südkaukasien und gründeten dort bis 1819 acht Kolonien. Aus Anlass des 200-jährigen Jubiläums ihrer Ankunft wird die vom Auswärtigen Amt geförderte Ausstellung 2017 in Berlin eröffnet und anschließend bis 2018 an weiteren Orten in Deutschland, Aserbaidschan, Georgien und der Ukraine der Öffentlichkeit präsentiert.

Zentrale Themen der Ausstellung sind: Ursachen der Auswanderung aus Württemberg, Ankunft, zaristische Einwanderungspolitik und Aufbau von Siedlungsstrukturen im multikulturellen Umfeld Südkaukasiens, gesellschaftliches, religiöses und ökonomisches Leben in den Mutter- und zahlreichen Tochterkolonien, städtisches Leben und Unternehmertum in Tiflis und Baku, Veränderungen durch den Ersten Weltkrieg, Bürgerkrieg und Revolutionen, die Sowjetisierung und ihre Auswirkungen auf Gemeinschaft und Wirtschaft unter ländlichen und städtischen Deutschen, Verfolgung und Deportation nach Kasachstan und Sibirien und die Folgen bis in die Gegenwart. Heute sind noch zahlreiche materielle und immaterielle Denkmäler deutsch-kaukasischer Beziehungsgeschichte in Südkaukasien erhalten, die für die Zukunft bewahrt werden sollen. Eine gemeinsame Erinnerungskultur kann im Rahmen der Östlichen Partnerschaft einen Beitrag zu einer in mehrfacher Hinsicht „entgrenzten“ Verständigung zwischen den Menschen aus der Europäischen Union, besonders denen aus Deutschland, und den Bürgern Südkaukasiens leisten.

Es begrüßen
Prof. Dr. iur. Eva Inés Obergfell, Vize-Präsidentin für Studium und Lehre, Humboldt-Universität zu Berlin
S. E. Prof. Dr. Dr. h.c. Lado Chanturia, Botschafter von Georgien
S. E. Ramin Hasanov, Botschafter der Republik Aserbaidschan

Es sprechen
Heidrun Tempel, Beauftragte für Außenwissenschafts-, Bildungs- und Forschungspolitik und Auswärtige Kulturpolitik, Auswärtiges Amt Berlin
Prof. Dr. Eva-Maria Auch, Lehrstuhl Geschichte Aserbaidschans, Humboldt- Universität zu Berlin
Dr. Manfred Nawroth, Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin
Dr. Harald Roth, Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa

Im Anschluss laden wir zu einem kleinen Empfang.

Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten: Birgit Luschei, LuscheiB@geschichte.hu-berlin.de

Verkehrsverbindungen: U-Bahn U6, S-Bahn S1, S2, S25 (Friedrichstraße); Bus 200, 100, TXL (Staatsoper)
Laufzeit: 20. Februar bis 19. März 2017
Mo–Fr 7:30–20 Uhr, Sa 11–18 Uhr, So geschlossen

Die Ausstellung entstand in Kooperation des Kultur- und Wissenschaftsvereins EuroKaukAsia e. V. mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin, und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa. Sie wurde finanziert durch das Auswärtige Amt und unterstützt durch die Humboldt-Universität zu Berlin.

Kontakt
Dr. Rasim Mirzayev
Geschäftsführer des Kultur und Wissenschaftsvereins EuroKaukAsia e.V.

Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät I
Institut für Geschichtswissenschaften
Friedrichstraße 191
10099 Berlin
Tel: (0049) 30 80925516
Mobil: (0049) 162-7912378
www.eurokaukasia.de
mirzaeurokaukasia@t-online.de

Monday, March 16, 2015

DISKUSSION: Die Deutsch-Georgische Beziehungen während des Ersten Weltkriegs - Mit einem Vortrag von Lasha Bakradze in Berlin (museumsportal-berlin.de)

Vortrag, Lesung, Gespräch: 26. März 2015 18:00 Uhr




Quelle: (museumsportal-berlin.de) 

Museum Europäischer Kulturen 

Viele Georgier sahen in Deutschland eine Macht, die das bei den Georgiern ungeliebte Russische Imperium schwächen könnte. Die Deutschen ihrerseits wollten Teile der Kolonialarmeen zur Schwächung der Gegnermächte nutzen. In Berlin bildete sich sogar ein Georgisches Nationalkomitee, das mit deutscher Hilfe für die Unabhängigkeit Georgiens kämpfte.


Vortrag von Lasha Bakradze

Treffpunkt: Foyer Arnimallee 25

Museum Europäischer Kulturen
Arnimallee 25
14195 Berlin

Zugehörige Ausstellung
Phonographierte Klänge – photographierte Momente

Servicetelefon +49 (30) 266 42 42 42
Telefon +49 (30) 266 42 68 02
Führungsbuchungen +49 (30) 266 42 42 42
Fax +49 (30) 266 32 68 04 

Website smb.museum/kalender

Veranstalter:
Ethnologisches Museum
Museum Europäischer Kulturen

Friday, January 16, 2015

BLOG: Wiederentdeckungen deutscher Dörfer in Georgien. Von Stéphane Voell (stephanevoell.wordpress.com)

(stephanevoell.wordpress.com) Anfang des 19. Jahrhunderts machten sich württembergische Pietisten auf den Weg in den Kaukasus. Sie waren vom Zar eingeladen worden, sich an der Südgrenze des Reiches niederzulassen. In Georgien gründeten sie unter anderem die Orte Katharinenfeld (heute Bolnisi) und Elisabethtal (Asureti). 1941 wurden die deutschen Kolonisten von Stalin nach Zentralasien deportiert. Zurück blieben nur leere Fachwerkhäuser und Kirchen. Zusammen mit meiner Kollegin wohnten ich 2009 einige Wochen in Asureti, als Deutsche in einem ehemaligen deutschen Dorf. In den folgenden Jahren kammen wir immer wieder zurück nach Asureti. Der Dorfkern bestand nur aus maroden Fachwerkhäusern, doch mit teils blühender Phantasie berichteten uns die Georgier in Asureti von dem Leben und Errungenschaften der Deutschen.

Haus in Asureti (2009)
Das Interesse an den deutschen Dörfern in Georgien scheint zu wachsen. Der Landkreis Tetritskaro, in dem Asureti liegt, hat ein Projekt mit dem Titel “Deutsches Dorf” ins Leben gerufen. Hier soll es darum gehen, “die wirtschaftlichen Traditionen der deutschen Siedler – Weinbau, Bierherstellung, Getreide- und Kartoffelanbau, Viehhaltung und Herstellung der Milchprodukte – wieder herzustellen.” Sie haben auch schon eine Delegation nach Deutschland geschickt. Es wurde auch ein Verein in Tbilisi gegründet, in dem sich motivierte Deutsche und Georgier die Unterstützung des Erhalts des kulturellen Erbes auf die Fahnen geschrieben haben. Auch im Deutschlandfunk gab es einen Bericht über die Renovierungspläne für die ehemaligen deutschen Dörfer. — Ich finde es gut, dass die Dörfer jetzt renoviert werden sollen und es auch eine wirtschaftliche Perspektive für die aktuellen Bewohner gibt. Doch ich bin skeptisch, wenn man die anderen “Renovierungen” in der Region sieht.

Im Sommer 2013 arbeiteten wir mit einem studentischen Forschungsprojekt zu den Kaukasusdeutschen. Eine Gruppe forschte in Bolnisi und Asureti, eine andere Gruppe reiste nach Göygöl (Helenendorf). Letzteres liegt in Aserbaidschan und dort hat man schon seit einiger Zeit das deutsche Erbe entdeckt. Beispielsweise wurde die Kirche in Helenendorf als Museum hergerichtet oder man erfand den “letzten Deutschen“, in dessen Haus ein Museum geplant ist. Bemerkenswert ist allerdings die Renovierung der alten deutschen Häuser dort. Alle wurden gleichermaßen weiß gestrichen, im oberen Teil mit einfachen Kieferpanelen versehen und die Sockel mit überall gleichen Mustern beklebt, die den Eindruck von gemauerten Wänden erwecken sollen.
 
Die deutschen Dörfer in Georgien wirken gegen Helenendorf wie Bruchbuden, aber das soll sich nun ändern. Es ist wichtig, doch es macht mir gleichermaßen Angst. Wie werden Bolnisi und Asureti in Zukunft aussehen? Die bisherigen Renovierungsmaßnamen in Georgien stimmen zumindest nachdenklich. Stephan Wackwitz schreibt über Renovierungen der Altstadt von Tbilisi, dass Kritiker dieser Bauvorhaben anmerkten, die „historischen“ Bauten seien nur noch als „Anmutungen“ enthalten. Treffend scheibt er weiter: „Hätte man sich in den Kopf gesetzt, den kaukasischen Orientalismus der Tifliser Innenstadt in Disneyland zu rekonstruieren, wäre das Ergebnis genauso ausgefallen, wie die historischen Stadtteile von Tiflis nach ihrer Überarbeitung durch die Saakaschwili-Administration jetzt tatsächlich aussehen“.

Das gilt auch für Batumi, die Stadt am Schwarzen Meer: Sie erscheint wie ein bunter und schriller Themenpark in Las Vegas oder Mestia, dem Hauptort in Swanetien, erweckt nach den massiven Investitionen in die Entwicklung des Tourismus den Eindruck, als hätte man ein schweizer Bergdorf im Kaukasus errichten wollen. Was wird nun in den ehemaligen deutschen Dörfern passieren? Eine den Gebäuden angemessene Renovierung wäre teuer und langwierig. Darüber hinaus wurden viele Häuser seit der Deportation 1941 von den neuen Bewohnern erweitert und umgebaut: Müsste man das alles zerstören?

Vielleicht wird man mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein, denn die Häuser könnten – obwohl originalgetreu restauriert – nicht mehr “authentisch” wirken. Wackwitz schließt sein Kapitel zu den Renovierungen in der Hauptstadt damit, dass die Bewohner und Besucher in hundert Jahren vielleicht nicht mehr die Diskussionen über mangelnde Authentizität der Renovierungen nachvollziehen werden. Nun, lassen wir uns überraschen.

Monday, December 22, 2014

DEUTSCHE KULTURGESCHICHTE: Schwäbische Spuren in Georgien. Von Tatjana Montik (deutschlandfunk.de)

(deutschlandfunk.de - Tatjana Montik) Anfang des 19. Jahrhunderts kamen deutsche Siedler aus dem heutigen Baden-Württemberg auf Einladung des russischen Zaren nach Georgien, wo sie Zuflucht vor Hungersnot und religiöser Verfolgung suchten. Bis heute stehen ihre Fachwerkhäuser. Jetzt haben Kulturforscher sie für sich entdeckt. 

Podcast mp3 >>>
 
Weinlese deutscher Siedler in Georgien, Elisabethtal (Assureti), Anfang 20.Jahrhundert, Dank an Herrn Manfred Tichonov
Evangelischer Advent-Gottesdienst in Assureti, der ehemaligen deutschen Siedlung südlich von Tiflis, die früher Elisabeth-Tal hieß.

Anfang des 19. Jahrhunderts kamen die deutschen Siedler aus Baden-Württemberg auf Einladung des russischen Zaren nach Georgien, das damals zum Zarenreich gehörte. Hier suchten sie Zuflucht vor Hungersnot und religiöser Verfolgung. In ihrer neuen Heimat wurden sie zu Bauern, deren wirtschaftlicher Erfolg den Menschen bis heute in Erinnerung geblieben ist. Im Oktober 1941 wurden die Deutschen aus dem Kaukasus nach Zentralasien deportiert.

In Assureti sind bis heute 260 deutsche Fachwerkhäuser erhalten geblieben, in denen jetzt georgische Familien leben. Neue Sitten und Gebräuche sind eingezogen. Man spricht nicht mehr Deutsch, sondern Georgisch. Auf den Leinen in den Höfen ist – wie in Georgien üblich – überall die Wäsche zum Trocknen aufgehängt.

Doch die deutsche Vergangenheit ist bis heute überall zu spüren, etwa auf dem alten Friedhof oder an der baufälligen Kirche.

Der Gottesdienst wird nicht dort, sondern in einem Privathaus gefeiert. Extra dafür kam die evangelische Pfarrerin, Irina Solej, zusammen mit acht weiteren Gemeindemitgliedern, aus Tiflis hierher:

"Wir halten unseren Gottesdienst im Andenken an die deutschen Siedler ab, die alle gläubige Menschen gewesen sind. Das erste, was sie gemacht haben, war der Bau einer Kirche aus ihren eigenen Mitteln, diese Tradition dürfen wir nicht unterbrechen. Wir hoffen, dass wir einmal in diese Kirche zurückkehren dürfen. Es gibt sogar eine verrückte Idee: diese Kirche zusammen mit der orthodoxen Kirche zu nutzen. Das wäre natürlich eine einmalige Erfahrung."

Nachkommen der deutschen Siedler gibt es in Assureti nicht mehr. Die meisten, die aus der Verbannung in die alte Heimat zurückkamen, wanderten später nach Deutschland aus.

Allerdings gibt es einige deutsche Familien, die erst in den letzten zehn Jahren nach Georgien gekommen sind. Einer von ihnen ist Manfred Tichonow, ein ehemaliger Berliner, der 2004 in Assureti ein Fachwerkhaus kaufte, es von Grund auf restaurierte und sich hier niederließ. 



An seinem Fachwerkhaus aus dem Jahre 1870 sei viel zu tun gewesen, erinnert sich der 67-jährige Hausbesitzer. Doch die alte Bausubstanz könne man überall im Dorf bis heute noch bewundern:

"Hier unten können Sie noch einen Zaunpfeiler sehen. Wenn wir durchs Dorf gehen, werden Sie sehen, das waren die Zaunpfähle aus Stein. Horizontal waren das Holz und diese Zaunpfähle einbetoniert. Den habe ich rausgegraben, er wiegt 500 bis 600 kg, keine Ahnung! Also die alten Schwaben haben ja ganz schöne Steine gestemmt!"

Die Siedlungen südlich von Tiflis sollen für Touristen aufbereitet werden

Beim Spaziergang im Dorf lassen sich die typischen Merkmale der ehemaligen deutschen Siedlung gut erkennen, obwohl viele Fachwerkfassaden hinter Beton verschwanden und einige Ziegeldächer durch Wellblech ersetzt wurden. Dies sei der Grund, warum den einstigen deutschen Siedlungen, Assureti und Bolnisi, eine besondere Aufmerksamkeit der Denkmalschützer zustehe, sagt der georgische Star-Architekt Merab Gudschedschiani, dessen Unternehmen viele historische Restaurierungsprojekte durchgeführt hat:

"Es handelt sich nicht nur um das deutsche oder das georgische Kulturerbe, sondern um das Weltkulturerbe. Es geht nicht nur um die deutschen Häuser. Wertvoll ist die gesamte Stadtplanung, die auf der Höhe der Zeit ist: der Stausee, die Kanalisation, das System der Wasserleitung, der Wasserabfluss. Alle Glieder in der Stadtplanung waren durch eine Idee verbunden. Außerdem sind in diesen Dörfern einige Besonderheiten zu sehen, etwa der georgische Einfluss auf die Fachwerkarchitektur in Form von aus Holz geschnitzten Balkonen. Die Fachwerkfassaden und dann diese Balkone – das ist eine deutsch-georgische Mischung, denn diese Balkone waren seit dem Ende des 19. Jahrhunderts überall in Georgien beliebt."

Derzeit gibt es Ansätze, die deutschen Siedlungen südlich von Tiflis zu neuen kulturellen und touristischen Attraktionen zu machen. Am 13. Dezember wird der vor einem Jahr gegründete Verein für den Erhalt des deutschen Kulturerbes in Georgien für Sponsoren seine Projekte vorstellen. Dabei handelt es sich um die Pflege des materiellen und geistigen Nachlasses der deutschen Siedler.

Bei der Restauration sollte man jedoch sehr behutsam vorgehen, sagt Gudschedschiani:

"Viele Häuser sind in einem solchen bedauernswerten Zustand, dass sie bei einer unsachgemäßen Behandlung schnell auseinanderfallen könnten. Man muss damit sehr behutsam umgehen. Mit einem Schlag zu restaurieren ist sehr gefährlich. Diese Balken sind aus Eiche, sie lassen sich nicht so einfach und so schnell ergänzen. Es besteht die Gefahr, aus diesem Dorf eine schöne Fassade zu machen, einfach eine Kulisse, wir haben viele Beispiele dafür in Georgien und überall auf der Welt. Die Authentizität könnte schnell verloren gehen."

Der Katholik Manfred Tichonow, der sein Haus für die evangelischen Gottesdienste gerne zur Verfügung stellt, hat ebenfalls einiges an Ideen zu bieten: etwa die Eröffnung eines Landschulheimes in Assureti, wo die georgischen Kinder an Wochenenden intensiv Deutsch lernen könnten.

"Solche kleinen Projekte! Sie würden das Leben ins Dorf bringen! Oder man könnte die Kirche wieder renovieren, die hier mitten im Dorfzentrum steht, diese verfallene ehemalige deutsche Kirche ohne Kirchturm. Die könnte man wieder aufbauen. Dort könnte man ein kleines Kulturzentrum machen. Tiflis ist nicht weit entfernt, es sind 40 km. Dort könnte man Konzerte organisieren oder la-la-la. Solche kleinen Projekte, und nicht in Dimensionen denken wie 'Wolkenkuckucksheim' oder so etwas, kleine überschaubare Projekte."

Georgien auf der Suche nach einer eigenen Identität

In den letzten 20 Jahren war Georgien mit der eigenen Identitätssuche beschäftigt. So blieb die Geschichte der diversen nationalen Minderheiten in Georgien vernachlässigt, darunter auch die der Deutschen im Südkaukasus.

Nun aber hat sich das Blatt gewendet, glaubt der in Tiflis lebende deutsche Regisseur Stefan Tolz, der in einem seiner Dokumentarfilme die alten deutschen Siedler in Georgien noch porträtieren konnte:

"Und ich denke, das ist eine Sache, die jetzt im Wandel begriffen ist, und auch damit verbunden, dass sich Georgien an die EU annähern möchte, es gibt dieses Assoziierungsabkommen, was dieses Jahr unterschrieben worden ist. Das heißt, hier werden Schritte unternommen, dass man guckt, was ist bei uns wirklich europäisch. Wir wollen uns integrieren in die europäische Familie und dementsprechend ist es wichtig, an sein europäisches Erbe zu denken. Und was haben wir an europäischem Erbe? Dazu gehören natürlich, ganz wichtig, die deutschen Siedler, die in Georgien gelebt haben."

Auch die georgischen Wissenschaftler sehen in der Geschichte der Siedler ein reichhaltiges Forschungsfeld. Ketevan Chutsischwili, Professorin für Anthropologie an der Tiflisser Staatlichen Universität, hat vergangenen Sommer mit ihren Studenten im Rahmen eines DAAD-Projektes über das Andenken der Deutschen im Südkaukasus geforscht.

"Für die Anthropologen wäre es interessant, etwas über die Fortsetzung der deutschen Geschichte in Georgien zu erfahren: Die Deutschen wurden deportiert – und was ist mit diesen Menschen passiert, konnten sie in ihre Heimat zurückkehren, konnten sie sich hier wiederfinden, wie beeinflusst wurde dadurch ihr Andenken und die Identität ihrer Kinder? Wie empfanden sich diese Menschen – als Deutsche, als Georgien-Deutsche oder als Vertreter einer religiösen Gruppe? Was war es, was diesen Menschen die Kraft gab, weiterzuleben oder nicht zu leben?"

Die Sponsoren-Veranstaltung des Vereins für den Erhalt des deutschen Kulturerbes in Georgien findet am 13. Dezember in Tiflis im Gebäude des Georgischen Nationalmuseums statt, das ebenfalls von einem Deutschen, Gustav Radde, gegründet wurde.

Links:
facebook.com/Asureti-Elisabethtal
goethe.de
kaukasus-reisen.de/weinreisen-georgien 
ev-luth-kirche-georgien.de
assureti.wordpress.com
Georgia, German colonies [flickr.com]

Monday, December 15, 2014

ULM: Schwäbisches Dorf in Georgien (swr.de)

(swr.de) Eine Delegation aus Georgien hat am Vormittag im Ulmer Rathaus um Unterstützung beim Wiederaufbau eines historischen deutschen Dorfes in der Nähe von Tiflis gebeten. Oberbürgermeister Ivo Gönner stellte personelle und finanzielle Hilfe in Aussicht. Nach Angaben der Gäste wurde das Dorf Elisabethtal vor rund 200 Jahren von schwäbischen Einwanderern aus der Ulmer Region in Georgien gegründet. Nun soll der Ort, in dem 1.200 Menschen leben, saniert und rekonstruiert werden. Ein Vertreter aus Georgien sagte, das Dorf solle zu einer Touristenattraktion und einer deutschen Insel in Georgien werden.

Saturday, December 13, 2014

VERANSTALTUNG: Stefan Tolz stellt in Tbilisi seine DVD-Edition "Georgische Trilogie" vor - erscheint am 15.12.2014

Launch der DVD-Edition "Georgische Trilogie" am 17.12. um 19.00 Uhr im Schriftstellerhaus in der Matchabelistrasse, in einem englisch-sprachigen Talk im Frontline Club am 18.12. um 18.30 Uhr.
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Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise:

Gerade rechtzeitig vor Weihnachten und Neujahr erscheint am 15.12. die "Georgische Trilogie" des deutschen Georgien-Experten Stefan Tolz als DVD-Edition.

Seine drei Kinodokumentarfilme über Georgien, die international ausgezeichnet wurden, sind nun zum ersten Mal gemeinsam auf DVD erhältlich. Filmpunkt bringt die dreisprachige Edition (georgisch/englisch/deutsch) mit Bonus-Material und einem 32 Seiten starken Begleitheft heraus.

Der deutsche Filmregisseur hat die meisten Republiken der ehemaligen Sowjetunion in den letzten 25 Jahren bereist und gilt als einer der besten Kenner der Region. Er lebt inzwischen in Tiflis und trägt "Georgien im Herzen" wie er sagt.

Seinen ersten Film über Georgien drehte er bereits 1991: in "Kaukasisches Gastmahl" leitet der bekannte Literat Wachuschti Kotetishvili als Tischherr ein georgisches Festmahl, dessen Gäste in Trinksprüchen und filmischen Porträts nacheinander vorgestellt werden.

Zehn Jahre später entstand "Am Rande der Zeit" - eine Reise in den Alltag "harter Männerwelten" an vier entlegene Orte im Kaukasus, in denen die Menschen "wie in einer anderen Zeit" leben. Der Film wurde auch zum Teil in Aserbaidschan und Dagestan gedreht. Er gewann den "Golden Gate Award" in San Francisco und den "Grand Prix" des Internationalen Dokumentarfilmfestivals in Taiwan.

In seinem himmelblauen Wolga 21 begleitete Stefan Tolz die Georgier "auf der Suche nach ihrer Zukunft" in den letzten zwei Jahren der Amtszeit Präsident Saakaschwilis (2011-2013) und verfolgte den Aufstieg des Milliardärs Bidsina Iwanischwilis zum mächtigsten Politiker des Landes. Der Film "Vollgas gen Westen" zeigt auf, wie der Traum ein Teil der westlichen Welt zu werden verschiedene Kräfte in einer Gesellschaft gegeneinander mobilisieren kann. Der Film wurde für den Impact Award 2014 nominiert und in Chicago ausgezeichnet.

"Die Menschlichkeit, die immer durchdringt, hat mich tief berührt.... Die Amplitude von abgrundtiefem Leid zu himmelhoch jauchzend ist in dieser Region voll von tragischer Geschichte einfach viel größer."  
Heidi Tagliavini
Sonderbeauftragte der OSZE

"Georgien ist ein schönes Land. Es hat so einen Chronisten verdient."
Uwe Schramm
Botschafter a.D.

Bestellen kann man die DVD-Edition auf www.georgiantrilogy.com und über eBay und Amazon. Nach Weihnachten ist sie dann auch im Buchhandel erhältlich.
Filmpunkt GmbH Köln - Tel. (0221) 800 471 30 info@filmpunkt.com

Saturday, October 11, 2014

AUSSTELLUNG: Begegnung mit Pirosmani - Eröffnung am 21.10.2014 in Tbilisi



Die Georgisch-Deutsche Gesellschaft lädt herzlich ein zur Eröffnung der Ausstellung Pirosmani und die zeigenössische Kunst im Rahmen des Projekts Begegnung mit Pirosmani. 

Eröffnung der Ausstellung:

I. Teil - 21.10.2014, 16.00 Uhr, Georgisches Nationalmuseum, D. Schewarnadse National Galerie, Schota Rustavelli-Allee 11

II. Teil - 21.10.2014, 18.00 Uhr, Georgisches Nationalmuseum, I. Grischaschwili Historisches Museum, Tbilisi, (Karwasla-Gebäude), Sionistraße 8

TEILNEHMER:

Maler: Michael Augustinski, Inga Batatunashvili, Maka Batiashvili, Dorit Bearach, Joachim Böttcher, Heidi Brambach, Sophio Cherkezishvili, Levan Chogoshvili, Georges Fricker, Dieter Goltzsche, Karen Graf, Bernd Hahn, Volker Henze, Dagmar Hintzmann, Robert Honegger, Kote Jincharadze, Karlo Kacharava, Petra Kasten, Iosseb Kumsiashvili, Achim Niemann, Papuna Papaskiri, Bodo Rott, Thomas Schmidt-Dankward, Peter Schöttle, Matthias Schroller, Murtaz Shvelidze, Kakhaber Tatishvili

Zeichnerin: Doris Leue

Bildhauer: Valerie Buchow, Klaus Duschat, Vladimer Imerlishvili, Gudrun Kühne, Johannes Leidenberger, Andreas Theurer

Keramik: Nino Kalandia, Gudrun Sailer

Video: Volker Henze

Collage: Mischa Pitskhelauri

Fotografen: Archil Kikodze, Lasha Meskhi, Thea Nili

Schriftsteller: Shalva Bakuradze, Bela Chekurishvili, Ela Gochiashvili, Norbert Hummelt

Galeristinnen: Kathleen Krenzlin, Sigrid Walther-Goltzsche

Literaturabend im Rahmen des Projekts Begegnung mit Pirosmani [facebook.com]

Begegnung mit Pirosmani [facebook.com]

Wednesday, June 18, 2014

Global 3000: United against Soil Erosion - German farmers in Georgia (dw.de)



(dw.de) Even though Georgia’s soil is richer in minerals than Germany’s, soil erosion has reduced harvests there by up to 40 percent. Now German farmers are providing tips to their Georgian counterparts to help them slow down soil erosion.

Monday, June 16, 2014

VORTRAG: Deutsche Kriegsgefangene in Georgien – Film und Diskussion (orient-gesellschaft.at)

Startseite(orient-gesellschaft.at) Mag. David Kakabadze, Journalist, Redakteur und Übersetzer,
Leiter der georgischen Redaktion von Radio Free Europe

Mo, 23. Juni 2014, 18.30 Uhr
Klubsaal
Eintritt: € 4,- (erm. € 2,-), für Mitglieder der ÖOG gratis

ÖSTERREICHISCHE ORIENT-GESELLSCHAFT HAMMER-PURGSTALL
1010 Wien, Dominikanerbastei 6/6
Tel.: 01 5128936
www.orient-gesellschaft.at

Thursday, February 13, 2014

NEUERSCHEINUNG: Die vergessene Mitte der Welt. Unterwegs zwischen Tiflis, Baku, Eriwan. Von Stephan Wackwitz (fischerverlage.de) - erste Lesungen in Tbilisi, Leipzig (Buchmesse), Berlin

(fischerverlage.de) Georgien und seine Nachbarländer Armenien und Aserbaidschan liegen am äußersten östlichen Rand Europas. Es sind uralte Kulturländer und zugleich höchst lebendige Staaten, die sich zwanzig Jahre nach ihrer Loslösung von der Sowjetunion auf einem kurvenreichen Weg in die Moderne befinden. Stephan Wackwitz, Leiter des Goethe-Instituts in Tiflis, erlebte in Georgien den Machtwechsel 2012 und beobachtet den alltäglichen Kampf um Demokratie und Menschenrechte. Er beschreibt, wie ein immenser Bauboom das Gesicht der Städte für immer verändert. Vor allem aber spürt er den besonderen Atmosphären im Herzen des eurasischen Kontinents nach, wo sich nicht nur Westen, Osten und Süden, sondern auch alle Zeiten magisch zu mischen scheinen.
 
Die vergessene Mitte der Welt»Die hier versammelten Stücke sind zwischen September 2011 und Juni 2013 in Georgien entstanden, einer Zeit, die hierzulande mehr und erstaunlichere Veränderungen mit sich gebracht hat, als man im Westen unter demokratischen Bedingungen für möglich hält. Besucher, die ein Jahr lang nicht mehr in Tiflis waren, erkennen das Straßenbild nicht wieder. Georgische Politiker, die 2011 fast allmächtig schienen, sitzen 2013 in Untersuchungshaft. Wir Bürger der reichen und freien Gesellschaften diesseits und jenseits des Atlantiks vergessen manchmal, dass Demokratie ein Experiment und der Ausgang von Experimenten offen ist. Der postsowjetische Transformationsprozess im Südkaukasus kann uns daran erinnern. Insofern ist dieses Buch nicht mehr als ein zeithistorischer Zwischenbescheid. Es besteht aus subjektiven Beobachtungen und Reflexionen eines ausländischen und sprachunkundigen fellow travellers während einer kurzen Etappe jener unsicheren und vielfältig gefährdeten Reise eines Landes, deren Ziele Demokratie und Moderne heißen. Ob und wie diese Ziele erreicht werden, ist nirgends ausgemacht. Und dauerhaft erreicht werden sie nie. Aber die georgische Gesellschaft ist aufgebrochen, und wenn ich mich auf meine politischen Intuitionen verlassen kann, war ich in den letzten beiden Jahren Zeuge der Selbstfindung eines neuen Mitglieds in der internationalen Familie der interessanten, widersprüchlichen, rührenden, neurotischen und kreativen Gesellschaften, die wir – wahrscheinlich in Ermangelung eines besseren Worts – als Demokratien bezeichnen.« Stephan Wackwitz

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Termine: 6 Termine erstmal
21.02.2014 Tbilisi (Europe House Georgia, 2 Shalva Dadiani St. 0105 Tiflis
13.03.2014 Leipziger Buchmesse, 3sat Kulturzeit: Glashalle, Empore
13.03.2014 Leipziger Buchmesse, Deutschlandradio: Glashalle, Stand 12
13.03.2014 Apothekenmuseum, Thomaskirchhof 12, 04109 Leipzig
14.03.2014 Leipziger Buchmesse, Das Blaue Sofa: Glashalle
02.04.2014 Literarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin

Stephan WackwitzStephan Wackwitz, geboren 1952 in Stuttgart, studierte Germanistik und Geschichte in München und Stuttgart. Er leitet heute das Goethe-Institut in Tiflis, nach Stationen in Frankfurt am Main, Neu Delhi, Tokio, München, Krakau, Bratislava und New York. Neben zahlreichen Aufsätzen erschienen von ihm Romane (›Die Wahrheit über Sancho Pansa‹, ›Walkers Gleichung‹), autobiographische Bücher (›Ein unsichtbares Land‹, ›Neue Menschen‹) sowie die Reisebücher ›Tokyo. Beim Näherkommen durch die Straßen‹, ›Osterweiterung‹ und ›Fifth Avenue‹.
Mehr über Stephan Wackwitz »

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Hundertvierzehn | Essay - Die Treppen von Tiflis 
(hundertvierzehn.de) Stephan Wackwitz leitet seit 2011 das Goethe-Institut in Tiflis. Sein neues Buch ›Die vergessene Mitte der Welt‹ wirft einen ganz persönlichen Blick auf Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Am 21. Februar stellt er es in Tiflis vor. Für uns erklärt er, was Stuttgart und Tiflis verbindet.

Die trottoirbreiten Betontreppen, auf denen man die Abhänge von Tiflis besteigt, kennt man als Stuttgarter schon lange. Zwischen der Talsohle und den verschiedenen Hängen, Villenvierteln und Steillagen meiner in das mittlere Neckartal gleichsam ausgegossenen Heimatstadt entfaltet sich, ganz wie hier im Kaukasus, ein dichtes und halb klandestines Netz ehemaliger Weingärtnerpfade und -steige, die auf Schwäbisch übrigens »Staffeln« heißen. Die Erinnerung an diese seltsam inoffiziellen und traumhaften Durchstiege begleitet uns in der württembergischen Haupt- und Residenzstadt Geborene in die entferntesten Weltgegenden und bis in unsere geheimsten Träume. Was meinen eigenen Fall angeht, möchte ich sogar behaupten, daß ich mir die Schauplätze und Stationen meiner Lebensreise instinktiv nicht zuletzt danach ausgesucht habe, ob es in den Städten meiner Wahl so etwas wie Stuttgarter Staffeln gab.
   
Alle Photos von Stephan Wackwitz
Ein Spätsommernachmittag im Sommer 2003 zum Beispiel. Über die Karpaten und durch das dann immer steppenartiger in die ungarische Tiefebene auslaufende westslowakische Tiefland fuhr ich zum ersten Mal von Krakau nach Bratislava und hatte dann beim frühabendlichen Spazierengehen dort minutenlang das Gefühl, diese Stadt atmosphärisch nicht mehr von Stuttgart unterscheiden zu können. Es war mir selber ein bisschen unheimlich. Aber mein Entschluss, dringend in Bratislava leben zu wollen, war an jenem ersten Abend, nach einem österreichisch-ungarischen Abendessen und zwei Gläsern des Trnavaer Rotweins in einem der kleinen wienerischen Lokale der Altstadt, nicht mehr im Entferntesten rückgängig zu machen. Wobei die Staffeln, Treppen und Stiegen der Stadt mindestens genauso wichtig gewesen sind für diese dann schon gleich unwiderrufliche Stimmungslage wie das Abendessen und der Wein. Was ist das für ein Wahnsinn mit mir und diesen Treppen?
 
In Wirklichkeit sind gutes Essen, Wein, ein Fluss zwischen Berghängen und die Erschlossenheit dieser Landschaftsform durch Treppen vermutlich ein ganz altes Seelenaggregat. Genauer gesagt, ein 7000 Jahre altes. Der australische Kunstphilosoph Denis Dutton schildert in seinem Buch ›The Art Instinct: Beauty, Pleasure, and Human Evolution‹ ein Experiment, bei dem Menschen aus den verschiedensten Kulturen, vom Polarkreis bis zu den Tropen, aufgefordert wurden, eine Landschaft zu zeichnen oder zu beschreiben, die ein besonderes Wohlgefühl in ihnen auslöst. Unabhängig davon, woher die Versuchspersonen stammten, glich ihre Sehnsuchtslandschaft weltweit der afrikanischen Landschaft zwischen Wald und Steppe, von der die planetarische Wanderung des homo erectus vor zwei Millionen Jahren ihren Ausgang nahm. Da gibt es unabsehbares Grasland, Blumen, vereinzelte Bäume, lichte und überschaubare Wälder, Hügel, weite Perspektiven, Jagdtiere wie Hirsche oder Pferde, und ein Gewässer ist in der Nähe. Das ist die altsteinzeitliche Sehnsuchtslandschaft, die wir alle irgendwo in uns tragen (bei mir taucht sie in Träumen immer wieder auf).

  
Meine lebensalte Obsession mit Staffeln dagegen, mit dieser These will ich jetzt beherzt herausrücken, ist ein jungsteinzeitliches Gefühl. Fluss, Abhang und Wein haben unsere Vorfahren bei der Ausbreitung des Landbaus vom »fruchtbaren Halbmond« Mesopotamiens durch das Donautal nach Nordeuropa begleitet, und sowohl die Abhänge von Stuttgart als auch Bratislava oder Tiflis sind genau zu der Zeit besiedelt worden, als die Menschen lernten, mit Wein umzugehen. Die Treppe ist die Architekturform, die Fluss und Abhang zueinander bringt und eine unabdingbare Voraussetzung für eine bestimmte historische Konstellation von Landbau, Weinkultur und Siedlung darstellt: für die jungsteinzeitliche Siedlung auf halber Höhe über einem Gewässer. »Fast alle neolithischen Siedlungen lagen auf halber Höhe der Talhänge oder an den Terrassenkanten, nie unmittelbar am Grund der Täler (wo Steine im Boden liegen), aber auch nur in Ausnahmefällen mehr als ein paar hundert Meter vom fließenden Wasser der Bäche und Flüsse entfernt, denn Wasser war ja lebensnotwendig« (Hansjörg Küster: Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa von der Eiszeit bis zur Gegenwart, München 1995). Staffeln sind so etwas wie das Realsymbol dieses sehr alten Siedlungstyps, und wenn ich mich in Bratislava so wohl fühle wie in Tiflis (ja manchmal sogar das Gefühl habe, in diesen Städten daheim zu sein), dann spiegelt sich darin eine Zeit, als in Stuttgart, Bratislava und Tiflis noch die gleiche Kultur herrschte, die Kultur der jungsteinzeitlichen Weinbauern nämlich. Eine Zeit, als diese Orte sich viel weniger voneinander unterschieden haben als heute. Und als neben Lehmhütten auch Leitern und Treppen entstanden sind (die älteste Treppe Europas stammt aus einem Salzbergwerk in Hallstatt, einer jungsteinzeitlichen Stadt zwischen Steilufer und See).

Landschaftsformen und Stadtlandschaften bringen historische Erinnerungen und Phantasmen herauf, die unser gegenwärtiges Seelenleben mit unvordenklichen Zeiten verbinden. »Die Alpenseen«, schreibt Ernst Jünger, »auch die nördlichen mit ihren Inseln wie der Reichenau und der Mainau, rufen ein Heimweh nach lang verflossenen Zeiten und ihrer Gesellschaft hervor. Sie hat wohl immer nur platonisch existiert. (…) Ich denke dabei (…) an eine friedliche Landschaft in vorkarolingischer Zeit. Für das tägliche Brot sorgten die Bauern, Winzer, Fischer und Jäger sowohl an den Ufern wie in den Tälern bis zur Schneegrenze. Der Boden ist fruchtbar; für das Handwerk bleibt besonders im Winter auf den Höfen genügend Zeit. Veredelung der Früchte und des Weines zählt zu den Obliegenheiten kleiner Klöster, ebenso die Heilkunst und alles, was mit der Schrift und dem Lesen zusammenhängt. Damit wird der einfache Mann nicht geplagt. Eine Harmonie, die selten erreicht wird – das lässt sich ausführen. Es ist in Romanen und Utopien geschehen. Verehrung durch Kultus und Kunst.«

   
Mein eigener Roman über die ursprünglichen Bewohner der Hügel des Bodenseeufers, des Neckarstrands, der Donauabhänge und der Berge über dem georgischen Mtkwari entfaltet sich in den Phantasmen, wie sie den einsamen Spaziergänger heimsuchen. Diese Träumereien führen ihn in seine Kindheit zurück und weit über sie hinaus in die Vergangenheit. Zum ersten Mal habe ich die bergige Stadtlandschaft von Tiflis als drei- oder vierjähriges Kind gesehen, auf dem Stuttgarter Killesberg, an der Hand meiner Mutter, wenn sie mit mir zur Haltestelle am Platz vor der Bundesgartenschau ging. In einer gelben Straßenbahn fuhren wir auf den gewundenen Straßen in die Stadt im Tal. Ein halbes Jahrhundert später konnte ich in Bratislava von meinem Schreib- und Lesesessel aus die von Villen dicht bestandenen Hügel der gutbürgerlichen Preßburger Wohnviertel der zwanziger und dreißiger Jahre im Wechsel der Wetterlagen, Tages- und Jahreszeiten betrachten. Sie zogen sich von der Burg am Donauhochufer, den Rand einer halbrunden Talsenke bildend, als Höhenzug dahin und verloren sich außerhalb meines Blickfelds in den Buchen- und Eichenwäldern der Karpaten.

Inzwischen lebe ich in Tiflis. Es ist Samstagmorgen. Dort drüben auf den Hügeln, die ich aus meinem Fenster sehe, werde ich heute Nachmittag wieder spazierengehen. Ich werde Villen, Baracken, Straßen, Treppen, Kirchen und Gärten sehen, von denen sich Ausblicke in das weite, sommerlich löwengelbe Tal eröffnen, auf die Hügel im Mittelgrund und auf die Fünftausender in der Entfernung. Überraschende Perspektivwechsel ergeben sich nach dem Aufstieg über lange Treppen zwischen weinlaubüberwachsenen Mauern und silbergrau verwitterten Holzzäunen. Eine Biegung in der gepflasterten kleinen Straße, hinter der jeden Moment (glaubt man in der träumerischen Geistesverfassung, die einsames Steigen und Gehen hervorbringt) der pazifische Ozean auftauchen muss, man scheint schon die Nebelhörner zu hören. Aber dann ist doch nur wieder eine neue Höhe erreicht, und eine Weile geht es, am Rand eines steileren Abhangs, ebenerdig weiter. Manchmal gerät man in einen Wald. Dann wieder steht man am Rand eines Felsabbruchs. Und überall begleiten dich in enzyklopädischer Formenvielfalt die Spontanarchitekturen, die hier auf jedem denkbaren Hanggrundstück gebaut worden sind, von Hütten aus Sperrholz und Wellblech bis zu historistischen Traumschlössern, wilden Jugendstilphantasmagorien und sachlichen Bauhauskuben.

Mir ist beim Spazierengehen auf den Höhen über Tiflis seither oft zumute, als hätte jemand den Stuttgarter Killesberg, die Karlshöhe, die Weinsteige und die Birkenwaldstraße durch einen Mixer gedreht und hier, am Abhang des Kaukasus, wo man weit in die gewaltige Landschaft hinaussieht, wieder ausgegossen. Und während ich dort im Licht warmer Septembersamstagnachmittage umherging – und später im Novembernebel, im ersten Schnee und an einem kalten Wintermorgen, der einen trotzdem schon den Frühling ahnen ließ –, habe ich wie unter einem Zwang versucht, mir die dramatische Biegung einzelner Straßen einzuprägen. Die Art, wie die Zweige eines Apfelbaums über die Stützmauer eines Gartens hinausragten. Wie die Staffeln dort aus manchen Blickwinkeln direkt in den Himmel hineinzuführen scheinen. Ich habe versucht, mir all jene Straßen und Gärten für immer klarzumachen, als würde, wenn ich das alles nur einmal innerlich ganz festhalten könnte, ich wieder jung und alles in meinem Leben wieder gut. Und dann bin ich hungrig geworden und über die Treppen von Tiflis wieder hinuntergestiegen ins Tal, wo eine der georgischen Kneipen auf mich gewartet hat und ein Essen, das ganz anders auch in der Jungsteinzeit nicht gewesen sein kann und in dem ich die Jahrtausende zu schmecken glaube im Brot, im Käse, im Gemüse, im gegrillten Fleisch. Und in einem oder zwei Gläsern des Weins, der zu dieser Landschaft gehört, zu dessen Bewirtschaftung die Treppen erfunden worden sind und in dem heute noch so etwas wie der Geist der Jungsteinzeit lebendig ist.


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