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Tuesday, April 21, 2015

WEIN: Edle Biotropfen aus dem Kaukasus & Geschichtsträchtiger Weinbau. Von Harald Stoffels (taz.de)

Photo von Ralph Hälbig, Weinernte in Gavazi

(taz.de) Wein gehört in Georgien seit Jahrtausenden zur Kultur. Die sieben Winzer von "Vino Underground" setzen auf Tradition und Bio

„Alle Geschichten georgischer Männer beginnen mit dem Großvater“, sagt Alex Baduashvili, ein ernst blickender, hagerer junger Mann. Dann lockert ein Lächeln die scharf geschnittenen Gesichtszüge auf: „Mein Großvater hatte seinen eigenen Weinberg. Ich war fünf oder sechs Jahre alt, als er mir das erste Glas Wein zu trinken gab. Das war ein prägendes Erlebnis für mich.“

Der 24-jährige Georgier arbeitet als Sommelier und Vinologe im renommierten Weingut Château Mukhrani nordwestlich von Tiflis. Doch Alex’ Erinnerung an den Großvater ist viel mehr als eine sentimental-liebenswerte Erklärung für seine Berufswahl.

Wer sich in Georgien beim Thema Wein auf den Großvater beruft, erinnert an eine Zeit, als noch fast jede Familie selbst Wein produzierte – die Zeit vor den Sowjets. Wobei man wissen muss, dass der Weinbau in Georgien seit Jahrtausenden zu den Grundfesten der Kultur zählt.

Alex Baduashvili: "Georgien wurde in seiner Geschichte von vielen Mächten unterworfen und beherrscht. Nur der Weinbau und die Tradition der Gastfreundschaft haben es am Leben erhalten. Die Entscheidung, den Umgang mit Wein zum Beruf zu machen, am besten zusammen mit der Familie oder mit Freunden Wein anzubauen, ist in Georgien auch immer eine politische Entscheidung – für unsere authentische Kultur."

Wein als Teil der kulturellen Identität

Alex traf diese Entscheidung, als im Kaukasuskrieg 2008 die georgische Stadt Gori von den Russen bombardiert wurde. „Plötzlich waren der Hass und die Angst vor den alten Besatzern und den furchtbaren 90er Jahren nach dem Ende der Sowjetunion wieder da. Ich war Teil einer Gruppe junger Leute, die dagegen aktiv werden und eine wichtige Rolle in der georgischen Gesellschaft spielen wollten.“

Der Weinbau als Mittel der Rückbesinnung auf die besondere kulturelle Identität ist in Georgien überall präsent. Ausgrabungen deuten auf eine rund 8.000-jährige Geschichte der Kultivierung von Weinreben hin.

Neuanfang zur Jahrtausendwende

Bis zur Oktoberrevolution war Georgien auch für die hohe Qualität seiner Weine berühmt. Doch nach der Zwangsintegration des Landes in die UdSSR wurden die legendären Weinkeller der großen Güter zerstört und an deren Stelle Fabriken für schlichte Süßweine und Billigsekte errichtet, um schnell und einfach für den Massengeschmack in den Sowjetrepubliken produzieren zu können. Erst Anfang der 2000er Jahre begann der Wiederaufbau.

Den Anfang machte die heute 160 Hektar große "Corporation Kindzmarauli" aus dem größten georgischen Anbaugebiet Kachetien. Doch mit der Wiederbepflanzung geschichtsträchtiger Lagen und moderner, qualitätsorientierter Produktion ist es für die neue kulturelle Avantgarde Georgiens nicht getan. Deren Forderung nach "authentischen Anbaumethoden" formuliert eine Gruppe von sieben jungen bis mittelalten Winzern namens "Vino Underground", die im Zentrum von Tiflis kooperativ ein gleichnamiges Weinlokal betreibt.

Alle sieben Winzer haben sich einer Art "Superbio"-Auffassung von Weinbau verschrieben, die sämtliche europäischen Bioweinbauregeln befolgt, aber zusätzlich radikalisiert. Die meisten Mitglieder von Vino Underground sind Intellektuelle, die für die Weinkultur akademische Berufe aufgaben. Malkhaz Jachelli (56) war Informatiker, Ramaz Nekoladze (40) Ingenieur, Soliko Tsaishvili (53) Literaturwissenschaftler an der Universität Tiflis, bevor er über den Kontakt zur italienischen Slow-Food-Bewegung zum professionellen Weinbau fand.

Naturwein auch für den Export

Die Gruppe wirbt für "Naturwein", wie er vor der Sowjetzeit in sogenannten Quevris hergestellt wurde: Tongefäßen von maximal 3.000 Liter Inhalt, die bis an ihre kreisrunde Öffnung in der Erde eingegraben werden. In den Quevris reifen viele Weine zum Teil jahrelang, genauso, wie es schon in der Antike üblich war. So kommen oft kräftige, taninorientierte Rotweine mit zum Teil ungewöhnlichen Aromen zustande oder naturtrübe, säurearme Weißweine mit floralen Bouquets und rotweinartigem Körper – wie sie außer in Georgien sonst nirgendwo entstehen.

Verkauft werden die traditionell hergestellten Weine, die als besonders reich an antioxidativen Stoffen gelten, außer in einheimischen Lokalen vor allem in Japan, Norwegen, Italien und Kanada – und in hippen Szenetreffs westlicher Metropolen.

"Überall, wo sich ökologisches Bewusstsein mit hohem Einkommen trifft, entsteht eine Szene für Naturwein", freut sich Vino-Underground-Vorzeigewinzer John Wurdeman (39). Der deutschstämmige Maler, in New Mexiko geboren, ist mit einer georgischen Musikerin verheiratet und führt seit 2006 in dem idyllisch gelegenen ostgeorgischen Ort Sighnaghi unter dem Namen Pheasant’s Tears ein Weingut mit Restaurant und Musikschule.

Unterstützung von Frauen

Weinfachfrau Dariko Gogol unterstützt die engagierte Gruppe. Die in Deutschland ausgebildete frühere Politologin verweist auf die Bedeutung der Frauen, vor allem auch in materieller Hinsicht: "Malkhaz Jachellis Ehefrau ist Küchenchefin in einem Restaurant in New York, Solikos Frau Kunstprofessorin in Tiflis und die Ehefrau eines anderen Kollegen klinische Psychologin. Ohne deren Unterstützung gäbe es das alles nicht." In der Deutschen Marita Riedel unterstützt eine weitere Frau Vino Underground & Co finanziell. Die Programmdirektorin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Südkaukasus glaubt an den Sinn der Aus- und Weiterbildung junger Fachleute wie Alex Baduashvili.

Mitentscheidend für die Zukunft der traditionellen Weinbaukultur in Georgien mag eine dritte Frau sein: Alice Feiring aus New York. Die Weinkritikerin unter anderem der New York Times und des Wirtschaftsmagazins Forbes nominierte georgischen Wein als einen "der neun besten Weine und Spirituosen, die man 2015 versuchen muss." Ausdrücklich genannt wurden Weine von John Wurdeman.

+++ Der Autor Harald Stoffels hat ein eigenes Weingut und kreierte auch schon seinen eigenen Orangenen Wein: weingut-stoffels.de/weingut  +++










Saturday, October 30, 2010

VIDEO: Genial – einfach – magisch: Erfinder in Georgien. Ein Film von Ralph Hälbig und Katrin Molnár (mdr.de/mediathek)

Auf gute Nachbarschaft MDR.DE
http://www.mdr.de/
Die Osteuropa-Reportage lädt diesmal nach Georgien ein. Die Georgier sind Meister im Erfinden. Das Problem: Ohne Geld lassen sich die Ideen schwer auf den Markt bringen.


VIDEO >>>

Auf gute Nachbarschaft
Genial – einfach – magisch: Erfinder in Georgien

Sa., 30.10., 18:00 Uhr, 14:30 min
Ein Film von Ralph Hälbig und Katrin Molnár

Wirf einen Stein in Georgien und Du triffst einen Erfinder." Jeder zweite Georgier habe schon einmal etwas erfunden, sagen viele in diesem Land. Darunter sind so verrückte Ideen wie die Energieerzeugung aus dem Nichts von Tariel Kapanadze, aber auch ganz praktische Dinge wie selbst gebaute Traktoren aus Schrott von Giorgi Mirianashvili aus dem kakhetischen Weindorf Gavazi. Nur mit der Vermarktung klappt es noch nicht im Kaukasusstaat. Die meisten Erfindungen dümpeln in privaten Forscherstübchen vor sich hin.

Thursday, October 28, 2010

FERNSEHEN: Auf gute Nachbarschaft - Genial – einfach – magisch: Erfinder in Georgien. Ein Film von Ralph Hälbig und Katrin Molnár (mdr.de)

Sa., 30.10.2010, 18:00 Uhr, 14:30 min (MDR)

"Wirf einen Stein in Georgien und Du triffst einen Erfinder." Jeder zweite Georgier habe schon einmal etwas erfunden, sagen viele in diesem Land. Darunter sind so verrückte Ideen wie die Energieerzeugung aus dem Nichts von Tariel Kapanadze, aber auch ganz praktische Dinge wie selbst gebaute Traktoren aus Schrott von Giorgi Mirianashvili aus dem kakhetischen Weindorf Gavazi. Nur mit der Vermarktung klappt es noch nicht im Kaukasusstaat. Die meisten Erfindungen dümpeln in privaten Forscherstübchen vor sich hin.

Anschrift
MDR FERNSEHEN
04360 Leipzig






slideshow (4 Bilder) >>>

Tuesday, October 12, 2010

FERNSEHEN: Georgien. Not macht erfinderisch. Von Ralph Hälbig und Katrin Molnár. (mdr.de)

Manuskript des Beitrages vom 10.10.2010
Ralph Hälbig und Katrin Molnár, gesendet: MDR, 10.10.2010, 16.05 Uhr und 12.10.2010, 10.58 Uhr +++ eine längere Fassung wird es beim MDR am 30.10.2010, "Auf gute Nachbarschaft", 18.15 Uhr geben

Armut ist in Georgien allgegenwärtig. Doch Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Rund um die Hauptstadt Tiflis werden täglich innovative Ideen zum Leben erweckt. Reicht das Geld nicht für einen neuen Traktor, wird aus Einzelteilen kurzerhand einer zusammengeschraubt. Hoch im Kurs steht derzeit die alternative Erzeugung von Strom.
Es ist kaum zu glauben, aber diese Rostkisten mit Sowjet-Charme sind georgische Neu-Fabrikate. Hergestellt von diesem Mann. Eigentlich ist Giorgi Mirianashvili aus Gavasi Weinbauer, aber im Innersten seines Herzens ist er Erfinder und genialer Mechaniker. Er schraubt und schweißt zusammen, wie es gebraucht wird. Seine Traktoren sind Unikate. Selbst designt und gesampelt aus Schrott.

Giorgi Mirianashvili, Weinbauer:

"Der Tacho ist von einem russischen Panzer aus den Siebzigern, das Gaspedal von einem Traktor. Und hier vorne, das alles, kommt von einem Sil-Lastwagen."

Am Ende ist trotzdem alles funktionstüchtig und sorgt für großes Staunen. In erster Linie baut Giorgi seine Maschinen aber, um die Arbeit im Weingarten zu erleichtern. Die Traktoren, die es zu kaufen gibt, sind alle zu groß und außerdem viel zu teuer. Giorgis Maschine dagegen kostet nichts und passt exakt zwischen seine Weinreben.

Giorgi Mirianashvili, Weinbauer:

"Unter den Kommunisten war das verboten. Meinen ersten Traktor musste ich immer im Weingarten verstecken. Heute darf ich sogar offiziell damit fahren."

Zwar hat sich in den letzten Jahren viel verbessert, aber die Zeiten extremen Mangels und permanenter Energieausfälle haben die Georgier erfinderisch gemacht. Auch in der Hauptstadt sind etliche Genies zu finden. Einer der klugen Köpfe ist Merab Tchirakadze, studierter Physiker und Ökonom. In diesem Labor der Universität von Tbilisi hat er das Modell für seine jüngste Erfindung entwickelt: eine Turbine mit flexiblen Flügeln, die die zirkuläre Hin- und Her-Bewegung von Wasserwellen in eine Drehrichtung übersetzt und so zur Stromerzeugung genutzt werden kann. Das Prinzip ist genial einfach und ein absolutes Novum der Wellenenergie-Nutzung. Dennoch findet Tchirakadze niemanden, der den Bau eines großen Prototypen finanzieren würde.

Merab Tchirakadze, Physiker und Ökonom:

"Hier in Tbilisi gibt es kein Geld, keine Förderung und leider auch kein Interesse. Dass es aber eine sehr gute Möglichkeit ist ökologisch Energie zu erzeugen, bestätigen die Emails, die ich von internationalen Firmen und Institutionen bekommen habe, die auch zu diesem Thema arbeiten."

Der georgische Erfindergeist lässt sich trotzdem nicht aufhalten. Mit Colaflaschen und Wäscheleine demonstriert Tchirakadze eine weitere Neuheit: seine schwimmende Turbine. Mit ihr kann die Strömung von Flüssen zur Stromerzeugung genutzt werden.

Geradezu eine Energierevolution könnte die Erfindung von Tariel Kapanadze bedeuten, wenn es stimmt, was er sagt. Kapanadze und seine Leute gehen davon aus, dass es eine alternative Energiequelle gibt, die sogenannte "freie Energie" um uns herum. Kapanadze behauptet, einen Weg gefunden zu haben, diese sonderbare Energiequelle nutzen zu können. Viele Physiker stellen das in Frage.

Tariel Kapanadze:

"Dieser Kasten hier ist das Wesentliche. In ihm steckt meine Schaltung. Von ihr ist abhängig, wie viel Strom wir bekommen. Jetzt ist es wenig, aber es kann unendlich vergrößert werden. Die Neun-Volt-Batterie braucht man nur zum Starten. Aber dann bekommt man soviel Energie, wie man will."

Strom wird quasi aus dem Nichts erzeugt. Der Beweis steht allerdings aus, denn Kapanadze gibt sein Geheimnis für den ewigen Motor nicht preis. Er vertraut niemandem, aus Angst über den Tisch gezogen zu werden. Abstrus oder wahr? Hat Kapanadze unser Energieproblem in seinem Hinterhof bereits gelöst? Eines ist klar – die Georgier zelebrieren ihre Schöpferkraft. Kein Wunder, schon vor 7.000 Jahren waren sie die ersten, die der Menschheit reinen Wein einschenkten. Und wer weiß, vielleicht schenken sie ihr bald die wohl verblüffendste Erfindung des Jahrtausends: unendliche Energie.

Saturday, June 19, 2010

VIDEO: Zu Tisch in ... Georgien (videos.arte.tv)

Ein Film von Eberhard Rühle

Der ganze Artikel mit den Rezepten >>>



Jimscher Chuzischwili und sein Sohn Avto schlendern gemächlich durch ihre Weinfelder und prüfen den Reifegrad der Trauben. Am nächsten Morgen soll die Ernte beginnen. Für beide ist die Weinlese die wichtigste Zeit im Jahr. Ein Großteil ihres Familieneinkommens hängt davon ab. "Zu Tisch in ..." dokumentiert die Zeit vor und während der Weinlese.
Alle helfen mit, die Speisen für den Ernteeinsatz und das Erntefest danach vorzubereiten. Jimschers Frau Eteri backt Brot, während Avtos Frau Manana und ihre Mutter Cinkali zubereiten, die typischen mit Fleisch gefüllten Teigtaschen Georgiens. Gleichzeitig überwacht Jimscher die Reinigung des unterirdischen Weintanks. Ein Nachbarjunge schlüpft in die tönerne Amphore und bürstet die Ablagerungen des letzten Jahrgangs von den Wänden.
Avto und Jimscher leben im Dorf Gavazi im Alazani-Tal. Die Gegend im Süden des Hohen Kaukasus war eine der reichsten Regionen der Sowjetunion. Doch seit dem Beginn der Blockadepolitik Russlands ist der Weinexport stark eingebrochen. Viele Weinberge liegen inzwischen brach. Um in der Krise zu überleben, haben Jimscher und sein Sohn versucht, neue Einkommensquellen zu erschließen. Sie mussten unabhängiger werden von der Weinproduktion. Jimscher hat dabei geholfen, so dass er schon zu Sowjetzeiten selbstständig war, ein "Kapitalist", wie er schmunzelnd sagt.
Für die großen Kolchosen hat er Schreinerarbeiten ausgeführt und nach und nach auch seinem Sohn das Tischlerhandwerk beigebracht. Inzwischen bauen die beiden Fenster, Türen und Möbel für die Dorfbewohner. Neben dem Wein ist die Tischlerei heute die Haupteinnahmequelle der Familie. Außerdem hat sich Avto das Imkern beigebracht, denn auch Honig ist ein gutes Zubrot. Seine Frau Manana arbeitet als Lehrerin in der Dorfschule.
Der Film beobachtet mit Sympathie, wie Familie Chuzischwili es schafft, die Krise zu meistern und trotz aller Widrigkeiten, die das Land Georgien in seiner Entwicklung hemmen, glücklich zu sein. Am Ende helfen alle zusammen bei der Ernte - die Familie, die Verwandten, die Nachbarn. Und trotz sengender Hitze haben die Chuzischwilis und ihre Freunde Spaß bei der Weinlese.

(Deutschland, 2008, 26mn)
ZDF

Erstausstrahlungstermin: Sa, 12. Jun 2010, 17:48

source: videos.arte.tv