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Tuesday, April 21, 2015

WEIN: Edle Biotropfen aus dem Kaukasus & Geschichtsträchtiger Weinbau. Von Harald Stoffels (taz.de)

Photo von Ralph Hälbig, Weinernte in Gavazi

(taz.de) Wein gehört in Georgien seit Jahrtausenden zur Kultur. Die sieben Winzer von "Vino Underground" setzen auf Tradition und Bio

„Alle Geschichten georgischer Männer beginnen mit dem Großvater“, sagt Alex Baduashvili, ein ernst blickender, hagerer junger Mann. Dann lockert ein Lächeln die scharf geschnittenen Gesichtszüge auf: „Mein Großvater hatte seinen eigenen Weinberg. Ich war fünf oder sechs Jahre alt, als er mir das erste Glas Wein zu trinken gab. Das war ein prägendes Erlebnis für mich.“

Der 24-jährige Georgier arbeitet als Sommelier und Vinologe im renommierten Weingut Château Mukhrani nordwestlich von Tiflis. Doch Alex’ Erinnerung an den Großvater ist viel mehr als eine sentimental-liebenswerte Erklärung für seine Berufswahl.

Wer sich in Georgien beim Thema Wein auf den Großvater beruft, erinnert an eine Zeit, als noch fast jede Familie selbst Wein produzierte – die Zeit vor den Sowjets. Wobei man wissen muss, dass der Weinbau in Georgien seit Jahrtausenden zu den Grundfesten der Kultur zählt.

Alex Baduashvili: "Georgien wurde in seiner Geschichte von vielen Mächten unterworfen und beherrscht. Nur der Weinbau und die Tradition der Gastfreundschaft haben es am Leben erhalten. Die Entscheidung, den Umgang mit Wein zum Beruf zu machen, am besten zusammen mit der Familie oder mit Freunden Wein anzubauen, ist in Georgien auch immer eine politische Entscheidung – für unsere authentische Kultur."

Wein als Teil der kulturellen Identität

Alex traf diese Entscheidung, als im Kaukasuskrieg 2008 die georgische Stadt Gori von den Russen bombardiert wurde. „Plötzlich waren der Hass und die Angst vor den alten Besatzern und den furchtbaren 90er Jahren nach dem Ende der Sowjetunion wieder da. Ich war Teil einer Gruppe junger Leute, die dagegen aktiv werden und eine wichtige Rolle in der georgischen Gesellschaft spielen wollten.“

Der Weinbau als Mittel der Rückbesinnung auf die besondere kulturelle Identität ist in Georgien überall präsent. Ausgrabungen deuten auf eine rund 8.000-jährige Geschichte der Kultivierung von Weinreben hin.

Neuanfang zur Jahrtausendwende

Bis zur Oktoberrevolution war Georgien auch für die hohe Qualität seiner Weine berühmt. Doch nach der Zwangsintegration des Landes in die UdSSR wurden die legendären Weinkeller der großen Güter zerstört und an deren Stelle Fabriken für schlichte Süßweine und Billigsekte errichtet, um schnell und einfach für den Massengeschmack in den Sowjetrepubliken produzieren zu können. Erst Anfang der 2000er Jahre begann der Wiederaufbau.

Den Anfang machte die heute 160 Hektar große "Corporation Kindzmarauli" aus dem größten georgischen Anbaugebiet Kachetien. Doch mit der Wiederbepflanzung geschichtsträchtiger Lagen und moderner, qualitätsorientierter Produktion ist es für die neue kulturelle Avantgarde Georgiens nicht getan. Deren Forderung nach "authentischen Anbaumethoden" formuliert eine Gruppe von sieben jungen bis mittelalten Winzern namens "Vino Underground", die im Zentrum von Tiflis kooperativ ein gleichnamiges Weinlokal betreibt.

Alle sieben Winzer haben sich einer Art "Superbio"-Auffassung von Weinbau verschrieben, die sämtliche europäischen Bioweinbauregeln befolgt, aber zusätzlich radikalisiert. Die meisten Mitglieder von Vino Underground sind Intellektuelle, die für die Weinkultur akademische Berufe aufgaben. Malkhaz Jachelli (56) war Informatiker, Ramaz Nekoladze (40) Ingenieur, Soliko Tsaishvili (53) Literaturwissenschaftler an der Universität Tiflis, bevor er über den Kontakt zur italienischen Slow-Food-Bewegung zum professionellen Weinbau fand.

Naturwein auch für den Export

Die Gruppe wirbt für "Naturwein", wie er vor der Sowjetzeit in sogenannten Quevris hergestellt wurde: Tongefäßen von maximal 3.000 Liter Inhalt, die bis an ihre kreisrunde Öffnung in der Erde eingegraben werden. In den Quevris reifen viele Weine zum Teil jahrelang, genauso, wie es schon in der Antike üblich war. So kommen oft kräftige, taninorientierte Rotweine mit zum Teil ungewöhnlichen Aromen zustande oder naturtrübe, säurearme Weißweine mit floralen Bouquets und rotweinartigem Körper – wie sie außer in Georgien sonst nirgendwo entstehen.

Verkauft werden die traditionell hergestellten Weine, die als besonders reich an antioxidativen Stoffen gelten, außer in einheimischen Lokalen vor allem in Japan, Norwegen, Italien und Kanada – und in hippen Szenetreffs westlicher Metropolen.

"Überall, wo sich ökologisches Bewusstsein mit hohem Einkommen trifft, entsteht eine Szene für Naturwein", freut sich Vino-Underground-Vorzeigewinzer John Wurdeman (39). Der deutschstämmige Maler, in New Mexiko geboren, ist mit einer georgischen Musikerin verheiratet und führt seit 2006 in dem idyllisch gelegenen ostgeorgischen Ort Sighnaghi unter dem Namen Pheasant’s Tears ein Weingut mit Restaurant und Musikschule.

Unterstützung von Frauen

Weinfachfrau Dariko Gogol unterstützt die engagierte Gruppe. Die in Deutschland ausgebildete frühere Politologin verweist auf die Bedeutung der Frauen, vor allem auch in materieller Hinsicht: "Malkhaz Jachellis Ehefrau ist Küchenchefin in einem Restaurant in New York, Solikos Frau Kunstprofessorin in Tiflis und die Ehefrau eines anderen Kollegen klinische Psychologin. Ohne deren Unterstützung gäbe es das alles nicht." In der Deutschen Marita Riedel unterstützt eine weitere Frau Vino Underground & Co finanziell. Die Programmdirektorin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Südkaukasus glaubt an den Sinn der Aus- und Weiterbildung junger Fachleute wie Alex Baduashvili.

Mitentscheidend für die Zukunft der traditionellen Weinbaukultur in Georgien mag eine dritte Frau sein: Alice Feiring aus New York. Die Weinkritikerin unter anderem der New York Times und des Wirtschaftsmagazins Forbes nominierte georgischen Wein als einen "der neun besten Weine und Spirituosen, die man 2015 versuchen muss." Ausdrücklich genannt wurden Weine von John Wurdeman.

+++ Der Autor Harald Stoffels hat ein eigenes Weingut und kreierte auch schon seinen eigenen Orangenen Wein: weingut-stoffels.de/weingut  +++










Friday, November 15, 2013

WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG: Georgien: Seminar im September (geschaeftsideen-fuer-entwicklung.de)

Seminarteilnehmer(geschaeftsideen-fuer-entwicklung.de) Am 13. und 14. September 2013 kamen 14 Georgierinnen und Georgier zu einem Seminar nach Frankfurt. Sie alle haben das selbe Ziel: in Georgien ein eigenes Unternehmen gründen. Gründungsberater und zwei Experten aus Georgien brachten sie ihrem Ziel an diesen zwei Tagen ein Stück näher.

Wo gibt es derzeit die größten Marktpotenziale für Gründungsinteressierte in Georgien? Kakha Kokhreidze hatte darauf eine klare Antwort: „Überall.“ Der Präsident der „Georgian Small and Medium Enterprises Association“ mit Sitz in Tiflis berichtete von einer aktuell sehr großen Nachfrage nach guten Geschäftsideen in sehr unterschiedlichen Sektoren, wie etwa Tourismus, Lebensmittelproduktion, Handel, Dienstleistungen oder Landwirtschaft. Er behauptete gar, selbst das Frankfurter Nationalgetränk Äppelwoi (Apfelwein) habe sehr gute Marktchancen in Georgien.

Seit dem Regierungswechsel hat sich das Gründungsklima in Georgien in der Tat stark verbessert. Dennoch gibt es dort auch viele Stolpersteine auf dem Weg zum eigenen Unternehmen. Welche Stolpersteine das sind und wie sich diese aus dem Weg räumen lassen, darum ging es bei dem zweitägigen Seminar in Frankfurt. Konkret ging es um Fragen wie: Welche Markteintrittsbarrieren gibt es in Georgien und wie lassen sie sich überwinden? Welche Finanzierungsmöglichkeiten existieren? Und wie entwickle ich ein gutes und marktreifes Konzept?

Nikoloz Gavtadze hat das alles schon hinter sich. Er hat den Schritt von Deutschland nach Georgien und in die Selbstständigkeit bereits gewagt. In Georgien führt er heute den landwirtschaftlichen Betrieb „INAGRO Ltd.“. Gavtadze ist für das zweitägige Seminar eigens nach Frankfurt gekommen, um seine Erfahrungen als Rückkehrer und Unternehmensgründer an jene, die es ihm gleichtun wollen, weiterzugeben. Er sprach zum Beispiel von dem langen Atem, den man haben sollte, von seiner 60-Stunden-Woche und auch von den Schwierigkeiten, Finanzierungsmöglichkeiten aufzutun oder gutes und zuverlässiges Personal zu finden. Er sagte: „Ich habe zwar in Deutschland Landwirtschaft studiert, aber ich wusste nicht, wie man ein eigenes Unternehmen aufzieht und führt. Sicher hätte ich einige Fehler vermeiden können, wenn mich damals jemand beraten hätte oder ich ein Seminar wie dieses hätte besuchen können.“ Denn erst im Laufe der Zeit hat Gavtadze gemerkt, dass es eben nicht nur darum ging, Gemüse anzubauen. „Hätte ich gleich auf den Einsatz geeigneter Landmaschinen gesetzt und auf eine integrierte Bewässerungstechnik, hätte ich von Anfang an viel höhere Ernten erzielen können“, so der Landwirt, der heute in Georgien rund zehn Hektar Land bewirtschaftet. Sein Saatgut und seinen Dünger bezieht er von einem Lieferanten aus Deutschland.

Trotz oder aufgrund der vielen Informationen an den beiden Tagen hatten viele Seminarteilnehmer am Ende der zwei Tage mehr Klarheit. „Ich weiß jetzt, was mich erwartet und wie ich meine eigenen Ideen auf umsetzbare Ziele herunterbrechen kann“ war ein Feedback. „Ich habe hier einen klaren Fahrplan an die Hand bekommen“ ein anderes.

Die Geschäftsideen der Teilnehmer bei diesem Seminar kamen aus folgenden Bereichen:

Landwirtschaft – Bildungseinrichtung für das Handwerk – Textilhandel (Franchise) – Cafeteria für Studenten – Bioweinhandel – Tourismusprojekt (Camping) – Sport (Trainingscamp)

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15./16. November 2013 in Frankfurt am Main

Einstiegsseminar für georgische Unternehmensgründer

In dem zweitägigen Seminar erfahren Sie alles, was Sie über eine Unternehmensgründung in Georgien und sich selbst als Unternehmer wissen müssen. Sie treffen andere Gründungsinteressierte mit ähnlichen oder auch ganz anderen Geschäftsideen. Vor allem stellen Sie sich aber folgende Fragen:
  • Unternehmer-Check: Bin ich als Unternehmer geeignet?
  • Welche Chancen und Risiken muss ich beachten?
  • Welche aktuellen Geschäftspotenziale und Entwicklungen gibt es in Georgien?
  • Was sind die größten Herausforderungen in Georgien?
  • Was ist für mich der richtige Standort: Deutschland oder Georgien – oder vielleicht auch Deutschland und Georgien?
  • Ist meine Idee finanzierbar? Wie muss eine solide Finanzplanung aussehen?
  • Wozu brauche ich einen Businessplan und wie sollte dieser aussehen, damit er auch andere überzeugt?
  • Wie komme ich an wichtige Marktinformationen in Georgien und wie kann ich meine Marktexploration gut vorbereiten?
  • Wie komme ich an wichtige Kontakte im Georgien, etwa zu möglichen Geschäftspartnern oder Banken?
Zwei Experten aus Georgien beantworten an diesen beiden Seminartagen Ihre individuellen Fragen: der Präsident der „Georgian Small and Medium Enterprises Association“ (GSMEA) und ein erfolgreicher georgischer Unternehmer, der ebenfalls den Schritt von Deutschland nach Georgien und vom Angestellten zum Unternehmer gegangen ist.

Monday, August 26, 2013

REZENSION: Songs of D. and O. Christiane Rösingers Reisebericht aus Baku leidet an Dünkel und Oberflächlichkeit. Von Thomas Melzer

In ihrem Reisebericht “Berlin – Baku” (S. Fischer-Verlag 2013) bekennt sich die Berliner Liedermacherin Christiane Rösinger zur „Durchfahrtsessayistik“: Gerade der flüchtige Blick des Vorbeifahrenden erfasse die wesentlichen Eigenschaften einer Stadt oder Landschaft. Der „Aufenthaltsessayist“ dagegen, hält sie dem Leiter des Goethe-Institutes in Georgien, Stefan Wackwitz, vor, habe „den abgestumpften Alltagsblick, wundert sich über nichts mehr und kann das Besondere eines Ortes bald nicht mehr erkennen.“

Der Essayistenstreit lässt sich mit der Veröffentlichung von „Berlin – Baku“ als erledigt betrachten. Rösinger hat sich – im Frühjahr 2012, anlässlich des Eurovision Song Contest - in einem VW-Bus auf den Weg nach Aserbaidschan gemacht und reflektiert ihre Wahrnehmungen nun via Rückspiegel. Mehr als Oberfläche wird so naturgemäß nicht sichtbar. Wo das Durchfahrtstempo Lücken in der Wahrnehmung ließ, füllt Rösinger diese im Nachhinein per Google oder Gossip. „Jeden Tag werden sämtliche Zufahrtsstraßen ins (Bakuer) Zentrum ein paar Stunden lang gesperrt, immer wenn sich Staatskarossen oder wichtige Delegationen durch die Stadt bewegen,... Ein normaler Weg von der Innenstadt in einen Nachbarbezirk kann da schon vier oder fünf Stunden dauern.“ 

Unbestritten hat Baku ein Verkehrsproblem, die absurde Übertreibung und Verallgemeinerung schon im Banalen aber steht beispielhaft für Rösingers Attitüde im Ganzen: Man hat sie vor Aserbaidschan gewarnt, schreibt sie, und sie selbst bleibt Zeit ihres Besuches fest entschlossen, sich dort nicht zu wundern, sondern das Land quasi mit dem Hintern anzusehen. „Hier müssen wir also ganze vier Tage lang bleiben. ... Was soll man mit diesem Baku anfangen?“

Das künstlerische Schaffen Rösingers, deren Album „Songs of L. and Hate“ (2010) ihr verbreitet den Ruf eintrug, eine der besten deutschen Liedermacherinnen zu sein, lebt von der misanthropischen Perspektive auf „die allgemeine Sinnlosigkeit der Existenz“, ihr Reisebericht darbt daran. Darüber ließe sich hinwegsehen, stände Rösinger mit ihrer unerschütterlich selbstgewissen und -gerechten Art der Weltanschauung allein und nichts weniger als der europäischen Integration im Wege. Es ist genau jene westliche Dünkelhaftigkeit, die sich als Grundton durch die Aserbaidschan-Kapitel des Buches zieht, welche die von Rösinger beschriebene vielfältige Überkompensation der Aserbaidschaner erst schürt: Nehmt uns wahr und nehmt uns ernst – und sei es mit dem höchsten Haus der Welt! Schon Kurban Said warf in seinem Kaukasus-Schlüsselroman „Ali und Nino“ vor 100 Jahren die Zukunftsfrage auf, ob Baku künftig zum „rückständigen Asien oder zum modernen Europa“ gehören werde. Für Rösinger, die in ihrem Buch auswalzt, wie sie in einem aserbaidschanischen Straßenrestaurant vor Baku keine mitteleuropäische Bedienung antrifft und inmitten der „Servicewüste“ sogleich die „Dorfdeppen von Samaxi“ vermutet, scheint die Frage beantwortet: finsterstes Asien.

Das Buch strotzt vor tendenziösen Fehlinformationen, oft dargeboten in einem verräterisch süffisanten Sound: Die Flame Towers (das neue Wahrzeichen der Stadt) seien „abrutschende Neubauten“ und nicht bewohnbar. (Wahr ist: Soeben eröffnete hier das teure „Fairmont“-Hotel.) Die neuen Taxis seien eigens für den ESC aus London eingeflogen. (Sie wurden in China produziert und wurden auch nach dem ESC noch zu hunderten eingeführt.) Journalisten, die über den Nagorny-Karabach-Konflikt berichten, würden zusammengeschlagen. (Der Journalist Chingiz Mustafayev, der die Gräuel des Karabach-Krieges filmte, ist seitdem in Aserbaidschan Nationalheld.) Erstaunlicherweise unternimmt die Reiseautorin nicht einmal den Versuch, ihre Wahrnehmungen in den Zusammenhang mit dem großen nationalen Trauma zu bringen, den die Aserbaidschaner mit dem Verlust eines Fünftels ihres Territoriums und der Entwurzelung von einer Million Menschen infolge des Karabach-Krieges vor nur 20 Jahren erlitten.

Fürwahr, es gibt in Aserbaidschan viel zu kritisieren. Wer dies jedoch demagogisch tut, wer meint, aus vier Tagen Aufenthalt das Land kennen und bewerten zu können, ist in seiner leichten Widerlegbarkeit keine Stütze für die demokratischen Kräfte in Aserbaidschan. Natürlich ist z.B. zu beklagen, dass die politische Opposition im Zentrum von Baku nicht demonstrieren darf. Tatsache ist auch die Auflösung ungenehmigter Demonstrationen durch die Polizei (die übrigens von deutschen Polizisten im „Crowd Management“ trainiert wird). Warum aber benutzt Rösinger in diesem Zusammenhang das Wort „zusammengeknüppelt“ – wo stand sie, dass sie sah, was der Verfasser aus mehrfacher eigener Anschauung nicht bestätigen kann?

„Und wie sollen die Leute hier etwas davon mitkriegen, wenn es keine Presse ... gibt?“ Blödsinn! Regierungsferne Presse hat es tatsächlich nicht leicht in Aserbaidschan. Warum aber verschweigt Rösinger dem arg- und ahnungslosen deutschen Leser, dass „Musavat“, die Zeitung einer Oppositionspartei, die auflagenstärkste Zeitung Aserbaidschans ist?

Rösinger verhält sich nicht anders als etliche deutsche Journalisten, die zum ESC nach Baku kamen, aus dem Flugzeug stiegen und eigentlich über das Land schon alles wussten. Das, was sie dann zum Besten gaben, war oft tendenziöser, einseitiger, unredlicher Journalismus. Bei dem Autor, der seit 2011 in Baku lebt und eine halbe DDR-Biografie hat, löst das einen schmerzhaften Reflex aus, den er schon an sich kennt: eine Gesellschaft über alle kritischen Vorbehalte hinweg gegen Demagogen oder ahnungslose Besserwisser in Schutz zu nehmen.

Einen Trost bietet die Lektüre des Rösinger-Buches immerhin dann, wenn die Autorin unfreiwillig komisch wird. Wiederholt habe ihre von „Gendermarkierungen“ freie Erscheinung dafür gesorgt, schreibt Rösinger, dass sie und die sie begleitende „Frau Fierke“ im Südkaukasus für Männer gehalten wurden. Dann aber sitzen sie abends im Hotel am offenen Fenster, rauchen und trinken Dosenbier. Von unten winken ein paar Jungs. „Für was die uns wohl halten? ... Sexarbeiterinnen, die sich wie in Amsterdam in Schaufenster setzen?“ So fern für Bakuer Jungs das Amsterdamer Rotlichtviertel ist, so fremd ist Baku Christiane Rösinger. Ahnungslosigkeit und Hybris gehen bei ihr Hand in Hand und miteinander durch. Würde Rösinger ihre eigenen Songs ernst nehmen, hätte sie ihr Buch nicht oder nicht so geschrieben: Du hast Dir Deinen Reim / und Dein Bild gemacht / dann kommt die Wirklichkeit / und sagt „falsch gedacht“ („Desillusion“ aus „Songs of L. and Hate“).

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Thursday, January 17, 2013

FOOD & WINE: Georgian wine companies to attend Green Week in Berlin (news.hvino.com)

(news.hvino.com) 17.01.2013 (Hvino News). With support of the Ministry of Agriculture of Georgia and German Development Cooperation (GIZ) several Georgian wine companies will be presented at International Green Week in Berlin on 18-27 January. Kindzmarauli, Tibaneli, Badagoni, Chateau Mukhrani, Mildiani, Schuchmann Wines, GWS will attend the Berlin trade show.

Georgian delegation will be headed by David Kirvalidze, Minister of Agriculture of Georgia, and includes Levan Davitashvili, head of National Wine Agency. On 19th of January the Ministerial Summit in Berlin will be held.

Established in 1926, International Green Week (IGW) is taking place for the 78th time in 2013. The IGW is a one-of-a-kind international exhibition for the food, agricultural and horticultural industries.  IGW is also the point of origin for the Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) with more than 60 departmental ministers.

© Hvino News

Monday, December 17, 2012

SOUTCAUCASUS: Where does Europe End? By David Rinnert (hertie-school.org)

(hertie-school.org) More than twenty years after the Soviet Union’s disintegration, uncertainty about a border between Europe and Asia prevails. While in the North, West, and South of Europe, geographical demarcations at least simplify the discourse there is no consensus on an Eastern ‘end’ to Europe. The Urals are often viewed as a natural demarcation between Europe and Asia; however, this border is nothing more than a political and cultural construct. The following article aims to shed light on the relevance of a Eurasian continental border and thus on the question where Europe (not the EU) ends. Examining the historical developments and determinants of this border and looking at viewpoints from the South Caucasus, a region allegedly located outside of Europe, existing wisdom will be questioned.

The Borders between Europe and Asia

Despite statements in many schoolbooks to the contrary, no official geographical border between Europe and Asia exists. In terms of plate tectonics, Eurasia is one continent. But then what is ‘Europe’ and why do most of us have an opinion on its geographical scope? According to Greek mythology “Europa” was a daughter of Zeus whose name was used to describe the area of Northern Greece around 500 BC. In its modern sense, Europe was first mapped as a single entity during the 8th century; however, meanings and understandings of the term have differed widely ever since.

As Bernhard-Henri Lévy puts it, Europe has developed more as an idea than as an area. But can an idea of a collective identity flourish without physical demarcation? Most scholars researching in the field of identity agree that any construction of a unit is not possible without demarcation of something different or exterior (Krause, 2008). Construction of identity thus always means construction of alterity.

After the Thirty Years’ War in 1648 the understanding of sovereign nation states took root, which in turn resulted in a sharp increase in the usage of maps. Consequently, questions of physical demarcations and specific borders gained importance in this era, especially because they represented a new legitimation of power. As the number of alliances and treaties amongst states rose, the question of ‘Europe’s end’ also arose. Rulers began to define geographical endpoints of a European continent to divide ‘good’ from ‘evil’. For instance, in the early 16th century the French minister Sully considered “Russia as a barbarous country…in the same class with Turkey”, categorising both as non-European (Jacobs, 2012).

While many geographers came up with ideas for a Eurasian border, there was no consensus until the 1720s. At that time, Swedish officer Johann Philipp von Strahlenberg, backed by the powerful Russian tsar, proposed a continental border that has formed the basis for the understanding of Europe’s scope until today. Following the Urals, trahlenberg’s demarcation goes along the Volga and Don rivers until the Black Sea. Although intended for academics, the broader acceptance of Strahlenberg’s proposed border was namely political: the Russian tsar Peter II wanted to present his empire as European as possible, especially because the term ‘Europe’ was increasingly understood as a synonym for progress. He thus welcomed Strahlenberg’s proposition, which included a relatively large part of Russia in Europe.

Despite statements in many schoolbooks to the contrary, no official geographical border between Europeand Asia exists.

This demarcation was accepted by a majority of academics and politicians in the following two centuries while at the same time, generally the division of the world into continents became an ever more important concept in Europe. The formalisation of a continental system in the 19th century and the naturalisation of continental categories were regarded not as political constructs, but as “real geographical entities that had been ‘discovered’ through empirical inquiry” (Lewis and Wigen 1997). Western geographers such as the German Carl Ritter used the concept to show that "each continent is like itself alone…each one was so planned and formed as to have its own special function in the progress of human culture" (ibid). From today’s point of view, however, it is evident that such theories of the 19th and early 20th century were mostly used to underline European superiority in the international arena.

While from 1945 on the Iron Curtain separated Europe (as Strahlenberg defined it), politicians still held on to the previous consensus on the continental order. Only after the Cold War the ambiguity of the Eurasian border concept became apparent: with an increasingly important European Union and a new order in the post-Soviet space, politicians and academics alike were confronted with the question of Europe’s eastern ‘end’ once again. Geopolitical events—such as Turkey’s pending application for EU membership, the EU’s Neighbourhood Policy within and outside ‘Strahlenberg’s Europe’ and the emphasis of countries such as Georgia on their European roots and identity—all the more blur the existing wisdom on what is Europe.

Due to this growing uncertainty, especially within Europe, a look beyond the previously accepted border can help to cast light on the question of this continent’s ‘end’ in the east. There is no region that would be better suited for this purpose than the South Caucasus where questions about belonging to Europe or Asia have been prominent in public discourse for centuries.

Viewpoints from the South Caucasus

“Some scholars look on the area south of the Caucasian mountains as belonging to Asia, while others, in view of Transcaucasia’s cultural evolution, believe that this country should be considered part of Europe. It can therefore be said, my children, that it is partly your responsibility as to whether our [Baku] should belong to progressive Europe or to reactionary Asia”.

This passage from the Caucasus’ most famous novel “Ali & Nino”, published in 1937, shows how much the region is torn between Europe and Asia. The eventful history of the South Caucasus has certainly left its mark on the identity of Armenia, Azerbaijan and Georgia as those countries were exposed to different political and cultural forces to a much greater extent than other ‘bordering’ nations of Europe. While in the 18th and 19th century, Persia, the Osman Empire and the Russian Tsardom fought over power in this region, in 1921 the Soviet Union won control over it—against the will of the local population that partly kept up resistance during the 20th century. Thus, the USSR’s disintegration in 1991 resulted in a geopolitical and cultural reorientation of the three nations in different directions.

Since the Rose Revolution in 2003, Georgia in particular has increasingly presented itself as a country with European roots often referring to its history as one of the oldest Christian nations in the world. In his inauguration speech, President Saakashvili stated, "[the European] flag is Georgia’s flag as well, as far as it embodies our civilization, our culture, the essence of our history and perspective, and our vision for the future of Georgia…Our steady course is toward European integration” (Saakashvili, 2004). But how are such political statements also reflected by the opinion of the broader public?

While in representative surveys a majority of Georgians answer that they see themselves as Europeans and 40 percent of Armenians and a majority of Azerbaijanis remain sceptical of the EU, it is interesting to look behind these numbers. As part of a research with the “Studienkolleg zu Berlin” fellowship program, my project group recently interviewed 37 Georgians and Azerbaijanis about their viewpoints on Europe’s Eastern ‘end’. Furthermore, each interviewee was asked to draw the boarder between Europe and Asia according to her opinion, wherein two themes became apparent.

First, opinions on the location of a Eurasian border differ strongly between people across generations and employment. Second, perceived determinants of this demarcation vary even more greatly. Although religious factors are decisive for some, others define the European continent based on economic and political factors or the style of their respective traditional music as a reason for the demarcation of Europe. Abstract discussions on the scope of Europe become tangible through such individual perceptions, which in turn also reveal the difficulty of formulating coherent narratives on the continent’s demarcation.

The Non-existence of Europe’s end

Is there an ‘end’ of Europe in the east? In general, some kind of demarcation remains necessary for anything that is understood to be a connected unit since the construction of an ‘I’ or a ‘we’ is not possible without a certain separation from the outside. At the European level, identity formation follows the same principles. Considering, however, the diversity of perceived individual demarcations, one can conclude that the simplified Western discourse about one continental border as Strahlenberg defined it is no longer appropriate.

Although religious factors are decisive for some, others define the European continent based on economic and political factors or the style of their respective traditional music as a reason for the demarcation of Europe.

While the EU must set borders according to precisely defined criteria, the scope of Europe as a ‘continent’ (understood as a cultural area and/or value system) is determined by the perceived relevance of defining factors such as historical, cultural or political events, which differ widely from person to person.

Therefore, the question of how far Europe reaches can and must be answered for the clearly defined institution of the EU, but not for the undefined, overarching continent, especially as the meaning of the word continent in this context may never be agreed on. Coming back to Bernhard-Henri Lévy’s argument mentioned above, it seems likely that aside from the EU, Europe will continue to develop more as an idea than as an area. Politicians and economists alike should take this into account when making use of terms such as ‘neighbourhood’ or when referring to the ‘naturalness’ of a European continent in their decisions.

The advantages of a more flexible continental concept are manifold. Firstly, it would reduce the fear of proEuropean ‘bordering’ countries (such as Georgia) of being excluded. Secondly, it could—to a certain extent- separate the political from the cultural and historical discussions about Europe’s scope at the EU level, thereby taking pressure from EU decision-makers at a time when further enlargements are becoming more and more unlikely. Finally, such a flexible continental concept would allow for a less close-minded discourse on the integration of cultural diversity into ‘our’ value sphere.

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Jacobs, F. (2012). ‘Where is Europe?’, New York Times, 09 January, opinionator.blogs.nytimes.com (accessed 07 July 2012).

Krause, J. (2008). Die Konstruktion der Grenzen Europas: Das staatliche Territorialitätsprinzip und seine Extrapolation auf die supranationale Ebene. Leipzig: Universität Leipzig.

Lewis, M. and Wigen, K. (1997). The Myth of Continents. A Critique of Metageography. Berkeley: University of California Press.

Saakashvili, M. (2004). Presidential Inaugural Address in Tbilisi, 25 January 2004.

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This article is based on the results of a “Studienkolleg zu Berlin” (Berlin Studies Centre) project. For more information on the fellowship programm of the Studienkolleg see www.studienkolleg-zu-berlin.de

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David Rinnert is a MPP candidate at the Hertie School and has previously studied Social Sciences and Philosophy at the Humboldt-Universität zu Berlin, SciencesPo Paris, and the City University of New York. Currently, he works as a Young Professional at the GIZ in Moldova. Besides, he researches and publishes on the transformations of post-Soviet states.

Friday, December 14, 2012

DOKFILM: „Mugham-Jazz aus Aserbaidschan“. Ein Dokumentarfilm von Klaus Bernhardt

Persönliche Betrachtungen von Thomas Melzer (Baku)

„Sari gelin. Mugham-Jazz aus Aserbaidschan“, den aktuellen Dokumentarfilm des deutschen Produzenten Klaus Bernhardt („das apartment“), muss man sich wie eine klingende Ansichtskarte vorstellen. Von ortskundigen Guides geführt, trifft Bernhardt sich in Baku mit zahlreichen Musikern, die jene freie Spielart der hier verwurzelten Musik praktizieren, in deren traditioneller Urform bereits notierte neben improvisierten Passagen stehen. Das Genre bleibt für fremde Ohren von Natur aus eher sperrig, anders etwa als der karibische Son, der 1999 durch Wim Wenders‘ Dokumentation „Bueno Vista Social Club“ ein weltweites Revival erfuhr. So scheint zweifelhaft, ob die Rechnung des Kulturdepartements im aserbaidschanischen Ministerium für Kultur und Tourismus, das den Film mitfinanziert hat, aufgehen wird, zur Popularisierung des weithin unbekannten Mugham-Jazz‘ außerhalb der Landesgrenzen beigetragen zu haben. In den Tourismusabteilungen desselben Hauses aber dürfte man sich freuen. Bernhardts Film besticht durch schöne Bilder, Postkartenmotive des alten und neuen Baku, meist nicht laufend, sondern in einer Art Diaschau aneinandergeschnitten. Das allerdings ist das erste Problem des Films.

So eindrucksvoll die neuen Flammentürme sind, deren Silhuette seit einigen Jahren die Skyline der Stadt dominiert – als Sinnbild für ein Lodern des im Orient wurzelnden Mugham-Jazz‘ taugen sie nicht. Im Gegenteil. Die moderne Architektur der Stadt spiegelt eine oft geschichtsvergessene Hinwendung zum Lebensstil des Westens. „Es hängt von Ihrem Verhalten ab, meine Kinder, ob unsere Stadt zum fortschrittlichen Europa oder zum rückständigen Asien gehören soll“, lässt Kurban Said in seinem Roman „Ali und Nino“ im Jahre 1917 den Rektor des kaiserlich russischen humanistischen Gymnasiums zu Baku sagen. Die Nachgeborenen haben sich klar entschieden. Der Kristallpalast, Veranstaltungsort des Eurovision Song Contests 2012, ist Form gewordener Pop. Unter der glänzenden Oberfläche der Stadt ist Mugham-Kultur kaum zu finden, obwohl immerhin eines der gelungensten neuen Gebäude, zudem in bester Boulevardlage, dem Mugham als „Centre“ gewidmet wurde. Bernhardt hätte sich einmal dessen Spielplan zeigen lassen sollen – er wäre ernüchtert gewesen. So wie wir, als wir vor zwei Jahren in jener Stadt eintrafen, der der Ruf der (post)sowjetischen Jazzhauptstadt noch immer vorauseilte. Die „verrauchten kleinen Jazzkeller, in denen die Musiker wie vereinsamte Gnome saßen und an ihren vertrackten Beats und Harmonien werkelten“, die der Journalist Ingo Petz in seinem 2008 erschienenen Buch „Kuckucksuhren in Baku“ noch beschrieb, fanden wir schon nicht mehr vor. Den „Karavan Jazz-Klub“, Lieblingsclub der Verfasser des Standard-Reiseführers Aserbaidschan (Trescher Verlag), habe ich – mit der aktuellen Ausgabe in der Hand – lange vergeblich versucht.

Dem Bakuwinischen Jazz droht akut der freie Fall in die Bedeutungslosigkeit, worüber nur auf den ersten Blick hinwegtäuschen kann, dass er im „Jazz Center“ noch immer eine stattliche Bühne exklusiv bespielt. Dort drehte auch Bernhardt. Hat er nicht bemerkt, dass hier hochklassige Musik oft gegen den kumulierten Gesprächssound einer zeigefreudigen Schickeria ankämpfen muss, deren Smartphones mehr Beachtung finden als das Geschehen auf der Rampe? Schon Petz hatte sich gewundert, dass da ein Pianist „spielte, als ginge es um sein Leben – aber niemand, niemand da draußen hörte dem armen Hund zu.“ Im Film wirkt die Bakuer Jazzwelt in schönster Ordnung. Wenige Wochen vor seiner Uraufführung im Nizami-Kino, Ende Oktober, ging das jährliche Jazzfestival zu Ende. Am fettesten gedruckt auf den Festivalplakaten war der Bandname „Kool and the Gang“. Mehr muss man über Jazz in Baku im Jahr 2012 nicht wissen.

Interessant ist, dass vorstehender Befund nur für den Mugham-Jazz gilt, nicht aber für die traditionelle Mugham-Musik. Sie wird in Aserbaidschan unverändert gespielt und geliebt. In aserbaidschanische Behörden-Kantinen kann man beobachten, wie in den allgegenwärtigen Fernsehgeräten vier traditionell gekleidete Männer auf Ud, Sass, Tar und Nagara musizieren – während zehn Männer vor dem Bildschirm das Ende ihrer Mittagspause vergessen. Selbst in der Grenzüberschreitung zur Moderne setzen die Programmgestalter auf die Legitimation der traditionellen Musik bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber dem Jazz. Zu der Reihe Bizimkiler des Fernsehsenders ANS wurde nicht ein einziger Jazzmusiker eingeladen, westliche Hits wie Michael Jacksons „They don’t care about us“ oder Deep Purples „Smoke on the water“ mit den Stilmitteln des Mugham zu interpretieren, sondern durchweg Vertreter der klassischen Fraktion. Und ausgerechnet auf der Fanmeile des Eurovision Song Contests tanzten junge Burschen im Mai dieses Jahres zu traditionellen Mughamklängen aus ihren Mobiltelefonen gocklige Tänze.

Wann und warum aber ist der Jazz abgehängt worden? Der Film verhält sich längst wie ein Besucher, der seine Gastgeber ins Herz geschlossen hat und ihnen deshalb kritische Fragen erspart. Oder ließ das Budget einen längeren Aufenthalt des Filmteams in Aserbaidschan nicht zu, der einen tieferen Blick und derartige Fragen erst ermöglich hätte?

Was die Dokumentation sympathisch macht, ist ihr loyales Bekenntnis zu der missionierten Musik. Dieser wird Zeit gegeben, in mehr als populistisch leichtverdaulichen Häppchen. So kann man den aserbaidschanischen Starpianisten Isfar Sarabski am Klavier so vergrübelt und beseelt erleben, wie man ihn auf der Bühne – dort zunehmend der Hochgeschwindigkeit verpflichtet – lange nicht sah. Professor Farhad Badalbayli, Rektor der Musikakademie Baku, erklärt anschaulich, dass im Mugham-Jazz die Entwicklung eines Themas schon mal 40 Minuten dauern kann. Dass der Film hier an die Grenze stößt, seinen Gegenstand wirklich nacherlebbar zu machen, ist ihm nicht vorzuwerfen.

Aber doch dieses: Warum wirkt er häufig so steril? Da musizieren Alim Gasimovund seine Familie im Innenhof ihres Hauses auf einem Teppich, das Filmbild wird wunderbar gerahmt durch die vom typischen Bakuer Wind immer wieder vor das Objektiv geschobenen Zweige – doch die Ohren vernehmen nichts davon, keine natürliche Atmosphäre. Und gern hätte man von den Gastgebern mehr erfahren über ihr Leben in und mit der Mugham-Musik, über ihren sozialen Stand als Musiker in Aserbaidschan. Sollte da beim Schnitt im Zweifel die Entscheidung zugunsten längerer Klangbeispiele gefallen sein, wäre dies nicht zu beanstanden. Frevel allerdings bleibt die banale Darstellung von Rain Sultanov, einem der wohl berühmtesten lebenden Jazzmusiker Aserbaidschans – und außerordentlich intelligenten (auch des Deutschen mächtigen) Gesprächspartners zudem. Er ist der verbliebene Aktivist des aserbaidschanischen Jazz‘. Neben seinen zahlreichen CD-Aufnahmen und regelmäßigen Konzerten – in Baku häufig in Gruppierungen mit seinen ebenfalls Jazz spielenden drei Brüdern - gibt er mit seiner Frau halbjährlich ein Jazzmagazin heraus, veröffentlichte CD-Anthologien, organisierte ein aserbaidschanisch-deutsches Jazzfestival und verkörpert die Legende vom „Jazzland Aserbaidschan“ auf internationalen Messen, u.a. der Jazzahead! in Bremen. Was hätte er erzählen können!

Stattdessen reist das Filmteam plötzlich zu den Schlammvulkanen von Gobustan. Dort gibt weder Mugham- noch sonstige Musik, aber schöne Slow-Motion-Bilder platzender Schlammblasen. Dann ist der Film zu Ende. Seine Chance wird vielleicht sein, dass man in der Mitte Europas über das aufstrebende Land am Kaspischen Meer noch immer wenig weiß. Als Denkmal für den Mugham-Jazz allerdings ist eine Ansichtskarte zu wenig.

Thursday, May 10, 2012

DISKUSSION: „Deutschland und Georgien - 20 Jahre Partnerschaft. Eine kritische Bestandsaufnahme“ am 14. Mai, 17:00 Uhr in Tbilisi (deutschewoche.ge)


Veranstaltungsort: Auditorium des Simon Dschanaschia-Museums, Rustaweli Allee 3, 0105 Tiflis

Kontakt: 
+995 32 24 47 300/331/333

mit:

Dr. Oliver Reisner, Historiker, DAAD-Alumni
Dr. David Paitschadze, Historiker, Humboldt-Stipendiat
Lasha Bakradze, Historiker, DAAD-Alumni
 
Deutschland und Georgien verbindet seit 20 Jahren eine intensive und vielseitige Partnerschaft. Deutschland leistet einen unverzichtbaren Beitrag zu den Reform- und Transformationsprozessen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Georgien. Die politischen Stiftungen tragen zum Aufbau und zur Ausgestaltung demokratischer Institutionen sowie zur Entwicklung der Zivilgesellschaft bei. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) berät die georgische Regierung intensiv bei der Reformierung des Rechtssystems. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wirkt an der der Stabilisierung des georgischen Finanzsektors mit, aber auch am Ausbau einer nachhaltigen und klimafreundlichen Energiewirtschaft. Auch das deutsche Engagement im Bildungsbereich trägt dazu bei Georgien für ausländische Investoren attraktiver zu machen. Über 100 deutsche Unternehmen sind hier tätig, darunter auch einige weltweit agierende. Und auch in Wissenschaft und Forschung, Malerei, Musik, Literatur, Architektur und Film ist die Vernetzung zwischen Georgien und Deutschland sehr eng. Die beiderseitigen Beziehungen sind dennoch nicht immer frei von Irritationen. Über die HIntergründe, gegenseitige Perzeptionen und Erwartungen diskutieren deutsche und georgische Historiker und Politikwissenschaftler.

Moderation: Dr. h.c. Fritz Pleitgen, Journalist und Auslandskorrespondent
Ehemaliger Intendant und Direktor des Westdeutschen Rundfunks (WDR)
und Ehemaliger Präsident der Europäischen Rundfunkunion

Diskussion in deutscher Sprache mit Simultanübersetzung ins Georgische

Tuesday, May 17, 2011

EVENTS: Deutsche Tage in Tbilisi (deutschetageintiflis.ge)

Der heutige Nachmittag von GIZ, KfW und Deutsche Welle Akademie im Deutschen Haus ab 15 Uhr dreht sich rund um das Thema „Green Economy“. Dabei werden die Gäste:

1. Spannende Filme sehen können,
2. An einer Exkursion teilnehmen können bei der die Teilnehmer selbst Bäume im neuen Naherholungsgebiet am Tbilisi Sea pflanzen können,
3. An einem Umweltquiz „Glücksrad“ mit vielen tollen Preisen mitmachen können,
4. Eine deutsche Fotoausstellung sehen und Fotografien gewinnen können und
5. Bei Fingerfood und Drinks auf der Außenterrasse des Deutschen Hauses mit musikalischer Begleitung des Kinderchors „Bichebi“ der Musikschule „Zurab Anjaparidze“ den Nachmittag ausklingen lassen können.

GIZ, KfW და Deutsche Welle Akademie გიმასპინძლებთ გერმანულ სახლში 15 საათიდან. გაიმართება სხვადასხვა ღონისძიება თემაზე „მწვანე ეკონომიკა“. სტუმრებს ექნებათ საშუალება:
1. იხილონ საინტერესო ფილმები,
2. მიიღონ მონაწილეობა ექსკურსიაში, სადაც თბილისის ზღვასთან არსებულ რეკრეაციულ ზონაში თვითონ შეძლებენ ხეების დარგვას
3. მიიღონ მონაწილეობა გათამაშებაში „იღბლიანი ბორბალი“, სადაც გარემოს დაცვის თემებთან დაკავშირებულ შეკითხვებზე სწორი პასუხების გაცემის შემთხვევაში შესაძლებლობა ექნებათ მოიგონ არაჩვეულებრივი პრიზები
4. დაათვალიერონ გერმანული ფოტოგამოფენა და მოიგონ ფოტოები
5. ისიამოვნონ გერმანული სახლის ტერასაზე ფურშეტით და მუსიკალური ნომრით


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Anna Halfmann
GIZ Regional Office South Caucasus
Public Relations

Deutsche Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
4 Elene Akhvlediani Agmarti0103 Tbilisi, Georgia
T + 995 32 201823M + 995 57 260039
F + 995 32 201801E
anna.halfmann@giz.de
I www.giz.de

Thursday, February 17, 2011

JOB: Fachkraft für Geberkoordination (cimonline.de)

Stellenausschreibung beim CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung):

Gesucht wird eine Fachkraft für Geberkoordination (Professional / Sozial-, Verwaltungswissenschaftler, Jurist etc.) mit mehrjähriger Erfahrung in der deutschen und / oder internationalen Entwicklungshilfe, bei Ministerien, Verbänden, NGOs) für einen Einsatz Regional Environment Centre (REC) South Caucasus mit Sitz in Tiflis. Notwendig sind unter anderem auch englische und russische Sprachkenntnisse.

REC South Caucasus ist eine sehr professionelle NGO im Umweltbereich, die von den drei Staaten Georgien, Aserbaidschan und Armenien getragen wird und 2003 gegründet wurde. Sie hat schon eine Reihe von Programmen und Projekten im Umweltbereich in allen drei Staaten durchgeführt und bietet einen interessanten und spannenden Arbeitsplatz für einen Integrierten Experten aus Deutschland bzw. der Europäischen Union.

Näheres dazu siehe bitte unter:
cimonline.de bzw. auf der Homepage von CIM www.cimonline.de in der Suchrubrik "Nach Regionen suchen" unter "Zentralasien, Europa, Kaukasus".

Dort kann man sich auch online direkt bewerben.

Infos zum REC South Caucasus finden sich unter: www.rec-caucasus.org

Friday, January 28, 2011

MESSE: Südkaukasus mit Armenien, Aserbaidschan und Georgien auf der Internationalen Grünen Woche Berlin 2011

Vom 21.- 30. Januar 2011 beteiligen sich die Länder des Südkaukasus Armenien, Aserbaidschan und Georgien.

Im Rahmen des Projekts Regionale Wirtschaftskooperation im Südkaukasus, durchgeführt von der
Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag vom Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), werden auch dieses Jahr Unternehmen aus den Ländern des Südkaukasus an der wichtigen internationalen Messe für Ernährungswirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau in Berlin teilnehmen.

Grüne Woche in Berlin 2011 >>>

Besuchen Sie die Präsentationen und bekommen Sie einen Einblick in die besondere Vielfalt der Region.

Am Freitag, den 28. Januar 2011 von 17:30 – 19:00 Uhr, wird es auf dem Stand musikalische Darbietungen und Kostproben der kulinarischen Besonderheiten geben.

Sie finden uns in Halle 7.2, C Stand 119-120

Wir freuen uns auf Ihr Kommen.