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Wednesday, June 06, 2012

PODCAST: Der Schachgroßmeister Levón Arónian. Verschmelzung von Talent und Faulheit. Von Vera Block (dradio.de)

 Podcast zum Hören >>>

(dradio.de) Levón Arónian ist 29 Jahre alt - und der zweitbeste Schachspieler der Welt. Geboren ist er in Jerevan, zur Wahlheimat wurde ihm Berlin. Kenner bewundern Arónians "kaukasischen" Spielstil - überraschend und draufgängerisch. Doch der Armenier hat noch eine Leidenschaft: Kickboxen.

Nein, das wird er nicht tun. Levon Aronian weigert sich vorzuführen, wie er im Garten am Sandsack Kickboxen trainiert. Stattdessen geht er zurück ins Haus. Zieht seine blauen Hauslatschen mit Homer-Simpson-Motiv an und nimmt die Treppe in den ersten Stock - in sein Arbeitszimmer."

"Aber ich arbeite hier selten. Ich sitze hier meist herum und tue so als ob ... In Wirklichkeit quäle ich mich - stelle etwas aufs Brett und versuche, irgendwas Passables aus den Tiefen meines Verstandes herauszuholen."

Es ist ein schlichtes Zimmer. Ein Sofa. Ein Bücherregal. Ein Schachbrett mit kippendem König - in Öl gemalt. In der Ecke eine Glasvitrine mit Pokalen und Medaillen, die Levon Aronian von Turnieren mitgebracht hat. Auf dem Schreibtisch - Papierstapel und eine Dockingstation. Aronian steckt den MP3-Player ein.

"Wenn du plötzlich den Wunsch spürst, mitzustampfen, mitzuswingen - das gleiche Gefühl hat man bei manchen Schachpartien. Es überkommt dich plötzlich, du siehst eine Angriffssituation und bekommst Lust, einzusteigen."

Am Tisch nimmt Levon Aronian sofort die typische Schachspieler-Haltung ein: beide Ellbogen aufgestützt, das Gesicht liegt in den Handflächen. Levon Aronian hat ein kantiges Profil, eine Knubbelnase, ein markantes Kinn und ein schalkhaftes Blitzen in den Augen. Er ist 29 und der zweitstärkste Schachspieler der Welt. Kenner bewundern seinen "kaukasischen" Spielstil - überraschend und draufgängerisch.

"Es ist schwierig, so etwas einen Stil zu nennen - es ist eher eine Verschmelzung von Talent und Faulheit. Daher kommt der Wunsch, möglichst bald den Kanon, die Norm zu verlassen und schnell etwas auf dem Brett zu schaffen, was der Gegner nicht kennt. Es ist immer ein Versuch, durch das naturgegebene Talent zu gewinnen."

Sein Talent hat Levon Aronian dank seiner großen Schwester entdeckt. Damals war er neun.

"Ich habe meine Schwester ziemlich genervt, wollte immer mit ins Kino oder zum Spielen. Also hat sie überlegt, womit sie mich ablenken könnte. Schach war eine Möglichkeit - es hätte aber alles Mögliche sein können ... "

Levon Aronian ist in der armenischen Hauptstadt Jerevan geboren. Vater - Physiker, Mutter - Bergbauingenieurin. In den schlechten Jahren nach dem Ende der Sowjetunion verkauft sie ihren Schmuck und Teile der Bibliothek, um Schachlehrbücher für ihren Sohn zu besorgen.

"Wenn du als Kind den Zusammenbruch eines Systems erlebst und mitkriegst, wie die Eltern ihre Jobs verlieren - das stärkt. Durch ihren Optimismus haben meine Eltern es geschafft, meinen Weg zum Schach zu ebnen. Und das hat mit das Grundvertrauen gegeben."

Lange Zeit bleibt Levon Aronian unbesiegt: Jugendweltmeister mit zwölf und mit 14, Großmeister mit 16. Weltmeister in Schnellschach, Blitzschach und Mannschaftsschach. 2003 entschließt Aronian sich, für den Deutschen Schachbund zu spielen und zieht mit der Familie nach Berlin um. Wobei er gut 200 Tage im Jahr unterwegs ist - zu Turnieren, zur Freundin nach Australien, zur Nationalmannschaft nach Armenien, wo Levon Aronian wie ein Volksheld gefeiert wird. Aber mit Mitte Zwanzig hat er vom Schachspielen genug.

Der Schachgroßmeister Levón Arónian (Bild: Vera Block / privat)
Der Schachgroßmeister Levón Arónian (Bild: Vera Block / privat)
"Irgendwann erreichte ich ein Niveau, auf dem auch ich hin und wieder geschlagen wurde. Das gefiel mir nicht ... Und es kamen Fragen nach dem Sinn des Ganzen auf. Denn es ist schwierig zu behaupten, Schachspiel hätte einen tieferen größeren Sinn. Es ist eine Beschäftigung, die mir sehr gefällt. Erst als ich begriffen habe, dass in der Welt nicht alles begründet und auseinander genommen werden kann, fang ich an, Schach mehr zu lieben und mich weniger dafür zu schämen. Und dann fragt man sich selbst - soll ich entspannen, mir unter den ersten Zehn ein schönes Leben machen, allein durch das Talent. Oder soll ich vielleicht anfangen, ernsthaft zu arbeiten und versuchen, ganz nach oben zu kommen."

Levon Aronian will nach ganz oben. Obwohl er Schach inzwischen für eine brutale Angelegenheit hält.

"Es gibt Momente im Schachspiel, wenn du spürst, dass du besiegt, vernichtet wurdest. Da bricht alles in einem zusammen. Jemanden wiederum am Brett deinem Willen zu unterwerfen ist ein schönes Gefühl. Wenn du es schaffst, deinen Gegner emotional zu besiegen - das ist ziemlich heftig."

Levon Aronian rutscht auf dem Stuhl hin und her, lehnt sich zurück, wippt mit dem Kopf zur Musik. Ähnlich wie Jazz hält er auch Schach für eine Kunstform.

"Diese beiden Kunstformen befinden sich auf einem Niveau, das für die Mehrheit nicht erreichbar ist. Aber sobald du das Geheimnis dieses Spiels oder dieser Musik entdeckst, fängst du an, diese Kunst vom ganzen Herzen zu lieben."

Saturday, July 17, 2010

SCHACH: Nana Dzagnide (Georgien; 23) fehlerlos.(neues-deutschland.de)

Zwischen dem 23. Juni und dem 6. Juli war Jermuk (Armenien) der Ort eines der stärksten Frauen-Schachturniere. Hier fand das vierte von sechs Turnieren des FIDE-Grandprix statt. Drei hatte es bereits 2009 gegeben, und nach diesem in Jermuk warten noch Ulan-Bator (Mongolei; 29. Juli bis 12. August) sowie Santiago de Chile (27. Oktober bis 9. November). Jede Turniergewinnerin erhält 6500 Euro, die Gesamtsiegerin 15 000 Euro. Die Veranstaltung in Jermuk wurde von Anfang an von Nana Dzagnide (Georgien; 23) beherrscht. Sie hat 9 von 11 möglichen Punkten erreicht, keine einzige Partie verloren, und ihre Performance lag bei beeindruckenden 2747 ELO-Punkten. Heute stellen wir ihren Sieg gegen Antoaneta Stefanowa (Bulgarien, 31) vor. Eine sehr solide Partie von Dzagnide, die keinen Fehler machte.

Carlos García Hernández, Schachlehrer

Stefanowa, Antoaneta (ELO: 2560) - Dzagnidze, Nana (2478) [D47-Damengambit; Meraner Variante], 4. FIDE Frauen-GP; Jermuk (Armenien) 24.06.2010 (1. Runde)

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 c6 5.e3 Sbd7 6.Ld3 dxc4 7.Lxc4 b5 8.Ld3 Ld6 9.Sg5 Lb7 10.Df3 a6 11.a4 h6 12.Dh3 b4 13.Sce4 Le7 14.Lc4?! [14.0-0] 14...0-0 15.Sxf6+ Lxf6 16.Sxe6!? [16.Sf3 wäre wahrscheinlich nicht besser gewesen 16...Tc8 17.0-0 c5! Schwarz im Vorteil] 16...fxe6 17.Lxe6+ Tf7 18.0-0 Die Vereinfachung begünstigte Schwarz [18.Lxf7+ Kxf7 19.0-0 c5 20.dxc5 Dc7] 18...De7 19.a5 c5! 20.Ld2 Te8 21.Lb3 Kh8 22.dxc5 Tff8 23.Lxb4 Se5?! Schwarz fürchtete die Fesselung nach [23...Sxc5 wäre die beste Option gewesen 24.Tac1 Tc8 25.La3 Lxb2] 24.La3! Lc8 25.Dg3 Lh4 26.c6 Lxg3 27.Lxe7 Lxf2+ 28.Txf2 Txf2 29.Kxf2 Txe7 30.Ld5 Tc7 31.Kg3? Die Stellung nach [31.e4 wäre ausgeglichen gewesen 31...Sxc6 32.Tc1 Lb7 33.b4] 31...Sxc6 32.Tc1 Lb7 33.b4 Tc8 Im Diagramm 34.e4?? Schwarz stand besser, aber der Sieg nach 34.Tb1 wäre nicht einfach gewesen Sxb4! 35.Tb1 [35.Txc8+ Lxc8 und Schwarz gewinnt] 35...Lxd5 36.Txb4 Lc4! 37.Tb7 Tc5 38.Kf4 Txa5 39.e5 Ta2 40.Tc7 Lb5 0-1

Friday, July 06, 2007

SPORT:

Interview mit Schach-Großmeister Levon Aronian

Der armenische Top-Großmeister Levon Aronian hat sich bei den Kandidatenwettkämpfen in Elista in zwei engen Wettkämpfen gegen Magnus Carlsen und Alexei Shirov durchgesetzt und für das kommende WM-Turnier qualifiziert. In diesem wird er von manchen als Geheimfavorit gehandelt, besonders seit seinem Schnellschach-Wettkampfsieg über Weltmeister Kramnik. Der Wahlberliner misst diesem Erfolg selbst aber wenig Bedeutung zu. Die Sonderrechte, die dem früheren FIDE-Titelhalter Topalov gerade von der FIDE für den kommenden WM-Zyklus eingeräumt werden, findet Aronian nicht in Ordnung. Topalov und sein Team hätten beim Wettkampf in Elista gewusst, welche Konsequenzen eine Niederlage nach sich ziehen würde. Dr. René Gralla sprach mit dem WM-Kandidaten für das Neue Deutschland.

Das ganze Interview im ND...