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Monday, October 06, 2014

MOVES#73: Zaza Rusadze »A fold in my blanket« - DVD Release Party in Berlin - 7 October 2014, 8:30pm



Dear Friends,
Image Movement is delighted to host the DVD release party of Zaza Rusadze's film »A fold in my blanket«.

Zaza Rusadze is a film maker from Tbilisi, Georgia. His first full length film, 2003 Bandits, a documentary about the hijacking of a soviet passenger plane in Georgia and its aftermath, was awarded at film festivals in Spain, Hungary and Germany.

His full length feature debut »A fold in my blanket« deals with the relationship of Andrej and Dmitrij, what seems to be a one-sided, unfulfilled love affair. The beautiful shot movie wallows in luxurious landscapes with the imaginary of rock climbing as a metaphor of freedom – in an unnamed post-soviet country under an obviously strict leadership and within strange social interactions in family life as well as in work life.

»A fold in my blanket« premiered on last year's Berlinale film festival where it was selected as opening film of the Panorama section. The film travelled the world among it festival screenings in Locarno, Yerewan, Hong Kong, Mumbai, or Sao Paulo. It won the award for Best Feature Film at Queer Lisboa 17 festival.

At Image Movement Zaza Rusadze will be present.
Admission is free. The event starts at 8:30pm.

[Stills: Zaza Rusadze »A fold in my blanket« (courtesy of the artist)]

+++

Image Movement | Artist Films, Films on Art, Artists Records
Oranienburger Strasse 18 I D-10178 Berlin I Mo–Sa, 11am–7pm
Tel +49-30 - 308 819 780 Fax +49-30 - 288 840 352
info@imagemovement.de 
www.imagemovement.de

Saturday, October 26, 2013

PODCAST: Hoffen auf den «Georgischen Traum». Von Peter Gysling (srf.ch)

(srf.ch) Ende einer Ära in Georgien: Präsident Micheil Saakaschwili muss abtreten. Der gefallene Held macht den Weg frei für die aufstrebende politische Kraft, das Bündnis «Georgischer Traum».

Erstmals steht Georgien vor einem demokratischen Wandel an der Staatsspitze. Rund 3,5 Millionen Wahlberechtigte wählen am Sonntag den Nachfolger des amtierenden Präsidenten Micheil Saakaschwili. Der 45-Jährige darf nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten.

Einst als gefeierter Held mit der Rosenrevolution 2003 an die Macht gekommen, hatte der westlich geprägte Saakaschwili Hoffnungen auf einen demokratischen Wandel genährt. Diese Zeiten sind vorbei: «Saakaschwili wird von vielen verachtet, da er immer autoritärer geworden ist», sagt SRF-Korrespondent Peter Gysling.

Sinkender Stern

Die ersten Kratzer erhielt Saakaschwilis Image bereits 2008. Die EU machte ihn damals für den verlorenen blutigen Südkaukasus-Krieg gegen Russland verantwortlich. Sein politischer Niedergang nahm vor einem Jahr seinen Lauf. Bei den Parlamentswahlen verlor er überraschend gegen den schwerreichen Herausforderer Bidsina Iwanischwili und dessen Allianz «Georgischer Traum».

Das Bündnis dürfte auch bei diesen Wahlen siegreich sein. Es tritt mit dem bisherigen Bildungsminister Georgi Margwelaschwili an – einem engen Vertrauten von Iwanischwilis.

Aufbruchstimmung vor einem Jahr

Die politische Neuausrichtung fing bereits vor einem Jahr an: «Seither hat der Präsident eigentlich nur noch eine symbolische Funktion. Die Entscheidungen werden nun vom Parlament gefällt», sagt Gysling.

«Die Stimmung ist seitdem spürbar besser geworden», betont der Korrespondent. Ihm pflichtet der Schweizer Botschafter Günther Bächler bei: «Man spürte im ganzen Land ein Aufatmen. Der Druck betreffend Menschenrechte und Gefängnisse der früheren Regierung war gross. Dieser fiel von einem Tag auf den andern weg.»

Daneben haben sich auch die Beziehungen zu Russland verbessert. Mittlerweile gibt es wieder direkte Flugverbindungen zwischen Tiflis und Moskau. Auch Wein und Mineralwasser dürfen die Georgier wieder zu ihrem grossen Nachbarn exportieren.

Logistik nicht vorhanden

Dennoch: Auf seiner Reise durch Georgien ist Korrespondent Gysling auf grosse Armut gestossen. «In Tiflis sind viele Häuser verlottert und baufällig.» Strassen seien kaputt – Heizungen auch. Von den Landstrichen nicht zu reden, diese seien «gottverlassen», so Gysling.

Ein Grund sind die Handelsrouten. «Der Eisenbahnverkehr funktioniert praktisch nicht», so Gysling. Angedachte Projekte seien blockiert. «Viele Georgier leben weiterhin von der Selbstversorgung oder vom Tauschhandel.»

Egal in welcher Richtung das Land sich entwickelt, der grosse Mann hinter dem «Georgischen Traum» – Iwanischwili – wird voraussichtlich nicht mehr dabei sein. Der 57-Jährige will sich noch vor Jahresende zurückziehen, da er seine Aufgabe in der Politik erfüllt sieht. Wie die Wähler auf seine kürzliche Ankündigung reagieren, wird sich am Sonntag zeigen.

Sendung zu diesem Artikel


Tagesgespräch
SRF-Korrespondent Peter Gysling zur Präsidentenwahl in Georgien

Mittwoch, 23. Oktober 2013, 13:00 Uhr
Er war einer der Wortführer der Rosenrevolution in Georgien. Doch nach zwei Amtszeiten muss Präsident Michail Saakaschwili als Staatschef abtreten, das Volk wählt am Wochenende einen neuen. Was daran interessant ist, erklärt Peter Gysling. Er ist Gast von Susanne Brunner.

Aus Echo der Zeit von gestern, 18:00 Uhr

«Wir sollten uns in Georgien nicht nach Führer-Figuren sehnen»

«Wir sollten uns in Georgien nicht nach Führer-Figuren sehnen»
Das Parteienbündnis «Georgischer Traum» hat vor einem Jahr die Parlamentswahlen gewonnen und die Regierungsgeschäfte übernommen - und dürfte siegreich aus der Präsidentenwahl am Sonntag hervorgehen. Hat sich im vergangenen Jahr für die Menschen im Land etwas verändert? Eine Reportage.



Wednesday, May 22, 2013

POLITIK: Ehemaliger Premierminister in Georgien festgenommen. Von Gesine Dornblüth (dradio.de)

Merabischwili soll sein Amt missbraucht haben

Der Vorsitzende der Partei "Nationale Bewegung" und mögliche Präsidentschaftskandidat Wano Merabischwili ist in Haft. Der aktuelle Präsident Saakaschwili sieht in der Verhaftung seines Vertrauten einen politischen Racheakt.

Saakaschwili ist noch Präsident, seit den Parlamentswahlen ist aber eine gegnerische Partei an der Macht. (Bild: picture alliance / dpa / Andrew Gombert)
Saakaschwili ist noch Präsident, seit den Parlamentswahlen ist aber eine gegnerische Partei an der Macht. (Bild: picture alliance / dpa / Andrew Gombert)

Dem ehemaligen Premierminister und Vertrauten von Präsident Micheil Saakaschwili, Wano Merabischwili, werden Amtsmissbrauch, Korruption und Veruntreuung vorgeworfen. Er soll im Wahlkampf vor einem Jahr öffentliche Gelder aus einem Beschäftigungsprogramm der Regierung verwendet haben, um Helfer der eigenen Partei zu bezahlen. Gestern wurde er deshalb verhört und anschließend festgenommen. Es sind nicht die einzigen Vorwürfe. Weitere Anklagepunkte beziehen sich auf seine achtjährige Amtszeit als Innenminister. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft:

"Am 26. Mai 2011 hat Merabischwili die Auflösung einer Demonstration angeordnet. Die Polizeigewalt bei diesem Einsatz war unangemessen. Dabei sind zwei Menschen ums Leben gekommen."

Außerdem soll der 45-Jährige die Ermittlungen in einem Mord an einem Bankkaufmann behindert haben, weil seine Frau in den Fall involviert war. Merabischwili drohen nun sieben bis zwölf Jahre Haft. Die Nationale Bewegung könnte damit ihren Parteivorsitzenden und möglichen Kandidaten für die Präsidentenwahl im Herbst verlieren. Mit Merabischwili wurde der frühere Gesundheitsminister Zurab Tschiaberaschwili festgenommen, auch er ein wichtiger Mann im Machtgefüge von Präsident Saakaschwili.

Die Festnahme der hochrangigen Oppositionspolitiker kam nicht unerwartet. Viele Georgier nannten Merabischwilis Namen, wenn es um die Drangsalierung Oppositioneller oder unbequemer Journalisten unter der alten Regierung ging. Von Einschüchterung und Erpressung war die Rede, mithilfe mitgeschnittener Telefongespräche oder heimlich gefilmter Bettszenen. Bisher blieb es meist bei Gerüchten. Nun sagt die Staatsanwaltschaft, sie habe Beweise. Die politischen Gegner Merabischwilis, derzeit an der Regierung, freut das. Die Abgeordnete Eka Beselia, Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses:

"Die georgische Gesellschaft fordert seit Langem, Gerechtigkeit wieder herzustellen. Es ist wichtig, gründlich ermitteln. Ich bin sicher, es gibt keine politische Verfolgung, keine Revanche, sondern konkrete Verbrechen. Schwere Verbrechen. Da müssen konkrete Personen zur Verantwortung gezogen werden."

Neun Jahre war die Nationale Bewegung an der Macht. Auch internationale Organisationen wie der Europarat rügten Justizwillkür unter der alten Regierung.

Das Saakaschwili-Lager sieht das alles ganz anders und wirft der jetzigen Regierung Rachejustiz vor. Bereits im Herbst, kurz nach dem Regierungswechsel, waren mehrere ehemalige Regierungsbeamte verhaftet worden. Präsident Saakaschwili zog gestern Parallelen zur Ukraine. Dort sitzt die ehemalige Premierministerin Julia Timoschenko in Haft.

"Die Ukraine, dieser große Staat, den Europa, die USA und die NATO brauchen, ist in die internationale Isolation geraten, weil die ehemalige Premierministerin aus politischen Motiven verhaftet wurde. Es ist in Russlands Interesse, auch Georgien international zu isolieren. Ich denke, unsere Bürger, unsere Gesellschaft und auch unsere Partei sollten darüber nachdenken, welche politischen Folgen die Verhaftung des Vorsitzenden der Oppositionspartei haben kann."

Saakaschwili spielt die internationale Karte. Er wirft der neuen Regierung vor, Georgien von seinem proeuropäischen Kurs abzubringen und das Land stattdessen Russland auszuliefern. Belege dafür gibt es allerdings nicht. Im Gegenteil: Der derzeitige Premierminister hat sich gleich nach seinem Wahlsieg für die euro-atlantische Integration ausgesprochen. Der Präsidentenwahlkampf im Herbst in Georgien dürfte nach den jüngsten Festnahmen noch spannender werden.

Wednesday, November 28, 2012

TEMPORARY JOB: Coders will need to collect election manifestos of the relevant parties

The Manifesto Research Project on Political Representation (MARPOR) analyses party manifestos in over 50 countries since many years in order to gain comparable data on policy positions of parties in different countries over a long time span. In 2009 the Manifesto Project received long-term funding from the German Science Foundation (DFG). The grant funds the project through 2021 and includes funding for paid coding of political party manifestos.

Coders will need to collect election manifestos of the relevant parties and code these according to a special coding scheme. Before coders start with coding we ask all coders to complete a training period.

Payment: We pay all coders a flat-rate of €100,- for the training and €10,- for each manifesto collected. For each coded manifest we pay €150,-. In some cases where manifestos are very long this payment rate can be increased.

In general coders get two contracts, the first includes the training and collection. The training period normally takes about a month. It is done by email. Then the coder takes the entry test, which will show us if the coder has really understood everything about the coding scheme. The second contract is for production coding, depending on the numbers of manifestos needed to code and the workload the coder has besides his or her work for the MARPOR project this normally takes between 4-6 month. Time lines are very flexible and can be discussed with the individual coder. As soon as the contract is fulfilled even if that is before the deadline we can issue the payment.

Coders are currently needed for all three South Caucasian countries. 

Please contact Pola Lehmann at the Wissenschaftszentrum Berlin (WZB; Social Science Research Centre). Her e-mail address is: pola.lehmann@wzb.eu

Please let her know that you heard about this job from me.

Thanks,

Monday, October 29, 2012

VERANSTALTUNG: Die Parlamentswahlen in Georgien 2012

(orient-gesellschaft.at) Donnerstag, 08.11.2012, 18:30 Uhr – 20:00 Uhr
 
ÖOG/HP, Klubsaal
 
Vortrag: Die Parlamentswahlen in Georgien 2012

Mag. Johannes Wetzinger, Fachhochschule des bfi Wien

Abendkarte: € 4,- (€ 2,-)

Ich freu mich auf Ihre Teilnahme!

Liebe Grüße

Ihre Silvia de Carvalho

Mag. Silvia de Carvalho
Leiterin des Informationszentrums für Zentralasien und Südkaukasien


Österreichische Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall
Orient-Akademie

A-1010 Wien
Dominikanerbastei 6/6
www.orient-gesellschaft.at


Monday, October 08, 2012

POLITIK: Georgien - "Regierung des Volkes“ (faz.net)

(faz.net) 08.10.2012 ·  Der georgische Wahlsieger Bidzina Iwanischwili spricht von einer „Regierung des Volkes“. In sein Kabinett hat der Milliardär auch den ehemaligen Fußballprofi beim AC Mailand Kacha Kaladze berufen, der stellvertretender Ministerpräsident wird. 

Eine Woche nach dem Sieg seines Oppositionsbündnisses bei der Parlamentswahl in Georgien hat der voraussichtlich neue Regierungschef Bidzina Iwanischwili am Montag sein künftiges Kabinett vorgestellt. Außenministerin soll demnach die ehemalige Botschafterin in den Niederlanden, Maja Pandschikidse, werden. Diese gab an, dass auch in Zukunft die Vereinigten Staaten der wichtigste Partner Georgiens sein werden. Gleichwohl wolle sich das neue Regierungsbündnis um bessere Beziehungen zum Nachbarn Russland bemühen.

Neuer Verteidigungsminister wird der frühere georgische UN-Botschafter Irakli Alasanja, der Iwanischwilis Partei im Wahlkampf geführt hatte. Alasanja hatte, wie viele im Land, mit dem bisherigen Präsidenten Michail Saakaschwili gebrochen. Zum Innenminister ernannte der Milliardär Iwanischwili seinen engen Verbündeten Irakli Garibaschwili.

Prominenter Minister für Infrastruktur und regionale Entwicklung wird der ehemalige Fußballspieler Kacha Kaladse.Minister für Infrastruktur und regionale Entwicklung soll der georgische Fußball-Star Kacha Kaladze werden. Ebenso wie der designierte Verteidigungsminister Alasanja soll der ehemalige Verteidiger von AC Mailand zudem den Posten des stellvertretenden Ministerpräsidenten übernehmen. „Dies wird wahrlich eine Regierung des Volkes sein“, sagte Iwanischwili vor der Presse. Insgesamt wird das neue Kabinett als prowestlich eingestuft.

Bei der Wahl am 1. Oktober konnte Iwanischwilis Bündnis „Georgischer Traum“ nach jüngsten Teilergebnissen der Wahlkommission 83 Sitze im Parlament erringen, die Vereinte Nationale Bewegung von Präsident Michail Saakaschwili kommt auf 67 Mandate. Saakaschwili, der noch bis Ende seines Mandats im Jahr 2013 im Amt bleibt, muss Iwanischwili noch dem Parlament als Regierungschef vorschlagen. Bereits am Freitag teilten allerdings beide Seiten mit, dass ein friedlicher Machtwechsel angestrebt wird.

Am wichtigsten sei es, die Stabilität in Georgien zu erhalten, erklärte der designierte Verteidigungsminister Irakli Alassania. Dazu hätten beide Parteien bereits ein Übereinkommen erzielt. Der Parlamentsvorsitzende von Saakaschwilis Partei, David Bakradse, sagte, es werde fortan regelmäßige Treffen geben. Diese sollten sicherstellen, dass der Regierungswechsel demokratisch ablaufe und kein Machtvakuum entstehe.

Der derzeitige Staatspräsident Saakaschwili wird wahrscheinlich ein weiteres Jahr bis zum Ende seiner Präsidentschaft im Amt bleiben. Bei der Wahl hat das Bündnis „Georgischer Traum“ zwar die Mehrheit im Parlament erreicht, diese reicht für eine Verfassungsänderung oder eine Amtsenthebung Saakaschwilis allerdings nicht aus.


Thursday, October 04, 2012

HINTERGRUND: Der Preis des Abgehobenseins - Zur Wahl in Georgien. Von Silvia Stöber (tagesschau.de)

(tagesschau.de) Wie auch immer das neue Parlament in Georgien besetzt sein wird, die Regierungspartei von Präsident Saakaschwili musste bei der Wahl aber auf jeden Fall eine Niederlage einstecken. Dies liegt nicht allein am starken Gegner. Georgien stehen unruhige Tage bevor.

Von Silvia Stöber, tagesschau.de, zzt. Tiflis

Oppositionsführer Bidsina Iwanischwili vor Anhängern (Foto: REUTERS) (Klick führt weiter zum nächsten Bild)Die Wahllokale waren noch eine halbe Stunde geöffnet, da fuhr bereits der erste Autokorso mit elf Fahrzeugen und den Fahnen des Oppositionsbündnisses "Georgischer Traum" über den zentralen Freiheitsplatz. Am Rande begannen sich andere Anhänger von Oppositionsführer Bidsina Iwanischwili zu versammeln. Ein Einsatzfahrzeug der Polizei fuhr davon. Lediglich 100 Meter weiter vor dem Wahllokal Nr. 4 blieben zwei Polizisten zurück. Dort zählten etwa 15 Frauen und Männer die Stimmzettel aus.

Wenig später verkündete Iwanischwili vor seinem Hauptquartier in der Altstadt den Sieg. "Gilocav!" (Glückwunsch) und "Gaumardjos" (Mit uns ist der Sieg!) schallte es über den Platz. Bis spät in die Nacht feierten Iwanischwilis Anhänger auf dem Freiheitsplatz, während sich nebenan im Marriott Hotel die Berater und Lobbyisten der Regierungspartei den Kopf zerbrachen über die Wahlergebnisse. Wie am Ende das Parlament besetzt sein wird, zeigt sich erst, wenn sowohl die Direktkandidaten als auch die Sitze, die per Verhältniswahlrecht vergeben werden, verteilt sind.

Hoffnung auf einen vermögenden Wohltäter

Dennoch belegen schon die Wahlprognosen einen enormen Erfolg für ein Oppositionsbündnis, dessen Führer noch vor einem Jahr ein Mythos war und von dem es bis dato lediglich ein Foto und ein Interview in einer russischen Zeitung gegeben hatte. Dass dem Multi-Milliardär Iwanischwili schon damals der Ruf eines Gönners und Wohltäters vorauseilte, erklärt zum Teil seinen heutigen Erfolg.

Da er sechs sehr unterschiedliche Parteien unter dem Schirm "Georgischer Traum" vereinigt, blieben kaum noch wählbare Alternativen in den Reihen der Opposition. Die bisher im Parlament vertretene Partei der Christdemokraten zum Beispiel gilt als eine der Regierung nahestehende Oppositionspartei.

Allerdings fand sich eine gewichtige Kraft mehr oder weniger deutlich auf Seiten des Milliardärs ein: die einflussreiche orthodoxe Kirche. Immerhin hatte sich Iwanischwili auch ihr gegenüber großzügig gezeigt.

Gewalt-Video als Auslöser für offene Debatte

Die regierende "Nationale Bewegung" muss sich den Stimmverlust aber auch zu einem großen Teil selbst zuschreiben. Die Veröffentlichung der Videos mit Gewaltszenen aus Gefängnissen öffnete ein Ventil in der Glocke über der Bevölkerung. Plötzlich sprachen die Menschen nicht nur offen über die Gewalt in den Gefängnissen. Sie äußerten sich auch zu Kündigungen von Staatsbeamten, die der Opposition nahestehen, und anderen Formen des Drucks auf Regierungskritiker. Der Bann war gebrochen. Die Menschen nahmen nicht mehr ernst, was die Regierung Iwanischwili vorwarf: Ein Mann des Kreml zu sein und einer, der sich mit den "Dieben im Gesetz" eingelassen hat - einem kriminellen Netzwerk noch aus Sowjetzeiten, das im Ausland überlebt hat.

Präsident Saakaschwili hat stark an Ansehen eingebüßt. Zu unstet tritt er auf, zu hochfliegend waren seine Bau- und Modernisierungspläne, zu weit weg waren sie am Ende von der Bevölkerung, die eben nicht nur aus der westlich gebildeten Elite in Tiflis besteht.

Was, wenn Iwanischiwili nicht Premier wird?

Wie auch immer die Sitzverteilung im Parlament am Ende aussieht - das langjährige Übergewicht der Regierungspartei ist dahin. Allerdings steht zu befürchten, dass Iwanischwilis Bündnis an den inneren Widersprüchen zerbricht. Fraglich ist, ob sich der Milliardär auf mühsame Parlamentsarbeit einlässt. Im Juli auf seine Pläne nach der Wahl befragt, hatte er nur eine Antwort: "Ich werde Premierminister."

Doch selbst wenn er genug Stimmen auf sich vereinen könnte, der Präsident setzt das Kabinett und den Regierungschef ein. Nach der großen Schmutzkampagne der vergangenen Woche wäre es eine gewaltige Herausforderung für die beiden größten Opponenten, gemeinsam politische Arbeit zu betreiben. Gelänge es, würde Georgien tatsächlich beweisen, dass es einen weiteren Schritt in Richtung Demokratie geht. Der Westen müsste aber damit rechnen, dass sich das Reformtempo verlangsamt und der Konservatismus der Bevölkerung stärker hervortritt.

Unweigerlich wird die Euphorie der Wahlnacht in kalte Nüchternheit umschlagen. Denn selbst als Premier und mit all seinem Vermögen könnte Iwanischwili die Menschen nicht über Nacht reich machen. Eines ist gewiss: Sollten die enormen sozialen Probleme nicht angepackt und die Kontrolle an der Staatsspitze weiter so gebündelt bleiben, wird sich neuer Protest regen. Unter den Studenten findet sich eine neue Generation, die in der Demokratie mehr sieht als eine Modernisierung und Konsolidierung des Staates, als liberale Reformen und eine Bekämpfung der Korruption auf niedriger Ebene.

Monday, October 01, 2012

PODCAST: Georgien wählt heute ein neues Parlament. Von Gesine Dornblüth (dradio.de)


Von Gesine Dornblüth

Parlamentswahlposter in Tiflis, Georgien (Bild: picture alliance / dpa / Yuri Kochetkov)
Parlamentswahlposter (Bild: picture alliance / dpa / Yuri Kochetkov)
Bisher stellt die Regierungspartei von Präsident Micheil Saakaschwili die verfassungsgebende Mehrheit in Georgien, nun hat auch das Koalitionsbündnis des Milliardärs Bidzina Iwanischwili gute Chancen. Der Wahlkampf glich einer Schlammschlacht gegenseitiger Vorwürfe und Beleidigungen.

Georgien wählt heute ein neues Parlament. Bisher stellt die Regierungspartei von Präsident Micheil Saakaschwili die verfassungsgebende Mehrheit, und Saakaschwilis Leute haben auch alle Schlüsselpositionen in der Kaukasusrepublik besetzt.

Wir erinnern uns, Saakaschwili war 2003 bei der sogenannten Rosenrevolution getragen von einer riesigen Welle der Sympathie an die Macht gekommen. Nun sinkt sein Stern. Mit dem Milliardär Bidzina Iwanischwili hat seine Partei erstmals einen ernstzunehmenden Konkurrenten. Der reichste Mann Georgiens hat binnen eines Jahres ein breites Koalitionsbündnis auf die Beine gestellt.

Der Wahlkampf glich einer Schlammschlacht. Iwanischwili bezeichnet Saakaschwili als "kleinen Stalin". Saakaschwili wiederum verunglimpft Iwanischwili als "Marionette Putins". Immer wieder ging es im Wahlkampf um Kriminalität - der jeweils anderen Seite, versteht sich.

Korruption in den georgischen Eliten

Der Rückhalt von Oppositionsführer Bidzina Iwanischwili ist durch die Veröffentlichung der Foltervideos aus einem Tifliser Gefängnis vor knapp zwei Wochen noch einmal gestiegen. Iwanischwili hat viele Arbeitslose hinter sich, aber auch Bildungsbürger wie die etwa 50-jährige Wirtschaftsfachfrau Nana. Sie war eine der annähernd 200.000 Teilnehmer der großen Abschlussdemonstration der Opposition in Tiflis am vergangenen Sonnabend.

"Anfangs hatte ich Angst, mich zur Opposition zu bekennen. Angst um meine Kinder, um deren Arbeitsplätze. Aber was in den Gefängnissen passiert ist, sind Verbrechen an der jungen Generation. Es ist meine Pflicht, dagegen zu protestieren. Ich hoffe sehr, dass Bidzina Iwanischwili alles zum Besseren wenden wird." 

Die Erwartungen an den Milliardär sind hoch, sehr hoch. In seinem Parteiprogramm verspricht er Arbeitsplätze, eine Krankenversicherung für alle, Gerechtigkeit. Entscheidender als diese Inhalte ist für viele Georgier aber sein Versprechen, die Allmacht der Regierung zu durchbrechen. Kritiker Iwanischwilis werfen ihm vor, er kaufe sich das Land. Für die Ökonomin Nana sind die Milliarden Iwanischwilis nicht die Hauptsache.

"Aber sie geben ihm die Kraft, gegen die kriminelle Bande vorzugehen. Das ist das Wichtigste."

Für Präsident Micheil Saakaschwili ist das eine tragische Wendung. Er selbst war 2003 mit dem Versprechen angetreten, die Kriminalität zu bekämpfen. Er hatte auch einigen Erfolg. Die Straßen in Georgien sind sicher, die bis 2003 allgegenwärtige Kleinkorruption wurde komplett ausgemerzt. Doch es gibt nach wie vor eine Elitenkorruption, sagt Eka Gigauri. Sie leitet das Büro der Antikorruptionsorganisation Transparency International in Tiflis.

"Wenn Sie sich die großen Unternehmen in Georgien ansehen, dann sehen Sie, dass die Löwenanteile Leuten gehören, die gute Beziehungen zur Regierung pflegen. Sie erkaufen sich die Zustimmung mit riesigen Parteispenden."

Oft seien die Eigentumsverhältnisse intransparent, die Firmen im Ausland registriert, klagt Gigauri.

"Oder nehmen wir die Privatisierung: Die Regierung hat große Betriebe und Grundstücke zum symbolischen Preis von einem Lari verkauft. Das ist an sich nicht schlimm. Aber niemand überprüft, ob der Käufer die Verpflichtungen einhält, die er bei dem Erwerb eingegangen ist, ob er im versprochenen Umfang investiert oder Leute einstellt. Einmal war die Käuferin die Mutter des Präsidenten. Das ist doch problematisch!"

Ausländische und einheimische Wahlbeobachter im Einsatz

Die Regierung ihrerseits wirft der Opposition vor, sie mache gemeinsame Sache mit den sogenannten "Dieben im Gesetz", den berüchtigten kriminellen Netzwerken aus der Sowjetzeit. Oppositionsführer Iwanischwili werde Georgien im Falle eines Wahlsieges zurück in die Kriminalität führen. Kurz vor der Wahl tauchten diverse kompromittierende Videos und Audiomitschnitte auf. Fälschungen, sagt die Opposition. Saakaschwili sprach von einer Entscheidungswahl zwischen Vergangenheit und Zukunft. Und die Sprecherin der Regierungspartei, der Nationalen Bewegung, Chiora Taktakischwili, sagte:

"Am Wahltag muss sich jeder einzelne Bürger fragen, ob er möchte, dass Georgien den Weg der Reformen seit 2003 fortsetzt und nun Arbeitslosigkeit und andere Probleme genauso erfolgreich bekämpft wie zuvor die Korruption."

Der Ausgang der Wahl ist offen. Viel wird davon abhängen, ob die Wahl fair verläuft. Um das zu überwachen, sind zahlreiche ausländische Beobachter angereist. Außerdem werden mehr als 60.000 einheimische Wahlbeobachter im Einsatz sein. Georgische Nichtregierungsorganisationen hatten bereits den Wahlkampf als unfair bezeichnet. Sie sprachen von einer Benachteiligung der Opposition. Iwanischwili geht davon aus, dass nur Wahlfälschungen die Opposition um den Sieg bringen können - und hat für diesen Fall angekündigt, seine Anhänger zu friedlichen Massenprotesten auf die Straße zu rufen.

RADIO: Demonstrationen gegen georgische Regierung (dradio.de)

(dradio.de) Präsident Saakaschwili gerät vor Parlamentswahlen unter Druck
 
Bei einer der größten Kundgebungen in der Geschichte Georgiens haben Zehntausende Regierungsgegner in der Hauptstadt Tiflis für einen Machtwechsel demonstriert. Am Montag wählt das Land ein neues Parlament - der Ausgang der Wahl ist vollkommen offen.

Schlussspurt im Südkaukasus: Am Montag wird in Georgien ein neues Parlament gewählt und Staatspräsident Michail Saakaschwili gerät spürbar unter Druck. Gestern demonstrierten mehr als 100.000 Menschen in der Hauptstadt Tiflis für einen Machtwechsel. Auch in der zweitgrößten Stadt Kutaissi versammelten sich Zehntausende Unterstützer der Bewegung "Georgischer Traum" (GT) des Milliardärs Bidsina Iwanischwili.

"Der Tag der Geburt eines neuen Georgiens naht", rief Iwanischwili der Menge auf dem Freiheitsplatz in der Innenstadt von Tiflis zu. Sie sollten sich nicht von "Saakaschwilis Bande" einschüchtern lassen. "Seht, wie viele wir sind", sagte Iwanischwili. Mit dem Sieg seines GT würden Gesetz und Ordnung wieder einkehren, versprach er.

"Saakaschwilis System beruht auf Gesetzlosigkeit und Folter", erklärte Iwanschwili im Bezug auf den Folterskandal. Mitte September hatten Videoaufnahmen brutaler Misshandlung von Häftlingen für Empörung gesorgt. Saakaschwili reagierte und entließ unter anderem den Innenminister und eine Reihe Justizbeamter. 


Saakaschwili: Es geht um das Schicksal Georgiens

Unterdessen versuchte Saakaschwili an der Schwarzmeerküste noch Stimmen zu sammeln. In der Stadt Poti nahm der Staatschef an der Einweihung einer Kirche teil - die gut vier Millionen Georgier sind sehr religiös. Am Abend appellierte er in Osurgeti an die Wähler: "Es geht nicht um das Schicksal der Regierung, nicht um das Schicksal Saakaschwilis, sondern um das Schicksal Georgiens."

Die Oppositionskoalition stellt den Saakaschwili vor die größte Herausforderung seit seiner Amtsübernahme 2004. Als Präsident der Ex-Sowjetrepublik bemühte er sich um eine engere Anbindung Georgiens an EU und NATO. Derzeit hält er mit seiner regierenden Vereinten Nationalen Bewegung (ENM) fast 80 Prozent der Sitze im georgischen Parlament. Allerdings hat die Unterstützung für ihn vor allem in Tiflis, wo ein Drittel der georgischen Bevölkerung lebt, massiv abgenommen.

Wahlausgang völlig offen

Sein Gegner, der Milliardär Iwanischwili, und die von ihm gegründete Partei GT wollen die Beziehungen zu Russland wieder normalisieren. Von Saakaschwilis Regierung wird Iwanischwili als Marionette Moskaus bezeichnet. Die Angst, Iwanischwili sei "ein Projekt Putins", halte viele Leute davon ab, ihn tatsächlich zu wählen, erklärte der Journalist und Georgien-Kenner Stephan Wackwitz im Deutschlandfunk. Kritiker werfen wiederum Saakaschwili eine autokratische Amtsführung vor.

Der Ausgang der morgigen Wahl ist völlig offen, Beobachter geben der Partei des Präsidenten einen knappen Vorsprung. Doch auch die Regierungsgegner um den Oligarchen Bidsina Iwanischwili rechnen am Montag mit einem Sieg.

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ARTICLE: Georgia election on a knife edge as two visions collide. By Luke Harding (guardian.co.uk)


Luke Harding(guardian.co.uk) Billionaire Bidzina Ivanishvili's intervention has transformed the political climate on Russia's doorstep 

In a glass mountain-top palace that looms over Tbilisi like something from a Bond movie, Bidzina Ivanishvili talks fondly of his penguins. It's not true, he says, that he keeps them in a special refrigerator. "I have a breed capable of standing normal temperatures," he explains. He also owns several lemurs, a herd of deer and a pet zebra – not to mention a stunning collection of modern art, all financed with a fortune made in Russia.
The billionaire is leading the country's once-divided opposition into the most important election since the rose revolution swept the old order from power almost a decade ago. For the first time, Mikheil Saakashvili – the hero of that hour – faces a real challenge to his authority in parliamentary elections on Monday that could change the course of this corner of the Caucasus. 

Bidzina Ivanishvili
Photograph: Georgy Abdaladze/AP
The poll is bitterly contested. This small mountain nation (population: 4.7 million) on the doorstep of Russia is more polarised than at any time since 1991 and independence from the Soviet Union. At stake is whether Georgia moves towards genuine democracy, or whether the rose revolution that swept Saakashvili to power in 2003 fizzles out.

The country is also at the heart of a strategic battle between Moscow and the west. Russia insists Georgia is part of its backyard. To prove a point, it invaded in 2008 after Saakashvili unwisely tried to grab back rebel South Ossetia. Washington and the EU say Georgia is a sovereign nation that can decide its own destiny. Two geopolitical visions, Atlanticist and neo-Soviet, collide in a landscape of ancient villages, medieval towers and breathtaking mountains.

Until recently, Saakashvili and his ruling United National Movement party had been expected to cruise to victory. All this changed after the release by two opposition TV stations 12 days ago of a horrific video showing prison officers abusing inmates and sodomising them with broom handles. "When I watched it I thought it was a nightmare. The images were just awful," said Khatuna Kipiani, an opposition supporter.
The video revealed something rotten at the heart of Georgia's state. It has appalled Georgian voters, embarrassed the authorities, and led to a surge of support for Georgia's opposition and for Ivanishvili, whose $6.4bn (£4bn) fortune is put at half of Georgia's GDP. He burst on to the political scene a year ago, following years of quiet philanthropy in which he had paid for police uniforms, restored crumbling churches and funded salaries for actors and struggling artists – a sort of Georgian fairy godfather.

His Georgian Dream coalition, named after a song by his rapper son, lags behind Saakashvili's ruling party in the ratings. But it is catching up, according to the latest polls. On Saturday evening, 100,000 Georgian Dream supporters packed into Tbilisi's central Rustaveli Avenue. "It is as clear as day – we will win and achieve another victory in the history of our nation," Ivanishvili told them. "We will not let anyone separate us from civilisation, modern times and democracy."

His rise has spooked the government. It has variously dismissed him as a Kremlin stooge, a political dilettante, a "weirdo", and an old-style paternalist. Government aides mock his zoo, kept at his village home in western Georgia. They also say his sprawling coalition includes unsavoury elements, such as xenophobes and fans of Stalin, who was born in the Georgian town of Gori. But, undoubtedly, Ivanishvili has plugged into a mood of popular discontent and fatigue with Saakashvili, who critics say has become increasingly dictatorial.

Ivanishvili dismisses the government's many charges against him and says that it is Saakashvili who is the monster: "I'm very happy that I'm physically here and alive. You don't know Saakashvili's true face. He's capable of doing some atrocious things."

Thousands of observers have flooded into Georgia for the election. Lobbyists hired by Ivanishvili have bombarded members of the US Congress and other opinion-makers with emails promoting Georgian Dream and accusing Saakashvili of treachery. The Georgian government has hit back: all international visitors to Georgia, a land of ancient viniculture, receive a free bottle of Saperavi wine from passport control. The government also says that Ivanishvili is using his money, made in the 1990s, to buy the election.

In a report on Saturday, Transparency International, which describes itself as an anti-corruption organisation, blamed both sides for presenting "simplistic programmes" for increased social spending. For many voters, it is poverty and unemployment that have driven them to support Georgia's opposition.

Sitting in a Tbilisi park on a warm evening, next to a statue of Giorgi Leonidze, a Georgian poet, Manana Nizharadze said she was surviving on a state pension of just 100 lari (£37) a month. "We live very badly. Wages are low. Communal charges are high. We can't afford medicines," she said. "Saakashvili is a bad person."

Edward Saakashvili, a distant relative of the president, demurred. "He's done good things. People don't like discipline," he said, tossing back a glass of schnapps.

Many voters complain of the president's disastrous 2008 war with Russia. Both South Ossetia and Abkhazia – which broke away in the 1990s – are now home to a massive Russian military presence. Russia's president, Vladimir Putin, who famously described how he wanted to "hang Saakashvili by the balls", conducted military exercises there last week, a crude reminder to Tbilisi that Moscow could reinvade any time.

"Shevadnadze lost the whole of Abkahzia. Misha [Saakashvili] lost Ossetia. It was a big mistake," said Nizharadze.

Saakashvili's own future is unclear. He is 44 and due to step down as president in January 2013. His government has enacted constitutional changes that will transform Georgia next year from a presidential to a parliamentary republic. This has fuelled speculation that Saakashvili is planning to "do a Putin", and perform a job swap that would see him hang on to executive power by becoming prime minister.
His government colleagues, however, are sceptical of such a manoeuvre. "Politically it's impossible," said Giga Bokeria, secretary of Georgia's national security council.

Sunday, September 30, 2012

WAHLEN: Georgiens Präsident Saakaschwili - Demokratisch wie Putin. Aus Georgien berichtet Benjamin Bidder. (spiegel.de)

(spiegel.de) Micheil Saakaschwili hat Georgien zwar modernisiert. Weil er aber 2013 als Präsident nicht mehr kandidieren darf, will er nach Kreml-Muster als Premierminister an der Macht bleiben - wie einst sein Erzfeind Wladimir Putin. Der Parlaments-Wahlkampf wird erbittert geführt.

Diese Studenten fordern einen Machtwechsel in Georgien.Damals, als der mächtigste und der reichste Mann des Landes noch Partner waren und nicht Feinde, lud Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili den Milliardär Bidsina Iwanischwili zu einer Spritztour ans Schwarze Meer ein. Der Staatschef wollte dem Oligarchen das Fortschreiten seines Prestige-Projekts demonstrieren. In einer Mercedes-Karosse glitten die beiden Männer, die sich vor der Parlamentswahl am Montag nun erbittert bekämpfen, entlang der Uferpromenade der Schwarzmeerstadt Batumi. Saakaschwili zeigte durch die Fenster auf in die Höhe strebende Baustellen von Casinos, Restaurants und Hotels.

Batumi ist der Ort der größten Erfolge von Saakaschwili, der 2004 mit gerade einmal 36 Jahren zu Europas jüngstem Staatschef gewählt wurde. Kaum im Amt, brach in Batumi auch schon das Regime von Aslan Abaschidse zusammen. 

Provinzfürst Abaschidse hatte eine bemerkenswerte Karriere hinter sich: Vom Ex-Sowjetfunktionär hatte er sich zum Mafia-Paten gemausert. Batumi und die Region Adscharien entzog er der Gewalt der Regierung in Tiflis, nur um sie ungestört ausplündern zu können. Batumi, "die Perle des Schwarzen Meeres", hatte damals eigene Truppen der Staatssicherheit und ein eigenes Staats-TV, aber keine funktionierende Kläranlage.

"Damals gab es in der ganzen Stadt 200 Hotelzimmer, heute sind es 4000", sagt Davit Kikawa, Chef der örtlichen Tourismusbehörde. Der 36-Jährige hat in Heidelberg Politikwissenschaft studiert. Nach der Rosenrevolution aber kehrte er nach Georgien zurück. Saakaschwilis Regierung lockte junge Experten mit Auslandserfahrung. Ein Porträt des Präsidenten, der versprochen hat, Batumi zur "schönsten Stadt der ganzen Schwarzmeer-Region" zu machen, hängt an der Wand von Kikawas Büro.

Seit 2004 sind 1,2 Milliarden Dollar nach Batumi geflossen, darunter Geld aus den USA und der EU. Ausländische Architekten haben die kilometerlange Uferpromenade neu gestaltet, Hotelketten wie Sheraton und Radisson Fünf-Sterne-Häuser eröffnet. An den Tischen von Casinos wie dem "Peace" spielen einträchtig Iraner, Armenier und Aserbaidschaner Poker. An der Küste erhebt sich ein griechisches Restaurant, das aussieht wie eine Kopie der Akropolis, und ein Brunnen, aus dem mehrmals in der Woche statt Wasser Tschatscha sprudeln soll, georgischer Schnaps.

Verloren sich 2003 noch gerade einmal 70.000 Besucher in die Stadt am Schwarzen Meer, waren es im vergangenen Jahr schon 1,3 Millionen. Batumi boomt, dabei ist es noch immer mitten im Bau: der Pier für die großen Kreuzfahrtschiffe etwa, der 2014 fertig sein soll, und der Wolkenkratzer der "American University", höher als jedes Gebäude im Kaukasus.

Das Hemd spannt über dem stattlichen Bauch
 
Deren Eröffnung darf Micheil Saakaschwili als Präsident nicht mehr erleben. Nach zwei Amtszeiten verbietet ihm die Verfassung 2013 eine erneute Kandidatur. Saakaschwili, 2004 mit Vorschusslorbeeren als Vorzeige-Demokrat an die Macht gekommen, steht dann vor seiner schwierigsten Prüfung. Soll Georgien zu einem demokratischen Vorbild für die Region werden, muss er schaffen, woran Herrscher in Moskau, Kiew, Minsk oder im Kaukasus regelmäßig scheitern: Er muss freiwillig von der Macht lassen.

Kutaissi, die zweitgrößte Stadt des Landes, Saakaschwili absolviert hier einen Wahlkampfauftritt. Der Präsident trägt Jeans. Hinter ihm schimmern türkis die Dächer einer restaurierten mittelalterlichen Kathedrale. In den neun Jahren im Amt sind Saakaschwilis Schläfen ergraut, das legere rote Hemd spannt ein wenig über dem inzwischen stattlichen Bauch. Er hat die jungenhafte Ausstrahlung verloren, die ihn einst auszeichnete, aber mit 44 Jahren ist er immer noch jünger als Barack Obama bei dessen erster Wahl 2008.

Saakaschwili spricht in Kutaissi viel über die Einigkeit der Nation, über "mehr Wohltaten für das Volk". Aber er wirkt nicht wie jemand, der bereit ist, im kommenden Jahr sein unvollendetes Lebenswerk in die Hände eines anderen zu übergeben. 

Keiner der Staaten der ehemaligen Sowjetunion hat so gründlich versucht, das sowjetische Erbe abzuschütteln wie Saakaschwilis Georgien. In den Anti-Korruptions-Ranglisten von Transparency International hat das Land einen Satz von 60 Plätzen auf Rang 64 gemacht. Georgien liegt damit fünf Plätze vor Italien, 65 vor dem Nachbarland Armenien - und 124 Plätze vor dem großen Nachbarn Russland. Beim "Ease of Doing Business"-Index der Weltbank hängt der Kaukasus-Staat auf Position 16 sogar Deutschland ab. 

Georgien ist ein Vorbild, weit über seine Grenzen hinaus. Vitali Klitschko, der Boxer, der auch ukrainischer Oppositionspolitiker ist, preist in seinem Wahlkampf die georgischen Reformen. In Moskau macht in Oppositionskreisen ein Buch die Runde, dessen Titel lautet: "Warum es bei Georgien geklappt hat."

Saakaschwilis Reformer-Image hat Kratzer bekommen
 
Doch Saakaschwilis Reformer-Image hat Kratzer bekommen. 2007 ließ er Massenproteste niederknüppeln, Hunderte wurden verletzt. 2008 dann brach er - durchaus vom Gegner provoziert - den Fünf-Tage-Krieg mit Russland vom Zaun. Mitte September dann wurden Fälle von Folter in Saakaschwilis überfüllten Gefängnissen bekannt. In der Hauptstadt Tiflis demonstrieren seither beinahe täglich Tausende.
Wenn das Oppositionsbündnis "Georgischer Traum" des Milliardärs Bidsina Iwanischwili bei den Parlamentswahlen am Montag aus dem Stand auf ein respektables Ergebnis und nach manchen Umfragen sogar auf den Sieg hoffen kann, liegt das in erster Linie an den Fehlern von Saakaschwili.

Der Präsident hat blutjunge Minister in sein Kabinett berufen. Die Wirtschaftsministerin ist 31, der Ressortchef Umwelt 29. Doch wer älter ist als 45 hat kaum Chancen auf einen Job in Georgien.

Saakaschwilis Polizeireform hat zwar die Korruption im Alltag ausgerottet, auf den höheren Ebenen dagegen blüht sie weiter. Nach Angaben von Transparency International gebietet ein Ex-Verteidigungsminister über ein einflussreiches Firmengeflecht und die größten Tankstellenketten. Undurchsichtige Briefkastenfirmen, registriert in Offshore-Zonen, kontrollieren weite Teile der Wirtschaft.

Saakaschwili, der doch sein Land in ein zweites "Singapur oder Dubai" verwandeln wollte, eifert auch einem Lehrmeister mit zweifelhaftem Ruf nach: Russlands starkem Mann Wladimir Putin.

"Nur ein Prozent aller Prozesse endet mit einem Freispruch"
 
So bekamen Geschäftsleute, die Büros an die Opposition vermieten wollten, Besuch von Geheimdienst und Polizei. Auch an georgischen Gerichten herrschen russische Verhältnisse: "Nur ein Prozent aller Prozesse endet mit einem Freispruch", sagt Tamar Tschugoschwili, Chefin der Vereinigung junger Rechtsanwälte. Saakaschwili, sagt der Tifliser Politikprofessor Iago Katschkatschischwili, habe eine "Vertikale der Macht geschaffen ähnlich wie Putin".

Saakaschwili hat zudem alles vorbereitet, um jenes Manöver nachzuvollziehen, mit dem Putin 2008 die Macht in den Händen behielt. Putin durfte damals nach zwei Amtszeiten wie Saakaschwili heute nicht mehr als Staatschef kandidieren. Er wechselte deshalb einfach auf den Posten des Regierungschefs, nur um nach vier Jahren in diesem Mai wieder auf den Kreml-Thron zurückzukehren.

Vor seinem Abschied vom Präsidentenamt hat Saakaschwili Georgiens Verfassung ändern lassen: Ab 2013 gewährt sie Parlament und Premierminister größere Vollmachten und schwächt die Position des Präsidenten.

Als Saakaschwili im Juni US-Außenministerin Hillary Clinton in Batumi empfing fragten ihn Reporter, ob er "kategorisch ausschließen kann, Premierminister zu werden." Der Präsident hob damals zu einer langen Rede über erfolgreiche Projekte wie die Verlegung des Parlaments von Tiflis nach Kutaissi an. Er sprach davon, dass die "georgische Demokratie stärker wird", und davon, dass er "sich nicht freiwillig in eine lahme Ente verwandeln" wolle. Nur auf die Frage der Reporter antwortete er nicht. 

"Er ist eben auf den Geschmack der Macht gekommen", sagt Politologe Katschkatschischwili. "Freiwillig wird er sie nicht abgeben."

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