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Thursday, October 25, 2012

GOURMET: Die Wiege des Weins liegt in Georgien. Von Andrzej Rybak (ftd.de)

(ftd.de) Kaukasische Rebsorten, Gärung in Tonamphoren: Georgien besinnt sich auf eine uralte Weinkultur, die Anwärter auf das Unesco-Welterbe ist. Unser Autor probiert auf dem Gut eines Deutschen ungeahnt gute Tropfen.  


Der dunkelblaue Saperawi-Wein aus Kachetien, Georgien
photo: Lioba Schöneck
Ein steinerner Turm überragt die windschiefen Häuser von Kisiskhevi. Der Rest des Châteaus, das der Stolz des Dorfes ist, verbirgt sich hinter einer hohen Mauer: ein schmuckes Gebäudeensemble aus Natursteinen und Ziegeln, beschienen vom Goldlicht der Spätnachmittagssonne. Von der Terrasse huscht der Blick über ein breites Tal und bleibt an den mächtigen Schneegipfeln des Kaukasus hängen. "Irgendwo hier wurde vor fast 8000 Jahren das Geheimnis der Weinherstellung entdeckt", sagt der Hausherr Burkhard Schuchmann. "Georgien ist die Wiege des Weins, nicht Griechenland, wie viele glauben."
Das Land am Schwarzen Meer ist tief mit der Weinkultur verbunden. 
 
Archäologen datieren die ältesten Samen kultivierter georgischer Reben auf das sechste Jahrtausend vor Christus. Ebenso die älteste Amphora, in der sich Spuren von Wein fanden. In den Tälern des Südkaukasus wachsen bis heute über 500 heimische Rebsorten, die es sonst nirgends gibt. Linguisten führen das lateinische Wort vino auf das georgische gvino zurück. Und Wein darf bei keinem Festessen fehlen. Fast jede Familie auf dem Land stellt ihren eigenen Rebensaft her - wie in der Frühzeit in Tonamphoren.

Schuchmann suchte eigentlich nur ein Hobby

In den späten 90ern besannen sich auch Profiwinzer auf die bauchigen Gefäße. Besonders in der östlichen Provinz ­Kachetien, wo Kisiskhevi liegt, wird in den spitz ­zulaufenden Amphoren wieder Wein ausgebaut. Damit die Gärtemperatur konstant bleibt, stecken die Kwewris bis zum Hals in der Erde. Sie schränkt die Sauerstoffaufnahme durch die Tonwände ein und schenkt dem Wein einen leicht mineralischen ­Geschmack. Inzwischen hat sich die Methode so ­bewährt, dass sie für die Unesco-Welterbeliste nominiert ist. Die Entscheidung fällt im Herbst. "Wenn es klappt, dürften Kwewri-Weine bald bekannter sein", sagt Schuchmann. Und es wird klappen, glaubt er.
 
Der Westfale, vor seiner Pensionierung Vorstandschef beim Schienen- und Weichenhersteller Vossloh, wollte in Georgien eigentlich nur ein paar Reben­felder erwerben und die Trauben zu einer ­guten Kellerei bringen: Wein machen, ohne sich viel Verantwortung aufzuladen. Er bereiste das Land, nahm Bodenproben, fand Felder - und wurde bei Vinoterra in Kisiskhevi vorstellig. Doch die Kellerei war verschuldet und suchte einen Käufer, keine Aufträge. 2008 übernahm Schuchmann den kompletten Betrieb und vertraute einem der Anteilseigner, dem exzellenten Weinmacher Giorgi Dakishvili, die Produktion an. Seitdem hat der Deutsche 6,5 Mio. Euro investiert und den Betrieb zum Château aus­gebaut. Auch er stellt Weine in Tonamphoren her.
 
"Kwewri-Wein ist im Geschmack etwas ganz Besonderes", sagt der 70-Jährige zufrieden. 120 Hektar besitzt er in Kachetien, auf denen hauptsächlich die georgischen Rebsorten Saperawi, Rkaziteli und Mzwane wachsen. Zudem ein wenig Cabernet Sauvignon, Merlot, Chardonnay. Ein Teil der Ernte wandert in die Kwewris, ein anderer in moderne Edelstahltanks. 250 000 Flaschen exzellenten Weins entstehen so im Jahr.

"Ein Ritt auf Messers Schneide"

Drei Dutzend Amphoren sind in Schuchmanns Kellern eingegraben. In ihren dunklen Bäuchen ­gären 500 bis 3500 Liter Maische aus seinen besten Beeren. Für die Spontanfermentation sorgen reb­eigene Hefen. Dakishvili überwacht den Prozess. Da auch Schalen, Kerne und Stängel mitgären, ent­wickelt der Wein mehr Tannine und Polyphenole und wird sehr körperreich. Je nach Rebe und Machart bleibt er zwischen drei Wochen und zehn Monaten im Kwewri. "Ein Ritt auf Messers Schneide", sagt Dakishvili. "Wenn die Maische zu viele Stängel und Kerne enthält, kann der Wein bitter werden."
 
Doch der Kellermeister weiß genau, wie das Lesegut sortiert und zerdrückt werden muss und wie lange es gären darf. Den Saperawi zum Beispiel belässt er im Unterschied zu anderen Winzern nicht monatelang im Kwewri, sondern füllt ihn nach 16 bis 20 Tagen in Edelstahltanks um. Dort sinkt im Verlauf der sekundären Gärung der Säuregehalt, was für ein elegantes, harmonisches Geschmacksbild sorgt. Eine jahrtausendealte Tradition, gepaart mit modernem Know-how.
 
Trinkreif ist der Saperawi danach noch lange nicht. Erst wenn er zwei Jahre später aus den alten Eichenfässern, die Schuchmann aus Frankreich importiert hat, ungefiltert in Flaschen abgefüllt wird, erfährt man, was aus ihm geworden ist: ein dunkelroter Wein, der nach Kirsche, Zedernholz und Minze ­duftet, bevor er mit sattem Kirscharoma und zarter Pfeffernote über die Zunge rollt.

Südossetien-Konflikt veränderte auch die Weinherstellung

Der weiße Kisi ist noch ungewöhnlicher. Normalerweise wird Weißwein lediglich aus Traubenmost gewonnen, doch beim Kisi gärt die ganze Maische wie sonst nur bei Rotwein üblich. Nach der Gärung bleibt er weitere sechs Monate im Kwewri und wandert anschließend für ein Jahr ins Barrique. Goldgelb fließt er hinterher ins Glas mit einem Bouquet von reifem Pfirsich und leisen Kieferakzenten. 
 
Die Kunde vom georgischen Kwewri hat bereits Winzer in Österreich, Italien, Slowenien und den USA erreicht. Sie importierten Tongefäße und bauen nun Wein auf die uralte Weise aus. "Die Herkunft der Methode wird meist gar nicht erwähnt", sagt Nika Rurua, Kulturminister in Tbilisi. "Aber wenn die Unesco unser Menschheitserbe anerkennt, werden die Hersteller den Ursprung benennen müssen."
 
Von dem neuen Renommee würden auch die ­Töpfer profitieren. Ihr Kwewri-Handwerk war in der Sow­jetzeit fast ausgestorben, denn der Arbeiter- und Bauernstaat hatte seine georgischen Winzer auf Massenware aus Stahltanks eingeschworen. Erst als Russland 2006 im Zuge des Südossetien-Konflikts die Grenze zu Georgien schloss und die Weinwirtschaft über Nacht vor dem Nichts stand, war der Zeitpunkt für die Umkehr reif: Nur im qualitätsbewussten Westen konnte man neue Märkte erobern. Von dieser Erkenntnis bis zur Besinnung auf die Kwewri-Tradition war es nicht mehr weit. 
 
Jetzt muss nur noch die Nachfrage steigen. Dann könnte es bald wieder mehr als die verbliebenen zwei Töpfereien geben, in denen übermannshohe Amphoren entstehen, die so mit Bienenwachs ausgekleidet werden, dass der Ton nicht zu viel atmet und nicht zu wenig. Für Kwewri-Macher jedes Mal eine Herausforderung.
 
Auch die Winzer selbst arbeiten noch an der ­Wiedergeburt des georgischen Weins. Schuchmann bildet Nachwuchs aus und sponsert eine staatliche Weinschule. Mehrere Auszeichnungen haben seine Weine schon bekommen, darunter Gold beim Wettbewerb Mundus Vini 2010 und beim International Wine Award 2011. Sogar Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hat das Château, zu dem ein feines Restaurant und ein kleines Hotel gehören, schon besucht. Er war erstaunt, dass Wein aus seiner Heimat so gut schmecken kann.

www.schuchmann-wines.com
erhältlich z. B. über Geovino, www.geovino.de
 
 

Saturday, August 18, 2012

DEGUSTATION: Vom Holz geküsst_Dr. Rolf Klein stellt vor: "2008 Schuchmann Saperavi aus der Amphore" (youtube.com)



Direkt aus der Weinstyle 2012 in Hamburg:
"Vom Holz geküsst" Dr. Rolf Klein stellt den 2008 Schuchmann Saperavi aus der Amphore vor.

Besondere Rebsorte, besondere Vinifizierungsmethode, ein durch und durch spannender Wein.

KAKHETI: Degustation with Gogi Dakishvili: 2008 Saperavi aus dem Qvevri (youtube.com)

Wednesday, April 04, 2012

GEORGIEN: Burkhard Schuchmann. Von der Weiche zum Wein. Von Eberhard Krummheuer (handelsblatt.com)

(handelsblatt.com) Mit der Weichen und Dieselloks verdiente Burkhard Schuchmann lange sein Geld. Dann ging der langjährige Vorstandschef des Bahntechnik-Herstellers Vossloh in den Kaukasu um Winzer zu werden. Jetzt kehrt der 67-Jährige zurück, um mit seinen Weinen die deutsche Gastronomiebranche zu überzeugen. 

DÜSSELDORF. Schienenbefestigungen, Weichen, Dieselloks – das war lange das Metier von Burkhard Schuchmann. Die Bahntechnik-Messe Innotrans in Berlin war der Platz seiner Auftritte. Jetzt geht der langjährige Vorstandschef des Bahntechnik-Nischenanbieters Vossloh auf eine ganz andere Messe. Der klein gewachsene, agile 67-Jährige mit dem in Ehren ergrauten Bart ist Aussteller auf der am Sonntag beginnenden Düsseldorfer Fachmesse „ProWein“.

wijnhuis schuchmann georgieSchuchmanns Produkte haben so exotische Namen wie SapEravi, Rkatsiteli, Ojaleshi und Kisi. Sie stammen aus einem Land, das eine über tausendjährige Weinbautradition für sich in Anspruch nimmt – und doch in Deutschland selbst Kennern kaum als Rebensaft-Produzent bekannt ist: die ehemalige Sowjetrepublik Georgien. Als er nach heftigen Auseinandersetzungen mit seinem Aufsichtsratschef Kajo Neukirchen bei dem im MDax notierten Mittelständler Vossloh Ende 2005 die Brocken hinwarf, hatte er es im kleinen Kreis schon angedeutet: Wein anbauen, ja, das wäre noch ein neuer Job fürs Alter. Doch statt Weinbau kamen internationale Aufsichtsratsmandate in der Bahnindustrie. Sein Ziel verlor Schuchmann aber nicht aus den Augen. Er sondierte die vinologischen Möglichkeiten in Argentinien wie in Südafrika, dann setzte ihm ein in Deutschland arbeitender Georgier den Floh ins Ohr: Weinanbau in der so fern erscheinenden Kaukasus-Region.

Nach

einigen Sondierungen war der Rest fast schon unternehmerische Routine: Schuchmann kaufte gut hundert Hektar Rebenäcker und gleich ein kleines Weingut mit dazu. Zum Investment gehört moderne Produktionstechnik wie etwa Edelstahltanks und Abfüllanlagen. Schuchmann kam als Retter in der Not: Jahrzehntelang hatten die Georgier mit dem Sowjetreich einen Riesen-Absatzmarkt, den sie mit preiswerten Massenprodukten bedienten. Doch dann kam der Krieg zwischen Russland und Georgien, die Grenzen wurden dicht, den Produzenten drohte das Aus.

Die neue Firma Schuchmann Wines verabschiedet sich von der Großproduktion. Klein, aber fein, ist die Devise: „Wir wollen georgische Weine Kennern in Westeuropa erschließen“, sagt der Chef, der sowohl seinen Statthalter am Produktionsstandort, zwei Autostunden von Tiflis entfernt, an seiner neuen Firma beteiligt wie auch die Geschäftsführerin in Deutschland. Klar, neugierige Weinfreunde zahlen gerne etwas mehr, und so hat der Neu-Winzer sich eine Preisspanne für Endverbraucher zwischen 12 und 30 Euro gesetzt. Zudem strebt er an, die Weinkeller der hochwertigen Gastronomie zu erobern.

Das langsam wachsende Sortiment hat zwei Schwerpunkte. Einerseits versucht Schuchmann, klassische Weine im sonnenverwöhnten Kaukasus zu produzieren, andererseits will er die lange gepflegten Eigengewächse erhalten, denn die sind, so sagt er, die „eigentlich spannenden Rebsorten“. Die reifen fern von den Manipulationsmöglichkeiten moderner Weinbautechnik – in mannsgroßen, in den Boden eingegrabenen tönernen Amphoren, einfach ihrem Schicksal überlassen. Und abgefüllt werden sie als Edelmarke „Vinoterra“, so heißt die Schuchmann’sche Produktionsstätte.

In Georgien könne man viel bewirken, sagt der Nicht-Ruheständler, solange man sich um alles selbst kümmert. Geld hineinzubringen ins Land sei genauso gut möglich, wie es wieder herauszuholen. Fünf Millionen investierte der Neu-Winzer, und er ist sich nach der ersten Ernte – zwei Drittel rot, ein Drittel weiß – von 230 000 Litern sicher: „Gut, dass ich das Geld im letzten Jahr nicht bei meiner Hausbank gelassen habe: Die bessere Anlage war Georgien.“

Links:  
www.schuchmann-wines.com
www.georgiano.de
www.radio912.de

Tuesday, October 25, 2011

TRAVEL: Schuchmann Wines Chateau offers tourists a top destination in Georgia (examiner.com)

By , Wine Travel Examiner

The Republic of Georgia is a somewhat off-the-beaten path travel destination, but for intrepid souls who venture forth to this mountainous land there is much to love. The country boasts a rich culture of folk music and dance and delicious, hearty cuisine.

And Georgia, nestled between the Black Sea to the west and the Caucasus Mountains to the north and east, is recognized as have the world’s oldest winemaking tradition.
Wine lovers who journey here can visit and stay at a new winery that provides a heady mix of softly rolling landscape, comfortable hotel rooms, elegant restaurant, and a beautiful winemaking facility to explore.

Schuchmann Wines Chateau has a welcoming, English-speaking staff and an espresso machine on premises. According to Burkhard Schuchmann, “It was the first thing I had installed.” After a demitasse of freshly made espresso, travelers can enjoy a winery tour.
A native of Germany, Mr. Schuchmann was a former railroad executive who dreamed of a very different kind of retirement – owning a winery in Georgia. When I met Mr. Schuchmann, he was as enthusiastic as a kid in a candy store as he bade me welcome to his place. And if you encounter him on your visit, you will recognize him by his bright blue eyes, wide smile, and exceptionally friendly greeting.

Schuchmann wines range in style from modern to ancient. The old-style wines are made in traditional Qvevri, which are clay amphorae that are filled with pressed grape juice as well as the whole bunches of skins and stems. The entire batch is covered for a number of months and ferments under ground. Then the solids (skins and stems) are removed. The final wine often include spicy notes such as clove and cinnamon as well as heavy tannins. You will also enjoy the winery’s modern style wines made from traditional Georgian grapes such as Saperavi and Rkatsitelli.

Slideshow:
Schuchmann Wines Chateau offers tourists a top destination in Georgia

Related TopicsSchuchmann Wines Chateau
Georgian Wine
Georgia tourism
Republic of Georgia

For information, visit the
Schuchmann Wines Chateau website

Tuesday, July 12, 2011

INTERVIEW: "Die Frauen hätten mich fast gelyncht" - Auskunft des Großwinzer Burkhard Schuchmann im wilden Georgien (welt.de)

Feierabend: Feierabend mit Burkhard Schuchmann
Das Gespräch führte Nikolaus Doll (welt.de)

Statt seinen Ruhestand zu genießen, wird ein deutscher Topmanager zum Großwinzer im wilden Georgien. Ein Expertengespräch über Spätlesen

Jahrzehntelang war Stahl Burkhard Schuchmanns Geschäft: Weichen, Schienenbefestigungen, Lokomotiven, zuletzt Kräne. Der 69-Jährige hat alles hinter sich, was eine Karriere als Vorstands- und Aufsichtsratschef bieten kann: Börsengänge, Übernahmen, gewonnene und verlorene Machtkämpfe, den Weg aus bescheidenen Verhältnissen zum Millionär. Im Rentenalter hat er noch einmal einen Neuanfang gewagt: Der frühere leitende Angestellte wurde Firmengründer - als Winzer. Auch in diesem Beruf packte ihn bald der Ehrgeiz. "Das Weingut Burkhard Schuchmanns ist nicht das größte im Land, aber das bestgeführte, unser Vorzeigeunternehmen", sagte Georgiens Landwirtschaftsminister Bakur Kvezereli der "Welt am Sonntag".

Welt am Sonntag: Herr Schuchmann, Sie tragen hier, inmitten Ihres Weinbergs, geschlossene Schuhe und Kniestrümpfe, obwohl es hier elend heiß ist. Sie wissen schon, dass sich da ein Verdacht aufdrängt?

Burkhard Schuchmann: Welcher Verdacht? Das schützt mich vor den Disteln und Mücken im Weinberg.

Welt am Sonntag: Und vor Blicken. Dann sieht man nicht, dass Ihre Füße blau-violett sind.

Burkhard Schuchmann: (lacht) Es ist richtig, dass ich gelegentlich selbst in den Bottich zum Traubentreten steige und dass die roten Saperavi-Trauben derart färben, dass man die Farbe kaum mehr wegbekommt. Aber heute trägt man dabei meistens Gummistiefel. Das ist hygienischer.

Welt am Sonntag: Hört sich nach Schwerarbeit an.

Burkhard Schuchmann: In erster Linie macht es Spaß, das ganze Team stampft mit, wir singen und tanzen, da kommt richtig Rhythmus rein.

Welt am Sonntag: Legen Sie auch sonst Hand an?

Burkhard Schuchmann: Klar, bei der Ernte, aber auch bei der grünen Lese, wenn man von den dann noch unreifen Trauben einen wesentlichen Teil wegschneidet, um die verbliebenen Reben stärker zu machen. Die Georgier haben mich zuerst für verrückt gehalten. Der Deutsche schmeißt ja die Hälfte der Ernte weg, hieß es kopfschüttelnd. Aber so bekommt man bessere Qualität.

Burkhard Schuchmann: Schuchmann herzt Weinarbeiterinnen und bindet Reben hoch.

Welt am Sonntag: Dafür, dass man Sie mal für verrückt erklärt hat, haben Sie aber ein gutes Verhältnis zu Ihren Leuten.

Burkhard Schuchmann: Oh, die können auch anders. Letztes Jahr hätten mich die Frauen fast gelyncht. Sie wollten mehr Lohn, als ich ihnen geben konnte. Und eine Georgierin wird in solchen Fällen immer sehr aufbrausend. Das sind feurige Menschen hier.

Welt am Sonntag: Wie ging es aus?

Burkhard Schuchmann: Mit einem Kompromiss. Ich habe gelernt, dass ich ein bisschen georgischer werden muss, und habe dafür gesorgt, dass die Leute ein bisschen deutscher werden.

Welt am Sonntag: Was bedeutet georgischer?

Burkhard Schuchmann: Man ist ein bisschen ungenauer, hat andere Vorstellungen von Zeiten und Abläufen und ist auch kompromissbereiter.

Welt am Sonntag: Warum wird ein früherer Vorstandschef eines MDax-Unternehmens zum Weinbauern im Kaukasus? Vertreiben Sie sich den Ruhestand, oder wollten Sie ernsthaft neu anfangen?

Burkhard Schuchmann: Beides. Anfangs war es ein Hobby, dann hat mich der Ehrgeiz gepackt.

Welt am Sonntag: Es ist in gewissen Kreisen in zu winzern. Günther Jauch will es lernen, Hubert Burda sieht es eher philosophisch, RWE-Chef Jürgen Großmann will genießen. Was treibt Sie?

Burkhard Schuchmann: Mich hätte eine etablierte Weinlandschaft nicht interessiert. Dann wäre es ein Finanzinvestment gewesen. Ich wollte was aufbauen, gerade in einem Land, das ich lieben gelernt habe.

Welt am Sonntag: Was war die größte Überraschung?

Burkhard Schuchmann: Wie stark man es beeinflussen kann, dass am Ende etwas wirklich besonders Gutes rauskommt. Das fängt beim Feld an und hängt dann von jedem einzelnen Schritt in der Prozesskette ab.

Welt am Sonntag: Zuerst braucht man wohl viel Geld. Wie viel haben Sie hier investiert?

Burkhard Schuchmann: Insgesamt bis heute etwa 6,5 Millionen Euro. In Grundstücke und Neubauten, Anlagen, Maschinen und Vorräte.

Welt am Sonntag: Was als Hobby begann, soll sich sicher irgendwann rechnen.

Burkhard Schuchmann: Natürlich habe ich einen Businessplan und will mit diesem Weingut Gewinn machen. Das ist schon deshalb nötig, um investieren zu können, neue Reben anzupflanzen, neue Versuche zu machen, zum Beispiel mit Beerenauslesen zu experimentieren. Es geht nicht, dass man immer nur Geld reinsteckt, irgendwann muss sich ein Unternehmen tragen. 2013 oder 2014 wird laut Plan nach Abzug aller Belastungen Geld übrig bleiben.

Welt am Sonntag: Traumrenditen schafft man mit Wein eher nicht?

Burkhard Schuchmann: Eine zweistellige EBITDA-Marge ist realistisch, das ist doch gar nicht so schlecht.

Welt am Sonntag: Wie groß ist Ihre Ernte heute?

Burkhard Schuchmann: Ich produziere rund 250 000 Flaschen pro Jahr, auf 500 000 will ich kommen.

Burkhard Schuchmann: Schuchmann schlendert vom Feld in den Weinkeller und entkorkt eine Flasche.

Welt am Sonntag: Was trinken wir da?

Burkhard Schuchmann: Das ist ein Weißwein, Jahrgang 2006. Die Rebsorte heißt Kisi, kommt nur hier vor und ist eine der seltensten in Georgien. Man erntet jedes Jahr im ganzen Land nur etwa 50 Tonnen Trauben. Wir produzieren rund 4000 Flaschen. Dies ist ein ganz besonderer Wein, den man entweder liebt oder fürchterlich findet.

Welt am Sonntag: Beschreiben Sie diesen Wein.

Burkhard Schuchmann: Der Kisi wird wie ein Rotwein mit Kernen und Häuten und Stilen vergoren. Er hat eine leichte Säure, das ist von der Farbe her fast eine Art Sherry. Der Kisi passt sogar zu einer guten Zigarre.

Welt am Sonntag: Herr Schuchmann, Sie sind eine Enttäuschung. Da muss doch jetzt etwas kommen wie "füllig am Gaumen, mit leicht pfeffrigem Abgang".

Burkhard Schuchmann: Ach, das ist nicht meine Sprache.

Welt am Sonntag: Machen Sie auch Spätlesen? Würde ja passen.

Burkhard Schuchmann: Wir sind noch nicht so weit, aber da wollen wir hin.

Welt am Sonntag: Wer soll denn die 250 000 Flaschen jährlich trinken? Die Georgier? Die Menschen sind arm, und wer was besitzt, hat selbst einen Weinberg.

Burkhard Schuchmann: Rund 20 Prozent der Produktion bleiben in Georgien, weil es allen Problemen zum Trotz auch hier Menschen gibt, die sich einen herausragenden Wein ihres Landes gönnen wollen. Der Rest geht in den Export, vor allem nach Deutschland, aber auch nach Schweden, England, in die Benelux-Staaten oder die USA.

Welt am Sonntag: Dort wartet doch wirklich niemand auf georgischen Wein.

Burkhard Schuchmann: Warten nicht unbedingt, aber anspruchsvolle Weintrinker sind empfänglich für Neues, die wollen nicht den Tausendsten Merlot oder Sauvignon.

Welt am Sonntag: Die Infrastruktur hier ist entsetzlich, wie kommt die Flasche zum Kunden?

Burkhard Schuchmann: Die Logistik ist eine Herausforderung, das stimmt, und zwar eine Doppelte. Zum einen müssen die Flaschen per Lkw über die Türkei nach Mitteleuropa. Das läuft ganz gut. Vorher aber muss ich erst mal leere Flaschen aus dem Ausland einführen, weil es in Georgien keine Produktion gibt, die unseren Ansprüchen genügt.

Welt am Sonntag: Es gibt Menschen, die behaupten, nach dem unschönen Ende als Vossloh-Chef habe sich Schuchmann in einen Schmollwinkel zurückgezogen - so weit weg, wie es eben ging.

Burkhard Schuchmann: Ich schmolle nicht. Ich habe bei Vossloh fantastische Zeiten erlebt und bin dort im richtigen Augenblick ausgeschieden.

Welt am Sonntag: Hängt Ihnen das noch nach: der Machtkampf gegen den damaligen Aufsichtsratschef Kajo Neukirchen, die Art, wie die Eigentümerfamilie Sie fallen gelassen hat?

Burkhard Schuchmann: Ich habe fast acht Jahre mit Kajo Neukirchen gut zusammengearbeitet, das bleibt in Erinnerung. Was es an Streit gab, ist erledigt. Und die Familie hat eine Entscheidung getroffen. Ob sie richtig war oder nicht, muss sie selbst entscheiden. (Schuchmann schenkt ein.) Das ist ein Saperavi 2005, ausgebaut, also vergoren, in der Ton-Amphore, dann 24 Monate in französischen Eichenfässern gelagert, etwas Besonderes. Wie finden Sie den?

Welt am Sonntag: Schmeckt mir gut. Mehr kann ich nicht sagen, ich bin Münchner, aus der Stadt weltberühmter Biere. Ist es schwer, als Unternehmer in diesem Land Fuß zu fassen?

Burkhard Schuchmann: Im Gegenteil, das Wirtschaftssystem ist eines der liberalsten der Welt. Es ist unkompliziert, Grund zu erwerben, das Rechtssystem ist dem deutschen ähnlich.

Welt am Sonntag: Aber die politischen Verhältnisse sind unsicher. Ein neues Regime kann doch einen Systemwechsel bedeuten, samt Verstaatlichung oder Bodenreform.

Burkhard Schuchmann: Man hat hier sehr konsequent einen unumkehrbaren Schritt Richtung Privatisierung gemacht. Auch bei einem Systemwechsel bräuchte eine neue Regierung Investoren. Das Land ist arm, die Industrie ist kollabiert, die Exportwirtschaft schwach. Georgien braucht Kapital und Know-how - das weiß man hier.

Welt am Sonntag: Wie man abkassiert offenbar auch. Korruption soll allgegenwärtig sein.

Burkhard Schuchmann: Das mag es hier und da geben. Mir allerdings ist kein Fall bekannt, und von mir wollte nie jemand Schmiergelder.

Welt am Sonntag: Aber die gefürchtete Steuerpolizei schaut gelegentlich bei Ihnen vorbei?

Burkhard Schuchmann: Natürlich, aber wir halten uns an die Gesetze und die auch, das Verhältnis zu den Steuerbehörden ist sehr entspannt. Ein Beispiel: Man hatte mich gebeten, Steuerrückforderungen zu stunden, weil die regionale Verwaltung klamm war, aber die Gehälter für die Lehrer zahlen musste. Ein Jahr später war das Geld da. Georgien lebt von der Hand in den Mund, aber man wird am Ende korrekt behandelt.

Welt am Sonntag: Wie sicher ist man hier eigentlich?

Burkhard Schuchmann: Oh Gott, ja, es gibt Leute die vermuten hier hinter jedem Baum einen Gangster mit einer Kalaschnikow. Ich fühle mich hier sicherer als manchmal in Frankfurt oder Berlin.

Welt am Sonntag: Bürgerkrieg und der Schlagabtausch mit Russland sind noch nicht lange her, und die Krisenregion Südossetien liegt Luftlinie 50 Kilometer von hier.

Burkhard Schuchmann: Ich war in diesem Jahr zwei Kilometer von der Grenze zu Südossetien Ski fahren - und habe mich sicher gefühlt.

Welt am Sonntag: Ein Konkurrent mehr: Die Weinbauern haben Sie sicher nicht gerade mit offenen Armen empfangen, oder?

Burkhard Schuchmann: Ich bin ganz offen empfangen worden. Die Leute hier sind klug genug, um zu wissen, dass jeder Erfolg, den ich mit georgischem Wein erziele, allen nützt, dass sie in diesem Fahrwasser auf neuen Märkten Fuß fassen können.

Welt am Sonntag: Und jetzt wollen Sie auch noch das Winzerwesen revolutionieren, mit einer Art dualem Ausbildungssystem wie in Deutschland. Stimmt das?

Burkhard Schuchmann: Eine Mischung von Theorie und Praxis in der Ausbildung gibt es hier nicht, ich denke aber, dass das gut wäre. Also machen wir das jetzt hier auch. Ich habe dafür niemanden gefragt. Man sollte nicht immer zu viel fragen.

Welt am Sonntag: Wie wird man hier eigentlich als Deutscher aufgenommen?

Burkhard Schuchmann: Die Gastfreundschaft der Georgier ist groß, das Ansehen Deutschlands enorm. Ich habe Kontakte zu georgischen Familien, manchmal muss man da sogar ein wenig bremsen, denn jeder, der einlädt, gibt das Letzte, um seinen Gast glücklich zu machen.

Welt am Sonntag: Sie offenbar auch, immerhin geht Staatspräsident Michail Saakaschwili angeblich bei Ihnen ein und aus.

Burkhard Schuchmann: Nicht nur er, auch seine Frau mit Freunden.

Welt am Sonntag: Der Präsident redet oft davon, dass sich das Land erholt - sehen tut man davon nichts. Welche wirtschaftlichen Perspektiven hat Georgien?

Burkhard Schuchmann: Georgien hat unter dem Krieg und der Finanzkrise sehr gelitten und erholt sich nur langsam. Das Land hat zwei Chancen: Wein und Tourismus. Mit Letzterem hat das Land aus Zeiten der Sowjetunion immerhin Erfahrung.

Welt am Sonntag: Die dürfte heutzutage kaum mehr etwas nützen. Daneben ist die Infrastruktur baufällig oder veraltet.

Burkhard Schuchmann: Es stimmt, man muss hier viel investieren, aber das geschieht ja derzeit und braucht seine Zeit. Generell hat Georgien als Reiseziel viel zu bieten: Es ist ein unglaublich schönes Land mit einer abwechslungsreichen Natur, Stränden und Bergen. Es wird gut gekocht und gewinzert, und es existieren jede Menge Kulturgüter. Georgien ist eine der Wiegen des Christentums. Das Christentum hat sich von hier Richtung Europa verbreitet.

Welt am Sonntag: Eines hat sich hier nicht verbreitet: der Korkenzieher. Stimmt es, dass ein georgischer Winzer keinen braucht?

Burkhard Schuchmann: (lacht) Deutsche Winzer zapfen auch aus dem Stahltank. Aber ernsthaft: Auch ich lagere den Wein in Ton-Amphoren, die im Boden eingelassen sind. Das ist in Georgien seit Jahrtausenden so üblich. Es ist schon ein besonderes Erlebnis, sich daraus ein Gläschen zu schöpfen. In Stahltanks steuert der Mensch die Temperatur des Weines, hier tut das die Natur.

Tuesday, November 16, 2010

VIDEO: Reben statt Rente (stern.de)

Früher leitete Burkhard Schuchmann ein Transportunternehmen, doch statt dann in den Ruhestand, gründete er in Georgien ein Weingut. Und obwohl die diesjährige Ernte nicht gut ausfiel, haben ihm die Einheimischen viel zu verdanken.