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Monday, January 03, 2011

RÜCKBLICK: Jahresbericht 2010 - Deutsch-Kaukasische Gesellschaft e.V. - Lile e.V. (lile.de)

* Tourneen in Europa mit dem Antchis - Chati - Chor.
* 13.08.2010 Aufräumarbeiten in Kissiskhevi. Zusammen mit dem Partnerverein "Our Village" in Kissiskhevi
* 13.09.2010 Lieder aus Georgien. Mit Nana Mjavanadze, Imke McMurtrie und Mme. Bray. In Zusammenarbeit mit GEOVINO Hamburg
* Projekt Sioni Kirche in Ateni: Sicherungskonzepte. Arbeitstreffen und Vortrag mit Prof. R. Barthel (TU München)
* Projekt "ZUSCHAUER RÄUME" von Giwi Margwelaschwili
* Zeitschrift Einblick-Georgien Dezember/Januer 2010 IV


Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freunde von Lile,

Im Jahr 2010 haben wir folgende Veranstaltungen / Aktionen durchgeführt:

* Deutschland / Österreich Tournee des Antchis - Chati - Chores im Mai 2010

Seit unser Gründung 1999 organisieren wir mit dem Antchis - Chati - Chor Tourneen in Europa. Bis jetzt ist es uns jedes Jahr gelungen, wichtige Partner für unsere Musikprojekte zu gewinnen. Durch diese Tourneen sind weitere Projekte entstanden, wie die Produktion einer Doppel CD (2003 zusammen mit RAUMKLANG), die bis heute als beste Dokumentation über georgische Musik auf dem Markt ist, oder die Vortrags- und Konzerttournee in Kooperation mit 8 deutschen Universitäten. Wir können stolz darauf sein, einen beachtlichen Beitrag geleistet zu haben, um die georgische Polyphonie in Europa bekannt zu machen.

Diesmal hatten wir wieder ein renommiertes Festival als Partner, das Leipziger "A Cappella Festival". Das Konzert wurde vom DLF live mitgeschnitten und im Juli gesendet. Außerdem gab es eine sehr gute Presse. Eines der Highlights war das Benefizkonzert zu Gunsten der Flüchtlinge des Krieges 2008 im Ernst Barlach Haus in Hamburg. Die Kosten für das Konzert hat die Familie Reemtsma als Förderer des Ernst Barlach Hauses übernommen. Hierfür unser herzlicher Dank. Als Ergebnis haben wir dann am 13.Juli ein Konzert im Flüchtlingsdorf in Georgien unter freiem Himmel gegeben. Die neue Botschafterin von Georgien in der Bundesrepublik, Frau Gabriela von Habsburg, hat die Veranstaltung besucht. Die Moderation übernahm Marika Lapauri-Burk.

Obwohl wir durch diese Arbeit viele wertvolle Kontakte knüpfen konnten, überfordert sie uns langfristig doch. Deshalb möchten wir unser eigenes Engagement in diesem Bereich zurückfahren. Wir konnten aber unsere Kontakte an eine Agentur weitergeben, die sicher stellt, dass die begonnene Arbeit weitergeführt wird.

* 13.08.2010 Aufräumarbeiten in Kissiskhevi

Das Projekt zur Sanierung der Kirche in Kissiskhevi konnten wir zusammen mit der auf Denkmalschutzprojekte spezialisierten Firma "Die Bauhütte" durchführen. Diese hatte das Sanierungskonzept ausgearbeitet, Materialforschungen durchgeführt und Begleitung des Projektes vor Ort übernommen.

Das Projekt lief leider trotz sehr guter Voraussetzungen schleppend. Ursache war auch das mangelnde Verständnis für solch komplexe Planungsvorgänge auf Seiten unseres georgischen Partners. Das Projekt sollte schon 2009 beenden sein. Im diesem Sommer haben wir dann eine sehr unordentlich verlassene Baustelle mit viel Baumüll vorgefunden, die wir mit den Mitgliedern des Vereins "Our Village" und anderen Dorfbewohnern aufgeräumt haben. Positiv zu verzeichnen ist lediglich, dass trotz des langsamen und problematischen Ablaufs an der Kirche keine weiteren Schäden entstanden. Wir hoffen deshalb trotzdem auf einen guten Abschluss.

Bis jetzt ging es um die Instandsetzung des Gebäudes. Unser Ziel ist, auch die Innenarbeiten zu Ende zu führen und den Hof neu zu gestalten. Wir werden versuchen, hierzu in 2011 einen Antrag bei der georgischen Denkmalschutzbehörde zu stellen. An einer entsprechenden Dokumentation arbeiten wir z. Zt. zusammen mit der Firma "Die Bauhütte".

Anlässlich dieses Projektes zur Sanierung der Kirche in Kissiskhevi konnten wir helfen, den Verein "Our Village" in Kissiskhevi zu gründen.

* 13.09.2010 Lieder aus Georgien. Mit Nana Mjavanadze, Imke McMurtrie und Mme. Bray. In Zusammenarbeit mit GEOVINO Hamburg

Zu Frau Imke McMurtrie halten wir schon seit langem guten Kontakt. Sie ist eine große Unterstützerin bei der Popularisierung der georgischen Musik.

Der Abend bei Geovino, dem neuen, auf georgische Weine spezialisierten Laden in Hamburg (www,geovino,de), war gut besucht und ist sehr gut gelaufen.

Wir freuen uns, auch in Zukunft mit Geovino einige georgische Abende oder Veranstaltungen zusammen zu gestalten und empfinden diesen Ort als eine wertvolle Bereicherung des georgischen Lebens in Hamburg.

* Projekt Sioni Kirche in Ateni: Sicherungskonzepte. Arbeitstreffen und Vortrag mit Prof. R. Barthel (TU München) in Tbilissi.

Das Projekt an der Sioni Kirche in Ateni weitete sich in den letzten Jahren immer mehr aus und wurde leider auch immer komplexer.

Ging es zunächst nur darum, die großzügige Spende eines deutschen Unternehmers zur Sanierung der Fresken in die richtigen Bahnen zu leiten, so stellte sich bald heraus, dass zuvor erhebliche Sicherungsmaßnahmen am Kirchengebäude selbst erforderlich sind. Wir konnten als Fachleute hierzu die Professoren Emmerling und Dr. Barthel von der TU München gewinnen, die uns mit sehr viel Engagement Lösungswege sowohl in statischer als auch restauratorischer Hinsicht geben konnten.


Natürlich kann ein solches Projekt nur in enger Zusammenarbeit mit dem georgischen Denkmalamt und dem Patriarchat durchgeführt werden. Nachdem uns im Jahr 2008 der Krieg bremste, waren in den vergangenen beiden Jahren viele Gespräche notwendig, um alle Beteiligten auf das technisch und künstlerisch Notwendige einzustimmen.

Hierzu fand in diesem Sommer ein Vortrag von Dr. Rainer Barthel in Tbilissi statt, der das erste Mal in einem größeren Rahmen die wichtigsten Aspekte zur Sicherung der Kirche darstellte. Diese Veranstaltung war sehr gut besucht und stimmt uns für die Zukunft zuversichtlich. Dennoch erfordert dieses Projekt weit mehr Aufwand, als wir ursprünglich erwartet hatten.

Interessenten senden wir gerne weitere Informationen zu.

* Projekt "ZUSCHAUER RÄUME" von Giwi Margwelaschwili

Das Projekt ist für uns deshalb so wichtig weil es die einzigartige Philosophie von Giwi Margwelaschwili dokumentiert und künstlerisch darstellt. Ausgangspunkt ist das bei der Veranstaltung auf der Fleet - Insel von Niko Tarielaschwili und Marika Lapauri-Burk aufgenommene Filmmaterial.

Darauf aufbauend wurde das oben stehende Theaterstück von Giwi Margwelaschwili ausgearbeitet (Redaktion Dr. Frank Tremmel, Marika Lapauri-Burk).

Zurzeit ist die Post-Produktion in Arbeit.

Mitarbeiter dabei sind auch Gia Lapauri-Burk und Dato Malazonia (Musik). Z. Zt. führen wir noch Gespräche, wo wir das Projekt platzieren können, um für die Post-Produktion finanzielle Unterstützung zu bekommen.

Das Projekt hat die Kulturbehörde mit 3.000,00 € bezuschusst, 500,00 € waren eine Spende des Schweizer georgischen Vereins, 1000,00 € eine private Spende. Ein vergleichbares Projekt würde normalerweise mindestens 25.000 Euro kosten. Schon jetzt vielen Dank allen, die uns hier unterstützt haben.

* Zeitschrift Einblick-Georgien Dezember/Januar 2010 IV

Mit dem Heft setzten wir unsere Verlagsarbeit fort. (Dr. Frank Tremmel, Marika Lapauri-Burk) Dieses Projekt betrachten wir als eine der wichtigsten Vereinsarbeiten. Wir haben das graphische Layout mit Hilfe von Niko Tarielaschwilis weiter verbessert. Das Konzept der Zeitschrift ist unverändert: Wir versuchen, exklusive Texte abzudrucken, die über die aktuellen Geschehnisse hinaus informieren. Dies ist das einzige Magazin mit diesem Niveau in einer europäischen Sprache. Trotz vieler Arbeit, die wir ohne jegliche Finanzierung geleistet haben, war es nicht möglich den Ausgaberhythmus beizubehalten. Die redaktionelle Arbeit und der Druck wurde zwar dieses Jahr abgeschlossen, aber das Heft wird erst ab Januar erhältlich sein.

Hierzu bitten wir um Unterstützung, was die Verbreitung des Heftes angeht. Wir können nicht nachvollziehen, warum die georgische Seite uns hierbei nicht unterstützt. Das Heft ist bis jetzt in der EU konkurrenzlos.

Am aufwendigsten ist die Übersetzungsarbeit. an dieser Stelle danken wir noch einmal Nana Tschelidze –Jacques und Tengiz Khatschapuridze, die uns 2 anspruchsvolle Texte ohne Honorar übersetzt haben. Unser Dank geht auch an Niko Tarielaschwili, der uns erneut mit seiner Graphik und Recherchearbeit so herzlich geholfen hat, als ob es ihm eine besondere Freude wäre, mehrere Stunden zu arbeiten und Probleme zu beseitigen.

Also, bei diesem Projekt ist allerhand zu tun und wir freuen uns über jede weitere Unterstützung.

Zum Schluss möchten wir noch einmal an die Zahlung der Mitgliedsbeiträge erinnern. Sie stellen die einzigen finanziellen Mittel dar, die wir ohne konkrete Zweckbindung für die Vereinsarbeit einsetzen können.

Anlässlich einer privaten Geburtstagsfeier (Marika Lapauri-Burk) kam eine Sammlung zustande, die 400,00 Euro für das Kirchenprojekt in Kissiskhevi erbrachte. Es wäre schön, wenn das eine Tradition von Lile-Freunde werden sollte.

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse und wünschen Ihnen ein erfolgreiches und glückliches Jahr 2011.

Hamburg im Dezember 2010
Lile e.V.
Marika Lapauri - Burk & Andreas Blendinger

Saturday, January 27, 2007

Deutsch-Kaukasische Gesellschaft e.V. - LILE e.V.
Max-Brauer-Allee 68
22765 Hamburg
Tel./Fax.: +49 40 / 389 2222
Mobil: +49 (0) 171 851 3635



Jahresbericht 2006


März 2006


Filmretrospektive : Familie Schengelaja.
Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmmuseum Frankfurt
und der Kinemathek Hamburg
Ateni - Projekt


Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Lile - Freunde,


diesmal sieht die Liste der Aktivitäten von Lile sieht nicht sehr lang aus. Wie wir in dem letzten Bericht schrieben, wir haben von unseren kleineren Veranstaltungen in Hamburg Abstand genommen. Wir verfolgen die Projekte, die unserer Meinung nach langfristiger sind und mehr Wirkung haben. Aufgrund der starken Projektbindung unserer Fördermittel fällt es uns schwer, kleine Projekte durchzuführen.
Wir sind aber gerne bereit jede überzeugende Initiative zu unterstützen.

Die Retrospektive über Familie Schengelaia war ein Erfolg. Finanziell haben uns unterstützt: Atlantis Corporate Advisors GmbH, Nordelbisches Zentrum für Weltmission, sowie die Hamburger Regionalgruppe der Gesellschaft für bedrohte Völker, die bei dem Abend in Hamburg Mitveranstalter war. Unsere Projektpartner waren das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt (Frau Ulrike Stiefelmayr) und die Kinemathek Hamburg e. V. Kino Metropolis. (Martin Aust) Für den Frankfurter Teil hat die georgische Gesellschaft Geokulturforum ehrenamtlich einige organisatorische Arbeiten übernommen. (Manana Tandaschwili, Gigi Alibegaschwili) In beiden Städten sind die Vorführungen gut gelaufen. Sie waren gut besucht, besonderes in Frankfurt, wo wir sogar einige Besucher nicht mehr einlassen konnten. Die Botschafterin, Frau Maia Pandjikidze war anwesend.
Eingeladen war der Regisseur Eldar Schengelaia. In Frankfurt hat Geokulturforum noch zusätzlich ein Treffen mit Herrn Eldar Schengelaia und der georgischen Gemeinde organisiert, das in sehr herzlicher und lebhafter Atmosphäre stattfand. Die Öffentlichkeitsarbeit ist uns gut gelungen. Außer in Zeitungen konnten wir unseren Bericht auch bei 3Sat/ Kulturzeit unterbringen. Wir konnten ein sehr schönes Heft herausgeben. Hier unseren besonderen Dank an Thomas Wibberenz, (ON-Grafic Hamburg) der in kürzester Zeit ein wunderbares Design für das Heft spendiert hat.


An dem Restaurierungs- Projekt Ateni in Georgien, arbeiten wir seit ca. 2 Jahren. (über Ateni siehe unsere Internetseite http://www.lile.de). Je länger wir an dem Projekt arbeiten, um so spannender sind die Endeckungen und umso klarer wird die Bedeutung dieser Arbeit. Wir haben unseren ursprünglichen Kurs etwas geändert und die Arbeiten an den Fresken etwas zurückgestellt. Als Partner konnten wir die TU- München. (Prof. Erwin Emmerling, Prof. Reiner Barthel) sowie Herrn Dr. Thomas Warscheid /lbw Bioconsult gewinnen. Dieses Denkmal ist außerordentlich interessant und trotz einer langen Forschungsgeschichte in Georgien, muss man ein Restaurierungskonzept ausarbeiten das die Arbeiten langfristig begleitet und dem heutigen Stand der Technik entspricht. Unser Partner in Georgien ist der Leiter des Denkmalschutzes, der Vizeminister Dr. Nikolos Watscheischwili.

Wir sind mit den deutschen Wissenschaftlern im vergangenen Jahr 3-mal nach Georgien / Ateni gefahren um ein Konzept zu erarbeiten. An den Arbeitsgesprächen hat auch die deutsche Botschaft in Tbilisi (Herr Thomas Henzschel) teilgenommen. Deutsche Botschaft hat auch eine der Arbeitsreisen mitfinanziert.

Unser Ziel ist es, zusammen mit diesen Partnern und mit Unterstützung weiterer Geldgeber
Ateni zu einem Modellprojekt der modernen Forschungs- und Restaurierungsarbeit in Georgien zu machen und damit eine Infrastruktur zu schaffen, die auch für weitere Projekte in Georgien genutzt werden kann. Ein derartiges Projekt benötigt seine Zeit, wir sind bereit, es auf seinem Weg zur Realisierung zu begleiten.

Aus diesem Grund danken wir ganz besonders unserem Initiator der Projektes, Herrn Helmut Klemm, sowie der deutsche Botschaft in Tbilissi für Rat und Tat bei diesem wichtigen Projektabschnitt.

Im neuen Jahr sind folgende Aktivitäten geplant:
- Fortführung des Ateni – Projektes
- Teilnahme am Zürcher Filmpodium im Mai / Juni
- Organisation einer Konzerttournee des Anchis–Chati–Chores im Juli.


Sollten Sie noch Anregungen zur Konzerttournee haben oder wissen, wer sich noch dafür interessieren könnte, geben Sie uns gerne Bescheid.

Wir freuen uns über jede Unterstützung. Auch Anregungen und neue Kontakte sind uns immer willkommen.
Wir danken an allen, die für unsere Arbeit Interesse haben und wünschen Ihnen ein gesundes und frohes Neues Jahr 2007.


Links: Die Sioni - Kirche von Ateni (Mit einem Auszug aus einer Arbeit von Herrn Prof. Dr. Silogawa, Tbilissi: Das System der Fresken der Sioni Kirche in Ateni) und Fotos von Ateni von Lika Mamulashvili


Lile e. V. (www.lile.de)

Marika Lapauri–Burk & Andreas Blendinger

PS. Die Jahresversammlung wird voraussichtlich Ende Februar stattfinden.


Bankverbindung: Konto-Nr. 1268125372 * BLZ 200 505 50 * Hamburger Sparkasse

Wednesday, December 28, 2005


Einsame Ikonen
Das Museum von Mestia kämpft um den Erhalt seiner Kunstschätze

Von Carsten Probst

Georgien, das Land im Kaukasus an der Schwelle von Orient und Okzident, blickt auf eine über 5000 Jahre alte Kultur zurück. Gerade in seiner langen christlichen Tradition hat es immer wieder neue einflußreiche Kunstformen hervorgebracht. Um diese Kunst zu bewahren, fehlen heute jedoch die Mittel, den bedeutenden Sammlungen des Landes droht ein beispielloser Exodus des kulturellen Erbes.


Das Museum von Mestia fällt auf. Es ist das mit Abstand modernste Gebäude in der dreitausend Einwohner zählenden Bergmetropole, ein geschlossener Betonbau, der so, wie er daliegt, auf einer Gerölllandschaft mitten im kaukasischen Hochgebirge, selber aussieht wie ein riesiger geschliffener Fels. Das Museum ist die Schatzkammer der Region Swanetien, einer wildromantischen Grenzregion im Hochgebirge zwischen Georgien und der Russischen Föderation. Die Swanen galten schon immer als besonders unabhängig und zugleich als besonders geschäftstüchtig. Selbst zu Zeiten der Sowjetunion, heißt es, wurden hier oben Sprache, Kultur und Bräuche ungeniert weitergeführt, die eigentlich längst hätten "sowjetisiert", das heißt abgeschafft werden sollen. Kaum jemand heutzutage hier oben auf dem abgelegenen Hochplateau knapp 2000 Metern über dem Meer Bildschätze von einzigartigem Wert. Doch Ciala Tschartolani, die Museumsdirektorin, belehrt uns eines Besseren:
Die swanetischen Könige waren immer sehr stark an neuen Formen von Heiligendarstellungen interessiert. Nicht zuletzt deshalb galt Swanetien lange Zeit als die Schatzkammer des gesamten Kaukasus. Die Swanen waren wohlhabender als die anderen kaukasischen Bergvölker, sie konnten sich kostbare Materialien und hervorragende Maler und Handwerker leisten. Deshalb gab es hier sehr früh, bereits seit dem sechsten Jahrhundert, eine so große Vielfalt an Bildformen, von kostbarsten Ikonen, Teppichen und Wandmalereien, später auch Skulpturen und illuminierte Handschriften. Vieles von dem, das Sie heute als alte georgische Kunst bewundern können, hat seine ikonographischen Ursprünge in swanetischen Vorbildern.
Die Geschichte der Museumssammlung selbst reicht zurück in die Mitte der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Der gebürtige Georgier Stalin führte einen ideologischen Feldzug gegen die uralten religiösen Wurzeln der Region. Alle Formen von religiösem Ritus wurden verboten, Gotteshäuser geschlossen, zerstört und geplündert, nicht allein die der georgisch-orthodoxen Mehrheit, auch Moscheen und Synagogen und die kleinen Kirchen von Minderheiten. Der Katholikos von Mestia versteckte damalszahlreiche der ältesten Ikonen und anderen bedeutenden liturgischen Schätze in der Kathedrale - bis er 1937 von sowjetischen Kommissaren ermordet wurde. Ein bedeutender Teil der swanischen Kunst war zu dieser Zeit bereits ins französische Exil gelangt und ist heute im Nationalmuseum von Tbilissi zu sehen.Viele andere Bildwerke wurden damals jedoch privat von swanetischen Bauern versteckt und überdauerten so auch den Zweiten Weltkrieg. Erst in den siebziger Jahren schlugen sowjetische Kunstwissenschaftler in Moskau Alarm, drängten die Regierung, die Kunst der Swanen als Kulturgut zu bewahren. Ciala Tschartolani wurde später zur Gründungsdirektorin berufen.
Das Museum ist eine reine Staatsgründung. Privatpersonen, Kirchen oder andere potentielle Geldgeber waren damals nie miteinbezogen, auch nach der Eigenständigkeit Georgiens nicht. Heute ist die Lage natürlich eine andere. Die Grundausstattung wird zwar nach wie vor vom Staat übernommen, das heißt heutzutage von der Georgischen Regierung in Tbilissi, aber für alle Maßnahmen, um die Schätze überhaupt vor dem Verfall zu bewahren, müssen wir das Geld irgendwo anders auftreiben, wir sind auf Unterstützung und Initiativen aus dem Ausland angewiesen, vor allem aus der Schweiz, aus Holland und Deutschland.
Offizielle Eröffnung des Museums von Mestia war das Jahr 2003 - nach sage und schreibe zwanzigjähriger Bauzeit. Unter den extremen Bedingungen der Bergwelt haperte es zu Sowjetzeiten immer wieder an Nachschub für Baumaterial und Arbeitsgerät. Am gravierendsten wirkte sich der Niedergang des Sozialismus aus. Georgien wurde unabhängig und hatte im folgenden rasenden Verfall der Wirtschaft jahrelang kein Geld, um das Projekt voranzubringen. Hinzu kam, daß die Swanen selbst das Museum als sowjetische Gründung skeptisch betrachteten, gewissermaßen als Sammellager für den staatlich organisierten Kunstraub. Auch wenn Ciala Tschartolani mittlerweile zu einer Art Grande Dame der kaukasischen Kunstsammlungen geworden und als Hüterin der swanischen Identität akzeptiert ist, gelingt es ihr kaum, die Sammlungen weiter auszubauen.
Noch immer sind auch viele Werke hier oben in Privatbesitz swanetischer Familien, und viele dieser privaten Sammlungen werden hoch geehrt und nicht herausgegeben. Manche davon sind inzwischen durchaus gut restauriert. Andere bedürfen dringend einer Restaurierung. Natürlich bieten wir den Besitzern auch an, Kontakte zu vermitteln oder die Werke im Museum zu verwahren. Aber nach den Erfahrungen aus der Sowjetzeit haben viele Familien Angst, daß sie ihre wertvollsten Dinge, die manchmal seit Jahrhunderten weitervererbt wurden, nicht zurückbekommen. Manche mißtrauen sogar auch mir noch und zeigen mir ihre Bilder nicht einmal.
Kein Zweifel, die Swanen sind stolz auf ihre Schätze, auch auf dieses Museum. Andererseits pflegen sie einen anderen Kunstbegriff als der Westen. Ikonen, auch wenn sie noch so alt sind, bleiben Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Sind sie irgendwann unbrauchbar, wird ein Maler für eine neue Ikone beauftragt. Das Abbild des Heiligen ist, das was zählt. Nicht das historische Alter oder der Rang eines Kunstwerks. Das macht es schwer für jede Museumsdirektorin, der überdies kein Etat für Nachforschungen zur Verfügung steht. Nicht einmal die notwendigsten restauratorischen Arbeiten können aus Geldmangel geleistet werden. Es gibt keine Anlagen, die das Mikroklima für die empfindlichen Handschriften aus dem 10. Jahrhundert regelt. Viele Vitrinen sind undicht, die aggressive Beleuchtung läßt allmählich die Farben bleichen. Die Leitung des Hauses muß ohne Computer und ohne Fachbibliothek auskommen. Das Museum, gerade erst eröffnet, ähnelt in manchem noch immer einem Rohbau. Von einem eigenen Restaurator ganz zu schweigen. Ciala Tschartolani zeigt ihre Verzweiflung ungern, aber sie spiegelt sich doch in ihrer Mimik.
Vielleicht wird es einmal eine Zeit geben, in der wir schon am Beginn eines Jahres sicher wissen, ob und wieviel Geld wir für die nächsten Ausstellungen, Kataloge und sonstigen Arbeiten haben werden. Ob wir uns vielleicht sogar einmal einen Computer leisten können oder eine Restaurierung. Vielleicht werde ich das nicht mehr schaffen, weil ich schon zu alt bin. Aber eines Tages wird es vielleicht einem anderen Direktor gelingen, darauf hoffe ich. Die Hauptsache ist, daß das Museum bestehen bleibt.
In der Tat ist die Zukunft ungewiß. Ein neuer Museumverbund ist für Georgien geplant, der die Verwaltung aller Museen des Landes zentralisieren soll. Die Swanen jedoch fürchten, daß ihre großen alten Schätze auf diesem Weg ebenfalls nach Tbilissi ins Nationalmuseum geschafft werden könnten, eine Tagesreise entfernt. Und bevor das geschieht, heißt es, holen sich die Swanen eher die Bilder aus ihrem Museum zurück.

Tuesday, November 01, 2005

Georgian Travels

I found a greatful website about travels in Georgia/Caucasus with fine excellent depictions and photos.

"In writing these pages and looking again at the hundreds of photos from my Georgian travels, I realize that Georgia is the land which next to Greece has given me most spiritually, visually, and in understanding human nature. "

Look here:

* Victor Djorbenadze's Wedding Cathedral
* Twenty-five Years Tbilisi
* A Market Day in Tbilisi
* Mt. Kazbeg and the Georgian Military Road
* Kakheti: Alaverdi and Shuamta
* Uplistsikhe and the Frescoes of Ateni
* Kartli: Mtskheta, Tsilkani, Shiomgvime, and Zedazeni
* Mysterious Shavnabada
* The Blue Frescoes of Khintsvisi
* Mingrelia, the Frescoes at Ubisi and Tsalentsikha
* Svanetia in the Snow
* The People of Khevsureti and Svaneti (Jeffrey Carr-Harris)
* The Desert of David Garedja and the Frescoes at Udabno
* Maps