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Friday, September 07, 2012

TELEPOLIS: Kriegsgefahr durch Beförderung von Axtmörder. Von Peter Mühlbauer (heise.de)

(heise.de) USA, EU und Russland zeigen sich von den Entwicklungen in Aserbaidschan und Armenien einheitlich "besorgt"

Im Februar 2004 veranstaltete die NATO in Budapest im Rahmen ihres Programms Partnerschaft für den Frieden einen Lehrgang für Offiziere aus verschiedenen Ländern, die nicht Mitglieder des Militärbündnisses sind. Allerdings berücksichtigte man bei der Veranstaltung offenbar nicht in ausreichendem Maße ethnische Unverträglichkeiten – und so kam es dazu, dass der aserbaidschanische Leutnant Ramil S. dem armenischen Offizier Gurgen M. im Schlaf mit einer Axt den Kopf abschlug, weil der angeblich vorher sein Vaterland beleidigt hatte.

Ein ungarisches Gericht verurteilte S. dafür 2006 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Aserbaidschan bemühte sich um eine Überstellung des Mörders in seine Heimat und sicherte den ungarischen Behörden zu, dass dieser dort den Rest der Strafe verbüßen würde. Doch als die Überstellung schließlich erfolge, ließ man den Soldaten nicht nur frei, sondern beförderte ihn zum Major. Außerdem feierte man ihn öffentlich als Held, schenkte ihm ein Haus und zahlte ihm acht Jahre Gehalt nach.

Armenien brach als Reaktion auf diese Entwicklung am Freitag die diplomatischen Beziehungen mit Ungarn ab. An die Adresse Aserbaidschans gerichtet, verlautbarte der armenische Präsident Sersch Sargsjan, er wolle zwar keinen Krieg, sei aber bereit, ihn zu führen (und überzeugt, ihn zu gewinnen), wenn er müsse. Die aserbaidschanischen Behörden warfen Armenien im Gegenzug vor, die Website des Präsidenten und aserbaidschanische Nachrichtenportale zu hacken und Fotos des mit der Axt ermordeten armenischen Soldaten darauf zu posten.

Vertreter Russlands, der EU und der USA zeigten sich anhand der Entwicklung einheitlich "besorgt". Zwischen Aserbaidschan und Armenien herrscht seit 1994 ein Waffenstillstand, der immer wieder von einzelnen Scharmützeln unterbrochen wird. Vorher hatte es einen mehrjährigen Krieg um das von Armeniern besiedelte Gebiet Bergkarabach gegeben, das aktuell als De-Fakto-Staat mit weitgehendem Anschluss an Armenien existiert.

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew steckte in den letzten Jahren erhebliche Summen in den Militärhaushalt. Weil es nur etwa ein Drittel der Einwohner Aserbaidschans hat und nicht über Ölquellen verfügt, konnte Armenien mit dieser Hochrüstung nicht Schritt halten. Allerdings verweist die Schutzmacht Bergkarabachs auf den Motivationsvorteil, dass die Soldaten dort ihr eigenes Siedlungsgebiet quasi an der eigenen Haustür verteidigen - und nicht etwa am Hindukusch.

Peter Mühlbauer 

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Ungarn hat einen für den Mord an einem Armenier verurteilten Aserbeidschaner an sein Heimatland ausgeliefert, wo der Mörder begnadigt wurde. Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf den ungelösten armenisch-aserbeidschanischen Territorialkonflikt.

Die Auslieferung und Amnestierung eines verurteilten aserbaidschanischen Offiziers aus ungarischer Haft sorgt für neuen Zündstoff im ohnehin angespannten Verhältnis der Kaukasus-Staaten Armenien und Aserbaidschan.


Monday, December 06, 2010

TELEPOLIS: Eine Hochzeit in Dagestan. Rainer Sommer (heise.de)

Lokalkolorit aus dem nördlichen Kaukasus, den die US-Botschaft in Moskau im August 2006 nach Washington berichtete
Von Rainer Sommer

Die US-Diplomaten waren zur Hochzeit des Sohnes von Gadzhi Makhachev geladen, einem Mitglied der Moskauer Duma und Chef der Ölgesellschaft von Dagestan. Die dreitägige Hochzeit in Machatschkala sei "ein Mikrokosmos der sozialen und politischen Beziehungen" im nördlichen Kaukasus. Makhachev hatte seine Karriere als Chef eines Awaren-Clans begonnen, nachdem die Dagestanische Gesellschaft Ende der 1980er Jahre zu den Strukturen zurückgekehrt war, die vor der Besetzung durch die Sowjetunion geherrscht hatten.

Die grundlegende strukturelle Einheit besteht nach den Erkenntnissen der US-Diplomaten seither aus hunderten monoethnischen "Jamaat", was als Kanton oder Kommune übersetzt werden könne. Nach ihrem Einmarsch im 19. Jahrhundert hatte die Russen diese nach der Ähnlichkeit ihrer Dialekte zu größeren Einheiten zusammengefasst, um die Zahl der Nationalitäten auf 38 zu reduzieren und nannte sie "Awar", "Dargin" usw.

Gadzhi Makhachev - pan-awarische Ambitionen und Rolls Royce Silver Phantom
Seither liegen die einzelnen Jamaat innerhalb ihrer ethnischen Gruppe im Wettstreit um die Vorherrschaft. Besonders ausgeprägt ist das bei den Awaren, der größten ethnischen Gruppe in
Dagestan. Als die Sowjets abgezogen waren, bildete jeder Jamaat zudem eine Miliz, um ihre Leute sowohl in den Bergen als auch in der Hauptstadt Machatschkala zu verteidigen. Damals führte Gadzhi seine Heimatgemeinde Burtunay in der Region Kazbek, zeigte aber bald pan-awarische Ambitionen. Er spielte 1999 eine tragende Rolle bei der Verteidigung Dagestans gegen die Invasion aus Tschetschenien von Schamil Bassajew und verteidigte awarische Dörfer später "politisch", die in Tschetschenien, Georgien und Aserbaidschan unter Druck gekommen waren.
Seither habe Gadzhi dieses "Sozialkapital, das er durch Nationalismus angehäuft hatte, in finanzielles und politisches Kapital verwandelt" und ist heute Chef der staatlichen Ölfirma und Dagestans Repräsentant in der russischen Staatsduma. Seine Ölgeschäfte, bei denen er eng mit US-Unternehmen zusammenarbeitet, haben ihm unter anderem Luxusvillen in Machatschkala, Kaspiysk, Moskau, Paris und San Diego eingebracht, zudem auch einen Rolls Royce Silver Phantom, mit dem Sohn Dalgat nun seine Braut Aida abholte. Auch die US-Diplomaten hatten in Moskau schon einmal im Rolls mitfahren dürfen, die Fahrt verlief aber etwas weniger komfortabel als erwartet, da ihre Beinfreiheit durch die mitgeführten Kalaschnikows doch etwas eingeschränkt war.


Inter-ethnische Business Clans
So wie die meisten noch lebenden Dagestanischen Führer hat Gadzhi mehrere Attentatsversuche überlebt, fährt in Dagestan nur im gepanzerten BMW und ist stets von wenigstens einem Wagen voll mit uniformierten Wächtern begleitet. Er hat zudem ein über seine ethnische Gruppe hinausgehendes Netzwerk aufgebaut und etliche Dagestani samt seinem Sohn in ein Militär-College in San Diego geschickt. Wie die Diplomaten feststellen, wären in den letzten Jahren durch solche inter-ethnische Business Clans die traditionellen Jamaat-Loyalitäten generell erodiert - und dementsprechend bestand die fröhliche Hochzeitsgesellschaft nun praktisch aus fast der gesamten "Elite" des Kaukasus.


Gewaltiger Alkoholkonsum "vor, während und nach der islamische Hochzeit"
Gadzhis riesiges Sommerhaus am Kaspischen Meer, das einen 40 Meter hohen Airport-Tower sowie eine "Höhle" umfasst, deren Boden von einem gigantischen Aquarium gebildet wird und selbstverständlich schwer bewacht wird, füllte sich also mit illustren Gästen: Der Vorsitzende des Inguschetischen Parlaments war ebenso gekommen wie die Duma-Repräsentanten Tschetscheniens, die wichtigsten Geschäftsleute, Künstler, Sportler und ein Olympia-Ringer, der laut US-Diplomatie dadurch auffiel, dass er durchgehend betrunken war. Dazu kamen religiöse und politische Führer der Region, aber auch viele, die mit Gadzhi aufgewachsen waren.
Von Dagestans Präsidenten Mukhu Aliyev ging allerdings nur ein Gratulationsanruf ein, womit Gadzhis alleiniger Konkurrent um die Führung der Awaren als einziger Vertreter der politischen Elite der Hochzeit fernblieb.


Bei der mehrtägigen Festivität, die neben der Vermählungsfeier wechselseitige Empfänge der beiden Familien umfasste, wurden die Gäste permanent mit lokalen und exotischen Speisen sowie mit Alkohol versorgt, wobei die Diplomaten feststellten, dass der Alkoholkonsum "vor, während und nach der islamische Hochzeit" schlichtweg "gewaltig" war.

Ebenfalls rund um die Uhr hatte der Gastgeber für Entertainment gesorgt, wobei die großen Namen sowohl beim Empfang als auch bei der Hochzeit selbst auftraten. Allerdings konnte der angekündigte Top-Act, der syrische Sänger Avraam Russo, nicht erscheinen, da er wenige Tage zuvor erschossen worden war. Und so kamen eine Zigeuner-Band aus St.Petersburg, Benya der Akkordeon-König mit seiner Sängerfamilie, jede Menge an Azeri-Popstars sowie eine Reihe regionaler Gruppen, deren Darbietungen ununterbrochen stattfanden und sich laut US-Diplomaten allesamt durch extreme Lautstärke auszeichneten.

Dramatisch fette Tänzer und martialische Waffenträger
Die Hauptaktivität bestand aus ungezügeltem Essen und Trinken, unterbrochen nur von ein wenig Jet-Skiing an einer der beiden Molen des Anwesens. Nach dem Abendessen wurde dann die erste "Lezginka" gespielt. Für den westlichen Beobachter wirke der Nationaltanz wie eine "undifferenzierte Mauer aus Sound", was dort aber für die meistens "dramatisch fetten Männer" (Frauen waren nicht zugegen), das Startsignal gab, einer nach dem anderen für jeweils bis zu einer Minute die Arena zu betreten und zu tanzen. Dabei zeigten die einzelnen ethnischen Gruppe unterschiedliche Varianten, wobei die dagestanische am energetischsten, die tschetschenische am aggressivsten und jene aus Iguschetien laut US-Diplomatie am geschmeidigsten ausfiel.


Frauen waren erst beim eigentlichen Empfang zugelassen, was Teenagern und vor allem deren Eltern eine der wenigen Gelegenheiten bot, sich selbst nach Heiratskandidaten umzusehen. Die Sicherheitsmaßnahmen waren nun noch massiver als zuvor, wobei etwa den US-Diplomaten persönliche Leibwächter zugeteilt wurden. Obwohl mehr als 1000 Sitzplätze zur Verfügung standen, waren für die Oligarchen aller Art, die Künstler, Militärs, Geschäftsleute und Wissenschafter bald nur noch Stehplätze verfügbar, wobei sich in diesem Milieu jene mit höchster Bildung (etwa ein dagestanisch-stämmiger Nanophysiker aus dem Silicon Valley) zwanglos mit martialischen Waffenträgern mischten - und das oft in einer Person.
Als der Konvoi des Bräutigams samt der Braut im Rolls eintraf und begleitet von einem Knabenchor in mittelalterlichen Kostümen und Bewaffnung den Roten Teppich entlang marschierte, begannen die heiratsfähigen Mädchen unter den wachsamen Augen der jungen Männer ihre Lezginka. Die Tänzerinnen wurden dabei mit Geldscheinen beworfen, wobei die US-Diplomaten auch ein Paar 1000-Rubel-Noten bemerkten. Zum Einsatz kamen aber vor allem 100-Dollar-Scheine, die bald den Boden bedeckten und von kleinen Kindern aufgesammelt und den Tänzerinnen übergeben wurden.


Gadzhi blieb dabei die ganze Zeit über in seiner Rolle als Gastgeber gefangen, der alle Gäste persönlich begrüßte. Alles andere wäre eine schwere Beleidigung gewesen, so dass er für die rund 120 Toasts einen eigenen Kellner bei sich hatte, der ihm seine Drinks aus einer speziellen Wodkaflasche einschenkte, die mit Wasser gefüllt war. Das hielt ihn freilich nicht davon ab, später zu den am schwersten betrunkenen Partygästen zu zählen.

Kadyrov mit "schiefem Blick"
Am zweiten Tag wurde zuerst der Familie der Braut Respekt gezollt, dann verlagerten sich die Feierlichkeiten zurück in Gadzhis Anwesen wo nun auch Tschetscheniens Führer Ramzan Kadyrov eintraf. Begleitet von einem Dutzend schwerbewaffneter Mudschahedin erschien er in Jeans und T-Shirt, wobei er den Diplomaten aber kleiner und weniger muskulös erschien, als sie erwartet hatten. Zudem, so die Amerikaner, hätte er eine Art "schiefen Blick" aufgesetzt. Es folgte ein Feuerwerk, wobei aber die Gäste, die mehrheitlich bewaffnet erschienen waren, gebeten wurden, ihre Waffen nicht abzufeuern, was tatsächlich sogar von Kadyrov eingehalten wurde.


Nach dem Feuerwerk ging es weiter mit der Lezginka, diesmal von kleinen Kindern dargebracht, die bald von Gadzhi und dann auch von Ramzan unterstützt wurden, der dabei seine Gold-plattierte Automatik hinten in der Hose stecken hatte. Die beiden beteiligten sich auch an der Geldschein-Dusche, wobei die Tänzer mindestens 5000 Dollar aufsammeln konnten. Dem Brautpaar hatte Ramzan hingegen einen 5-Kilo Goldklumpen mitgebracht, wie Gadzhi den US-Diplomaten später zu berichten wusste.

Allerdings verabschiedete sich Ramzan wenig später wieder Richtung Tschetschenien, wobei die US-Diplomaten auf die Frage, warum er nicht bleibe, zu hören bekamen, Ramzan bleibe nirgendwo über Nacht.

Auf der Hochzeit wurde hingegen unverdrossen weiter gezecht, wobei sich die Stimmung zusehends deftiger wurde. So fühlte sich ein awarischer Oberst ein wenig beleidigt, weil die US-Diplomaten nicht zulassen wollten, dass er ihren Wein mit Cognac verfeinerte, obwohl das doch "praktisch dasselbe sei". Da der Oberst für die Terrorismusbekämpfung in Dagestan zuständig war, waren die Diplomaten jedoch geneigt, ihm das durchgehen zu lassen. Insbesondere, weil bislang jeder, der in Dagestan diese Aufgabe übernommen hatte, wenig später ermordet worden war.

Der Oberst ließ sich schließlich von einem russischen General beruhigen - nicht aber einer seiner alten Freunde aus afghanischen Kriegstagen, der zu diesem Zeitpunkt als Rektor der juristischen Fakultät der Dagestanischen Universität tätig und bereits zu betrunken war, um zu sitzen, geschweige denn aufrecht zu stehen. Er zog seine Waffe und bot seinen Schutz an, was für einige Besorgnis auf Seiten der US-Diplomatie sorgte. Als Gadzhi schließlich mit seinen Leuten erschien, konnten die Diplomaten endlich das Weite suchen.

Die Konzeption des Staates als Erweiterung der Familie
Neben vollen Hosen nahmen sie von der Hochzeit auch ein Paar geopolitische Einsichten mit - etwa das politische Probleme in der Region ausschließlich über persönliche Beziehungen zu lösen sind, die dann auf informelle Ad-Hoc-Vereinbarungen hinaus laufen.


Im Kaukasus, so die Cablegate-Dokumente, gehe es bei allen Streitereien um Land, wobei die "horizontale" Macht, die etwa von Gadzhis Beziehung mit Ramzan repräsentiert werde, die Antithese zur "vertikalen" Macht sei, die von Moskau komme, die lokalen Verhältnisse aber niemals verstanden habe. Demokratie, so hörten die Diplomaten, müsse aber ebenfalls scheitern. Denn die Konzeption des Staates sei eine Erweiterung der Familie, in der der Vater die unumschränkte Macht habe. Freundschaft und Verwandtschaft werde daher stets stärker sein als das Gesetz - und das noch für Generationen.

Quelle: Telepolis

Wednesday, August 26, 2009

INTERNET: Wie Aserbaidschan die Vorratsdatenspeicherung nutzt (heise.de)

Personen, die beim Schlager-Grand-Prix für das benachbarte Armenien gestimmt hatten, erhielten Besuch von der Polizei

Mit Telefon- und Internetverbindungsdaten, wie sie seit der Umsetzung einer EU-Richtlinie auch in Deutschland gespeichert werden, lässt sich viel anfangen. Das führt nun die im südlichen Kaukasus gelegene ehemalige Sowjetrepublik Aserbaidschan vor Augen, in der Personen, die beim Schlager-Grand-Prix für das benachbarte Armenien stimmten, Besuch von der Polizei erhielten.
Einer der insgesamt 43 Anrufer aus Aserbaidschan, die sich für das vom Duo Inga & Anush gesungene Stück
"Jan Jan" ausgesprochen hatten, sagte der BBC, dass man ihn aufgrund seines "unpatriotischen" Verhaltens als potentielles Sicherheitsrisiko ansehe. Die Behörden des Ölstaates leugneten die Polizeibesuche nicht, meinten aber, dass man lediglich nach Erklärungen für das Stimmverhalten gesucht habe.
Hintergrund ist ein bewaffneter
Konflikt um die Region Bergkarabach, der bereits seit Ende der 1980er Jahre andauert und zur massenhaften Vertreibung von Armeniern aus Baku sowie von Aserbaidschanern aus einem Korridor zwischen Armenien und Bergkarabach führte. Zur Feindschaft zwischen den beiden Staaten trägt zudem bei, dass sich Aserbaidschaner vielfach als schiitische Türken verstehen und auch von Armeniern häufig als Angehörige jenes Volkes betrachtet werden, das die armenischen Siedlungsgebiete während des Ersten Weltkrieges durch gezielte ethnische Säuberungen und Massenmorde erheblich verkleinerte.

Quelle: Telepolis

Tuesday, August 11, 2009

LINKS: Telepolis - Gandalf der Graue erstellte eine Linksammlung zu Georgien (spiegelfechter.com)

Gandalf der Graue: der Spiegelfechter hat zum Thema Georgien (nicht nur) und Russland ein paar interessante Artikel veröffentlicht:

Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit >>>


Katerstimmung bei der Nato >>>

Psychologische Kriegsführung >>>

Kosovo im Kaukasus >>>

Ex-Post Kriegsgründe >>>

Das Interview (erst nach massiven Protesten u. a. aus der Internetgemeinde wurde die lange Version des Interviews ARD ./. Putin zum Thema Georgien gezeigt) >>>

Hunde, die Bellen >>>

Sieg der Vernunft >>>

BBC-Dokumentation wirft Georgien Kriegsverbrechen vor >>>

Katerstimmung in Georgien >>>

Der Russe lügt >>>

Herbsttage eines Präsidenten >>>

Ein Jahr nach dem Krieg >>>

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Weitere Artikel, in denen das Wort Georgien vorkommt >>>

ARTIKEL: Georgien: Ein zerrissenes Land. Von Matthias Braun (heise.de)

Georgien hat im Krieg gegen Russland zwei Provinzen verloren – und sein politisches Gleichgewicht

Sosar Subari vertraut nicht auf die Wirkung seiner Worte. Er lässt Bilder sprechen. "Schauen Sie", sagt er. Subari klappt einen Laptop auf. Auf dem Bildschirm startet ein Film. Eine Szene in Schwarzweiß entfaltet sich, aufgenommen von der Überwachungskamera einer Bank in der georgischen Hauptstadt Tiflis.


Der ganze Text >>>

Thursday, February 05, 2009

ARTIKEL: Rassismus und Krise in Russland (telepolis.de)

Tomasz Konicz 02.02.2009

Wirtschaftlicher Verfall und Zunahme rassistischer Ressentiments gehen derzeit in Russland Hand in Hand

Seitdem die globale Finanzkrise Russland erfasst hat, müssen die Psychiater und Psychologen des Landes Überstunden einlegen. Der alltägliche Irrsinn der scheinbar "rationellen" Marktwirtschaft schlägt sich im zunehmenden Maße auch in der Psyche der im allgemeinen Konkurrenz- und Überlebenskampf verfangenen "Marktsubjekte" nieder. Neuesten Erhebungen des Moskauer Serbski-Zentrum für Psychiatrie zufolge verzeichnen Russlands Psychiater seit Oktober einen Anstieg der Patientenzahl um 10 %, die russischen Psychotherapeuten können sich sogar über einen um 20 % gestiegenen Besucherandrang freuen. Die Direktorin des Serbski-Zentrums, Tatjana Dmitrijewa, warnte vor einer weiteren "Neurotisierung" der Menschen durch die - angeblich natürliche und dem menschlichen Wesen entsprechende - Marktwirtschaft, sollten sich diese weiterhin "alleingelassen" fühlen. Eine vom Serbski-Zentrum betriebene Telefon-Hotline verzeichnete laut Dmitrijewa ebenfalls seit Krisenausbruch ein reges Interesse, wobei besonders von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen diese kostenlose psychologische Betreuung in Anspruch nehmen würden.

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Saturday, August 23, 2008

NACHRICHTEN: Schwere Diplomatische Krise nach dem Krieg.

Eiszeit im Kaukasus
Harald Neuber 23.08.2008

Auf den Krieg zwischen Russland und Georgien folgt der schwerste diplomatische Konflikt seit Ende des Kalten Krieges

Es geht Schlag auf Schlag: Nachdem die Außenminister der NATO-Staaten am Dienstag beschlossen, die 2002 begonnenen gemeinsamen Beratungen des Nordatlantikpaktes mit Russland auf Eis zu legen, folgte am Mittwoch der Konter. Über die norwegische Regierung kündigte Moskau an, die Beziehungen mit dem westlichen Militärbündnis bis auf weiteres auszusetzen.
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Elmar Brok will europäische Kampftruppen in den Kaukasus schicken
Der EU-Parlamentarier Elmar Brok sagte der ARD, man müsse nach Möglichkeiten suchen, wie man die Russen "herausbringt" und schlug dafür in Abchasien und Südossetien "Friedenstruppen unter europäischer Beteiligung" vor. Diese müssten, ähnlich wie auf dem Balkan, "natürlich auch militärisch ausgerüstet sein" um "tätig werden zu können." Der SPD-Abgeordneten Hans-Peter Bartels kommentierte die Vorschläge mit den Worten: "Deutschland ist das größte Land in der Union. Also: Wir werden dabei sein." Der ARD-Tageschau zufolge sollen entsprechende Pläne derzeit in Brüssel "erarbeitet" werden.

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Thursday, August 21, 2008

ARTIKEL: Der Kaukasus-Krieg bei Telepolis. (telepolis.de)

Gemeinsam gegen Russland
Harald Neuber 20.08.2008

Im Kaukasus stand Moskau einer breiten Allianz von US-Militärberatern bis hin zu baltischen Freiwilligen gegenüber. Auch der diplomatische Druck wächst
Zunächst klang es nach der üblichen Kriegspropaganda. Genau eine Woche nach dem Angriff der georgischen Armee auf die abtrünnige Region Südossetien trat deren politischer Vertreter Eduard Kokoity vor die Presse, um andere Staaten der Region einer direkten Beteiligung an dem Waffengang zu bezichtigen. "Es gab dort Söldner aus der Ukraine und den baltischen Staaten",
sagte der pro-russische Politiker. Auch habe man die Leichen von US-Amerikanern gefunden. Belege hat Kokoity zwar bislang nicht geliefert. Trotzdem ist inzwischen klar, dass die georgische Armee von den USA und aus den baltischen Staaten unterstützt wurde.

Kosovo im Kaukasus
Peter Mühlbauer 20.08.2008
Abchasien und Südossetien – so ähnlich und doch so unterschiedlich
Im Windschatten des georgischen-russischen Konflikts um Südossetien kam es auch zu bewaffneten Handlungen an der Grenze zwischen Georgien und dem De-Facto-Staat Abchasien. Vom 9. bis zum 12. August führten abchasische Truppen im Kodori-Tal eine Offensive zur Besetzung von
Oberabchasien durch, einem gebirgigen Gebiet, das nur etwa 2.000 Menschen beherbergt – keine Abchasen, sondern Georgier.

"Saakaschwili hatte die Rückendeckung der USA"
Harald Neuber 19.08.2008
Wie es zu dem Krieg im Kaukasus kommen konnte, wer von ihm profitiert und wie die Perspektive aussieht. Ein Interview mit Kai Ehlers
Telepolis sprach mit
Kai Ehlers, Publizist, Transformationsforscher und Autor zahlreicher Bücher über den postsowjetischen Raum, der in dem Konflikt eine neue Phase der Auseinandersetzung um die Neuordnung der Welt sieht.

Georgia on our minds
John Horvath 20.08.2008
Cold war or Politics as usual?

As Russia slowly begins to withdraw its forces from Georgia, many have begun to ponder what the entire incident was about. On the one side there is a feeling that the US and NATO had given the green light to Georgia to try and re-establish control over South Ossetia. On the other is the view that Russia had lured Georgia into the conflict. Whatever the case, one thing is for certain: the Georgian leadership of Mikheil Saakashvili made a huge miscalculation.

Russland, die USA und der Krieg in Georgien
Rudolf Maresch 18.08.2008
Der Bär zeigt wieder Krallen - Teil III

Hat der Einmarsch der russischen Armee in Georgien für den Westen eine ähnliche Bedeutung wie der Fall der Berliner Mauer 1989? Markiert der 8. August 2008 gar jene Singularität, die das "Ende der Geschichte" endgültig zu Grabe trägt? Diese Formulierungen, mit denen Robert Kagan (Putin Makes His Move) den Georgien-Konflikt zu deuten versucht, sind nicht nur ziemlich hoch gegriffen, sie künden auch von einer bewusst simplifizierenden Sicht des Westens auf die Vorgänge im Kaukasus. Sollte die Geschichte sich jemals überhaupt den Luxus gegönnt haben, sich nach 1989, wie allenthalben behauptet wird, eine "geopolitische" Auszeit zu nehmen, dann hat ihr Sommerurlaub oder die "europäische Friedensdividende", wie der neue Wortführer des amerikanischen Neokonservatismus gern dezent zu spötteln pflegt, schon auf den Balkan abrupt geendet. Und wenn nicht dort – aber das mögen Historiker zu einem späteren Zeitpunkt klären, dann spätestens mit dem "elften September", dem Angriff islamistischer Fanatiker auf das Welthandelszentrum in New York.

Die Raketen sind angekommen
Thomas Dudek 18.08.2008
Der Konflikt in Georgien hat das Zustandekommen des Vertrags über die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems beschleunigt

Vor einigen Wochen hat es noch nicht so ausgesehen, als ob Polen und die USA sich in der Frage des amerikanischen Raketenabwehrsystems schnell einigen würden. Während die USA und Tschechien bereits Anfang Juli einen Vertrag über die Stationierung eines dazugehörenden Radarsystems auf tschechischen Territorium unterzeichneten (Russland droht mit militärischen Reaktionen), verhandelten Washington und Warschau noch über die Bedingungen für die Stationierung amerikanischer Raketen in Polen, ohne eine Einigung erzielen zu können. Doch nun haben sich die beiden Seiten überraschend schnell geeinigt. Am Donnerstagabend verkündete der polnische Premierminister Donald Tusk, dass die USA nun bereit seien die polnischen Forderungen zu erfüllen. Eine nicht unbedeutende Rolle bei der nun erzielten Einigung sollen die Ereignisse in Georgien gespielt haben.

Russland droht Polen
Angeblich will das russische Militär die in Kaliningrad stationierte baltische Flotte erneut mit atomaren Sprengköpfen bestücken. Wie die britische Times von einem hohen Militär erfahren haben will, soll dies eine der bereits angedrohten "angemessenen "Antworten auf die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems in Polen und der Tschechischen Republik sein. Die Enklave Kaliningrad liegt zwischen Polen und Litauen.

Raketenabwehrsystem in Polen verschärft Konflikt zwischen USA und Russland
Die polnische und die US-Regierung haben sich nun doch darauf geeinigt, dass Abfangraketen des US-Raketenabwehrsystems in Polen stationiert werden können. In der Tschechischen Republik soll eine Radarstation entstehen. Polen dürfte auch wegen des Georgien-Konflikts und der schnellen militärischen Reaktion Russlands dem Anliegen der USA nachgegeben haben. Zudem hat die US-Regierung der polnischen Seite zugesichert, Patriot-Luftabwehrraketen zu stationieren und bei einem Angriff Polen militärisch zu unterstützen.

Zäsur im Kaukasus
Harald Neuber 15.08.2008
Binnen weniger Tage wurden in Georgien fast zwei Jahrzehnte westlicher Hegemonialpolitik zunichte gemacht
Seit Beginn der 1990er Jahre haben westliche Staaten unter Führung der USA daran gearbeitet, ihren Einfluss im Kaukasus auszudehnen. Russland hat nur wenige Tage gebraucht, um die Pläne zunichte zu machen. Denn auch wenn sich die Truppen Moskaus aus Georgien wieder rasch zurückziehen sollten - wonach es derzeit nicht aussieht -, ist die Nachricht deutlich: Eine aggressive Ausdehnung des Westens in der Region wird von Moskau weder diplomatisch noch militärisch geduldet werden. Nach dem Scheitern der georgischen Militäraktion in der abtrünnigen Provinz Südossetien versucht die EU-Ratspräsidentschaft unter Führung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy deswegen zu retten, was zu retten ist. Und das scheint nicht viel zu sein.

Zwei Kriege - zwei Welten?
Paul Schreyer 13.08.2008
Was hat der Konflikt in Georgien mit dem in Afghanistan zu tun?
Mehrere Tage lang tobte nun ein verheerender Krieg in Zentralasien und ein Großteil der Medien, zumindest in Deutschland, bemüht sich auffallend um Objektivität. Das ZDF hat Reporter auf beiden Seiten der Front. Roland Strumpf berichtet "embedded" bei den russischen Truppen, Antonia Rados aus Georgien. Und siehe da, Kommentatoren allerorten entdecken, dass dieser Krieg wohl ganz unideologisch ökonomische Gründe hat.

Auf dem Weg zum neuen Kalten Krieg?
Peter Nowak 13.08.2008
Selbst wenn es zu einem Waffenstillstand zwischen Russland und Georgien kommt, ist der Konflikt nicht beendet
Der Konflikt zwischen Russland und Georgien ist noch lange nicht beendet. Selbst wenn die Ankündigung des russischen Präsidenten Medwedew, die Offensive in dem Nachbarland zu stoppen, demnächst umgesetzt werden sollte, könnte allerhöchstens vom Warten auf dem nächsten Konflikt gesprochen werden. Auch der Sechs-Punkte-Plan, den Medwedew mit dem französischen Präsidenten zur Beilegung des Konflikts ausgehandelt hat, könnte nur vorübergehend für Ruhe sorgen, falls Georgien diesem ebenfalls zustimmen sollte.

Krieg als Rätsel
Peter Mühlbauer 12.08.2008
Wer will was in Südossetien?
Als 1982 argentinische Truppen die Falkland-Inseln besetzten, da musste man raten, ob die dortigen Militärmachthaber Informationen hatten, an die man nicht so ohne weiteres herankam - oder ob sie schlicht inkompetent waren und die außen- wie die innenpolitische Lage völlig falsch einschätzten. Ein ähnliches Rätsel stellt sich beim georgischen Einmarsch in den de facto seit 18 Jahren unabhängigen Teil Südossetiens.

Georgiens doppelter Verlust
Harald Neuber 11.08.2008
Georgiens Armee befindet sich in Südossetien auf dem Rückzug. Auch die Nato-Mitgliedschaft von Tiflis ist mit dem Krieg im Südkaukasus in weite Ferne gerückt
Nur drei Tage nach Beginn der Großoffensive in Südossetien hat Georgien einen Waffenstillstand angeboten. Angesichts der massiven Gegenoffensive russischer Streitkräfte zu Land, zu Wasser und der Luft verkündete der georgische Präsident Michail Saakaschwili am Sonntagabend einen
einseitigen Waffenstillstand. Drei Sitzungen des UN-Sicherheitsrates waren zuvor ohne Ergebnis geblieben. Die Kampfhandlungen im Südkaukasus gingen indes weiter. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax haben Kriegsschiffe der russischen Schwarzmeerflotte mehrere Raketenträger der georgischen Kriegsmarine versenkt. Es scheint, dass Moskau das georgische Abenteuer nutzen will, um Fakten zu schaffen.

Konflikt im Kaukasus eskaliert
Florian Rötzer 10.08.2008
Georgien und Russland werfen sich gegenseitig ethnische Säuberungen vor, während die Situation in Südossetien noch unüberschaubar ist
Vermutlich wollte die georgische Regierung die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Olympische Spiele für die eigenen Zwecke nutzen, als Präsident Mishail Saakaschwili am Freitag Truppen in die abtrünnige Provinz Südossetien einmarschieren und die Hauptstadt unter Beschuss nehmen ließ. Mit einem Überraschungscoup sollte die Provinz vereinnahmt werden, in der nicht nur vor allem Menschen mit russischen Pässen leben, sondern auch russische "Friedenssoldaten" stationiert waren.

Ein Konflikt mit Ansage
Peter Nowak 10.08.2008
Bei einem schnellen Ende des Konflikts zwischen Russland und Georgien könnte sich Deutschland als Vermittler profilieren
Die
Eskalation im Kaukasus zwischen Russland und Georgien mag für viele überraschend gekommen sein. Für Beobachter der politischen Verhältnisse zeichnete sich allerdings schon länger ab, dass sich die Kaukasusregion zu einer der zentralen Krisenregionen entwickeln könnte (Kalter Krieg auf postsowjetisch). Dabei überlagern sich ungelöste Nationalitätenkonflikte, wie aktuell der Status von Südossetien, mit dem Kampf um Rohstoffe und Bodenschätze. Diese Gemengelage erst hebt die Auseinandersetzungen auf eine internationale Ebene. Sie erklärt auch, warum Russland unverzüglich auf Seiten Südossetiens in die Auseinandersetzung eingegriffen und den Konflikt darüber hinaus auf georgisches Gebiet getragen hat.

Erster Nato-Krieg im Kaukasus
Harald Neuber 08.08.2008
Georgien will Südossetien und Abchasien zurückerobern, russische Truppen haben georgische Soldaten angeblich wieder aus der völlig zerstörten südossetischen Hauptstadt vertrieben
Vor wenigen Wochen noch war von Friedensplänen im Konflikt zwischen Georgien und zwei abtrünnigen Republiken die Rede. Nun herrscht Krieg. In der Nacht zum Freitag griffen georgische Truppen die Region Südossetien massiv an. Ziel der Großoffensive ist nach Angaben von General Mamuka Kuraschwili die Rückeroberung des seit 16 Jahren abtrünnigen Gebiets. Es gehe darum, "die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen", wie die Angreifer sagen. Doch der Konflikt könnte sich schnell zum Flächenbrand ausweiten. Aus dem ebenfalls von Georgien beanspruchten Schwarzmeergebiet Abchasien und aus der russischen Teilrepublik Nordossetien wurde der südossetischen Regierung in Zchinwali bereits Hilfe angeboten. Am zweiten Tag des Angriffs nun rückten russische Kämpfer nach Südossetien ein.