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Thursday, August 09, 2012

KAUKASISCHE POST: Fried Nielsen - “Dann war ich doch wieder hier daheim.” (kaukasische-post.com)

(kaukasische-post.com - 18. Juni 2012) Der Diplomat und Buchautor Fried Nielsen besuchte nach acht Jahren wieder Georgien.

Er war etwas unsicher, was ihn in Georgien des Jahres 2012 erwarten würde. Fried Nielsen, von 1992 bis 1995 ständiger Vertreter in der Deutschen Botschaft in Tiflis, hatte Georgien zum letzten Mal im Jahr 2004 besucht in der Delegation des damaligen deutschen Außenministers Joschka Fischer. Damals war der Eindruck Georgiens eher bedrückender als ein Jahrzehnt zuvor. Und heute? Der erste Eindruck? „Eigentlich war ich etwas enttäuscht. Die Fahrt vom Flughafen zur Stadtmitte verlief völlig normal.“ Fried Nielsen wollte schon wieder umkehren, erst als der Fahrer mitten in der Nacht das Hotel nicht finden konnte, war für den Georgien-Oldie unter den deutschen Diplomaten die Welt irgendwie wieder in Ordnung. „Da war ich dann doch wieder hier daheim.“

Am nächsten Morgen das Ritual wie beim ersten Besuch in Tiflis am 8. August 1992: ein langer Spaziergang durch die Stadt und ein völlig neues Bild. „Noch nie habe ich in Tiflis so viele Menschen arbeiten sehen.“ Nielsen fällt die positive Atmosphäre auf in der Stadt, die Kleidung ist bunter geworden, nicht mehr nur schwarz. „Eine Stimmung, dass man was reißen und machen kann, dass man sein Leben aus eigenem Antrieb gestalten kann. Diese Stimmung ist neu für mich.“

Es wird gebaut. Aber was wird gebaut? Und wie wird gebaut? „Ja, ja, ich weiß, diese Brücke aus Glas, die Friedensbrücke.“ Man müsse sie nicht schön finden. Aber, dass sie das Stadtbild zerstöre, wie man ihm in Deutschland immer wieder suggerierte, „das ist Quatsch. Georgien braucht auch Momente moderner Architektur, um sich neu zu erfinden.“ Und ob am Aghmaschenebeli-Prospekt alle Feinheiten des Denkmalschutzes berücksichtigt wurden, müsse er auch nicht bewerten. In Baku jedenfalls sei man weitaus unsensibler mit dem Stadtbild umgegangen als in Tiflis.

Fried Nielsen
Wer Nielsen schwärmen hört, muss ihm unweigerlich die Frage stellen, ob er das Hohelied der Regierenden singe. „Die Regierung kenne ich nicht, die ist mir egal. Ich beschreibe, was ich sehe. Und wer das nicht sieht, ist krank. Die Leute auf der Straße sehen doch viel besser aus als vor ein paar Jahren. Und Momente der Unsicherheit, die wir immer erleben mussten, werden so nicht mehr eintreten.“

Und dann schweift er in die Geschichte ab, auch in die eigene: Schewardnadse habe in schwierigsten Zeiten die Grundlage gelegt für eine Entwicklung, von der auch seine Nachfolger profitieren. Und das mit kräftiger Unterstützung durch Deutschland. Nielsen erinnert sich an erste Berichte der neu errichteten Botschaft ans Amt, so heißt das deutsche Außenministerium unter Insidern. „Wir müssen unser Geld in die Modernisierung des georgischen Rechts stecken“, drahtete die Botschaft in Tiflis. Der Beginn einer Erfolgsstory: „Was dann mit deutscher Hilfe geschehen ist, hat das Fundament geschaffen, auf dem Staat, Verwaltung und Wirtschaft heute aufbauen.“

Nielsen ist nicht in offizieller Mission in Georgien. Während der deutschen Woche stellt er sein drittes Georgien-Buch vor, nach zwei Auflagen seines Erzähl-Klassikers „Wind, der weht“ eine georgische Antologie mit Texten über Georgien von der Antike bis heute. Was kaum jemand weiß: Mit rund 1.000 Titeln besitzt Fried Nielsen eine der größten Georgika-Bibliotheken. Sie könnte demnächst erweitert werden, denn das Urgestein der nachsowjetischen deutschen Diplomatie in Georgien plant ein weiteres Buch, eines über Tiflis. Sein Kurzbesuch von einer Woche, der erste nach neun Jahren, hat ihn wieder motiviert.

Eine Story dieses Buches dürfte unvermeidlich sein: Die Klage Nielsens über das Verschwinden des Laghidze-Restaurants auf dem Rustaweli. Ein Stück Kulturgeschichte Georgiens ist da verschwunden, als die mit Marmorplatten ausgestaltete Trinkhalle einem modernen Bekleidungsgeschäft weichen musste. Der deutsche Filmemacher und Regisseur Stefan Tolz, der seit Jahren in Tiflis wohnt, bereitet derzeit einen Film über Mitrophane Laghidze vor, den Apotheker, dessen Fruchtsaft-Konzentrate, verdünnt mit Mineralwasser, mehrere Generationen von Georgiern liebten und schätzten. Heute kommen die Konzentrate für Erfrischungsgetränke aus Übersee. Und einer der Enkel Laghidzes arbeitet längst für eine Marke mit weltweiter Präsenz. Und Fred Nielsen würde viel dafür geben, in dem Film eine kleine Nebenrolle spielen zu dürfen…

Friday, June 15, 2007

BUCH:

Fried Nielsen (Hrsg.) Wind, der weht.Georgien im Wandel

Reportage
Zweite erweiterte Auflage
350 Seiten, broschiert
EUR 18,80/sfr 33,20

ISBN-10 3-85129-611-7
ISBN-13 978-3-85129-611-2
EAN 9783851296112



Zum Autor
Fried Nielsen , geboren 1961 im Christian-Albrechts-Koog (Nordfriesland/Schleswig-Holstein, Deutschland), Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Bonn und München, Aufbaustudium am Institut d'Etudes Politiques, Paris. 1988 Eintritt in das Auswärtige Amt, seit August 2004 Leiter des Arbeitsstabes Kultursponsoring und private Stiftungen.




Veröffentlichungen:
Deutsch in Georgien (Bamberg 1995), Wind, der weht – Georgien im Wandel,
(Erstausgabe, Frankfurt am Main 2000).

Zum Buch
Fried Nielsen lädt den Leser ein, ihn auf seinen zahlreichen Entdeckungsreisen durch Georgien zu begleiten. Wir reisen an die Küste des Schwarzen Meeres, in einsame Bergdörfer in den Gebirgsketten des Kaukasus. Dabei wirft er den Blick auf Details, beispielsweise wie die Jungen in einen Dorf in Swanetien das Kalb liebevoll beruhigen, bevor es dann doch für das Festmahl geschlachtet wird. Daneben stehen Schilderungen von Begegnungen mit dem georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse genauso wie die Exkursionen zu den verschiedenen Ethnien Georgiens und zu seinen Kulturstätten, insbesondere den vielen Klöstern und Kirchen. Wir erfahren, dass die Samen für die deutschen Tannenbäume aus Georgien kommen, aber auch viel über die Zeitgeschichte der neunziger Jahre. Es ist dem Buch deutlich anzumerken, dass Fried Nielsen zu Land und Leuten eine tiefe Beziehung entwickelt hat. Er beschreibt teils mit leichter Ironie die Lebenseinstellung der Georgier, denen Gastfreundschaft über alles geht, die meisterhaft improvisieren können und gern spontan das Leben genießen. Drei Jahre blieb der Diplomat in Georgien, vorher war er in London und Santiago de Chile. Als er sich zu Beginn seines Aufenthalts über Georgien informieren wollte, musste Fried Nielson feststellen, dass es nur wenig aktuelle deutsche Literatur über die Region gibt. Die interessanten Reiseberichte stammen aus dem vorletzten Jahrhundert. Fried Nielson wollte an diese Tradition wieder anknüpfen, unterhaltsam über die Kultur, die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Hintergründe informieren. Birgit Kos, DRadio

Textprobe
»Mineralwasser, Wein oder Wodka?«, fragt sie mich lächelnd. »Mineralwasser«, antworte ich und deute auf eine grüne Flasche,auf der »Borjomi Mineral-Water« steht. Ich bin durstig und trinkehastig das stille Wasser aus dem Plastikbecher, verzerre aber schonnach dem ersten Schluck mein Gesicht und trinke den Rest nur widerwilligaus. Das Wasser schmeckt ungewöhnlich schwefelig. Diemeisten Passagiere, fast alle sind Georgier, haben zu georgischem Weinoder Wodka gegriffen. (….)Der Pilot hat es plötzlich sehr eilig. Fast senkrecht, so scheint esmir, steuert er die Landebahn an. Die Rückenlehne meines Vordersitzesklappt nach vorn und droht mein Abendessen, eiskaltes Hühnchenmit Reis, das ich nicht anzurühren gewagt hatte, auf den Bodenzu schleudern. Rechtzeitig rette ich es und stelle es auf meinen Nachbarsitz.Während die leeren Wodkaflaschen auf dem Gang in RichtungCockpit kollern, singt der Männerchor mit Inbrunst ein Liedüber »Tbilissi«. Sie sind wohl froh, wieder nach Hause zu kommen.


Texte zu Fried Nielsen's Georgien
„In der Tat erfährt man von Fried Nielsen viel über die mehr als 2000-jährige Geschichte eines Landes, das seinen Weg nach Jahren von Bürgerkrieg und wirtschaftlichem Niedergang zurück nach Europa erst wieder finden muss. Der Autor, zuletzt stellvertretender Botschafter Deutschlands in Tiflis, bereiste zwischen 1992 und 1999 fast alle Provinzen der Kaukasus Republik. In flottem Stil bereichtet er – in Form von Tagebuchnotizen – über seine Gespräche mit Politikern in Adscharien oder Abchasien, von seinen Begegnungen mit den Einwohnern eines swanetischen Wehrdorfes oder mit Nachfahren deutscher Familien, die im 19. Jahrhundert aus Schwaben in den Süden des damaligen russischen Zarenreiches ausgewandert sind. All diese bunt zusammengewürfelten, stets in einen geschichtlichen Kontext gebundenen Schilderungen beschreiben den entbehrungsreichen Alltag, der auf dem Gebiet Georgiens lebenden Völker sowie deren Traditionen und Mentalitäten“.
NZZ

„Selten habe ich ein Buch gelesen, in dem eigene Erlebnisse, Gespräche, Zusammenkünfte, Besichtigungen – und zwar nicht nur in der Hauptstadt und großen Städten sondern buchstäblich im ganzen Land – so eng und direkt verwoben und verbunden sind mit der Darstellung der Geschichte, der Tradition, der Architektur, der Literatur und der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Probleme wie in Ihrer Schilderung über Georgien“. Prof. Wolfgang Leonhard im NDR


„Literatur und Kunst haben eine lange und reiche Tradition, die Sprache ist poetisch und kraftvoll, die Landschaft beeindruckend. Georgien ist eine Lesereise wert. Fried Nielsen war lange als Diplomat in Tiflis tätig. In dieser Zeit begegnete er berühmten Zeitgenossen wie Eduard Schewardnadse, entdeckte für sich die Historie des Landes und machte zahlreiche Reisen durch Georgien. Er verliebte sich dabei in Land und Leute. Sein bibliophiles Buch über Georgien ist der Ausdruck dieser Liebe, es stürzt sich lustvoll in die Verästelungen der georgischen Geschichte und zeichnet sympathisierend das Porträt des heutigen Georgiens.“ MDR

Source: http://www.wieser-verlag.com/Gesamt/Prosa/Nielsen_Wind/Nielsen_Wind.htm

Monday, June 19, 2006

EVENT: Georgische Stipendiaten des deutschen Bundestages

Es erwarten Sie zwei Stunden Georgien mit georgischerKultur, Menschen und Zeitgeschichte aus erster Hand

Die Veranstaltung findet am 22. Juni um 18 Uhr in der Europäischen Akademie in Berlin statt.

Programm
18.00 - 18.10 Begrüßung “ Georgische Stipendiaten des Deutschen Bundestages" "Tsutisopeli" (fliegendes Leben) Kurzfilm von Mariam Kandelaki
18.10. - 18.20 Impressionen aus Georgien- Fried Nielsen
18.25 - 18.40 "Georgische Kultur und Nationalgeschichte- von der Wiege des Weins bis zum Weinkrieg" Florian Mühlfried
18.45- 19.10 "Einpflanzungen des Liberalismus in Georgien. Kulturpolitiken des Georgischen Fernsehens" Devi Dumbadze
19.15- 19.20 Budrugana - Schattentheater aus Georgien
19.20- 20. 30 Ein Bild von Georgien - Natur, Musik, Kirche und Wein.

Danke an Levan! Ich versuche zukommen!
Quelle:
http://taktaka.blogspot.com/