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Friday, July 10, 2020

VIDEO: Susanne Kihm und Nika Lomtadze über "Das erste Gewand" von Guram Dotschanaschwili



Aus dem Georgischen von Susanne Kihm und Nikolos Lomtadse. Ein Fremder kommt in Domenicos Dorf und weckt in dem jungen Mann den Wunsch, die Welt kennenzulernen. Zuerst kommt er nach Feinstadt, ein Ort der guten Sitten; doch ist wirklich "alles in Oo-ordnung", wie der Nachtwächter ruft? Als Domenico seine große Liebe auf tragische Weise verliert, will er fort, nach Kamora. Dort regieren Willkür und Verbrechen - bis eine Gruppe Hirten aufbegehrt. Sie errichten Canudos, eine Stadt der Freiheit. Doch der Kampf gegen Kamora steht ihnen bevor. Das meistgelesene Buch in Georgien und - zur Zeit sowjetischer Herrschaft geschrieben - eine Parabel über das menschliche Dasein in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Tyrannei.

Youtube-Kanal: Goethe-Institut Georgien

Mehr dazu hier bei Perlentaucher: Guram Dotschanaschwili: Das Erste Gewand.

Saturday, June 27, 2020

VIDEO: Die Übersetzerin Natia Mikeladse-Bachsoliani über das Buch "Abzählen" von Tamta Melashvili


Die 'Hobbyübersetzerin' Natia Mikeladze mit ganz aufschlussreichen Einblicken über das "Übersetzergeschäft". Derzeit ist sie im Goethe-Zentrum in Armenien (Jerewan) beschäftigt.

Youtube-Kanal: Goethe-Institut Georgien


Tamta Melaschwili:Abzählen
Roman - Aus dem Georgischen von Natia Mikeladse-Bachsoliani
Ein aufsehenerregendes Debut: drei Tage in der Konfliktzone.


Der Aufbruch ist literarisch – und weiblich [literaturkritik]
Zur Gegenwartsliteratur georgischer Schriftstellerinnen
Von Rosa EidelpesRSS-Newsfeed neuer Artikel von Rosa Eidelpes

Saturday, June 20, 2020

VIDEO: Sybilla Heinze über "Sinka Adamiani" von Ana Kordzaia-Samadashvili


Youtube-Kanal: Goethe-Institut Georgien

Weitere Links:

Anna Kordsaia-Samadaschwilis Roman spielt in Georgien und vermittelt einen Eindruck davon, wie das Leben in der Hauptstadt Tiflis Ende des vergangenen Jahrhunderts aussah und wie deren Bewohner so ticken. Von Lisa-Maria Röhling [radiobremen.de] 

* Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2020Rezensentin Nicole Henneberg lässt sich gern verzaubern von Anna Kordsaia-Samadaschwilis Schelmenroman um ein wie aus dem Nichts in einem Haus in Tiflis auftauchenden Mädchen, das von seinen Bewohnern unter die Fittiche genommen wird. Die eigentliche Heldin der Geschichte aber ist die Stadt selbst, erkennt Henneberg, Tiflis mit seiner Geschichte und Geschichten, Geheimnissen, Gaunern, Aufschneidern und eleganten Frauen. Die anekdotenreiche, traurige, melancholische, immer liebevolle Erzählung zwischen Ernst und Spott hat es Henneberg sichtlich angetan. [perlentaucher.de]

* Sinka Mensch. Ein Akkordeon rettet die Welt in einem Tiblissier Innenhof [neues-deutschland.de]

Tuesday, March 03, 2020

BUCH: Memphis. Roman von Teona Dolenjashvili im Klakverlag

[klakverlag.de] Die georgische Autorin Teona Dolenjashvili erzählt in ihrem Debüt von einem Leben zwischen Heimat und Fremde, das einen unerwarteten Sinn erhält. Ausgezeichnet mit dem Preis Saba für den besten Roman des Jahres.

lieferbar ab 12. März 2020, Klappenbroschur, 204 S.
ISBN 978-3-948156-36-7
Klakverlag
Aus dem Georgischen von Katja Wolters 

Ana, aufgewachsen im Georgien der turbulenten neunziger Jahre, flieht vor den Schwierigkeiten ihres Landes und ihrer Einsamkeit. In der Schweiz heiratet sie den wohlhabenden Mark, der sie zu einer erfolgreichen, aber unglücklichen Künstlerin macht. Ihr gemeinsames Kind braucht ein Spenderherz, um überleben zu können. Auf der Suche kehrt sie in ihr Heimatland zurück, und gerät in die Fänge einer kriminellen Organisation, die mit Organen obdachloser Kinder handelt. 

Mit der wichtigsten Entscheidung ihres Lebens konfrontiert, lüftet sich gleichzeitig das Geheimnis ihrer in der Kindheit spurlos verschwundenen Mutter…

"Wie man sieht, muss ich noch vieles erleben, um zu begreifen, dass die Welt nicht zwischen Ländern und Kontinenten aufgeteilt ist, sondern zwischen Himmel und Erde. Zwischen dem Himmel, der abstrakt und unerreichbar ist, und der Erde, die auf den ersten Blick fest zu sein scheint, dich aber stets mit der Angst erfüllt, den Boden unter den Füßen verlieren." 

Die georgische Autorin Teona Dolenjashvili erzählt in ihrem Debüt von einem Leben zwischen Heimat und Fremde, das einen unerwarteten Sinn erhält. Ausgezeichnet mit dem Preis Saba für den besten Roman des Jahres.



Teona Dolenjashvili wurde 1977 geboren und arbeitete mehrere Jahre beim Georgischen Fernsehen als Regisseurin und Autorin. 2004 veröffentlichte sie ihre ersten Werke. Ihr erstes Buch, eine Kurzgeschichtensammlung, wurde 2005 veröffentlicht und mit dem SABA-Preis für das beste Debüt ausgezeichnet. Ihr erster Roman, Memphis, wurde 2009 veröffentlicht und ebenfalls mit dem SABA-Preis ausgezeichnet für den besten Roman. 2010 gewann sie den Preis des "Georgian National Movie Center" für das beste Drehbuch und wurde für den Prix Europe in der Kategorie bestes Hörspiel / Fiktion nominiert. Sie ist auch die Autorin des Films "The Real Beings" (Bakur Sulakauri, 2014); "Flucht" (SABA, 2013); und "Tierplanet" (Palitra L, 2011). Ihre Kurzgeschichten wurden ins Deutsche, Englische, Italienische, Spanische, Russische, Ukrainische, Litauische, Slowakische und Aserbaidschanische übersetzt und in verschiedenen Sammlungen veröffentlicht. Sie schreibt Kolumnen über Literatur für die Zeitschrift Focus und die Zeitung Twenty-Four Hours.

Meskhi vs. Meskhi. Fiction by Teona Dolenjashvili. Translated from Georgian by Philip Price [wordswithoutborders]

Wednesday, December 18, 2019

VIDEO: Der Berliner Mauerfall im internationalen Kontext und Georgien / Konrad Adenauer Foundation South Caucasus

30 Jahre nach dem Mauerfall hat sich das geopolitische Umfeld in Europa verändert. Wie wurde die deutsche Wiedervereinigung im internationalen Kontext reflektiert? Ist die Einheit heute tatsächlich überall angekommen? Was trennt und was verbindet die Menschen in Ost und West 30 Jahre nach dem Mauerfall? Können die deutschen Erfahrungen bei der Wiedervereinigung Vorbild für Georgien sein?

An der Diskussion nehmen teil:
- Lasha Bughadze, Schriftsteller
- Dr. Lasha Bakradze, Historiker
- Dr. Maia Panjikidze, Diplomatin
- Stefan Tolz, Filmregisseur 

Zu Gast: 
- Hubert Knirsch, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Georgien
- Medea Metreveli

Die Moderation erfolgt durch Dr. Thomas Schrapel, Leiter der Konrad Adenauer Stiftung Südkaukaus

Georgian Literature Initiative (GLI)
Konrad-Adenauer-Stiftung South Caucasus 

Saturday, December 14, 2019

VIDEO: "Stranger" Givi Margvelashvili. By Ketevan Sadgobelashvili [in georgian]

First Channel and Studio Epoch present you Victims of two dictatorships - Nazism and Communism. A double immigrant who lives in books and changes characters' destinies.

German-speaking Georgian writer and philosopher Givi Margvelashvili - in the film "Alien" by Ketevan Sadgobelashvili.

Friday, May 17, 2019

VIDEO: "Zinka Man" - Ana Kordzaia-Samadashvili tells us about his new novel




THE MOVEMENT TV is a digital storytelling media platform founded in 2017 in Tbilisi, Georgia on the basis of The Movement Theatre - the first independent theatre in Georgia, whose main direction is storytelling.

Our TV tells stories about people using cinematographic storytelling means and unconventional movement of a camera. We strive to uncover social-cultural topics beyond certain boundaries using contemporary media-technologies.

The goal of THE MOVEMENT TV team is to assist people to find their own way of storytelling. We talk to dozens of people on a daily basis and tell our audience the best stories we come across.

We believe that each person has the story that might be interesting for others to be shared with.

THE MOVEMENT TV works for its audience, while The Movement Production Studio serves both small and large companies by means of an innovative way of communication called storytelling.

No doubt the future of the media is digital and THE MOVEMENT TV is the first media company in Georgia to have made the first steps in this direction.

Wednesday, December 12, 2018

PUBLIC LECTURE: Heinrich Boell Foundation South Caucasus regional office presents: Florian Mühlfried's "Moments of mistrust in South Caucasus". via @Boell_SC



On December 7, 2018, Heinrich Boell Foundation's South Caucasus organized a public lecture with social anthropologist Florian Muehlfried.

Moments of mistrust in South Caucasus is his article, published at Heinrich Boell Foundation's website. You can read the article here: Moments of Mistrust in the South Caucasus [ge.boell.org]

Facebook: facebook.com/hbf.caucasus

Twitter: twitter.com/Boell_SC

Website: ge.boell.org

Monday, September 24, 2018

#PODCAST: Die Schriftstellerin Ana Kordsaia-Samadashvili - In ihren Romanen spiegelt sich das alte Tiflis. Von Mirko Schwanitz @dlfkultur

Ana Kordzaia-Samadaschwili (Foto: Ralph Hälbig)
[deutschlandfunkkultur.de] Georgien ist Gastland der Frankfurter Buchmesse. Eine der prominentesten aktuellen literarischen Stimmen des Landes ist die Schriftstellerin Ana Kordsaia-Samadashvili. Sie hat mit einem Roman das Land ziemlich durcheinandergewirbelt.

Ein Morgen in der Tifliser Barnowstraße. Die Autorin, Übersetzerin und Kulturjournalistin Ana Kordsaia-Samadischvili wohnt Tiefparterre. Die Fenster gehen hinaus auf's leicht ansteigende staubige Trottoir. Drinnen im Halbdunkel ein Tisch, ein Bett, an der Wand ein Selbstporträt und Bilder aus Swanetien, einer Bergregion im Kaukasus.

"Mein Großvater war der letzte Priester von Swanetien in der sowjetischen Zeit. Und als Priester in der Sowjetunion war man das Letzte. Und wirklich alle Repressionen, die es in Georgien gab, liefen über den Kopf der armen Samadaschwilis."

Viele deutsche Worte in der alten Kommunalka der Familie

Ana Kordsaia-Samadishvili ist überzeugt, dass ihre Liebe zur Literatur aus der Familie dieses Großvaters stammt. Ihr Urgroßvater hatte die erste Grammatik für die Sprache des Bergvolks der Swanen verfasst, sein Sohn das erste Wörterbuch. In Ana Kordsaias Regalen befinden sich die Reste der Bibliothek des Großvaters, die die Familie über alle Wirren der Zeit retten konnte.

"In den Dreißigern hat man meinen Großvater öfter verschleppt. Und meine Großmutter hat ihr ganzes Leben niemandem erzählt, wessen Tochter sie war. Sie ist als Waisenkind aufgewachsen. Also: die Mutter erschossen, der Vater zweimal verhaftet. Also man erträgt manche Sachen nicht mehr. Na, wie soll ich sagen, so war das Jahrhundert, das 20. Jahrhundert."

Ana Kordsaia-Samadishvili wurde 1968 geboren. Sie wuchs in einem Tiflis auf, das es heute so nicht mehr gibt. In ihrer Kindheit wurde in der Familie swanisch, auf dem Hof hinter ihrem Haus kurdisch, armenisch, georgisch und russisch gesprochen.

Kommunalka nannte man die Wohnungen, in denen mehrere Familien lebten und sich Bad und Küche teilten. Dort hörte und erlernte sie auch ihre ersten deutschen Worte.

"Ja, das war eine klassische Kommunalka. Nur in meiner Wohnung - wir waren tausende dort, wie mein Vater sagte 'Legionen'. Sehr viele waren dort. Wir hatten dort einen Herrn Kuppel, einen Deutschen, der mir immer sehr streng sagte, 'Nicht georgisch! Nur deutsch!', sagte er. Seltsames Deutsch sprach der Mann. Es war sehr lustig."


Erst die Unabhängigkeit, aber dann der Nationalismus

Heute, mehr als 35 Jahre später ist das alles Geschichte.

"Dann passierte das, wovon eigentlich alle träumten: Alle träumten davon, dass Georgien unabhängig wird. Das Wort Nationalismus ist wahrscheinlich das Schlimmste, was die Menschheit sich ausgedacht hat. Und meine besten und liebsten Einwohner der Stadt Tiflis waren erschrocken und gingen weg, die Deutschen, die Griechen, die Kurden usw. usf. Für mich ist diese Stadt, die man auch heute so sehr multikulturell nennt, absolut monoethnisch geworden und uninteressant."

Vielleicht spiegelt sich deshalb in ihren Romanen und Erzählungen stets auch das alte Tiflis. Aber nur als Hintergrund und Spiegelbild ihrer Frauenfiguren, die allesamt aufbegehren gegen das in Georgien noch immer weit verbreitete Patriarchat. Auch deshalb gibt es Leute in der Stadt, die Ana Kordsaia für verrückt halten: Mein Gott, eine georgische Frau! Die schminkt sich, macht sich fein, wenn Besuch kommt. Aber sie!? Schert sich nicht um Konventionen. Empfängt im Morgenmantel, übersetzt Elfriede Jelinek, kritisiert ihr Land und geht noch immer gern in die von nackten Frauen bevölkerten alten Tifliser Bäder.

"Also es ist schon eine Schande, wissen Sie, in jedem Roman oder jeder Erzählung eine Frau aus dem Bad zu haben. Ich gehe dorthin, seitdem ich 16 geworden bin. Es gibt zwei konkrete Tabus: Ein Tabu ist die Sexualität und das andere Tabu ist komischerweise im 21. Jahrhundert das Christentum."

Ein Sturm der Entrüstung in der orthodoxen Männerwelt

Ana Kordsaias erster Roman "Ich, Margarita" gilt heute als Meilenstein in der georgischen Gegenwartsliteratur. Zum ersten Mal schrieb da eine in provozierender Schnoddrigkeit über weibliche Bedürfnisse. Und rief in Georgiens patriarchaler und orthodoxer Männerwelt einen Sturm der Entrüstung hervor. Bis heute ist Nichts vor dem derben und dennoch feinen Spott dieser Autorin sicher...

"Warum schreibt eine Frau? Warum muss eine Frau Schriftstellerin werden? Ja, warum? Ist sie hässlich, oder was? Hat sie keinen Mann? Ja, soll sie mit jemanden ficken! Was macht sie da überhaupt?"

Nun - sie schreibt, übersetzt auch Franz Kafka oder Cornelia Funke ins Georgische und unterrichtet an der Staatlichen Ilia-Universität eine neue erfolgreiche Generation von Autorinnen. Vielen ihrer einstigen Studentinnen wird sie in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse wiederbegegnen.

Ana Kordsaja Samadisvili: "Ich, Margarita"
Ins Deutsche übersetzt von Sybilla Heinze
Hans Schiler-Verlag, Berlin 2013
204 Seiten, 18,80 Euro

Ana Kordsaja Samadisvili: "Wer hat die Tschaika getötet"
Ins Deutsche übersetzt von Sybilla Heinze
Hans Schiler-Verlag, Berlin 2016
170 Seiten, 16,80 Euro


Mehr zum Thema
Eine Lange Nacht über Georgien - Das verunsicherte Paradies
(Deutschlandfunk, Lange Nacht, 06.10.2018)
Der weite Weg nach Westen - Georgiens Geschichte am Rande Europas
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 05.09.2018)
Ehrengast der Frankfurter Buchmesse - Georgische Literatur im Widerstand
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 17.09.2018)
Lyrik aus Georgien - "Fortgegangen bin ich ohne Rückfahrkarte"
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 31.08.2018)

Thursday, August 09, 2018

LITERATUR: Ruska Jorjoliani: Du bist in einer Luft mit mir


[rotpunktverlag.ch] »Mit sieben war sie ein Flüchtlingskind in Tiflis. Mit 30 ist sie eine italienische Schriftstellerin, die ein nicht nur in literarischer Hinsicht überraschendes Buch vorlegt.«

La Stampa


Zwei Freunde, die russische Revolution, Verrat und der "graue Niedergang der großen Ideale" - das alles, dabei zwischen Zarenzeit, Revolution und den 50ern hin- und herspringend und mit einer ordentliche Prise Ironie gewürzt - verarbeitet die georgische Autorin Ruska Jorjoliani in ihrem Debütroman "Du bist in einer Luft mit mir". Lesen Sie hier einen Auszug.

Ruska Jorjoliani: Du bist in einer Luft mit mir
Roman
Aus dem Italienischen von Barbara Sauser
Rotpunktverlag, Zürich 2018. 216 Seiten, gebunden, 22 Euro
Erscheint am 23. Juli 2018

Mehr Informationen beim Rotpunktverlag

Klappentext: Dimitri und Viktor wachsen in Miroslaw auf, wo Pferdemistinseln die schlammige Hauptstraße zieren. Das kyrillische Abc lernen sie beim alten Diakon, Dimitri hat gern Metaphern, während Viktor Linien in sein Notizbuch kritzelt. Nach ihrer Studienzeit in Moskau hocken sie, nun Lehrer und Ingenieur und beide Nachwuchs erwartend, im Abstellraum des Schulhauses und gönnen sich täglich eine Partie Schach. Nur über die Revolution sind sie geteilter Meinung, und als Dimitri eines Tages das Leninporträt in hohem Bogen aus dem Fenster des Klassenzimmers wirft, wird sein Freund gegen ihn aussagen.

Dieses Verhängnis können die Kinder, Kirill und Sascha, die später wie Brüder sind und reden und sich kleiden wie ihr Lieblingsdichter Puschkin, nur erahnen. Aber einem von ihnen, schließlich in die Jahre gekommen und "Buchstabenhüter" an der Solschenizyn-Bibliothek, verdanken wir die Geschichte: Er erschafft mit dieser ironischen doppelten Familiensaga, die spielerisch zwischen der Zarenzeit, der russischen Revolution und dem "grauen Niedergang der großen Ideale" hin- und herspringt, ein neues literarisches Genre - und kann so doch noch die Hoffnung auf einen Dichter aus Miroslaw erfüllen.

Zur Autorin: Ruska Jorjoliani wurde 1985 in Mestia, Georgien, im Großen Kaukasus geboren. Anfang der Neunzigerjahre flüchtete die Familie vor ethnischen Säuberungen nach Tiflis, wo Ruska Jorjoliani, ausgehend von regelmäßigen Aufenthalten bei einer Gastfamilie in Palermo, später das italienische Gymnasium besuchte. Seit 2007 lebt sie fest in Palermo und hat dort ein Philosophiestudium abgeschlossen. Als sie mit italienisch verfassten Gedichten einen Literaturwettbewerb gewinnt, entscheidet sie sich, ihren ersten Roman, "Du bist in einer Luft mit mir" (2016), auf Italienisch zu schreiben - mit einem Gedichtanfang von Boris Pasternak als Titel.


Mehr:
twitter.com/ruskajorjoliani
facebook.com/ruska.jorjoliani

Sunday, July 15, 2018

INTERVIEW: Die deutsch-georgische Autorin und Theaterfrau Nino Haratischwili über die "Sowjetmentalität" in Georgien. Mit Nino Haratischwili mailte Alexandra Kedves via @tagesanzeiger

Das ganze Interview: tagesanzeiger.ch


«Das Scheitern in der Fremde interessiert mich»

Die deutsch-georgische Autorin und Theaterfrau Nino Haratischwili erzählt, wie in Georgien die russischen Touristen geschätzt und gehasst werden und die Sowjetmentalität das Volk spaltet.

Mit ihrer Tochter spricht sie Georgisch wie mit ihrer Mutter. Aber ihre Werke schreibt die Wahl-Hamburgerin Nino Haratischwili auf Deutsch. Und das schon, seit sie an der deutschen Schule in Tiflis das Theater entdeckte und Stücke fürs Schulensemble verfasste. Davor hatte sie von 1995 bis 1997 mit der Mutter in Deutschland gelebt – damals, als in ihrer Heimat alles drunter und drüber ging. Mit 14 Jahren kehrte Nino Haratischwili zurück. In Tiflis studierte sie Filmregie und wechselte 2003, im Jahr der georgischen Rosenrevolution, an die Theaterakademie in Hamburg, wo sie heute lebt. Heimat und Fremde, Emanzipationsschritte und Verzweiflungssprünge – diese Themen lassen die ­Regisseurin, Dramatikerin und Prosa­autorin nicht mehr los.

2018 erhielt Haratischwili für ihre Theaterstücke und den über 1000-seitigen Roman «Das achte Leben (Für Brilka)» den Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg. Zu Saisonende war am Pfauen ihr wilder Putzfrauenmonolog «Die Barbaren» zu sehen, in dem eine aus dem slawischen Raum eingewanderte Reinigungskraft sich über die neuen Flüchtlinge aufregt. Für die nächste Spielzeit ist eine weitere schweizerische Erstaufführung geplant. Nino Haratischwilis vierter, 750-seitiger Roman «Die Katze und der General» über den Zerfall des Sowjetreichs, die Folgekriege und die Sehnsucht nach Erlösung wird Ende August erscheinen.

Sie sind zurzeit in Georgien: Wie reagiert man da auf die russische Charme-Offensive via WM?

Der Grossteil der Georgier reagiert auf das meiste, was in der russischen Politik geschieht, negativ bis ablehnend. Dazu gehört auch die WM. Das Verhältnis zu Russland ist und bleibt schwierig, ­obwohl Georgien von russischen Touristen überschwemmt wird. Anscheinend zieht bei ihnen der Spruch: «Micheil Saa­kaschwili, der Erzfeind, ist weg, wir können da wieder Urlaub machen.» Offenbar hat Georgien für Russland nie auf­gehört, das sonnige Sehnsuchtsland schlechthin zu sein.

Wie ist es als «Sehnsuchtsland»?
Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, da ist erst mal egal, woher die Touristen sind. Aber es müssen die richtigen Akzente gesetzt, eine Vision für Georgien als Reiseland entwickelt werden. Das fehlt noch, meiner Meinung nach. Ein Beispiel: Fährt ein niederländischer Reisebus durch die georgischen Berge und trifft auf einen Bauern, der seine Waren anbietet, kaufen sie 1 bis 2 Liter Tschatscha (Grappa) und ein wenig von den Süsswaren. Aber die Russen steigen aus, kaufen 100 Liter Tschatscha und alle Süsswaren. Das ist für den Bauern zwar lukrativer, aber ich wünschte mir, dass Georgien auch in der Tourismusbranche Strukturen schafft, die ebenso viele Menschen aus dem Westen anziehen wie aus Nord und Ost.


In den Nullerjahren herrschte grosse Armut in Georgien.
 Gerade wirtschaftlich ist für mich wenig Veränderung spürbar, trotz aller Versprechungen seit der Unabhängigkeit von 1991. Der Tourismus floriert, und vor allem kulturell wurden grosse Schritte gemacht. Die junge kreative Szene pulsiert, man spürt eine Aufbruchstimmung. Das macht mich sehr glücklich, denn meine Generation war überwiegend von Stagnation geprägt. Aber wirtschaftlich gehts dem Grossteil der Bevölkerung schlecht. Die Arbeits­losigkeit ist nach wie vor hoch, und auch wer arbeitet, kommt kaum über die Runden, weil die Löhne so miserabel sind – ein zentrales Problem. Und es gibt ­immer wieder Protestaktionen, auch wegen den zahlreichen, oft tödlichen Arbeitsunfällen auf Baustellen und in Bergwerken. Ich hoffe, dass der Druck wächst und die Verantwortlichen zwingt, Menschenleben und Arbeitskräfte besser wertzuschätzen.

Lang nahmen Sie dem Land übel, dass es die Augen verschloss gegenüber der Vergangenheit. Wie geht Georgien heute damit um?
Von einer gesellschaftlichen Aufarbeitung kann kaum die Rede sein. Es ist leider noch so, dass Georgien die jüngste Vergangenheit nicht wirklich analysiert hat. Auch in der Schule fehlts am Hinterfragen. Aber es gibt zaghafte Versuche von Einzelnen und Institutionen. Vor allem Künstler nehmen sich Themen aus der jüngsten Geschichte vor.


Sie erlebten in der Kindheit Mangel und Bürgerkrieg. Prägte Sie das?
Ja, wie alle, die damals hier lebten. Aber ich war ein Kind, durch meine Familie geschützt. Man nahm vieles hin, weil man es nicht anders kannte. Und natürlich hatte man genauso Freude und Abenteuer wie Kinder aus Wohlstandsgesellschaften. Uns schützte quasi das Kindsein vor Bürgerkrieg und Wirtschaftskollaps. Für unsere Eltern war es weitaus schlimmer. Die Vorstellung, in jener Zeit für ein Kind sorgen zu müssen, finde ich aus heutiger Sicht fürchterlich. Ich vermute, die Tatsache, dass die Georgier so sehr im Heute leben, hängt stark mit damals zusammen. Man hat nie die Sicherheit, dass morgen alles noch genauso ist wie heute, und geniesst den Augenblick viel intensiver als etwa in Deutschland.


Man zählt Georgien auch zu den «defekten Demokratien» – zu Recht?
Da müsste man erst Begriffe klären. Vereinfacht gesagt: Georgien ist von einer zentraleuropäischen Demokratie noch recht weit weg. Doch das Bewusstsein geht in Richtung Zivilgesellschaft, bei den Jüngeren ist der Wille da. Politisch ist viel zu tun, schwierig gestalten sich auch Veränderungen bei den Älte­ren. Deren Mentalität ist noch sehr sowjetisch geprägt. Die Gesellschaft ist extrem gespalten, das spürt man im Alltag.


Was ist für Sie selbst heute Heimat?
Je älter ich werde und je öfter ich das gefragt werde, desto weniger weiss ich es. Die Sprache ist auf jeden Fall ein wichtiger Teil davon, aber nicht alles. Ich fühle mich im Deutschen nicht minder heimisch als im Georgischen. Wovon ich aber überzeugt bin, ist, dass Heimat etwas mit Selbstverständlichkeit zu tun hat. Man bewegt sich frei.


Sie schreiben auf Deutsch.
Georgisch ist und bleibt meine Muttersprache, ich spreche sie auch mit meiner kleinen Tochter. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sie nicht beherrscht. Diese Sprache soll auch ein Teil ihrer Identität werden.


Um Identität kreist auch Ihr Werk.
Ich bin selbst Migrantin und beschäftige mich mit Migration und Weggehen. Wobei mich beim Stück «Die zweite Frau», das bald in Zürich inszeniert wird, wie auch in «Die Barbaren» das Scheitern in der Fremde mindestens ebenso interessiert hat. Das Nie-wirklich-Ankommen. Die Träume, die am neuen Land zerschellen. Diese zerrissenen Lebensentwürfe sind unglaublich traurig. Ich finde es auch wichtig, dass Figuren zur Sprache kommen, die normalerweise in der Gesellschaft keine Stimme haben. Es ist ein wenig erschreckend, dass post­migrantisches Theater nicht automatisch als Teil der Theaterlandschaft verstanden wird.


Was kann und soll Theater heute im politischen Diskurs leisten?
Ich finde es eher störend, wenn das Theater der Aktualität hinterherrennt, die Nachrichten auf die Bühne holen will. Bestünde darin die Funktion des Theaters, gäbs keine Zuschauer für «Die Orestie» oder «Hamlet». Für mich funktioniert Theater in der Übersetzung – die mach ich, bitte schön, als Zuschauer selbst. Das Theater sollte sich für meinen Geschmack mehr auf die Menschen zurückbesinnen: die Figuren, die Zuschauer im Menschsein abholen und nicht nur einen intellektuellen Diskurs anstreben. Die Emotionalität geht im Gegenwartstheater oft flöten. Schade, dass man die Kraft der Emotionen auch im politischen Sinn unterschätzt.


Und die kommunistische Idee von Brüderlichkeit überzeugt Sie nicht?
Liest man marxistische Thesen, stimmt man oft zu. Aber für mich bleibt es eine grosse Utopie. Für einen Sozialismus im besten Sinne müsste der Mensch anders sein, als er ist. Er dürfte nicht nach Macht streben und die eigenen Interessen an erste Stelle setzen, nicht habgierig sein und nach eigenen Vorteilen suchen. So wurde die Idee des Sozialismus binnen weniger Tage nach der Machtübernahme der Bolschewiki verraten.


In «Die Barbaren» beschwert sich eine ehemalige Flüchtlingsfrau über die neuen Flüchtlinge.
Die Idee zu «Die Barbaren» bekam ich im Zug, wo vor mir eine Ausländerin sass und lautstark über Flüchtlinge schimpfte. Es war eine absurde, fast komische Situation, da die empörten Deutschen sich nicht trauten, etwas zu sagen, da sie selbst eine Ausländerin war. Sie wiederholte ständig, ihr sei nichts geschenkt worden. Irgendwie fand ich diesen Gedanken furchtbar und zugleich traurig. Als wäre sie eifersüchtig auf die Flüchtlinge, die von ihrer Wahlheimat aus ihrer Sicht besser behandelt wurden. Als hätte sie nie die ersehnte Anerkennung in Deutschland bekommen, obwohl sie glaubte, alles richtig gemacht zu haben. Später stellte ich zu meinem grossen ­Erstaunen fest, dass gerade Ausländer oft extrem viele Ressentiments gegen Flüchtlinge haben.


Sie schöpfen aus der Wirklichkeit; wieso trennen Sie beim Schreiben streng vom Privaten?
Persönlich sind alle meine Texte, sie ­gehen mich alle emotional etwas an. ­Privat – also eins zu eins aus eigenem ­Erleben – würde ich aber nie etwas aufschreiben, denn das hiesse, meine Fantasie der Realität unterordnen zu müssen. Das ist es nicht, was mich beim Schreiben interessiert. Ich möchte verschiedene Leben durchleben können, mir etwa vorstellen, wie es ist, ein 60-jähriger Mann zu sein, der an den Kommunismus glaubt.


Hat sich seit Ihrer Ankunft 2003 viel geändert in Deutschland?
Natürlich verändern sich die Dinge permanent, das ist auch gut so. Die Menschen glauben immer, in den «extremsten» Zeiten zu leben. Die Sehnsucht nach früher ist nichts anderes als die nach der eigenen Jugend, dem Punkt im Leben, wo noch alles offen schien. Aber welche Zeit war denn bitte schöner und friedlicher als heute? Ich halte nichts von der ewigen Fokussierung auf «wie schlimm alles geworden ist». Klar, die nationalistischen Tendenzen haben europaweit erschreckend zugenommen. Man muss damit umgehen, nach Dialog suchen, auch wenn man vor jemandem steht, mit dem man eigentlich niemals auch nur ein Wort wechseln will. Die Verhärtung der Fronten ist keine Lösung. Was für mich eindeutig anders ist als 2003, ist der Riss, der durch die Gesellschaft geht. Die Mitte geht verloren, die entgegengesetzten Seiten driften immer weiter auseinander.

Monday, January 15, 2018

LITERATUR: "Einsame Schwestern". Von Ekaterine Togonidze - mit Leseprobe (septime-verlag.at) via @SeptimeVerlag

(septime-verlag.at) Roman - Aus dem Georgischen von Nino Osepashvili & Eva Profousová

Die siamesischen Zwillinge Lina und Diana sterben unter mysteri­ösen Umständen. Erst danach erfährt ihr Vater Rostom von deren Existenz, und dann, Seite für Seite, über das Leben seiner Töchter und deren unterschiedliche Persönlichkeiten in ihren ergreifenden Tagebucheinträgen.

Die beiden gegensätzlichen Stimmen zeichnen ihre außergewöhnlichen Er­­fahrungen als zwei getrennte Personen auf, die sich einen Körper teilen müssen. Bis ins Teenager-Alter werden die verletzlichen Zwillinge von der Außenwelt verborgen und von der Großmutter umsorgt, die darum kämpft, die beiden in einem verarmten post­sowjetischen Georgien zu beschützen – einer Gesellschaft mit wenig Mitgefühl für Behinderte. Nachdem die Großmutter stirbt, sind Lina und Diana wehrlos und fallen jeder Art von Misshandlung zum Opfer. Sie werden sexuell und psychisch missbraucht, sie werden gezwungen, als Freaks im Zirkus zu arbeiten.

Von der Taille abwärts verbunden, bleibt den Schwestern als einziger Rück­zugsort die Welt ihrer Tagebücher: Lina, unbeschwert und glücklich, ist fähig, sich zu verlieben, schreibt Gedichte, hat eine optimistische und romantische Seele und erfreut sich an den kleinen Dingen des Lebens. Diana, angespannt und bodenständig, kann ihre Situation nicht akzeptieren.

Nur von der Großmutter unterrichtet und versteckt vor der Außenwelt, erweitern die beiden ihren Wortschatz durch Fernsehen und Blätten in Illustrierten. Die daraus entstehende einfache Sprache in den Tagebucheinträgen unterstreicht das Bild der Isolation der Zwillinge und macht diesen einzigartigen Roman authentisch.

»Sie erinnert uns daran, dass Toleranz wichtig ist, der Lebensstil anders ist und die vielfältige menschliche Natur der Reichtum der Menschheit ist.«
THE AUTHORS’ READING MONTH LITERARY FESTIVAL, CZ

Gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen
180 Seiten
Preis: 20,00 € (D, A)
ISBN: 978-3-902711-74-8
Auch als E-Book


LESEPROBE [pdf] >>


Ekaterine Togonidze

wurde 1981 geboren. 2011 erschien ihre erste literarische Veröffentlichung. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrmals ausgezeichnet, zuletzt erhielt sie 2012 den renommierten Saba-Preis. Ekaterine Togonidze war 2013 offizieller Gast der Leipziger Buchmesse, im gleichen Jahr war sie auch Stipendiatin des Literarischen Colloquiums Berlin.

Ekaterine Togonidze prägt seit über fünf Jahren Georgiens Literaturlandschaft. Mit ihrem ersten Roman Einsame Schwestern war sie die erste Schriftstellerin, die das Thema »Körperliche Behinderung« in Georgien literarisch verarbeitete und zur Diskussion brachte.

Wednesday, October 18, 2017

VIDEO: "Dagny, or a Love Feast" by Zurab Karumidze - Excerpt from the novel read by the author.


BUCH: Roman von Zurab Karumidze "Dagny oder Ein Fest der Liebe"

Das Buch: Zurab Karumidze: Dagny oder Ein Fest der Liebe. Roman. Aus dem Englischen von Stefan Weidle. Lizenzausgabe. CulturBooks Longplayer, Oktober 2017. 288 Seiten. 14,99 Euro. ISBN 978-3-95988-090-9

Das Buch
Fast wäre es leichter aufzuzählen, was in diesem Roman nicht vorkommt, denn Zurab Karumidze hat alles in sein großes postmodernes Spiel gepackt, dessen er nur irgend habhaft werden konnte. Immerhin aber hat er uns eine zentrale Figur geschenkt, Dagny Juel. Die gab es wirklich, sie wurde am 4. Juni 1901 in Tiflis von einem nicht erhörten Liebhaber erschossen. Sich selbst erschoss er dann auch. Am 8. Juni 1901, ihrem 34. Geburtstag, wurde Dagny in Tiflis beerdigt.

Dagny Juel war Norwegerin, sie lernte Edvard Munch kennen und wurde sein Modell (etwa für die berühmte »Madonna«). Später traf sie auf August Strindberg, der sie erst liebte und dann in einem Drama vernichtete. Schließlich aber heiratete sie den Bohemiensatanisten Stanisław Przybyszewski, mit dem sie in dem Berliner Künstlerkreis um die Kneipe »Das Schwarze Ferkel« unterwegs war. Przybyszewski überließ sie dann seinem Jünger Władysław Emeryk, der sie nach Tiflis mitnahm.

Wer tritt sonst noch auf in diesem Roman? Zunächst der georgische Mystiker Georges Gurdjieff und der Volksdichter Wascha-Pschawela. Weiter ein sprechender Rabe vom Saturn, der Maler Niko Pirosmani, ein tibetanischer Schamane, August Strindberg, Albert Schweitzer und viele andere. Sie alle sind beteiligt an einem »Fest der Liebe«, das dann gründlich schiefgeht, weil sich der junge Revolutionär Koba einmischt, der ein Auge auf Dagny geworfen hat. Er wird später als Josef Stalin in die Geschichte eingehen. Und natürlich spielt das georgische Nationalepos, Der Recke im Tigerfell von Schota Rustaweli, eine wichtige Rolle.

Warum es uns gefällt
Ein turbulenter Roman über das Ende der Belle Époque und den Beginn des Terrors.

Der Autor
Zurab Karumidze (geb. 1957) ist einer der bekanntesten Autoren Georgiens. Sein Werk umfaßt Romane, Kurzgeschichtensammlungen, Novellen sowie ein Buch über Jazz, das den wichtigen georgischen Literaturpreis SABA gewann. Darüber hinaus ist er Herausgeber und Mitherausgeber einiger Essaybände über die georgische Politik und Kultur. Zurab Karumidze lebt in Tiflis und ist als außenpolitischer Berater der georgischen Regierung tätig.

Sein Roman Dagny or A Love Feast wurde 2012 auf die Longlist des »Dublin International Literary Award« gewählt. Der Roman erschien zuerst 2011 in Tiflis. Er wurde in englischer Sprache geschrieben, eine Übertragung ins Georgische gibt es (noch) nicht. Bislang wurde er lediglich ins Türkische übersetzt.

book.gov.ge/en/author/karumidze zurab facebook.com/zurab.karumidze
Zurab Karumidze: Dagny oder Ein Fest der Liebe. Geschichte einer Femme fatale. Von Heinz Gorr [br.de]

Sunday, September 10, 2017

VIDEO-PORTRÄT: Der Georgische Schriftsteller Zaza Burchuladze (literaturport.de)

Im Rahmen des Projekts "Writers@Berlin". Präsentiert von www.literaturport.de
twitter.com/literaturport
Produktion: Atlantis-Film Berlin
Tonbearbeitung und Komposition: Klangkosmonauten


Sunday, May 14, 2017

BUCH: Herbert Maurer; Und Gott spricht armenisch. Zwischen Menschen und Sprache. (herbertmaurer.at)

(herbertmaurer.at) Die Armenier: Menschen, die stets international gelebt haben und leben, denen Grenzen relativ sind, die klug und sprachgewandt ihre Kultur, ihre Literatur über alle Katastrophen hinweg gerettet haben.

Ohne die eigene Schrift, die eigene uralte Sprache, die Passion für Geschichten und Geschichte gäbe es die Armenier, gäbe es Armenien wohl nicht mehr – immerhin hat sich eine kleine Republik im Süden des Kaukasus durch die sowjetische Zeit und die Umbrüche der Systeme gerettet, wenn auch große Teile des historischen Landes im heutigen Ostanatolien verloren scheinen. Das Jahr 2015 bedeutet 100 Jahre Völkermord, den schicksalhaften Jahrestag des ersten Holocausts im 20. Jahrhundert. Für die Armenier bedeutet diese nur von Teilen der Weltgemeinschaft anerkannte Katastrophe zweierlei: Stolz auf die eigene Kultur, Zukunft in gelebter Internationalität, Perspektive für neue, weltoffene Varianten des Eigenen, Neuerfindung einer nationalen und internationalen Identität, Verantwortung für das Leiden anderer.

Herbert Maurer weiß als Autor, Übersetzer, Reporter und Zeitzeuge des politischen und gesellschaftlichen Wandels in Armenien über alle diese Hintergründe bestens Bescheid. Er erzählt seine persönliche Geschichte einer Begegnung mit der Sprache, der Literatur, der Kultur der Armenier. 3 Jahre leben und verstehen Lernen bedeutet für ihn stets:

Wie lässt sich die Realität ins Poetische übersetzen? Wie funktioniert Widerspruch zwischen Sowjetsozialismus und uraltem Christentum heute? Wie erfindet sich ein Land, ein Volk im internationalen Kontext neu? Über viele Jahrhunderte waren die Armenier die Übersetzer schlechthin: zwischen Orient und Okzident, zwischen Mittelalter und Moderne. Wie kann man das heutige Armenien literarisch übersetzen?

Herbert Maurer versucht in diesem Buch, Armenien zu interpretieren, die einzigartige Mentalität der Menschen verständlich zu machen, mit dem Leser durch die Straßen, durchs Land zu gehen.

Ein Erzählen, um vertraut zu machen: Mit einer Sprache, mit Kultur und Literatur, mit der Chance, das komplizierte Armenisch einfach und charmant zu verstehen. Damit wird die Lektüre zur Reise, zum Abenteuer zwischen dem biblischen Berg Ararat und den Kaffeehäusern des modernen Yerevan in der Sonne, zwischen den Geheimnissen des Mittelalters mit seinen Klöstern und der jungen Generation mit Kompetenz und Neugier, zwischen Kriegsalltag in Nagorny Karabach und der schillernden Welt der Jazz- und Film – Festivals, zwischen der Not eines Landes, das von den Nachbarn isoliert ist und der Hoffnung, eine neue Zukunft mit Literatur und guten Kompositionen zu konstruieren – Armenien ist mitten in der Welt, das Abenteuer lebt auch im

Auf all diese erzählerischen Reisen nimmt Herbert Maurer uns mit, denn der lesende Mensch ist vor allem in Armenien mitten in der Zukunft und ein Wanderer zwischen den Welten.


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Saturday, April 22, 2017

FILM: Wir, die Apfelbäume. Gedichte von Bela Chekurishvili



Die georgische Lyrikerin Bela Chekurishvili liest aus ihrem neuen Gedichtband „Wir, die Apfelbäume“, der von Norbert Hummelt übersetzt wurde und im Wunderhorn Verlag in Heidelberg erschienen ist.

Musik: Frauenchor aus Deutschland

Saturday, March 04, 2017

LESEPROBE: Mythos Georgien? Von Marleen Stoessel. Sinn und Form Heft 6/2016 (sinn-und-form.de) via @sinnform

(sinn-und-form.de) Dies sind nur tastende Worte der Annäherung an ein Land, eine Stadt, Tbilisi, die sich mir vor allem im Hitzeschleier zeigte, in einer Dunstglocke, die ihre Farben dämpfte und ihr etwas von einem "panischen Schlaf" verlieh. Einem ewigen Mittag, dessen Pulsschlag ich für ein paar Tage im Juni mitträumte und dessen Traumbild jetzt Erinnerung ist. Aus dieser erinnerten Ferne, Monate später, der Versuch einer Annäherung an dieses Bild, mein Tasten nach dem Ton, dem Wort, das ihm entspricht. Sagt sich all das doch so leicht: "Mythos Georgien", die Elogen und Superlative, die Projektionen und Klischees, die uns jeder Reiseführer, jede Reisewerbung bietet. Mythos ist immer Erzählung, Legende, ihre besungene, gefilterte Wahrheit und ebenso ihre verzerrte, historisch vielfach entstellte Wahrheit, die Lüge. Von beiden Arten hat dieses uralte Land, dessen westlicher Saum am Schwarzen Meer einst Kolchis hieß – Sehnsuchtsort der Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies –, übergenug. Das Alter und die Sprache, die keiner der großen bekannten Sprachfamilien angehört, tragen dazu bei. Mehr konsonantisch als vokalisch, wirkt ihr Klang wie aus Holz und kaukasischem Mineral gemeißelt, dem Auge aber präsentiert sich ihre runde, ornamental geschwungene Schrift wie in Gold geprägt, oder wie das einstmals aus den Wassern "gevlieste" Gold.


Photo: Lucas Ceypek
Dort, in Batumi, direkt am Ufer des Schwarzen Meers, ragt heute ein neun Meter hohes Kunstwerk empor, eine kinetische Skulptur der Künstlerin Tamara Kvesitadze, "Man and Woman" genannt. Zwei aus vielen schmalen Aluminiumringen bestehende Figuren, männlich und weiblich, bewegen sich allabendlich aufeinander zu, verschmelzen miteinander und entfernen sich wieder. Allegorien all jener Differenzen, die unser Eigensein und Anderssein bezeichnen, ob geschlechtlich, ethnisch, kulturell. "Ali und Nino" werden sie im Volksmund genannt, nach dem berühmten Roman von Kurban Said, der die Geschichte einer Liebe zwischen der georgischen, europäisch-christlich erzogenen Nino und Ali, dem muslimischen Sohn aus vornehmem aserbaidschanischen Haus in Baku, erzählt. Eine Liebe, die alle kulturellen Kluften zu überbrücken scheint und doch an ihnen scheitert.

Ihr Verfasser stellt einen eigenen Mythos dar, dessen Webmuster aus seinen drei Namen gebildet ist: Zwei Pseudonyme, Kurban Said und Essad Bey, überblenden seinen eigentlichen Namen Lev Nussimbaum, als der er 1905 in Baku geboren wurde, als Sohn eines aus Tiflis stammenden jüdischen Ölbarons und einer russisch-jüdischen Revolutionärin und Stalin-Vertrauten, die Selbstmord beging, als Lev gerade sechs Jahre alt war. Revolution und russische Okkupation vertrieben Vater und Sohn aus dem Land, nach abenteuerlicher Flucht quer durch die benachbarten Länder landeten sie 1920 in Berlin. Dort konvertierte der Gymnasiast Lev zum Islam, nannte sich von da ab Essad Bey, später dann, als weitere Tarnung gegenüber den Nationalsozialisten, auch Kurban Said. Mehrere Dutzend Bücher hat der mit 36 Jahren schwerkrank und verarmt in Positano verstorbene Nussimbaum hinterlassen, darunter auch Biographien Mohammeds und Stalins. Eine Gedenktafel mit seinem Porträt erinnert gegenüber dem Berliner Literaturhaus an den heute weitgehend Vergessenen. Hundert Jahre später folgte der amerikanische Journalist Tom Reiss den Spuren, man könnte auch sagen: der einzigartigen Schelmengeschichte dieses Autors, der sich selbst zum Mythos stilisiert hatte, und es gelang Reiss in seinem höchst spannenden Buch "Der Orientalist", Lev Nussimbaums Geheimnis weitgehend zu lüften.

Nicht zuletzt der Roman "Ali und Nino" war es, der vor über zwanzig Jahren meine Sehnsucht nach diesen Ländern jenseits des Schwarzen Meeres weckte, der mir Ansätze für mein Verstehen fremder, muslimischer Sitten und Ehrbegriffe vermittelte und mir desto schärfer die westliche Überheblichkeit gegenüber dem Osten, dem "Orient" vor Augen führte. In meinen Literaturlexika suche ich bis heute Roman und Namen des Autors vergebens, obgleich doch gerade in der Auseinandersetzung mit dem seinerzeit von Edward Said kritisch ins Feld geführten Begriff des "Orientalismus" Lev Nussimbaums ebenso ironische wie ernstgemeinte Maskerade erhellend ist. Dem Erstaunen über diese Leerstelle sekundiert die Tatsache, daß es erst Navid Kermani mit seiner Paulskirchenrede gelang, das mit westlich-aufklärerischer Arroganz verdrängte Bild der uralten islamischen und arabischen Kulturen wiederzuerwecken. Als gäbe es dort nur primitive, brutale Völker und Stämme und nicht Gelehrte wie Avicenna, Kultur- und Dichterheroen wie Hafis, Al Ghazali oder Rumi, letztere auch Angehörige der Sufis, die freilich bis heute, so wie früher alle unorthodoxen Strömungen in den monotheistischen Religionen, verfolgt werden.

Diese tief dem Mythos "Orient" eingelagerten Schätze, die es auch im Westen neu zu heben gilt – sie wären heute gleichsam das "Goldene Vlies". Und förmlich wie ein Vlies am eurasischen Körper zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer erstreckt sich auch das kleine georgische Land, am nordwestlichen Ende beschnitten um das abtrünnige Abchasien und tief und wund eingerissen in der nördlichen Mitte durch das zwar autonome, aber de facto besetzte Südossetien, von den Russen scharf an seinen Grenzen bewacht.

*

Vliesähnlich – das Wurzelwerk der Metapher reicht weit – auch die im nächtlichen Anflug in warmen Lichtern blinkende, sich längs des Flusses Mtkwari dehnende Stadt, die bis heute als eine der schönsten des näheren Ostens gilt: Tiflis oder, in der Sprache ihrer Bewohner heute: Tbilisi. Von heißen Schwefelquellen, die in alten osmanischen, kuppelgedeckten Anlagen noch als Heil- und Wellnessquellen sprudeln, hat die Stadt ihren Namen.

Nun lag sie vor mir im Sonnendunst, in dem ich nach einer kurzen Ankunftsnacht erwachte. Geweckt wie jeden Morgen von der absteigenden Melodie eines Ausrufers, der, wenn ich ans Fenster stürzte, grad mit seinen Tüten um die Ecke bog. Erst kürzlich erschloß sich mir sein Ruf, den ich mir rein phonetisch notiert hatte: Mazoni malaco! "Mazoni" für Joghurt und "malaco" russisch für Milch, ebenso wie den letzten noch chiffrierten Rest "Zchneti", der den Ruf rhythmisch skandierte: Joghurt und Milch, frisch aus den Bergen, wo auf holprigen Wegen Kühe und Schafe den Autos gelassen die Vorfahrt nehmen. Und aufwärts steigend, in gleißende Weite, dehnte sich vor mir das Panorama der Stadt: darin die zahlreichen Türme der orthodoxen Kirchen, manche funkelnd in der Sonne, und jenseits des Flusses der wulstige Bau der neu errichteten Sameba-Kathedrale und der dem Berliner Reichstag nachempfundene kuppelgekrönte Präsidentenpalast.

Tief unter meiner Terrasse aber die Altstadt. In ihr schlägt das Herz der Stadt, in ihr wachte ich auf, dort bin ich stundenlang durch die staubige Hitze zwischen den verfallenden, windschiefen, zerrütteten Häusern gelaufen, wo nur einzelne schmiedeeiserne Gitter und Balkone – jene typischen, mit ihren holzgeschnitzten, etwas venezianisch anmutenden Loggien – und die Reste von Ornamenten und Dekor an einstige Pracht erinnern. Ein schweres Erdbeben hat 2002 den Verfall weiter befördert, dessen "Poesie" angesichts der Verwüstung, die kaum eine schützende Maßnahme aufzuhalten scheint, nur noch stellenweise zu finden ist. Es ist wie bei den alten Fresken, die ich in den vielen uralten Kreuzbasiliken sah: Sind sie zu ramponiert, beschädigt, verblaßt, bleibt nur noch wenig von ihrer Aura – leichtere Beschädigungen freilich wecken im Betrachter jene Imagination einer Schönheit, die in solcher Vollkommenheit vielleicht nie bestand.

Ein Bild des Verfalls, verfallender Schönheit, das mein Traum-Erinnerungsbild auf eigentümliche Weise grundiert: Als stünde die Zeit wie in jener "panischen" Mittags-Hitzestunde still, als hielte sie den Atem an, erzeugte eine scheinhafte Leere, ein Vakuum, in dem die Zeichen jüngster und vergangener, ja auch uralter Geschichte ein Muster von Hoffnung und Bedrohung zugleich ergeben, ein Nachbild, in dem die Trümmer und Reste dieser Geschichte sich zu einer Konstellation der Möglichkeiten fügen, von denen – und wie sie ergriffen werden – mir das zukünftige Schicksal dieser Stadt, dieses Landes und seiner Menschen abzuhängen scheint. [...]

SINN UND FORM 6/2016, S. 779-789, hier S. 779-782

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Monday, December 15, 2014

ARTE: Nino Haratischwili "Das achte Leben". Von Petra Wiegers (info.arte.tv)

(info.arte.tv) Vor elf Jahren im Alter von 20 Jahren kam die georgische Schriftstellerin Nino Haratischwili nach Deutschland. Als Theaterregisseurin hat sie sich inzwischen einen Namen gemacht. Nun ist ihr drittes Buch „Das achte Leben (Für Brilka)" erschienen. Es wird als eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres gefeiert. Petra Wiegers hat die Autorin in München getroffen.

Saturday, November 29, 2014

STREITRAUM: »Denk ich an Russland ...« 14.12.2014, 12.00 Uhr, in Berlin (schaubuehne.de)

(schaubuehne.de) Mit Alice Bota, Marina Davydova, Nino Haratischwili und Katja Petrowskaja im Gespräch mit Carolin Emcke

schaubühne berlinObgleich über Russland nahezu täglich zu lesen und zu hören ist, scheint es uns immer fremder zu werden. Die politischen Debatten über die Ukraine sind gegenwärtig aufgeladen mit Zorn und wechselseitigen Vorwürfen. Vielleicht hilft es da, einen Blick auf Russland aus eher ästhetischer-literarischer Perspektive zu werfen. Wie lässt sich in dieser Situation von Russland (oder der Ukraine) erzählen, wie suchen Schriftstellerinnen, Dramaturgen und Journalistinnen nach einer Form, nach einer Sprache, in der sich nach einem Zugang zur Geschichte, zu den Menschen suchen lässt? Ist es der Fiktion möglicherweise eher möglich, ein genaues Dokument der Gegenwart zu zeichnen? Hilft die Nähe der Beobachtung oder hilft Distanz? 

Schaubühne am Lehniner Platz 
Kurfürstendamm 153
10709 Berlin
Zentrale: Tel +49.30.890020