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Friday, October 10, 2008

OFF EUROPA: Programm des Theater-Festivals OFF EUROPA in Leipzig und Dresden 2008

Am Montag beginnt das Theater- und Performancefestival. Als Auftakt spielt die Band Madame Schascha mit der Frontfrau Natascha Bondar in der NATO (Leipzig) am Sonntag abend.

"Mutter Russland - updated" ist die Neuauflage des Soloprogramms "Mutter Russland", das die Schauspielerin und Regisseurin Natascha Bondar während eines Aufenthaltes in Sibirien zusammengestellt hat. Es besteht aus alt-russischen Liedern, Ritualgesängen, Zigeuner- und Gulagfolklore. Dieses einzigartige Programm wurde nun musikalisch neu bearbeitet und interpretiert. Michal Florczyk an der Sologitarre aus Polen, Marcelo Josa Tarraga an der Geige aus Bolivien, Stefanie Schiffer am Kontrabass und Giacomo Kohlschmidt am Schlagzeug, beide aus Deutschland, schaffen es, Nataschas Folkloreinterpretationen in die heutige Zeit zu holen. Musik, die niemanden kalt lässt und zu der man einfach tanzen muss. Dazu Natashas schauspielerische Interpretation der bis zu 300 Jahre alten Lieder voller Leichtigkeit und Charme, das alles sind Madam Schascha mit "Mutter Russland - updated".
Danach werden in der NATO zum Festival Filme an folgenden Tagen gezeigt
13.10. / 15.10. Odessa, Odessa... Dokfilm in Koop. mit dem Off-Theater-Festival MANÖVER 2008, F/Israel 2004, 96min, OmdtU
14.10. / 15.10. La mère - Die Mutter Dokfilm, F/RUSS/CH 2007, 80min, OmeU


Aus Georgien mit Beteiligung und Unterstützung von: Nadia Tsulukidze, Salomé Machaidze, Nini Palavandishvili, Hans Heiner Buhr, Lado Pochkhua, Maka Batiashvili, Mikhail Shengelia, Irma Sharikadze, Maia Sumbadze, Gio Sumbadze, Ana Tabatadze, Sofia Tabatadze, Sofia Babluani, Levan Kakabadze, Tamuna Karumidze, Nikakoi (Nika Machaidze), Tba (Tusia Beridze), Rezo Glonti, Irakli Shonia, Nika Tsereteli, Koka Nikoladze, Art Group Laboratory ...

Ans Mehr: Europa 2.0

Ein neues, ein anderes Europa wird es wohl werden, das Gebiet um das "Schwarze Meer". Bereits aufgenommen in die "alte Welt" wie Rumänien und Bulgarien, beobachtet wie die Türkei oder umworben wie Russland, finden sich hier gleichermaßen große Ressourcen und Märkte. "Sehnsuchtsland", nicht nur für vagabundierendes Kapital, das ungeduldig auf politische Stabilität in der Ukraine oder Georgien wartet, um die Löhne, die in Rumänien und Bulgarien gezahlt werden, endlich unterschreiten zu können. Land der Sehnsucht auch für Entdecker, wie den Leipziger Geographen Jörg Werner, der das Schwarze Meer mit dem Fahrrad umrundet hat, oder den Kurator und Filmemacher Sebastian Kaiser, der sich Jahre lang bemühte, einen alten U-Boot Hangar der russischen Schwarzmeerflotte in der Sagen umwobenen Bucht von Balaklava zum Kunst-Ort zu machen.

Wie steht es in solch einer Zeit um die darstellende Kunst? Vor allem befindet sich alles in rasender Bewegung: Da gelten bulgarische Performer plötzlich weltweit als Festival-Geheimtipp, da gibt es jenes aufregende Kunstfestival auf der Krim, entstehen charismatische Spielstätten für freies Theater wie GARAJ in Istanbul, oder wird das unlängst eröffnete "Centrul National de Dans" in Bukarest gerade wieder aus dem Gebäude des Nationaltheaters verbannt. Da arbeiten Künstler wie Sasha Pepelyaev viele Jahre verstärkt im Ausland - um endlich auch in Moskau anzukommen, oder sie meiden die großen Städte wie das Ensemble "Maisternia Pisni" oder der Regisseur Horatiu Mihaiu, um ungestört arbeiten zu können.

Zwischen Lwow, Sofia und Istanbul werden Traditionen bewahrt, aber auch neue Sehgewohnheiten provoziert. Es werden surreale Bilder geträumt und neue Blicke ausprobiert. Manchmal scheinen selbst die Künstler von den Ergebnissen überrascht, wie Sasha Pepelyaev von den Möglichkeiten in den virtuellen Räumen von MUH TSOKUTUH, oder Ivo Dimchev über die Emotionen, die er auszulösen vermag.

"Off Europa" hat in Europa Süd Ost gesucht - nach einem formal breit gefächerten Programm, das sich vor allem über die beteiligten Künstler definiert, die - jeder auf seine Weise - auf ungewöhnlichen Wegen unterwegs sind.

Liebe Leipziger, und - erstmals - liebe Dresdner,
vergessen Sie Begriffe und Kategorien wie "Theater" oder "Tanz". Freuen Sie sich auf außergewöhnliche Begegnungen mit zeitgenössischer darstellender Kunst. Lesen Sie die Beschreibungen der Abende - und kommen Sie "Ans Mehr".

Knut Geißler, Leipzig

www.bfot.de
www.lofft.de
www.societaetstheater.de
www.nochbesserleben.com
www.delikatessenhaus.com

Unterstützt von: Stadt Leipzig, Kulturamt, Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Fonds Darstellende Künste Bonn, Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz






Websites zu den Künstlern:


APPARATUS THEATRE GROUP (RUSSIA) +++ NADIA TSULUKIDZE (GEORGIA) +++ KHINKALI JUICE (GEORGIA) +++ KINETIC.DANCE-NET.RU (RUSSIA) +++ TEATRUL ARIEL (ROMANIA) +++ PLAVO POZOIšTE (SERBIA) +++ IVO DIMCHEV (BULGARIA)

Links zum Kinoprogramm:

Cinematheque Leipzig +++ Thalia Kino Dresden


Kunst

Maia Sumbadze - Zeichnungen
goslab.de/maindex.htm
Gio Sumbadze - Photos
goslab.de/giosindx.htm / tbs99532.blogspot.com
Ana Tabatadze - Zeichnungen
myspace.com/dreamerdolphin
Sofia Babluani - Zeichnungen
sofiababluani.wanderingphantom.com/index.html
Levan Kakabadze - Videos
levankakabadze.com
Sofia Tabatadze + Nadja Zulukidze - Videos
khinkalijuice.blogspot.com / sophia-tabatadze.com /nadiatsulukidze.blogspot.com
Tamuna Karumidze - Zahesi 708 (dokumentarfilm 40 min.)
goslab.de/tamindx.htm
Irma Sharikadze - Photos
irmastudio.ge
Hans Heiner Buhr - Digitale Skizzen und Collagen
http://www.heinerbuhr.de/
Lado Pochkhua - Malerei
ladopochkhua.com
Maka Batiashvili - Zeichnungen und Video
maka.batiashvili.net


Musik

Nikakoi (Nika Machaidze)
goslab.de/nikakoin.htm
Tba (Tusia Beridze) goslab.de/tuindex.htm
Rezo Glonti
myspace.com/rezoglonti
Irakli Shonia
myspace.com/iraklishonia
Nika Tsereteli
myspace.com/nickatseretely
Koka Nikoladze
myspace.com/kokanikoladze
Art Group Laboratory
myspace.com/usz5


FLYER für die beiden Ausstellungen in der Galerie Delikatessenhaus und der Ditorei Galerie in Leipzig >>>

OFF EUROPA: The Curator Nini Palavandishvili will be in Leipzig soon.


more:
www.bfot.de / georgien.blogspot.com / nochbesserleben.de /

delikatessenhaus.com

ninis site:
geoair.blogspot.com

Monday, October 17, 2005

CONCERT: OstWind elektronisch: NGA Lounge + Tusja Beridze (NBA)

OstWind elektronisch: NGA Lounge + Tusja Beridze (NBA)

Nikakoi, Tusja Beridze & Gogi.ge (Konzert Leipzig)
Nikakoi, Tusja & Gogi (v.l.n.r.)

Da die Moderne im Bereich Tanz und Theater in Georgien eher zaghaft Einzug hält, übernimmt vor allem die elektronische Musik eine gewisse Avantgarde-Funktion. Elektronische Musik, wie sie die Künslter Gogi Ge.org, Nikakoi und Tusja Beridze (TBA) in Leipzig präsentierten, ist im eigenen Land gerade im Kommen, auf internationalem Boden aber schon länger sehr erfolgreich. Zwar füllte vor Jahren Nikakoi einmal die Destillery (ein hiesiger Club), doch sind die Musiker auf einer herkömmliche Bühne aufgestellt, dann findet das Publikum kaum den Weg dorthin - oder lag es etwa am Tatort, der zur selben Zeit im Fernsehen lief. Nichts destotrotz war es ein wunderbares Konzert, welches die drei befreundeten Künstler über drei Stunden sehr relaxed und aufgeschlossen 'über die Bühne zog'- phantastisch.

"New release on Thomas Brinkmann's Max Ernst label by Georgian musician TBA. TBA is Natalie Beridze, also called Tusja Beridze ... 'Tibilisi (Georgia) getto child, very beautiful and lonely, talented and deathly woundet ... her sad eyes saw too much ugly things, putting all energy into her music ... just to survive and to give all her rejected love with 21 songs back to the world ...' (The Wire.UK). 'TBA is the Georgien word for lake ... this water is a really deep ... a vortex, from the shores of the black sea right into your heart. Check it out.' (Blaster DJ Magazine.AU)."

"24 year old female music producer from Tbilisi / Georgia, also known as a member of Goslab, a Georgian art laboratory. Her academic education in political and media sciences at American Institutes went in radically different direction from art and music. but it constantly appeared to be a strong challenge surrounding around her, starting from her family, ending with friends and people she worked with, such as Nika Machaidze aka Nikakoi (WFM Rec.) Erast (Laboratory instinct) and Gogi Dzodzuashvili (aka Post Industrial Boys), who used Tusias' vocals and lyrics in most of their songs. Tusia grew up within a space, which is something like an erratic mixture of controversial and at the same time logical records, which leads to a mixed Georgian, Russian and European production. It initiated in childhood under the tunes of The Smiths, Lou Reed, Weather Report, David Bowie, Cocteau Twins, Bjork, Aphex Twin, Squarepusher, Stravinsky, Prokofiev, Shostakovich, Jeff Mills, Autechre, Kraftwerk, Georgian folk music and much more, which came out transformed from the rough speakers of Soviet production in the tiny studio space of Goslab, which appeared to be a shelter and a medium for translating brutal external reality into the means to survive within it. This was the soundtrack of the political and social transformations in Georgia. From Georgian monarchs to Russian ones, from the collapse of Soviet colonial blockade to the undermined democracy, independence in poverty and finally to 'satin revolution' of the transmitting forcelines. The 21 tracks from the TBA album are precise and straight sketches of the background between such different cultural influences, from the edge, between Asia, Russia and the so called western world. Music from the geographical top (Kaukasus) and very end of Europe in the south east, where despite the whole external chaos, it rounds up with one clear sentence: Georgia is like a spiritual Tokyo. (http://www.forcedexposure.com/)."

"TBA lists among her influences Bjork, Aphex Twin, The Smiths, Squarepusher, Cocteau Twins, and Kraftwerk. Annule, Tusia’s second release on the max.Ernst label, is certainly reflective of this. The beats are quite grey and often cold and simple. Yet that’s not to say they are without emotion and variety. Rather the sounds help place you in Tusia’s world, a world that seems full of political and economical strife, heartfelt music, and strong ties to family and friends. Tusia compliments the moments of mechanized beats with jazzy beats and odds and ends such as the super speedy piano track that opens the disc and “Sign Powder” which is a collection of sounds from a movie soundtrack TBA is working on. Sometimes this CD sounds like a video game soundtrack, while other times the music is reminiscent of a 1920s saloon for robots. Most of these songs are overlaid with Tusias’ soft-spoken, almost invisible vocals. The quiet, almost melancholy style in which Tusias sings goes very well with the sorrow-tinged atmosphere of most of Annule. After reading the liner notes for Annule, themes reveal themselves that were unapparent from hearing the music alone. Particularly striking to me is the title track with its reference to a rejected Visa and therefore an inability to leave one’s country for a particular destination. From the liner notes: “ [Annule] is about a feeling which is not very common in the Western world. Standing in rows for weeks and waiting for a visa, cause there is something important which you cannot reach without a visa and it’s not about economy.” In many ways Annule bridges the western music of her influences and her Eastern European surroundings. I like this combination, and if you are looking for a dreamy trip into a world of unique emotion and color, I think you will too. (http://www.explodingplastic.com/) "

www.max-ernst.de

www.goslab.de


Nikakoi, Tusja Beridze & Gogi.ge (Konzert Leipzig)

Nikakoi, Tusja Beridze & Gogi.ge (Konzert Leipzig)

Nikakoi, Tusja Beridze & Gogi.ge (Konzert Leipzig)

Nikakoi, Tusja Beridze & Gogi.ge (Konzert Leipzig)

Nikakoi, Tusja Beridze & Gogi.ge (Konzert Leipzig)

Nikakoi, Tusja Beridze & Gogi.ge (Konzert Leipzig)

Links:

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Musik aus einem kulturellen Schmelztiegel
*
Gogi.ge.org/Post Industrial Boys
*
GOSLAB bei ARTE
*
»Shentimental« by Nikakoi
*
Georgische Melancholie (Sestrichka by Nikakoi)
*
Interview mit Nikakoi
*
GOSLAB
*
Post-Techno-Familie: Neues aus dem WMF-Label
*
Nikakoi bedeutet "niemand" auf Russisch

Wednesday, August 10, 2005

FESTIVAL: MANöVER 2005 in Leipzig - Kartuli Suli (Georgische Seele - bfot.de)

MANöVER 2005 in Leipzig - Kartuli Suli (Georgische Seele)

Vom 09. bis 16. Oktober 2005 findet in Leipzig das 14. Festival MANöVER statt. Diesmal mit dem Schwerpunkt Georgien. Nachfolgend das vorläufige Programm unter dem Motto: Kartuli Suli (Georgische Seele)

Organisiert von Knut Geißler und Grit Friedrich (Büro für Off-Theater Leipzig) unter Mitwirkung von Megi Goncharova und Ralph Hälbig.

Sonntag, den 9. Oktober
UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Aberwitz: Kobakhidze’s Musikosebi / Musiker (UdSSR/Georgien 1969) und andere legendäre Kurzfilme

Montag, den 10. Oktober
UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Freiheitskampf:
Eliso / Elisso (UdSSR/Georgien 1928)
Text dazu: Tendenzen des georgischen Stummfilms
UT Connewitz, Keller, 22 Uhr
Tbilisi Lounge:
Montag Abend (BRD/Georgien 2004), dazu Gespräche über Menschen und Landschaften

Dienstag, den 11. Oktober
UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Berge + Live Musik: Jim Shvante / Salz für Swanetien (UdSSR/Georgien 1930) + DJ Juggler
Der hervorragende ethnographische Film über die vergessene, im Bergmassiv des Kaukasus isolierte Region Swanetien ist das Debüt des Kameramannes und Kuleschov-Schülers Kalatosov als Regisseur. Sein schönes, herbes, sogar grausames Werk steht auf einer Stufe mit Bunuels "Las Hurdes". In einigen Effekten erkennt man schon den späteren Autor von "Wenn die Kraniche ziehen".
UT Connewitz, Saal, 22 Uhr
Lesung:
Fried Nielsen: Wind, der weht - Georgien im Wandel
Telegraph, 24 Uhr
Eröffnung: Mitternachts-Supra
- Die Georgische Tafel
Die Supra zur Eröffnung ist im Wesentlichen unseren Gästen vorbehalten. Vergessen Sie den folgenden Termin also sofort wieder. Am Tag danach allerdings wartet die fast einmalige Chance, mitten in Deutschland, mitten in Leipzig an einer georgischen Tafel zu sitzen, einem Tamada auf das Glas zu blicken, also Georgien zu erleben, Georgien zu fühlen - und zu schmecken. Und wenn Sie zögern, dann lesen sie unter noch einmal in unserem Programm weiter >>>


Mittwoch, den 12. Oktober
UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Menschen + Glaube:
Vedreba / Das Gebet (UdSSR/Georgien 1967)
UT Connewitz, Keller, 22 Uhr
Tbilisi Lounge: Theater, Tanz, Zeitgenössische Kunst in Georgien
Telegraph, 22 Uhr
Georgische Küche: Supra - Die Georgische Tafel
Eine Supra birgt immer ein Geheimnis. Unerwartetes kann daraus hervorgehen. Georgien gilt als ein Land der Romanzen und Legenden. Zur Supra eilt man mit einer feierlichen Einstellung. Das Aufregende dabei ist, dass jedem dabei ein enormer Respekt entgegengebracht wird. An der Supra ist nie ein Platz reserviert, außer am Kopf der Tafel, der ist dem Zeremonienmeister vorbehalten. Wenn die Tafel „gesegnet“ ist, dann werden die Gerichte zugewiesen, wird sich unterhalten, werden Anekdoten erzählt, unnachahmliche Witze gerissen, die Köche gelobt
weiter >>>

Donnerstag, den 13. Oktober
UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Schwarzer Humor:
Tsisperi mtebi anu daudjerebeli / Tienschan oder Blaue Berge oder Das Blaue vom Himmel (UdSSR/Georgien 1984)
LOFFT, 20 Uhr
Tödlicher Stolz: Medea
UT Connewitz, Keller, 22 Uhr
Tbilisi Lounge:
Elektronavtebi (Georgien 2005), dazu Sergi Gvarjaladze über Musik, TV, Alltag

Freitag, den 14. Oktober
UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Schuld + Sühne: Auf der Wendeltreppe (Georgien 2002)
LOFFT, 20 Uhr
Kraft + Eleganz: Khridoli - Georgisches Kampf Kunst Theater + Konzert Stumari
UT Connewitz, Saal, 22 Uhr
Fuck the man who started first - Georgische Kurzfilmnacht

Samstag, den 15. Oktober

UT Connewitz, 20 Uhr
Georgische Essen + intelligent electronic music: Gogi Ge.Org + Nikakoi /Erast
»Shentimental« , das trifft die Grundlaune ganz gut. Bedeutet ja: Sentimental, davon gehe ich aus, also das sowieso, klar. Dann das wohlig-weiche »Sh« statt dem zischend scharfen »S«, das üblicherweise dem Entimentalen voran gestellt ist. Es ist ein Schlaflager, das ich mir einrichte, und wo ich mich mit meiner Sentimentalität hin zurückziehe. Meine Sentimentalität geht schließlich niemanden etwas an! Außer, ich mache Kunst daraus. Also: Shentimental, ich gebe euch etwas, das doch nicht mein ist! Entlehnt dem gleichen Zeichensatz, dessen sich Nika Machaidze bereits für seine erste längere Platte »Sestrichka« bediente. Und wieder quellen mürbe Mollsounds über, entspringen Breakbeats in Zickzack dem Transitraum Berlin-Tiflis. In dieser Zone bewegt sich Nikakoi als Mitgestalter des Film-Kunst-Musik-Kollektivs Goslab. Die Veränderung zu »Sestrichka« liegt im Entzerren. Wenn Machaidze heute Melodien will, dann zentriert er die auch. Will er üble Laune haben, dann strahlt er die an. Damit rückt er weg vom Suppenansatz von »Sestrichka«. Der klang nur anders, nicht besser oder schlechter. Auch die Titel sind wieder große Lyrik: »Balaxinwind« heißt ein Schwan von Glitch-Track, »Somethings Moving In My Liquid« ein ziemlich funkgestörtes Stück. Das Sentimentale im Shentimentalen Bewusstseins-Set liegt in der Erinnerung. Die Platte klingt wie die Summe böser, irrer, langweiliger und lustiger Träume. Die ich als Kind träumte, als sich noch ein schützender Himmel aus Elternhänden, Gebeten und Lernanweisungen über mich wölbte. Es krümmt sich noch einmal, in ein anderes Leben.

Sonntag, den 16. Oktober
naTo, 20 Uhr
OstWind Lounge: NGA light + Tusia Beridze (aka TBA) - Neue Georgische Ästhetik
Keine Unbekannte. Tusia Beridze kommt aus Georgien und ist fest im
Umfeld von Goslab verankert, hat schon mit Nikakoi gearbeitet, ist generell schon sehr lange aktiv und legt hier erstmalig einem größeren Publikum ihre eigenen Tracks vor. Sofort hat man das Gefühl, direkt im Rechnergehäuse zuhören zu dürfen und wie da alles heißläuft, aber irgendwie sind einige Tracks zu intim, als dass ich da völlig einsteigen könnte. Zum Glück betrifft das nur einen kleinen Teil. Andere Stücke öffnen einem sofort ihr Herz und immens träumerisch und verspielt, gehen sofort ins Ohr, agieren mit ganz einfachen Sounds und sind dadurch so wahnsinnig charmant, dass man gar nicht anders kann, als sie zu mögen, und einen schon gar nicht auf die unausgefeilte Produktion hören lässt, denn genau die ist auch mit das Wunderbare an Tusia Beridze. Irgendwie scheint es in Georgien einen großen Freundeskreis verhuschter klassischer Orgelwerke zu geben, die hier Inspiration zu sein scheinen, dann mit den üblichen Rechnergeräuschen gepaart werden, aber dennoch diese barocke Leichtigkeit behalten. Georgien klingt. Allein das ist schon eine gute Nachricht.

Veranstaltungsorte: UT Connewitz, LOFFT, naTo, TELEGRAPH

UT Connewitz

04277 Leipzig
Wolfgang Heinze Str. 7
utconnewitz@web.de
www.utconnewitz.de

Telegraph-Café-Restaurant
04109 Leipzig
Dittrichring 18 -20
Telefon (0341) 149 49 90
www.cafe-telegraph.de

LOFFT im Theaterhaus am Lindenauer Markt
04177 Leipzig
Lindenauer Markt 21
Telefon (0341) 96 17 615
info@lofft.de
www.lofft.de

Cinemateque Leipzig / Kunsthaus die naTo
04275 Leipzig
Karl Liebknecht Str. 46
Telefonl (0341) 301 43 97 / 391 55 39
kino@nato-leipzig.de
www.nato-leipzig.de


Weitere Informationen:

Büro für Off-Theater
Andersenweg 2
04277 Leipzig
Telefon +49-(0)-341-86 32 818
E-Mail: info@bfot.de
Webseite:
www.bfot.de (ab September)

Kartuli Suli wird gefördert von der
Stadt Leipzig - Kulturamt, von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, vom Fonds Darstellende Künste Essen e.V. sowie vom Goethe Institut - Inter Nationes

Tuesday, July 26, 2005

MANöVER 2005 in Leipzig: Kartuli Suli (Georgische Seele) - ein Festival in Leipzig

MANöVER 2005 in Leipzig - Kartuli Suli (Georgische Seele)

Vom 09. bis 16. Oktober 2005 findet in Leipzig das 14. Festival MANöVER statt. Diesmal mit dem Schwerpunkt Georgien. Nachfolgend das vorläufige Programm unter dem Motto: Kartuli Suli (Georgische Seele)

Organisiert von Knut Geißler (Büro für Off-Theater Leipzig), Grit Friedrich, Megi Goncharova, Ralph Hälbig und von all jenen, denen wir zu Dank verpflichtet sind ...

Sonntag, den 9. Oktober

UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Aberwitz: Kobakhidze’s Musikosebi / Musiker (UdSSR/Georgien 1969) und andere legendäre Kurzfilme
Georgien, die kleine Nation am Rande des Kaukasus, ist ein großes Filmland mit eigenständiger Tradition. Die Filme zeichnen sich durch einen subversiven Humor aus. Regisseure wie Tengis Abuladze und Otar Iosseliani entwickelten ihre eigene Filmsprache, um Wahrheiten an der Zensur vorbei zu formulieren. Sie fanden dabei einen universellen Ton, so dass ihre Filme auch außerhalb Georgiens große Resonanz fanden. Eine besondere Stellung nahmen Kurzfilme ein, lassen sich hier doch Situationen und Aussagen besonders gut zuspitzen.

Die Filmtitel sind schlicht. Sie heißen „Junge Liebe“ und „Karussell“, „Der Krug“ oder „Die Gäste“, und ihr Inhalt ist hintersinnig, humorvoll oder poetisch-surreal. Von der Zensur bedrängt, entstanden in Georgien Leinwand-Parabeln, Filme von magischem Realismus, doppelbödigen Bildern, Filme an der Grenze zur Malerei, zum absurden Theater, Hommagen an den Stummfilm und den chaplinesken Humor.
Wir zeigen auch Kobakhidzes letzten Kurzfilm „Musikosebi“ aus dem Jahr 1969.
Informationen zu den weiteren Filmen werden am Tag der Aufführung bekannt gegeben.

Montag, den 10. Oktober

UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Freiheitskampf:
Eliso / Elisso (UdSSR/Georgien 1928)
Der Film basiert auf Motiven einer gleichnamigen Novelle von Aleksander Kazbegi, hat aber in Bildgestaltung und Story starke quasi-dokumentarische Züge. Schengelajas bekannteste Arbeit beschäftigt sich mit einer wahren Begebenheit aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts, als das Volk der Tschetschenen aus dem zaristischen Rußland in die Türkei zwangsumgesiedelt werden sollte. In Werdi, einem friedlichen tschetschenischen Dorf, gelingt es russsischen Kosaken, die das Dorf für sich übernehmen wollen, die Einwohner durch Vorspiegelung falscher Tatsachen zum Weggehen zu bewegen ...
Text dazu: Tendenzen des georgischen Stummfilms

UT Connewitz, Keller, 22 Uhr
Tbilisi Lounge: Montag Abend (BRD/Georgien 2004), dazu Marika Lapauri-Burk und Ruth Ol’Shan über Menschen und Landschaften
„Verschiedene Menschen aus aller Herren Länder gehen in einer deutschen Großstadt ihrer Arbeit nach. Am Montagabend treffen sie sich alle an einem Ort - und singen zusammen.“ So etwas könnte vielleicht auch am Montag der ersten Lounge von „Kartuli Suli“ im Keller des UT passieren. Es lässt sich aber sicher nicht planen. Also stellt zunächst die georgische Musikerin Marika Lapauri-Burk, die in Hamburg für die Deutsch-Georgische Freundschaftsgesellschaft LILE e.V. arbeitet, den von ihr im Jahr 2004 produzierten Film „Montag Abend“ vor. Eine womöglich zweite Gastgeberin, Ruth Ol’Shan, hat für arte einen Film gedreht über Musik und Musiker in georgischen Dörfern. Wenn sie nicht, was leider zu befürchten ist, gerade in Georgien zur Premiere eben jenes Filmes weilt, wird sie in der Lounge Ausschnitte kommentieren und von ihrer mehrmonatigen Recherche erzählen.

Dienstag, den 11. Oktober

UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Berge + Live Musik: Jim Shvante / Salz für Swanetien (UdSSR/Georgien 1930) + DJ Juggler
Der hervorragende ethnographische Film über die vergessene, im Bergmassiv des Kaukasus isolierte Region Swanetien ist das Debüt des Kameramannes und Kuleschov-Schülers Kalatosov als Regisseur. Sein schönes, herbes, sogar grausames Werk steht auf einer Stufe mit Bunuels "Las Hurdes". In einigen Effekten erkennt man schon den späteren Autor von "Wenn die Kraniche ziehen".
Im Rahmen von MANöVER 2005 - Kartuli Suli nimmt sich DJ Juggler dem Film an und erfindet live neue Soundkonstellationen.

UT Connewitz, Saal, 22 Uhr
Lesung:
Fried Nielsen: Wind, der weht - Georgien im Wandel
Einfach unwiderstehlich sind Land und Leute, die Fried Nielsen liebt und über die er ein bezauberndes Buch geschrieben hat. Ein Buch, das schwer einzuordnen ist: Es ist Reiseliteratur, die keineswegs langweilig und trocken, sondern spannend und erheiternd sein kann. Es enthält aber auch einen nützlichen Geschichtsteil, der dem Leser ermöglicht, Georgiens geschichtliche, sprachliche, kulturelle und politische Vergangenheit und Gegenwart kennenzulernen. Die genaue Faltkarte ist für den - wenn auch nur in Gedanken - durch Georgien Reisenden bestimmt sehr hilfreich. Man kann sowohl die Ausflüge des Autors verfolgen, als auch - warum nicht? - eigene Reisen durch Georgien planen.

Telegraph, 24 Uhr
Eröffnung: Mitternachts-Supra
- Die Georgische Tafel
Die Supra zur Eröffnung ist im Wesentlichen unseren Gästen vorbehalten. Vergessen Sie den folgenden Termin also sofort wieder. Am Tag danach allerdings wartet die fast einmalige Chance, mitten in Deutschland, mitten in Leipzig an einer georgischen Tafel zu sitzen, einem Tamada auf das Glas zu blicken, also Georgien zu erleben, Georgien zu fühlen - und zu schmecken. Und wenn Sie zögern, dann lesen sie unter noch einmal in unserem Programm weiter >>>


Mittwoch, den 12. Oktober

UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Menschen + Glaube:
Vedreba / Das Gebet (UdSSR/Georgien 1967)
„Vedreba / Das Gebet“ beschreibt in majestätisch strengen, monolithisch stillen Schwarz-Weiß-Bildern den tödlichen Mechanismus von Hass und Rachsucht. Ein Christ tötet einen Moslem und wird, weil er ihn nicht nach altem Brauch verstümmelt, ausgestoßen und schließlich von anderen Moslems bestraft.
Von der Filmkritik werden „Das Gebet“, „Der Baum der Wünsche“ und „Die Reue“ oft als eine Art „Trilogie des Vaterlandes“ bezeichnet.

UT Connewitz, Keller, 22 Uhr
Tbilisi Lounge: Theater, Tanz, Zeitgenössische Kunst in Georgien
... mit wechselnden Gastgebern und Gästen zu wechselnden Themen, mit Gesprächen und Vorträgen, mit Filmen und Videos, mit Musik und Getränken: Die Theaterkritikerin Manana Gegetchori zeigt ausgewählte Videos über Theater und Tanz.
Außerdem ist der Künstler Wato Tsereteli angefragt, die Arbeit von maf (Media Art Farm) und ihrer Präsentationsplattform „Appendix“ zu beschreiben.

Telegraph, 22 Uhr
Georgische Küche: Supra - Die Georgische Tafel
Eine Supra birgt immer ein Geheimnis. Unerwartetes kann daraus hervorgehen. Georgien gilt als ein Land der Romanzen und Legenden. Zur Supra eilt man mit einer feierlichen Einstellung. Das Aufregende dabei ist, dass jedem dabei ein enormer Respekt entgegengebracht wird. An der Supra ist nie ein Platz reserviert, außer am Kopf der Tafel, der ist dem Zeremonienmeister vorbehalten. Wenn die Tafel „gesegnet“ ist, dann werden die Gerichte zugewiesen, wird sich unterhalten, werden Anekdoten erzählt, unnachahmliche Witze gerissen, die Köche gelobt
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Donnerstag, den 13. Oktober

UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Schwarzer Humor:
Tsisperi mtebi anu daudjerebeli / Tienschan oder Blaue Berge oder Das Blaue vom Himmel (UdSSR/Georgien 1984)
Als wäre es die normalste Sache der Welt trägt der Nachwuchsliterat Sosso sein erstes Roman-Manuskript zur Begutachtung in einen Verlag. Er kennt die Kollegen, alle sind sehr aufgeschlossen als er an die wichtigsten Mitarbeiter jeweils eine Kopie verteilt. Jeder versichert ihm, den Text so bald als möglich zu lesen.
Grandiose, bitterböse Satire auf Schlamperei und Bürokratie – nicht nur im realen Sozialismus, dessen Ende hier visionär vorhergesehen wurde. Ein echter Klassiker der Lakonie und des (georgischen) schwarzen Humors.

LOFFT, 20 Uhr
Tödlicher Stolz: Medea
Der Regisseur Gocha Kapanadze arbeitet in Tiflis bewusst nicht an einem Stadttheater, er will es anders versuchen, mit einem freien, einem wechselnden Ensemble. Wo ist der Unterschied? Auch bei „Medea“ sind - wie fast immer und überall in Georgien - sehr viele Darsteller auf der Bühne, auch bei „Medea“ wird viel gesprochen, aber es wird auch geschwiegen und geschrien und getanzt, es gibt etwas wildere Musik, etwas weniger „Theaterdonner“ und etwas weniger buntes Licht als an den großen Bühnen. An einer älteren Arbeit Kapanadzes im abchasischen Suchumi lassen sich wichtigere Motive festmachen: In „Makhaz“ wird eine geschlossene, weltabgewandte Gesellschaft thematisiert, in der Männerbünde und Traditionen dominieren und jedes Aufbegehren gefährlich sein kann. So etwas lässt sich nicht überall mit öffentlichem Geld auf eine Theaterbühne bringen.

UT Connewitz, Keller, 22 Uhr
Tbilisi Lounge:
Elektronavtebi (Georgien 2005), dazu Sergi Gvarjaladze über Musik, TV, Alltag
... mit wechselnden Gastgebern und Gästen zu wechselnden Themen, mit Gesprächen und Vorträgen, mit Filmen und Videos, mit Musik und Getränken: Sergi Gvarjaladze ist knapp 37, spricht fließend deutsch und englisch, sang und spielte in einigen Bands, ist mittlerweile fast ein „Veteran“ des „neuen georgischen Radios“ und hat nach „Komunikatori“ jetzt mit „Vakansia“ eine zweite Sendung im ersten georgischen Fernsehen.
Berühmt über Georgien hinaus wurde er als Veranstalter der „Adjara Dance Hall“ in einem ehemaligen Intourist-Hotel.

Freitag, den 14. Oktober

UT Connewitz, Saal, 20 Uhr
Schuld + Sühne:
Auf der Wendeltreppe (Georgien 2002)
Der Film lebt von seinen genauen und sehr präsenten Darstellern ebenso wie von vielen messerscharf fotografierten Bildern. Man merkt, dass sowohl Regisseur als auch Darsteller überdurchschnittlich gute Theaterhandwerker sind. Die Texte des Filmes sind verdichtet, viele kammerspielartige Szenen sind eingebettet in karge, beklemmende Szenenbilder, andere Einstellungen spielen mit der Schönheit des Landes und den Gesichtern seiner Menschen. „Auf der Wendeltreppe“ wurde bisher nur auf Festivals gezeigt und erhielt in der Ukraine zwei Preise für Hauptdarsteller und Regie.

LOFFT, 20 Uhr
Kraft + Eleganz: Khridoli - Georgisches Kampf Kunst Theater + Konzert Stumari
Stumari wurde im Jahr 2000 gegründet. Die Musiker vertonen alte Texte, die sie in Bibliotheken und Archiven finden. Ihre Musik wirkt zeitlos, basiert aber auf alten georgischen Traditionen. In Georgien gelten sie als eine Band, die gleichermaßen bewahrt und erneuert. Stumari wird nicht nur zu Folk- sondern ebenso oft zu Fusions-Musik-Festivals eingeladen. In diesem Jahr veröffentlichten sie ihr erstes Album „Rope Bridge“.Mit den Ringern des Georgischen Kampf Kunst Theaters arbeitete die Band bereits zu verschiedenen Anlässen und in verschiedensten Konstellationen zusammen. Für die Show in Leipzig wurden mehrere neue Songs komponiert. Stumari zeichnet auch für die visuellen Effekte der Show. Im Anschluss an die Performance gibt es ein Konzert.

UT Connewitz, Saal, 22 Uhr
Fuck the man who started first - Georgische Kurzfilmnacht
... wird hier präsentiert von Absolventen der Staatlichen Akademie für Theater und Film in eigener Auswahl und Dramaturgie. Außerdem sind wir bestrebt, auch einige Filme des Künstlernetzwerkes GOSLAB in den Abend einzubauen.


Samstag, den 15. Oktober


UT Connewitz, 20 Uhr
Georgische Essen + intelligent electronic music:
Gogi Ge.Org + Nikakoi /Erast
Auf den digitalelektronischen Maschinen der Zukunft skizziert Gogi klare, da formal reduzierte Standpunkte, was zuerst einmal unglaublich gut tut. Samtiger Glanz, Crépuscule- Charme und stiller Widerstand zeichnen erarbeitete Freiräume, die wertvollen Zugewinn versprechen: Elektropop en-tout-cas. In den neu sortierten Zusammenhängen findet sogar festverortetes Material (Ivor Cutler, W.S. Burroughs) seine Funktion, um Weltendistanzen zu überwinden. Diese gelehrte, sich selbst bewusste Musik versteht ihr Wissen als Werkzeug. Ähnlichen Ansätzen hier und anderswo sind sie einen Schritt voraus. Die Karten sind also neu gemischt. Niemand ist vorher drauf gekommen und hatte das Talent, es so zu machen wie Gogi und seine Freunde, von denen Natalie „Tusia“ Berdize mit ihrem abstrakteren Tba-Album schon ähnliches Erstaunen auslöste. Das hier ist jetzt der Hit aus Tiflis, ein Manifest der Möglichkeiten des Moments auf klassischer Vinylalbumlänge.

»Shentimental« , das trifft die Grundlaune ganz gut. Bedeutet ja: Sentimental, davon gehe ich aus, also das sowieso, klar. Dann das wohlig-weiche »Sh« statt dem zischend scharfen »S«, das üblicherweise dem Entimentalen voran gestellt ist. Es ist ein Schlaflager, das ich mir einrichte, und wo ich mich mit meiner Sentimentalität hin zurückziehe. Meine Sentimentalität geht schließlich niemanden etwas an! Außer, ich mache Kunst daraus. Also: Shentimental, ich gebe euch etwas, das doch nicht mein ist! Entlehnt dem gleichen Zeichensatz, dessen sich Nika Machaidze bereits für seine erste längere Platte »Sestrichka« bediente. Und wieder quellen mürbe Mollsounds über, entspringen Breakbeats in Zickzack dem Transitraum Berlin-Tiflis. In dieser Zone bewegt sich Nikakoi als Mitgestalter des Film-Kunst-Musik-Kollektivs Goslab. Die Veränderung zu »Sestrichka« liegt im Entzerren. Wenn Machaidze heute Melodien will, dann zentriert er die auch. Will er üble Laune haben, dann strahlt er die an. Damit rückt er weg vom Suppenansatz von »Sestrichka«. Der klang nur anders, nicht besser oder schlechter. Auch die Titel sind wieder große Lyrik: »Balaxinwind« heißt ein Schwan von Glitch-Track, »Somethings Moving In My Liquid« ein ziemlich funkgestörtes Stück. Das Sentimentale im Shentimentalen Bewusstseins-Set liegt in der Erinnerung. Die Platte klingt wie die Summe böser, irrer, langweiliger und lustiger Träume. Die ich als Kind träumte, als sich noch ein schützender Himmel aus Elternhänden, Gebeten und Lernanweisungen über mich wölbte. Es krümmt sich noch einmal, in ein anderes Leben.

Sonntag, den 16. Oktober

naTo, 20 Uhr
OstWind Lounge: NGA light + Tusia Beridze (aka TBA) - Neue Georgische Ästhetik
Keine Unbekannte. Tusia Beridze kommt aus Georgien und ist fest im
Umfeld von Goslab verankert, hat schon mit Nikakoi gearbeitet, ist generell schon sehr lange aktiv und legt hier erstmalig einem größeren Publikum ihre eigenen Tracks vor. Sofort hat man das Gefühl, direkt im Rechnergehäuse zuhören zu dürfen und wie da alles heißläuft, aber irgendwie sind einige Tracks zu intim, als dass ich da völlig einsteigen könnte. Zum Glück betrifft das nur einen kleinen Teil. Andere Stücke öffnen einem sofort ihr Herz und immens träumerisch und verspielt, gehen sofort ins Ohr, agieren mit ganz einfachen Sounds und sind dadurch so wahnsinnig charmant, dass man gar nicht anders kann, als sie zu mögen, und einen schon gar nicht auf die unausgefeilte Produktion hören lässt, denn genau die ist auch mit das Wunderbare an Tusia Beridze. Irgendwie scheint es in Georgien einen großen Freundeskreis verhuschter klassischer Orgelwerke zu geben, die hier Inspiration zu sein scheinen, dann mit den üblichen Rechnergeräuschen gepaart werden, aber dennoch diese barocke Leichtigkeit behalten. Georgien klingt. Allein das ist schon eine gute Nachricht.

Veranstaltungsorte: UT Connewitz, LOFFT, naTo, TELEGRAPH

UT Connewitz

04277 Leipzig
Wolfgang Heinze Str. 7
utconnewitz@web.de
www.utconnewitz.de

Telegraph-Café-Restaurant
04109 Leipzig
Dittrichring 18 -20
Telefon (0341) 149 49 90
www.cafe-telegraph.de

LOFFT im Theaterhaus am Lindenauer Markt
04177 Leipzig
Lindenauer Markt 21
Telefon (0341) 96 17 615
info@lofft.de
www.lofft.de

Cinemateque Leipzig / Kunsthaus die naTo
04275 Leipzig
Karl Liebknecht Str. 46
Telefonl (0341) 301 43 97 / 391 55 39
kino@nato-leipzig.de
www.nato-leipzig.de


Weitere Informationen:

Büro für Off-Theater
Andersenweg 2
04277 Leipzig
Telefon +49-(0)-341-86 32 818
E-Mail: info@bfot.de
Webseite:
www.bfot.de (ab September)

Kartuli Suli wird gefördert von der
Stadt Leipzig - Kulturamt, von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, vom Fonds Darstellende Künste Essen e.V. sowie vom Goethe Institut - Inter Nationes