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Wednesday, November 18, 2020

VIDEO: Der Historiker Philipp Ammon wurde von Dr. Klaus Ther vom Österreichischer Rundfunk zu den historischen Hintergründen des Karabachkonfliktes interviewt.



Philipp Ammon wurde von Dr. Klaus Ther vom Österreichischer Rundfunk zu den historischen Hintergründen des Karabachkonfliktes interviewt. Auszüge des Interviews erschienen in der Sendung "ORF Orientierung". Mit der "Abstimmung" (1:33) ist die Abstimmung des Kawbjuros (Кавказское Бюро Центрального Комитета РКП(б), Kaukasisches Büro des ZK der RKP(B)) gemeint. Am 3. Juni 1921 sprach es Karabach Armenien, am 5. Juli 1921 Aserbaidschan zu. Die Niederschlagung der armenischen antibolschewikischen Erhebung in Sangesur enthob die Bolschewiki der Notwendigkeit, auf die Armenier Rücksicht zu nehmen. Strategisch entscheidender war für die Bolschewiki nun die Beziehung zur kemalistischen Türkei, mit der Sowjetrußland am 16. März 1921 einen Freundschaftsvertrag unterzeichnet hatte. Die ab Minute 14:31 geäußerte Vermutung, Rußland werde erst nach einer Schwächung Armeniens eingreifen, scheint sich mittlerweile bestätigt zu haben.

Philipp Ammon was interviewed by Dr. Klaus Ther from the Austrian Broadcasting Corporation about the historical background of the Karabakh conflict. Excerpts from the interview were shown in the program "ORF Orientation". The "vote" (1:33) means the vote of the Kavbyuro (Кавказское Бюро Центрального Комитета РКП (б), Caucasian bureau of the RCP(b) Central Committee). On June 3, 1921, the Kavbyuro awarded Karabakh to Armenia, and on July 5, 1921 to Azerbaijan. The suppression of the Armenian anti-Bolshevik uprising in Sangesur relieved the Bolsheviks of the need to show consideration for the Armenians. Having already signed a friendship treaty with Turkey on March 16, 1921, the Bolsheviks now decided to send thus a positive signal to their Kemalist allies. The assumption made from 14:31 onwards that Russia would only intervene after Armenia has been weakened seems to have been confirmed in the meantime.

Friday, October 16, 2020

INTERVIEW: Historiker Philipp Ammon zu Bergkarabach-Konflikt: "Ohne Großmächte kein Frieden". Von André Ballin via derStandard.at

[derstandard.de] Der Streit um die Kaukasusregion ist nicht neu. Philipp Ammon spricht über Hintergründe und Geschichte eines in Europa weitgehend unbekannten Konflikts

INTERVIEW André Ballin 15. Oktober 2020

Philipp Ammon
Der am Wochenende geschlossene Waffenstillstand hat die Kriegshandlungen im Kaukasus bislang nicht stoppen können. Immer noch kämpfen Eriwan und Baku verbissen um jeden Meter in der umstrittenen Region, die mehrheitlich von Armeniern bewohnt wird, völkerrechtlich aber zu Aserbaidschan gehört. Warum das so ist und warum die Region bei der Lösung des Problems in Richtung Schweiz schauen sollte, erklärt der Kaukasus-Experte Philipp Ammon.

STANDARD: Tschetschenien-Krieg, Abchasien-Krieg, Südossetien-Konflikt, Bergkarabach-Krise: Das Wort Kaukasus löst oft Kriegsassoziationen aus. Ist der Kaukasus historisch tatsächlich eine besonders umkämpfte Region?

Philipp Ammon: Durch den Kaukasus laufen seit jeher viele Handelsrouten. Neben der bekannten Seidenstraße ist der Kaukasus auch im Nord-Süd-Verkehr ein Knotenpunkt. Die strategisch wichtige Lage weckte einst das Interesse gleich dreier Machtzentren, die dort um die Vorherrschaft stritten: im Südosten die Perser, im Südwesten zunächst das Römische, dann das Byzantinische und später das Osmanische Reich und im Norden dann auch das Russische Reich. So mussten sich die Bewohner stets nach außen militärisch schützen. Dadurch ist eine wehrhafte Mentalität entstanden.

STANDARD: Warum liegt das von Armeniern bewohnte Bergkarabach überhaupt in Aserbaidschan?

Ammon: Bis zum Vertrag von Turkmantschai 1828 gab es das ethnisch sehr durchmischte Khanat Karabach. Später nahm der Anteil der Armenier deutlich zu, weil sie vor Verfolgungen im Perserreich und dem Osmanischen Reich nach Russland flüchteten. Diese Homogenisierung setzte sich zu Sowjetzeiten fort.

STANDARD: Trotzdem wurde die Region Aserbaidschan zugeschlagen. Warum?

Ammon: Damit sollte der Kaukasus insgesamt fester an die Sowjetunion gebunden werden. Das Matrjoschka-Prinzip, in der jede Republik noch einmal in autonome Gebiete unterteilt wurde, sollte nationale Sezessionsbewegungen erschweren. Diese bewusste Verknäuelung diente dem Prinzip "Teile und herrsche".

STANDARD: Wo liegen die Ursachen des Bergkarabach-Konflikts?

Ammon: Erste Massaker zwischen Armeniern und Aserbaidschanern gab es schon zu Zarenzeiten. Sie waren religiös, aber auch sozial bedingt, weil Armenier aufgrund ihres Bildungsdrangs schneller aufstiegen als ihre Nachbarn. Das weckte Neid.

Aber Ursache des aktuellen Konflikts ist eben die sowjetische administrative Verschachtelung, die Ende der 1980er-Jahre in vielen Republiken zu ethnischen Konflikten führte. Die Armenier baten in Moskau um die Übergabe Bergkarabachs, was in Aserbaidschan natürlich nicht gut ankam. Es folgten die Pogrome in Sumgait 1988 und in Baku 1990 an der armenischen Minderheit. Auf der Gegenseite verübten Armenier 1992 in Chodschali ein Massaker an Aserbaidschanern. Seither sehen sich beide Völker als Todfeinde. Ohne Willen der Großmächte ist kein Frieden möglich.

STANDARD: Welche Rolle spielen Moskau, Ankara und Teheran?

Ammon: Die Türkei unterstützt Aserbaidschan seit Jahren unter der Losung "Ein Volk, zwei Staaten". Jetzt ist die Hilfe offener denn je, wohl auch, um von eigenen inneren Problemen abzulenken und die sinkende Popularität von Tayyip Erdoğan zu festigen. So liefert Ankara die Bayraktar-Drohnen, wohl einige Militärberater und lässt syrische Kämpfer in das Konfliktgebiet passieren.

Russland wiederum versteht sich als traditionelle Schutzmacht Armeniens, wird aber nicht automatisch militärisch auf Eriwans Seite eingreifen. Moskau will vor allem den Südkaukasus als Einflusssphäre nicht verlieren. Dazu setzt der Kreml auf gute Beziehungen zu Eriwan und Baku. Zum Konflikt beigetragen hat Russland durch den eifrigen Waffenverkauf in die Region – an Aserbaidschan zum Weltmarktpreis, an Armenien zum Selbstkostenpreis. Der Iran hat historisch enge Bindungen zu Aserbaidschan, hilft aber im Konflikt eher Armenien, weil Teheran bei einem Erstarken Aserbaidschans Abspaltungsbestrebungen der aserbaidschanischen Minderheit im eigenen Land fürchtet.

STANDARD: Ist noch jemand involviert?

Ammon: Die USA und Israel wollen in den Iran hineinhorchen und haben daher in Aserbaidschan Interessen. Auch darum hat Israel die Harop-Drohnen an Baku geliefert. Die Drohnen sind die technologische Basis für den aserbaidschanischen Vorstoß in Bergkarabach, denn die Kampfkraft der aserbaidschanischen Armee schätze ich schwächer als die der armenischen ein, weil die Staatsbindung der Aserbaidschaner geringer ist und ihre Motivation zu kämpfen auch.

STANDARD: Gibt es denn eine Lösung für den Konflikt?

Ammon: Das beste Modell für den gesamten Kaukasus, nicht nur für Bergkarabach, wäre wohl eine Kantonslösung à la Schweiz, wonach jedes Sprachgebiet sich möglichst weit selbst verwaltet und der Kaukasus insgesamt eine Föderation bildet. Das erfordert aber viel guten Willen und Druck von außen, denn untereinander sind Armenier und Aserbaidschaner derzeit nicht kompromissfähig. Derzeit ist so etwas sehr unwahrscheinlich, auch weil Russland und die Türkei keine langfristige Strategie haben, sondern eher situationsgebunden reagieren. (André Ballin, 15.10.2020)

Sunday, January 10, 2016

SÜD-KAUKASUS: Region Berg-Karabach - In einem Land, das es nicht gibt. Von Sven Töniges (deutschlandfunk.de)

(deutschlandfunk.de) Berg-Karabach, eine Region im Südkaukasus, ist seit fast 25 Jahren eine selbsternannte Republik. Seit Jahrhunderten streiten Armenier und die heutigen Aserbaidschaner um die Bergregionen. Bis 1994 wurde dort Krieg geführt, seitdem halten armenische Truppen Berg-Karabach und rund ein Sechstel Asaerbaidschans besetzt. Ein Lösung ist nicht in Sicht, eine Reise war es trotzdem wert.

Von Sven Töniges


Foto: Maxence Peniguet


"Oh, du geliebtes Heimatland", singen die Männer. "Oh, Ihr meine hohen Gipfel". Die geliebten hohen Gipfel: Das sind die Zweieinhalbtausender des Südkaukasus, die geliebte Heimat: Das ist Berg-Karabach. Rund 50 Männer sind an diesem Abend in die Stadt Shuschi gekommen, die allermeisten tragen Tarnfleck. Sie wollen ihre Heimat besingen - und ihre gefallenen Kameraden, mit denen sie gekämpft haben vor mehr als 20 Jahren. Der Besucher aus Deutschland wird etwas bestaunt. Nicht allzu oft kommen Touristen vorbei in ihrem schönen Land und in ihrem schönen Staat - den es eigentlich gar nicht gibt. Aber der Reihe nach.

Kommen Sie nach Berg-Karabach, hatte mir Herr Khachian gesagt auf der Tourismusmesse in Berlin. Einfach, weil es wunderschön dort ist, hatte er gesagt. So ähnlich wie in der Schweiz. "Karabach – Ein versteckter Schatz", und: "Ein unentdeckter Schatz", stand auf den Prospekten, die mir Herr Khachian in die Hand drückte.

Berg-Karabach, oder: Nagorny-Karabach. Da ist ein leises Echo irgendwo aus den Nachrichten der frühen 90er-Jahre; irgendwas mit Kaukasus kommt einem da in den Sinn. Irgendwas mit der kollabierenden Sowjetunion. Einer dieser sowjetischen Nachfolgekriege, für die sich Europa bald nicht mehr interessierte. Wie in der Schweiz also soll es dort sein, in Berg-Karabach.

Ein paar Wochen später überreicht mir der nette Beamte ein Visum der Republik Nagorny-Karabach. Rund fünf Stunden hatte das Sammeltaxi von Eriwan gebraucht über den mächtigen Worotan-Gebirgspass nahe der Grenze zum Iran. Ein unscheinbares Gebäude offenbart sich als Grenzstation. Eine große Schautafel heißt die Besucher willkommen: Republik Berg-Karabach, steht da. 140.000 Einwohner, zu 98 Prozent Armenier, Territorium: 12.000 Quadratkilometer.

Dieser Staat existiert nicht

Was hier nicht steht: Dieser Staat existiert nicht. Nicht nach Ansicht der Vereinten Nationen oder dem Europarat. Völkerrechtlich befinden wir uns in Aserbaidschan. Kein einziger Staat der Welt hat die Republik Berg-Karabach anerkannt - nicht einmal der große Bruder: Armenien. Dabei hatte Armenien zwischen 1992 und 1994 mit Aserbaidschan einen blutigen Krieg um die damalige Exklave Karabach geführt. Die Armenier siegten. Und doch traut sich Jerewan bis heute nicht, die Karabach-Republik anzuerkennen - geschweige denn sich einzuverleiben. Im gleichen Moment würde der Krieg wieder ausbrechen.

Das Taxi schraubt sich ein enges, satt grünes Tal hinauf. Die Straße ist gut ausgebaut. Der Asphalt ist frischer, die Leitplanken sind neuer als eben noch auf der armenischen Nationalstraße. Oben wartet Bergpanorama. Sanft geschwungene Kämme, dahinter felsige Gipfel. Die Schweiz? Kommt schon hin. Bergkarabach oder Nagorny-Kara-Bach: Das bedeutet wörtlich: der bergige schwarze Garten. Aus drei Sprachen speist sich der Name: Russisch, Türkisch und Persisch. Ein erster Hinweis darauf, dass diese Gegend stets Zankapfel der Großmächte war - und ist.

Was denn das für lange Metallseile seien, die da immer wieder über das Tal gespannt sind? Seilbahnen?, frage ich meinen Sitznachbarn. Nein, sagt er, das ist zur Abwehr von Hubschraubern. Dann ein Ortsschild: "Stepanakert". Hauptstadt der Republik Bergkarabach.

Perfektes sowjetisches Kleinstadt-Idyll

Gepflegte neoklassizistische Straßenlaternen aus der Sowjetzeit werfen ihr Licht auf besenreine Straßen; ein Väterchen mit Schirmmütze zieht akkurat einen Zebrastreifen nach. Uniformierte mit breiten Tellermützen schlendern rauchend die Straße entlang. Hie und da rollt ein Wolga oder ein Lada vorbei. Perfektes sowjetisches Kleinstadt-Idyll.

Auch nebenan auf der "Allee der Liebenden", einer etwas zu großzügig geratenen Freitreppe.

Hier stehen Artak Grigorian und seine Frau Gayane. Das Paar erwartet in drei Wochen die Geburt ihres ersten Kindes, erzählen sie. Sie sei sehr aufgeregt, sagt die 21-jährige Gayane. Sorgen, dass ihr Kind in einem Land aufwächst, das sich de jure im Kriegszustand befindet, habe sie nicht.

"Nein, natürlich nicht. Mag sein, dass man in Europa Bergkarabach mit Konflikt- und Krisengebiet gleichsetzt. Wir leben hier in unserer Heimat. Und wir leben in Frieden hier. Wir hoffen, dass unsere Kinder auch in Frieden leben werden."

Dass das so bleibt, dafür sorgt eine Armee mit geschätzten 30.000 Soldaten - und das bei gerade einmal 100.000 Einwohnern - eine wiederum geschätzte Zahl. Die real existierende Armee ist die größte Rückversicherung des Operetten-Staates Berg-Karabach. Alle anderen Institutionen haben nicht allzu viel zu melden: Nicht der international nicht anerkannte Präsident in seiner großen Residenz in Stadtzentrum, nicht das international nicht anerkannte Parlament im üppigen Neubau gegenüber.

Wahrlich präsidial ist indes auch das Büro von Sergey Shahverdiyan. Der Chef der Behörde für Tourismus und Erhaltung der historischen Umwelt der Republik Berg-Karabach hat mich geladen, um mir zu erklären, warum die Zukunft seines Landes im Tourismus liege. Vier Telefone stehen auf dem tiefen Schreibtisch. Sergey Shahverdiyan hat Großes vor. Er will den Tourismus zur Schlüsselindustrie seines Landes ausbauen, zum Hauptdevisenbringer. Ob das nicht etwas zu ehrgeizig sei, in einer Region, die wenn überhaupt nur als Krisengebiet bekannt ist?

Nein, sagt Herr Schahverdiyan, seit 1995 hole er jetzt schon Touristen ins Land. Noch sei nie jemand verletzt worden. "Berg-Karabach, das ist für Besucher sicherer als Berlin!"

4.000 Jahre Geschichte hat Herr Khachian in Berlin versprochen. Reiseführer Narek präsentiert nun eine der archäologischen Perlen von Berg-Karabach: die Ausgrabungen von Tigranakert rund eine halbe Autostunde von der Hauptstadt Stepanakert entfernt. Die archäologische Stätte liegt am Fuße eines Bergrückens. Ab hier erstreckt sich nur flaches Land, Steppe.

Diese Stadt wurde vom armenischen König Tigran dem Großen gebaut, erzählt Reiseführer Narek. Tigran regierte von 95 bis 55 vor Christus.

Die Bedeutung Tigrans, sagt Narek, könne nicht hoch genug geschätzt werden. Es sei der wichtigste Herrscher der armenischen Geschichte gewesen. Vom Mittelmeer bis zur kaspischen See erstreckte sich sein Reich. Armenien von Meer zu Meer, wurde es genannt.

Zu Sowjetzeiten, als das Gebiet zur aserbaidschanischen Sowjetrepublik gehörte, sei hier ein vermüllter Rastplatz gewesen. Nun steht, soeben fertiggestellt, eine aufwendig rekonstruierte Festung aus dem 17. Jahrhundert. Darin ein kleines Museum. Die ausgestellten Artefakte und die Schautafeln sollen belegen: Das hier ist armenisches Land. Seit 2.000 Jahren.

Agdam einst eine aserbaidschanische Stadt

Durch die Schießscharten des Mauerwerks eröffnet sich ein weiter Blick hinein in die Tiefebene. Wenige hundert Metern entfernt zeichnen sich Mauerreste ab. Grundmauern von Häusern sind zu erkennen, bei genauerem Hinsehen reichen sie bis zum Horizont? Noch eine antike Ausgrabungsstätte also? Durch das Tele der Kamera erkenne ich die Gerippe mehrerer Plattenbauten, die Silhouette zweier Türme, vielleicht Schornsteine; und rundherum die Ruinen über Ruinen. Hier muss einmal eine Großstadt gewesen sein. "Das ist militärisches Speergebiet", sagt Narek schmal-lippig und drängt zur Weiterfahrt. Was da im Hintergrund liegt ist Agdam, einst eine mittlere aserbaidschanische Großstadt, die 1993 von den Armeniern gebrandschatzt wurde.

Eine Autostunde später und drei Vegetationszonen höher. Ringsum falten sich dicht bewaldete Berge auf. Wie ein Tapete im Hintergrund: die firnbedeckten Dreitausender-Gipfel des Kleinen Kaukasus. Reiseführer Narek steht vor dem Kloster Gandzasar. 1216 gegründet als geistliches Zentrum des Fürstentums von Khachen. Heute residiert der Erzbischof von Nagorny-Karabach hier.

Dicke Mauern schützen die Klosteranlage. Über Jahrhunderte musste der Bau dem ständigen Hin-und-Her zwischen muslimischen und christlichen Eroberern im Südkaukasus trutzen. Der Kirchenbau ist eine mustergültige armenische Kirche mit einem polygonen, mittigen Turm.

Es sei einer der wichtigsten armenischen Sakralbauten des Mittelalters, erklärt Narek. Nun kämen jeden Sonntag um Elf die Gläubigen aus Berg-Karabach hierher, um zu beten. Für die Republik Berg-Karabach ist es ein geradezu mythischer Ort, erklärt Narek.

Ein breitschultriger Mann in tarnfarbener Uniform und mit gewaltigem Schnauzbart eilt herbei. Auf seiner Brust glänzen anderthalb Dutzend Orden. "Stendal!", ruft er und zeigt eine verblasste, diffuse Tätowierung auf dem rechten Unterarm.

Als junger Soldat sei er in Deutschland, in Stendal, stationiert gewesen. Dann zieht er einen Ausweis hervor. Die Mitgliedskarte der Union der Veteranen des Karabach-Krieges. Aragat Mkrtchyan steht da. Aber alle nennen ihn nur bei seinem Kampfnamen: Bondo. Dass er heute mit einigen Kameraden auf dem Klosterberg sei, das habe Tradition, erklärt Bondo.

"Wir haben dieses Kloster verteidigt. Sie haben es immer wieder bombardiert. Die Aserbaidschaner griffen mit Suchoi-25-Kampfjets an. Gerade einmal eine Bombe traf, eine 500 Kilobombe, sie fiel auf das Haus da drüben. Aber: Sie explodierte nicht. Es ist ein Wunder. Wir waren nur ein paar Mann, auch der Priester hat mitgekämpft."

Reichlich Wodka und Tränen

Und heute Abend wollen Sie feiern, sagt Bondo. Veteranen des Karabach-Kriegs, Freiheitskämpfer, wie sie sich nennen, von überall her kommen sie heute Abend nach Shushi. Auf den Tag genau vor 23 Jahren hätten sie die Stadt von den Aserbaidschanern erobert. "Befreit", im hiesigen Sprachgebrauch. Deswegen wird heute ein Lamm geschlachtet. Dafür haben sie sich gerade im Kloster Gandzazar den Segen abgeholt. Ich bin eingeladen. Heute Abend in Shushi.

"Wach auf und sattel' dein weißes Pferd, ruf deine Kämpfer. Und rette dein schönes Heimatland."

Reichlich Wodka und Tränen fließen im Festsaal eines Hotels in Shushi. Rund 50 Veteranen, fast alle in Tarnfleck, sind gekommen. Das Lamm ist geschlachtet, alles was das Tier hergibt ist auf den Tisch gewandert; dazu reichlich Lavash, das dünne armenische Fladenbrot, Gurken, Tomaten und herber Ziegenkäse. Alles wird mit Wodka heruntergespült. General Varsham Gorian, Chef des Veteranen-Verbands, erhebt sein Glas.

"Uns allen ein glückliches Festmahl! Ehre sei unseren Kameraden. Ihr Blut war der Preis dafür, dass wir hier heute friedlich zusammensitzen dürfen. Zum Wohle! Glückwunsch. Auf den Frieden."

"Diese Männer hier haben an der Befreiung von Shushi teilgenommen. Shushi ist das Zentrum der armenischen Kultur. Armenien ist ein von Gott gemachter Himmel - und Shushi ist ein strahlender Stern darin. Unser Alphabet, das armenische Alphabet ist das Taschentuch Gottes. Noahs Arche ist auf dem Berg Ararat gestrandet, auf dem wichtigsten Symbol der armenischen Nation. Also hat die Geschichte mit dem armenischen Volk begonnen."

Shushi, oder Shusha, wie die Stadt auf Aserbaidschanisch heißt: In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1992 erklommen armenische Einheiten die Felsen um die 1.500 Meter hochgelegene Feste und überwältigten die aserbaidschanischen Truppen. Ein Wendepunkt des Krieges.

Der nächste Toast wird ausgebracht. Es gibt sehr gute Neuigkeiten, ruft einer der Veteranen. Der US-Bundesstaat Kalifornien habe Berg-Karabach als unabhängiges Land anerkannt!

Draußen vor der Tür ruht Shushi. Strahlender Stern im armenischen Himmel, so hatte der General die Stadt genannt. Strahlend: nicht der erste Begriff, der einem unterhalb des Hotels in den Sinn kommt. Graubraun die Häuser zu beiden Seiten der menschenleeren Straße. Bis auf das verblasste Rosa des einstigen Sowjetkinos. Dahinter, wie Ausrufezeichen, die Minarette einer in Trümmern liegenden Moschee.

Historisches Zentrum

Als Jerusalem des Kaukasus gilt Shusha beziehungsweise Shushi. Historisches Zentrum der aserbaidschanischen Kultur - und der armenischen. Hier konnte er lange besichtigt werden: der Kaukasus als Berg der Völker, als Nahtstelle zwischen Nord und Süd, Ost und West, Christentum und Islam. Doch immer wieder wurde die Stadt zerstört, wurde mal der armenische und mal der aserbaidschanische Teil der Bevölkerung vertrieben oder gar massakriert. Nun, seit dem letzten Krieg. Ist Shushi - so wie ganz - Berg-Karabach rein armenisch. Ethnisch bereinigt, wenn man dieses Wort benutzen möchte.

"Oh, du geliebtes Heimatland, oh, Ihr meine hohen Gipfel", singen die Männer drinnen im Hotel Und doch schauen die meisten mit nachdenklichem, vor allem aber müdem Blick auf das Geschehen. "Heute Abend wollen wir nur an die schönen Dinge denken." Das sagt mir ein Veteran in Panzergrenadier-Uniform.

Auf dem Weg zurück ins Hotel nach Stepanakert. Gleich am Ortseingang ist ein Banner gespannt. Auf Russisch und auf Englisch ist es beschrieben, mehrsprachig, wie in der Schweiz: "Wir glauben an unsere Zukunft", steht da trotzig.

Informationen zu Reisen in die "Republik Berg-Karabach"

Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die "Republik Berg-Karabach" ab. Entlang der Waffenstillstandslinie zu Aserbaidschan kommt es regelmäßig zu Schusswechseln und Scharmützeln, außerdem muss hier mit Minen gerechnet werden. Im Landesinneren war die Lage zum Zeitpunkt der Recherche ruhig.

Die Einreise nach Berg-Karabach ist nur über Armenien möglich. Aserbaidschan betrachtet Reisen ohne vorherige Zustimmung als illegal. Näheres dazu auf der deutschen Seite der Botschaft der Republik Aserbaidschan, Berlin.

Weitere Informationen bietet die Seite der Tourismusverwaltung von Berg-Karabach.

Wednesday, June 18, 2014

REISEPORTRÄTS: Bergkarabach. Von Bastien Dubois - Samstag, 28. Juni um 14:26 Uhr (arte.tv)

(arte.tv) Bastien Dubois‘ Animationsfilmreihe "Reiseporträts" greift das Erfolgsrezept seines Kurzfilms "Madagaskar, ein Reisetagebuch" auf, der 2011 für den Oscar nominiert wurde. Die Serie ist eine sehr subjektive Reise um die Welt, ein Geflecht aus originellen Geschichten, die nach Art eines Reisetagebuchs in Szene gesetzt werden. 

vimeo.com/bastiendubois

Tuesday, February 11, 2014

INTERVIEW: Friedliche Spiele im Kaukasus - Interview mit Uwe Halbach. Von Armin Siebert (german.ruvr.ru)

Dr. phil. Uwe Halbach(german.ruvr.ru) STIMME RUSSLANDS Der Kaukasus ist die Heimat vieler Völker und seit Jahrhunderten eine Gegend friedlichen Miteinanders, aber auch Brennpunkt vieler Konflikte. Die Tschetschenienkriege, der Konfrontation zwischen Russland und Georgien, die Unabhängigkeitsbestrebungen von Abchasien und Süd-Ossetien und der verbissene Kampf um die Region Bergkarabach sorgen seit dem Zerfall der Sowjetunion für Spannungen. In unmittelbarer Nachbarschaft finden nun die Olympischen Winterspiele statt. Kaukasus-Experte Uwe Halbach von der Stiftung Wissenschaft und Politik hofft auf friedliche Spiele.

Podcast hier >>>

Friday, November 29, 2013

ASERBAIDSCHAN: Bakus schwarze Liste. Von Markus Bernath (derstandard.at)

(derstandard.at) Massentouristen weghören: Eine Reise nach Karabach kann unerwünschte Risiken und Nebenwirkungen haben – lebenslang Einreiseverbot für die Öl- und Gasrepublik Aserbaidschan.

Ausradiert: Ein Wegweiser aus Sowjetzeiten am Ausgang von Berg-Karabach. Die Straßenverbindungen von Baku, Lenkaran und Gence in Aserbaidschan nach Armenien sind während des Kriegs in den 1990er-Jahren ausgetilgt worden.Was haben Ewald Stadler, die Sopranistin Montserrat Caballe und meine Wenigkeit gemeinsam? Ein Bummerl auf der Liste des aserbaidschanischen Außenministeriums.

Sozusagen aus gegebenem Anlass, in Fortbetrachtung des jüngsten Treffens der Präsidenten Armeniens und Aserbaidschans in der Wiener Hofburg, wo beide Herren über die Lösung des Karabachkonflikts meditierten, wollen wir den Blick auf die Eigentümlichkeiten einer Reise in diese doch recht entlegene, wenn auch landschaftlich ausnehmend reizvolle Berggegend im Kaukasus lenken.

Die Fahrt in die international (und auch von Armenien) nicht anerkannte Republik Berg-Karabach wird im allgemeinen mit dem Automobil zurückgelegt und erfordert ein Visum der Karabachisten in Eriwan sowie einen leidlich festen Magen für sieben holprige Stunden. Durch den Korridor von Lartschin – ein Streitpunkt bei einem hypothetischen phasenweisen Rückzug der armenischen Truppen aus den besetzten aserbaidschanischen Gebieten – gelangt man am leichtesten nach Stepanakert/Hankendi, der Hauptstadt, wiewohl Freunde des Off-Road und zeitlich flexibleren Kalenders auch andere Routen bevorzugen mögen. Und wer dann zurückkehrt und ein im weitesten Sinne geschäftliches Interesse mit seinem Besuch beim Volk von Berg-Karabach verfolgt hat, landet auf einer schwarzen Liste in Baku. Weil: „illegal in aserbaidschanisches Territorium gereist“.

Das ist allerdings Auslegungssache, denn ein „legaler Übertritt“ lässt sich in Ermangelung einer übertretbaren Grenze seit dem Waffenstillstand zwischen Aserbaidschan und Armenien 1994 nicht bewerkstelligen. Zur Waffenstillstandslinie im Süden Aserbaidschans, an der regelmäßig geschossen wird, können nur Beobachter der OSZE reisen; eine Einreise ist dort nicht möglich.

Baku hat im August dieses Jahres erstmals eine Liste der wegen einer Karabach-Reise unerwünschten Personen veröffentlicht. Unter diesen 331 Namen findet sich eine Reihe von Parlamentsabgeordneten, etwa aus Frankreich, Australien und Russland. Sie haben in der Regel Wahlen in der armenischen Enklave beobachtet und sind deshalb mit einem Einreiseverbot nach Aserbaidschan belegt. Das betrifft in ihren Ländern relativ bekannte Politiker wie den langjährigen deutschen CDU-Abgeordneten Wolfgang Börnsen, den französischen Senator Bernard Fournier oder EU-Parlamentarier, die u.a. mit Armenien befasst sind, wie der Rechtspopulist Ewald Stadler. Wichtige Kaukasusexperten wie Uwe Halbach von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin sind ebenso „persona non grata“ wie ein Dutzend Studenten der Johns-Hopkins-Universität in Washington, die eine Reise ins Krisengebiet taten zu – richtig – Studienzwecken, Bernard Snow, der frühere Koordinator der Wirtschafts- und Umweltangelegenheiten der OSZE, oder gar Peter Semneby, von 2006 bis 2011 EU-Sonderbeauftragter für den Südkaukasus.

Ausländische Künstler mit Einreiseverbot nach dem „Karabach-Sündenfall“ gibt es mittlerweile einige – und ebenso Journalisten: die Russland-Korrespondenten von ORF und FAZ, Markus Müller und Michael Ludwig, stehen auf der Liste, viele russische, einige italienische Journalisten – ich halte derzeit Platz 156, denn die Liste wächst. Diskutieren ist sinnlos, Botschaft und Außenministerium hören keine Argumente an: Ein Zeitungsbericht stellt keine völkerrechtliche Anerkennung von Berg-Karabach dar, Redaktionen sprechen kein internationales Recht. Wer über einen Separatistenkonflikt schreibt – noch dazu über einen, der mittelfristig in einen neuerlichen Krieg münden könnte –, sollte besser auch einmal selbst vor Ort gewesen sein, die Topographie gesehen und zumindest mit Entscheidungsträgern gesprochen haben.

Bakus schwarze Liste ist, so wird bald klar, eine Zensurveranstaltung. Berg-Karabach soll so wenig Öffentlichkeit wie möglich bekommen. Erlösung von der Liste und Reinwaschung des Namens sind theoretisch möglich durch öffentliche Selbstkritik und nachfolgend „some good reporting“, wie es ein aserbaidschanischer Botschafter formulierte. Yes. This is what I always try to do. Hier ist meine Karabach-Geschichte im Standard vom Oktober 2006. (Markus Bernath, derStandard.at, 27.11.2013)

Monday, August 19, 2013

PHOTOGRAPHY: Nagorny Karabakh (148 images). By Timo Vogt


Nagorny Karabakh - Images by timo vogt


Nagorno-Karabakh is a landlocked region in the South Caucasus covering the southeastern range of the Lesser Caucasus mountains. Officially still part of Azerbaijan Karabakh is in fact under control of armenian lead authorities who self-proclaimed Karabakh as a independent. A Ceasefire-Agreement has stopped a bloody secession war between Armenia and Azerbaijan in 1994. However armed clashes still continue along the "Line of Contact", while the Karabakh government slowly build an new armenian Nagorny Karabakh.

Podcast: Gespräch mit dem Kriegsfotografen Timo Vogt - 08.08.2013
Timo Vogt hat unter anderem in Syrien, Afghanistan, Georgien und Armenien gearbeitet. Die Rolle des Dokumentaristen einzuhalten, sei nicht leicht, sagt er, eine ganz ausgewogene Berichterstattung unmöglich: Man stehe immer auf einer Seite.

Thursday, April 25, 2013

VIDEO: ZEN ZEBRA in Georgia, Armenia and Nagorny Karabach (vimeo.com)


ZEN ZEBRA in Georgia, Armenia and Nagorny Karabach from Zen Zebra on Vimeo.

(vimeo.com) ZEN ZEBRA Selfmade-Doku Kaukasus-Tour
aufgenommen 2007, geschnitten 2008

Unterstützt durch und eingeladen vom KulturAktiv e.V. Dresden durften wir gemeinsam mit Journalisten und Fotografen nur wenige Wochen nach unserer Bandgründung und bestückt mit den ersten Songs eine Tour durch Georgien, Armenien und Bergkarabach / Stepanakert spielen. Zusammen mit lokalen Bands haben wir unter der Überschrift "Rock for Peace" u.a. in der politisch umstrittenen autonomen Region Nagorny Karabach gespielt. V.a. die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen dort hat die Reise für uns zu einer unvergesslich schönen Zeit gemacht.

Tourdaten:
ARM Jerewan - Puppet Theatre
ARM Stepanakert - National Theatre
ARM Gjumri - National Theatre
GE Kutaisi - Opera
GE Tiflis - Theatre on Anthoneli
 
for more information please visit:
zenzebra.de
facebook.com/zenzebramusic


Thursday, February 21, 2013

VERANSTALTUNG: Und es bewegt sich doch? Armenien nach den Präsidentschaftswahlen Podiumsgespräch (boell.de)

Mi, 27.2.13 19 bis 21 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

(boell.de) Am 18. Februar finden im südkaukasischen Armenien Präsidentschaftswahlen statt. Sie gelten bereits als entschieden: der seit 2008 amtierende Präsident Sersch Sarksjan wird das Amt zum wiederholten Mal antreten können. Obwohl zum ersten Mal seit Mitte der 90er Jahre alle wichtigsten politischen Akteure wieder im armenischen Parlament repräsentiert sind, erwarten viele Armenierinnen und Armenier keine pluralistischen und freien Präsidentschaftswahlen. Der Einzug der Opposition in das armenische Parlament bei den Wahlen im Frühjahr 2012 hat nur scheinbar zur Pluralisierung der politischen Landschaft geführt. Von einer tatsächlichen Gewaltenteilung ist das Land noch weit entfernt.

Armenien als kleinste Republik des Südkaukasus steht vor verschiedenen innen- und außenpolitischen Herausforderungen: Bedeutet eine zweite Amtsperiode von Präsident Sarksjan eher Stabilität oder Stagnation für die politische und gesellschaftliche Entwicklung des Landes? Wie lässt sich der politische Wille generieren, ein stabiles, korruptionsfreies und demokratisches System zu etablieren? Kann endlich eine Lösung des verhärteten armenisch-aserbaidschanischen Konflikts um die Kaukasusregion Bergkarabach herbeigeführt werden, der die innen- und außenpolitischen Spielräume Armeniens seit vielen Jahren eng begrenzt? Kann das Land trotz der engen sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Abhängigkeit von Russland seine Außenpolitik weiterhin nach verschiedenen Seiten ausrichten und insbesondere die Annäherung an die EU fortsetzen? Und schließlich: Wie bringt das Land die Vorbereitungen auf den 100. Jahrestag des armenischen Genozids im Jahr 1915 in Einklang mit den seit 2008 unternommenen zaghaften Versuchen einer politischen Annäherung an den großen Nachbarn Türkei?

Mit:
Gayane Shagoyan (Nationale Akademie der Wissenschaften, Jerewan)
Alexander Iskandaryan (Kaukasus-Institut, Jerewan)
Mikayel Zolyan (V. Brusov Universität, Jerewan)

Moderation:
Nino Lejava (Heinrich-Böll-Stiftung Südkaukasus, Tbilisi)

Livestream: Die Veranstaltung kann über einen Livestream (deutsch und russisch) verfolgt werden: boell.de/stream

Sprache:
Russisch/Deutsch mit Simultanübersetzung

Information:
Nina Happe, Projektbearbeiterin Ost- und Südosteuropa, Heinrich-Böll-Stiftung Berlin
E-Mail: happe@boell.de
Telefon: +49 (0)30 285 34 384

Veranstalter Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
Veranstaltungs- ort
Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
10117 Berlin, Schumannstr. 8
Lageplan 

Mit der S-Bahn oder mit der U-Bahn bis Bahnhof Friedrichstraße. Ausgang über die Spree, dann Albrechtstraße, Reinhardtstraße überqueren und nach links in die Schumannstraße.

Friday, November 02, 2012

BOOK: A War-Torn Region's Story Told Through Soccer. By John Mahoney - Offside: Football In Exile Photos by Dirk-Jan Visser; text by Arthur Huizinga. (americanphotomag.com)

(americanphotomag.com) Offside: Football In Exile documents six Azerbaijani and Armenian lives shaped by soccer in the conflict-ridden Nagorno Karabakh disputed territory

By John Mahoney on October 18, 2012

more pics here: americanphotomag.com

Most of you reading this have probably never heard of Nagorno Karabakh, an unrecognized republic roughly the size of Maine nestled between Armenia and Azerbaijan. I hadn’t either, before I picked up Offside: Football in Exile, a unique photobook that tells the story of this war-torn region via its two main soccer clubs, FK Qarabag Agdam and FK Karabakh Stepanakert. We watch this story unfold via the lives of six individuals and their complex relationship with both their tumultuous homeland and the game of soccer.

As the Soviet Union disintegrated in the early 1990s, Nagorno Karabakh became one of many violent flashpoints in the broader regional conflict in the Caucasus, with Armenia and Azerbaijan both battling fiercely for control of its territory. The confusion continues until this day–Nagorno Karabakh functions as an unrecognized de facto republic, and the conflict has displaced hundreds of thousands of Armenians and Azerbaijanis alike.

It’s a complicated story, to say the least. It’s wise, then, that photographer Dirk-Jan Visser and journalist Arthur Huizinga chose to narrow the story’s focus down to six lives. In Offside we meet people like Aslan Kerimov, a veteran defender for the Azerbaijani team FK Qarabag Agdam. In 1993, the team was driven from their home stadium in the heart of the disputed territory due to the violence (only in 2009 did they return to the region, from their temporary home in the Azerbaijani city of Baku). His story contrasts with David Martirosyan, a 19-year-old Armenian goalkeeper whose father was killed in the war, and whose future in the sport is uncertain, considering that the major European soccer sanctioning bodies ban his unrecognized homeland and its biggest team, FK Karabakh Stepanakert, from official competition beyond the junior level.

The book is organized around the six lives it describes, and its design features do a lot to drive the overall storytelling. Each section is introduced with a written biography by Huizinga and caption list, with all text printed in English, Armenian and Azerbaijani. The texts are also color-coded to indicate the person’s ethnic heritage (blue for Armenia, red for Azarbaijan). Visser’s photos that follow are also rigidly segmented–with photographs of important places and landscapes in color, and depictions of each person’s daily life in stark black and white. His work is presented alongside personal snapshots from years’ past provided by the subjects. The photos are often broken up across consecutive pages, with no image seen in its entirety on any single page.

At first I was a bit overwhelmed by these design choices–I felt like I couldn’t immediately solve the various puzzles the book seemed to be presenting. But of course this is intentional–you’ll not find a more complex and frustrating story to try to tell than the decades of ethnic and political conflict that have shaped this part of the world, and in presenting their stories in such a rigidly systematic way, Visser and Huizinga both emphasize this fact and at the same time attempt to impose some form of order on the chaos. I found it hardest to come around to the photos being broken up across multiple pages; the work here is often beautiful, and it was frustrating to feel deprived of any single image’s full impact. But again, the lives these photos depict could not be more fragmented, and the choice to break them up effectively mirrors that.

Ultimately I really enjoyed this book for its full-on commitment to narrative storytelling. Photographers experimenting within the documentary tradition will often shy away from communicating any single interpretation of their work. And that’s fine—forcing the viewer to interpret a series of images presented wordlessly can be a powerfully effective way to create an emotional response. I find this approach most effective in a gallery or museum setting. But in the case of Offside, Visser and Huizinga have made a work that is very much a book, exemplifying all the narrative strengths of the medium in fine form.

1258Offside: Football In Exile was published by Paradox and Y Books. A gallery show with some of the work was shown in the Netherlands at Noorderlicht gallery earlier this year.

John Mahoney is a writer and web designer living in New York City. He is the web editor for American Photo magazine. On Twitter he is @mahon_e.

Offside: Football In Exile
Photos by Dirk-Jan Visser; text by Arthur Huizinga. Published by Paradox and Y Books: $50

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Watch a video trailer made for the book and project.

Trailer of Noorderlicht Exhibition and Paradox / Ydoc Publishing photobook OFFSIDE - Football in Exile by photographer Dirk-Jan Visser and writer Arthur Huizinga. OFFSIDE is a documentary project on the forgotten conflict in Nagorno-Karabakh. The project adresses the conflict from the perspective of two football teams: FK Qarabag Agdam and FK Karabakh Stepanakert.

For more information see: noorderlicht.com

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(jmcolberg.com) After the implosion of the Soviet Union, ethnic and religious tensions that had been held in check by Communist regimes and their ruthless application of power erupted along long-dormant fault lines. It was as if things had been frozen into place in the 1940s, and the post-Communist thaw allowed them to move again. The Balkans and Caucasus regions have since seen wars and mini-wars that most people had thought of as events of the past. The Caucasus, in particular, has proven to be a veritable mine field, with, seemingly, every village being if not at war then at least in some sort of conflict with its neighbouring village (if you think that’s hyperbole read The Sochi Project’s Empty land, Promised land, Forbidden land). Westerners for the most part have had a hard time understanding and/or following the various conflicts, and regardless, most of them seem far away and thus inconsequential (people will not easily admit this, of course).
 
I’m not an expert on the region, but from memory the conflict around Nagorno-Karabakh is one of the earliest that erupted (just to give you an idea what we’re dealing with, the region is about 30% larger than the Rhode Island, but has only around one ninth the US state’s population). As of now, it’s mostly unresolved, with peace talks between Armenia and Azerbaijan - the two main countries involved - ongoing. The previously frozen conflict has effectively become re-frozen, with international involvement keeping it from going.
In this frozen landscape, life has been going on. Offside - Football in Exile by photographer Dirk-Jan Visser and writer Arthur Huizinga (with the book’s design by Kummer & Herrman) brings life in the region - and the unresolved conflict itself - into focus by looking at football (the actual one that Americans call “soccer”). This seems like a smart idea, since usually even the most antagonistic neighbours can be united in their love for the same kind of sport. And even though most types of sport contain a very strong tribalistic element (the same mechanism that feeds the kinds of conflicts we’re talking about here), there is more to them, with the general underlying aspirations and ideas being fairly universal.
 
Offside features six individuals, three from each side, talking about their lives and about football. Sport offers an escape mechanism only to some extent, and the reality of the Nagorno-Karabakh has all kinds of repercussions, resulting in often absurd restrictions. The book keeps things neatly apart, at least on the surface, by using colours (red and blue) - Armenia and Azerbaijan are blue and red, respectively, on the main map (Nagorno-Karabakh itself requires two types of hatchings), and the essays about the six individuals are printed in their country’s colour. For people like me, who enjoy things neatly organized, that’s a very simple and efficient way to convey information.
The photography, in b/w and colour (in addition, there are some archival photographs), is mixed throughout the book, so if you ignore the text you’re not going to be able to tell things apart that easily. Offside is not the first book to emerge from Holland that has a photographer working alongside a writer, and once you look through the book you realize what is to be gained from that. The overall design also neatly places the book into the contemporary Dutch context - in addition to the use of colour (and, presumably, fonts - I’m not much of an expert on that), the photographs wrap around pages. You might see part of an image on one page and then the rest on another. I do think, though, that in terms of the design less could have been a bit more. For me, the clever design gets a bit in the way of what the book is actually talking about. While great design can play an important role in photobook making, it must be content with serving the purpose of the book, and I’m not sure that’s 100 per cent the case here.
 
Design issues aside, Offside is another fine example of contemporary Dutch documentary photobook making. With so much hand-wringing about the state of photojournalism and about how to present documentaries, looking at recent examples coming from Holland might teach the rest of the world a lesson of what still is possible.
 
Offside - Football in Exile, photographs by Dirk-Jan Visser, text by Arthur Huizinga, design by Kummer & Herrman, 308 pages, Paradox, 2012

Saturday, September 29, 2012

ARTICLE: Test of Will?: NKR announces opening of airport as Armenia-Azerbaijan tensions remain high. By John Hughes


(armenianow.com) Officials in Nagorno-Karabakh are now saying that the self-declared republic’s airport – which has already been a flashpoint of regional tension and controversy – will open “next week”.

Test of Will?: NKR announces opening of airport as Armenia-Azerbaijan tensions remain high  


The announcement has dominated Armenian media since Wednesday, when the head of civil aviation in the internationally-unrecognized NKR Government stated that flights will begin, and that the airport just outside capital Stepanakert will serve 100 passengers per hour with flights on “Artsakh Air”.

The airport was first predicted to open nearly two years ago, drawing immediate anger from Azerbaijan officials, who said any flights in “occupied” airspace would be viewed as provocation, and subject to being shot down. For more than a year, opening of the airport has been delayed “for technical reasons”.

Armenian President Serzh Sargsyan – a native Karabakhi – responded to threats in March 2011, by saying that he would be the first passenger to fly out of the airport, underscoring his confidence in safe operation from the troubled territory which has been under cease fire since 1994.


As recently as July of this year, Baku restated its right to shoot down aircraft over Karabakh, which covers some 7,000 square kilometers of land viewed by Azeris as still belonging to them.


When the OSCE Minsk Group stated in July that opening the airport would be seen as a means of strengthening the potential for peace between Armenia and Azerbaijan, the director of Azerbaijan’s State Civil Aviation Administration Arif Mammadov reiterated the earlier statements on downing planes.


“This is the right of the Azerbaijani side, according to the law on aviation. Whether this right will be implemented or not, it is for the government to decide,” Mammadov said.


The apparent decision to now begin operating commercial flights out of Karabakh comes as tensions between Armenia and Azerbaijan have piqued since last month. Hungary extradited an Azeri army officer, Ramil Safarov, who had brutally killed an Armenian officer in Budapest. Azeri President Ilham Aliyev immediately pardoned the killer, promoted him from lieutenant to major, paid him a salary equivalent to the 8 years he had been in jail in Hungary, and gave him an apartment.


The action drew international condemnation against Azerbaijan, and was widely viewed by political analysts as proof that the warring nations – Armenia is Christian, Azerbaijan is Muslim – are too far apart in any meaningful way for reconciliation to be expected.


Since the “Safarov Affair”, a peace settlement seems more distant than at any time in the protracted conflict. It is likely that international attention and concern will focus on the tiny airport should there, indeed, be planes flying “soon” as announced by head of the NKR Civil Aviation Dmitry Adbashyan.

BLOG: Azerbaijan “Investigates” The New York Times for Karabakh Story. By Giorgi Lomsadze (eurasianet.org)

(eurasianet.org) Azerbaijan recently became a no-fly zone for moon-walking American astronaut Charles Duke and Swiss astronaut Claude Nicollier after they had the indiscretion to set foot in separatist Nagorno Karabakh without permission from Baku. 

Last week, The New York Times' travel section offered a tip to other explorers about how to visit Karabakh and still be able to hop over to Azerbaijani-controlled territory later -- namely, just  “ask for the visa to be put on a separate piece of paper that can be removed from your passport.”

The trick is hardly a secret. And one that prudent visitors quickly learn, with or without a how-to in the American "newspaper of record." 

But the Azerbaijani government, its temper taut from jousting with Karabakh's protector, Armenia, over President Ilham Aliyev's pardon of axe-murderer Ramil Safarov, charged that sharing this advice was illegal and has tasked its US embassy to investigate the case. 

It is unclear what means are at Baku’s disposal to punish The New York Times should the government decide that its "investigation" so warrants it.
This time, the well-tested domestic method of arresting troublesome journalists will not work.

ARTICLE: Off the Map in the Black Garden. By Russ Juskalian (travel.nytimes.com)

(travel.nytimes.com) STANDING on a limestone ridge in the foothills of the Lesser Caucasus Mountains, I surveyed the landscape that lay before me. To the west, illuminated by a late-day sun and with ever more craggy peaks as a backdrop, was Vankasar Mountain, capped by a solitary, ancient church. To the east, yellow grassland and scrub stretched to the horizon. And then there was the ghost city of Agdam, its thousands of ruined buildings representing the last exchanges of a late 20th-century conflict that many people have never heard of.

The road from Kalbajar to Armenia over the Sotk Pass. Russ Juskalian for The New York Times
I had come to the breakaway Southern Caucasus region of Nagorno-Karabakh expecting a land of extremes. Nagorno-Karabakh, an ethnically Armenian enclave whose name means “mountainous black garden,” appears on few maps. Its tumultuous recent history would affect any traveler, no doubt, but for me, the experience of visiting this place had a personal dimension. My grandmother had fled Anatolia as a girl, escaping an Armenian genocide at the hands of the crumbling Ottoman Empire. To come to Nagorno-Karabakh, a place where Armenians have asserted their right to live freely — but at the cost of having forcibly removed their Azeri neighbors — generated mixed emotions, to say the least.

Once part of an ancient Armenian kingdom, Nagorno-Karabakh was made a special autonomous oblast, or administrative zone, under the authority of the Azerbaijan Soviet Socialist Republic, by Stalin in the 1920s. This designation temporarily calmed fighting between the predominately Muslim Azeris and mostly Christian Armenians who lived in the region. But as the Soviet Union disintegrated in the late 1980s, old ethnic feuds turned bloody, and both ethnicities were subjected to pogroms and persecution at the hands of the other. Armenians, representing around 75 percent of the Nagorno-Karabakh population at the time, sought independence from Azerbaijan. Skirmishes led to full-on war by the early 1990s, resulting in upward of 30,000 casualties and hundreds of thousands of displaced people on both sides.

In 1994, the Armenians of Nagorno-Karabakh effectively won that war and claimed independence with the signing of a cease-fire order. In the process, nearly the entire Azeri population was forced to flee. Today, the self-proclaimed Nagorno-Karabakh Republic (N.K.R.) is not recognized by any other country in the world. With no official borders, Armenian and Azeri soldiers are still dug into trenches on the front lines.

Though I had become interested in the region because of my ethnic heritage, once I started digging into the history of Nagorno-Karabakh, I wanted to experience what was said to be a breathtaking landscape filled with ancient monasteries, mountainous tableaus and hard-working people trying to rebuild.

So last spring I went there, accompanied by my girlfriend. I didn’t expect luxury hotels, haute cuisine or air-conditioned buses, and I didn’t find them. Instead, we stayed at local homes where running water might not be guaranteed, ate simple meals with our hosts and traveled in Soviet-era knockoffs of Fiats and antiquated minibuses with bald tires. In exchange for the lack of amenities, I was hoping not just to understand more about this little-known area, but also to understand more about my own background.

EARLY on a humid May morning, we headed to a dusty square in Yerevan, the capital of Armenia, where we boarded a crowded minibus, called a marshrutka, bound for Nagorno-Karabakh’s capital, Stepanakert — a trip that would take eight hours. Aside from two Asian tourists, the bus was filled with local women carrying toddlers, and old men, a few of whom played cards on an upturned cardboard box. The final part of the route twisted almost 10 miles through the Lachin Corridor, a mountain pass that had previously been (or still is, depending on whom you ask) a part of Azerbaijan.

By the time we got to Stepanakert, it was raining. We headed to the Foreign Ministry to pick up our travel papers, checked into a simple hotel and fell asleep. Early the next morning, the sun still burning off the night’s fog, we explored the covered market in central Stepanakert. The air was filled with the scent of ripe cherries and local herbs. In one corner, two women with faded aprons and orange-tinted hair worked over a griddle. The first rolled balls of dough into discs. To each disc, the second added a small mountain of chopped herbs and then folded the dough over the filling. The grilled stuffed bread, called jingalov hats, tasted of pungent mustard greens and watercress.

A 20-minute drive away, in the town of Shoushi, we met Saro Saryan, who, with his wife, runs a homestay, which would become our base. Dressed in a blue Ministry of Civil Defense uniform and cap, Mr. Saryan greeted us in his booming voice. “Russ? Come,” he said.

Mr. Saryan walked with us around town, first showing us the old fortress walls, and then the Tolkienesque Ghazanchetsots Cathedral, built of white limestone. As we approached a massive stone building that stood gutted, Mr. Saryan said, “This used to be a university. My hope is that one day you can come back and see students here.” Past bombings had transformed the broad hallways. In one room, the ceiling had been replaced by sky, the floor was covered in kudzu-like shrubs, and tufts of wildflowers clung to empty niches.

Shoushi clearly has seen hardship upon hardship. One of the only Azeri-majority strongholds in the 1980s, then called Shusha, it was the staging site for rocket attacks on Stepanakert, which was mainly populated by Armenians. Much of the town, including the university, was damaged first by Armenian bombardment, and then by the Azeris after the Armenians took control in 1992. The capture of the town by the Armenians was a turning point in the war.

That evening, for 5,000 dram each (around $12), we slept in a room around the corner from the Saryans’ kitchen. On most days we sat down with the Saryan family to a dinner of lavash bread, fresh cheese, honey and grilled meat or stuffed grape leaves.

Over the next few days we hired a taxi, so we could see more of the region’s Armenian ruins. There was the white-stone Amaras monastery, swathed in knee-high grasses and the occasional wild poppy plant; the 13th-century Gandzasar monastery, whose walls and floor, some believe, contain the head of John the Baptist, the jaw of Gregory the Illuminator and the right hand of St. Zachariah; and Dadivank, where immense Armenian steles known as khachkars, some over 1,000 years old, stood in repose.

At one point, while traveling on the Stepanakert-Martakert Highway in a battered taxi, I saw the ruins of stone buildings. “Agdam?” I asked the driver.

“Agdam,” he answered, quietly. “No photo.” Agdam had been an Azeri village that the Armenians had razed during the war. Some 40,000 people fled, and many were killed. As hundreds of abandoned homes, many reduced to foundations, came into view, the driver stepped hard on the gas.

While the Nagorno-Karabakh war was one of independence — fought within the context of a century-old genocide against the Armenians by the Turks, the fall of the Soviet Union and anti-Armenian pogroms — it was difficult for me, with my background, not to feel dismay that the same persecution the Armenians had suffered was perpetrated upon their Azeri neighbors. What about the former Azeri girls and boys, now refugees about my age, whose memory of home is fading like a photograph left too long in the sun? Most, I learned, have settled in other parts of Azerbaijan. And while I may never be able to see Azerbaijan because of my ethnicity, they may never get to see the place where they were born.

When I mentioned this to Mr. Saryan — an Armenian who fled Baku, the capital of Azerbaijan, around the time of the anti-Armenian Sumgait pogrom in 1988 — he said he still had nostalgia for Baku, where he had spent most of his life. “I was part of a group of refugees who met our Azeri counterparts in Vienna,” he said. “I was just in touch with one of them on Facebook yesterday.”

WE had only two days to travel via the northern road from Kalbajar province back to Armenia — amid snow-capped peaks and over the infamous Sotk Pass and its open-pit gold mine. Joined by an Austrian named Barbara who had also been staying at Mr. Saryan’s, we charted the route with a stop at a thermal spring. As we approached the Zuar spring, Barbara gasped. The natural pool was belching soap bubbles from the soap someone had dumped in. Dozens of middle-aged men splashed about. Immediately the center of attention, we had no choice but to join them. After a quick splash, we were invited for a warm beer and a shot of throat-scorching mulberry vodka.

We continued to the town of Kalbajar, ascending a 6,500-foot plateau via a series of steep switchbacks. Like Agdam, this place was mainly non-Armenian before the war; it is now controlled by the Nagorno-Karabakh Republic.

Kalbajar, too, looked like a ghost town — except that some of the homes were occupied by ethnic Armenians, many from the Armenian diaspora, coming from Georgia, Russia and elsewhere. With almost no tourism infrastructure, a doctor arranged a place for us in a hospital outbuilding where we slept on two wobbly metal beds.

In the morning, we headed back toward Armenia with two young men we had hired to drive us in a 72-horsepower Soviet-built Lada Niva. We traveled for hours, over mountains, into valleys and back up again. Finally we came to the Sotk Pass atop a rocky hill of debris dumped over the edge of the mountain by huge mining trucks. The road went from dirt to fist-size stones. Crossing this geo-industrial outpost was like passing through a portal. The earth itself seemed to be in upheaval, with whorls of dust spinning into the air by heavily laden trucks.

And then it was over. We headed back down the other side, back into Armenia without so much as a sign to mark the border.

But my mind was still running in circles around Nagorno-Karabakh. I was thinking mainly about the war, and about Mr. Saryan’s son, who, the day after graduating from high school, had led us to a gorge near Shoushi. I asked him if he could imagine having an Azeri friend. And, as if the question itself had puzzled him, he said, “Why not?”

IF YOU GO

Visiting Nagorno-Karabakh is not for the faint of heart. Every year soldiers on both sides of the front lines are killed by sniper fire. Outside Stepanakert, accommodation is mainly limited to homestays.

Visas can be arranged in advance in Yerevan, Armenia, or upon arrival in Stepanakert at the foreign ministry. If you plan to visit Azerbaijan in the future, ask for the visa to be put on a separate piece of paper that can be removed from your passport. Azerbaijan will not allow entry to anyone with a Nagorno-Karabakh Republic visa in their passport.

HOW TO GET THERE

Hyur Service (contact@hyurservice.com; 374-10-54-60-40; www.hyurservice.com/eng). With a few locations in Yerevan, Hyur can arrange rental cars, private transportation or all-inclusive trips to Nagorno-Karabakh. Prices vary. The staff speaks English.

Public minibuses leave various bus stations around Yerevan, heading to Stepanakert every morning for around 4,500 Armenian dram, or $11.30 at 400 drams to the dollar. Travel takes eight hours.

WHERE TO STAY

Saro Saryan Homestay (saro.saryan@gmail.com), in Shoushi. Mr. Saryan and his wife are regular features on the independent travel scene in Nagorno-Karabakh, and speak very good English. For 5,000 dram per person per night, you can stay at their home. Mr. Saryan has an almost encyclopedic knowledge of Shoushi, and if he has time he may offer a walking tour of the town and its ruins. He can also help arrange onward travel and accommodation throughout Nagorno-Karabakh.

Hotel Armenia (www.armeniahotel.am; (374 47) 94-94-00; info@armeniahotel.am, Renaissance Square), in Stepanakert, has 55 rooms furnished to international standards, and prices include Wi-Fi, breakfast and use of a gym. Double rooms range from 30,000 to 41,000 drams per night.

CONFERENCE: Conference "Nagorno-Karabakh Peace Process" (hsfk.de)

(hsfk.de) Call for participation in the conference "Nagorno-Karabakh peace process: on the role of the question of justice for the conflict resolution"

The Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) is organizing - with support from the German Academic Exchange Service (DAAD) - a conference entitled “Nagorno-Karabakh peace process: on the role of the question of justice for the conflict resolution” on 23-27 November 2012 at the Evangelische Akademie Arnoldshain near Frankfurt am Main, Germany.

The conference languages are German and Russian. The conference wants to bring together both young scholars and politicians from the respective conflicting countries with renowned German experts. The aim is to provide a platform for an international dialogue of both scientific and political nature.

The call for discussants is primarily aimed at young scholars (graduates, doctoral candidates and postdoctoral fellows) from social sciences, focusing in any way on the region South Caucasus in their work. All those interested are invited to send by e-mail a letter (max. 500 words) describing their motivation for participation no later than 19 October 2012, 5 pm to: Ms. Vera Rogova, rogova@hsfk.de.

They are required to attach a CV indicating their past academic experience. The organizers will then decide on the final list of participants and inform them by 26 October 2012.

The participants traveling from outside of Frankfurt will be reimbursed for the travel costs (max. 150 euro). Moreover, the accommodation as well as meals and drinks will be available at the conference site.

Contact:
Dr Aser Babajew
RD IV "Governance and Societal Peace"

Monday, September 24, 2012

REPORT: Aserbaidschan: Ein „Held“ unserer Zeit. Von Sevil Huseynova (boell.de)

(boell.de) Ich werde hier nicht die Einzelheiten der Freilassung Safarows diskutieren. Angemerkt sei lediglich, dass alle Äußerungen von Vertretern des Staates, das Urteil gegen Safarow sei ungerecht gewesen, allenfalls ein Hinweis auf die eigene Unfähigkeit sind, Safarow zu verteidigen. Und was die Bürokraten nun auch immer sagen mögen – das Verbrechen wurde verübt und das Gerichtsurteil ist gesprochen. Ich äußere hier meine persönliche Meinung, wenn ich Safarow zweifellos nicht für einen Helden halte: Bemerkenswerterweise ist die Tat Safarows in den Nachrichten mehrfach mit dem verglichen worden, was Breivik verübt hat. Die Journalisten suchten in diesem Vergleich eine Rechtfertigung für Safarow. Einer solchen Logik zufolge wäre ein Mord etwas ganz anderes als 77 Morde. Auf sinnlose Diskussionen in diese Richtung werde ich mich nicht einlassen, möchte aber zu bedenken geben, dass der Vergleich, an den die Journalisten fast unbewusst appellierten, ein Hinweis ist, dass die „Heldentat“ Safarows selbst bei vielen Hurrapatrioten begründete Zweifel hervorruft, auch wenn diese nicht öffentlich geäußert werden.

Was will uns die aserbaidschanische Regierung mit ihrem Vorgehen sagen?

Wichtiger wäre es über die Botschaft zu sprechen, die wir von der Regierung erhalten haben, und über die Reaktion, die es hierauf in unserer Gesellschaft gegeben hat. Die Regierung hat Safarow nicht einfach nur begnadigt und freigelassen. Sie hat ihn wie einen Helden der Nation empfangen und reich mit Auszeichnungen bedacht, mit Auszeichnungen, wie sie wohl keiner der Veteranen des Karabach-Krieges je erhalten hat. Aus den Äußerungen des zurückgekehrten „Helden“ wird deutlich, dass Safarow sein Verbrechen nicht bereut. Und es hatte wohl auch niemand Reue von ihm erwartet, eher das Gegenteil. Wie man die „mildernden“ Umstände des Verbrechens auch bewerten mag – Safarow ist Flüchtling und hat in den Kriegsjahren Angehörige verloren – Tatsache bleibt, dass die Tat aus nationalem Hass begangen wurde. Klar ist auch, dass der ermordete Offizier persönlich nicht an dem Unglück beteiligt war, das über die Familie Safarow gekommen war.

Was will uns die aserbaidschanische Regierung mit ihrem Vorgehen sagen? Dass sie solcherlei Akte des Hasses und Verbrechen („Heldentaten“) aus nationalistischen Motiven nicht nur rechtfertigt, sondern sie im höchsten Maße für auszeichnungswürdig hält? Was zählt in so einem Falle die Kritik an der bekannten Äußerung des ehemaligen Präsidenten Armeniens über eine „genetische Unvereinbarkeit“ von Aserbaidschanern und Armeniern? Das offizielle Baku hat nun jeden Anlass zu ebensolcher Kritik an uns verwiesen.

Düstere Aussichten für den Friedensprozess im Karabach-Berg-Konflikt

Die zentrale Frage ist jedoch, was nun von den Friedensgesprächen zu erwarten ist. All die Jahre hatte die Zivilgesellschaft begründete Zweifel angemeldet und auf den imitativen Charakter dieser Gespräche hingewiesen. Müssen wir jetzt davon ausgehen, dass die Zeit der Imitation vorbei ist, dass uns ein weiterer blutiger Konflikt erwartet? Und zwar ein offener und gnadenloser Konflikt? Sollen wir etwa noch annehmen, dass die Regierungen – die aserbaidschanische wie die armenische – alles in ihrer Macht stehende getan haben, um einen neuen Konflikt zu verhindern, einen Weg zu finden, den Tod vieler Tausender auf dem Schachtfeld zu vermeiden? Die jüngsten Ereignisse legen uns auf diese Fragen eine negative Antwort nahe. Man könnte gar meinen, dass die aserbaidschanische Regierung bewusst für eine Zuspitzung der Situation gesorgt hat. Die Bereitschaft, mit der auf armenischer Seite darauf reagiert wurde, ist ein Hinweis, dass auch dort viele an einer Zuspitzung interessiert sind.

Die Reaktion der aserbaidschanischen Gesellschaft zeigt, dass sich nicht wenige finden lassen, die den Beginn eines neuen Krieges begrüßen würden. Ich weiß nicht, ob viele dieser Leute oder deren Angehörige persönlich an die Front ziehen werden, oder ob sie es sich zu Hause vor dem Computer bequem machen, um die Leidenschaften hochkochen zu lassen. Wichtig ist hier, dass die Regierung über genügend Kapazitäten verfügt, um eine vielköpfige Armee für einen neuen breitangelegten Konflikt zu mobilisieren. Wichtig ist ebenfalls, dass die Regierung all die Jahre auch über ernstzunehmende Ressourcen zur Anbahnung eines echten Friedensdialogs verfügte. Vieles ist zur Organisierung der Kriegsressourcen unternommen worden – für den Friedensprozess nur unendlich wenig.

Erfolgreiche Politik der Radikalisierung

Die Reaktion der Gesellschaft auf die Rückkehr Safarows lässt erkennen, wie wenig die Regierung für den Friedensprozess unternommen hat. Die gesamte Politik in den Medien, in der Bildung und in anderen Bereichen war auf eine Radikalisierung der aserbaidschanischen Gesellschaft ausgerichtet. An der Reaktion der Gesellschaft auf die Rückkehr des „Helden“ lässt sich erkennen, wie „erfolgreich“ die Regierung in ihrem Vorgehen gewesen ist. Weder Russland noch die EU und die USA zwingen unsere Regierung zu einer solchen Politik, zur Verschleppung des Friedensprozesses. All die Jahre haben wir es uns stets leicht gemacht, Russland, den Vereinten Nationen, der EU und den USA vorzuwerfen, sie unternähmen keine echten Schritte zur Lösung des Konflikts. Und all die Jahre haben wir geschickt unsere Augen davor verschlossen, dass wir nichts unternommen haben, um einer friedlichen Lösung näher zu kommen. Eher das Gegenteil. All die Jahre hat die Regierung die Ressource „Konflikt“ erfolgreich zur Lenkung der ihr unterstellten Gesellschaft eingesetzt - wie zum Beweis, dass, wie es einer der Klassiker formulierte, Hass stets leichter fällt als Freundschaft. Auf die Situation in Armenien werde ich hier nicht weiter eingehen, bin jedoch überzeugt, dass dort eine ganz ähnliche Politik verfolgt wurde.

Wir leben in einer Welt, in der wir uns entscheiden müssen, mit wem wir Freundschaften pflegen. Wir könnten uns natürlich dadurch beruhigen, dass Europa auch nicht das Ideale ist, oder gar damit, dass es unseren Feinden in die Hände spielt. Wir können ihnen (den Demokraten) weiterhin vorschlagen, Breivik mit Safarow zu vergleichen, zugunsten des Letzteren, versteht sich. Wir müssen jedoch verstehen, dass die staatliche und gesellschaftliche Heldenverehrung einer Person, die durch Gerichtsurteil eines brutalen Mordes für schuldig befunden wurde, in Europa Unverständnis auslöst, Abscheu, ja Schrecken angesichts der Frage, mit was für einer Gesellschaft es Europa an seiner Grenze eigentlich zu tun hat. Unsere Hurrapatrioten werden an dieser Stelle sofort an die Tragödie in Chodschaly erinnern. Heißt das etwa, dass dies ein Beispiel für uns ist? Dass wir uns ein solches Verhalten zu eigen machen sollten? Dass wir glauben sollen: Da „die anderen“ nicht verurteilt wurden, können wir es ja genauso machen...?

Autoritäre Regime brauchen den Konflikt wie die Luft zum Atmen

Ich bin überzeugt, dass dies eine Sackgasse ist. Ich bin überzeugt, dass nur eine friedliche Lösung des Konflikts, eine, die auf Kompromisse gegründet ist, es den beiden Völkern möglich macht, die Fesseln des Autoritarismus zu sprengen und einen Weg zu beschreiten, auf dem eine moderne demokratische Gesellschaft entsteht. In der Konflikttheorie gilt seit langem, spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg, das Postulat, dass demokratische Staaten nicht gegeneinander Krieg führen. Armenien und Aserbaidschan bestätigen dieses Prinzip. Die autoritären Regime, die in beiden Ländern und Gesellschaften Wurzeln geschlagen haben, brauchen den Konflikt wie die Luft zum Atmen, als wichtigste Ressource zum Erhalt und zur Festigung ihrer eigenen Macht.

Wir haben noch eine Alternative. Entweder schaffen wir eine Gesellschaft eines allgemeinen Wohlstandes und befreien uns dabei von dem kindlichen Komplex einer Kritik an den westlichen Demokratien, dass diese nicht ideal seien, und auch von dem Glauben, dass wir über unseren eigenen, souveränen Weg zur Demokratie verfügen. Oder wir bestätigen endgültig unsere Mitgliedschaft im Club der totalitären oder autoritären Staaten. Unsere Nachbarn, namentlich Russland und den Iran, würde dies nur freuen. Konflikte und Kriege würden dann noch viele Jahrzehnte lang unsere Realität und unser Alltag bleiben.

Wird denn etwa mehr Gerechtigkeit in dieser Welt herrschen, wenn in einem neuen Kampf zehn, zwanzig oder dreißig Tausend Menschen umkommen? Gibt es jetzt mehr Gerechtigkeit, da der Aserbaidschaner Ramil Safarow einen armenischen Offizier ermordet hat? Sind wir durch diese „Heldentat“ der Lösung des Konflikts näher gekommen? Nein, wir sind wieder einmal hoffnungslos weit davon entfernt. Sehr viel weiter entfernt, als noch vor einigen Tagen, als Safarow noch nicht die offizielle Anerkennung als „nationaler Held“ erfahren hatte. Hannah Arendt hat einmal sinngemäß gesagt, Krieg sei ein Luxus geworden, den sich nur kleine Nationen leisten können. Stimmt das wirklich? Können wir uns den Luxus eines weiteren Krieges leisten? Können wir es uns leisten, unsere Angehörigen und Freunde in einem neuen Krieg zu verlieren?

Ich bin überzeugt, dass es in der aserbaidschanischen Gesellschaft auch jetzt noch viele Menschen gibt, die zu einem friedlichen Leben und Kontakten mit den Bewohnern des Nachbarlandes Armenien bereit sind. Die nicht bereit sind, „Heldentaten“ aus nationalem Hass zu begehen. Die aber bereit sind, friedlich zu leben, Nachbarn zu sein und die Bräuche des anderen zu achten. Ich bin überzeugt, dass in diesen Menschen und solchem Handeln unsere Zukunft liegt.

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Sevil Huseynova ist Doktorandin am Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität, Berlin. Sie war Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung im Südkaukasus. 
 
Dieser Artikel wurde zuerst auf der unabhängigen Internetseite contact.az veröffentlicht (6. September 2012) und von Hartmut Schröder übersetzt. 

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