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Sunday, September 10, 2017

ROMAN: Das Spiel des Todesengels. Georgien unter Stalin. Von Awtandil Kwaskhwadse (reichert-verlag.de)


(reichert-verlag.de) Klappentext: "Eine bittere Geschichte behandelt dieser wohl erste dokumentarische Roman eines Georgiers über den Stalinismus in Georgien und der Sowjetunion. Der Verfasser ist ein Kind dieser Zeit, er hat sie als Augenzeuge erlebt und durchlitten. Eigene Anschauung und eigener Schmerz bewegen ihn bei der Wiedergabe einer Fülle von Fakten, die dem deutschen Leser bisher wenig bekannt sein dürften: Die Invasion der russischen Streitkräfte in die Demokratische Republik Georgien 1921, die faktische Okkupation Georgiens durch Sowjetrussland, die Emigration der georgischen Regierung, die Abwehr der türkisch-islamischen Aggression im Raum Batumi durch gemeinsames Vorgehen von georgischen Regierungstruppen und Bolschewiki; die Machtübernahme durch die Bolschewiki und die Ausrufung der Sowjetmacht in Georgien, die Entwicklung der Widerstandsbewegung gegen die russische Okkupation und die Sowjetordnung, das Erstarken des politischen Widerstands vor allem in Gurien, das Wüten der Tscheka; Verhaftungen und Massenexekutionen, um den Widerstand des georgischen Volkes zu brechen, der August-Aufstand 1924 gegen die russische Besatzung und die Sowjetmacht; Berias Aufstieg, die Attentate auf Stalin an der Schwarzmeerküste und auf dem Weg zum Riza-See, die Machtkämpfe im Sowjetstaat, Berias Zusammenarbeit mit Stalin, der massenhafte Terror in der Sowjetunion, die Verhaftungen, Folterungen und Hinrichtungen in den dreißiger Jahren, Berias Intrigen, die systematische Bespitzelung, Verfolgung und Ermordung georgischer Intellektueller, die Stalinschen Todeslager, der zweite Weltkrieg aus der Sicht der Sowjetbürger, die Hoffnungen der Kaukasier auf Befreiung aus dem riesigen Völkergefängnis; das Kriegsende und Stalins Tod, Berias Entmachtung und Erschießung, die der folgende Scheinprozess zu verhehlen versuchte. Awtandil Kwaskhwadse lässt eine Zeit aufleben, in der die Furcht vor der Zukunft das Leben der Menschen bestimmte. "

Produktdetails:
2017, 568 Seiten, Maße: 21 cm, Kartoniert (TB), Deutsch, Übersetzung: Fähnrich, Heinz, Verlag: Reichert, ISBN-10: 3954902567, ISBN-13: 9783954902569


Vorwort (pdf)
Probekapitel  (pdf)

Saturday, June 21, 2014

WISSENSCHAFT: Kaukasiologie-Nestor der Jenaer Uni in Georgien geehrt. Von Michael Groß (tlz.de)

(tlz.de) In einem neuen Buch wirdmet er sich den Verben einer der Kaukasus-Sprachfamilien.

Prof. Heinz Fähnrich / Foto: Michael Groß
Jena "Als "Berg der Sprachen" wurde der Kaukasus im Altertum bezeichnet. Grund dafür war, dass hier schon seit Menschen Gedenken eine große Zahl von ganz unterschiedlichen Sprachen gesprochen werden. Heute sind sechs Sprachfamilien in Kaukasien beheimatet, sagt der emeritierte Professor der Kaukasienwissenschaften, Heinz Fähnrich.

Er hat jetzt ein neues Buch vorgelegt, in dem er sich den Verben einer dieser Kaukasus-Sprachfamilien widmet - der Kartwelsprachen. Nach jahrzehntelanger Arbeit konnte diese Zusammenstellung abgeschlossen werden. Das Buch gilt in Georgien als fundamentales Werk auf diesem Gebiet. Dass die Arbeit mit Erfolg zu Ende geführt werden konnte, ist nach Ansicht von Fähnrich der tatkräftigen Unterstützung durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena zu danken. Denn dort sei über Jahre hinweg die Stelle einer wissenschaftlichen Hilfskraft aus Georgien finanziert worden, die das Ganze verifiziert und vervollständigt habe.

Damit setzte die Kaukasiologie der Jenaer Uni die Publikationstätigkeit fort, die unter den Professoren Kevin Tuite, Elgudsha Dadunaschwili und Florian Mühlfried einen Aufschwung erfahren hat. Es ist innerhalb eines Jahres bereits der 4. Titel in Buchform nach "Die Königin des Waldes" mit Sagen und Mythen aus Georgien sowie den Monografien "Die georgische Sprache" und "Die ältesten georgischen Inschriften". Erschienen ist das neue Buch im Shaker Verlag Aachen (ISBN 978-3-8440-2406-7).

Der Auto Heinz Fähnrich gilt als Nestor der Kaukasiologie in Jena. Dass er auch hohes Ansehen in Georgien genießt, bewies die Verleihung des Ivane-Javakhishvili-Wissenschaftspreises der Georgischen Universität Tiflis im April dieses Jahres. Da Fähnrich aus gesundheitlichen Gründen nicht den Preis entgegennehmen konnte, tat dies der Uni-Rektor Klaus Dicke. Er sieht den Preis als Bestätigung dafür, dass es richtig war, das in Deutschland einmalig vertretene Fach der Kaukasusstudien weiterzuführen und den Lehrstuhl dieser Wissenschaft jetzt neu zu besetzen.

Michael Groß / 21.06.14 / OTZ

Wednesday, December 04, 2013

FORSCHUNG: Kaukasiologie bleibt der Friedrich-Schiller-Uni in Jena erhalten (thueringer-allgemeine.de)

(thueringer-allgemeine.de) "Guten Tag." - "Gamardschoba!" Freudige Blicke empfangen den Besucher, der wie verabredet ins Kaukasiologieseminar platzt. "Gamar"...?" - "..."dschoba", ergänzt Florian Mühlfried. So begrüßt man sich wohl in Georgien? Das klingt leicht und ist doch weitaus schwieriger, als man denkt. 

Bei Dr. Florian Mühlfried befassen sich (v.l.) Annika Jooß, Janin Pisarek und Pauline Lörzer auch mit georgischen Ikonenbildern. Die Betreuungsrelation in der Kaukasiologie erscheint geradezu märchenhaft.
Bei Dr. Florian Mühlfried befassen sich (v.l.) Annika Jooß, Janin Pisarek und Pauline Lörzer auch mit georgischen Ikonenbildern. Die Betreuungsrelation in der Kaukasiologie erscheint geradezu märchenhaft.

Jena. Die Kaukasiologie an der ehrwürdigen Friedrich-Schiller-Universität zu Jena gilt als das Exotenfach schlechthin. Nirgendwo sonst auf der Welt, außer in Russland und der Kaukasusregion selbst, kann man in dieser Disziplin einen akademischen Masterabschluss erwerben.

"Mehr Nische geht nicht", gesteht Dozent Mühlfried. Forschungszentren finde man noch im schwedischen Malmö und in Montréal, Kanada, wo auch der einzige Jenaer Lehrstuhlinhaber Kevin Tuite zu Hause ist. Aber als Studiengang nirgends. 15 Jenaer Kommilitonen haben sich zurzeit im Haupt- oder Nebenfach eingeschrieben. Im Hochschuljargon nennt man so etwas eine "Orchidee".

Tim Zimmermann und Annika Jooß sitzen über fotokopierte Texte gebeugt. Es sind Reiseberichte der französischen Edelsteinhändler Jean-Baptiste Tavernier und Jean Chardin aus dem 17. Jahrhundert. Sie pendelten als Abenteurer und Kaufleute zwischen dem Osmanischen und Persischen Reich und berichten von exotischen Bräuchen der Kaukasusleute. "Die essen rohes Knochenmark", zitiert Annika Jooß, "und handeln mit Sklaven." Beides, versichert Mühlfried sofort, sei dort heute nicht mehr üblich. Vielmehr legten die Georgier den größten Wert auf ihre lange Geschichte und alte Tradition.

Dem Stirnrunzeln des Unwissenden, der da höchstens die an­tike Argonautensage und Ovids "Metamorphosen" im Sinn hat, begegnet Mühlfried mit ethnologischer Aufgeklärtheit: "Erst vor ein paar Monaten haben Archäologen in Georgien das älteste Goldbergwerk der Welt entdeckt, seit dem fünften Jahrhundert ist ein eigenes Alphabet nachweisbar, und aus dem 12. Jahrhundert kennt man Niederschriften höfischer Dichtung." Da reimten die Minnesänger in Mitteleuropa ihre edelmütigen, erotischen Verse auch nicht früher. Zudem waren die Georgier als drittes Volk überhaupt christianisiert und prägten eine eigene Orthodoxie aus. Mühlfried fügt hinzu: "Sie pochen darauf, dass ihr Land die Wiege des Weinbaus ist, und sie sagen, sie sind die ältesten Europäer."

Eine Herzlichkeit, die verzaubert

Mählich entsteht ein Bild von einer märchenhaft exotischen Welt. Na dann sagt doch mal ein paar Sätze auf Georgisch! Nur um mal den Klang der Sprache zu hören. - "Und das nach acht Wochen?" fragt Tim Zimmermann, entrüstet ob dieser Zumutung. Er hat doch gerade mit dem ersten von vier obligatorischen Georgisch-Sprachkursen begonnen. Noch im 19. Jahrhundert, nimmt ihn Mühlfried in Schutz, habe man das hierzulande für eine unlernbare Sprache gehalten.

Annika Jooß ist da schon etwas weiter. Sie studiert Gesellschaftstheorie und betreibt Kaukasiologie zusätzlich "zur individuellen Bereicherung". Flugs klärt sie auf, sie habe ein halbes Jahr als Praktikantin im Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Tbilissi gearbeitet. "Eigentlich sollten das nur ein paar Wochen sein, aber ich hab mich verliebt in das Land und die Kultur." Ihr Blick gewinnt einen seltsamen Glanz, als sie von der unverstellten Herzlichkeit der Menschen dort schwärmt: "Ein Gast ist ein Geschenk von Gott, und so wird man dort aufgenommen."

Man glaubt ihr sofort die Faszination für diese Landstriche, wo europäische und asiatische Einflüsse sich mischen und Christentum und Islam einander recht friedlich begegnen. Tim Zimmermann indes hat seine erste Reise an die Grenzen unseres Kontinents noch vor sich. Im Hauptfach Politologe, spricht er von einer Brückenregion zwischen Supermächten und regionalen Großmächten. Er wolle sich im Studium auf Sicherheitspolitik spezialisieren. Klar: An Georgien haben wir Europäer ein handfestes Interesse - nicht nur, wenn es um sichere Pipeline-Trassen für aserbaidschanisches Erdgas und -öl vom Kaspischen Meer geht. 

Eines von 15 weltweit aktiven, eigenständigen Alphabeten schreiben die Menschen in der Kaukasusregion. Hier auf dem Frontispiz eines Prachtbands über georgische Goldschmiedekunst. Foto: Peter Michaelis
Foto: Peter Michaelis
Florian Mühlfried ist tagespolitisch auf dem laufenden. Gerade erst vorige Woche wurde Giorgi Margwelaschwili demokratisch ins Präsidentenamt gewählt, und ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union scheint in greifbarer Nähe. Nicht zuletzt profitiert die Jenaer Kaukasiologie von der Öffnungspolitik. Mühlfried hat just von der EU-Kommission die Finanzierungszusage für ein Forschungsvorhaben erhalten, um das ihn viele seiner kultur- und geisteswissenschaftlichen Kollegen beneiden: In einem multinationalen Verbundprojekt über "Demokratisierung und Sicherheit" befasst er sich mit dem Thema Migration.

Früher arbeiteten georgische Männer vor allem in Russland auf dem Bau, um Geld heimzuschicken, erzählt er. Heute verdingten sich viele Frauen als Haushaltshilfen und Pflegekräfte in Griechenland oder Italien. Diese Verhältnisse näher zu untersuchen, erlaube gewiss auch Aussagen über die Verfasstheit der EU, meint der 43-jährige Ethnologe. Weil Brüssel seiner Abteilung dafür 350.000 Euro spendiert, kann er jetzt zwei Doktorandenstellen ausschreiben.

In einem zweiten aktuellen Projekt, das die VW-Stiftung in Hannover finanziert, befasst sich Mühlfried mit sakralen Orten im Nordkaukasus. "Klassische Feldforschung vor Ort", erläutert er. "Da kann ich zum Teil Studenten mit einbeziehen." So wächst die kleine Kaukasiologie in Jena sichtlich. Ohnehin steht sie als "Orchidee" nicht mehr in der Gefahr, unter den Rasenmäher ministerieller Spardiktate zu geraten. Noch vor wenigen Jahren überlegte man in der Hochschulverwaltung, sie genauso wie die Indonesistik glatt wegzusparen.

Damals rückte der Ruhestand für Professor Heinz Fähnrich, den Grandseigneur seines Faches, in bedrohliche Nähe. Heute hingegen, da sein Nachfolger Kevin Tuite (59) die Doppelbelastung und den transatlantischen Pendelverkehr zwischen Jena und Montréal nicht mehr tragen will, bricht keine Krise aus. "Wir werden eine Neubesetzung vorantreiben", verspricht Professor Klaus Dicke, Rektor der Jenaer Uni, unmissverständlich.

Der Bund soll sich mehr engagieren

Bei dem Politikwissenschaftler haben Mühlfried & Co. wohl einen Stein im Brett. "Die Kaukasiologie ist nicht bedroht", sagte Dicke, obzwar ihn arge Finanznöte plagen, der TLZ. "Sie ist für uns erstens traditionell unverzichtbar, zweitens aus Gründen des nationalen Interesses und drittens aus wissenschaftlichen Gründen." Der umtriebige Hochschulpolitiker setzt noch eins drauf und fordert: "Ich bin für eine Bundesfinanzierung solcher kleinen Fächer."

Längst haben die Jenaer Kaukasiologen sich vernetzt und sind im Dialog mit der Slawistik, Archäologie und Volkskunde, der Politikwissenschaft und In­terkulturellen Wirtschaftskommunikation sowie künftig auch der Religionswissenschaft. Die Wirtschaftswissenschaftler bieten sogar einen dualen BWL-Master-Abschluss im Verbund mit der Universität Tbilissi an.

Mit der Hochschule in Tbilissi sind die Jenaer Kaukasiologen seit Menschengedenken verbandelt, zudem mit denen in Naltschik und Krasnodar. "Nalt-?" Mühlfried lächelt. "Die Hauptstadt Kabardino-Balkariens", erklärt er geduldig. "Nordwestlicher Kaukasus." In zwei Wochen gebe es an der Alma Mater eine Festveranstaltung, wenn der dortige Rektor Jena besucht.

Liegt das nicht in Russland? - Die Frage stößt ins Zentrum einer diffizilen Gemengelage, denn tatsächlich befassen die Jenaer sich nicht mit Georgien allein. Mühlfried holt tief Luft. Gegenstand seines Faches sei ein Gebiet mit drei völlig autochthonen Sprachfamilien, die im Südkaukasus - also auch in Ge­orgien - sowie im Nordwesten und -osten des schroffen Gebirgszuges verbreitet sind. Verwandt sind sie mit nichts und niemandem, erklärt er. Keine Turksprachen und keine indoeuropäischen. Allein der Süden kenne unter dem Oberbegriff Kartwelsprachen das Georgische, Lasische, Swanische und Mingrelische. Und im Norden wirds noch komplizierter. Allein die russische Teilrepublik Dagestan weise die höchste Sprachendichte nach Papua-Neuguinea auf.

Davon dröhnt fast der Schädel. Wie er bloß daran geraten sei? Da beginnen Florian Mühlfrieds Augen zu strahlen, und er erzählt, wie er damals als Ethnologie-Student an der Uni Hamburg zufällig in einen Georgisch-Kurs geriet, dann prompt einen Sprachkurs in Tbilissi aufsattelte, kreuz und quer durchs Land reiste und inzwischen unzählige gute Freunde und sogar einen Patensohn in Georgien habe.

Aber das mit der Sprache könne seine Kollegin Natia Reineck besser erklären. Die bimst das auch den Studenten ein. Logisch: Die zierliche junge Frau im Nachbarzimmer ist Muttersprachlerin. Aus Mzcheta gebürtig, hat sie in Tbilissi Deutsch studiert und wollte eigentlich ihre Kenntnisse in Jena nur für ein Jahr vertiefen. Daraus sind jetzt schon 15 geworden.

Georgisch sei eine agglutinierende Sprache, so dass Wörter durch Silben-Anhängsel zusätzliche Bedeutung erhalten. Richtig: Annika Jooß hatte gewarnt, dass man Vokabeln mitunter mit einem ganzen Satz übersetzen müsse. ",Dagizer zum Beispiel", sagt Natia Reineck, "heißt: ,Ich schreibe etwas für dich." - Wie soll ein Mensch das nur lernen? Das ist doch zum Verzweifeln! - "Nicht bei mir", verspricht sie, und wieder leuchtet ein Augenpaar. Schließlich gebe es auch die Fähnrichsche Kurzgrammatik. Darin sei alles erklärt.

Auf dem Flur treffen wir Wolf Zippel. Noch so eine Biografie: Deutsch als Fremdsprache studiert, drei Jahre als Lehrer in Tbilissi, mit einer Georgierin verehelicht und jetzt Doktorand in Jena. Noch einer mit Glanz in den Augen. Es muss gewiss ein geheimnisvoller Zauber im Spiel sein. "Gamardschoba!" Was das eigentlich wörtlich bedeute? Da grinst er und erklärt behutsam, das sei weniger martialisch gemeint, als es klinge. "Der Sieg sei mit dir!" - "Danke. Dagizer."

Friday, March 15, 2013

BUCH: Königin des Waldes. Sagen und Mythen aus Georgien. Von Heinz Fähnrich (buchverlag-koenig.de)

(buchverlag-koenig.de) Die Mythen- und Sagenwelt der Georgier aus der Welt des Kaukasus und Südkaukasiens hat mit ihren Legenden zur Erschaffung der Welt, ihren Teufelsdeutungen bis hin zu verborgenen Kultstätten bis auf den heutigen Tag ihre Faszination und Eigenständigkeit bewahrt und wird nach den Originalaufzeichnungen der Folkloresammler erstmals in umfassender Weise vorgestellt.

Ein faszinierendes Volk, das schon vor Jahrtausenden in der Welt des Kaukasus und Südkaukasiens eine glanzvolle materielle und geistige Kultur geschaffen hat, im ständigen Kontakt mit den ältesten Hochkulturen der Menschheit in Kleinasien und Mesopotamien war und mit seiner erhalten gebliebenen ethnischen Identität und Sprache bis in die Gegenwart die wirtschaftliche, politische und kulturelle Entwicklung Kaukasiens aktiv mitgestaltet, tritt uns in den Mythen und Sagen, den Legenden und Überlieferungen der Georgier entgegen.


Die Materialien, die dieses Buch vereint, sind mit dem Leben und der Geschichte des georgischen Volkes untrennbar verknüpft und repräsentieren verschiedene Bereiche der georgischen Sagenwelt wie Sagen von Wildhütern, Hexen- und Teufelsdeutungen, Legenden von Heiligen und Märtyrern und Mythen zu Kultstätten. Eine Besonderheit der Aufzeichnungen besteht darin, dass sie ungeschönt wiedergegeben werden und keiner literarischen Aufbereitung und ästhetischen Verklärung wie z. B. die Mythen der Griechen oder Inder unterzogen wurden. Sie liegen nahe bei jener Fassung, in der sie von den Folkloresammlern aufgezeichnet worden sind. Dadurch erscheinen die georgischen Stoffe weit realistischer, besitzen aber zweifellos größere Authentizität und tieferen historischen Wahrheitsgehalt, obgleich auch sie natürlich nicht unverändert geblieben sind. 


Heinz Fähnrich, ein Kenner der magisch-mytischen Historie der Kaukasusvölker, legt mit diesem Band erstmals eine umfassende Zusammenstellung georgischer Mythen, Sagen und Legenden vor, die keine Unterscheidung zwischen kindlichen bzw. jugendlichen Lesern und betagten Sagen-Interessenten kennt.

Über den Autor: Heinz Fähnrich, geboren 1941, ist ein deutscher Kaukasiologe, der in der Nähe der thüringischen Stadt Jena lebt. Bereits in seiner Jugend interessierte er sich für Altertumswissenschaften und wünschte sich, einmal nach Ägypten zu reisen. Nachdem er ein Studium der Archäologie in Jena aufgenommen hatte, weckten vor allem die Vorlesungen von Gertrud Pätsch sein Interesse. Angeregt durch sie studierte er zunächst Indonesisch und dann die georgische Sprache. Ein Partnerschaftsvertrag zwischen der Jenaer Universität und der Staatlichen Universität Tiflis ermöglichte ihm, nach Georgien zu reisen. Dort verteidigte er 1970 seine Habilitationsschrift auf Georgisch. Seit 1986 hatte er an der Universität Jena den deutschlandweit einzigen Lehrstuhl für Kaukasiologie inne. - Seine Arbeit wurde mit dem Akaki-Schanidse-Preis (1992), der Iwane-Dshawachischwili-Medaille, dem Marie-Brosset-Preis des Zentrums für Kartwelologische Studien und dem georgischen Ehrenorden (2002) gewürdigt.

Zum Inghalt: In dem Band befinden sich über 360 Mythen, Sagen und Legenden mit folgenden Themenkomplexen:
Amirani-Sagen, Mesepi-Sagen, Dali-Sagen, Tqaschmapa-Sagen, Sagen von Wildhütern, Von Teufeln und Geistern, Hexensagen, Tschinka-Sagen, Otschokotschi und Otschopintre, Sagen vom Mond und vom heiligen Georg, Von der ersten Zeit der Welt, Ortssagen, Namensdeutende Sagen, Legenden von Heiligen und Märtyrern, Vom Leben und Kampf der Georgier, Gestalten der Geschichte, Göttersagen aus Nordostgeorgien, Kultstätten und ihre Diener in Nordostgeorgien, Vom Leben in Nordostgeorgiens Bergland.

656 Seiten mit Schwarz-weiß-Bildern, Worterklärungen im Anhang, Nachwort und Quellenverzeichnis.

Hartcover
Format 15,0 x 21,0 cm 
ISBN: 978-3-943210-61-3


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Tuesday, January 10, 2012

KAUKASIOLOGIE: Eine Reise durch den Kaukasus - „Tag der Kaukasiologie" in Jena

Am 31. Januar 2012 wird das Jubiläum „50 Jahre Kaukasiologie“ an der Uni Jena gefeiert (Quelle: idw)


Foto: Sebastian Minkner, FSU
Eine Reise durch den Kaukasus gefällig? Das Gebirge, mythische Grenze zwischen Europa und Asien, beherbergt ein buntes Gemisch von Völkern und Sprachen. Wer einen Einblick in diese Vielfalt gewinnen möchte, ist herzlich eingeladen, den „Tag der Kaukasiologie“ an der Universität Jena am 31. Januar 2012 zu besuchen. An diesem Tag feiert das klassische „Orchideenfach“ sein 50-jähriges Bestehen in Jena. Die Kaukasus-Experten, deren Studiengang einmalig in Europa ist, laden die interessierte Öffentlichkeit deshalb zu einer Entdeckungsreise quer durch ihr Fach ein. 


Zu Beginn der Reise zeigen Studentinnen und Studenten Fotos, die den Alltag in einem muslimischen Dorf in Nord-Ostgeorgien widerspiegeln. Die Aufnahmen entstanden im Rahmen des Exkursionsmoduls „Kaukasiologische Feldforschung“ und werden im Foyer der Aula im Universitätshauptgebäude (Fürstengraben 1) gezeigt. 


Nächste Station ist ab 13.15 Uhr der Hörsaal der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (Bibliotheksplatz 2). Dort stellt Dr. Florian Mühlfried das von ihm und Sergey Sokolovskiy herausgegebene Buch „Exploring the Edge of Empire“ vor, das der sowjetischen Geschichte der Ethnologie und verwandter Wissenschaften im Kaukasus gewidmet ist. Im Anschluss wird der Film „Lipanali“ gezeigt. Dessen Autor, der Gastprofessor Prof. Dr. Elguja Dadunashvili, dokumentiert einen Totenritus, der in Swanetien verbreitet ist, einer Bergregion Georgiens. Die Swanen laden die Seelen verstorbener Familienmitglieder nach Hause ein, um sie für eine gewisse Zeit zu bewirten. 


Prof. Lascha Bakradze von der Ilia-Universität Tbilissi spricht ab 15.15 Uhr im großen Rosensaal (Fürstengraben 27) über „Interessenkoinzidenz: Deutschland und Georgien im Ersten Weltkrieg“. Im Anschluss ab 16.15 Uhr diskutieren Prof. Dr. Kevin Tuite (Uni Jena/Montreal), Dr. Uwe Halbach (Stiftung Wissenschaft und Politik), Prof. Giorgi Khubua (FSU), Prof. Lascha Bakradze Tbilissi), Prof. Raschid Alikajev (Naltschik) und die Botschafterin Georgiens in der Bundesrepublik Gabriela von Habsburg über die Frage „Berge, Blut und Öl – Was ist der Kaukasus?“. 


Um 18.00 Uhr laden die Kaukasus-Forscher zu einem Festprogramm in die Aula im Uni-Hauptgebäude ein. Der Inhaber des Lehrstuhls für Kaukasiologie, Prof. Dr. Kevin Tuite, beleuchtet in seinem Festvortrag Facetten des georgischen Liedes „Iavnana“. Schließlich wird Prof. Dr. Heinz Fähnrich, der Nestor der Jenaer Kaukasiologie, mit der Medaille des Goldenen Vlieses geehrt. Diese Auszeichnung überreicht die Botschafterin Georgiens, Gabriela von Habsburg. 


Die interessierte Öffentlichkeit ist am 31. Januar herzlich eingeladen, die Reise durch den Kaukasus mitzumachen. Natürlich sind Besucher auch an den einzelnen Stationen herzlich willkommen. 


Das Programm im Internet unter: Universität Jena  


Kontakt: Natia Reineck M.A. 
Bereich Kaukasusstudien der Friedrich-Schiller-Universität Jena 
Fürstengraben 27, 07743 Jena 
Tel.: 03641 / 944886 
E-Mail: natia.reineck@uni-jena.de