Sunday, January 03, 2016

KULTUR: Georgien - Der Sound von Tiflis. Von Andi Hörmann (deutschlandfunk.de)

Die georgische Hauptstadt ist eine Metropole zwischen Umbruch und Aufbruch: EU-Demokratie im Westen, das übermächtige Russland im Osten. Diese Zerrissenheit zeigt sich in der Kunst, im Alltag und im Stadtbild. Corso begibt sich auf eine akustische Spurensuche nach dem Tifliser Zeitgeist.

Georgien liegt am östlichsten Rand Europas. Nur etwa vier Millionen Einwohner leben hier, ein Viertel davon in der georgischen Hauptstadt Tiflis – eine Metropole zwischen Umbruch und Aufbruch: EU-Demokratie im Westen, das übermächtige Russland im Osten. Dazwischen der sich breitmachende post-sowjetische Kapitalismus. Diese Zerrissenheit zeigt sich in der Kunst, im Alltag und im Stadtbild: Moderne Wohnblöcke stechen hervor, während die wunderschönen historischen Altbauten verfallen. Gerade im Klangbild der Stadt macht sich dieser Wandel bemerkbar. ´Corso Spezial' begibt sich auf eine akustische Spurensuche nach dem Tifliser Zeitgeist in Musik, Film, Literatur – und den beliebten Eiscreme-Buden.

Geräusche und Klänge des Aufbruchs. Der Sound von Tiflis – eine akustische Spurensuche in einer Metropole im Umbruch. Ein Feature von Andi Hörmann.

Der ganze Beitrag hier mit podcast >>>


Der Autor Andi Hörmann in Tbilisi


Tiflis erwacht langsam aus der schlafenden Nacht. Vier Uhr morgens, Flughafen. Das übliche Prozedere: Passkontrolle, Stempel, Drehkreuz – warten am rotierenden Gepäckband. Müde Augen, schweifende Blicke, erste Eindrücke. Der kalte Marmor in vergilbten Beige-Tönen wirkt auf mich wie ein klischeehaftes Bild: billiger Ostblock-Charme, spröde Patina der Sowjetzeit. Die schläfrig verhallten Stimmen in der Empfangshalle sind so undefinierbar wie die Nationalitäten der gelandeten Passagiere: blasse Männer in dunklen Lederjacken, Frauen mit seidenen Kopftüchern in gedeckten Farben. Eine automatische Schiebetür: Morgengrauen verdrängt das Nachtdunkel. Sternklarer Himmel, kühle, frische Luft, der Flughafen: betongrau.

Eine rasante Taxifahrt durch das Ende der Nacht. Entlang der Schnellstraße ins Stadtzentrum zeigt Tiflis sein faltiges Gesicht – schroff und schäbig: alte Hausfassaden konterkarieren mit hypermoderner Architektur. Eine Polizeistation in der Optik eines Ufos. Stahl und Glas. Und immer wieder diese vor sich hin bröckelnden Wohnblöcke der Tifliser Vorstadt-Siedlungen. Ein wildes Architektur-Puzzle mit wundersamem Charme: das Aufeinanderkrachen von kaukasischer Kultur, Zerwürfnissen der jüngsten Geschichte und Lebenswelten mit steilem sozialen Gefälle. Als Westeuropäer habe ich erst mal nur eine vage Vorstellung von Georgien, diesem kleinen, fast schon unscheinbaren Land zwischen Schwarzem Meer und Großem Kaukasus – von Deutschland mehr als 2000 Kilometer Luftlinie entfernt. Ich tauche hier in den nächsten Tagen in eine mir noch fremde Welt ein und treffe unter anderem eine junge, heimgekehrte Georgierin, die in München Deutsch studiert hat.

"Georgien ist ein sehr spezifisches Land. Georgien wird durch ganz viele Sachen ausgemacht, besonders durch die Lage: es befindest sich irgendwo in der Mitte - nicht Europa, nicht Asien."


Ich esse Eis mit einem Deutschen, der Kinofilme macht und mit selbst produzierter fruchtig-sahniger Eiscreme in Tiflis eine echte Marktlücke entdeckt hat.

"Das Temperament der Georgier, die andere Art mit Dingen umzugehen - natürlich auch die Offenheit, die Gastfreundschaft, das Land als solches. Ich denke da ist vieles ganz anders als in Deutschland."

Und ich besuche einen jungen Hip-Hop-Musiker, der mit seiner Kunst in diesem georgisch-orthodox geprägten Land eine ganz eigene Spiritualität lebt.

"Du kannst dem Regen die ganze Nacht zuhören - wie er in einem chaotischen Rhythmus prasselt. Das ist nicht nervig. Du gewöhnst dich an diesen monotonen, unregelmäßigen Rhythmus - und meditierst dazu."

Das undefinierbare Prasseln des Regens, ein merkwürdiger Rhythmus, geklopft auf den vor sich hin rostenden Blechbedachungen in der Innenstadt von Tiflis. Der 1986 geborene Hip-Hop-Musiker und bildende Künstler Max Machaidze gibt mir dieses akustische Bild mit auf meinen Erkundungsweg durch seine Heimatstadt. Der Gedanke wird für mich zum Schlüsselerlebnis, denn auch ich laufe hier viel durch Regen, und frage mich: In welchen Geräuschen steckt der Umbruch, in welchen Klängen hören wir den Aufbruch der Hauptstadt Georgiens? Was ist der Sound von Tiflis?

Auf der zentralen Rustaveli Avenue hupt und heult der Verkehr. Die Sirenen von Polizei und Ambulanz machen mit schrillen Signaltönen auf sich aufmerksam. In meinen Ohren klingen sie nach einem verzerrten, viel zu lauten Spielzeug-Synthesizer. Oder doch mehr nach einem unwirklichen Computerspiel?

Jeder kämpft ums Überleben, jeder ist für sich

An meinen ersten Tagen in Tiflis lerne ich eine junge Georgierin kennen. Wir treffen uns in der Altstadt. Vor einer wunderschönen Kulisse aus Gebäudefassaden mit floralen Ornamenten. Auch hier: Jugendstil. Hinterhöfe mit den für Georgien typischen Laubengängen - notdürftig mit Brettern beschlagen. Bäume mit reifem Obst: Kiwis und Kakis, umweht vom unerträglichen Gestank der Autoabgase.

"Ich bin Natia Tavadze, ich bin 37 Jahre alt, ich habe Germanistik studiert und arbeite momentan unter anderem als Übersetzerin und Deutschlehrerin. Ich habe auch in München studiert."

Autor: "Wenn Du acht Jahre in Deutschland warst, gab es so etwas wie einen Kulturschock, nach Deutschland zu gehen oder dann auch wieder zurückzukommen?"

"Ich hatte beide Male einen ganz großen Kulturschock. Ich bin ja 2000 nach Deutschland gegangen, und die 90er Jahre waren bei uns dunkel und schrecklich, obwohl es menschlich die besten Jahre waren. Weil die menschlichen Beziehungen sehr warm waren, die wärmsten Jahre in Georgien. Es gab Hungersnot, keinen Strom - überhaupt gar nichts hat es gegeben. Dann kommst du nach Deutschland, und da gibt es alles. Am Anfang, als der Kühlschrank angefangen hat zu arbeiten, habe ich immer gedacht: Ah, jetzt ist der Strom wieder da. Dann habe ich gemerkt, du bist in Deutschland, da gibt es keine Stromausfälle. Und dann bin ich wieder zurückgekommen: Sechs Jahre hatte ich einen Schock, weil Georgien sich so verändert hat."

Es ist die Zeit von Eduard Schewardnadse, der vor seiner Präsidentschaft unter Gorbatschow Außenminister in der Sowjetunion war. Georgien erklärt sich 1991 nach kriegerischen Auseinandersetzungen als Republik unabhängig von Russland – mit verheerenden Folgen: Die Wirtschaft stagniert, das Land versumpft in Korruption und Kriminalität. Der westlich orientierte Präsident Michail Saakaschwili räumt in den Nullerjahren mit Korruption und Verbrechen auf - mit fragwürdigen bis menschenverachtenden Methoden. 2012 dann die politische Kehrtwende: Mit der Regierungskoalition ´Georgischer Traum' um den Multimilliardär Bizina Ivanishvili kommen Russland zugewandte Traditionalisten an die Macht.

"Ich hatte ein ganz anderes Land verlassen, dann war ich ganz woanders, dann komme ich zurück und das Land hat sich so verändert. Und die Menschen, die menschlichen Beziehungen sind jetzt ganz anders wie es mal war. Jeder kämpft irgendwie ums Überleben, oder jeder ist für sich. Früher waren wir irgendwie zusammen. Ich kann mich erinnern: In Studentenwohnheim hatte ich mal eine Seife, die habe ich aufgeteilt und meinen Nachbarn gegeben. Wenn ich mal eine Seife hatte, das war so was von toll und wir konnten uns damit alle waschen. Oder jemand hat zum Beispiel eine Flasche Öl gehabt: ´Kommt, ich habe eine Flasche Öl, ich gebe dir eine kleine Tasse.' Alle waren so."

Autor: "Meinst Du, dass die Aufbruchstimmung, die hier ja herrscht, die Leute auch ein bisschen egoistischer macht?"

"Jedes Jahr gibt es Veränderungen, jedes Jahr gibt es neue Reformen. Da denke ich schon, dass jeder meint: Jetzt muss ich mein eigener Herr werden und auf mich selbst aufpassen. Das macht einen Menschen verschlossener."

Ökonomische und soziale Unsicherheiten machen die Menschen verschlossener, aber für Künstler und Kreative sind solche Umbrüche oftmals auch ein Aufbruch. So klingt etwa die experimentelle, elektronische Pop-Musik aus Tiflis in meinen Ohren nach Melancholie und Schmerz, aber auch nach Sehnsucht und Schönheit - komponiert aus dem Schrecken der Vergangenheit. "

In den georgischen Medien gibt es keine Kultur"

In einem stillgelegten Elektrizitätswerk treffe ich die 1979 geborene Natalie Beridze, eine der Protagonistinnen der elektronischen Musikszene. Sie experimentiert mit Ambient-Sounds, Störgeräuschen und gehauchtem Gesang. In einem mit Weinreben berankten Innenhof veranstaltet sie ihr Video-Musikformat "live@twilight".

"Heute ist die Premiere von "Season 2 live@twilight". Und Vincent Volt, ein georgischer Musiker, wird heute live spielen. Und Georgi Maskai ist Videokünstler, der macht Visuals."

Auf der Leinwand hinter seinem Pult mit Sampler und Synthesizer sind animierte Industrielandschaften zu sehen: gezeichnete Apokalypse vor einem Konzert-Publikum, das offensichtlich im Kleidungsstil vom westlichen Hipster-Boom beeinflusst ist. Aber dieser Lifestyle vermischt sich hier mit georgischer Tradition: schwarze Lederjacken bei den Männern, Sticktücher bei den Frauen, dazu Hightech-Sneaker.

"Ich will, dass das sehr sehr experimentell ist. Heute wird es nicht so experimentell sein, weil er schon seit vielen Jahren Musik macht, und viele Leute kennen ihn. Aber eigentlich will ich ganz unbekannte Leute hier einladen. Sodass wir uns kennenlernen können." "Von der Musik her, Dir kann es dir glaube ich nicht experimentell genug sein. Wenn man deine Aufnahmen hört, das ist schon sehr... Es ist nicht Popmusik, was du machst."

"Manchmal mache ich auch Pop, aber es geht auch um das Label auf dem du veröffentlichst. Für mich ist es das Beste, weil ich nicht möchte, dass alle meine Musik kennen und mögen. It's not my goal. Ich will alles machen, was ich mag."

2003 veröffentlicht Natalie Beridze zum ersten Mal Musik in Deutschland. Zwei Jahre später findet sie auf dem Label "Max Ernst" von Thomas Brinkmann ein Zuhause für ihre Kompositionen und zieht für ein Jahr in die deutsche Hauptstadt. Doch sie kehrt wieder zurück zu ihren Wurzeln, nach Georgien - in Tiflis lebt sie heute mit dem Musiker und Filmemacher Nikakoi zusammen.

Party im stillgelegten Elektrizitätswerk

An diesem Abend hat Natalie Beridze den 1985 in Georgien geborenen Musiker Irakli Shonia alias Vincent Volt eingeladen. Auch seine Musik ist durchzogen von düsteren Soundscapes.

"Seit einigen Jahren schon gibt es in Georgien schon anspruchsvolle elektronische Musik. Die Voraussetzungen dafür sind da: Wir haben Erfahrungen gesammelt, wir haben das Equipment und wir haben das Internet. Das macht es einfach. Musik ist eine Mischung aus deinen Erfahrungen im Alltag und allem, was dich umgibt. Alles wird zur Inspiration. Und natürlich auch Literatur, nur die Politik nicht. Ich bin nicht politisch, mich interessiert das nicht."

Nach dem Auftritt von Vincent Volt feiern die Besucher eine Party in dem stillgelegten Elektrizitätswerks, das seit 2015 als kulturelle Zwischennutzung unter dem Namen ArtArea eine Heimat für die Tifliser Subkultur ist - nicht nur Konzert-Location, sondern auch Kunstgalerie, Buch-Verlag und Internet-Fernsehsender. Vom Innenhof führt eine Treppe in die Redaktionsräume.

"Ich bin Taso Chkheidze, ich bin die künstlerische Leiterin der ArtArea. Das ist das erste multimediale Projekt in Georgien. Es wurde 2012 von der TBC Bank ins Leben gerufen. Diese Bank ist einer der größten Sponsoren für kulturelle Projekte. Die Idee von ArtArea war anfangs nur, ein Internet-Fernsehen zu etablieren. Ein Jahr später dann wurden wir immer mehr zu einer eigenständigen Organisation. Jetzt sind wir nicht nur ein Internet-Fernsehsender, der auch über das Netz regulärer georgischer Kabel-Kanäle sendet, sondern wir haben auch noch eine eigene Kunstgalerie und ein Café, wo es verschiedene Ausstellungen, Konzerte und Präsentationen von neuen Büchern und Filmen gibt. Was die Inhalte unseres Web-Fernsehens anbelangt, da gibt es die verschiedensten Sendungen, die sich mit ganz diversen Kunstrichtungen auseinandersetzen: Spielfilme, Literatur, bildende Kunst, Fotografie, Architektur. Denn jedes Problem, sei es sozialer oder politischer Natur, hängt irgendwie auch mit der Kunst zusammen. So versuchen wir manchmal gesellschaftliche Spannungen, die sich in der Kunst widerspiegeln, in Beiträgen zu analysieren und zu diskutieren.

In den georgischen Medien gibt es einfach keine Kultur. Die Programme sind sehr politisch orientiert. Deswegen ist ArtArea auch entstanden, um innovative Sendungen ins Leben zu rufen, mit dem Ziel, etwas dazu beizutragen, unsere Gesellschaft zu bilden.


Weil wir ja ein relativ kleines Unternehmen sind und keine große Finanzierung haben, muss jeder viele Aufgaben übernehmen. Wir sind ein Fernsehsender, haben aber keine Studios. Alles, was du hier siehst ist unser Studio. Hier ist der Produktionsraum. Wir haben nur drei Schnittplätze. Die ganze Bildbearbeitung wird hier erledigt. Von hier aus senden wir. Ziemlich klein. Ein normaler Sender sieht anders aus, aber wenn du unser Programm im Fernsehen siehst, würdest du nicht glauben, dass wir mit so wenig Leuten und in so kleinen Räumen arbeiten.


Darauf sehen wir, was gerade im ArtArea-Fernsehen läuft. Gerade ist es eine Sendung über Tiflis. Darin spricht ein Experte, über Architektur. Einigen Leuten erzählt er gerade von seinem Insider-Wissen über die Gebäude in Tiflis."


Ein Hahn kräht mitten in der Stadt

Die Kriegsgräuel und der postkommunistische Bauboom haben das Stadtbild von Tiflis in einen architektonischen Flickenteppich verwandelt: Findige Investoren ziehen moderne Wohnblöcke in die Höhe, monumentale Regierungsgebäude mit strengen Säulenhallen treffen auf märchenhafte Jugendstil-Paläste mit verzierten Türmen, treffen auf Schwefelbäder mit orientalischen Kuppelbauten. Und mitten drin georgisch-orthodoxe Kirchen und muslimische Moscheen mit kaleidoskopartigen Ornamenten. Turbo-Urbanismus neben bröckelnder Sowjet-Architektur. In den entbehrungsreichen 1990er Jahren nach der Unabhängigkeit von Russland entstanden in der georgischen Hauptstadt improvisierte Wohnräume: geschlossene, balkonartige Zubauten an der maroden Bausubstanz – mit Metallstäben vergittert. Architektur-Tetris an Wohnblock-Fassaden. Immer wieder stürzen solche Konstruktionen ein.

"Ich bin Stephan Wackwitz, der Direktor des Goethe-Instituts in Tbilisi. Also hier haben wir zwar das Gebäude, aber wir sind auch zuständig für Armenien und Aserbaidschan."

Seit 2011 leitet Stephan Wackwitz das Goethe-Institut in Tiflis. Sein Ankommen, seine ersten Eindrücke von dieser Stadt, hat er unter dem Titel "Die vergessene Mitte der Welt" in einem philosophischen Erfahrungsbericht als Buch veröffentlicht.

"Ich habe vor allem miterlebt, wie sich diese Stadt selbst zerstört durch den massenhaften Abriss der kleinen Parzellen mit Backsteinhäuschen und Gärten und Weinlauben und Zypressen, die eigentlich den Charme dieser Stadt ausgemacht haben."

"Der Sound der Stadt ist zunächst einmal ein großes Hupkonzert"

In Tiflis gibt es keine funktionierende Denkmalpflege, keine Stadtplanung. Mit der Sowjetunion hat Georgien Anfang der 1990er Jahre eben auch den Kommunismus hinter sich gelassen und sich den uneingeschränkten Freiheiten des Kapitalismus geöffnet.

"Die Stadt wird durch diese Bautätigkeit von Investoren sehr beeinträchtigt und verliert sehr viel von Schönheit und Charme. Was auch dazu beiträgt, ist der vollkommen ungesteuerte Autoverkehr, der inzwischen katastrophale Formen annimmt. Das ist eine Entwicklung, wo man doch sehen kann, dass die ganz ungehemmte Entfaltung des Kapitalismus auch nicht das Wahre ist. Ansonsten ist es natürlich immer noch das Land im Südkaukasus, das die größte demokratische Entfaltungsmöglichkeit von kulturellen Initiativen bietet - wenn man es vergleicht mit Armenien und Aserbaidschan. Insofern: Politisch bin ich gedämpft optimistisch. Nur: Man hat schon den Eindruck, dass die Fortschritte des Menschengeschlechts auch die Rückschritte der Poesie sind, wenn man durch die Straßen von Tbilisi geht. Je moderner die Welt wird, desto unpoetischer wird sie. Es war mir klar, dass das so sein würde. Es ist nur viel viel schneller gegangen als ich mir das vorstellen konnte, dass so das alte Tbilisi abgeräumt wird."

Autor: "Gibt es für sie so etwas wie den Sound von Tiflis, den Sound dieser Stadt?"

"Also der Sound dieser Stadt ist zunächst mal ein großes Hupkonzert, aber andererseits auch viel Wind. Es gibt immer sehr interessante Wetterlagen, die sich auch sehr schnell verändern. Für mich persönlich gehört zum Sound von Tiflis auch, dass jeden Morgen im Morgengrauen ein Hahn vor meinem Fenster kräht." Autor: "Tatsächlich, ein Hahn, mitten in der Stadt?"

"Irgendwo in einem Hinterhof ist da ein Hühnerstall. Das finde ich sehr schön. Das ist eben das Orientalische an Tiflis."


Junge Literaten rechnen mit der Geschichte ab

Die traditionelle georgische Musik klingt in meinen Ohren orientalisch. Der alte, polyfone Gesang mit seinen komplexen Harmonien ist seit 2001 auch UNESCO-Weltkulturerbe. Und da ist noch der exotische Klang der Sprache. In ihm erklingt das ganze kulturelle Erbe des Landes - wie in diesem Gedicht, das der junge Schriftsteller Paata Shamugia rezitiert...

Ich treffe Paata Shamugia in dem kleinen Literatur-Café "Book Corner" in Tiflis. Der 1983 geborene Autor verdient seinen Lebensunterhalt als Programmierer.

"In beiden Fällen beschäftigt man sich mich Codes: In der Literatur ist es der Sprach-Code, beim Programmieren ist es der Computer-Code. Wobei es beim Schreiben die Zeichen des alltäglichen Lebens sind, die wir entschlüsseln müssen, um hinter die Wahrheit zu kommen."

Die literarische Wahrheitsfindung beginnt für Paata Shamugia 2006 mit einer regelrechten Attacke. Ausgerechnet das Nationalepos "Der Recke im Tigerfell" von Schota Rustaweli nahm er sich vor – eine Heldengeschichte über Ritterlichkeit und Edelmut aus dem 12. Jahrhundert, die jeder Georgier in die Wiege gelegt bekommt, und die heute auch zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Shamugia interpretiert das literarische Heiligtum ins Blasphemische:

Schneeweiße Brüste von Prostituierten und alternde Götter in einem Gedicht. Erotische Frivolität trifft auf irritierende Gotteslästerung. Ein Aufbegehren gegen Traditionalisten, ein Tabubruch mit Poesie. Die Künstler-Szene in Tiflis feiert Shamugia als literarischen Popstar. Auf mich wirkt er wie die georgische Version eines Michel Houellebecq. Denn für die religiösen und politischen Köpfe in Georgien war sein erster lyrischer Aufschrei zu viel des Guten, in dem Land, das seit dem Ende des Kommunismus eine Art Renaissance der georgisch-orthodoxen Religion erlebt.

"Es war ein regelrechter Aufruhr: Sogar die Abgeordneten im Parlament haben die Veröffentlichung meines Textes angeprangert, dass ich so einen Unsinn geschrieben hätte. Zwei Dutzend Priester haben dagegen protestiert, ein radikaler Verein orthodoxer Eltern hat sogar meine Bücher aufgekauft und verbrannt." 

Und doch hat Paata Shamugia mit seinem nächsten Lyrikband "Acatiste" den renommiertesten georgischen Literaturpreis SABA gewonnen – so viel Kunstfreiheit gibt es in Georgien dann doch.. Er schreibt aber nicht nur provokante Lyrik, sondern setzt sich gerade in seinem ersten Roman mit dem Kaukasuskrieg im Jahr 2008 auseinander.

"Mein nächstes Buch wird ein psychologischer Roman. Er spielt 2008, in der Zeit als Georgien und Russland sich bekriegten. Aber es ist eine fiktive Geschichte. Der Krieg geht auch ganz anders aus. Die Figuren und auch die Politiker werden aber real sein. Und Protagonist ist eine Frau."

Starke Frauenstimmen in der Literatur

Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Kampf um die Unabhängigkeit vom übermächtigen Nachbarn Russland und die durch Boykott und Armut geprägten Nachkriegsjahre in den abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien werden heute in der georgischen Literatur aufgearbeitet – erst zehn bis 20 Jahren später, durch eine neue Generation junger Autoren. Es entsteht eine Art Trümmerliteratur – mit georgischen Utopien im Spannungsfeld von Sowjet-Nostalgie und Europa-Demokratie.

Bislang sind es zwar vor allem die starken Frauenstimmen der immer noch jungen Nachkriegsgeneration um Tamta Melaschwili, die in Deutschland bekannt sind. Mit "Abzählen" gelang ihr 2012 ein viel beachtetes Debüt über eine Mädchenfreundschaft im Bürgerkrieg. In Vorbereitung auf den Gastlandauftritt 2018 auf der Frankfurter Buchmesse sollen aber demnächst auch andere stimmkräftige Autoren übersetzt werden, zum Beispiel Paata Shamugia. Bisher war Georgien ja vor allem wegen seiner Sowjet-Vergangenheit, der Bürgerkriege und der ständigen politischen Konflikte mit dem großen Nachbarn Russland ein Thema in den deutschen Medien. Doch seit die aus Georgien stammende und auf Deutsch schreibende Autorin Nino Haratischwili 2011 für ihren Roman "Mein sanfter Zwilling" den Preis der Hotlist für den besten Roman unabhängiger Verlage in Deutschland erhielt, taucht Georgien auch bei uns verstärkt in den Feuilletons auf. Das Problem ist: Derzeit lassen sich die guten Übersetzter an einer Hand abzählen. Eine von ihnen ist Natia Mikeladse-Bachsoliani. Sie ist in Georgien zur Schule gegangen, hat in Deutschland Germanistik studiert und ist zweisprachig aufgewachsen – der Vater Georgier, die Mutter Deutsche. Ihre Übersetzung von Tamta Melaschwilis Roman "Abzählen" hat 2013 sogar den deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen.

"Das Problem bei georgischen Übersetzern ist, dass man sehr viele... Kartwelismen sagt man dazu, in die Übersetzung reinbringt - unbewusst - und die Übersetzungen dadurch unnatürlich klingen, weil die georgische Sprache eine ganz andere Struktur hat."

Kartwelismen, von "kartuli", was soviel bedeutet wie georgisch. So schleichen sich in manche deutsche Übersetzungen georgische Satzstrukturen und Wendungen ein.

"Georgisch ist sehr emotional: Man könnte wahrscheinlich die georgische Literatur viel einfacher ins Persische oder ins Türkische übersetzen - oder umgekehrt. Es gibt zum Beispiel Übersetzungen von Pamuk ins Georgische, die sehr gut sind, weil einfach die Mentalität oder - wie soll ich sagen? - die Stimmung sehr ähnlich ist, als wenn das jetzt ins Englische, Deutsche oder Französische übersetzt wird."

In Georgien treffen die Weltreligionen Judentum, Islam und Christentum auf engstem Raum aufeinander. Doch der jahrzehntelange ideologische Einfluss der Sowjetunion hat eine ganze Generation der Kirche entzogen. Der in Schulen und Parteiprogrammen gepredigte Atheismus war ein Widerspruch zur traditionellen Verbundenheit der Menschen mit der christlichen Religion. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung gehört heute der georgisch-orthodoxen Kirche an. Sie ist seit der Unabhängigkeit 1991 die dominierende Konfession im Land – mehr als 80 Prozent der georgischen Bevölkerung bekennen sich zu ihr. 10 Prozent im Land sind Muslime und mit nur knapp 1 Prozent bilden die Katholiken eine religiöse Minderheit.

"Ich lebe für den Funk – das ist meine Religion"

Unter den jungen Georgiern ist in den letzten Jahren der georgisch-orthodoxe Glaube fast Lifestyle geworden. Sie praktizieren religiöse Bräuche ganz offensichtlich: Wenn sie an einer Kirche vorbeigehen, halten sie kurz inne und bekreuzigen sich. Auch in der Kunst- und Kulturszene spiegelt sich die allgegenwärtige Präsenz der Religion – wenn auch nicht immer auf traditionelle Weise. Ich besuche den 1985 geborenen Hip-Hop-Musiker Max Machaidze in seinem winzigen Hinterhof-Apartment.

Ja, es wirkt ein wenig wie bei Harry Potter: Verwinkelte Gänge führen zu der Einzimmer-Wohnung, in der sich unzählige kleine Relikte aus dem urbanen Alltag befinden. Teile von Strommasten und Betonsockel, geschweißte Metalldreiecke. An den Wänden hängen Skateboards ohne Rollen, dafür kunstvoll verziert mit mystischen Runen aus der Fantasie von Max Machaidze.

"Man kann das als Kunst betrachten, wie manche Menschen das tun, aber ich setzte mich mit alten Religionen, ritueller Musik und Magie auseinander. Ich versuche diese Dinge mit der heutigen urbanen Realität zu verknüpfen. Deswegen male ich Runen, magische Runen, und ich bin fasziniert von Hip-Hop und Skatebording. Diese Sachen versuche ich in meiner Arbeit zu verbinden: die spirituelle Welt vergangener Jahrhunderte mit der heutigen Realität in Metropolen, voller Beton und Müll.

Wenn jemand Skateboard fährt, wird er Teil der Architektur. Für mich ist das eine der interessantesten Sachen, es ist nicht wirklich ein Sport, für mich ist es Architektur und Fashion und auch etwas Spirituelles - ein Körper auf einem Brett. Deswegen gestalte ich die Form der Skateboards wie einen Altar im Tempel. So trägst du deinen Tempel immer mit dir herum."


Wie eine Mischung aus Kriegsschildern und ikonografischen Holzbildern sehen sie aus, die Decks der Skateboards, die in der Wohnung von Max Machaidze an der Wand hängen. In Tiflis ist Skaten dann doch mehr ein westliches Lifestyle-Symbol. In den Straßen habe ich nur wenige Skater gesehen. Kein Wunder bei der unebenen bis löchrigen Teerdecke.

"Dangerous", gefährlich ist es in den Straßen von Tiflis seit dem Rundumschlag von Michail Saakaschwili im Drogen-, Verbrecher-, und Korruptionsmilieu nicht mehr. Und doch ist das Leben für Individualisten wie Max Machaidze alles andere als einfach. Wer mit seinen Denk- und Lebensweisen von der Norm abweicht, wird von Traditionalisten angefeindet.

"Die sind einfach Neophobiker, sie haben Angst vor dem Neuen. Dann kommt noch die georgische Tradition dazu. Die Leute wissen gar nicht, dass Könige und Priester Ohrringe getragen haben vor langer Zeit. Heute glauben sie, dass es nicht zur Tradition gehört. Du musst normale, alltägliche Kleidung tragen. Dann sind sie hier auch noch ziemlich homophob: Wenn du nicht in die Gesellschaft passt, glauben sie, dass du homosexuell bist. Und Homosexuelle werden ziemlich unterdrückt in diesem Land. Ich habe einige schwule Freunde und die haben auch wegen ihrer Art sich zu kleiden große Probleme." Autor: "Du hast eine Halskette aus Holzperlen. Alles klimpert ein bisschen bei dir. Die Ohrringe..."

"Ja, das sind Gebetsperlen. Wobei ich mich nicht einer Religion zugehörig fühle. Ich interessiere mich für das Weltall, Cyberpunk, Comic und alles Mögliche. Eines Tages habe ich mir gedacht, dass die einzige Religion für mich der Funk ist - Hip-Hop, Funk und Jazz. Das sind nicht nur Musikgenres: Jazz, Blues, Funk. Da ist dieser Track, in dem es heißt: ´Ich lebe für den Funk, ich sterbe mit dem Funk, ich esse mit dem Funk, ich schlafe mit dem Funk.' Für mich ist das in gewisser Weise wie eine Religion. Du kannst alles Funk nennen. Es ist ein subjektiver Begriff. Mein Vater hat mir Wu-Tang-Clan vorgespielt als ich sieben Jahre alt war. Damit habe ich angefangen, und so hat sich langsam mein Musikgeschmack entwickelt. Mit neun Jahren habe ich angefangen, selber Musik zu machen und Texte zu schreiben. Die letzten zehn Jahre habe ich also Musik produziert - hauptsächlich Hip-Hop. Doch heute ist es vielleicht nicht mehr Hip-Hop, es ist irgendwie abstrakter. Seit zehn Jahren arbeite ich mit einer Software, die Fruity Loops heißt. Mit der bin ich sehr vertraut. Die ist ein Teil meines Organismus. Ich hatte nie Musikunterricht. Ich habe mir alles selbst beigebracht. Ich kann dir das mal zeigen...Die georgische Sprache, die Wörter, sind so kompliziert. Ein Wort klingt schon wie Poesie. Ich versuche, solche schönen Wörter zu finden, auch im Englischen. Aber Georgisch gefällt mir besser."

Im Rhythmus des Regens

Alles im Leben von Max Machaidze ist von einer eigenartigen Spiritualität geprägt. Mit seiner Kunst und Musik schafft er sich irgendwie eine eigene Religion - jenseits der allgegenwärtigen georgisch-orthodoxen Kirche. Mit dem Kopf in einem Universum aus Trips und Beats und Funk und Junk, mit beiden Beinen im urbanen Dschungel.

"Das ist der Punkt. Ich liebe die Stadt: Ich liebe die Junkies, ich liebe das ganze Durcheinander der Stadt, ich liebe das Geräusch der Autos und Straßen. Und ich liebe Elektrizität, die Glühbirnen. Ich liebe einfach alles an der Stadt, was die Menschen damit erschaffen haben. Doch irgendwie ist das auch paradox: Ich hasse, was die Menschen der Erde antun, den ganzen Müll und so. Aber wenn du in der Stadt geboren bist, verliebst du dich in sie. Ich könnte nicht ohne den Blick auf große Gebäude leben. Und die Strommasten, die mag ich am liebsten. Komm, ich zeig dir was. Das ist... Ich nenne das ´The Church of Electricity', die Kirche der Elektrizität. Das war ein Teil eines Strommastes."

Max Machaidze lädt Dinge des Tifliser Alltags mit seinen spirituellen Gedanken auf und macht sie zur Kunst. Alle Gegenstände in seiner Wohnung sind fein säuberlich geordnet, das Chaos bleibt draußen auf den Straßen und wird aus sicherer Distanz beobachtet, nein belauscht – sogar der Regen in den Straßen von Tiflis!

"Du kannst Regen die ganze Nacht zuhören, wie er in einem chaotischen Rhythmus prasselt. Das ist nicht nervig. Du gewöhnst dich an diesen monotonen, unregelmäßigen Rhythmus und meditierst dazu."

Der Regen, der den Rhythmus klopft, das ist für Max Machaidze der Sound von Tiflis. In seinem abstrakten Hip-Hop läuft dabei alles zusammen: Natur und Naturwissenschaften, georgische Tradition und westliche Moderne, Mystik und Spiritualität. Ich bin schwer beeindruckt von diesem allumfassenden Kunstentwurf eines gerade mal 20-jährigen Georgiers. Auf dem Weg durch die regennassen Gassen der Altstadt von Tiflis klingt er noch nach, der warme, berauschend abstrakte Hip-Hop von Max Machaidze.

Neue Geschichten von jungen Filmemachern

Meine nächste Verabredung habe ich mit Simon Groß, einem deutschen Filmemacher, der in Berlin seine georgische Frau, die Drehbuchautorin Nana Ekvtimishvili, kennenlernte. Seit 2008 leben sie hier in Tiflis, arbeiten an Kinofilmen und haben mit selbst gemachtem Speiseeis eine echte Marktlücke entdeckt. In einer seiner Eisdielen treffe ich den Filme- und Eismacher - natürlich auf eine Kugel Eis.

"Nana und ich haben es früher immer geliebt, als wir noch in Berlin waren, spazieren zu gehen im Sommer, und Eis zu essen. Einfach so. Das war für uns immer ein Ritual im Sommer. Und wir haben uns dann immer unterhalten über Geschichten, über Film und so. Und dann waren wir hier und es ging nicht mehr, weil: Es gab das Eis nicht. Das hat uns einfach gefehlt. Wir sind immer noch spazieren gegangen und haben festgestellt: Es fehlt irgendwas. Und daraus ist dann die Idee entstanden, mit der Familie zusammen das anzufangen."

"Luca Polare" nennen die beiden Filmemacher ihre Eisdielen in Tiflis – vier Filialen haben sie seit 2008 eröffnet. Qualität, die man schmeckt: Früchte, Milch und Sahne aus dem georgischen Umland. Doch eigentlich arbeitet der 1976 in Berlin geborene Simon Groß ja an Spielfilmen. 2013 hat er mit seiner Frau Nana Ekvtimishvili "Die langen hellen Tage" ins Kino gebracht – das Drama wurde gefeiert auf internationalen Filmfestivals.

"Der Film spielt in den 90er Jahren und hat natürlich viel mit meiner Frau, mit Nanas Geschichte, zu tun und mit ihren Erlebnissen als Jugendliche. Es geht um zwei Mädchen, 13 und 14 Jahre alt, die Anfang der 90er Jahre in Tiflis aufwachsen. Und es war ja eben nach der Sowjetunion eine Umbruch-Zeit, wo wirkliches Chaos auf der Straße war, wo auch viel Gewalt da war, also wo eigentlich Anarchie geherrscht hat und in dieser schwierigen Zeit diese beiden Mädchen heran wachsen und es eben darum geht wie die sich durchschlagen und erwachsen werden. Zum anderen eben auch die eine Freundin, die mit 14 heiratet oder verheiratet wird - je nachdem wie man das formuliert. Also damals ist es oft passiert, dass Mädchen auch zur Hochzeit entführt wurden. Obwohl dieses Entführt-Werden eher in einem anderen Sinne: Bei Entführung denkt man vielleicht gleich an Männer in schwarzen Masken. Es wurde auch romantisiert, aber es war letztlich ja trotzdem eine Entführung. Dann geht es natürlich auch darum, wie die Freundin darauf reagiert und die beiden Mädchen dieser Zeit und den gesellschaftlichen Problemen, die auf sie einprasseln.

Der georgische Film hatte ja eine große Bedeutung, auch in der Sowjetunion. Das ist ja dann völlig zusammengebrochen. Jetzt in den letzten Jahren, ist einfach wieder mehr entstanden, dass auch eine neue Generation, dass junge Leute wieder anfangen, Filme zu machen, Geschichten zu erzählen. Eben auch Geschichten von damals."


Ähnlich wie in der Literatur werden auch im Film erst zwei, drei Jahrzehnte nach dem Ende der Sowjetunion, nach der Unabhängigkeit von Russland, die Traumata aus den 1990er Jahren aufgearbeitet. Nun hat Simon Groß aber als Deutscher auch die Perspektive von außen, und sieht mittlerweile ganz klare Unterschiede zwischen seinem Heimatland und Georgien.

"In Deutschland ist alles geordnet und irgendwie ruhiger. Das ist manchmal einfach so, dass ich dann durchatme, wenn ich in Berlin bin. Hier ist der Stress wirklich die Aktivität und die konkreten Probleme, die zum Stress führen: wie etwa, dass die Leute nicht genug Geld zum Leben haben oder dass sie keine Krankenversicherung haben, oder dass sie Schulden haben und die Schulden nicht bedienen können - das ist hier sehr alltäglich. In Deutschland ist der Stress eher im Kopf: dass die Leute sich Stress machen, dass es darum geht, was du machst, wer du bist, was du verdienst. Das spielt hier nicht so eine Rolle."

Die Hauptstadt hat viele Klänge

Durch die Fensterscheibe der Eisdiele "Luca Polare" schaue ich auf die regennassen Straßen von Tiflis und habe das Gefühl, dass die geflügelten Worte "aus der Not eine Tugend machen" in Georgien eine eigenwilligere, konkretere Bedeutung bekommen. Der Blick aus dem Fenster führt es mir vor Augen: die zusammen gezimmerten Balkon-Anbauten am Wohnhaus gegenüber, die Kunst der Improvisation an einem Loch in der Teerdecke, das mit einem Pappkarton gekennzeichnet ist. Simon Groß möchte mir noch ein altes, baufälliges Haus zeigen, dass er sich gerade mit seiner Frau gekauft hat. Es liegt nur etwa 15 Minuten Autofahrt auf einem Hügel über Tiflis.

Autor: "Ihr wollt da richtig hin ziehen, oder ist das nur eine Ferienwohnung?"

"Ne, wir wollen da hinziehen."

Autor: "Raus aus der Stadt."

"Genau. Wir wohnen hier in einer Mietwohnung. Das ist so unpersönlich. Das haben wir damals gemietet, als wir den Film gemacht haben und wir brauchten einfach was Zentrales. Damals war es auch relativ schwierig, eine gute Wohnung zu finden, wo alles funktioniert. Dann ist hier die Luft einfach auch schlecht, das haben wir auch satt. Das ist gar nicht weit, je nachdem, wo man hin muss. Aber vom Rathaus sind es nur zehn Minuten."

Autor: "Hier wird sehr viel Wert auf hohe Zäune gelegt."

"Ja, hohe Zäune und viel auch noch vergittert. Das ist das Haus. In der Stadt siehst du ja auch noch oft: vergittert bis in den zweiten Stock. Das ist noch aus den 90er Jahren, als es noch notwendig war." "Das Haus ist aus den 70er-Jahren, von einem Schuster, der hat das selbst gebaut."

Autor: "Ein relativ kleines Haus. Es hat ein bisschen was von einer Finca, mit einer großen Veranda."

"Ja, diese typische georgische Terrasse, die überdacht ist und dann oft mit Wein, der am Geländer hoch wächst."

Autor: "Und dann die Hanglage, du siehst halt tatsächlich runter auf die Stadt. Da ist auch noch ein Bach."

"Ja, das ist das Schönste an dem Ganzen, dass hier dieser Bach runter läuft und dann unten in der Stadt rauskommt. Das ist wie so ein Urwald, da gibt es sogar einen kleinen Wasserfall. Das steht hier auf einen Felsen, das geht dann steil runter und dieser Bach läuft über zu einem kleinen Wasserfall." 

Das Haus von Simon Groß ist noch eine einzige Baustelle, aber dennoch bekomme ich eine Ahnung davon, was hier entstehen wird: ein Kleinod am Rande des urbanen Treibens. Dieses Grundstück wirkt wie eine Filmkulisse, als ob es sich der Filmemacher Simon Groß ausgedacht hätte. Von seiner Veranda blicken wir in Vogelperspektive über die Altstadt von Tiflis und es ist, als würde die durch den immensen Autoverkehr stark verschmutzte Luft auch die Geräusche dieser Stadt dort unten absorbieren. Hier oben die geordnete Stille, dort unten das laute Chaos. In Georgien empfinde ich das Vertraute so fremd – und das Befremdliche ist so nah. Die Zukunft vermischt sich mit der Vergangenheit, die Geschichte wirkt in die Gegenwart hinein - und jede Zeit hat sein Geräusch.

Der Sound von Tiflis - die georgische Hauptstadt hat viele Klänge. Für mich ist es erst mal das knarzende Metall der vergitterten Fenster und Türen, aber auch das Rascheln der hauchdünnen Plastiktüten, die einem bei jedem Einkauf begegnen: Alles wird doppelt und dreifach in transparente Tüten verpackt - mal farblos, mal mintgrün bis zartrosa. Und da ist dann noch das Miauen der streunenden Katzen, die in den Müllcontainern nach Futter suchen. Und der Klang eines Kofferradios in den Händen einer Marktfrau, die gedankenverloren den Sender sucht:

Es sind subjektive Momentaufnahmen: Klangbilder einer Metropole, Facetten einer urbanen Identität. In meinen Ohren wird der Sound von Tiflis zur melancholischen Klangkulisse, als würde jemand ständig am Rädchen einer mechanischen Uhr an der Zeit drehen - wie in einem Hip-Hop-Track von Max Machaidze. Das Tick-Tick-Tack könnte auch eine Zeitbombe sein - in einem sich ständig veränderndem Land, zwischen Europa-Demokratie und dem übermächtigen Russland als Nachbarn. Die Filmemacher, Literaten und Musiker in Tiflis strotzen jedenfalls nur so vor Tatendrang - sie trotzen der Krisen und Bedrohungen mit Mut und beeindruckender Kreativität.

VIDEO: Georgian Orthodox chant in ARAMAIC language - Tipp from Michael Bourgault

"This Mamao chants in ancient ‪Aramaic‬ and he hold liturgy in Aramaic. This church is in Kanda. He is orthodox from Syria and now this is the only church in the world that has the liturgy in Aramaic. He comes from the village of Maloula. Do to the war the monastery is shut down there."

Sunday, May 03, 2015

VIDEO: Georgian Music in Brooklyn - Singing by Aurelia Lucy Shrenker and Eva Salina Primack (youtube.com)


Aurelia Lucy Shrenker and Eva Salina Primack singing "shiraqis velze" a Georgian song, accompanied by a panduri. (In Brooklyn!)

more:
facebook.com/AE-Aurelia Lucy Shrenker & Eva Salina Primack
facebook.com/Ash (Æ)
https://www.facebook.com/evasalinainperson  

Website: www.aesings.com

Tuesday, April 21, 2015

WEIN: Edle Biotropfen aus dem Kaukasus & Geschichtsträchtiger Weinbau. Von Harald Stoffels (taz.de)

Photo von Ralph Hälbig, Weinernte in Gavazi

(taz.de) Wein gehört in Georgien seit Jahrtausenden zur Kultur. Die sieben Winzer von "Vino Underground" setzen auf Tradition und Bio

„Alle Geschichten georgischer Männer beginnen mit dem Großvater“, sagt Alex Baduashvili, ein ernst blickender, hagerer junger Mann. Dann lockert ein Lächeln die scharf geschnittenen Gesichtszüge auf: „Mein Großvater hatte seinen eigenen Weinberg. Ich war fünf oder sechs Jahre alt, als er mir das erste Glas Wein zu trinken gab. Das war ein prägendes Erlebnis für mich.“

Der 24-jährige Georgier arbeitet als Sommelier und Vinologe im renommierten Weingut Château Mukhrani nordwestlich von Tiflis. Doch Alex’ Erinnerung an den Großvater ist viel mehr als eine sentimental-liebenswerte Erklärung für seine Berufswahl.

Wer sich in Georgien beim Thema Wein auf den Großvater beruft, erinnert an eine Zeit, als noch fast jede Familie selbst Wein produzierte – die Zeit vor den Sowjets. Wobei man wissen muss, dass der Weinbau in Georgien seit Jahrtausenden zu den Grundfesten der Kultur zählt.

Alex Baduashvili: "Georgien wurde in seiner Geschichte von vielen Mächten unterworfen und beherrscht. Nur der Weinbau und die Tradition der Gastfreundschaft haben es am Leben erhalten. Die Entscheidung, den Umgang mit Wein zum Beruf zu machen, am besten zusammen mit der Familie oder mit Freunden Wein anzubauen, ist in Georgien auch immer eine politische Entscheidung – für unsere authentische Kultur."

Wein als Teil der kulturellen Identität

Alex traf diese Entscheidung, als im Kaukasuskrieg 2008 die georgische Stadt Gori von den Russen bombardiert wurde. „Plötzlich waren der Hass und die Angst vor den alten Besatzern und den furchtbaren 90er Jahren nach dem Ende der Sowjetunion wieder da. Ich war Teil einer Gruppe junger Leute, die dagegen aktiv werden und eine wichtige Rolle in der georgischen Gesellschaft spielen wollten.“

Der Weinbau als Mittel der Rückbesinnung auf die besondere kulturelle Identität ist in Georgien überall präsent. Ausgrabungen deuten auf eine rund 8.000-jährige Geschichte der Kultivierung von Weinreben hin.

Neuanfang zur Jahrtausendwende

Bis zur Oktoberrevolution war Georgien auch für die hohe Qualität seiner Weine berühmt. Doch nach der Zwangsintegration des Landes in die UdSSR wurden die legendären Weinkeller der großen Güter zerstört und an deren Stelle Fabriken für schlichte Süßweine und Billigsekte errichtet, um schnell und einfach für den Massengeschmack in den Sowjetrepubliken produzieren zu können. Erst Anfang der 2000er Jahre begann der Wiederaufbau.

Den Anfang machte die heute 160 Hektar große "Corporation Kindzmarauli" aus dem größten georgischen Anbaugebiet Kachetien. Doch mit der Wiederbepflanzung geschichtsträchtiger Lagen und moderner, qualitätsorientierter Produktion ist es für die neue kulturelle Avantgarde Georgiens nicht getan. Deren Forderung nach "authentischen Anbaumethoden" formuliert eine Gruppe von sieben jungen bis mittelalten Winzern namens "Vino Underground", die im Zentrum von Tiflis kooperativ ein gleichnamiges Weinlokal betreibt.

Alle sieben Winzer haben sich einer Art "Superbio"-Auffassung von Weinbau verschrieben, die sämtliche europäischen Bioweinbauregeln befolgt, aber zusätzlich radikalisiert. Die meisten Mitglieder von Vino Underground sind Intellektuelle, die für die Weinkultur akademische Berufe aufgaben. Malkhaz Jachelli (56) war Informatiker, Ramaz Nekoladze (40) Ingenieur, Soliko Tsaishvili (53) Literaturwissenschaftler an der Universität Tiflis, bevor er über den Kontakt zur italienischen Slow-Food-Bewegung zum professionellen Weinbau fand.

Naturwein auch für den Export

Die Gruppe wirbt für "Naturwein", wie er vor der Sowjetzeit in sogenannten Quevris hergestellt wurde: Tongefäßen von maximal 3.000 Liter Inhalt, die bis an ihre kreisrunde Öffnung in der Erde eingegraben werden. In den Quevris reifen viele Weine zum Teil jahrelang, genauso, wie es schon in der Antike üblich war. So kommen oft kräftige, taninorientierte Rotweine mit zum Teil ungewöhnlichen Aromen zustande oder naturtrübe, säurearme Weißweine mit floralen Bouquets und rotweinartigem Körper – wie sie außer in Georgien sonst nirgendwo entstehen.

Verkauft werden die traditionell hergestellten Weine, die als besonders reich an antioxidativen Stoffen gelten, außer in einheimischen Lokalen vor allem in Japan, Norwegen, Italien und Kanada – und in hippen Szenetreffs westlicher Metropolen.

"Überall, wo sich ökologisches Bewusstsein mit hohem Einkommen trifft, entsteht eine Szene für Naturwein", freut sich Vino-Underground-Vorzeigewinzer John Wurdeman (39). Der deutschstämmige Maler, in New Mexiko geboren, ist mit einer georgischen Musikerin verheiratet und führt seit 2006 in dem idyllisch gelegenen ostgeorgischen Ort Sighnaghi unter dem Namen Pheasant’s Tears ein Weingut mit Restaurant und Musikschule.

Unterstützung von Frauen

Weinfachfrau Dariko Gogol unterstützt die engagierte Gruppe. Die in Deutschland ausgebildete frühere Politologin verweist auf die Bedeutung der Frauen, vor allem auch in materieller Hinsicht: "Malkhaz Jachellis Ehefrau ist Küchenchefin in einem Restaurant in New York, Solikos Frau Kunstprofessorin in Tiflis und die Ehefrau eines anderen Kollegen klinische Psychologin. Ohne deren Unterstützung gäbe es das alles nicht." In der Deutschen Marita Riedel unterstützt eine weitere Frau Vino Underground & Co finanziell. Die Programmdirektorin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Südkaukasus glaubt an den Sinn der Aus- und Weiterbildung junger Fachleute wie Alex Baduashvili.

Mitentscheidend für die Zukunft der traditionellen Weinbaukultur in Georgien mag eine dritte Frau sein: Alice Feiring aus New York. Die Weinkritikerin unter anderem der New York Times und des Wirtschaftsmagazins Forbes nominierte georgischen Wein als einen "der neun besten Weine und Spirituosen, die man 2015 versuchen muss." Ausdrücklich genannt wurden Weine von John Wurdeman.

+++ Der Autor Harald Stoffels hat ein eigenes Weingut und kreierte auch schon seinen eigenen Orangenen Wein: weingut-stoffels.de/weingut  +++










DOC MARKET: Focus 2015 | Georgia - Georgia in focus at Swiss film festival (agenda.ge)

Salomé Jashi, Bakhmaro (2011)
(agenda.ge) Georgia will be at the heart of the prestigious documentary film festival, Visions du Réel 2015.

Georgia, a little-known filmmaking nation, will feature in the Focus section of the festival, held from April 19 to 22 in Nyon, Switzerland.

Festival guests will have the possibility to discover contemporary Georgian documentary cinematographic landscape through six projects and 15 films, which will feature in the 2015 Focus.

Festival organisers said the aim of the Focus section was to "shed light on contemporary film production and stimulate international collaboration with Georgia”.

"Georgia has always offered very high-quality film. You only need to think of all the great filmmakers that have come from this country – such as Otar Iosseliani, Michail Ciaureli, Eldar and Giorgi Shengelaia, Tenghiz Abuladze – to be convinced of this," said director of Visions du Reel Luciano Baritone.

"At the moment, this country has many highly talented directors and producers, particularly in the documentary field. For Visions du Réel, the choice to highlight Georgia is a manner of supporting this creative impetus,” Barisone said.

At the festival newcomer filmmakers will get the chance to personally present their projects alongside screening of their films.

Representatives of the Nyon film festival will have already chosen six Georgian projects, from which one will be awarded the title of winner and receive a prize of 10 000 Swiss Franc ($10,437 USD) by ‘visions sud est’ for Most Promising Project.



Selected projects – Focus Georgia 2015

City of the Sun, by Rati Oneli
Didube, The Last Stop, by Shorena Tevzadze
Love Song. Pastorale, by Tinatin Gurchiani
Tariela, Tariela, by Giorgi Mrevlishvili
The Pioneers' Palace, by Ana Tsimintia
The Station, by Salome Jashi

At the final part of the festival, a Georgian evening will be held where Georgian culture will be showcased from all angles.

The Focus section of the Visions du Réel is supported by the Swiss Agency for Development and Cooperation (SDC), the ‘visions sud est’ fund and the Georgian National Film Centre.

+++

(visionsdureel.ch) For the fifth time, Visions du Réel and the DOCM shed light on a budding yet little-known filmmaking country. The Focus aims to draw attention to committed directors and captivating films, as well as encouraging international collaboration within co-production and distribution. Georgia will be at the heart of the 2015 Focus.

Georgia is at the heart of the 2015 Focus.

Georgia has always offered very high-quality film. You only need to think of all the great filmmakers that have come from this country – such as Otar Iosseliani, Michail Ciaureli, Eldar and Giorgi Shengelaia, Tenghiz Abuladze – to be convinced of this”. At the moment, this country has many highly talented directors and producers, particularly in the documentary field. For Visions du Réel, the choice to highlight Georgia is a manner of supporting this creative impetus.

Luciano Barisone, Director of Visions du Réel

The Focus talk welcomes Georgian guests (directors, producers, institutional representatives) who explore the Georgian cinematographic landscape of the past decade as well as the current production and funding situation. Furthermore, five selected projects are presented by their directors/producers with an opportunity for one-to-one meetings. A prize of 10'000 CHF will be awarded by visions sud est to the most promising project.

In parallel, the Festival also program about ten Georgian projects as part of the Focus section.

Selected projects – Focus Georgia 2015

City of the Sun, by Rati Oneli | Géorgie – OFA/Liber8Films, Dea Kulumbegashvili and Jacob Sebiskveradze
Didube, The Last Stop, by Shorena Tevzadze | Géorgie – Real E.T. Films, Nikoloz Gogochuri
Love Song. Pastorale., by Tinatin Gurchiani | Géorgie – TT Films, Tamar Gurchiani
Tariela, Tariela, by Giorgi Mrevlishvili | Géorgie – Caucasian Filmodrom, Rusudan Pirveli
The Pioneers' Palace, by Ana Tsimintia | Géorgie/Lituanie – Matchhouse Films /Anaben Film, Esma Berikishvili and Bernardas Andriusis
The Station, by Salomé Jashi | Géorgie/Allemagne – Sakdoc/inselfilm, Salomé Jashi, Urte Fink and Gregor Streiber

Films programmed – 2015 Focus Georgia

Akhmeteli Street No.4, by Archil Khetagouri, Georgia, 2006, 65'
America in One Room, by David Kandelaki, Georgia, 2007, 53'
Reflection, by Giorgi Mrevlishvili, Georgia/Germany, 2010, 11'
Bakhmaro, by Salomé Jashi, Georgia, 2011, 58'
Biblioteka, by Ana Tsimintia, Georgia/Lituania, 2014, 54'
The Bridge, by Vano Arsenishvili and Nino Orjonikidze, Georgia, 2005, 33'

Let You Always Sing, Mother!, by Zurab Inushvili, Georgia, 2008, 75'
The Machine Which Makes Everything Disappear, by Tinatin Gurchiani, Georgia, 2012, 97'
Meidan, Nave of the World, by Dato Janelidze, Georgia, 2005, 50'

The Pipeline Next Door, by Nino Kirtadzé, Georgia/France, 2005, 90'

Pirimze, by Sophia Tabatadze, Georgia/Germany, 2015, 41'
The Ruler, by Shalva Shengeli, Georgia, 2014, 53'
Speechless, by Salomé Jashi, Géorgie, 2009, 12'
Lives in Transit, by Tamuna Jalaghania-Brisson et Valérie Léon, Georgia/France, 2010, 33'

Will There Be a Theatre up There?, by Nana Janelidze, Georgia, 2011, 55'

visions sud est 2015 award | Focus Georgia

The Swiss fund production helper visions sud es in collaboration with Visions du Réel and with the support of the Swiss agency for Development and Cooperation (SDN), supports cinematographic productions from Asia, Africa, Latin America and Eastern Europe. It aims to make the promotion of these films internationally and guarantees their distribution in Switzerland.

visions sud est will award a 10.000 CHF prize to the most promising projet.

Sunday, April 19, 2015

ARMENIAN GENOCIDE: Worldwide Reading Commemorating the Centenary of the Armenian Genocide (massispost.com)


http://massispost.com/wp-content/uploads/2015/02/Poster-wwr_Armenienweb.jpg
(massispost.com) BERLIN — The international literature festival berlin (ilb) and the Lepsiushaus Potsdam are organizing a worldwide reading on the 100th anniversary of the Armenian Genocide and the organizers are calling on cultural institutions, radio broadcasters and universities as well as schools to take part in the initiative and to organize their own readings on April 21, 2015.

The text selected for the reading has been taken from chapters seven and eight from The Book of Whispers by Varujan Vosganian. The text is available in 15 languages on www.worldwide-reading.com . Shortly more information will be available about where readings will be taking place.

More than 300 authors from more than 65 countries are supporting this initiative, among them Nobel Prize for Literature laureates Mario Vargas Llosa, Herta Müller, Elfriede Jelinek, Orhan Pamuk, Günter Grass and John M. Coetzee.

To organize a reading, send relevant information by the 30th of March 2015 to worldwidereading@literaturfestival.com, including details of the exact location and time of event as well as the name of the participants.



KATALOG: Hotel Orient / Haus der Künstler. Von Irene Kurtishvili (Hg) (pro-qm.de)

(pro-qm.de) Eine umfangreiche zweisprachige Publikation an der Schnittstelle zwischen historischer Forschung und Kultur, zwischen Architektur, Literatur und Kunst; das Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung, die im Literaturmuseum Tbilissi von 28. November 2014 bis 18. Januar 2015 stattfand.

http://www.pro-qm.de/sites/pro-qm.einskommanull.com/files/imagecache/Preview/sites/pro-qm.einskommanull.com/files/images/books/Umschlag_Buch_HOTEL_ORIENT.JPG Im Mittelpunkt steht das einst in Georgiens Hauptstadt existierende ikonische Bauwerk "Hotel Orient" (gebaut 1867 von Otto Jacob Simonson), welches in den 1980er Jahren das Zentrum georgischer Subkultur wurde und vor allem als "Haus Der Künstler" bei den Tbilissern in Erinnerung geblieben ist. Zunächst als Kreisgericht genutzt, wurde das Haus von Albert Salzmann zum Luxus-Hotel rekonstruiert. Zur Jahreswende 1991-92 wurde das Gebäude zum Opfer bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen und 1994 unterlag es dem dubiosen Abriss.

Was bleibt von einem Gebäude, wenn es aus unserem Blickfeld einfach verschwindet? In diesem Buch wird versucht, einen Schlüssel zur wahren Geschichte des legendären Hauses und seinem Mythos zu finden. Der Fokus liegt dabei im Wesentlichen auf den Archivmaterialen des ehrgeizigen städtebaulichen Projekts –"Generelle Konzeption des Wiederaufbaus der Rustaweli Avenue in Tbilissi" aus dem Nachlass des damaligen Projektleiters Wladimir Kurtishvili – nach dem Zerfall der UDSSR und dem Tbilisser Bürgerkrieg. Die Publikation berührt einerseits ein für die Stadtgeschichte von Tbilissi wichtiges historisches Thema, andererseits aber auch die Gegenwart, etwa die aktuelle Debatte über das an diesem Ort neu entstehende "Museum of Fine Arts".

Die Publikation wurde Dank der Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung realisiert.

Deutsch-Georgisch, 252 Seiten, S/W, 125 Abbildungen
Irene Kurtishvili (Hg)
Hotel Orient / Haus der Künstler
Literaturmuseum, Tbilissi, Georgien, 2014, 978-99940-28-90-0

EUR 25.00



Die Kuratorin und Buchautorin bedankt sich für die Zusammenarbeit, die wertwollen Informationen und Hilfestellungen beim GOETHE- INSTITUT GEORGIEN und DVV International Regional Office for Caucasus & Turkey, beim Literaturmuseum und Verlag CEZANNE Ltd., bei der HUMBOLDT UNIVERSITÄT ZU BERLIN, bei den Autoren, Übersetzern und Redaktoren, außerdem bei allen beteiligten Künstlern und Leihgebern, den Fotografen und privaten Personen, den Organisationen und öffentlichen Institutionen, insbesondere bei Georgiens Nationalmuseum, Georgiens Nationalarchiv, Museum für Theater, Musik, Film und Choreografie, bei der Staatlichen Kunstakademie Tbilissi, CCA und GALA Gallery, ohne die ein solches Projekt nicht realisierbar wäre.

KÜNSTLER: Merab Abramishvili, Gia Bugadze, Lewan Chogoshvili, Mamuka Djapharidze, Gia Edzgveradze, Kote Jincharadze, Keti Kapanadze, Karlo Katcharava, Lewan Kharanauli, Luka Lasareishvili, Irakli Parjiani, Koka Ramishvili, Gia Rigvava, Alim Rijinashvili, Lia Shvelidze, Oleg Timchenko, Niko Tsetskhladze, Mamuka Tsetskhladze, Guram Tsibakhashvili, Iliko Zautashvili

LICHTINSTALLATION: Andreas M. Kaufmann

KLANGINSTALLATION: Annett Stenzel & Karsten Ehlers

Literaturmuseum Tbilissi, Chanturia Str. 8, (Rustaweli)

Quelle: facebook.com

NEWSPAPER: Kaukasische Post (KaPost) bildet Nachwuchs aus (kaukasische-post.com)

(kaukasische-post.com) Ohne vernünftig ausgebildeten journalistischen Nachwuchs wird auch die KaPost auf Dauer nicht überleben können. Deshalb haben sich Verlag und Redaktion entschlossen, ab Sommer eine praktische Berufsausbildung in der Redaktion der KaPost anzubieten, ähnlich einem Volontariat an deutschen Tageszeitungen. Sie wird zwei Jahre dauern und alle Bereiche des journalistischen Handwerks umfassen. Gesucht werden ein oder zwei georgische Bewerber/Innen mit ausgezeichneten Deutsch-Kenntnissen und Interesse am Beruf. Ideal als studienbegleitende Ausbildung.

Bewerbungen mit Lebenslauf und Arbeitsproben an: verlag@karo-media.net.

Tuesday, April 14, 2015

ART: 'Spontaneous Frameworks' mit Künstlern aus Georgien/Tbilisi in KV, Bükü, HGB Gallery / 22/04 - 9/05 in Leipzig (hgb-leipzig.de)


(hgb-leipzig.de) Ein Ausstellungsprojekt von Kristina Semenova im Masterstudiengang Kulturen des Kuratorischen in Kooperation mit der Klasse Prof. Tina Bara, KV - Verein für zeitgenössische Kunst Leipzig und dem Kunstraum Бükü

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Exhibition project by Kristina Semenova in Master program Cultures of the Curatorial in cooperation with the class of Prof. Tina Bara, Бükü and KV - Leipzig

Eröffnungen/openings:
22/04 um 19 Uhr, KV
24/04 um 19 Uhr, Бükü
28/04 um 19 Uhr, HGB Galerie

KünstlerInnen/artists: Tina Bara, Aude Benhaïm, Fine Bieler, Natalia Bougai, Caroline Böttcher, Carmen Catuti, Ana Chaduneli, Tamar Chaduneli, Ana Chorgolashvili, Dali Dardzhaniya, David Datunashvili, Denise Fragner, Nora Frohmann, Zarah Gutsch, Matthias Julian, David Kukhalashvili, Marius Land, Sophia Lapiashvili, Natalia Nebieridze, Marcel Noack, Barbara Proschak, Teresa Schönherr, Steffi Schöne, Giorgi Tabatadze, Sophia Tabatadze, Anna Voswinckel

Kuratiert von/ curated by: Kristina Semenova in Zusammenarbeit mit/in association with Prof. Tina Bara und/and Anna Voswinckel 

Spontanität geht über geregelte Rahmen und festgeschriebene Gesetze hinaus. Als Eigenschaft wird sie dann als positiv empfunden, wenn man sie aus der Distanz beobachtet und in anderen Kulturen als etwas Authentisches und Emotionales wahrnimmt. Wenn man in Georgien unterwegs ist, so scheint Vieles von Spontanität geprägt zu sein. Spontane Handlungsresultate, die sich weniger auf lang verhandelte Planungen und Konzepte, sondern auf das schnelle Reagieren einzelner Menschen oder Bevölkerungsgruppen beziehen, werden in der Architektur, in der Dingwelt, aber auch in den sozialen Beziehungen sichtbar und erfahrbar. Die „spontane Architektur“ als inoffizielle und ohne Expertise errichtete Bausubstanz findet ihren Ausdruck in verschiedenen Formaten und prägt mittlerweile das Stadtbild von Tbilisi. Kamikaze loggias als eine Erweiterung des Wohnraumes, provisorische Architekturstützen als Schutz gegen den Einsturz von Häusern und spontane Kreuze als Gedenkmonumente ohne Genehmigung im öffentlichen Raum sind einige wenige Beispiele dafür. Sind solche spontanen Formen und Formate der Selbstorganisation eine Reaktion auf ökonomische Missstände oder wohnt diese Art von Spontanität der georgischen kulturellen Identität inne? Ist es der westliche Blick, der diese Spontanität erst als solche definiert? Und wie kann „spontane Architektur“ in künstlerische Arbeiten und in Ausstellungsräume übersetzt werden? 

Das Ausstellungsprojekt Spontaneous Frameworks zeigt Arbeiten Studierender von Prof. Tina Bara und eingeladener KünstlerInnen und ArchitektInnen aus Tbilisi, und versucht, eine transkulturelle Perspektive auf scheinbar lokales Phänomen der "spontanen Architektur' zu werfen. Drei parallel laufende Ausstellungen an drei verschiedenen Orten verhandeln das Thema durch das Prisma der linguistischen, räumlichen und kulturellen Bedeutungen des Begriffes Übersetzung.

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Spontaneity extends above and beyond regulated frameworks and written laws. As a feature it is then perceived as positive when gazed from a distance, and perceived as something authentic and emotional, in other cultures. When one travels in Georgia, so much seems to be characterised by spontaneity. Outcomes of spontaneous action, relate less to long-negotiated plans and concepts, than on the swift reactions of individuals. These outcomes are visible and tangible in architecture, in the world of objects, but also in social relations. 'Spontaneous architecture' as unofficial and crudely erected built structure, is expressed in various forms and characterises the current cityscape of Tbilisi. Kamikaze loggias as extensions of the living space, provisional architectural supports as protection against the collapse of houses, and spontaneous crucifixes, as unauthorised commemorative monuments within the public space, are but a few examples. Are such spontaneous forms and formats of self-organisation responses to economic inadequacies, or, are these types of spontaneity inherent to Georgian cultural identity? Is the Western gaze, the sole definer of this spontaneity as such? And how can 'spontaneous architecture' be translated in art works and exhibition spaces?

The exhibition project Spontaneous Frameworks showcases works of students studying under Prof. Tina Bara and invited artists and architects from Tbilisi in an effort to cast a transcultural perspective on seemingly local phenomena of 'spontaneous architecture'. Three exhibitions will run parallel in three different locations and negotiate the issue through the prism of linguistic, spatial and cultural meanings of the term translation.

Rahmenprogramm/frame program
22-29/04

Ana Chorgolashvili (Tbilisi):
Index: Soviet Architecture in Tbilisi
Künstleringespäch mit Videopräsentationen/artist talk with video screening, KV 25/04, 6 pm 
After the collapse of the USSR, Soviet urban planning and development in Georgia halted, particularly in the capital, Tbilisi. At the 20th century’s end, in the period of transformations and political and economic crisis, the centralised system of civic government failed, resulting in many micro schemes. Inhabitants began constructing spaces individually; some architectural hybrids originated, becoming spontaneous segments of the city, giving the capital a new look. From the beginning of the 21st century, 'new' building priorities were announced in Tbilisi, resulting in a massive city wide building process. Parts of old buildings disappeared, while other parts re-colored accordingly, had lost their original look and original message. A non-systemic approach has become a new governance system. Ana Chorgolashvili will speak about her ongoing research project Index focusing on Soviet architectural heritage in Tbilisi and its post-Soviet development.
 


Fahrradtour mit der Kuratorin durch die Ausstellungen
Guided bike tour with curator
29/04, 2 pm, Treffpunkt/meeting point: KV
Dauer/duration: 2 h 
Curator of the project Kristina Semenova who spent one month in Tbilisi at GeoAIR residency researching on the topic will introduce her curatorial concept as well as selected art works. 

Sophia Lapiashvili (Tbilisi):
Lost Utopias in Tbilisi. Mosaics from the Soviet period
Präsentation/lecture, KV 29/04, 6 pm 
Artist, curator and former coordinator of artist residency GeoAIR, Sophia Lapiashvili, presents a talk focused on the intensive changes within the public space that have been taking place throughout the last 20 years in Tbilisi, and have given rise to the interest of GeoAIR members in the monumental-decorative mosaics. Unsystematic transformation of urban environment, amateur interventions in forming the image of the city, and façade 'beautifications', have led to destruction of mosaics in Tbilisi’s public spaces. This became the reason behind documenting them, creating the database and online map. Lost Heroes of Tbilisi. Soviet Period Mosaics was a part of the SPACES project, funded by the European Union through the Eastern Partnership Culture Programme.
 

Sophia Tabatadze (Berlin/Tbilisi):
Pirimze: A Place transforming to a Non-Place
Vortrag/lecture, KV 29/04, 7 pm 
Artist and founder of artist residency GeoAIR, Sophia Tabatadze presents a talk on her three years of research into social and visual changes affecting Pirimze, a six-floor edifice from the Soviet era, built especially to house repair and maintenance services. The theme unfolds to a broader picture and shows what has been happening in Georgia since the Soviet Union’s collapse. One may view Pirimze, a 40 minute experimental documentary film, in the exhibition space of the HGB. Beginning as a curious journey though the labyrinths of Pirimze and observing fascinating skills performed by craftsmen who once worked there, the story moves beyond the façade of the newly renovated business center Pirimze Plaza, which replaced Pirimze, and questions the need and motives for this transformation.
 

Finissage KV 29/04, 7 pm 

Mehr Information/more information: www.buekue.eu

Gefördert durch/sponsored by IFA Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart, StuRa und Freundeskreis der Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Öffnungszeiten/opening hours:
KV: 23/04 - 29/04, 16-19 Uhr
Kolonnadenstraße 6, www.kunstverein-leipzig.de

Бükü: 24/04 - 29/04, 16-19 Uhr, 30/04 - 09/05, Do-Sa, 15-19 Uhr
Aurelienstraße 48, www.buekue.eu

Galerie der HGB: 29/04. - 09/05, Di-Fr 14-18, Sa 12-16 Uhr
Wächterstraße 11, www.hgb-leipzig.de

www.buekue.eu
facebook.com/Büro für kulturelle Übersetzungen

Бükü – Büro für kulturelle Übersetzungen
Aurelienstrasse 48 | 04177 Leipzig
info@buekue.eu | www.buekue.eu
Tel.: +49 163 3737 534
Öffnungszeiten: Do – Sa 15.00 – 19.00 Uhr

Monday, April 13, 2015

LITERATUR: Lesung mit Irma Shiolashvili im Jacques’ Wein-Depot Bonn-Beuel (jacques.de)

(jacques.de) Literaturausschank – Lesungsreihe bei Jacques’ in Bonn-Beuel
Jacques’ Wein-Depot Bonn-Beuel
Mittwoch, 15. April 2015, Beginn: 19:30 Uhr 


Jeden dritten Mittwochabend des Monats (Ausgenommen sind die Mittwoche im Dezember und in den Sommerferien NRW) lesen unterschiedliche Autorinnen und Autorinnen aus ihren Werken im Jacques’ Wein-Depot Bonn-Beuel. Lauschen Sie den Schriftstellern beim Wein, der Ihnen von Jacques’ vorgestellt wird.

Dr. Irma Shiolashvili, Dichterin und Journalistin, Mitglied des georgischen Schriftstellerverbandes und der Europäischen Autorenvereinigung „Die Kogge“, lebt seit 1999 in Bonn, wo sie 2005 mit einer Dissertation über georgische und deutsche Nachkriegslyrik promovierte. Sie trägt ihre Gedichte in georgischer Sprache sowie in deutscher Übertragung vor.

Die Lesungen sind kostenfrei. Die jeweils vorgestellten Weine sowie Säfte werden zum Selbstkostenpreis von 1,50 € pro Glas (0,1 l) verkauft.

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(pop-verlag.com) Irma Shiolashvili, * 1974 in Georgien, schrieb schon während ihrer Schulzeit Gedichte, die in verschiedenen Sammelbänden veröffentlicht wurden. 1991-1996 studierte sie an der Universität Tbilissi Journalistik. Nebenbei arbeitete sie in der Kulturabteilung des staatlichen Fern-sehens, wo sie Fernsehsendungen über zeitgenössische georgische Schriftsteller produzierte. 1992 wurde ihr erstes Buch "Nicht-existierendes Wort" im Verlag "Merani" veröffentlicht. Durch Vermittlung der bekannten Dichterin Ana Kalandadse wurde sie im Jahre 1995 eines der jüngsten Mitglieder des georgischen Schriftstellerverbandes. Es folgten weitere Buchveröffentlichungen 1996, 2002 und 2009. 1999 ging sie nach Deutschland und studierte in Bonn für ihre Dissertation über georgische und deutsche politische Nachkriegslyrik, mit der sie 2005 am Institut für Literatur der Georgischen Akademie der Wissenschaften promovierte. Seit dieser Zeit produziert sie im Bürgerfunk "LoCom" (Bonn) zweisprachige Sendungen für das "deutsch-georgische Kulturmagazin". 2007 wurde sie in die Europäische Autorenvereinigung "Die Kogge" auf-genommen. Ihre Gedichte wurden auch ins Russische übersetzt und als Buch veröffentlicht. Irma Shiolashvili lebt mit ihrer Familie in Bonn

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Friday, April 03, 2015

TBILISI: Vino Underground: Wine Heaven. By Paul Rimple / Photographies by Molly Corso (culinarybackstreets.com)

Photo by Paul Rimple
(culinarybackstreets.com) Enek poured a rosy colored splash of wine into our glasses, avidly explaining how this particular Aladasturi grape vine was meticulously cultivated in its native west Georgia. In a tasting ritual uncommon in Georgia, we swirled it, sniffed it and savored the flavor as it caressed our tongues. Here in the “cradle of wine,” the land where viticulture is believed to have originated 8,000 years ago, wine is customarily poured into a water glass and “tasted” in one long drag, until drained. But in this cozy cellar in the heart of Tbilisi’s historic Sololaki neighborhood, seven winemakers have come together to offer an alternative convention to winemaking and consumption. They call it Vino Underground, but we call it wine heaven.

“This wine is made by an 80-year-old man in Imereti,” Ènek said. “He’s only bottled 500.” 

Vino Underground offers about 100 family-produced Georgian wines, most all made much like they have been for thousands of years; in ceramic qvevris, tear-shaped vessels buried in the ground and found in nearly every basement in east Georgia’s wine region of Kakheti. But what sets this wine apart from what is normally consumed in the country is the acute care given to the vine. Vino Underground’s co-op think of themselves as grape cultivators rather than winemakers, following an intrinsic philosophy of “listening to the vines” to help them develop a resilient immune system naturally, instead of fertilizing them with chemicals. By the time the grapes get to the cellar, nothing needs to be added to help the fermentation process. You can taste the personal touch that goes into each bottle.

That night we were sampling whites, working our way to Georgia’s distinctive tannin-infused, amber colored wine, a result of the inclusion of skins, seeds and stems into the fermentation process. After sampling a straw-colored, citrusy Kisi, we settled on a bottle of Rkatsiteli, which is Georgia’s most popular white.

Ènek Peterson walked us through several wines, impressing us with a profound knowledge of the background of each bottle, all with an enthusiasm she couldn’t hide. The 21-year-old Boston native eloped with Georgia when she failed to board her flight back home seven months ago, after coming here to learn Georgian folk singing. Already a fluent Georgian speaker, she is fast becoming an expert on natural local wines, and this Rkatsiteli she selected for us was divine.

“This wine comes from Zaza Darsavelidze. He’s a soldier and security guard by profession but inherited the business from his father,” Ènek explained. “Zaza takes his four year-old son with him to the marani” – wine cellar – “and vineyards because he feels it’s so important for this tradition to be carried on.”

Vino underground isn’t the kind of place you visit if you’re hungry, which is unheard of in this Black Sea nation where wine and supper are as inseparable as salt is from the sea. But they do offer savory treats well suited to partnering with their wide selection of wines, which also includes European and Kiwi vintages. We skipped the platter of local cheeses, preferring to try that evening’s specials of fried Sulguni cheese with sorrel and Ekala with walnuts. Sulguni is best described as a kind of mozzarella, while Ekala is a spinach-like plant native to west Georgia. While both are simply outstanding, at Vino Underground it is the wine that really shines.

Address: 15 Galaktion Tabidze St., Sololaki
Tel: +995 322 30 9610
Hours: noon-midnight


(top and above photo by Molly Corso, middle photo by Paul Rimple)
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