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Saturday, June 27, 2020

VIDEO: Die Übersetzerin Natia Mikeladse-Bachsoliani über das Buch "Abzählen" von Tamta Melashvili


Die 'Hobbyübersetzerin' Natia Mikeladze mit ganz aufschlussreichen Einblicken über das "Übersetzergeschäft". Derzeit ist sie im Goethe-Zentrum in Armenien (Jerewan) beschäftigt.

Youtube-Kanal: Goethe-Institut Georgien


Tamta Melaschwili:Abzählen
Roman - Aus dem Georgischen von Natia Mikeladse-Bachsoliani
Ein aufsehenerregendes Debut: drei Tage in der Konfliktzone.


Der Aufbruch ist literarisch – und weiblich [literaturkritik]
Zur Gegenwartsliteratur georgischer Schriftstellerinnen
Von Rosa EidelpesRSS-Newsfeed neuer Artikel von Rosa Eidelpes

Saturday, June 20, 2020

VIDEO: Sybilla Heinze über "Sinka Adamiani" von Ana Kordzaia-Samadashvili


Youtube-Kanal: Goethe-Institut Georgien

Weitere Links:

Anna Kordsaia-Samadaschwilis Roman spielt in Georgien und vermittelt einen Eindruck davon, wie das Leben in der Hauptstadt Tiflis Ende des vergangenen Jahrhunderts aussah und wie deren Bewohner so ticken. Von Lisa-Maria Röhling [radiobremen.de] 

* Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2020Rezensentin Nicole Henneberg lässt sich gern verzaubern von Anna Kordsaia-Samadaschwilis Schelmenroman um ein wie aus dem Nichts in einem Haus in Tiflis auftauchenden Mädchen, das von seinen Bewohnern unter die Fittiche genommen wird. Die eigentliche Heldin der Geschichte aber ist die Stadt selbst, erkennt Henneberg, Tiflis mit seiner Geschichte und Geschichten, Geheimnissen, Gaunern, Aufschneidern und eleganten Frauen. Die anekdotenreiche, traurige, melancholische, immer liebevolle Erzählung zwischen Ernst und Spott hat es Henneberg sichtlich angetan. [perlentaucher.de]

* Sinka Mensch. Ein Akkordeon rettet die Welt in einem Tiblissier Innenhof [neues-deutschland.de]

Wednesday, June 10, 2020

POESIE AUS GEORGIEN: Besik Kharanauli "Das Große Trinken" / ბესიკ ხარანაული "დიდი სმა"

Gespräch von Mariamo Dschanelidse mit dem georgischen Schriftsteller Besik Charanauli über sein neues Buch "Das Große Trinken"

Georgisch mit deutschen Untertiteln

Autoren: Mariam Dschanelidse, Nika Pataraia, Hiro Ugulawa
Ort der Aufnahme: das Dorf Lischo (Georgien)


Mehr hier:
facebook.com/besik.kharanauli
facebook.com/besikkharanauliofficial

Tuesday, March 03, 2020

BUCH: Memphis. Roman von Teona Dolenjashvili im Klakverlag

[klakverlag.de] Die georgische Autorin Teona Dolenjashvili erzählt in ihrem Debüt von einem Leben zwischen Heimat und Fremde, das einen unerwarteten Sinn erhält. Ausgezeichnet mit dem Preis Saba für den besten Roman des Jahres.

lieferbar ab 12. März 2020, Klappenbroschur, 204 S.
ISBN 978-3-948156-36-7
Klakverlag
Aus dem Georgischen von Katja Wolters 

Ana, aufgewachsen im Georgien der turbulenten neunziger Jahre, flieht vor den Schwierigkeiten ihres Landes und ihrer Einsamkeit. In der Schweiz heiratet sie den wohlhabenden Mark, der sie zu einer erfolgreichen, aber unglücklichen Künstlerin macht. Ihr gemeinsames Kind braucht ein Spenderherz, um überleben zu können. Auf der Suche kehrt sie in ihr Heimatland zurück, und gerät in die Fänge einer kriminellen Organisation, die mit Organen obdachloser Kinder handelt. 

Mit der wichtigsten Entscheidung ihres Lebens konfrontiert, lüftet sich gleichzeitig das Geheimnis ihrer in der Kindheit spurlos verschwundenen Mutter…

"Wie man sieht, muss ich noch vieles erleben, um zu begreifen, dass die Welt nicht zwischen Ländern und Kontinenten aufgeteilt ist, sondern zwischen Himmel und Erde. Zwischen dem Himmel, der abstrakt und unerreichbar ist, und der Erde, die auf den ersten Blick fest zu sein scheint, dich aber stets mit der Angst erfüllt, den Boden unter den Füßen verlieren." 

Die georgische Autorin Teona Dolenjashvili erzählt in ihrem Debüt von einem Leben zwischen Heimat und Fremde, das einen unerwarteten Sinn erhält. Ausgezeichnet mit dem Preis Saba für den besten Roman des Jahres.



Teona Dolenjashvili wurde 1977 geboren und arbeitete mehrere Jahre beim Georgischen Fernsehen als Regisseurin und Autorin. 2004 veröffentlichte sie ihre ersten Werke. Ihr erstes Buch, eine Kurzgeschichtensammlung, wurde 2005 veröffentlicht und mit dem SABA-Preis für das beste Debüt ausgezeichnet. Ihr erster Roman, Memphis, wurde 2009 veröffentlicht und ebenfalls mit dem SABA-Preis ausgezeichnet für den besten Roman. 2010 gewann sie den Preis des "Georgian National Movie Center" für das beste Drehbuch und wurde für den Prix Europe in der Kategorie bestes Hörspiel / Fiktion nominiert. Sie ist auch die Autorin des Films "The Real Beings" (Bakur Sulakauri, 2014); "Flucht" (SABA, 2013); und "Tierplanet" (Palitra L, 2011). Ihre Kurzgeschichten wurden ins Deutsche, Englische, Italienische, Spanische, Russische, Ukrainische, Litauische, Slowakische und Aserbaidschanische übersetzt und in verschiedenen Sammlungen veröffentlicht. Sie schreibt Kolumnen über Literatur für die Zeitschrift Focus und die Zeitung Twenty-Four Hours.

Meskhi vs. Meskhi. Fiction by Teona Dolenjashvili. Translated from Georgian by Philip Price [wordswithoutborders]

Friday, May 17, 2019

VIDEO: "Zinka Man" - Ana Kordzaia-Samadashvili tells us about his new novel




THE MOVEMENT TV is a digital storytelling media platform founded in 2017 in Tbilisi, Georgia on the basis of The Movement Theatre - the first independent theatre in Georgia, whose main direction is storytelling.

Our TV tells stories about people using cinematographic storytelling means and unconventional movement of a camera. We strive to uncover social-cultural topics beyond certain boundaries using contemporary media-technologies.

The goal of THE MOVEMENT TV team is to assist people to find their own way of storytelling. We talk to dozens of people on a daily basis and tell our audience the best stories we come across.

We believe that each person has the story that might be interesting for others to be shared with.

THE MOVEMENT TV works for its audience, while The Movement Production Studio serves both small and large companies by means of an innovative way of communication called storytelling.

No doubt the future of the media is digital and THE MOVEMENT TV is the first media company in Georgia to have made the first steps in this direction.

Tuesday, May 07, 2019

POLITIK: Offener Brief von Autor*innen und Verleger*innen zur Zusammenlegung des Buchzentrums und des Literaturhauses in Georgien

Am 3. Mai 2019 erklärte das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport, dass es einige Institutionen aus seinem Zuständigkeitsbereich fusionieren wolle. Zu diesen Juristischen Personen des Öffentlichen Rechts gehören das Georgische Nationale Buchzentrum und das Schriftstellerhaus, die in einer "Nationalen Literaturstiftung" aufgehen sollen.

Das Georgische Nationale Buchzentrum und das Literaturhaus blicken auf eine relativ junge Geschichte zurück, sind jedoch erfolgreichste Kulturinstitutionen in Georgien. Beide Institutionen setzen die Steuerzahlergelder nicht nur äußerst effizient sondern mit einem großen Gewinn für den georgischen Staat ein.

Die große Kompetenz und das uneingeschränkte Engagement der Mitarbeiterinnen des Georgischen Nationalen Buchzentrums hat den historisch größten Auslandserfolg der georgischen Literatur und Kultur ermöglicht. Das Schriftstellerhaus ist mittlerweile zu einem unverzichtbaren Kulturzentrum Georgiens geworden, dass tausende Literaturfreunde heranzieht. Dieser Erfolg war, in vielen Fällen, nicht der Unterstützung der Mitarbeiter*innen des Kultusministeriums zu verdanken, sondern geht auf einen harten Kampf für die Transparenz und die öffentliche Kontrolle zurück.

Vor dem Hintergrund dieses großen, für georgische staatliche Behörden völlig ungewohnten Erfolges ruft die Initiative des Ministeriums, zwei unabhängige und erfolgreiche Institutionen zu fusionieren, unsere Zweifel, Sorge und Ärger hervor.

Die Begründung des Ministeriums, die Organisationen „zur Modernisierung und Verbesserung der Verwaltung, sowie gemäß den internationalen Standards und nationalen Prioritäten“ zu fusionieren erscheint uns unglaubwürdig und falsch.

Zur Unglaubwürdigkeit einer solchen Begründung trägt auch die Tatsache bei, dass diese Entscheidung des Ministerium ohne jeglicher Rücksprache mit den Leiterinnen und Mitarbeiterinnen des Buchzentrums und des Literaturhauses, ohne Konsultationen mit Schriftsteller*innen, Autor*innen, Übersetzer*innen und Verleger*innen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit getroffen wurde.

Modernisierung und Verbesserung der Verwaltung impliziert, dass diese Institutionen nicht modern und schlecht verwaltet werden. Dies entspricht keineswegs den Tatsachen. Weder internationale Standards noch die nationalen Prioritäten setzen eine mechanische Zusammenlegung voraus. Wenn man den für Kultur zuständigen Staatssekretär Giorgadze glaubt, liegen der geplanten Fusionierung auch keinerlei Sparnotwendigkeit zugrunde.

Die beiden Institutionen haben ihre Spezifika und Arbeitsfelder. Organisationelle Optimierung kann ihr mechanisches Zusammenschließen keineswegs rechtfertigen. Die sogenannte Fusionierung, die in Wirklichkeit nur ein mechanischer Zusammenschluss ist, bedeutet werde eine Verbesserung noch eine Stärkung der georgischen Literatur.

Als die einzig mögliche Erklärung bietet sich folgendes an: Indem das Ministerium lukrative leitende Funktion für unbeschäftigt gebliebene Funktionäre schafft, möchte es die Kontrolle über zwei politisch und administrativ unabhängige und erfolgreiche Institutionen mit administrative Kommandomethoden gewinnen.

Schriftsteller*innen, Autor*innen, Übersetzer*innen und Verleger*innen setzen sich für die Unabhängigkeit des Georgischen Nationalen Buchzentrums und des Schriftstellerhauses ein und fordern das Ministerium auf, die beiden Institutionen an der Ausübung ihrer erfolgreichen Tätigkeit nicht zu hindern. Unsere ausländischen Freunde und Partner, die eine hervorragende Erfahrung der Zusammenarbeit mit dem Buchzentrum und dem Schriftstellerhaus haben, sind mit den beiden Institutionen ebenfalls solidarisch.

Wednesday, October 17, 2018

PROGRAMM: Georgien zu Gast in Tübingen vom 15. – 31. Oktober 2018 [georgien-tuebingen.de]

[georgien-tuebingen.de] Unmittelbar nach dem Abschluss der Frankfurter Buchmesse, deren Gastland dieses Jahr Georgien ist, veranstalten wir im "Deutsch-Georgischen Freundschaftsjahr" ein Kulturprojekt in Tübingen.

Das Projekt nennt sich "Georgien zu Gast in Tübingen". Im Zeitraum vom 15. – 31. Oktober 2018 finden zahlreiche kulturelle Veranstaltungen (Lesungen, Filme, Präsentationen usw.) statt.

Wir möchten mit diesem Kultur-Austausch neue Blinkwinkel ermöglichen und damit ein gegenseitiges Verständnis beider Länder und der Menschen füreinander fördern und vertiefen.

Unser Programm

* Montag 15.10.2018, 14 -18 Uhr:

WORKSHOP Wandernde Dinge. Geschichte und Materialität

Universität Tübingen, Brechtbau R 215, Wilhelmstraße 50

* Montag 15.10.2018: Lesung Iuona Guruli: "Wenn es nur Licht gäbe, bevor es Dunkel wird"

Iunona Guruli schafft georgische Geschichten, die wie wundersame Filme sind und immer zu früh enden. Ein flauschig-weicher Vogel, der vergessen in der Manteltasche zum Schutzpatron eines jungen Mädchens wird. Die zauberhaften Märchen des verlorenen Vaters, die der jungen Frau in tiefster Dunkelheit beistehen. Es sind zarte Momente wie diese, voller Schmerz, Liebe und Hoffnung, die Iunona Gurulis Erzählungen einer zerrissenen georgischen Jugend zum Strahlen bringen und sie zu einer der aufregendsten weiblichen Stimmen der georgischen Gegenwartsliteratur machen.

20 Uhr, Quichotte Kabinett, Bei der Fruchtschranne 10, Tübingen

* Dienstag, 16.10.2018: Lesung Anna Kordsaia-Samadaschwili: "Wer hat die Tschaika getötet?"

Die Polizeiermittler sind überfordert. Sie werden von den Verdächtigen, den Freunden der Ermordeten, nach Strich und Faden an der Nase herumgeführt, so wie auch der Leser. Die Freunde wissen, wer sie umbrachte, geben aber nichts preis. Warum, erschließt sich nach und nach aus den vielen Geschichten, die sich diese bunte, unkonventionelle, grelle Schar über die Tote und sich selbst erzählen. Ein dichter und sehr raffiniert erzählter Roman. Das Kriminalelement ist ein Kniff für das äußerst spannende Enthüllen eines Panoramas ungewöhnlicher Lebensgeschichten und Figuren, ein Plädoyer für die Möglichkeit verschiedenster Lebensentwürfe und für Toleranz und Zusammenhalt.

20 Uhr, Club Voltaire, Haaggasse 26b, Tübingen

* Donnerstag, 18.10.2018: Von Georgien erzählen: Adolf Endlers poetischer Reisebericht und der 'Kaukasische Divan'

Ein sehr persönlicher Reisebericht über Georgien, der über Menschen, Geschichte und Poesie dieses Landes Auskunft gibt.

20 Uhr, Quichotte Kabinett, Bei der Fruchtschranne 10, Tübingen

* Freitag, 19.10.18: Filmvorführung "Berge von Jolie / Jolie’s Mountains /ჟოლის მთები"

Ein Dokumentarfilm von Natia Arabuli

Die in der georgischen Hauptstadt Tbilissi aufgewachsene Ärztin Lela hat den Oberst Gogi aus Khevsureti (Nord-Georgien) geheiratet. Nach ihrer Hochzeit kehrt sie mit ihrem Ehemann an ihren Geburtsort in den Kaukasus zurück und beginnt dort ein neues Leben auf dem Land. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist dort die gesamte Infrastruktur, einschließlich eines medizinischen Dienstes, abgebaut worden. Als die Ärztin nach so langer Zeit wieder dort ankommt, erlebt sie eine harte Zeit. Die Städterin Lela fühlt sich verloren und sie versucht, das alte sowjetische Gebäude für das touristische Zentrum zu rekonstruieren. Ihr Mann Gogi ist damit nicht einverstanden und widerspricht ihr. Aus seiner Sicht ist diese Arbeit Zeitverschwendung. Außerdem haben sie unterschiedliche Einstellungen zu der alten Tradition der „Stsorproba“, die für Frauen einen ganz besonderen Lebensstil und besondere Verhaltensweisen vorsieht: Jungfrauen sind dazu verpflichtet, als Ausdruck der Gastfreundschaft die gesamte Nacht mit einem fremden Gast in einem Bett zu verbringen – aber ohne Geschlechtsverkehr.

18 Uhr, Kino Arsenal, Hintere Grabenstraße 20

* Sonntag, 21.10.2018: Handschattentheater "Budrugana-Gagra"

Das Handschattentheater Budrugana formierte sich 1982 in Tiflis, 2002 stießen zu diesem Ensemble Flüchtlinge aus Abchasien hinzu, seitdem nennt es sich Budrugana-Gagra. Das Ensemble ist inzwischen weltweit unterwegs.

Bei ihren einzigartigen Auftritten gestalten die Mitglieder Schatten ausschließlich mit ihren Händen und beweisen darin eine hohe künstlerische Meisterschaft. Die aus Musik und Handschattenbewegungen bestehenden Darbietungen „sprechen“ für sich selbst und benötigen daher keine Übersetzungen

18 Uhr, Kino Museum, Am Stadtgraben, Tübingen

* Mittwoch, 24.10.2018: Lesung Nino Haratischwili: "Die Katze und der General"

Alexander Orlow, ein russischer Oligarch und von allen "Der General" genannt, hat ein neues Leben in Berlin begonnen. Doch die Erinnerungen an seinen Einsatz im Ersten Tschetschenienkrieg lassen ihn nicht los. Die dunkelste ist jene an die grausamste aller Nächte, nach der von der jungen Tschetschenin Nura nichts blieb als eine große ungesühnte Schuld. Der Zeitpunkt der Abrechnung ist gekommen.

Nino Haratischwili spürt den Abgründen nach, die sich zwischen den Trümmern des zerfallenden Sowjetreichs aufgetan haben. Sie schafft einen spannungsgeladenen, psychologisch tiefenscharfen Schuld-und-Sühne-Roman über den Krieg in den Ländern und in den Köpfen, über die Sehnsucht nach Frieden und Erlösung.

20 Uhr, Kino Museum Tübingen, Am Stadtgraben 2 (Kino 1) Buchhandlung Osiander

* Donnerstag, 25.10.2018: Diskussion/Reportage "Eine Geschichte von Emigration und Remigration"

Das 200. Jubiläum der Auswanderung von Schwaben nach Georgien ist nicht nur Geschichte. In den Familien der inzwischen Remigrierten ist der oft beschwerliche, gefährliche und wenig bekannte Weg vieler Menschen auch aus Tübingen und Umgebung noch immer lebendig. Diese Lebens- und Wanderungsgeschichten verschiedener Familien haben Studierende innerhalb eines Seminars im Sommersemester an der Universität Tübingen in Kooperation mit dem SWR aufgezeichnet. Thomas Hagenauer vom SWR stellt mit den Studierenden das Projekt und die dabei entstandenen Interviews und Fotostrecken vor. Außerdem befragen sie einige Remigrierte live zu ihrer Familiengeschichte.

Veranstalter: Universität Tübingen, Stadtmuseum Tübingen, SWR

18 Uhr, Stadtmuseum Tübingen, Kornhausstraße 10

* Freitag, 26.10.2018: Erzählungen Roger Sonnewald "Über die Georgische Buchsammlung beim J.J. Heckenhauer"

Das fast 200 jährige Antiquariat Heckenhauer ist seit je her auf Philologie spezialisiert.

Waren es früher die Sprachen der Antike , Griechisch und Latein, sind es seit mehr als 70 Jahren jetzt die Sprachen und Kulturen Osteuropas und Asiens. Dazu zählt auch Georgien. Wir haben einige Bücher auf Georgisch und über Georgien, darunter auch dieser Lagerfund, der wiederum in zweifacher Hinsicht mit Tübingen verbunden ist, denn dieses Buch wurde auch in Tübingen verlegt und gedruckt. Um dieses Buch und die Geschichten über Bücher aus Georgien, wird sich die Soiree im Antiquariat / Hessekabinett drehen

18 Uhr, J.J. Heckenhauer e.K., Hesse-Kabinett, Holzmarkt 5, Tübingen

* Sonnabend, 27.10.2018: Jazz aus Georgien

Konzert mit Papuna Sharikadze um 20.30 im Sudhaus

* Sonntag, 28.10.2018: Reportage/Diskussion. "Georgien mit unseren Augen"

Zeitenspiegel-Reportagenschule

Nachwuchs-Journalisten der Reutlinger Reportageschule bereisten im vergangenen Jahr Georgien, um sich ein eigenes Bild von Land und Leuten zu machen. Ihre Multi-Media-Reportagen stellen sie bei der Veranstaltung in Tübingen vor, außerdem wird die georgische Journalistin Edita Badasyan über die Situation der Medien und der Pressefreiheit in Georgien berichten.

11 Uhr, Liquid Bar, Schmiedtor Straße 17, Tübingen

* Dienstag, 30.10.2018: Tafel und Mahl სუფრა ნადიმი

Georgische Tischtradition als ein Teil der georgischen Kultur. Nach traditionell-orientalischer Art wird ein Wechsel verschiedener Speisen zelebriert, die in kleinen Tontöpfen serviert werden, nach einander den Tafel füllen und "den Tischtuch verdecken". Die Kaukasische Gewürze sollte das Neuland zum entdecken sein.

Veranstalter: Gaststätte Stern Menüpreis: 55,00 pro Person

19 Uhr, Gaststätte Stern, Lange Gasse 4, Tübingen

* Mittwoch, 31.10.2018: Ausstellungseröffnung von Nerse Batsashi

"Mit der Macht der Kunst erbaue ich Brücken und zersprenge Grenzen"

12 bis 16 Uhr, Gaststätte Stern, Lange Gasse 4, Tübingen

* Montag, 5.11.2018: FILM "Money"

Film von Gela Babluani

Die Zeiten sind hart für Danis und Eric, zwei Freunde aus der Kindheit, die darum kämpfen, über die Runden zu kommen, indem sie an den Docks in Le Havre arbeiten. Eines Nachmittags nimmt Erics Schwester Alex unerwartet an der Übergabe eines Koffers voller Tickets teil und beschließt, dem Mann zu folgen, der das Geld zurückerhalten hat. Alex überzeugt Eric und Danis, dass dieser Geldfluss ihr Leben verändern könnte. Die drei Freunde beschließen, das Haus auszurauben. Als sie ankamen, entdeckten sie einen Mann, der sich erhängen wollte, Mercier, dessen Identität und Bedeutung sie nicht kannten. Ein Katz- und Mausspiel mit einem unerbittlichen Szenario erwartet sie und verwandelt ihre Nacht in eine Hölle.

MONEY ist ein Genrefilm, etwas altmodisch, mit den wahren Codes der Detektivfiktion, ohne Kompromisse. Eine Geschichte, die dazu bestimmt ist, am Rande des Rasierers zu stehen. Eine Menschheitsgeschichte, die unter keinen Umständen betrügt. Es ist eine Geschichte, in der der Sinn für Moral gerade in den unmoralischen Handlungen der Protagonisten zu finden ist.

Production companies: Electrick Films, Les Films de la Strada, Jerico

Cast: Vincent Rottiers, George Babluani, Louis-Do de Lencquesaing, Charlotte van Bervesseles, Benoit Magimel, Anouk Grinberg, Feodor Atkine, Olivier Rabourdin

Director-screenwriter: Gela Babluani. Producers: Gela Babluani, Hubert Caillard, Dominique BoutonnatDirector of photography: Tariel Meliava

Filmtage Tübingen Christopher Buchholz

20 Uhr, Arsenal Kino, Hintere Grabenstraße, Tübingen

Tuesday, September 18, 2018

LITERATURE: Aka Morchiladze & Nino Haratischwili about #Georgia - Made by Characters



72 Georgian Characters are presented by Georgian National Book Center in a special video within the project Georgia Guest of Honour at the Frankfurter Buchmesse 2018.

Aka Morchiladze and Nino Haratischwili, the key speakers of the project are talking about 15 century old history of Georgian literature and multinatural Culture

georgia-characters.com
facebook.com/GeorgienEhrengastFrankfurterBuchmesse2018
Georgia – Made by Characters - Frankfurt Book Fair [pdf]
zeitblatt.com/georgia-made-by-characters-der-ehrengast-der-frankfurter-buchmesse-2018
Georgia Made by Characters [flickr.com]
twitter.com/geo_characters

Thursday, August 09, 2018

LITERATUR: Ruska Jorjoliani: Du bist in einer Luft mit mir


[rotpunktverlag.ch] »Mit sieben war sie ein Flüchtlingskind in Tiflis. Mit 30 ist sie eine italienische Schriftstellerin, die ein nicht nur in literarischer Hinsicht überraschendes Buch vorlegt.«

La Stampa


Zwei Freunde, die russische Revolution, Verrat und der "graue Niedergang der großen Ideale" - das alles, dabei zwischen Zarenzeit, Revolution und den 50ern hin- und herspringend und mit einer ordentliche Prise Ironie gewürzt - verarbeitet die georgische Autorin Ruska Jorjoliani in ihrem Debütroman "Du bist in einer Luft mit mir". Lesen Sie hier einen Auszug.

Ruska Jorjoliani: Du bist in einer Luft mit mir
Roman
Aus dem Italienischen von Barbara Sauser
Rotpunktverlag, Zürich 2018. 216 Seiten, gebunden, 22 Euro
Erscheint am 23. Juli 2018

Mehr Informationen beim Rotpunktverlag

Klappentext: Dimitri und Viktor wachsen in Miroslaw auf, wo Pferdemistinseln die schlammige Hauptstraße zieren. Das kyrillische Abc lernen sie beim alten Diakon, Dimitri hat gern Metaphern, während Viktor Linien in sein Notizbuch kritzelt. Nach ihrer Studienzeit in Moskau hocken sie, nun Lehrer und Ingenieur und beide Nachwuchs erwartend, im Abstellraum des Schulhauses und gönnen sich täglich eine Partie Schach. Nur über die Revolution sind sie geteilter Meinung, und als Dimitri eines Tages das Leninporträt in hohem Bogen aus dem Fenster des Klassenzimmers wirft, wird sein Freund gegen ihn aussagen.

Dieses Verhängnis können die Kinder, Kirill und Sascha, die später wie Brüder sind und reden und sich kleiden wie ihr Lieblingsdichter Puschkin, nur erahnen. Aber einem von ihnen, schließlich in die Jahre gekommen und "Buchstabenhüter" an der Solschenizyn-Bibliothek, verdanken wir die Geschichte: Er erschafft mit dieser ironischen doppelten Familiensaga, die spielerisch zwischen der Zarenzeit, der russischen Revolution und dem "grauen Niedergang der großen Ideale" hin- und herspringt, ein neues literarisches Genre - und kann so doch noch die Hoffnung auf einen Dichter aus Miroslaw erfüllen.

Zur Autorin: Ruska Jorjoliani wurde 1985 in Mestia, Georgien, im Großen Kaukasus geboren. Anfang der Neunzigerjahre flüchtete die Familie vor ethnischen Säuberungen nach Tiflis, wo Ruska Jorjoliani, ausgehend von regelmäßigen Aufenthalten bei einer Gastfamilie in Palermo, später das italienische Gymnasium besuchte. Seit 2007 lebt sie fest in Palermo und hat dort ein Philosophiestudium abgeschlossen. Als sie mit italienisch verfassten Gedichten einen Literaturwettbewerb gewinnt, entscheidet sie sich, ihren ersten Roman, "Du bist in einer Luft mit mir" (2016), auf Italienisch zu schreiben - mit einem Gedichtanfang von Boris Pasternak als Titel.


Mehr:
twitter.com/ruskajorjoliani
facebook.com/ruska.jorjoliani

Monday, February 26, 2018

LITERATUR: Georgische Märchen - Ein schöner Beitrag von Katrin Tevdorashvili (georgia-insight.eu)

(georgia-insight.eu) Georgien ist das Land der Märchen und Legenden, die Georgier selbst ein Volk, das für seine Erzählfreudigkeit berühmt ist. Noch heute ist es selbstverständlich, dass Großeltern ihren Enkeln Märchen erzählen, bekannte und selbst erfundene.

Märchen als Spiegel der Geschichte

Die überlieferten Märchen der Georgier sind ein Spiegel ihrer Geschichte; sie vermitteln ein Bild der Lebensumstände, der Vorstellungswelt und der Gesellschaftsstruktur. Einige feste Muster in den mündlichen Überlieferungen wurden zu markanten Kennzeichen der georgischen Märchen und unterscheiden sie von denen anderer Völker.

Die Georgischen Märchen sind in ihrer Mischung aus sehr realistischen Beschreibungen und Zauberhaftem nicht nur Zeugnisse der Phantasie, sondern auch der Sehnsucht nach einem glücklichen Leben und ihres Strebens nach Gerechtigkeit.

Folgende Einführung in das Thema Märchen aus Georgien wurde mit leichten Änderungen der Einleitung einer Märchensammlung (erschienen 1980) von Heinz Fähnrich und Heinz Mode entnommen.


Meeresungeheuer, Fresko in der Swetizchoweli Kathedrale. Foto von Katrin Tevdorashvili
Märchen als Spiegel der inneren Geisteshaltung

Die georgischen Märchen legen nicht nur Zeugnis für die reiche Phantasie und Erzählfreudigkeit des Volke; ab, um in diesem Sinne persönlichen Wünschen der Menschen Ausdruck zu verleihen, sondern sie entsprechen vor allem auch gesellschaftlichen Interessen. Klassenunterschiede und soziale Kämpfe finden in ihnen recht klaren Ausdruck, und die Auflehnung gegen die Ungerechtigkeit der Herrschenden und die Unterdrückung durch die Mächtigen ist in vielen Märchen Hauptteil der Handlung.

Märchen, die so klar gesellschaftliche Anliegen zum Ausdruck bringen, sind meist spät entstanden.


Quelle: Georgische Märchen, Heinz Fähnrich, Insel Verlag 1980

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Ein weiterer Beitrag von Teona Gogichaishvili zu den georgischen Märchen - "Mit magischen Elementen zum Kulturaustausch" im Deutschlandfunk (@DLF)

Friday, February 09, 2018

REZENSION: Grigol Robakidse: "Magische Quellen". Das Stammesbewusstsein gurgelte. Von Christoph Schröder via @DLF

(deutschlandfunk.de) Nach und nach beginnen deutschsprachige Verlage, Schriftsteller aus Georgien zu entdecken und zu übersetzen. Unter dem Titel "Magische Quellen" sind nun drei kurze Novellen des 1882 geborenen und 1962 gestorbenen Autors Grigol Robakidse erschienen. Robakidse gilt als Klassiker, er ist aber auch durchaus umstritten.


Podcast: deutschlandfunk.de/grigol robakidse: magische quellen


Dem Orgiastischen, Wilden und Animalischen auf der Spur: Robakidses ideologische Irrwege müsse man aus ihrer Zeit heraus betrachten, schreibt Christoph Schröder (Arco Verlag / dpa/picture alliance/Thomas Schulze)
Es ist ein so kurzes wie verwirrendes Buch, mit dem man es hier zu tun hat. Verwirrend in der Ambivalenz und in der Mischung aus schönen Sätzen und erhabenen Naturbetrachtungen einerseits und in der Verwendung völkischen Vokabulars andererseits, das einem aus "Magische Quellen" entgegenschlägt. Gemeinsam mit einem Filmteam macht sich der Ich-Erzähler in der Novelle "Magische Quellen" auf in den Kaukasus, um dort dem legendären Bergvolk der Chewsuren zu begegnen und eine Dokumentation zu drehen. Und gleich zu Beginn der Reise wird deutlich, welche Perspektive der Erzähler auf die Landschaft wirft:

"Hier ist die Erde noch in Wahrheit 'Mutter Erde', warmschößig, früchteträchtig. Bis zur Beklemmung spürt man den gewaltigen, lebendigen, urhaften Mythos. Vorweltliches umweht und umweht dich."

Grigol Robakidse ist eine Figur der georgischen Literatur, deren ideologische Irrwege aus ihrer Zeit heraus betrachtet werden müssen. 1921 war es ausgerechnet der Georgier Josef Stalin, der die Demokratische Republik Georgien besetzte und der Sowjetunion einverleibte. Die Erhaltung nationaler Identität und der Befreiungskampf gegen die sowjetische Vorherrschaft wurden zu einem prägenden Bestandteil von Robakidses Biografie. Hinzu kommt, dass Robakidse in seinen Texten ohnehin dem Orgiastischen, Wilden und Animalischen nachspürt.

Ein erzählerisches Versinken in einer archaischen Kultur

"Magische Quellen" ist eine abenteuerliche Selbsterfahrungsreise. Der Ich-Erzähler versinkt förmlich in der archaischen Kultur der Chewsuren. Mit einem von ihnen geht er eine Blutsbrüderschaft ein. Wie überhaupt das Blut ein Leitmotiv der Novelle ist, sei es in Form von Opferritualen, sei es in Gestalt des greisen Medizinmannes, der seine Heilkraft aus alten, mythischen Zeiten hinüber gerettet hat. Während eines Festmahls im Kreis der Chewsuren reflektiert der Ich-Erzähler die vermeintlich überlegene Stärke eines geschlossenen Volkskörpers:

"Der Einzelne verlor sein eigenes Gepräge. Das Stammesbewusstsein gurgelte in unterirdischen Quellen. Das Sippengedächtnis tat seine Arbeit. Vom starken Blutstrom der Rasse ergriffen, schienen diese Menschen einfache physische Glieder eines unsichtbaren Ganzen zu sein. Irgendwo in den zahllosen Schichten des Unterbewusstseins musste wohl das lebendige Bild des Stammes aufsteigen und sich selber neu erschaffen."

Häufig ist im Zusammenhang mit Grigol Robakidse zu lesen, es sei bedauerlich, dass die Qualität seiner Texte immer wieder hinter seiner Biografie verschwinde. Doch vielleicht ist beides auch nicht voneinander zu trennen. Denn ja: "Magische Quellen" und auch die beiden anderen kurzen Novellen, die der Band enthält, bestechen auch in der Übersetzung durch große Suggestivität, intensive atmosphärische Schilderungen und ein ausgeprägtes Stilbewusstsein. Andererseits gilt es festzuhalten, dass Robakidses Anfälligkeit für Pathos und ekstatische Rauschzustände ihn geradewegs in die Faszination für begnadete Rhetoriker wie Mussolini und Hitler hinein trieb.

Exil und Freundschaft mit Intellektuellen

1931 ging Robakidse ins Exil nach Deutschland, schloss Freundschaft mit Intellektuellen wie dem Soziologen Werner Sombart und lernte die deutsche Sprache. Als georgischer Widerstandskämpfer schloss er sich einer Organisation an, die mit der Wehrmacht kooperierte. Nach Kriegsende musste Robakidse Deutschland wegen seiner Zusammenarbeit mit dem NS-Regime verlassen und ging in die Schweiz. Vor diesem Hintergrund ist die rein literarische Beurteilung der zu Beginn der 1930er-Jahre entstandenen kaukasischen Novellen eine komplexe Angelegenheit.

"Magische Quellen" ist kein Dokument eines hitzigen und spontan ausgebrochenen Nationalismus. Vielmehr sucht Robakidse den Anschluss an die tieferen, mythischen Zeiten in allen Lebensbereichen. Als sein Ich-Erzähler sich in die Cousine seines chewsurischen Blutsbruders verliebt und die beiden die erste Nacht verbringen, macht Robakidse daraus umgehend weit mehr als nur die Darstellung einer körperlichen Annäherung:

"Ich empfand sie als etwas Urzeitliches, als Eva, fast der Individualität bar. Wir lagen Brust an Brust, berührten uns. Sie wich zurück, aber sie löste ihre Lippen nicht von den meinen. Ihre Brüste erschienen mir wie Flusskiesel, von der Sonne durchglüht. Sie selber war hart und fest wie Felsenstein. Und aus dem Felsenstein sprang ein Quell: ihr Mund, von dem ich tierhaft gierig trank."

Man mag davon hin und wieder peinlich berührt sein, von diesem aufgeladenen Sound, der sich gegen alle Selbstverständlichkeiten der Moderne positioniert. Hoch interessant allerdings ist auf der anderen Seite, dass Robakidses "Magische Quellen" die zivilisatorischen Koordinaten genau kennen und sie archaisch überschreiben. Als Haltung gegenüber der Welt entwickelt dieses literarische Prinzip eine nicht unbedeutende Sogkraft. Man muss nur eben mitdenken, dass der Versuch der vollständigen ästhetischen Entgrenzung selbst immer auch totalitäre Züge in sich trägt.

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Monday, January 15, 2018

LITERATUR: "Einsame Schwestern". Von Ekaterine Togonidze - mit Leseprobe (septime-verlag.at) via @SeptimeVerlag

(septime-verlag.at) Roman - Aus dem Georgischen von Nino Osepashvili & Eva Profousová

Die siamesischen Zwillinge Lina und Diana sterben unter mysteri­ösen Umständen. Erst danach erfährt ihr Vater Rostom von deren Existenz, und dann, Seite für Seite, über das Leben seiner Töchter und deren unterschiedliche Persönlichkeiten in ihren ergreifenden Tagebucheinträgen.

Die beiden gegensätzlichen Stimmen zeichnen ihre außergewöhnlichen Er­­fahrungen als zwei getrennte Personen auf, die sich einen Körper teilen müssen. Bis ins Teenager-Alter werden die verletzlichen Zwillinge von der Außenwelt verborgen und von der Großmutter umsorgt, die darum kämpft, die beiden in einem verarmten post­sowjetischen Georgien zu beschützen – einer Gesellschaft mit wenig Mitgefühl für Behinderte. Nachdem die Großmutter stirbt, sind Lina und Diana wehrlos und fallen jeder Art von Misshandlung zum Opfer. Sie werden sexuell und psychisch missbraucht, sie werden gezwungen, als Freaks im Zirkus zu arbeiten.

Von der Taille abwärts verbunden, bleibt den Schwestern als einziger Rück­zugsort die Welt ihrer Tagebücher: Lina, unbeschwert und glücklich, ist fähig, sich zu verlieben, schreibt Gedichte, hat eine optimistische und romantische Seele und erfreut sich an den kleinen Dingen des Lebens. Diana, angespannt und bodenständig, kann ihre Situation nicht akzeptieren.

Nur von der Großmutter unterrichtet und versteckt vor der Außenwelt, erweitern die beiden ihren Wortschatz durch Fernsehen und Blätten in Illustrierten. Die daraus entstehende einfache Sprache in den Tagebucheinträgen unterstreicht das Bild der Isolation der Zwillinge und macht diesen einzigartigen Roman authentisch.

»Sie erinnert uns daran, dass Toleranz wichtig ist, der Lebensstil anders ist und die vielfältige menschliche Natur der Reichtum der Menschheit ist.«
THE AUTHORS’ READING MONTH LITERARY FESTIVAL, CZ

Gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen
180 Seiten
Preis: 20,00 € (D, A)
ISBN: 978-3-902711-74-8
Auch als E-Book


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Ekaterine Togonidze

wurde 1981 geboren. 2011 erschien ihre erste literarische Veröffentlichung. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrmals ausgezeichnet, zuletzt erhielt sie 2012 den renommierten Saba-Preis. Ekaterine Togonidze war 2013 offizieller Gast der Leipziger Buchmesse, im gleichen Jahr war sie auch Stipendiatin des Literarischen Colloquiums Berlin.

Ekaterine Togonidze prägt seit über fünf Jahren Georgiens Literaturlandschaft. Mit ihrem ersten Roman Einsame Schwestern war sie die erste Schriftstellerin, die das Thema »Körperliche Behinderung« in Georgien literarisch verarbeitete und zur Diskussion brachte.

Sunday, September 10, 2017

ROMAN: Das Spiel des Todesengels. Georgien unter Stalin. Von Awtandil Kwaskhwadse (reichert-verlag.de)


(reichert-verlag.de) Klappentext: "Eine bittere Geschichte behandelt dieser wohl erste dokumentarische Roman eines Georgiers über den Stalinismus in Georgien und der Sowjetunion. Der Verfasser ist ein Kind dieser Zeit, er hat sie als Augenzeuge erlebt und durchlitten. Eigene Anschauung und eigener Schmerz bewegen ihn bei der Wiedergabe einer Fülle von Fakten, die dem deutschen Leser bisher wenig bekannt sein dürften: Die Invasion der russischen Streitkräfte in die Demokratische Republik Georgien 1921, die faktische Okkupation Georgiens durch Sowjetrussland, die Emigration der georgischen Regierung, die Abwehr der türkisch-islamischen Aggression im Raum Batumi durch gemeinsames Vorgehen von georgischen Regierungstruppen und Bolschewiki; die Machtübernahme durch die Bolschewiki und die Ausrufung der Sowjetmacht in Georgien, die Entwicklung der Widerstandsbewegung gegen die russische Okkupation und die Sowjetordnung, das Erstarken des politischen Widerstands vor allem in Gurien, das Wüten der Tscheka; Verhaftungen und Massenexekutionen, um den Widerstand des georgischen Volkes zu brechen, der August-Aufstand 1924 gegen die russische Besatzung und die Sowjetmacht; Berias Aufstieg, die Attentate auf Stalin an der Schwarzmeerküste und auf dem Weg zum Riza-See, die Machtkämpfe im Sowjetstaat, Berias Zusammenarbeit mit Stalin, der massenhafte Terror in der Sowjetunion, die Verhaftungen, Folterungen und Hinrichtungen in den dreißiger Jahren, Berias Intrigen, die systematische Bespitzelung, Verfolgung und Ermordung georgischer Intellektueller, die Stalinschen Todeslager, der zweite Weltkrieg aus der Sicht der Sowjetbürger, die Hoffnungen der Kaukasier auf Befreiung aus dem riesigen Völkergefängnis; das Kriegsende und Stalins Tod, Berias Entmachtung und Erschießung, die der folgende Scheinprozess zu verhehlen versuchte. Awtandil Kwaskhwadse lässt eine Zeit aufleben, in der die Furcht vor der Zukunft das Leben der Menschen bestimmte. "

Produktdetails:
2017, 568 Seiten, Maße: 21 cm, Kartoniert (TB), Deutsch, Übersetzung: Fähnrich, Heinz, Verlag: Reichert, ISBN-10: 3954902567, ISBN-13: 9783954902569


Vorwort (pdf)
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Tuesday, September 05, 2017

LITERATUR: Die georgische Lyrikerin Bela Chekurishvili (fixpoetry.com)

Bela Chekurishvili (c) Dirk Skiba
(fixpoetry.com) * 1974 Gurjaani (Georgien)

Hat georgische Sprache und Literatur an der Universität Tbilisi studiert. Sie arbeitete als Kulturjournalistin und auch als Lehrerin, zeitweise war sie auch eine begeisterte Alpinistin. Jetzt ist sie Doktorantin für Komparatistik an der Universität Tbilisi, zur Zeit studiert sie an der Universität Bonn.

Autorin von vier Gedichtbänden in Georgien, 2012 Fragen an Sisyphus bei Diogenes Tbilisi und zuletzt August 2017 Detektor der Nacktheit bei Intelekti Tbilisi. Auch erschien 2016 bei Intelekti Tbilisi ein Band mit Kurzgeschichten unter dem Titel Rheinische Aufzeichnungen auf Georgisch.

2015 wurden 4 Gedichte in der Sammlung Aus der Ferne Neue Georgische Lyrik Corvinus Presse Berlin erstmals in Deutscher Sprache herausgebracht. Der erste deutsche Lyrikband Wir, die Apfelbäume wurde 2016 bei Wunderhorn Heidelberg veröffentlicht.

Die Dichter zählen ihre Schritte nicht
Georgisches Sprichwort

Sie zählen
die Zeilen, die Wörter in den Zeilen, die Silben in den Wörtern.
Sie zählen, wo sie stehen bleiben,
still sein, atmen, wo sie klagen, wo sie stöhnen
wo sie einen Laut verdoppeln und die Mimik ändern sollten.
Sie zählen und berechnen
wie Baumeister des Altertums, wie Alchemisten, Banker, Wucherer,
wie Markthändler, Versicherungsvertreter, Schuster.
Sie werten die Gefühle aus,
die Lust, das Charisma, den Suizid, die Freunde, Nutten, Stars,
Statisten, die Tage auf der Straße und die Nächte in den Hütten.
Sie zählen und sie wiegen alles wie die Steine,
Kieselsteine, den geschnitzten Findling, Marmor, Ziegel und Granit.
Sie zählen und bemessen,
damit sie’s später passend machen,
wenn sie die Herbergen, die Burgen und die Tempel bauen,
damit man fliehen, sich verstecken oder beichten kann.
Und so passiert es dann, dass diese Tempel, Burgen und Gemächer
zur Zuflucht für die andern werden
und keiner kann sich mehr erinnern
was dafür zurechtgestutzt, poliert, geschnitzt, in Form gebracht
und abgeschliffen worden ist.

Wie’s in den Schulbüchern so steht: das alles ist jetzt ein Gedicht.

Aus: Wir, die Apfelbäume, Wunderhorn 2016 (wunderhorn.de)

Friday, February 03, 2017

LITERATUR: Wir, Die Apfelbäume. Von der georgischen Lyrikerin Bela Chekurishvili. Video: Nona Giunashvili

Aus dem Georgischen von Norbert Hummelt

Gesprochen von Theresa Dahmen

Wednesday, January 20, 2016

LITERATUR: Adolf Endler, Über Georgien erzählen (heidelberger-forum-edition.de)

Adolf Endler, ›Zwei Versuche über Georgien zu erzählen‹. Umschlag der Erstausgabe, erschienen 1976 im Mitteldeutschen Verlag Halle/Saale.
(heidelberger-forum-edition.de) Adolf Endler (1930-2009) betrachtete seinen Reisebericht 'Zwei Versuche über Georgien zu erzählen“ (erschienen 1976 im Mitteldeutschen Verlag Halle/Saale) in der Rückschau als einen Durchbruch für sein Schreiben. Der Text rekonstruiert ein literaturhistorisches Unternehmen, das offiziellen und völkerverbindenden Charakter hatte. Rainer Kirsch (geb. 1934) und A. Endler sollten eine Anthologie georgischer Poesie zusammenstellen, d.h. Texte aufgrund von Interlinearen ins Deutsche übersetzen; dazu hielten sich beide, begleitet von Elke Erb (geb. 1938), in den Sommermonaten 1969 in Georgien auf. Dank neuer Materialien aus dem Nachlass ergeben sich Einsichten in den Kontext sowohl der Lyrikanthologie wie des Reiseberichts, die in eine vom Autor schon in Grundzügen skizzierte erweiterte Neuausgabe, die in Zusammenarbeit mit Brigitte Endler entsteht, eingehen sollen.

Monday, April 13, 2015

LITERATUR: Lesung mit Irma Shiolashvili im Jacques’ Wein-Depot Bonn-Beuel (jacques.de)

(jacques.de) Literaturausschank – Lesungsreihe bei Jacques’ in Bonn-Beuel
Jacques’ Wein-Depot Bonn-Beuel
Mittwoch, 15. April 2015, Beginn: 19:30 Uhr 


Jeden dritten Mittwochabend des Monats (Ausgenommen sind die Mittwoche im Dezember und in den Sommerferien NRW) lesen unterschiedliche Autorinnen und Autorinnen aus ihren Werken im Jacques’ Wein-Depot Bonn-Beuel. Lauschen Sie den Schriftstellern beim Wein, der Ihnen von Jacques’ vorgestellt wird.

Dr. Irma Shiolashvili, Dichterin und Journalistin, Mitglied des georgischen Schriftstellerverbandes und der Europäischen Autorenvereinigung „Die Kogge“, lebt seit 1999 in Bonn, wo sie 2005 mit einer Dissertation über georgische und deutsche Nachkriegslyrik promovierte. Sie trägt ihre Gedichte in georgischer Sprache sowie in deutscher Übertragung vor.

Die Lesungen sind kostenfrei. Die jeweils vorgestellten Weine sowie Säfte werden zum Selbstkostenpreis von 1,50 € pro Glas (0,1 l) verkauft.

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(pop-verlag.com) Irma Shiolashvili, * 1974 in Georgien, schrieb schon während ihrer Schulzeit Gedichte, die in verschiedenen Sammelbänden veröffentlicht wurden. 1991-1996 studierte sie an der Universität Tbilissi Journalistik. Nebenbei arbeitete sie in der Kulturabteilung des staatlichen Fern-sehens, wo sie Fernsehsendungen über zeitgenössische georgische Schriftsteller produzierte. 1992 wurde ihr erstes Buch "Nicht-existierendes Wort" im Verlag "Merani" veröffentlicht. Durch Vermittlung der bekannten Dichterin Ana Kalandadse wurde sie im Jahre 1995 eines der jüngsten Mitglieder des georgischen Schriftstellerverbandes. Es folgten weitere Buchveröffentlichungen 1996, 2002 und 2009. 1999 ging sie nach Deutschland und studierte in Bonn für ihre Dissertation über georgische und deutsche politische Nachkriegslyrik, mit der sie 2005 am Institut für Literatur der Georgischen Akademie der Wissenschaften promovierte. Seit dieser Zeit produziert sie im Bürgerfunk "LoCom" (Bonn) zweisprachige Sendungen für das "deutsch-georgische Kulturmagazin". 2007 wurde sie in die Europäische Autorenvereinigung "Die Kogge" auf-genommen. Ihre Gedichte wurden auch ins Russische übersetzt und als Buch veröffentlicht. Irma Shiolashvili lebt mit ihrer Familie in Bonn

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Monday, December 15, 2014

ARTE: Nino Haratischwili "Das achte Leben". Von Petra Wiegers (info.arte.tv)

(info.arte.tv) Vor elf Jahren im Alter von 20 Jahren kam die georgische Schriftstellerin Nino Haratischwili nach Deutschland. Als Theaterregisseurin hat sie sich inzwischen einen Namen gemacht. Nun ist ihr drittes Buch „Das achte Leben (Für Brilka)" erschienen. Es wird als eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres gefeiert. Petra Wiegers hat die Autorin in München getroffen.

Saturday, November 29, 2014

STREITRAUM: »Denk ich an Russland ...« 14.12.2014, 12.00 Uhr, in Berlin (schaubuehne.de)

(schaubuehne.de) Mit Alice Bota, Marina Davydova, Nino Haratischwili und Katja Petrowskaja im Gespräch mit Carolin Emcke

schaubühne berlinObgleich über Russland nahezu täglich zu lesen und zu hören ist, scheint es uns immer fremder zu werden. Die politischen Debatten über die Ukraine sind gegenwärtig aufgeladen mit Zorn und wechselseitigen Vorwürfen. Vielleicht hilft es da, einen Blick auf Russland aus eher ästhetischer-literarischer Perspektive zu werfen. Wie lässt sich in dieser Situation von Russland (oder der Ukraine) erzählen, wie suchen Schriftstellerinnen, Dramaturgen und Journalistinnen nach einer Form, nach einer Sprache, in der sich nach einem Zugang zur Geschichte, zu den Menschen suchen lässt? Ist es der Fiktion möglicherweise eher möglich, ein genaues Dokument der Gegenwart zu zeichnen? Hilft die Nähe der Beobachtung oder hilft Distanz? 

Schaubühne am Lehniner Platz 
Kurfürstendamm 153
10709 Berlin
Zentrale: Tel +49.30.890020

Sunday, September 07, 2014

LITERATUR: Sechs Generationen auf den Spuren der Vergangenheit. Von Esther Schneider - Über Nino Haratischwilis dritten Roman «Das achte Leben (Für Brilka)» (srf.ch)

(srf.ch) Opulenter Familienroman, Märchen und Geschichtslektion: Mit ihrem dritten Roman «Das achte Leben (Für Brilka)» schaut Nino Haratischwili in die Vergangenheit ihres Heimatlandes Georgien. Sie erzählt am Beispiel einer Familie, wie Krieg und Diktatur das Leben von sechs Generationen prägt.




Für die Autorin Nino Haratischwili ist das umfangreiche Familienepos «Das achte Leben (Für Brilka)» eine persönliche Auseinandersetzung mit ihrem Heimatland Georgien. Nino Haratischwili ist in einer Zeit aufgewachsen, die für Georgien schwierig war. Geboren Anfang der 80er-Jahre erlebte sie ein Land, das sich von der ehemaligen Sowjetunion löste und den Weg in die Unabhängigkeit suchte.

Die Ablösung von Russland brachte viel Leid über eine Bevölkerung, die schon traumatisiert war von den Revolutionswirren, den beiden Weltkriegen und dem Terror unter Stalin. Fast jede Familie in Georgien, so die Autorin, habe im Laufe des 20. Jahrhunderts Leid und Gewalt erfahren. Das laste noch heute auf den Menschen.

Die Suche nach Antworten

Dieses Erbe beschäftigt Nino Haratischwili seit Jahren, und sie ärgert sich darüber, dass die führenden Politiker des Landes sich nicht mit der Geschichte auseinandersetzen wollten. Sie glaubt, dass ein Land nur dann die Gegenwart anpacken kann, wenn es seine Vergangenheit aufgearbeitet hat.

Nino Haratischwili tut das nun auf ihre Art mit dem 1300 Seiten starken Roman «Das achte Leben (Für Brilka)». Ein Roman, für den sie lange in den Archiven Russlands recherchiert hat und der vieles zugleich ist: ein opulenter Familien- und Gesellschaftsroman, ein Panorama des 20. Jahrhunderts und eine Landesgeschichte von Georgien.

Der Teppich als Bild für die Familiengeschichte

«Du bist ein Faden, ich bin ein Faden, zusammen ergeben wir eine kleine Verzierung, mit vielen anderen Fäden zusammen ergeben wir ein Muster.» Das Teppichmuster als Metapher für die Verstrickungen, die sich aus der Geschichte ergeben.

Dieses Bild steht am Anfang des Romans. Da stellt uns die Erzählerin Niza ihre Urgrossmutter Stasia und ihre Nichte Brilka vor. Brilka ist der jüngste Spross der Familie, gerade mal zwölfJahre alt. Brilka haut aus Georgien ab in den Westen. Sie hat genug von der Vergangenheit, die auf der Familie lastet und über die niemand redet.

Die Urgrossmutter Stasia dagegen ist sozusagen die Hüterin der Familiengeschichte. Und diese Geschichte gibt sie weiter an ihre Urenkelin Niza. Niza, die auch unter dem Familienerbe leidet, schreibt die Geschichten auf. Sie will zum einen den Geheimnissen auf den Grund gehen und das Leid, das die Familie seit Jahrzehnten heimgesucht hat, benennen. Zum anderen will sie, dass ihre Nichte Brilka diese Last nicht mehr weiterschleppen muss.

Stürmische Zeiten

Nach diesem Prolog rollt die Autorin nun die Familiengeschichte auf. Sie macht das dramaturgisch geschickt: Sie widmet acht Familienmitgliedern je ein Buch im Buch. Sie beginnt im Jahr 1900 mit Stasias Geburt. Damals war die Welt noch im Lot. Stasia wird in die Familie eines wohlhabenden Schokoladefabrikanten hineingeboren. Sie wächst wohlbehütet auf und heiratet den Oberstleutnant Jaschi. Doch dann beginnt der Erste Weltkrieg, gefolgt von der russischen Revolution. Die Familie wird auseinandergerissen.

Dieses Schicksal widerfährt später auch ihren Kindern, vor allem während des Zweiten Weltkrieges und der Zeit der Stalindiktatur. Stasias Sohn macht Karriere in der kommunistischen Partei und lebt weit weg von Georgien und seiner Familie in Moskau. Die Tochter, liiert mit einem Dissidenten, flieht in den Westen. Das tragischste Schicksal aber trifft Stasias schöne Schwester. Ein berüchtigter Geheimdienstchef missbraucht sie und macht sie gewaltsam zu seiner Geliebten und bringt dadurch Unglück über die Familie.

Der Fluch der Schokolade

Überhaupt wird die Familie immer wieder von Unglück heimgesucht. Es ist, als würde ein Fluch auf ihr Lasten. Nino Haratischwili setzt in diesem Zusammenhang ein dramaturgisches Mittel ein. Der Fluch wird ausgelöst durch ein Geheimrezept der Familie für heisse Schokolade. Diese Schokolade zieht sich als Leitmotiv durch den ganzen Roman. Nino Haratischwili wollte dem Roman, der über weite Teile politisch ist, dadurch eine märchenhafte Note geben.

Auch wenn der Roman an gewissen Stellen etwas zu pathetisch geraten ist und da und dort Kürzungen vertragen hätte, ist Nino Haratischwili eine grossartige Erzählerin. Der Roman ist eine wunderbare Lektüre für alle, die Familiengeschichten lieben und einen Blick auf ein Land werfen möchten, das lange hinter dem Eisernen Vorhang verborgen war.

Sendung: «Das achte Leben (Für Brilka)» von Nino Haratischwili

Acht Frauen, acht Schicksale: Nino Haratischwili erzählt die Geschichte einer georgischen Familie über sechs Generationen. 

Um 1900 ist die Welt für die Familie eines georgischen Schokoladefabrikanten noch in Ordnung. Kinder kommen zur Welt, man lebt im Wohlstand und träumt von einer goldenen Zukunft. Doch dann wird Georgien von Kriegen und Revolutionen heimgesucht. Ein Fluch legt sich über die Familie und bringt den Nachkommen der nächsten Generationen Trennung und Leid.

Die junge Autorin Nino Haratschwili legt mit ihrem Roman «Das achte Leben (Für Brilka)» ein opulentes Epos über eine Familie vor, die in stürmischen Zeiten zu überleben versucht. Ein Gesellschaftsroman, der einen Blick hinter den eisernen Vorhang gewährt, auf das Leben in dem Land südlich des Kaukasus. Die Autorin Nino Haratischwili ist mit ihrem Roman Gast in «52 Beste Bücher».
Buchhinweis:

Nino Haratischwili: «Das achte Leben (Für Brilka).» Frankfurter Verlagsanstalt, 2014.