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Thursday, February 20, 2014

FILMPREMIERE: Dokumentarfilm "Constructing Sochi" - 20.02.2014¨, 20:15 Uhr im Babylon Berlin-Mitte

Am 20.02.2014¨, 20:15 Uhr im Babylon Berlin-Mitte

Constructing Sochi / Dokumentarische Langzeitbeobachtung / 73Min / 2014 / Russisch mit UT / Regie: Steffi Wurster / Kamera: Eugen Schlegel, Steffi Wurster / Schnitt: Steffi Wurster / Aufnahmeleitung: Alexander Bundtzen / Produzent: Jakob Rühle / Produktion: Sinafilm Produktion

Die Winteroympiade 2014 katapultiert den Schwarzmeer-Kurort Sotschi in eine neu gebaute Realität. Territorien werden besetzt und umdefiniert, Landmassen verschoben, als sei die Landschaft eine animierbare Spielwelt. Im Namen des Sportevents findet eine Neuverhandlung von Grenzen und Inbesitznahme von Raum statt.

Die Imeretinskaya Bucht - zukünftiges Herzstück der Winterspiele in den Subtropen - bildet das Zentrum der Langzeitdokumentation.

Innerhalb kürzester Zeit wird eine über Jahrzehnte gewachsene Struktur vom Masterplan der Spiele abgelöst. Im großen Stil, auf "Neuland" werden Eisstadien, Hotels und neue Strände geschaffen, schwärmt der Bürgermeister. Doch auf dem "Neuland" der Bucht leben Menschen. Sie stehen den Planungen auf dem weißen Papier entgegen.

Über vier Jahre begleitet Constructing Sochi Pascha, Lena, Ludmilla und Volodja, die umgesiedelt werden. Aus ihrer Perspektive beschreiben die Aufnahmen die sukzessive Ablösung der Häuser und Felder durch Sport- und Wohnkomplexe in der Gleichförmigkeit der globalisierten Bauindustrie. Durch ihre Augen erfahren wir von ihrem Kampf für eine angemessene Entschädigung in einem von Willkür und fehlender Transparenz geprägten Prozess. Wir erleben ihre starken Verbundenheit mit dem Land und ihren Umzug in eine neu gebaute Siedlung "freiwillig unter Zwangsmethode", wie Pascha pointiert feststellt. Doch die netten Fassaden der neuen, komfortablen Häuser für die Umsiedler können über eine fragwürdige Zukunft nicht hinweg täuschen. Die Anwohner verbleiben ohne Ackerland und ohne Arbeit in einer ganz auf Tourismus setzenden, verbauten Bucht - ein Ende mit offenem Ausgang.

babylonberlin.de/neuerdeutscherfilm

Friday, February 14, 2014

PODCAST: Sotschi 2014 - Schicksal der Tscherkessen ein Tabu. Manfred Quiring im Gespräch mit Christoph Heinemann (deutschlandfunk.de)

(deutschlandfunk.de) Der Austragungsort der Olympischen Spiele, Sotschi, war die letzte Hauptstadt Tscherkessiens. Bis das Volk von den Russen vertrieben wurde. Das sei ein Genozid gewesen, sagte der Historiker und Autor Manfred Quiring im Deutschlandfunk. In Russland sei das Thema ein Tabu. 

podcast zum hören >>>


Krasnaja Poljana: einst tscherkessisch besiedelt, jetzt ein Austragungsort der Winterspiele
Krasnaja Poljana: (picture-alliance / dpa / Michael Kappeler)
Christoph Heinemann: In Berlin befindet sich ein Mann im Hungerstreik. Seit einer Woche und noch bis zum 23. Februar nimmt Schamis Hatko keine Nahrung zu sich. Und es ist kein Zufall, dass dieser Hungerstreik genau den Zeitraum der Olympischen Winterspiele umfasst, denn Schamis Hatko ist Mitglied der tscherkessischen Versammlung von Hannover. Die Tscherkessen leben überall, nur nicht in ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet - ein Ergebnis ihres hundertjährigen Krieges gegen die russischen Zaren, der im 18. Jahrhundert begann und 1864 mit der Niederlage und ihrer Vertreibung endete. Hunderttausende starben bei der Flucht übers Schwarze Meer. Seit dieser Zeit weigern sich Tscherkessen, Fisch aus dem Schwarzen Meer zu essen, in dem so viele Angehörige starben.

Das schreibt Manfred Quiring. Der ehemalige Korrespondent der Tageszeitung "Die Welt" in Moskau hat ein Buch geschrieben mit dem Titel "Der vergessene Völkermord: Sotschi und die Tragödie der Tscherkessen". Ich habe ihn vor dieser Sendung gefragt, was der Austragungsort der Olympischen Winterspiele mit den Tscherkessen zu tun hat.

Manfred Quiring: Sotschi ist mit der Geschichte der Tscherkessen ganz direkt verbunden. Sotschi war die letzte Hauptstadt Tscherkessiens. Tscherkessien ist das Land, in dem die Tscherkessen lebten logischerweise, das heute auf keiner Karte mehr zu finden ist. Das ist getilgt von allen Karten. Sotschi bleibt dennoch die letzte Hauptstadt und die Küste von Sotschi bis hoch nach Anapa war die Küste, an der die Deportation der Tscherkessen stattfand in die Türkei.

Heinemann: Sie haben gerade die Deportation angesprochen. Inwiefern war der russisch-kaukasische Krieg ein Völkermord?

Quiring: Er war aus Sicht der Tscherkessen, der tscherkessischen Historiker, denen ich mich auch anschließe, ein Völkermord wegen der Brutalität, wegen der massenweise Ermordung von Menschen und der „ethnischen Säuberung“, und diesen beiden Ereignissen sind viele Hunderttausend Tscherkessen zum Opfer gefallen. Angesichts dieses Umfangs - der ist zu vergleichen sicher mit dem Schicksal der Armenier - kann man mit einiger Berechtigung von Genozid sprechen.

Heinemann: Wie kam es zu diesem Krieg und worum ging es?

Quiring: Der Beginn des Krieges wird auf das Jahr 1763 gelegt, als die Zaren eine Festung auf tscherkessischem Gebiet errichten ließen, die Festung Masdog, und von da an fanden regelmäßig Gefechte und Scharmützel statt, die sich nach und nach hochschaukelten und zu einem hundertjährigen Krieg ausarteten. Ziel der Zaren war es, zunächst den Zugang zum Schwarzen Meer zu sichern, um dann weiter auf das Osmanische Reich und auf Persien marschieren zu können. Da reichte anfangs die Überlegung, wir unterwerfen uns die Tscherkessen und die anderen kaukasischen Völker und dann gehen wir weiter vor, bis sie dann merkten, dass es mit der Unterwerfung nichts wurde, und schließlich sie den Beschluss fassten, die Tscherkessen aus den Bergen zu vertreiben, entweder sie zu vernichten, oder sie in die Türkei zu deportieren.

"Nach russischem Selbstverständnis war das ein Angriff auf Russland selber"

Heinemann: Wie wird dieser Krieg im heutigen Russland bewertet?

Quiring: Dieser Krieg wird in der Regel in der Öffentlichkeit überhaupt nicht bewertet. Wenn, dann ist das ein Nebenereignis, was kein großes Interesse öffentlich hervorruft, und im Zuge der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele war das Thema regelrecht Tabu, wie ich von Freunden aus Moskau hörte.

Heinemann: Inwiefern Tabu?

Quiring: Es war Tabu, darüber zu reden. Man wollte die fröhliche Stimmung der Olympischen Spiele nicht mit dieser trüben Vergangenheit belasten und gleichzeitig auch den Protesten, die ja stattfanden, vor allen Dingen in der Türkei, wo zwei Millionen Tscherkessen leben, die dort stattfanden, diesen Protesten wollte man keinen weiteren Raum bieten und hat sie weitgehend ignoriert.

Heinemann: Warum?

Quiring: Nach russischem Selbstverständnis war das ein Angriff auf Russland selber. Es war der Versuch ihrer Meinung nach, dass man die Olympischen Spiele auf diese Art und Weise stören wollte, und es war, aus ihrer Sicht immer wieder gesagt, auch völlig ungerechtfertigt, weil das ein Krieg wie jeder andere war aus Sicht der russischen Geschichtsschreibung.

Heinemann: War er aber nicht, würden Sie sagen?

Quiring: Das war er aber nicht.

Heinemann: Wie kam es noch mal genau zu dieser Brutalisierung dieses Krieges?

Quiring: Nun, er schaukelte sich natürlich von beiden Seiten hoch. Die Tscherkessen wollten nicht Untertanen des Zaren werden, sie wollten nicht die russische Orthodoxie annehmen und sie wollten vor allen Dingen nicht aus den Bergen heraus, was Ziel der russischen Armee war und der Kosaken. Man wollte die Tscherkessen zunächst in die Ebene treiben, um sie dort anzusiedeln, damit sie sich nicht in den Bergen verschanzen konnten, um gegebenenfalls den russischen Truppen in den Rücken zu fallen, die unten an der Küste Festungen errichtet hatten.

Heinemann: Sprechen wir über die tscherkessische Kultur. Ein wesentlicher Bestandteil der Kultur und der Lebensweise war ein fester Ehrenkodex. Wozu war jeder anständige Tscherkesse verpflichtet?

Quiring: Dieser Kodex heißt Adyge Xabze und verpflichtet einen Tscherkessen zu Mut, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Großmütigkeit und zur Bescheidenheit auch. Es galt als frevelhaft, wenn man mit seinem Reichtum prahlte und wenn man sich sozusagen gehen ließ. Man hatte stets beherrscht zu sein und musste gegenüber Frauen immer galant sein.

Heinemann: Siedlungsgebiet der Tscherkessen ist eine Schnittstelle, nämlich die zwischen Orient und Okzident. Inwiefern hat das die tscherkessische Kultur mit geprägt?

Quiring: Sie hat sie insofern geprägt, als die Kultur immer auch eine Kultur der kriegerischen Auseinandersetzung war. Schon Jahrhunderte bevor die Russen da unten ihre Interessen entdeckten, waren ja viele andere nomadisierende Heere dort durchgezogen. Die Hunnen waren dort unten, Timur Lenk hatte sein Heer …

Heinemann: Der berühmte Tamerlan.

Quiring: Tamerlan, richtig. Mit all diesen hatten die Tscherkessen natürlich kriegerische Auseinandersetzungen, mussten sich zum Teil in die Berge zurückziehen, kamen wieder in die Ebenen, wo sie ja ihre Viehzucht betrieben und ihre Pferdezucht, ganz berühmt die Kabardiner. Das prägte natürlich über die Jahrhunderte ihre sehr kriegerische Natur auch. Sie waren ständig mit dem Training beschäftigt, Reiterspiele fanden statt, und das prägte die Kultur ganz entscheidend.

Heinemann: Es gab aber schon Berührungen zwischen Russland und den Tscherkessen. Immerhin war eine Ehefrau Iwans des Schrecklichen eine tscherkessische Prinzessin.

Quiring: Ja! Die ersten Kontakte zwischen Tscherkessen und Russen waren ja auch nicht negativ, sondern man schloss Bündnisse. Die Tochter von Temrjuk, dem kabardinischen Fürsten, heiratete Iwan den Schrecklichen, Iwan IV., was eine dynastische Heirat war. Er wollte damit die südlichen Grenzen seines Reiches sichern und macht uns damit deutlich, welche große strategische Bedeutung die Region, aber auch das Volk der Tscherkessen hatten zu der Zeit.

Heinemann: Stalin war bekanntlich Georgier, insofern mit der Geschichte der Kaukasus-Völker vertraut. Wie erging es den Tscherkessen in der Sowjetunion?

Quiring: Die Tscherkessen in der Sowjetunion wurden erst mal territorial getrennt, was bis heute beibehalten wird und von russischer Seite als naturgegeben angenommen wird. Sie leben heute in Kabardino-Balkarien, sie leben in Karatschai-Tscherkess und sie leben in Adygeja. Adygeja ist die Bezeichnung für Tscherkessien, ihre eigene Bezeichnung. Sie nennen sich, die Tscherkessen nennen sich selbst in ihrer Sprache Adyge. In diesen drei territorialen, voneinander auch getrennten Einheiten leben sie heute. Es sind etwa noch 700.000 Tscherkessen, die in Russland leben, während es eine Diaspora von mehreren Millionen gibt, die verteilt ist auf die Türkei, auf den Nahen Osten und sogar in den USA lebt eine Gemeinschaft von etwa 8.000 bis 10.000 Tscherkessen. "Sie haben vor allen Dingen die Forderung nach historischer Gerechtigkeit"

Heinemann: Was verlangen diese Tscherkessen heute während der Olympischen Spiele?

Quiring: Sie haben vor allen Dingen die Forderung nach historischer Gerechtigkeit. Sie wollen, dass ihr Leiden, dass ihr Krieg und ihre Niederlage als solche als Trauertag und ein trauriges Ereignis betrachtet werden, und eine Hauptforderung der Tscherkessen heute besteht darin, das bedingungslose Rückkehrrecht durch Russland zu bekommen.

Heinemann: Ist Russland dazu und zur historischen Anerkennung bereit?

Quiring: Russland ist im Moment zu keinem von diesen beiden wesentlichen Punkten bereit. Die Historie schreiben sie selbst, schreiben die Sieger, so ist der russische Standpunkt, und sie haben kein Interesse, ein Opfervolk sozusagen zu beschreiben. Sie beschreiben den Sieg der Kosaken und der Zaren-Truppen, und das ist aus ihrer Sicht ein freudiges Ereignis gewesen, und damit wird es im wesentlichen belassen, obwohl es natürlich bei ernsthaften Historikern Anzeichen dafür gibt, dass sie das heute etwas anders sehen.

Heinemann: Auch bei russischen?

Quiring: Auch bei russischen, ja. Und das Rückkehrrecht möchten sie den Tscherkessen nicht einräumen, weil sie ohnehin im Kaukasus viele Probleme haben, Sicherheitsprobleme mit den anderen kaukasischen Völkern, insbesondere mit Tschetschenen, in Dagestan, Inguschetien. Sie befürchten, dass eine neue Gruppierung weitere Unruhe in den Kaukasus bringt.

Heinemann: Nach dem Terror aus Tschetschenien ja möglicherweise verständlich.

Quiring: Ja das muss man wirklich trennen. Der selbst ernannte Emir des Kaukasus, Doku Umarow, hat keine Verbindung zu den Tscherkessen. Das heißt, man muss das doch sehr sauber trennen, dass die islamistischen Kräfte, die sich im Untergrund mit Terroranschlägen dort bewegen, nichts mit den Tscherkessen zu tun haben, die zwar dem Islam anhängen, aber einer sehr liberalen Form des Islam und die Terrorismus grundsätzlich ablehnen.

Heinemann: Wie werden überhaupt die Menschen aus den kaukasischen Gebieten im heutigen Russland behandelt?

Quiring: Insbesondere in Moskau fällt es sehr auf, dass sie zwar sehr zahlreich dort vertreten sind, aber als Menschen zweiter Klasse betrachtet werden. Sie werden abfällig „Schwarzärsche“ genannt, regelmäßig angegriffen. Wenn man Schuldige sucht, sucht man Schuldige irgendwelcher kriminellen Unternehmungen in der Regel erst mal bei den Kaukasiern. Sie werden als Menschen zweiter Klasse dort behandelt.

Heinemann: Manfred Quiring, Autor des Buchs "Der vergessene Völkermord: Sotschi und die Tragödie der Tscherkessen".

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen. 

Weiterführende Information

"Erste ethnische Säuberung in Europa" (Deutschlandradio Kultur, Thema, 03.02.2014)
Die Rechte der Tscherkessen (Deutschlandfunk, Europa heute, 03.02.2014)
Endstation Schwarzes Meer (Deutschlandfunk, Kultur heute, 07.01.2014)
Tscherkessen protestieren gegen Olympische Winterspiele in Sotschi  (Deutschlandfunk, Europa heute, 10.0.2012)

Tuesday, February 11, 2014

INTERVIEW: Friedliche Spiele im Kaukasus - Interview mit Uwe Halbach. Von Armin Siebert (german.ruvr.ru)

Dr. phil. Uwe Halbach(german.ruvr.ru) STIMME RUSSLANDS Der Kaukasus ist die Heimat vieler Völker und seit Jahrhunderten eine Gegend friedlichen Miteinanders, aber auch Brennpunkt vieler Konflikte. Die Tschetschenienkriege, der Konfrontation zwischen Russland und Georgien, die Unabhängigkeitsbestrebungen von Abchasien und Süd-Ossetien und der verbissene Kampf um die Region Bergkarabach sorgen seit dem Zerfall der Sowjetunion für Spannungen. In unmittelbarer Nachbarschaft finden nun die Olympischen Winterspiele statt. Kaukasus-Experte Uwe Halbach von der Stiftung Wissenschaft und Politik hofft auf friedliche Spiele.

Podcast hier >>>

FERNSEHEN: Die Story im Ersten: Putins Spiele. Ein Film von Golineh Atai und Udo Lielischkies (youtube.com)


(youtube.com) Er ist der Pate dieser Winterspiele. Wladimir Putin, der sich im subtropischen Sotschi eine prunkvolle Residenz bauen ließ, will genau hier der Welt Russlands Größe demonstrieren. Und die eigene Allmacht: ein olympisches Wintermärchen, aus dem Boden gestampft, dramatisch teurer als alle bisherigen Spiele.

Link: daserste.de

Er ist der Pate dieser Winterspiele. Wladimir Putin, der sich im subtropischen Sotschi eine prunkvolle Residenz bauen ließ, will genau hier der Welt Russlands Größe demonstrieren. Und die eigene Allmacht: ein olympisches Wintermärchen, aus dem Boden gestampft, dramatisch teurer als alle bisherigen Spiele.

Das staatsnahe Fernsehen zelebriert derweil den Weg des olympischen Feuers quer durch Putins Riesenreich. Bejubelt von Rentierzüchtern und Bergleuten, im Kaukasus und im fernen Osten. Die ARD-Korrespondenten Golineh Atai und Udo Lielischkies sind der Fackel durch Russland gefolgt und schauten sich um, wenn der olympische Tross weitergezogen war.

In der Industriestadt Norilsk, bei Pferdezüchtern in Jakutien, im terrorgeplagten Dagestan, in der Schwulen-Gemeinde St. Petersburgs. Was denken die Menschen dort? Ist Putins glanzvolle Sotschi-Inszenierung ein kraftvolles Aufbruchssignal in Richtung Moderne? Oder doch nur milliardenschweres Blendwerk fürs Wahlvolk, um die grassierende Korruption und Bürokratenwillkür im Land zu überstrahlen?

Ein Film von Golineh Atai und Udo Lielischkies

Wednesday, February 05, 2014

DISKUSSION: Dokumentation "Brot & Spiele" zur Eröffnung der Winterspiele 2014 in Sotschi am 7. Februar 2014 in Berlin

Einladung zu Film & Diskussion am 7. Februar 2014 in Berlin

"Brot & Spiele" zur Eröffnung der Winterspiele 2014 in Sotschi

Pascha steht vor seinem ehemaligen Haus und blickt auf eine Bauruine.
Zu Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 am 7. Februar laden iDecembrists e.V. und die Humboldt Universität zu Berlin zur Film- und Diskussionsveranstaltung "Brot & Spiele" ein.

Sotschi 2014 ist ein Medienereignis, bei dem schon im Vorfeld die kontroversen Positionen ausgespielt wurden, was einen kritischen Blick auf die russische sowie die deutsche Medienöffentlichkeit erfordert. Doch was bedeutet das Mammutprojekt Sotschi 2014 für ein Russland, das zunehmend die Großmachtrolle anstrebt, für die Kaukasus- Region, was sagt seine Umsetzung aus? Was verspricht der Ausbau einer Wintersportmetropole auf der einstigen Sowjetischen Riviera, was macht Sotschi 2014 für die multiethnische Lokalbevölkerung, indigene Kaukasus-Völker und die nahe Georgisch-Abchasische Grenzregion aus?

Diesen Fragen, darunter der Menschenrechtsproblematik, der Tscherkessen-Frage, den Plänen der Kurortentwicklung im Kaukasus und realen Zukunftsaussichten für die Region nach Sotschi 2014, gehen wir mit Experten und Vertretern der Russischen Föderation in der Diskussion nach.

Podium

o Dr. Uwe Halbach, Kaukasus-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik

o Stefan Melle, Geschäftsführer des Deutsch-Russischen-Austausches e.V.

o Jakob Rühle, Produzent bei Sinafilm GmbH (angefragt)

o Ein Vertreter der Russischen Botschaft ist angefragt

Moderation: Moritz Gathmann, Journalist

Film-Preview

Als Preview werden spannende Ausschnitte aus "Constructing Sochi" gezeigt (2014, Regie: Steffi Wurster, OmdU). Die Dokumentation ist in Sotschi zwischen 2010 und 2013 als Langzeitbeobachtung entstanden, und feiert schon im Februar in Berlin Premiere. Ihre Protagonisten sind Einwohner, die dem Jahrhundertbau weichen mussten, Glamour- Politiker, Öko-Aktivisten, Bauarbeiter. Die Dokumentation bleibt ausgewogen und differenziert, zeigt aber gleichzeitig ungeschönt die Realität der teuersten Winterspiele der Welt. Produzent Jakob Rühle (Sinafilm GmbH) führt in den Film ein. Weitere Informationen: http://sinafilm.de/constructing-sotschi/

Ort: Humboldt Universität zu Berlin, Dorotheenstraße 26, Hörsaal 207, 2. OG
Zeit: Freitag, 7. Februar 2014, 18 Uhr
Eintritt frei, Spenden erbeten
www.idecembrists.de

Mehr zu Sotschi: https://twitter.com/TerekMedia

Sunday, February 02, 2014

VIDEO: Ein anderer Blick auf Sotschi. Heftige Kritik aus Russland (salzburg.orf.at)

(salzburg.orf.atEthnisch motivierte Gewalt, eine verarmte Gegend und billiger Tourismus - diese andere Seite des russischen Olympia-Ortes Sotschi wollen zwei niederländische Künstler aufzeigen. Ihre Ausstellung mit Bildern und Texten ist zurzeit im Fotohof in der Stadt Salzburg zu sehen.

In wenigen Tagen werden die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi eröffnet. Für gut zwei Wochen steht dann Wintersport im Mittelpunkt des Interesses. Was man nicht sehen wird, sind die armen Nachbarländer, der billige Touristenkitsch oder die ethnischen Probleme. Elf Mal sind die zwei niederländischen Künstler Rob Hornstra und Arnold van Bruggen in die Olympia-Region Sotschi gereist und haben recherchiert.

Mit Bildern, Interviews und Videos haben die beiden jetzt weltweit gezeigte Ausstellungen zusammengestellt. Die Ausstellung „An Atlas of War and Tourism in the Caucasus“ läuft jetzt auch im Fotohof in der Stadt Salzburg.

Die Bilder des Fotografen Rob Hornstra werden mit Texten von Arnold van Bruggen ergänzt. Gezeigt wird etwa das völlig verarmte Abchasien oder jugendliche Terroristen und deren Opfer. So etwa ein Polizist aus dem Nordkaukasus, der sich auf eine Granate geworfen hat um seine Kollegen zu retten. Er habe schwer verletzt überlebt, frage sich heute jedoch, warum er das getan hat, erklärt der Künstler Arnold van Bruggen.

Heftige Kritik aus Russland

Neun Bücher sind aus der Zusammenarbeit der zwei Künstler entstanden. Darunter der Atlas über Krieg und Tourismus im Kaukasus. Das Buch wiegt neun Kilo. Aus Russland gab es durchaus kritische Reaktionen auf die Arbeiten der niederländischen Künstler. Ein geplante Ausstellung in Moskau wurde abgesagt. In den vergangenen fünf Jahren sind die beiden mehrfach verhaftet, aus dem Land geworfen und schließlich mit Einreiseverbot belegt worden. Dadurch konnte das weltweite Interesse an dem Sotschi-Projekt jedoch nicht gestoppt werden. Die Ausstellung läuft zur Zeit neben Salzburg auch in Antwerpen und Chicago.

Doch die Arbeiten der beiden Künstler schließen schließen eine Begeisterung für die Olympischen Spiele nicht aus. Die beiden Künstler sind Fans des Eisschnelllaufs - denn das sei eine der wenigen Disziplinen in denen die Niederländer wirklich gut seien.

Link: www.fotohof.at


Holiday Resort, Pistunda, Abkhazia, Ausstellung über Sotschi, Fotohof Salzburg
Ein verlassenes Touristen-Ressort in Pistunda, in der autonomen Republik Abchasien.

Hamzad Ivloev, 44, was a policeman in Karabulak. Ein Polizist mit seiner Tochter. Bild aus einer Ausstellung über Sotschi im Fotohof Salzburg
Der Polizist Hamzad Ivloev und seine Tochter in der autonomen Republik Inguschetien. Der Polizist rettete mehreren seiner Kollegen das Leben. Er warf sich über eine Granate, die Terroristen ausgelegt hatten. Er wurde dabei schwer verletzt.

Saturday, February 01, 2014

FEATURE: Sochi. By Alexander Gronsky (ruigphotography.com)

(ruigphotography.comAs we count down the days to the Winter Olympic Games held this year in the Black Sea resort of Sochi, INSTITUTE artist Alexander Gronsky has been observing Russia putting the finishing touches on the resort, the ice rinks, the toboggan runs, the ski slopes and the athlete accommodation. The infrastructure and security is fully prepared to welcome the international competitors in the coming days.

A significant amount of security around Sochi is a stark reminder that their is an unfortunate expectation of sabotage and even terrorism. A 'ring of steel' is there to protect all visitors according to a games spokesperson.

All eyes will be looking at Russia for the next 6 weeks to pull off a memorable winter games for the able bodied and then the disabled athletes coming to compete.

click to see all the images in the series

Wednesday, January 29, 2014

DOKUMENTATION: Putins Spiele. Von Alexander Gentelev (arte.tv)


Dienstag, 28. Januar um 20:20 Uhr (90 Min.)
Origin: MDR
Land: Deutschland
Jahr: 2013
Als Live verfügbar: ja
Tonformat: Stereo
Bildformat: HD, 16/9
Arte+7: 28.01-04.02.2014

Wiederholung:
Do, 06.02. um 8:55 Uhr

(arte.tv) Was passiert hinter den Kulissen, wenn sich Russland den olympischen Traum Vladimir Putins erfüllen will? Wie korrupt ging und geht es bei der Vorbereitung auf die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 zu, in einem Ort, dessen subtropisches Klima eine Wintersport-Veranstaltung als absurd erscheinen lässt?

Was passiert hinter den Kulissen zu, wenn sich Russland den olympischen Traum Vladimir Putins erfüllen will? Wie korrupt ging und geht es bei der Vorbereitung auf die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 zu, in einem Ort, dessen subtropisches Klima eine Wintersport-Veranstaltung als absurd erscheinen lässt. Wer gewinnt und wer verliert, noch bevor der erste Wettkampf begonnen hat?

Wie kam es, dass Sotschi trotz schlechter Bewertung der Olympiabewerbung die Spiele zugesprochen bekam? Wie bringen die russischen Veranstalter nun das Kunststück fertig, einen traditionellen Sommerfrische-Ort in ein Wintersportparadies zu verwandeln? Was geschieht hinter den von Spezialkräften strengstens bewachten Zäunen der russischen Olympia-Baustelle? Die Antworten auf diese drängenden Fragen geben Profiteure des Baubooms aus dem In- und Ausland, Insider der Baubranche, die das Kickback-System, also das System der verdeckten Provision, kennen, Vertreter der Behörden und des Staates, geschädigte Bürger, die ihre Häuser und Grundstücke verloren haben und folglich zwangsumgesiedelt wurden, und nicht zuletzt Umweltaktivisten.

Die Machtelite Russlands setzt um jeden Preis ein Projekt durch, das dem gesunden Menschenverstand widerspricht. Die Realisierung der absurdesten Olympischen Spiele der Geschichte beruht auf der systemimmanenten Korruption in Russland, in der sich eine kleine politische Elite auf Kosten des Staatshaushalts und der einfachen Leute bereichert.

Der renommierte Dokumentarfilmer Alexander Gentelev arbeitet in "Putins Spiele" neben dem Tragischen ganz bewusst das Absurde heraus. Er zeigt Sotschi 2014 als Farce, in der ein allmächtiger Herrscher sich langweilt und die Puppen tanzen lässt.

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Sotschi ist ein Badeort an der russischen Schwarzmeerküste. Hier will Russlands Präsident im Februar 2014 die „perfekten“ Winterspiele austragen lassen. Doch bereits im Vorfeld gibt es Kritik: Korruption wird vermutet, wenn der Putin-Vertraute Wladimir Jakunin, Chef der russischen Bahn, das mit 6,5 Milliarden Euro teuerste Bauprojekt der Spiele verantwortet oder Arkadi Rotenberg, ein früherer Judo-Partner des Präsidenten, den Zuschlag von Bauaufträgen in Höhe von 5,7 Milliarden Euro erhält. Die Umweltwache Nordkaukasus kritisiert, dass für die Spiele 20.000 Hektar Wald abgeholzt, Quellenlandschaften zerstört und Tierpopulationen vertrieben werden. Sotschi liegt zudem in einer der konfliktreichsten Regionen des Kaukasus. Menschenrechtler prangern Maßnahmen gegen Terror an, wie das Demonstrationsverbot und die Kontrolle der Web-Kommunikation.

Mehr Informationen und eine Chronologie: future.arte.tv/de/sotschi