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Tuesday, February 16, 2016

ARTIKEL: Architektonische Reise nach Georgien. Text und Fotos von Peter Sägesser (swiss-architects.com)

(swiss-architects.com) Georgien ist beinahe doppelt so gross wie die Schweiz, hat aber nur halb so viele Einwohner. Eindrückliche Naturlandschaften vom Schwarzen Meer bis zum Kaukasus und Bauten aus der Sowjetzeit machen das Land zu einer interessanten Destination. 

Auf dem Weg in den Grossen Kaukasus: Denkmal der georgisch-russischen Freundschaft, Architektur: Giorgi Chakhava, Bild: P. Sägesser
Das Land befindet sich zwischen Tradition und Aufbruch. Das lässt sich auch an seiner Architektur ablesen. Schon auf dem Weg vom Flughafen der Hauptstadt Tiflis ins Zentrum fallen zahlreiche Neubauten auf. Interessanter sind aber die Bauten aus sowjetischer Zeit und die Altstadt von Tiflis. Sich in Tiflis zu orientieren ist nicht einfach. Vom Hausberg der Stadt, dem Mtazminda, erhält man aber einen guten Überblick. Die heutige Bergstation der Standseilbahn wurde 1938 im Stile des Sozialistischen Realismus erbaut, darin befindet sich ein Restaurant und ein Casino. 2007 wurde das Gebäude komplett saniert und ist heute ein beliebter Ausflugsort am Abend.

Ikone der Sowjetarchitektur, Ministerium für Strassenbau, Architektur.: Giorgi Chakhava, Z. Dzhalaganiya, T. Tkhilava, W. Kimberg (1974). Bild: P. Sägesser

Tiflis wuchs vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg stark, und es entstanden neben neuen Wohngebieten einige herausragende Beispiele sowjetischer Architektur. Bekannt ist vor allem das Ministerium für Strassenbau. Der Bau aus sich überlagernden Balken erinnert an El Lissitzkys Wolkenbügelprojekt von 1924 für Moskau. Der Minister für Strassenbau, George Chakhava, war zugleich Bauherr und Architekt. Sein Ziel war es, eine Raumstruktur zu schaffen, die so wenig wie möglich den Boden berührt und in alle Richtungen beliebig erweitert werden kann.

Etwas weiter stadtauswärts liegt der ab 1971 erbaute Universitätscampus. Ursprünglich sollte rund um einen künstlichen See ein neues Quartier entstehen, von dem aber nur ein Teil verwirklicht wurde. Eine Seilbahn, welche die Hochschulbauten mit den Studentenwohnungen verbindet, steht seit Jahren still. Eine Gondel hängt mitten über dem Fluss in der Luft. Sehenswert ist vor allem die Universitätsbibliothek des Architekten Leri Medzmariashvili.


Teil des nie fertiggestellten Universitätscampus: Bibliothek von Leri Medzmariashvili (1971). Bild: P. Sägesser
Ganz anders wirkt der zentrale Pavillon des Messegeländes. In seiner Leichtigkeit erinnert er an Bauten Oskar Niemeyers. Einen Blick sollte man auch in den Landwirtschaftspavillon mit seinem Palmenhaus werfen. Weitere sehenswerte Bauten aus sowjetischer Zeit sind unter anderem der an ein Flughafenterminal erinnernde Hauptbahnhof von 1980, die Wohnbauten in der Nutsubidze-Strasse und der Palast der Rituale von 1985. Im letzteren feierten Georgierinnen und Georgier ihre Hochzeitsrituale.

WDNCH-Messegelände, Zentraler Pavillon, Architektur: L. Mamaladze (1961). Bild: P. Sägesser
Tiflis wurde in den letzten Jahren stark umgebaut. Am Ufer des Flusses Mtkwari stehen zwei wenig geglückte Neubauten des Architekturbüros Fuksas, und der Friedensbrücke von Michele de Lucchi haben die Stadtbewohner den Übernahmen «Always Ultra» gegeben. Viele Altstadthäuser wurden abgerissen und neu aufgebaut. Beim Spaziergang durch die Altstadt findet man aber noch traditionelle Wohnhäuser. Man sollte unbedingt einen Blick in die Innenhöfe werfen. Typisch sind hier hölzerne Konstruktionen, die über aussenliegende Treppen und Laubengänge die Wohnungen erschliessen.

Fussgängerbrücken verbinden die Wohnbauten in der Nutsubidze-Strasse, Architektur: O. Kalandarishvili, G. Potskhishvil (1974 bis1976). Bild: P. Sägesser
Im Palast der Rituale wurden Hochzeiten gefeiert, Architektur: 
V. Dzhorbenadze, V. Orbeladze (1985). Bild: P. Sägesser


Typische Holzkonstruktionen in der Altstadt von Tiflis. Bild: P. Sägesser
Kinosaal über einer archäologischen Ausgrabungsstätte in Mzcheta. Bild: P. Sägesser

Von der Hauptstadt in einem Tagesausflug erreichbar sind die Städte Gori und Rustavi, die ein Name verbindet: Stalin. Im Zentrum von Gori liegt an der Stalin-Allee ein grosser Park mit dem wiederaufgebauten Geburtshaus Stalins. Ein Museum huldigt dem Diktator seit 1951 unverändert. Auf dem Weg nach Gori sollte man unbedingt im Mzcheta Halt machen. Neben der eindrücklichen Svetizchoveli-Kathedrale, die zum UNESCO-Welterbe gehört, gibt es im Ort ein wunderschönes Kinotheater aus den 1960er-Jahren. Leider ist es nicht mehr in Betrieb und der Bau in einem desolaten Zustand. Man kann sich nur vorstellen, was für ein Erlebnis ein Kinobesuch hier gewesen sein muss: Über archäologischen Ausgrabungen schwebt der Zuschauersaal. Eine Promenade Architecturale führt vom Kassenraum mit Blick auf die Ausgrabungen hinauf ins Foyer und von da in den Saal. Nach der Vorstellung verliessen die Besucher den Saal über zwei seitlichen Stege.
 

1947 ordnete Stalin im Rahmen der Industrialisierung der Sowjetunion die Neugründung der Stadt Rustavi an. Es entstand das grösste Stahlwerk des Kaukasus und eine Stadt im Stile des Sozialistischen Realismus. Mit dem Tod Stalins 1953 und der Machtübernahme durch Chruschtschow forcierte man das industrielle Bauen. In Rustavi entstanden Wohngebiete mit Plattenbauten. So sind hier in Reinform zwei komplett unterschiedliche Vorstellungen von Städtebau verwirklicht worden. Während die stalinistische Stadt abgesehen vom Hauptsitz des Stahlwerkes einen menschlichen Massstab hat und fast mediterranen Charme ausstrahlt, mangelt es den Plattenbauquartieren an einer städtischen Identität.

Typischer Wohnungsbau in Rustavi im Stile des Sozialistischen Realismus. Bild: P. Sägesser
Beste Reisezeit für Georgien ist der Herbst, wenn es in Tiflis nicht mehr so heiss ist, und die Wälder in den Bergen in allen Farben leuchten. Nicht nur Wanderer sollten ein paar Tage im Grossen Kaukasus verbringen – die Landschaft ist überwältigend.
 

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Der Architekt Peter Sägesser arbeitete in Budapest als der Eiserne Vorhang 1989 fiel. Auf Reisen in Ungarn und anderen ehemaligen kommunistischen Ländern entdeckte er bemerkenswerte Architektur, die im Westen gänzlich unbekannt war. Seither dokumentiert er diese vom Zerfall bedrohten Werke. Seit 2006 auf der Website www.ostarchitektur.com.

Tuesday, April 21, 2015

DOC MARKET: Focus 2015 | Georgia - Georgia in focus at Swiss film festival (agenda.ge)

Salomé Jashi, Bakhmaro (2011)
(agenda.ge) Georgia will be at the heart of the prestigious documentary film festival, Visions du Réel 2015.

Georgia, a little-known filmmaking nation, will feature in the Focus section of the festival, held from April 19 to 22 in Nyon, Switzerland.

Festival guests will have the possibility to discover contemporary Georgian documentary cinematographic landscape through six projects and 15 films, which will feature in the 2015 Focus.

Festival organisers said the aim of the Focus section was to "shed light on contemporary film production and stimulate international collaboration with Georgia”.

"Georgia has always offered very high-quality film. You only need to think of all the great filmmakers that have come from this country – such as Otar Iosseliani, Michail Ciaureli, Eldar and Giorgi Shengelaia, Tenghiz Abuladze – to be convinced of this," said director of Visions du Reel Luciano Baritone.

"At the moment, this country has many highly talented directors and producers, particularly in the documentary field. For Visions du Réel, the choice to highlight Georgia is a manner of supporting this creative impetus,” Barisone said.

At the festival newcomer filmmakers will get the chance to personally present their projects alongside screening of their films.

Representatives of the Nyon film festival will have already chosen six Georgian projects, from which one will be awarded the title of winner and receive a prize of 10 000 Swiss Franc ($10,437 USD) by ‘visions sud est’ for Most Promising Project.



Selected projects – Focus Georgia 2015

City of the Sun, by Rati Oneli
Didube, The Last Stop, by Shorena Tevzadze
Love Song. Pastorale, by Tinatin Gurchiani
Tariela, Tariela, by Giorgi Mrevlishvili
The Pioneers' Palace, by Ana Tsimintia
The Station, by Salome Jashi

At the final part of the festival, a Georgian evening will be held where Georgian culture will be showcased from all angles.

The Focus section of the Visions du Réel is supported by the Swiss Agency for Development and Cooperation (SDC), the ‘visions sud est’ fund and the Georgian National Film Centre.

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(visionsdureel.ch) For the fifth time, Visions du Réel and the DOCM shed light on a budding yet little-known filmmaking country. The Focus aims to draw attention to committed directors and captivating films, as well as encouraging international collaboration within co-production and distribution. Georgia will be at the heart of the 2015 Focus.

Georgia is at the heart of the 2015 Focus.

Georgia has always offered very high-quality film. You only need to think of all the great filmmakers that have come from this country – such as Otar Iosseliani, Michail Ciaureli, Eldar and Giorgi Shengelaia, Tenghiz Abuladze – to be convinced of this”. At the moment, this country has many highly talented directors and producers, particularly in the documentary field. For Visions du Réel, the choice to highlight Georgia is a manner of supporting this creative impetus.

Luciano Barisone, Director of Visions du Réel

The Focus talk welcomes Georgian guests (directors, producers, institutional representatives) who explore the Georgian cinematographic landscape of the past decade as well as the current production and funding situation. Furthermore, five selected projects are presented by their directors/producers with an opportunity for one-to-one meetings. A prize of 10'000 CHF will be awarded by visions sud est to the most promising project.

In parallel, the Festival also program about ten Georgian projects as part of the Focus section.

Selected projects – Focus Georgia 2015

City of the Sun, by Rati Oneli | Géorgie – OFA/Liber8Films, Dea Kulumbegashvili and Jacob Sebiskveradze
Didube, The Last Stop, by Shorena Tevzadze | Géorgie – Real E.T. Films, Nikoloz Gogochuri
Love Song. Pastorale., by Tinatin Gurchiani | Géorgie – TT Films, Tamar Gurchiani
Tariela, Tariela, by Giorgi Mrevlishvili | Géorgie – Caucasian Filmodrom, Rusudan Pirveli
The Pioneers' Palace, by Ana Tsimintia | Géorgie/Lituanie – Matchhouse Films /Anaben Film, Esma Berikishvili and Bernardas Andriusis
The Station, by Salomé Jashi | Géorgie/Allemagne – Sakdoc/inselfilm, Salomé Jashi, Urte Fink and Gregor Streiber

Films programmed – 2015 Focus Georgia

Akhmeteli Street No.4, by Archil Khetagouri, Georgia, 2006, 65'
America in One Room, by David Kandelaki, Georgia, 2007, 53'
Reflection, by Giorgi Mrevlishvili, Georgia/Germany, 2010, 11'
Bakhmaro, by Salomé Jashi, Georgia, 2011, 58'
Biblioteka, by Ana Tsimintia, Georgia/Lituania, 2014, 54'
The Bridge, by Vano Arsenishvili and Nino Orjonikidze, Georgia, 2005, 33'

Let You Always Sing, Mother!, by Zurab Inushvili, Georgia, 2008, 75'
The Machine Which Makes Everything Disappear, by Tinatin Gurchiani, Georgia, 2012, 97'
Meidan, Nave of the World, by Dato Janelidze, Georgia, 2005, 50'

The Pipeline Next Door, by Nino Kirtadzé, Georgia/France, 2005, 90'

Pirimze, by Sophia Tabatadze, Georgia/Germany, 2015, 41'
The Ruler, by Shalva Shengeli, Georgia, 2014, 53'
Speechless, by Salomé Jashi, Géorgie, 2009, 12'
Lives in Transit, by Tamuna Jalaghania-Brisson et Valérie Léon, Georgia/France, 2010, 33'

Will There Be a Theatre up There?, by Nana Janelidze, Georgia, 2011, 55'

visions sud est 2015 award | Focus Georgia

The Swiss fund production helper visions sud es in collaboration with Visions du Réel and with the support of the Swiss agency for Development and Cooperation (SDN), supports cinematographic productions from Asia, Africa, Latin America and Eastern Europe. It aims to make the promotion of these films internationally and guarantees their distribution in Switzerland.

visions sud est will award a 10.000 CHF prize to the most promising projet.

Wednesday, October 15, 2014

ART: Artwork of Georgian Andro Wekua exhibited in London (agenda.ge)

(agenda.ge) The bizarre and uncanny work of a Georgian artist, who grew up amidst ethnic conflict in Georgia’s breakaway Abkhazia in the 1990s, is on display at a leading London art gallery.

Switzerland-based Georgian artist Andro Wekua is hosting his 11th solo exhibition and showcasing his latest work, which ranges from paintings, collages, drawings, sculpture and film. His work represented imaginary worlds of mystery and intrigue.

The exhibition, 'SOME PHEASANTS IN SINGULARITY', opened yesterday in its London debut at the Sprüth Magers art gallery and will run at the gallery until November 15.

Among his work were paintings that combined portraiture, abstraction and figuration.

The Georgian-born artist has had a successful career and his work was respected all over the world. His work was often based on his childhood memories growing up in Sukhumi, now in Georgia’s breakaway Abkhazia.

He witnessed the ethnic conflict in Abkhazia in the 1990s. His father was a Georgian political activist and was killed by Abkhaz nationalists during the 1989 Sukhumi riots.

Andro Wekua's exhibition 'SOME PHEASANTS IN SINGULARITY', opened yesterday in its London debut at the Sprüth Magers art gallery. Photo by Stephen White.

Exhibition SOME PHEASANTS IN SINGULARITY by Andro Wekua.

Sunset. Installation by Andro Wekua.

Black Sea Surfer. Installation by Andro Wekua.


Friday, October 10, 2014

KUNST: Zeichen und Wunder - Gruppenausstellung mit Künstlern aus der Schweiz und aus Georgien. Von Ewa Hess (blog.tagesanzeiger.ch)

(blog.tagesanzeiger.ch) Ein unsichtbarer Faden verbindet das ferne Georgien und die Schweiz. Vielleicht weil es zwei kleine Länder mit einigen sehr reichen Einwohnern sind. Und weil sie beide Kunst lieben. Die Eröffnung von «Echolot» im Ausstellungsraum Binz 39 war jedenfalls geprägt von prickelnder Nostalgie und kluger Gesellschaftsanalyse.

Was: Echolot, Gruppenausstellung mit Künstlern aus der Schweiz und aus Georgien
Wann: Donnerstag, 2. Oktober
Wo: Ausstellungsraum der Stiftung Binz 39, Sihlquai 133 in Zürich 

Die beiden Kuratorinnen von «Echolot»: Irene Grillo (Binz 39) und die georgische Nachwuchskuratorin Ana Gabelaia (rechts). Links: Gönnervereinsleiter Dr. med. Gianni Garzoli

Bice Curiger hat 1995 den georgischen Bazillus in Zürich ausgesetzt. Mit der Ausstellung «Zeichen und Wunder» im Kunsthaus feierte sie den grossen georgischen Naiven Niko Pirosmani im Kreise zeitgenössischer Westler. Auch wenn «Der Bund» damals heutige Grössen wie Robert Gober und Katharina Fritsch als minderwertig abkanzelte, Pirosmani vergass man hierzulande nie mehr. 

Von links: Thomas Haemmerli, Alena Boika: Sowjetische Mosaiken in Georgien; Frances Belser: «Love Letters to a Eurodream»; Monika Stalder: «76 Postcards»
Der frisch gewählte Leiter der Kunsthalle Zürich, Daniel Baumann, erforschte später erfolgreich den georgischen Modernismus, eine Blütezeit der Kunst in der kurzen Periode der georgischen Unabhängigkeit 1918–1921, kurz vor der Sowjetisierung des stolzen Landes. Und als Henry F. Levy, der Gründer der Binz 39 und grösster privater Künstlerförderer der Schweiz, 2011 begann, in Zusammenarbeit mit Georgien Austausch-Ateliers für Schweizer und Georgier anzubieten, wandelte sich die Verwandtschaft in einen Strom kontinuierlicher Beeinflussung und Befruchtung.


Künstler Mark Divo, Journalist, Filmer und Künstler Thomas Haemmerli, rechts: Ana Roldan vor ihrem Werk «Different Orders»


Eigentlich wollte man mit dem «Echolot» die Früchte dieses Austausches feiern. Doch als die Binz-39-Stipendiatin Ana Gabelaia ans Kuratieren der Ausstellung ging, nahm sie mit grosszügiger Geste noch einige weitere Georgien-Grenzgänger dazu. Nicht zuletzt Thomas Haemmerli, den Journalisten mit untrüglichem Gespür für Zeitphänomene, bekannt für seinen Kult-Dok-Film «Sieben Mulden und eine Leiche». Aber auch den grossen Koka Ramischwili, den in Genf lebenden georgischen Multimedia-Künstler.

Die Ausstellung geht mit einer Audio-Installation «Thermophon» von Monika Schori und Franziska Koch los. Noch bevor man die Treppe zum Ausstellungsraum hochsteigt, hört man schon den treibenden Rhythmus, der die industrielle Vergangenheit eines Quartiers von Tiflis evoziert. Lisa Biedlingmaier, eine in Zürich lebende Tochter deutsch-georgischer Aussiedler, hat Spracherwerbsituation als eine universelle Metapher der Völkerverständigung (oder eben Völker-Missverständigung) inszeniert.

Als wir die Ausstellung verlassen, steigt Henry F. Levy munteren Schrittes die von Monika Stalder mit Rauten verzierte Treppe hoch. Der 89-jährige Geschäftsmann ist als Kind von einer vermögenden jüdischen Familie aus Köln vor dem Krieg nach England gerettet worden. Seit er in der Schweiz lebt, hat der ehemalige Knopf- und Schuhfabrikant einen beträchtlichen Teil seines persönlichen Vermögens in Künstlerförderung investiert. Wer ihn gutgelaunt die steile Treppe hochsteigen sieht, sieht einen schönen Beweis für die Behauptung der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig, die Kunst würde einen ewig jung halten. 

Künstlerin Lisa Biedlingmayer mit Andreas Hagenbach (der zurzeit eine Ausstellung an einer Ausstellung im Kunstraum Baden teilnimmt), rechts: Stiftungsgründer Henry F. Levy folgt Stalders Rautenmustern die Treppe hoch.
Die von Levy gegründete und von seiner Frau Lucia Coray bis heute geführte Förderstiftung ist so etwas wie der schnelle Brüter der Schweizer Kunstszene. Ohne Kommissionsaufwand und Einmischung der öffentlichen Hand haben Binz-Betreiber mit einer so sicheren Hand ihre Stipendiaten ausgewählt, dass kaum eine Grösse des helvetischen Kunstwunders nicht ein ehemaliger Binzler ist. Ugo Rondinone, Olaf Breuning, Nic Hess, Urs Fischer, Zilla Leutenegger, auch unsere nächstjährige Vertreterin in Venedig, Pamela Rosenkranz, gehören dazu. Kein Wunder behalten Kuratoren und Sammler den unscheinbaren Ausstellungsraum am Sihlquai 133 fest im Auge.

An der aktuellen Ausstellung bildet Haemmerlis Projekt einen Mittelpunkt. Er hat sich gemeinsam mit Alena Boika auf die Suche nach den sowjetischen Mosaiken in Georgien gemacht und immenses Archivmaterial über diese dekorativ zerfallenden Zeitzeugen aus den 70er-Jahren zusammengebracht. Ein Buch und Film zum Thema sind in Vorbereitung. Pikantes Detail: Der Star der sowjetischen Mosaikszene in Georgien war der heute in Putins Russland gefeierte Kitsch-Bildhauer Zurab Tsereteli, bekannt für sein den Fluss Moskwa in Moskau verunstaltendes Mahnmal Peters des Grossen. 

Von links: Ana Roldan: «Different Orders»; Koka Ramishvili: ein Still aus dem Video «Drawing lesson»; Lisa Biedlingmaier: «Bitten, auffordern und sich bedanken»
Damit die Schmelztigel-Stimmung noch dichter wird, hat die Schweiz-Mexikanerin (und Haemmerlis Lebensgefährtin) Ana Roldan in ihrer Arbeit «Different Orders» dem Ganzen noch einen Schuss lateinamerikanische Würze hinzugefügt. Ausgehend von den Lehren des mexikanischen Modernisten Adolfo Best Maugard hat sie den fotografierten Exponaten aus einem archäologischen Museum in Georgien eine Hyperordnung aus Zeichen und Formen aufgesetzt.

Die Vernissage platzt aus allen Nähten. Polyglotter Vernissagentalk und ernsthafte Politdiskussionen wechseln sich ab. Die blauhaarige Gabelaia und Binz' Hauskuratorin Irene Grillo machen charmant die Honneurs. Die georgische Nachwuchskuratorin fliegt schon am nächsten Tag nach Tiflis zurück. Derweil bereitet sich Künstlerin Lisa Biedlingmaier auf ihre Teilnahme am Artisterium 7 vor, so etwas wie der georgischen Biennale, nur, dass sie jedes Jahr stattfindet. Einige sind gekommen, um Haemmerlis Mosaikenschatz zu bewundern: der zwischen Tschechien und Zürich pendelnde Künstler Mark Divo («Im Bett mit Mark Divo»), Michael Steiners Drehbuchautor Michael Sauter («Sennentuntschi», «Missen-Massaker»), Künstler und Cutter Daniel Cherbuin (hat Haemmerlis Film geschnitten). Für alle Interessierten: Haemmerli hält am 16. Oktober um 18 Uhr einen Vortrag zum Thema. Nicht verpassen. 

Der Künstler Koka Ramischwili vor seiner Video-Installation, die kleinste Besucherin vor der Flimmerkunstkiste.
Koka Ramischwilis Video-Installation «Drawing Lesson», eine virtuose Verquickung von Zeichnung und Video, erfreut sich grosser Popularität, auch unter den allerjüngsten Besuchern: Wie gebannt sitzt ein kleines Mädchen vor der Flimmerkunstkiste. Das Geräusch des zeichnenden Bleistifts erzeugt eine geheimnisvolle Soundkulisse. Ramischwili ruft in Vernissagenbegeisterung die zeitgenössische Kunst zur Universalsprache unserer Zeit aus. Tückisch nach seinem Verhältnis zu den Mosaiken aus der Sowjetzeit gefragt, antwortet er mit entwaffnender Ehrlichkeit: Es stimme zwar, dass man in Georgien nicht so gerne an die Sowjetzeit erinnert werde. Doch die Mosaiken begleiteten mit ihrer suggestiven Ikonografie (Pioniere, Traktorfahrer, Arbeitshelden) die Kindheit eines so manchen Bewohners des Landes. Sie zu hassen, würde heissen, die eigene Kindheit zu verraten.

Das sind versöhnliche Töne! Vielleicht sollte man nächstens einen russisch-ukrainischen Austausch ins Zentrum einer Schau rücken. Denn dank der Kunst, da haben Ramischwili und Curiger recht, geschehen tatsächlich noch Zeichen und Wunder, verhärtete Fronten fangen an zu bröckeln.

Thursday, October 31, 2013

RADIO: Margwelaschwili ist neuer Präsident Georgiens (srf.ch)


(srf.ch) Mit Georgi Margwelaschwili wählt Georgien einen Vertrauten von Premier Bidsina Iwanischwili zum Präsidenten. Dieser erhält dadurch praktisch uneingeschränkte Macht.

Mit Sekt und Autokorsos feiern die Anhänger der georgischen Regierung den Sieg ihres Kandidaten bei der Präsidentenwahl. Auch das Lager des scheidenden Amtsinhabers Michail Saakaschwili gratuliert.


Der frühere Bildungsminister Georgi Margwelaschwili hat die Präsidentenwahl mit dem absoluten Mehr gewonnen, wie die Wahlkommission in Tiflis bekannt gibt. Der Vertraute von Regierungschef Bidsina Iwanischwili leitet nun den ersten demokratischen Wechsel an der Staatsspitze ein.

Uneingeschränkte Macht für Iwanischwili

Die Abstimmung galt als wichtiger Test für Iwanischwili. Der Milliardär hatte die Parlamentswahl mit seinem Sechs-Parteien-Bündnis "Georgischer Traum" vor über einem Jahr gewonnen. Es zwang die Vereinigte Nationalbewegung Saakaschwilis in die Opposition. Mit der Wahl seines Vertrauten zum Präsidenten bekommt er der Regierungschef nun praktisch uneingeschränkte Macht.
Der neue Präsident wird künftig nur eine repräsentative Rolle spielen. Den nach der Wahl tritt eine Verfassungsänderung in Kraft, die die wichtigsten Machtbefugnisse auf das Amt des Regierungschefs überträgt. Experten warnen vor einem neuen Machtmonopol. 

Ein zuverlässiger Politiker 

Laut SRF-Korrespondent Peter Gysling haben die Georgier mit Margwelaschwili keine Person mit grosser Ausstrahlung ins Präsidentenamt gewählt.
«Das Volk hat heute vor allem sein Vertrauen ausgesprochen gegenüber dem politischen Wechsel im Land.» Viele Georgier hätten genug von allzu charismatischen Persönlichkeiten, erklärt Gysling weiter. Die Georgier wollten keine Führerfiguren, sondern zuverlässige Sachwalter und Politiker.


Wednesday, October 30, 2013

ANALYSIS: No. 55: Presidential Elections in Azerbaijan (css.ethz.ch)

CAD-Issue2.jpgAuthor(s): Rashad Shirinov, Shahin Abbasov, Farid Guliyev
Editor(s): Denis Dafflon, Lili Di Puppo, Iris Kempe, Natia Mestvirishvili, Matthias Neumann, Robert Orttung, Jeronim Perović, Heiko Pleines
Series: Caucasus Analytical Digest (CAD)
Issue: 55
Publisher(s): Center for Security Studies (CSS), ETH Zurich; Research Centre for East European Studies, University of Bremen; Institute for European, Russian and Eurasian Studies, George Washington University
Publication Year: 2013



(css.ethz.ch) This issue examines the presidential elections of October 2013 in Azerbaijan. The first two articles provide an overview of the election strategies of both the ruling party and the opposition. Rashad Shirinov writes about the “stealth strategy” of the ruling party in which the incumbent, President Ilham Aliyev, did not campaign at all and the state-controlled media did not mention the opposition, leaving the public rather uninformed about the upcoming elections. Shahin Abbasov deals with the opposition, which for the first time managed to unite and participate in the elections with a broad coalition and a single candidate. Finally, Farid Guliyev analyses the meaning of these elections for different actor groups in Azerbaijan, concluding that, even though the outcome was predictable, the elections nevertheless fulfilled important functions for President Aliyev, the ruling party, and the opposition.

Download:

Sunday, September 22, 2013

DOCUMENTARY: English Teacher. By Vano Arsenishvili, Nino Orjonikidze (kinofestival.ch)

(kinofestival.ch) Young, adventurous “English teacher” is assigned to carry out a “linguistic revolution” in the remote Georgian village. Basically looking for new adventures a young teacher finds himself on the frontier of the big political change in the country. In order to get rid of the Soviet legacy and engage the western world, government initiates a project to “invade” Georgia with English speakers. Excited traveler is determined to contribute to a “radical changes” in a small post soviet country. But when the first wave of excitement disappears, he is confronted with the gloomy reality... There are no signs of revolutionary changes, and no readiness or desire to change at all.


My Poster
23.09 in Geneva the film will be presented by the film directors Vano Arsenishvili and Nino Orjonikidze in Geneva

The film directors will take part in the round-table meeting on 25.09 dedicated to the documentary films in Geneva

23.09.13 / 21.00 and 28.09.13 / 17.00
Geneva
Maison des arts du Grütli
Fonction: Cinéma Theatre

(Tickets for this screening will be available only at the festival box office)

Georgia | 2012 | 56'

original language - English, Georgian
subtitles - English, French


Sunday, September 15, 2013

REISE: Visa-Abkommen zwischen Bern und Tiflis (luzernerzeitung.ch)

(luzernerzeitung.ch) SCHWEIZ - GEORGIEN ⋅ Mit einer Unterschrift Visa-Bestimmungen gelockert: Die Schweiz und Georgien haben in Neuenburg ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet. Dieses muss von georgischer Seite noch ratifiziert werden. 

Panjikidze und Burkhalter tauschen die Verträge aus
Panjikidze und Burkhalter tauschen die Verträge aus

Bei einem offiziellen Arbeitsbesuch in Neuenburg setzten die georgische Aussenministerin Maia Panjikidze und ihr Schweizer Amtskollege Didier Burkhalter ihre Unterschrift unter das Abkommen zur Visa-Erleichterung.

Mit diesem werde sichergestellt, dass die Schweiz dieselben einheitlichen Grundsätze zur Ausstellung von Schengen-Visa anwendet wie dies die übrigen EU-Staaten mit Georgien seit 2011 tun. Das teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit.

Einmal ratifiziert, dürfte die Regelung voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres in Kraft treten. Für Einreisewillige hat es zur Folge, dass die heutigen Gebühren von 60 auf 35 Euro sinken. Weiter werden darin die Antragsbearbeitungszeiten für die Ausstellung von Schengen-Visa geregelt.

Ein entsprechendes Abkommen hat bereits die EU mit Georgien abgeschlossen. Es regelt unter anderem die erleichterte Erteilung von Visa mit mehrfacher Einreise und langer Gültigkeit für verschiedene Kategorien von Antragstellern, wie Geschäftsleute, Journalisten und Familienmitglieder von in der Schweiz wohnhaften georgischen Staatsbürgern.

Für Rentner gratis

Zudem werden bestimmte Personenkategorien wie Diplomaten, Kinder unter 12 Jahren oder Rentner von der Visagebühr befreit. Laut EDA geht es ausschliesslich darum, die Ausstellung von Kurzzeitvisa sowie die Anforderungen für den Nachweis des Reisezwecks für bestimmte Personenkategorien zu regeln.

"Die Änderung soll dazu beitragen, den persönlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Austausch zwischen der Schweiz und Georgien zu fördern", schreibt das EDA. Im Jahre 2012 hat die Schweizer Botschaft in Tiflis 3800 Schengen-Visa für georgische Staatsangehörige mit Hauptziel Schweiz ausgestellt.

Schweiz als Vermittlerin

Weitere Gesprächsthemen des Besuches waren der schweizerische Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) 2014. Eine Priorität werde sein, durch Dialog und Vertrauensbildung zur Lösung der schwelenden Konflikte im Südkaukasus beizutragen. Ein Schweizer Sonderbeauftragter werde für die OSZE in den Genfer Gesprächen zum Georgienkonflikt vermitteln.

Gleichzeitig werde die Schweiz versuchen, die Situation der betroffenen Bevölkerung zu verbessern und das Vertrauen unter den Konfliktparteien auszubauen. Insbesondere solle der Austausch zwischen Jugendlichen, Berufsleuten (wie Katastrophenhelfern) und Experten gefördert werden. (sda)

POLITIK: Das Verhältnis zu Russland bleibt kompliziert. Gespräch mit Georgiens Aussenministerin Maya Panjikidze. Von Volker Pabst (nzz.ch)

(nzz.ch) Georgien hält an der Westorientierung fest. Der Konflikt mit Moskau um die abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien bestimmt die Politik des Landes.
Volker Pabst, Bern

Die georgische Aussenministerin Maia Pandschikidse. 

Georgien arbeitet weiter auf eine Integration in die westlichen Institutionen EU und Nato hin. Am Gipfel der Europäischen Union mit den östlichen Partnerländern im November in Vilnius soll der erste Schritt für ein Assoziierungsabkommen gemacht werden. «Dies ist ein wichtiger Schritt für uns», erklärt die georgische Aussenministerin Maia Pandschikidse im Gespräch am Rande eines Arbeitsbesuchs in der Schweiz. «Und ich hoffe, dass auch die Ukraine und die Moldau in Litauen die Zusammenarbeit mit Brüssel weiter intensivieren!»

Druckversuche aus Moskau

Russland ist die Annäherung ehemaliger Sowjetrepubliken an die EU ein Dorn im Auge. Auf Kiew und Chisinau hat Moskau unlängst den Druck erhöht, um eine Abwendung der beiden Länder von der Union zu erwirken. Russische Vertreter haben jüngst unverhohlen mit Gaslieferunterbrüchen in diesem Winter gedroht, sollten die beiden Staaten sich stärker zur EU hinwenden. Die Einfuhr moldauischen Weins wurde bereits verboten; Russland war wichtigster Abnehmer moldauischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Georgiens Nachbarland Armenien, ebenfalls ein Zielland der östlichen Partnerschaft, wie das EU-Programm zur Zusammenarbeit Brüssels mit Georgien, Armenien, Aserbeidschan, Weissrussland, der Moldau und der Ukraine offiziell genannt wird, gab zudem vor einigen Tagen bekannt, in Vilnius kein Abkommen zu unterzeichnen, sondern sich der Zollunion von Russland, Weissrussland und Kasachstan anzuschliessen. «Wir verstehen Armeniens Situation. Dennoch bedauern wir den Schritt», erklärt Pandschikidse. Armenien ist angesichts des rohstoffreichen und somit wirtschaftlich überlegenen Erzfeinds Aserbeidschan auf auswärtigen Schutz angewiesen. Diesen kann nur Russland bieten.

Auf Druckversuche gegenüber Georgien angesprochen, antwortet die Ministerin rhetorisch: «Was kann uns schon passieren?» Georgien und Russland befinden sich immer noch im Kriegszustand, die Schweiz vertritt in den beiden Hauptstädten die Interessen des jeweils anderen Landes.

Leichte Entspannung

Seit dem Regierungswechsel im vergangenen September hat sich das Verhältnis Tbilissis zu Moskau aber etwas verbessert. Ministerpräsident Bidsina Iwanischwili gilt, anders als sein Widersacher, Präsident Saakaschwili, in Moskau nicht als Persona non grata. «Man kann durchaus von einigen positiven Veränderungen sprechen», resümiert Pandschikidse die Entwicklungen des vergangenen Jahres. Die Einreisebedingungen wurden gelockert, Moskau hob das Importverbot für georgischen Wein auf, Tbilissi verzichtete auf ein Veto gegen Russlands Beitritt zur WTO und machte seine Ankündigung, die Winterspiele in Sotschi zu boykottieren, rückgängig. Im Verlaufe der Krise in Syrien bot Moskau sogar an, georgische Staatsbürger aus dem Bürgerkriegsland zu evakuieren.

Für Saakaschwilis Anhänger verträgt sich ein prowestlicher Kurs allerdings nicht mit versöhnlichen Gesten gegenüber Moskau. Aus Saakaschwilis Lager wird Iwanischwili immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, georgische Interessen zu verraten. Auch in den Wahlen um das Präsidentenamt im Oktober wird die Frage der aussenpolitischen Ausrichtung des Landes eine Rolle spielen. Pandschikidse weist den Vorwurf der Russlandfreundlichkeit ihrer Regierung zurück. Zudem hätten gewisse Fortschritte in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit nichts an den grundlegenden Problemen mit Moskau, der Statusfrage von Abchasien und Südossetien, geändert. «Das Verhältnis zu Russland bleibt für uns kompliziert.

Werben um Sympathien

Die Wiederherstellung der territorialen Integrität Georgiens sei noch in weiter Ferne, doch arbeite man weiter daran, erklärt die Ministerin. Dazu gehörten neben der diplomatischen Arbeit auch die Bemühungen der Regierung, die Bewohner der abtrünnigen Gebiete, die mehrheitlich auch russische Staatsbürger sind, von den Vorzügen der Zugehörigkeit zu Georgien zu überzeugen. Deshalb sei man zum Beispiel auch darum besorgt, dass der georgische Pass nicht unattraktiver sei als der russische. Ein Assoziierungsabkommen mit der EU sei ein erster Schritt, um Visabestimmungen zu lockern. Auch während des Besuches in der Schweiz spielen Visafragen eine Rolle. Am Samstag ist die Unterzeichnung eines Abkommens zur Lockerung von Einreisebestimmungen geplant.

Monday, August 12, 2013

PODCAST: Russland: Durchsuchung bei Menschenrechtlern in Sotschi. Von Peter Gysling (srf.ch)


Aus Echo der Zeit vom 26.07.2013, 18:00 Uhr

(srf.ch) In Sotschi wird im ganz grossen Stil gebaut. Es fliessen Milliarden für die Olympischen Winterspiele 2014. Doch davon sehen viele Fremdarbeiter wenig. Sie werden gezielt ausgebeutet. Die Menschenrechtsorganisation Memorial hat Beschwerde wegen schwerer Arbeitsrechtsverletzungen eingereicht.

Wednesday, July 03, 2013

NEW PUBLICATION OF NOTE: “The South Caucasus between the EU and the Eurasian Union” (ethz.ch)

NEW PUBLICATION OF NOTE:
Caucasus Analytical Digest (CAD)
Issue No. 51/52
July 2013

 


Authors: Iris Kempe, Temuri Yakobashvili, Fyodor Lukyanov, Richard Giragosian, Vugar Bayramov, Anar Valiyev
Editors: Jeronim Perović, Lili Di Puppo, Iris Kempe, Heiko Pleines, Matthias Neumann, Robert Orttung

This issue of the CAD examines the South Caucasus’ relationship with the European Union and the Russia-led Eurasian Union. 

Contents
The Eurasian Union and the European Union Redefining their Neighborhood: The Case of the South Caucasus, by Iris Kempe, Berlin
Is the South Caucasus a Region?, by Temuri Yakobashvili, Tbilisi
The Eurasian Union: An Experiment in Finding a Place in the New World, by Fyodor Lukyanov, Moscow
The Eurasian Union: A View from Armenia, by Richard Giragosian, Yerevan
Considering Accession to the Eurasian Economic Union: For Azerbaijan, Disadvantages Outweigh Advantages, by Vugar Bayramov, Azerbaijan
Azerbaijan and the Eurasian Union: Costs and Benefits, by Anar Valiyev, Baku

………………..


Iris Kempe's article provides an introduction to the main issues. Temuri Yakobashvili examines whether the South Caucasus is a region and concludes that understanding that the differences outweigh the similarities will help the West formulate policy toward the region. Fyodor Lukyanov argues that the Eurasian Union is not an imperial project, but Moscow's attempt to mimic the European Union. However, he notes that the authoritarian nature of the governments involved will create obstacles for the project. 

Richard Giragosian points out that Armenia has traditionally had close ties to Russia, but has been reluctant to join the Eurasian Union. Vugar Bayramov analyzes the advantages and disadvantages of joining the Eurasian Union for Azerbaijan, concluding that accession is unlikely since it would extract a high political and economic price. Anar Valiyev notes that joining the Eurasian Union would complicate Azerbaijan's sovereignty and ability to conduct an independent energy policy.

Publishers: Center for Security Studies (CSS), ETH Zurich; Research Centre for East European Studies, University of Bremen; Institute for European, Russian and Eurasian Studies, George Washington University

More here: ethz.ch

Saturday, May 04, 2013

KULTUR: Kaukasische Sprachverwirrung. Unterschiede zwischen Europa und Amerika. Von Andreas Rüesch (nzz.ch)

(nzz.ch) Wer von Russland nach Amerika umzieht, was unter anderem Generationen von NZZ-Korrespondenten getan haben, muss bei kaukasischen Begriffen rasch einmal umlernen. Dass «Georgian food» nichts mit Chatschapuri und anderen Spezialitäten aus dem Südkaukasus zu tun hat, sondern die Küche eines amerikanischen Südstaats meint, ginge ja noch. Eher gewöhnungsbedürftig ist, dass man als hellhäutiger Schweizer in Amerika plötzlich als Kaukasier gilt. Das ist gleich doppelt verwirrend: Angehörige von Völkern aus dem Kaukasus werden in Russland abschätzig als Schwarze («tschornije») beschimpft – in den USA hingegen bezieht sich der Ausdruck «Caucasians» in der Amtssprache auf die Weissen. Woher kommt nur diese Konfusion?

Als Schöpfer des Begriffs gilt der Anthropologe Johann Friedrich Blumenbach, der 1795 fünf Menschenrassen unterschied und die Bewohner Europas und Westasiens als «Kaukasier» bezeichnete. Die Namensgebung begründete er damit, dass im Kaukasus die schönsten Vertreter dieser Rasse zu finden seien. Anders als in Europa machte der Begriff in Amerika Karriere. Da Weisse im 19. Jahrhundert im Einbürgerungsrecht noch privilegiert waren, stellte sich für die Justiz die Frage, wer überhaupt zu den Weissen gezählt werden konnte. Ein Bundesgericht wies 1878 den Einbürgerungsantrag eines hellhäutigen Chinesen zurück, indem es Blumenbach zitierte und Weisse als «Caucasians» definierte.

Rassenbegriffe wie «Negroide» und «Mongoloide» gelten längst als politisch inkorrekt, aber der «Kaukasier» als Synonym für einen Weissen taucht auf amerikanischen Formularen und in den Medien weiterhin auf. Der Begriffsverwirrung erlag kürzlich auch eine bekannte amerikanische Kolumnistin, als sie den Terrorakt von Boston kommentierte und auf den ethnischen Hintergrund des tschetschenischen Täterpaars zu sprechen kam: Hier sehe man wieder einmal, sagte sie sinngemäss, dass es keinen Zweck habe, bei der Terrorabwehr Angehörige fremder Rassen zu verdächtigen. Denn, wie man nun wisse, seien die beiden Täter ja Kaukasier gewesen.

Tuesday, April 23, 2013

RADIO: Peter Gysling über die Republik Dagestan (srf.ch)

Peter Gysling, SRF-Korrespondent in Moskau.
Peter Gysling, SRF-Korrespondent in Moskau. Gabriela Brönnimann, SRF
(srf.ch) Montag, 22. April 2013, 13:00 Uhr

Podcast >>>

Ein Stück Land im Kaukasus, das nur wenig grösser ist als die Schweiz, machte im Zusammenhang mit den Attentätern von Boston plötzlich Schlagzeilen: Dagestan. SRF-Korrespondent Peter Gysling kommt eben von dort zurück.

«Es hat mich nicht abgeschreckt, dass meine Assistentin aus Angst nicht mitkommen wollte nach Dagestan», sagt SRF-Korrespondent Peter Gysling. In Dagestan verüben Islamisten fast täglich Anschläge: «Die Islamisten wollen sich abspalten von Russland und einen islamischen Gottesstaat gründen», so Gysling. Die russische Armee ihrerseits verhaftet, foltert, und tötet auf der Jagd nach Islamisten oft willkürlich junge Muslime und sät dadurch Hass. Dagestan, ein Gebiet, das man laut EDA eher meiden sollte, weil die Entführungsgefahr so gross sei. Die Region gilt auch als Armenhaus der russischen Föderation: «Wie arm Dagestan ist, zeigt sich überall, zum Beispiel auch am Preis eines Bieres: es kostet einen Zehntel im Vergleich zu einem Bier in Moskau». Peter Gysling, jetzt wieder in Moskau, ist Gast von Susanne Brunner.


Neue Moscheen im russischen Nordkaukasus
Dagestan Überall im russischen Nordkaukasus stehen neue Moscheen Peter Gysling

Sunday, March 31, 2013

POLITIK: "Propaganda im Sowjetstil". Von Silvia Stöber (tagesspiegel.de)

(tagesspiegel.de) EU-Konservative feuern gegen Georgiens Premier. 

Berlin - Die Vorwürfe wiegen schwer: Georgien verlasse den Weg der Demokratie, die Annäherung an Europa stehe infrage. So steht es in einem offenen Brief von Abgeordneten der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) im Europa-Parlament, unter ihnen Elmar Brok und Joachim Zeller. Adressat ist Georgiens Premier Bidsina Iwanischwili.

Foto: David Mzinarischwili/rtr Foto: REUTERS
Foto: David Mzinarischwili/rtr - Foto: REUTERS
Der Milliardär gewann mit seiner Koalition „Georgischer Traum“ im Herbst die Parlamentswahl und führt seither die Regierung. Doch einfach durchregieren kann er nicht. Sein erbitterter politischer Gegner Michail Saakaschwili ist noch bis zum Herbst Präsident. Dessen Partei UNM stellt die Oppositionsfraktion im Parlament, aber auch Bürgermeister, Gouverneure und Chefs wichtiger Institutionen.
Für die Ex-Sowjetrepublik ist eine solche Kohabitation gänzlich neu: Noch nie mussten sich zwei Parteien die Macht teilen. Es geht hoch her, beide Seiten überhäufen sich mit Vorwürfen. Auch internationale Akteure sind involviert.

Elmar Brok, Chef des Auswärtigen Ausschusses im Europa-Parlament, kritisiert die neue Regierung: „Dort findet eine totale Machtübernahme statt.“ Es werde versucht, Bürgermeister der UNM aus den Ämtern zu drängen, ebenso unliebsame Mitarbeiter aus dem öffentlichen Rundfunk. Auch die Justiz handle selektiv: „Seltsamerweise findet man Böses immer nur bei den Leuten, die heute in der Opposition sind.“ Der Christdemokrat Joachim Zeller, einst Stadtpolitiker in Berlin und seit 2009 in der EVP-Fraktion, sagt, es werde Druck auf die Abgeordneten der UNM im Parlament ausgeübt. Die EVP hat gedroht, die Unterzeichnung eines EU-Assoziierungsabkommens mit Georgien zu verweigern.

Ähnlich äußern sich seit Wochen auch Präsident Saakaschwili und seine Mitstreiter. Seine UNM ist Mitglied der EVP. Heftigen Widerspruch lösen die Anschuldigungen jedoch nicht nur beim Gegner Iwanischwili aus. Der Schweizer Botschafter in Georgien, Günther Bächler, vergleicht die Vorwürfe in einem offenen Brief an Premier Iwanischwili mit Propaganda im Sowjetstil.

Tatsächlich ist die Lage vor Ort recht komplex. Dazu tragen missverständliche Äußerungen des Neupolitikers Iwanischwili bei. Auch verliert Saakaschwilis Partei Mitglieder. Viele gehen jedoch, weil sie nicht in der Opposition sein wollen. Eka Tkeschelaschwili, Ex-Ministerin und Mitstreiterin Saakaschwilis, spricht von Opportunisten, die der UNM den Rücken kehrten. Der Druck auf UNM-Politiker resultiert jedoch aus der Wut der Bürger auf Saakaschwilis Partei, die in den vergangenen Jahren zunehmend rigoroser gegen Regierungskritiker vorging. Bei der Staatsanwaltschaft gingen inzwischen tausende Klagen ein. Viele Georgier ärgern sich, dass Iwanischwili so hart kritisiert wird, Saakaschwili in der Vergangenheit jedoch kaum.

Bei all dem geht beinahe unter, dass viele Minister im Kabinett Iwanischwilis inzwischen die Versäumnisse der Saakaschwili-Jahre aufarbeiten. Es geht um Unabhängigkeit der Behörden und der Justiz von der Politik, Transparenz und die Bekämpfung der Elitenkorruption. EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle zeigt sich denn auch zufrieden mit den Reformen und den Verhandlungen der Regierung mit der EU. „Bei einigen Themen kommen wir sogar schneller voran.“

Auf Nachfrage gesteht CDU-Politiker Zeller ein, dass Saakaschwili in den vergangenen Jahren die Gewaltenteilung schneller hätte voranbringen können. Und aus Georgien selbst gibt es inzwischen Hinweise auf Zusammenarbeit: Gerade beschloss das Parlament mit den Stimmen aller Parteien eine Verfassungsänderung. Der Präsident darf die Regierung künftig nicht mehr ohne das Ja des Parlaments ablösen. Silvia Stöber