Sunday, September 14, 2014

REPORTAGE: Ans vergessene Erinnern - Patrick Chauvel (info.arte.tv)

(info.arte.tv) Ans vergessene Erinnern - Patrick Chauvel

Im Jahr 1994 antwortet der damalige russische Präsident Boris Jelzin mit einer Militär-Offensive auf die Revolte der Tschetschenen und ihren Wunsch nach Unabhängigkeit von der Russischen Föderation. Anhand seiner Fotos von damals erzählt Chauvel über diesen Krieg, seine Begegnungen mit den harten tschetschenischen Kämpfern, den jungen unerfahrenen russischen Soldaten, den Menschen in Grosny und auch mit seiner Kollegin, der Kriegsfotografin Heidi Bradner...

Die Schlacht um Grosny

Im Jahr 1994 antwortet der damalige russische Präsident Boris Jelzin mit einer Militär-Offensive auf die Revolte der Tschetschenen und ihren Wunsch nach Unabhängigkeit von der Russischen Föderation. Der Widerstand der tschetschenischen Kämpfer aber überrascht die russischen Soldaten, es gelingt ihnen nicht, den Aufstand schnell niederzuschlagen. Der Kriegsfotograf Patrick Chauvel ist in Grosny, als der Konflikt ausbricht und wird Zeuge der ungeheuren Grausamkeit mit der die Gegner sich gegenseitig massakrieren. Anhand seiner Fotos von damals erzählt Chauvel über diesen Krieg, seine Begegnungen mit den harten tschetschenischen Kämpfern, den jungen unerfahrenen russischen Soldaten, den Menschen in Grosny und auch mit seiner Kollegin, der Kriegsfotografin Heidi Bradner…

Von Patrick Chauvel, Louis-Pascal Couvelaire und Ophélie Lerouge – ARTE GEIE / Actarus Films – Frankreich 2014


patrick-chauvel.com

CONCERT: Nino Katamadze & Insight Red Line Live 2010

Friday, September 12, 2014

BEITRAG: Aram Chatschaturjan - zwischen Propaganda und Ehrlichkeit. Von Marika Lapauri-Burk

MUSIK: Lisa Batiashvili: "Ich fühle mich verantwortlich für Georgien". Von Verena Fischer-Zernin (abendblatt.de)

(abendblatt.de) Die aus Georgien stammende Geigerin Lisa ist "Artist in Residence" beim NDR Sinfonieorchester. Ein Gespräch über Musik und die Lage in der Ukraine. Ihre Jugendjahre hat sie in Wellingsbüttel verbracht.

Foto: © Anja Frers / DG


Hamburg. So geht das moderne Künstlerleben: Lisa Batiashvili kommt gerade vom Flughafen und muss gleich wieder los. In den Vormittag dazwischen passen gerade eine Pressekonferenz, ein paar Fotos und Interviews. Aber wenn man der weltweit gefeierten Geigerin dann gegenübersitzt, ist sie die Ruhe und Aufmerksamkeit in Person. Von Müdigkeit keine Spur, stattdessen antwortet Batiashvili so spontan und ungekünstelt, wie auch ihr Geigenspiel wirkt.

In dieser Saison ist Lisa Batiashvili, geboren 1979 in Georgiens Hauptstadt Tiflis, Artist in Residence beim NDR Sinfonieorchester. Und das nicht einfach nur deshalb, weil sie so toll spielt. Das sowieso. Sondern wegen der berühmten Chemie. Die hat bei dem gemeinsamen Beethoven-Violinkonzert vor zwei Jahren, am Pult stand Thomas Hengelbrock, bei allem Respekt vor den stilistischen Unterschieden eine unvergessliche Dichte und Innigkeit entstehen lassen. Los geht Batiashvilis Konzertreigen am 18. September mit Brahms' Violinkonzert; außerdem steht Dvoráks Sinfonie "Aus der Neuen Welt" auf dem Programm. Wer diese Kombination jetzt für bieder hält, der sollte sich schleunigst von den Künstlern belehren lassen: Es kommt immer drauf an, wie man etwas macht.

Batiashvili ist 1991 mit ihren Eltern aus Georgien emigriert, kurz bevor dort der Bürgerkrieg ausbrach. Heute lebt sie mit ihrem Mann, dem Oboisten François Leleux, und zwei Kindern in München. Ganz nebenbei ist ihre Residenz auch ein Heimkehren für sie – denn ihre Jugendjahre hat die berühmte Geigerin in Wellingsbüttel verbracht.

Hamburger Abendblatt: Frau Batiashvili, was ist Ihr Lieblingsort in Hamburg?

Lisa Batiashvili: (lacht) Das ist jetzt nicht sehr originell: der Jungfernstieg! Das Wasser, das ist es, glaube ich. Ich liebe diese Weite, die Eleganz. Der Umzug hierher war der wichtigste Moment meines Lebens! Ich bin immer so glücklich, nach Hamburg zu kommen. Ich habe auch wunderbare Erinnerungen an die Hamburger Musikhochschule.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem damaligen Lehrer Mark Lubotsky?

Batiashvili: Natürlich! Er ist ein guter Freund meines Vaters. Ich war nur bei ihm, bis ich 14 war. Das war russische Schule, die ist fantastisch. Er hat einen ganz direkten Zugang zum russischen Repertoire.

Studiert haben Sie, wie viele Ihrer Solistenkolleginnen, bei Ana Chumachenco in München.

Batiashvili: Ja, sie hat mich stilistisch geprägt. Sie kann Persönlichkeiten erkennen. Sie will die Menschen fördern, so wie sie sind. Ich spiele ihr ein- bis zweimal im Jahr etwas vor und lerne immer noch. Sie bleibt eine meiner wichtigsten Bezugspersonen.

Sie sind diese Saison nicht nur beim NDR Sinfonieorchester Residenzkünstlerin, sondern auch beim New York Philharmonic Orchestra. Warum müssen es denn gleich zwei Orchester sein?

Batiashvili: Die beiden Orchester haben ganz verschiedene Traditionen. Die New Yorker sind für ein ganz bestimmtes Repertoire fantastisch, für Bartók zum Beispiel. An das Orchester bindet mich die Zusammenarbeit mit Alan Gilbert, der ist auch europäisch geprägt. Die Musiker brauchen das, denn die amerikanische Spielart ist sehr anders.

Was ist so anders daran?

Batiashvili: Sie sind sehr präzise und effizient. Und sie haben eine andere Klangqualität, eine spezifische Brillanz. Gott sei Dank haben sie trotz der Globalisierung ihren Klang behalten.

Und was finden Sie in Hamburg vor?

Batiashvili: Das Orchester und ich kennen uns schon mehr als zehn Jahre. Aber wenn Thomas Hengelbrock mit ihm arbeitet, geschieht etwas sehr Besonderes. Da geht es darum, einander zuzuhören, nicht nur einander zu folgen. Sich bewusst zu machen, warum man was tut. Das ist wie Kammermusik. Das hat mich sehr inspiriert, da mitzumachen. Ich mag Beethoven nicht mehr mit Orchestern spielen, die seine Musik eher fett und langsam spielen. Das habe ich früher oft erlebt.

Was reizt Sie denn an einer Residenz?

Batiashvili: Die Nähe zum Orchester. Ich will die Musiker besser kennenlernen. Als Solist hat man ein sehr einsames Leben! Bei der Residenz können wir Projekte realisieren, die man sonst nicht machen kann. Wir werden Kammermusik machen. Ich hatte auch Lust, selbst Programme zu gestalten.

Auf das Programm Ihres Kammerkonzerts haben Sie "Miniaturen für Violine und Streicher" von Sulkhan Tsintsadze gesetzt. Ein bei uns weithin unbekannter Name. Wer ist das?

Batiashvili: Ein georgischer Volksmusikkomponist. Es gibt eine starke Volksmusiktradition in Georgien. Die darf man nicht mit russischer Musik in einen Topf werfen. Unsere Volksmusik ist eine Kindheitserinnerung für mich! Ich habe sie vom Quartett meines Vaters gehört. Tsintsadze hat die Miniaturen meinem Vater gewidmet, und der hat sie für mich arrangiert.

Sie reisen viel, konzertieren in aller Welt, kommen Sie noch manchmal nach Georgien?

Batiashvili: Ich fühle mich verantwortlich, Georgien bekannter zu machen. Deshalb versuche ich, regelmäßig hinzufahren. In zwei Wochen bringe ich fünf Geigen hin. Ich würde meinen Kindern auch gerne einmal Abchasien zeigen, wo ich früher jedes Jahr meine Sommerferien verbracht habe, aber man kommt nicht hinein.

Südossetien und Abchasien sind seit dem Kaukasuskrieg vor sechs Jahren russisch besetzt. Wie geht es Ihnen, wenn Sie an die aktuellen Ereignisse in der Ukraine denken? Haben Sie ein Déjà-vu?

Batiashvili: Ja. Ich glaube, das geht allen Georgiern so. Die Georgier haben sich immer verteidigen müssen, auch gegen Mongolen und Perser. Als es in Südossetien losging, haben die Deutschen nicht geglaubt, dass Russland der Aggressor war. Jetzt haben wir eine identische Situation in der Ukraine. Es ist die gleiche Art, einzumarschieren unter dem Vorwand, das eigene Volk zu beschützen. Aber es gibt viel mehr Medien- und Facebook-Präsenz. Ich hoffe, dass diese neue Öffentlichkeit auch für Georgien Konsequenzen haben wird.

Residenz Lisa Batiashvili:

"Alte und Neue Welt" 18.9., 20.00, und 21.9., 11.00, Laeiszhalle. Karten zu 11,- bis 51,-

"Kammermusik mit Batiashvili" 18.11., 20.00, Rolf-Liebermann-Studio. Karten zu20,-

"La France fantastique" 4.12., 20.00, und 7.12., 11.00, Laeiszhalle. Karten zu 11,- bis 51,-

Internet: www.lisabatiashvili.com

INTERVIEW: “In Georgien kann der Besucher vieles selber entdecken”. - Stephan Wackwitz - Geschrieben von: Oliver Zwahlen (weltreiseforum.com)

Foto: Oliver Zwahlen
(weltreiseforum.com) Stephan Wackwitz (62) ist Leiter des Goethe-Instituts in Tbilisi und veröffentlichte vor kurzem einen viel gelobten Reise-Essay über den Südkaukasus. Im Interview des Monats spricht er über das Wesen Georgiens und über die touristischen Chancen eines bei uns kaum bekannten Reiselands. 

WRF: Herr Wackwitz, zunächst etwas Geographie. Wo liegt eigentlich Georgien? Gehört das Land noch zu Europa oder schon zu Asien? Man liest ja beides…

Stephan Wackwitz: Ich würde die Bestimmung über die Kultur vornehmen – und da denke ich, dass man klar sagen kann, dass Georgien ein Teil Europas ist. Es lässt sich beispielsweise nachweisen, dass Georgien bereits in der Antike eines jener Reiche war, die zum Rand des römischen Reiches und des hellenistischen Mittelmeers gehörten. Im Mittelalter sorgte vor allem das Christentum für eine enge Verbindung mit den europäischen Königshäusern wie etwa den Staufern. Seit Ende des Ersten Weltkriegs besteht auch eine enge Beziehung mit Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern. Daher würde ich sagen: Georgien liegt zwar am Rande Europas, aber noch innerhalb seiner Grenzen.

Trotz dieser Randposition bezeichnen Sie Georgien und den Südkaukasus in Ihrem jüngsten Buch als „die vergessene Mitte der Welt“. Wieso?

Man darf hier Mitte nicht als Mittelpunkt eines Weltreiches verstehen wie das etwa bei Rom, Konstantinopel oder Peking der Fall war und ist. Es geht vielmehr um eine funktionale Mitte, um einen Angelpunkt der Welt. Georgien nahm schon immer eine wichtige strategische Position zwischen den grossen Machtblöcken ein, die jeweils das Bedürfnis hatten, den Südkaukasus zu kontrollieren. Zuletzt liessen sich 2008 solche Machtkämpfe zwischen den USA und Russland beobachten, als letzteres nach Südossetien einmarschierte. Dieses Spannungsfeld hat die Region seit Jahrhunderten geprägt, weil dadurch die unterschiedlichsten Einflüsse auf das Land einwirkten und letztlich die Kultur auch bereicherten.

Besonders sichtbar ist der Einfluss der Sowjetzeit. Wie wirkt sich diese nach über 20 Jahren der Unabhängigkeit auf das Leben der Menschen aus?

Sie spielen auf die Architektur ab, in der man die Sowjetzeit noch deutlich sieht. Ich habe den Eindruck, dass das Sowjeterbe auch im Verhalten der Menschen zu erkennen ist. Es ist vielen Bürgern dieses Landes noch immer neu, dass sie selber für ihr Schicksal verantwortlich sind. Sie erwarten oft Lösungen von aussen. Das sieht man auch in den unrealistischen Vorstellungen gegenüber dem kürzlich unterzeichneten EU-Assoziierungsabkommen und dem möglichen EU-Beitritt. Man muss aber gleichzeitig auch sagen, dass die Partizipation der Menschen insgesamt zunimmt. Vor kurzem gab es in Tiflis Auseinandersetzungen, weil ein grosses Hotel einen Teil des Vake-Parks in Tiflis zerstören wollte. Im Park befindet sich derzeit ein kleines Zeltdorf der Protestierenden. Ähnliche Bewegungen gibt es auch, die sich für den Umweltschutz einsetzen oder gegen den Abriss von historischer Bausubstanz wehren.

Wobei die Bausubstanz wohl häufig in einem so schlechten Zustand ist, dass man sie nicht mehr retten kann.

Das kann ich nicht beurteilen. Es stimmt schon: Viele Häuser sind wirklich in einem desolaten Zustand und gleichen bewohnten Ruinen. Aber ich denke, dass man viel machen kann, auch wenn das natürlich teurer kommt, als ein Gebäude einfach abzureissen und in einem ähnlichen Stil neu aufzubauen.

Sie ziehen in Ihrem Buch einen Vergleich zwischen dem heutigen Georgien und dem Italien der 60er-Jahre. Wo sehen Sie diese Parallelen?

Zum Beispiel in der Anwesenheit der erwähnten Ruinen. In meiner Kindheit waren die Kriegsruinen in Europa noch sehr sichtbar. Auch hier in Georgien haben wir viele Vernachlässigungsruinen. Das zweite ist diese seltsame Mischung aus Hypermoderne, die wir in den Prestigebauten der Saagaschwili-Zeit wie etwa der Friedensbrücke und der Tifliser Stadtverwaltung finden, und den mittelalterlich anmutenden Einrichtungen und Verhaltensweisen, die sich beispielsweise im Zusammenhang mit der Kirche oder den vormodernen Grossfamilien zeigen, die auf engstem Raum zusammenleben. Ich weiss nicht, ob das im Italien der 60er-Jahre wirklich so war, aber die Atmosphäre die Federico Fellini zum Beispiel in seinem Film “8½” nachzeichnet, ist sehr ähnlich.

Wir befinden uns derzeit in den Räumlichkeiten des Goethe-Instituts. Welchen Stellenwert hat die deutsche Sprache und Kultur in Georgien?

Der deutsche Einfluss ist traditionell gross. Das liegt daran, dass die deutsche Romantik, die stark geprägt ist durch Figuren wie Herder, bei fast allen jungen Nationen sehr präsent ist. Es ist aber auch so, dass die Deutschen die ersten waren, die Georgien in ihrer Staatlichkeit anerkannt haben. Sowohl zu Zeiten des deutschen Reiches, als sich Georgien vom Zarenreich loslöste, wie auch 1993 nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Die Georgier sind generell sehr deutschfreundlich. Sehr deutlich sah man das übrigens vor einigen Wochen bei der Fussballweltmeisterschaft, als viele Georgier für Deutschland jubelten. Es gibt zudem nicht wenige die Deutsch lernen, um in Deutschland studieren zu können. Deutschland ist für Georgien ein wichtiger Partner.

Kommen wir auf das Reisen zu sprechen. Was macht Georgien für Reisende attraktiv?

In einem Zeitalter, in dem fast alles hundert Mal fotografiert wurde und man das meiste aus Filmen kennt, ist Georgien eines der wenigen Länder, wo man noch wirklich selber etwas entdecken kann. Das Spannende ist ja, dass uns das Land gleichzeitig so fremd, aber auch so nah ist. Georgien hat eine grossartige Natur zu bieten: Vom Hochgebirge bis zu subtropischen Badestränden ist alles vertreten. Es gibt Wüsten, Steppen, Urwälder. Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten zum Wandern. Das andere ist die bedeutende Architektur, die stark mittelalterlich geprägt ist. Es gibt hier viel ältere Bauwerke als in Mitteleuropa. Auch die sehr freundlichen und vertrauenswürdigen Menschen sind zu nennen. Das Essen ist fantastisch und der Wein hervorragend. Ich glaube, derart viele Gründe, irgendwo hinzureisen, gibt es selten auf so kleinem Raum.

Und doch: Georgien ist bei westlichen Besuchern kaum auf dem Radar!

Reisende sind eben konservativ. Das kennen wir aus anderen Weltgegenden: Auch im Falle der Nachfolgestaaten Jugoslawiens brauchte es eine Weile, bis sich herumsprach, dass sie tolle Reiseziele sind. Georgien war eine lange Zeit für viele nur Teil der Sowjetunion und überhaupt nicht auf dem Schirm. Es hängt aber auch mit den wenigen Informationen zusammen, die Reisende erhalten. Es gibt kaum Reisebücher über das Land und die wenigen Reiseführer sind ausserhalb von Tiflis häufig recht unzuverlässig. Erst kürzlich habe ich durch einen persönlichen Tipp etwa 50 Kilometer von Tiflis eine Landschaft entdeckt, in der es riesige und sehr eindrückliche prähistorische Steinkreise gibt, die nirgends erwähnt werden. Es ist ja überhaupt so, dass es hier in Georgien und Armenien so viele Megalith-Kulturdenkmäler gibt wie sonst nur in der Bretagne – nur hat noch nie jemand davon gehört.

Wie sehen Sie die touristische Zukunft des Landes?

Ich denke, es gibt ein grosses Potential. Sowohl die vorherige wie auch die jetzige Regierung bemühen sich stark um die Förderung der touristischen Infrastruktur. Es wurden viele Hotels gegründet. Inzwischen hat man in Tiflis sogar den Eindruck, dass es Überkapazitäten gibt. Auf dem Land ist das noch nicht so. Sobald das internationale Reisepublikum das Land entdeckt hat, ist die Zukunft gross.

Was ist ihr ganz persönlicher Lieblingsort?

(Denkt nach) Vielleicht Wani. Das ist eine antike Kleinstadt zwischen Kudaisi und Batumi, heute ein kleines, ziemlich runtergekommenes Dorf. Doch auf dem Berg findet man eine richtige Akropolis und im Museum sind die vielen Goldschätze der antiken Stadt ausgestellt. Man weiss, dass die Mauern und Tempel nur ein Bruchteil dessen ist, was noch immer unter diesem vollkommen unbedeutend aussehenden georgischen Allerweltsdorf schlummert. Dieser Gegensatz zwischen dem, was zu sehen ist und dem, was sich wahrscheinlich noch unter dem Boden befindet, ist beeindruckend.

Stephan Wackwitz leitet das Goethe-Institut in Tbilisi, Georgien. Ausserdem betätigt sich der Deutsche als Autor. Vor wenigen Monaten erschien sein neues Werk “Die vergessene Mitte der Welt. Unterwegs zwischen Tiflis, Baku, Eriwan“.

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SONG: Georgischem Trio Mandili gelingt Youtube-Hit. Von Gereon Asmuth (taz.de)



(taz.de) Platonische Liebe mit Wodka

Drei junge Frauen spazieren singend durch eine grüne Landschaft. Der berührende Song erzählt von einem besonderen Liebesritual.

Dies ist eine der wunderbaren Geschichten aus den hintersten Winkeln des globalen Dorfes. Sie beginnt mit einem Video, dass gerade bei den sozialen Medien die Runde macht. Es zeigt drei junge Frauen, die singend durch eine Berglandschaft spazieren. Die erste filmt das Trio offenbar selfiemäßig mit ihrem Smartphone (das Video ist in zeitgemäßem Handyhochformat), die zweite hat ein kleines Mädchen an der Hand, die dritte spielt ein gitarrenähnliches Instrument.

Mal sieht man den kargen Weg, mal schwenkt die Kamera auf die grünen Bäume, mal zeigt sie die Frauen, wie sie fröhlich Grimassen schneiden, mal quatscht das kleine Mädchen. So weit so gut, so unspektakulär. Wären da nicht diese Stimmen, wäre da nicht dieser unglaublich schöne, harmonische, dreistimmige, beeindruckend professionelle Gesang, der einen auf der Stelle berührt. Der einem das Gefühl gibt, gerade etwas ganz besonderes zu hören, auch wenn man kein Wort versteht.

Letzteres stört offenbar die wenigstens, das zeigen die Klickzahlen bei youtube. Dienstagmittag stand der Zähler bei 230.000, am Mittwoch wurde bereits die 500-000-Marke erreicht. Dabei ist das Video erst seit Freitag online. Und glaubt man der youtube-Statistik, wurde es in den ersten vier Tagen im Schnitt nur ein paar hundert mal pro Tag geklickt, bevor es nun frömlich durch die Decke schießt.

Offensichtlich, soviel ist schnell klar, stammt das anrührende Lied aus Georgien. Das verrät der Google-Übersetzer, wenn man die seltsam geschwungenen Buchstaben, die das Video begleiten, dorthin kopiert. Die drei Frauen nennen sich Trio Mandili, man findet auf ihrem youtube-Kanal ein paar weitere, ebenfalls sehr herzergreifende, sehr einfache Gesangsvideos. Mal sitzen zwei der drei an einem Flussufer. Und singen. Mal sitzen die drei im Gras. Und singen. Mal werden sie in einem Park von einem Bongospieler begleitet. Und singen. All diese Videos stehen aber erst bei ein paar tausend Klicks - und auch die sind vor allem erst in den letzten beiden Tagen zusammengekommen, offenbar beflügelt durch den viralen Hit der drei.

Mehr über die Sängerinnen herauszufinden ist nicht ganz einfach. Zwar findet man die seit April bestehende facebook-Seite des Trios, auch haben sie eine eigene Webseite, aber auch dort sind vor allem noch ältere Videos von Auftritten zu finden sowie Fotos, die die drei in Trachtenkleidern zeigen - ansonsten aber nur für die meisten Mitteleuropäer unverständliche georgische Buchstaben.

Unvergleichlich und einfach

Auf einer Webseite, die über Reisen nach Georgien informiert, findet man ein paar grundsätzliche Erklärungen über die spezielle Musik-Tradition in dem kaukasischen Land. "Der georgische Gesang zählt zu den kostbarsten Schöpfungen der Menschheit. Volkslieder und georgische Choräle weisen einen hohen Grad an Harmonienkomplexität auf mit drei bis vier eigenständigen Stimmen. Die archaischen Tonfolgen sind schlicht und entfalten in der Mehrstimmigkeit eine außergewöhnliche Spannung und Intensität", heißt es dort. Vorangestellt ist dem ein Zitat des russischen Komponisten Igor Strawinski, der gesagt haben soll: „Was die Georgier singen ist wichtiger als alle Neuentdeckungen der modernen Musik. Es ist unvergleichlich und einfach. Ich habe nie etwas besseres gehört!“ Man möchte ihm da unbedingt zustimmen. 

+++

Für Klickfaule und da ich nicht sicher bin, ob der Link auf Dauer funktioniert, hier noch die englische Übersetzung der russischen Übersetzung des georgischen Textes, wie man sie bei reddit findet:

“Look at the sky
The moon is aligning with the Bear’s Cross (Медведев Крест).
«Why are you looking like that with your black eyes, girl?
You are watching me.”
“I want to be your Equal today.
So that we can spend the night in an inspiring conversation.”
“Don’t try to confuse me, girl.
Отстань поими сказанное” (??)
The night sky is covered in blankets of stars.
The moon has aligned already with the Bear’s Cross
“Where are you, boy, wherever did you go.
Maybe you waited for me after all.”
The night passed in conversations
Morning approached, reach with mildew.
Dawn likes a bottle of “araki” (fruit vodka)
A bottle containing the necessary drink.
The equal brought the bottle with drink
The morning approached the noon.
The boy drank his drink with a horn
And smiled fondly
The girl presented him food and lowered her head
“Say something else”
The drink blurred his mind a little
And the Equal is sitting with him
“What dirty thoughts came to me, let the god be angry with me”
He got ashamed of himself and lost his colour
And left in the direction of Bear’s Cross on his way to Khakhmati.

Quelle: reisen.grimo.info

FILM: Don't Breathe. Directed by Nino Kirtadze

In Georgia a man in his 40s, Levan, is waiting in a clinic for an MRI examination. He needs to find out what’s causing the pain in his shoulder. He’s nervous. By the time he leaves the hospital he’s not the same man. His anxiety quickly spreads to his wife and well-meaning friends. The family courtyard becomes the scene of an informal advisory council, where everybody suggests magical cures and must-see specialists. Soon Levan’s savings are gone. He’s scared of losing his job, his heath and his wife, who has started to come home later and later.

But suddenly, out of nowhere – a serendipitous event occurs...



Link: medias.unifrance.org/press-kit-english.pdf

AUSSTELLUNG: Vernissage der Fotoausstellung "12 Fenster nach Georgien" von Wolfgang Korall (wilfried-staufenbiel.de)

Die kleine Galerie mit Charakter
13.-28. September 2014

(wilfried-staufenbiel.de) Fotografien aus Georgien 
von Wolfgang Korall in der "Galerie im Hühnerstall"

16321 Bernau-Schönow, Schönerlinder Strasse 88
Galerist Wilfried Staufenbiel, Tel. 03338 - 768 651

Vernissage am Sonnabend, 13. September ab 17 Uhr

Mit Lesung von Bernd Max Wagner, Berlin
„Den Berliner Blinden. Gedichte und Epigramme“

Über Ihr/euer Erscheinen würden wir uns freuen.

Wolfgang Korall

Thursday, September 11, 2014

FESTIVAL: Off Europa: Discover Bulgaria - Black Sea Culture - in Dresden und Leipzig (bfot.de)

(bfot.de) Leipzig + Dresden, 19. - 28. September 2014


Trailer Festival Off Europa 2014 "Discover Bulgaria" from Off Europa on Vimeo.

Rand. Und Reichtum.


Bulgarien ist seit 2007 Mitglied der Europäischen Union. Am äußerstem Rand, weit weg. Nur gelegentlich findet das Land in die Schlagzeilen mitteleuropäischer Medienwelten. Von den sozialen Protesten, die das Land regelmäßig erschüttern, erfährt man hier kaum etwas. Selbst die starken Überschwemmungen im Frühsommer waren den Medien hierzulande nur wenig Erwähnung wert. Einzig die so genannte „Armutszuwanderung“ wird dauerhaft thematisiert. Dabei handelt es sich bei den zuströmenden Hilfesuchenden überwiegend um Roma - und die damit einhergehenden Probleme lassen sich wohl nur mit und nicht gegen Bulgarien lösen. 

Paradise Hotel Paar by AGITPROP
Paradiese Hotel © AGITPROP Sofia
Im Oktober des letzten Jahres verstarb der große europäische Regisseur Dimiter Gottscheff. Und mit ihm der letzte Brückenschlag zu rätselhaften sonnigen Landschaften, nach Bulgarien. Zeit, all dies neu zu entdecken. In der bulgarischen Hauptstadt gibt es mehr Stadttheater als in der Weltstadt Berlin. Im Wesentlichen sind sie dazu da, die Menschen von den Tagesrealitäten abzulenken. Und im Normalfall funktioniert das wahrscheinlich auch. Im Schatten eines dieser im Wortsinne großen Häuser - im Gebäude eines ehemaligen Bades - findet sich das auch international beachtete „Theaterlabor Sfumato“; eine Zeit lang Symbol der Hoffnung für Aufbruch und Wandel. Die interessantesten Theaterarbeiten entstehen heute aber im Umfeld von Künstlern wie Galina Borissova, Iva Sveshtarova, Ivo Dimchev oder Willy Prager, alle mit Arbeitserfahrungen im Ausland. Und an Häusern wie dem kleinen „Red House“ oder der Galerie „fridge“, die auch und vor allem Treffpunkte, Diskursorte sind - und mit ihren geringen Mitteln und Möglichkeiten alles tun, um Künstler im Lande zu halten. 

Seit 1992 in Leipzig - und seit 2008 parallel auch in Dresden - beschäftigt sich „Off Europa“ mit der weniger bekannten, manchmal ignorierten oder einfach nur noch nicht entdeckten freien Theater- und Tanzkunst insbesondere Süd-Ost-Europas. Ob in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens, in Rumänien, Georgien, Albanien oder der Türkei, stets ließen sich visionäre, charismatische Künstler oder beeindruckende Ensemblekonstellationen finden. Im Falle Bulgarien ist das nicht anders. Experimentierfreudige Tänzer, stilprägende Performer, mutige Regisseure und ambitionierte Veranstalter - an einigen wenigen Orten in Sofia und Varna sind Künstler gereift die jetzt den Weg nach Deutschland antreten. „Off Europa“ organisiert also wieder eine Art temporärer „Reichtumszuwanderung“. Mit Theater, Tanz und Performance, Filmen, Gesprächen und Musik an sieben verschiedenen Veranstaltungsorten. In beiden sächsischen Metropolen, in Leipzig und in Dresden. Wir laden Sie herzlich dazu ein.

Programm: bfot.de

offeuropa.de
twitter.com/offeuropa
facebook.com

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vimeo.com/offeuropa
societaetstheater.de/OFF-EUROPA-Bulgarien  
lofft.de
utconnewitz.de

Sunday, September 07, 2014

LITERATUR: Sechs Generationen auf den Spuren der Vergangenheit. Von Esther Schneider - Über Nino Haratischwilis dritten Roman «Das achte Leben (Für Brilka)» (srf.ch)

(srf.ch) Opulenter Familienroman, Märchen und Geschichtslektion: Mit ihrem dritten Roman «Das achte Leben (Für Brilka)» schaut Nino Haratischwili in die Vergangenheit ihres Heimatlandes Georgien. Sie erzählt am Beispiel einer Familie, wie Krieg und Diktatur das Leben von sechs Generationen prägt.




Für die Autorin Nino Haratischwili ist das umfangreiche Familienepos «Das achte Leben (Für Brilka)» eine persönliche Auseinandersetzung mit ihrem Heimatland Georgien. Nino Haratischwili ist in einer Zeit aufgewachsen, die für Georgien schwierig war. Geboren Anfang der 80er-Jahre erlebte sie ein Land, das sich von der ehemaligen Sowjetunion löste und den Weg in die Unabhängigkeit suchte.

Die Ablösung von Russland brachte viel Leid über eine Bevölkerung, die schon traumatisiert war von den Revolutionswirren, den beiden Weltkriegen und dem Terror unter Stalin. Fast jede Familie in Georgien, so die Autorin, habe im Laufe des 20. Jahrhunderts Leid und Gewalt erfahren. Das laste noch heute auf den Menschen.

Die Suche nach Antworten

Dieses Erbe beschäftigt Nino Haratischwili seit Jahren, und sie ärgert sich darüber, dass die führenden Politiker des Landes sich nicht mit der Geschichte auseinandersetzen wollten. Sie glaubt, dass ein Land nur dann die Gegenwart anpacken kann, wenn es seine Vergangenheit aufgearbeitet hat.

Nino Haratischwili tut das nun auf ihre Art mit dem 1300 Seiten starken Roman «Das achte Leben (Für Brilka)». Ein Roman, für den sie lange in den Archiven Russlands recherchiert hat und der vieles zugleich ist: ein opulenter Familien- und Gesellschaftsroman, ein Panorama des 20. Jahrhunderts und eine Landesgeschichte von Georgien.

Der Teppich als Bild für die Familiengeschichte

«Du bist ein Faden, ich bin ein Faden, zusammen ergeben wir eine kleine Verzierung, mit vielen anderen Fäden zusammen ergeben wir ein Muster.» Das Teppichmuster als Metapher für die Verstrickungen, die sich aus der Geschichte ergeben.

Dieses Bild steht am Anfang des Romans. Da stellt uns die Erzählerin Niza ihre Urgrossmutter Stasia und ihre Nichte Brilka vor. Brilka ist der jüngste Spross der Familie, gerade mal zwölfJahre alt. Brilka haut aus Georgien ab in den Westen. Sie hat genug von der Vergangenheit, die auf der Familie lastet und über die niemand redet.

Die Urgrossmutter Stasia dagegen ist sozusagen die Hüterin der Familiengeschichte. Und diese Geschichte gibt sie weiter an ihre Urenkelin Niza. Niza, die auch unter dem Familienerbe leidet, schreibt die Geschichten auf. Sie will zum einen den Geheimnissen auf den Grund gehen und das Leid, das die Familie seit Jahrzehnten heimgesucht hat, benennen. Zum anderen will sie, dass ihre Nichte Brilka diese Last nicht mehr weiterschleppen muss.

Stürmische Zeiten

Nach diesem Prolog rollt die Autorin nun die Familiengeschichte auf. Sie macht das dramaturgisch geschickt: Sie widmet acht Familienmitgliedern je ein Buch im Buch. Sie beginnt im Jahr 1900 mit Stasias Geburt. Damals war die Welt noch im Lot. Stasia wird in die Familie eines wohlhabenden Schokoladefabrikanten hineingeboren. Sie wächst wohlbehütet auf und heiratet den Oberstleutnant Jaschi. Doch dann beginnt der Erste Weltkrieg, gefolgt von der russischen Revolution. Die Familie wird auseinandergerissen.

Dieses Schicksal widerfährt später auch ihren Kindern, vor allem während des Zweiten Weltkrieges und der Zeit der Stalindiktatur. Stasias Sohn macht Karriere in der kommunistischen Partei und lebt weit weg von Georgien und seiner Familie in Moskau. Die Tochter, liiert mit einem Dissidenten, flieht in den Westen. Das tragischste Schicksal aber trifft Stasias schöne Schwester. Ein berüchtigter Geheimdienstchef missbraucht sie und macht sie gewaltsam zu seiner Geliebten und bringt dadurch Unglück über die Familie.

Der Fluch der Schokolade

Überhaupt wird die Familie immer wieder von Unglück heimgesucht. Es ist, als würde ein Fluch auf ihr Lasten. Nino Haratischwili setzt in diesem Zusammenhang ein dramaturgisches Mittel ein. Der Fluch wird ausgelöst durch ein Geheimrezept der Familie für heisse Schokolade. Diese Schokolade zieht sich als Leitmotiv durch den ganzen Roman. Nino Haratischwili wollte dem Roman, der über weite Teile politisch ist, dadurch eine märchenhafte Note geben.

Auch wenn der Roman an gewissen Stellen etwas zu pathetisch geraten ist und da und dort Kürzungen vertragen hätte, ist Nino Haratischwili eine grossartige Erzählerin. Der Roman ist eine wunderbare Lektüre für alle, die Familiengeschichten lieben und einen Blick auf ein Land werfen möchten, das lange hinter dem Eisernen Vorhang verborgen war.

Sendung: «Das achte Leben (Für Brilka)» von Nino Haratischwili

Acht Frauen, acht Schicksale: Nino Haratischwili erzählt die Geschichte einer georgischen Familie über sechs Generationen. 

Um 1900 ist die Welt für die Familie eines georgischen Schokoladefabrikanten noch in Ordnung. Kinder kommen zur Welt, man lebt im Wohlstand und träumt von einer goldenen Zukunft. Doch dann wird Georgien von Kriegen und Revolutionen heimgesucht. Ein Fluch legt sich über die Familie und bringt den Nachkommen der nächsten Generationen Trennung und Leid.

Die junge Autorin Nino Haratschwili legt mit ihrem Roman «Das achte Leben (Für Brilka)» ein opulentes Epos über eine Familie vor, die in stürmischen Zeiten zu überleben versucht. Ein Gesellschaftsroman, der einen Blick hinter den eisernen Vorhang gewährt, auf das Leben in dem Land südlich des Kaukasus. Die Autorin Nino Haratischwili ist mit ihrem Roman Gast in «52 Beste Bücher».
Buchhinweis:

Nino Haratischwili: «Das achte Leben (Für Brilka).» Frankfurter Verlagsanstalt, 2014.

Saturday, September 06, 2014

PHOTOESSAY Georgian Online Magazine. June-July Issue 2014


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Friday, September 05, 2014

CLASSIC: Lisa Batiashvili plays Bach in Tbilisi


Watch Lisa Batiashvili perform Bach's Cantata BWV 156 from her new album "Bach", to be released on Deutsche Grammophon.

Lisa Batiashvili presents a fine selection of chamber and orchestral music, including both popular, but also newly recorded Bach pieces - among the latter is for instance the first ever recording of Bach's famous aria "Erbarme Dich, mein Gott" in a transcription for violin, oboe and orchestra on Deutsche Grammophon.

LITERATUR: Nino Haratischwili, Das achte Leben (Für Brilka). (perlentaucher.de)

(perlentaucher.de)
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2014
ISBN 9783627002084
Gebunden, 1280 Seiten, 34,00 EUR


Klappentext

Georgien, 1900: Mit der Geburt Stasias, Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten, beginnt dieses berauschende Opus über sechs Generationen. Stasia wächst in der wohlhabenden Oberschicht auf und heiratet jung den Weißgardisten Simon Jaschi, der am Vorabend der Oktoberrevolution nach Petrograd versetzt wird, weit weg von seiLiteratner Frau. Als Stalin an die Macht kommt, sucht Stasia mit ihren beiden Kindern Kitty und Kostja in Tbilissi Schutz bei ihrer Schwester Christine, die bekannt ist für ihre atemberaubende Schönheit. Doch als der Geheimdienstler Lawrenti Beria auf sie aufmerksam wird, hat das fatale Folgen ..

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2014

Tilman Spreckelsen ist tief beeindruckt, wie meisterlich Nino Haratischwili auf den knapp eintausenddreihundert Seiten ihres Romans "Das achte Leben" Spannung und Kohärenz aufrechterhält. Die Autorin erzählt die Geschichte einer Familie über sechs Generationen, die im Georgien des zwanzigsten Jahrhunderts mit den Realien der Sowjetunion konfrontiert sind, an denen sie meist auf die eine oder andere Weise scheitern, fasst der Rezensent zusammen. Das familiäre Erbe, die fatalen Wiederholungen, werden durch den "Fluch der Schokolade" verkörpert, verrät Spreckelsen: nach dem Rezept des Ururgroßvaters der Erzählerin wird eine verhängnisvolle heiße Schokolade zubereitet, die zwar eine "geistige Ekstase" verheißt, aber jeden, der bisher von ihr zu probieren wagte, schnell ins Unglück gestürzt hat, erklärt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.08.2014

Dem Osten ganz nah kommt Burkhard Müller mit diesem Riesenroman von Nino Harataschwili. Dass die Autorin ihre georgische Generationen-Saga auf Deutsch schreibt, ist für Müller ein besonderer Genuss, gelingt es der Autorin doch, der Sprache eine Frische abzugewinnen, die laut Müller kein Muttersprachler erzwingen könnte, und was dazu führt, dass der Rezensent auf über 1200 Seiten keine einzige Phrase lesen muss. In der Mischung aus Eigenem und Fremdem also besteht für Müller ein Reiz des Buches. Ein weiterer liegt für den Rezensenten in der Weite des gezeichneten Tableaus, das Privates und Weltgeschichtliches vereint. 100 Jahre, vom Terror der 20er bis heute, sechs Generationen und einen Raum, der von Tbilissi über Moskau und London bis nach Berlin reicht, umfasst der große Text, erklärt Müller. Einen nennenswerten Plot entdeckt er zwar nicht, dafür jedoch eine Menge eigenwilliger Figuren, fantastische Begegnungen und eine unumschränkte Heldin: Georgien.

Sunday, August 31, 2014

BOOK-REVIEW: A Tangled Path to Europe. Written by Dustin Gilbreath (neweasterneurope.eu)

(neweasterneurope.euReview of Bittersweet Europe. Albanian and Georgian Discourses on Europe, 1878-2008. By: Adrian Brisku. Publisher: Berghahn Books, August 2013.

BriskuBittersweet


Since independence, Georgia has been on what has often looked like a quixotic quest towards joining the EU. Multiple wars, a resurgent Russia, breakaway territories and a consistently difficult economic situation which has gone through hyper-inflation and has had consistently high unemployment and underemployment over the last 25 years must, at the minimum, make prospects for EU integration seem distant at best to many in Brussels. Yet, with the recent signingof the Association Agreement with the European Union on June 27th 2014, Georgia is closer to its European dreams than ever. Remembering that the EuroMaiden protests, which were the match to the powder keg igniting the Ukraine Crisis, were set off by former Ukrainian president Viktor Yanukovych’s failure to sign an association agreement that would have brought Ukraine closer to Europe and considering the historical ambivalence among elites in Albania and Georgia towards Europe over the course of the last 130 years, there could not be a more important time for academics, policymakers and journalists working on the Eurasian region to read Adrian Brisku’s Bittersweet Europe.

Brisku skillfully disentangles the often competing webs of discourse on Europe coming out of Georgia over the past 130 years. The book simultaneously decentres Caucasus watchers’ purview through placing Georgian discourse on Europe in a comparative perspective with Albania’s conversations on Europe over the same period. Furthermore, by implanting the conversation in broader pan-European historical frames, the author provides valuable insight into how Georgia’s relationship to Europe has been conditioned historically.

Since the Russian imperial period, discourse on Europe has been mixed, but one of the most important points of contention in Georgia has been whether the country would “look West” on its own or look north to Russia in order to look West to what Brisku describes as the “triadic Europe.” The triadic Europe which Brisku refers to is Europe “as geopolitically important; as a torchbearer of progress; and as the symbol of civilisation and high culture”. This distinction is valuable in that it lends an understanding to the often confounding claims of Europeanness from Georgian elites due to its ambiguous geographical location on the crossroads of Europe and Asia and the sometimes questionable reasoning behind such claims by providing the polysemous meaning of Europe in Georgia.

In diametric contrast to nationalist leaders today, the Georgian “Father of the Nation” and canonized Saint in the Georgian Orthodox Church, Ilia Chavchavadze, believed that Georgia should and would move towards Europe, but through its relationship with Russia, as Georgia was a part of the Tsarist Empire at the time. In opposition to this, Noe Zhordania, another aristocrat but one who had studied in France during his first term in exile from Georgia, developing an inclination towards French Socialism in the process, and the eventual first and only president of the independent, Menshevik, Georgian Republic of 1918-1921, thought that Georgia’s relationship to Europe should not be mediated through the Russian space. The contentions surrounding Europe and Georgia as a part of Europe would not end here though.

With the First World War and the Bolshevik takeover of Georgia, the discourse shifted. As the socialist state was supposed to be the vanguard of progressivism in the world, Georgia, as part of the Soviet Union, was meant to be in a position to help the working classes of Europe towards the progress represented by socialism. Much like how Karl Marx had flipped Georg W.F. Hegel on his head in philosophy, who and what represented progress had been spun around in the Georgian discourse.

Georgia has had a pro-European policy since independence, with short exceptions, and Brisku traces this shift back to the 1975 signing of the Helsinki Accords. In Georgia, Zviad Gamsakhurdia, through co-founding the Georgian Helsinki Group, began the discursive shift towards relations with Europe directly instead of through the mediation of the Soviet state. In doing so, he set the stage for changes to come. From this point onward, with one exception, and especially after independence, a pro-European discourse emanated from Georgia.

In a strange twist of irony, the exception to Georgia’s pro-EU discourse came from the same person who re-ignited it, Zviad Gamsakhurdia. This though, was not the dissident Zviad Gamsakhurdia which founded the Helsinki Group in Tbilisi nor the man who led the anti-Soviet movement in Georgia to the Soviet Union’s collapse, but the Zviad Gamsakhurdia who was elected the first head of state of Georgia after independence. His rule was characterised by strong nationalist tendencies which alienated the country’s ethnic minorities leading to the de facto loss of control of South Ossetia for Georgia. From human rights advocate and dissident to human rights violator, Zviad Gamsakhurdia in his turn moved away from Europe due to European criticism of his human rights abuses.

The persistent question which has dominated and lay beneath the surface of the discourses on Europe in both Georgia and Albania is “Are we European?” From this underlying question, Brisku highlights the ethnocentric euro-centrism that emerged in both contexts from anxieties and insecurities and the overcompensation resulting from this question. In both contexts, prominent thinkers and politicians ended up emphasising the countries’ ancient histories and numerous invasions in order to justify their Europeanness in contrast to cultural and confessional differences compared to predominant conceptions of what it conventionally meant to be European. Mikheil Saakashvili, Georgia’s third post-Soviet elected head of state stated in European Parliament that"since the time when Prometheus was chained to our mountains and the Argonauts came to our country in search of the Golden Fleece ... we are an ancient European nation." Hyperbole not intended. 

Further contributing to these anxieties and adding to the reader’s understanding of how they emerged, the book tracks how European powers have interacted with the two countries historically. Being small countries, the feeling that interaction, and more importantly the frequent lack thereof, was based on Europe’s interests have contributed to anxieties in both nations.

The book concludes that the political and intellectual elite in Georgia and Albania have historically been “ambivalent” about their relationship to Europe. Today, in Georgia, we can see this ambivalence quite strongly. When it comes to policy, Georgian support for closer ties to the EU is unquestionable. The ruling Georgian Dream Coalition and the opposition United National Movement disagree on what seems to be just about everything, but the one thing that neither side has wavered from is their dedication to further Euro-Atlantic integration. Moreover, according to the study, “Knowledge and Attitudes towards the EU in Georgia: Changes and Trends 2009 – 2013” conducted by CRRC-Georgia for the Eurasia Partnership Foundation in 2013, 83 per cent of Georgians reported that they would vote to join the EU tomorrow if a referendum were to be held, with support consistently near these levels in recent years. At the popular and elite level, support for closer integration with Europe is clear.

Despite this clear policy direction, opposition to the recently passed anti-discrimination law, which was required for the signing of the Association Agreement with the EU, highlights that many Georgians still oppose or potentially misunderstand some features commonly associated with Europe, specifically the defence of sexual minority rights. Controversy surrounded the bill as a number of priests claimed that the bill would lead to the legalisation of gay marriage in Georgia (it wouldn’t and hasn’t), something the population of the country would largely be against. Moreover, the passing of the law at certain times was opposed by the Patriarch Illia II of the Georgian Orthodox Church, who is widely considered to be the most trusted person in Georgia. In this way, aspects of the cultural Europe, which Brisku identifies early on, are those which many Georgians today are still ambivalent about.

Overall, Bittersweet Europe offers a masterful juxtaposition of Georgian and Albanian discourses towards Europe in addition to the accompanying insecurities over Europe and Europeanness in both countries. This in conjunction to the decentring effect gained through the added context leads the reader to a better understanding of Georgia’s history and relationship to Europe - something needed now more than ever.

Dustin Gilbreath is a research consultant at CRRC-Georgia.

Monday, August 11, 2014

FERNSEHEN: Wenn niemand mehr liest - Bibliothekarinnen in Georgien. Film von Ana Tsimintia - am 21.9. um 23.05 Uhr im MDR

Sieben Räume hat die städtische Bibliothek von Zugdidi, zu wenige Leser und zu viele Mitarbeiter. Die kleine Stadt liegt im westlichsten Teil Georgiens. Widersprüchlich sind die meisten Dinge in der Stadtbücherei: Ein frisch renovierter Leseraum ohne Leser. Die Ausleihe, der wichtigste Raum, ist geschlossen. Und in die Stille zwischen den Regalen, in denen die Bücher langsam zerfallen, dringt Lachen und Tanzmusik aus den oberen vermieteten Stockwerken.

25 Mitarbeiter, allesamt unverheiratete Frauen, arbeiten seit mehr als 20 Jahren in der kleinen Bibliothek. Durch das kalte Gebäude weht noch der Geist der Sowjetunion, die Bezahlung ist schlecht, in der Provinzstadt liest niemand Bücher, und doch will keine der Bibliothekarinnen kündigen. Im Gegenteil, die resoluten Damen fordern eine Gehaltserhöhung, und zwar sofort!

Sunday, August 10, 2014

SUPRA: Culture Georgian Banquet to Spiritual Side of a Supra

If one is describing Georgian culture, attention must surely be given to the traditional Georgian supra. At first glance it would be described as a banquet at which there is much food, wine, toasting, and singing. However, this does not describe the spiritual side of a supra.

Whenever space allows, the supra is always held at one long table, or a makeshift table of many joined together end to end, running from one room to another, if need be. The table is laden with wine jugs which are always kept full of excellent Georgian wine, and copious amounts of food of all kinds, so much so that the table surface almost disappears.

Each supra has a tamada (the closest English translation is "toastmaster") and is chosen by the host of the supra before the supra begins. Fulfilling one's role as a tamada is an art form in itself. A good tamada is a poet/wit/philosopher/social commentator/orator/singer who creatively improvises a beautiful atmosphere of community, camaraderie and love through his toasts which introduce periods of tranquility and reflection amidst the extroverted energy of table conversation. Through an adroit choice of songs which are sung after every toast, the message of each toast is given more resonance.

The order in which the toasts are given is important. Throughout most of Georgia, the first toast is always to peace, followed by a toast to parents, to brothers and sisters, to those who have passed away (especially to any friend or relative of any person present at the table), to life (especially to the lives of the children of those who have recently passed away), and then to love and friendship.

After all these toasts have been made in this order, the tamada is free to choose his own additional topics, maintaining the established creative flow, usually relating these toasts to the people present or to the occasion which prompted the supra. The topics, to name a few, might be to ancestors, to mothers, to beauty, to creativity, to absent friends who are far away, etc. After any of the evening's toasts, a guest, with the permission of the tamada, can add some thoughts of his or her own with another toast on the same topic. Starting a new topic without the tamada's permission would be a social blunder.

One important rule of the supra is that there should be no negative remarks or toasts, and it is the responsibility of the tamada to ensure that this rule is observed. Another rule of the supra is that one must not be drinking one's wine unless a toast has just been made, and so it is the tamada's responsibility to space out the toasts accordingly, so that everyone has a chance to imbibe, but not so often that people might become too intoxicated. In the hands of a good tamada, a supra is a beautiful, moving experience.

Source: darbazi.com

SOUNDTRACK: A FOLD IN MY BLANKET (2013) Music by Natalie Beridze - DVD Release Party - Soon in Berlin - Zaza Rusadze will be present his Debut Feature A FOLD IN MY BLANKET



Outtake #2
A FOLD IN MY BLANKET by Zaza Rusadze
© 2013 Music by Natalie Beridze
out on DVD - August 29, 2014

facebook.com/AFOLDINMYBLANKET
www.zazarusadze.com



A FOLD IN MY BLANKET a film by Zaza Rusadze
Georgia | 35mm | 1.85:1 | color | 73 minutes | Georgian, Russian
© 2013 a Zazarfilm Production
with the support of Georgian National Film Center

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MOVES#71
Zaza Rusadze »A fold in my blanket«
DVD Release Party


7 October 2014, 8:30pm

Dear Friends,
Image Movement is delighted to host the DVD release party of Zaza Rusadze's film »A fold in my blanket«.

Zaza Rusadze is a film maker from Tbilisi, Georgia. His first full length film, 2003 Bandits, a documentary about the hijacking of a soviet passenger plane in Georgia and its aftermath, was awarded at film festivals in Spain, Hungary and Germany.

His full length feature debut »A fold in my blanket« deals with the relationship of Andrej and Dmitrij, what seems to be a one-sided, unfulfilled love affair. The beautiful shot movie wallows in luxurious landscapes with the imaginary of rock climbing as a metaphor of freedom – in an unnamed post-soviet country under an obviously strict leadership and within strange social interactions in family life as well as in work life.

»A fold in my blanket« premiered on last year's Berlinale film festival where it was selected as opening film of the Panorama section. The film travelled the world among it festival screenings in Locarno, Yerewan, Hong Kong, Mumbai, or Sao Paulo. It won the award for Best Feature Film at Queer Lisboa 17 festival.

At Image Movement Zaza Rusadze will be present.
Admission is free. The event starts at 8:30pm.



facebook.com/MOVES#71 Zaza Rusadze »A fold in my blanket«

link: hollywoodreporter.com

[Stills: Zaza Rusadze »A fold in my blanket« (courtesy of the artist)]
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Image Movement | Artist Films, Films on Art, Artists Records
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Saturday, August 09, 2014

RADIO: Khatia Buniatishvili beim Reykjavik Arts Festival, Island - Mo. 11.08., 20:05 Uhr (ard.de u. mdr.de)

(ard.de u. mdr.de) Das Konzert, Mo. 11.08., 20:05 Uhr, 145 min

REYKJAVÍK ARTS FESTIVAL, ISLAND 

Johannes Brahms: 3 Intermezzi aus op. 117 und 118
Frédéric Chopin: Scherzo Nr. 2 b-Moll, op. 31
Maurice Ravel: La Valse
Igor Strawinsky: 3 Mouvements de Pétrouchka

Khatia Buniatishvili, Klavier

Konzert vom 29. Mai 2014 im Konzerthaus Harpa, Reykjavík.

Das Reykjavík Arts Festival ist der Treffpunkt der isländischen Kunstszene. Hier begegnen sich Tänzer, Musiker und bildende Künstler aus allen Bereichen der Kunst - zeitgenössischer und klassischer Prägung. In diesem Jahr fand das zweiwöchige Festival bereits zum 28. Mal statt. Zu Gast war die georgische Pianistin Khatia Buniatishvili. Ihre Lehrerin, Elena Bashkirova - die Ehefrau von Daniel Barenboim - gab sie den Grundsatz auf den Weg: "Die Intuition ist das Wichtigste. Sie ist die innere Stimme, auf die du hören musst." Khatia Buniatishvili beherzigt das und kann mit ihrer atemberaubenden Spieltechnik ihre Geschichten erzählen: mal zart, mal mächtig, wenn sie das Instrument unter der Kraft ihrer Finger brodeln lässt. Ein Vulkan am Klavier.

link: listahatid.is