სახელოვნებო დიალოგი საქართველოსა და გერმანიას შორის
Gruppenausstellungen im Juni 2017 im CCA- Center for Contermporary Art Tbilisi, Georgien und im September 2017 im Museum Goch, NRW.
16. Juni 2017, 20.00 Uhr
CCA - Center for Contemporary Art & Medea Museum of Medicine
uznadze street, 51 Dimitri Uznadze St, Tbilisi 0102, Georgien
cca.ge
georgian translation: www.tavidan.net/tavidan-ge
english translation: www.tavidan.net/tavidan-artistic-dialogue
Zum Jubiläum der 200-jährigen Freundschaft zwischen Georgien und Deutschland beteiligen sich das Museum Goch, das CCA - Center for Contemporary Art Tbilisi und die Kuratorin Maria Wildeis mit dem Frauenkulturbüro NRW e.V. im Sommer und Herbst 2017 an gemeinsamen Gruppenausstellungen in Georgien und NRW.
TAVIDAN ist der georgische Ausdruck für „von hier aus, bzw. vom Kopf aus“ und beschreibt den Ausgangspunkt einer Idee oder eines Weges. Die direktionale Bedeutung des Ausstellungstitels verweist einerseits auf den Austausch zwischen zwei sehr unterschiedlichen Kulturräumen: dem streng westeuropäisch geprägten Deutschland und Georgien, dem geografischen und kulturellen Knotenpunkt zwischen Asien, Europa und Russland. An beiden Orten arbeiten Künstler/innen gemeinsam am Kunstbegriff der Gegenwart und bedienen sich einer globalen und kulturenübergreifenden Bildsprache.
Die Ausstellung möchte die Auseinandersetzung mit künstlerischen Praktiken in der Gegenwartskunst anregen und dabei unterschiedliche Herangehensweisen beleuchten. Der Titel referiert auch auf Kunstwerke, die sich als zeitbasierte Prozesse und atmosphärische Kompositionen begreifen und nicht allein an ein Objekt gebunden wirken. Fragen innerhalb des künstlerischen Austauschs richten sich an die vielfältigen Ausdrucksweisen in der Gegenwartskunst, die in Form von Installationskunst oder Performance, aber auch in Objekten und deren Platzierung oder der Integration der Besucher in das Werk eine ästhetische Erfahrung erzeugen.
Die ausgewählten Künstler arbeiten in nahezu allen Bereichen der Bildenden Kunst, wie Malerei, Neue Medien, Installation, Film, Fotografie, raumbezogene Objektkunst und sind darüber hinaus auch in anderen Disziplinen zu Hause, wie Musik, Mode, Biofarming oder in der Bildung. Ihre Arbeitsweisen befinden sich vielfach an einer Schnittstelle zwischen Kunst und Gesellschaft, Architektur, Bildung oder Musik.
"Weder allein das rezipierende Subjekt noch das solitäre Kunstwerk in seinen Grenzen konstituieren die Realität der Kunst." (Ludger Schwarte: Notate für eine künftige Kunst, Berlin 2016, S. 11)
Künstler:
CAROLINE BAYER (Berlin, DE)
LARS BREUER (Köln, DE)
ANA CHADUNELI (Rustavi, GE)
TAMAR CHADUNELI (Rustavi, GE)
NINO CHUBINISHVILI (Tbilisi, Ge)
HÖRNER|ANTLFINGER (Köln, DE)
MAMUKA JAPHARIDZE (Tbilisi, Ge)
GVANTSA JISHKIRIANI (Rustavi, GE)
NIKA MACHAIDZE (Tbilisi, Ge)
MICHAEL POHL (Berlin, DE)
KAI RHEINECK (Düsseldorf, DE)
PATRICK RIEVE (Köln, DE)
PETER SCHLOSS (Köln, DE)
SCULPTRESS OF SOUND (JULIA BÜNNAGEL, PATRICIA KÖLLGES, TAMARA LORENZ) (Köln, DE)
NINO SEKHNIASHVILI (Tbilisi, Ge)
KOTE SULABERIDZE (Tbilisi, Ge)
GIO SUMBADZE (Tbilisi, Ge)
WATO TSERETELI (Tbilisi, Ge)
Während des Aufenthaltes in Georgien finden Workshops mit Kunststudent/innen aus Georgien und den deutschen Künstlern statt.
Ein begleitender Katalog dokumentiert den künstlerischen Austausch und wird anlässlich der Ausstellung im Museum Goch, im Herbst 2017 präsentiert.
TAVIDAN wird gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Frauenkulturbüro NRW e.V. und das Museum Goch fördern seit 2013 den Künstlerinnenaustausch zwischen Deutschland, Georgien und Armenien und stehen so in einer persönlichen, freundschaftlichen Nähe zum Kaukasus.
www.tavidan.net
Kuratorin: Maria Wildeis
Assitenz: Leksi Sosela, Project Manager CCA
TAVIDAN: GE
Programm:
15. Juni, 7.30 p.m .: Gallery Nectar (Project Space): "Soul-tracks", butoh-dance by Wolfgang Schäfer
16. Juni 2017, 20.00 Uhr: Eröffnung TAVIDAN
21.00 Uhr: Performance Sculptress of Sound
Laufzeit: 17. Juni - 17. Juli 2017
Laufzeit: 17. Juni - 17. Juli 2017
Ausstellungsort: CCA - Center for Contemporary Art & Medea Museum of Medicine
uznadze street, 51 Dimitri Uznadze St, Tbilisi 0102, Georgien
cca.ge
TAVIDAN: DE
Eröffnung: 24. Sept. 2017
Laufzeit: 25.9. - 15.11.2017
Ausstellungsort: Museum Goch, NRW
Künstler:
KOTE SULABERIDZE (Tbilisi, Ge)
ANA CHADUNELI (Rustaveli, Ge)
CAROLINE BAYER (Berlin, De)
PATRICK RIEVE (Köln, De)
Akteure
Das Frauenkulturbüro NRW e.V. startete 2013 mit einem Internationalen Austauschprogramm. Zwei Künstlerinnen aus Nordrhein-Westfalen besuchen für zwei Monate die Länder Georgien und Armenien. Eine georgische und eine armenische Künstlerin kommen im Gegenzug für zwei Monate nach Nordrhein-Westfalen. Ziel des Stipendiums ist es, die Künstlerinnen auf internationaler Ebene zu fördern, ihr Netzwerk auszubauen und sie damit auf dem Kunstmarkt für weitere internationale Aktivitäten sichtbarer zu machen. Die Kooperationspartner sind das WELTKUNSTZIMMER in Düsseldorf und das Museum Goch.
Museum Goch: Mit seiner Sammlung spätgotischer Skulpturen des Niederrheins bis zur jungen Gegenwartskunst vereint das Museum 600 Jahre Kunstgeschichte. Seine spannungsreich inszenierte Sammlungsräume laden zu einem interessanten Dialog mit der Geschichte und Kunst ein.Wechselnde Ausstellungen insbesondere zur aktuellen Gegenwartskunst bereichern das Museum.
Maria Wildeis (*1984) studierte Kunstgeschichte, Philosophie und klassische Literaturwissenschaft in Köln und ist seit ihrem Magisterabschluss 2010 freiberufliche Kuratorin und Projektmanagerin in Köln und NRW. Seit 2015 leitet sie das Internationale Austauschprogramm für Bildende Künstlerinnen für das Frauenkulturbüro NRW e.V. und gründete im gleichen Jahr den Kunstraum Tiefgarage am Ebertplatz Köln, den sie seitdem leitet und kuratiert (www.tiefgarage.org). Andere Projekte, die sie verantwortlich leitete waren unter anderem: Heritage Heroes (eine Fotografieausstellung für die dt. UNESCO Kommission und das Auswärtige Amt 2015), 3. Kunstfestival Strom (Kunsthaus Rhenania 2013), Projektleitung Videonale.13 im Kunstmuseum Bonn (2011), Zeitzeugen, eine Ausstellung zum Anlass des Jubiläums des 1. Weltkrieges (2014) und TAVIDAN:Düsseldorf (im WELTKUNSTZIMMER Düsseldorf, 2014). www.mariawildeis.com
CCA – Center for Contemporary Art Tbilisi ist seit Oktober 2010 eine unabhängige gemeinnützige Einrichtung für Gegenwartskunst. Neben dem internationalen Ausstellungs- und Künstleraustauschprogramm fokussieren CCA ihre Arbeit besonders auf ihr eigenständiges Studienprogramm für georgische Kunststudent/innen.
Beide Ausstellungen werden vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
www.tavidan.org
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Wednesday, June 14, 2017
KUNST: TAVIDAN – Georgien und Deutschland im künstlerischen Dialog im Juni 2017 (Georgien) - im September 2017 (Deutschland)
Wednesday, October 16, 2013
ART: Kamikaze Loggia. Pavilion of Georgia at Venice Art Biennale 2013 (youtube.com)
(youtube.com) The Pavilion of Georgia at the Venice Art Biennale 2013 is an extension to an old building in the Arsenale site of the Biennial. The structure is called a "kamikaze loggia [facebook.com]", designed by Gio Sumbadze, who is a researcher of the typology of these vernacular architectural additions, which have been created since the 1990s after the fall of the Soviet Union to increase the living space. It's said that a Russian journalist named them "kamikaze", drawing a parallel between the romantic and suicidal character of these extensions and the typical ending of most Georgian family names "-adze". In the case of the Georgian Pavilion, the "kamikaze loggia" hosts an exhibition of the artists the Bouillon Group, Thea Djordjadze, Nikoloz Lutidze, Gela Patashuri with Ei Arakawa and Sergei Tcherepnin, and Gio Sumbadze. The exhibition, curated by Joanna Warsza, looks at the creation of informal architecture such as the "kamikaze loggia" and aims at presenting the extraordinary range of informality, bottom-up solutions and the concept of self-organization in Georgian art and architecture.
more links:
e-flux.com
geoplatforma.blogspot.de
art-magazin.de
Biennale in Venedig: Georgische „Kamikaze“-Architektur [de.blouinartinfo.com]
i-april.de
landerart-italy2013.weebly.com
artslant.tumblr.com
moussemagazine.it
designcontext.net
culture.pl
Labels:
Bouillon group,
Ei Arakawa,
Exhibition,
Gela Patashuri,
Gio Sumbadze,
Italy,
Joanna Warsza,
Nikoloz Lutidze,
Sergei Tcherepnin,
Thea Djordjadze,
Venice,
Venice Art Biennale,
Video,
YouTube
Location:
Venedig, Italien
Wednesday, October 24, 2012
VIDEO: "U.F.O." # 6 - Gio Sumbadze (youtube.com)
New UFO from beginning to end Gio Sumbadze Online, Video Blog musically Rezo Glonti signs, every track on his new album, The Diary Of The Second Officer-out, is used. more: tbcartarea.ge
Labels:
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Electronics,
Gio Sumbadze,
Interview,
Music,
Rezo Glonti,
Sound,
Video,
YouTube
Location:
Georgien
Tuesday, November 23, 2010
MOVES #6: Filmprogramm/Filmscreening: GOSLAB in Berlin. Kuratiert/curated by Andreas Reihse +++ 23. 11. 2010 UM 20.30 UHR (imagemovement-store.com)

Filmstill / Film still: Gio Sumbadze, Electrosmog #1, 2007 (courtesy of the artist)
lease scroll down for English versionMOVES #6: Filmprogramm / Film screening
23. 11. 2010 um / at 20.30
GOSLAB
Mit Filmen von / With films by
Tamuna Karumidze, Nika Machaidze, Salome Machaidze, Zaza Rusadze, Gio Sumbadze
+++
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,
Image Movement freut sich, das Filmprogramm GOSLAB, kuratiert von Andreas Reihse, präsentieren zu können.
GOSLAB – ein Filmabend zwischen Dokumentation und Fiktion. GOSLAB ist eine in Tbilissi gegründete lose Vereinigung aus Künstlern, Musikern, Filmschaffenden, einer Modemacherin und eines Hirnchirurgs. Das Wort GOSLAB ist eine Konstruktion aus государственная (Staat) und Лаборатория (Labor). Der Name spielt mit der Geschichte des Landes Georgien als Teil der UdSSR, in einer Zeit, in der alles Gos war. Neben Musik (Nikakoi, Erast, Post Industrial Boys, tba) ist Film das bevorzugte Medium der
Gruppe.
Mit einer Einführung von Andreas Reihse.
Der Eintritt ist frei.
+++
Dear Sir or Madam, dear friends,
Image Movement is delighted to present the film screening GOSLAB, curated by Andreas Reihse.
GOSLAB – an evening of films of both, documental and fictional character. GOSLAB is a Tbilisi based congregation of artists, musicians, directors, one fashion designer and a brain surgeon. The name GOSLAB consists of the russian words for state/nation, государственная, and for laboratory, Лаборатория. With this name GOSLAB reminds of the history of Soviet Georgia, of a time when everything was Gos. Besides music (e.g. Nikakoi, Erast, Post Industrial Boys or tba), film is the preferred media of the group.
With an introduction by Andreas Reihse.
Free entry.
+++
Image Movement I Oranienburger Strasse 18 I 10178 Berlin
Image Movement I Artist Films, Films on Art and Records I Mo – Sa, 11 – 19 h I
info@imagemovement.de
www.imagemovement-store.com
Sunday, December 13, 2009
ART: “Tbilisi” exhibition—this one organized by Arts Interdisciplinary Research Lab (AIRL) and Kunstmuseum Bern (artforum.com)
Left: New Jerseyy directors Tobias Madison and Dan Solbach. Right: Art historian Nana Kipiani and curator Daniel Baumann at the Tbilisi State Conservatoire.“TBILISI IS FAMOUS for its huge watermelons in summer; the currency is called lari, and you get Chanel-stamped plastic bags for your grocery shopping.” Or so Basel-based artist Tobias Madison summed it up. I wanted to see for myself (Google Maps just proffers a beige mass), and so last Tuesday, as friends were calling up Continental tickets to Miami on their BlackBerrys, I boarded a plane from JFK to Kiev with a midnight connection to Tbilisi for the sixth annual “Tbilisi” exhibition—this one organized by Arts Interdisciplinary Research Lab (AIRL) and Kunstmuseum Bern curator Daniel Baumann, with Ei Arakawa, Ani Chorgolashvili, Nana Kipiani, Gela Patashuri, Gio Sumbadze, Ana and Tea Tabatdze, Sergei Tcherepnin, and others. This edition, “Never on Sunday,” would start while I was in the air, but catching even four of the six days seemed worth the jet lag.
Although every iteration of the show takes a different form, this year billed paintings, films, musical scores, and recordings by artists from Tbilisi—not to mention Berlin, Frankfurt, New York, Oslo, Riga, Zurich (the list goes on)—to be performed, presented, distributed, enacted, and sold in this fifteen-hundred-year-old city of four million in the Caucasus. Almost all flights into and out of Tbilisi take place in the middle of the night. The airlines tell you the schedule is a matter of economics—cheaper airport fees for off-hours operations—but in hindsight, perceptual reversals seemed the country’s signature logic.
Although every iteration of the show takes a different form, this year billed paintings, films, musical scores, and recordings by artists from Tbilisi—not to mention Berlin, Frankfurt, New York, Oslo, Riga, Zurich (the list goes on)—to be performed, presented, distributed, enacted, and sold in this fifteen-hundred-year-old city of four million in the Caucasus. Almost all flights into and out of Tbilisi take place in the middle of the night. The airlines tell you the schedule is a matter of economics—cheaper airport fees for off-hours operations—but in hindsight, perceptual reversals seemed the country’s signature logic.
Tuesday, March 03, 2009
PROJECT: The New Map of Tbilisi (newmapoftbilisi.org)
The MAP analyzes the destruction caused by rampant real-estate development in Tbilisi, promotes democratic planning processes and -policies and teaches us abstract lessons about the relationship between ‘wild’ capitalism and the city in emerging economies.
Activism The New Map highlights urgent issues and empowers the citizens, decision makers and civil society to promote alternative solutions for the city’s sustainable future.
Analysis The New Map of Tbilisi generates spatial tools to monitor land deals and their effect on the development of the city, such that the government and its citizens will be empowered to act and (re-)create a better and livable city.
Abstraction Analyzing the processes that are made visible in the map makes it possible to learn lessons for other parts of the world, especially in the former Soviet-Union and other emerging economies.
Map The Map is now being constructed.
About us The New Map of Tbilisi is a project carried out by FAST, a not-for-profit architecture practice that studies the relationship between planning an human rights, and One Architecture, an Amsterdam-based planning practice with projects in Georgia and Gio Sumbadze, an independent, multidisciplinary, artist based in Tbilisi.
Contact us
For information and or to join our research group
Email us: newmapoftbilisi@gmail.com
Team: Matthijs Bouw, Selma Maaroufi, Malkit Shoshan, Gio Sumbadze, Lucas Zoutendijk
www.onearchitecture.nl | www.seamlessterritory.org
We are working on a project that is called: 'The New Map of Tbilisi'. In this map all old and new development in Tbilisi will be visible. With this 'new map' links and relations between various plans are put into perspective, and potential conflicts brought to light.
Can anybody help us to make this map as complete as possible? We need pictures and locations of buildings or construction sites!
Please check: www.newmapoftbilisi.org
You can send information or ask questions on this mail adress: newmapoftbilisi@gmail.com
Thanks a lot!! Please spread this post!
Lucas Zoutendijk
Activism The New Map highlights urgent issues and empowers the citizens, decision makers and civil society to promote alternative solutions for the city’s sustainable future.
Analysis The New Map of Tbilisi generates spatial tools to monitor land deals and their effect on the development of the city, such that the government and its citizens will be empowered to act and (re-)create a better and livable city.
Abstraction Analyzing the processes that are made visible in the map makes it possible to learn lessons for other parts of the world, especially in the former Soviet-Union and other emerging economies.
Map The Map is now being constructed.
About us The New Map of Tbilisi is a project carried out by FAST, a not-for-profit architecture practice that studies the relationship between planning an human rights, and One Architecture, an Amsterdam-based planning practice with projects in Georgia and Gio Sumbadze, an independent, multidisciplinary, artist based in Tbilisi.
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Team: Matthijs Bouw, Selma Maaroufi, Malkit Shoshan, Gio Sumbadze, Lucas Zoutendijk
www.onearchitecture.nl | www.seamlessterritory.org
Wednesday, October 15, 2008
OFF EUROPA: Über einige Künstler aus Georgien in SPEX - Februar 2007
Georgia on my MindText: Andreas Reihse
Bild: Marika Asatiani
Als der frisch gewählte georgische Präsident Michail Saakarshvili auf seinen Antrittsbesuch in Deutschland einen inoffiziellen Termin in einem Berliner Hotel folgen lies, beging er einen Denkfehler: vor interessierter georgischer Jugend warb er inständig darum, dass diese in ihr Heimatland zurückkehren mögen, ihm dabei zu helfen, eine neue Gesellschaft aufzubauen. Sein Fehler bestand nicht so sehr darin, zu glauben, dass junge Menschen ein Interesse hätten, an Staatsmacht mitzuarbeiten, wo es doch genau die Schönheit der Jugend - wie im späteren Alter nur noch die des Intellektuellen, Künstlerischtätigen - ausmacht, der Regierung, und zwar egal welcher, zu mistrauen und gegen sie zu sein, sondern darin, dass er glaubte, sie seien weggegangen: das sind sie nämlich nicht.
Anfang der 1990er Jahre fuhren drei 21jährige Mädchen nach Amsterdam. Sie hatten ihr Kunststudium in Tbilisi beendet, sich an der Gerit-Rietveld-Akademie beworben und es tatsächlich geschafft, drei der begehrten Postgraduate-Plätze zu kriegen. Die Ausbildung in Georgien ist handwerklich umfassend, aber "alles, was ich an Kunst nach 1950 kannte, war eine Andy Warhol Postkarte mit einer silber grauen Fotografie von Josef Beuys. Also eigentlich nur ein Portrait", erzählt Marika Fifinua.
"Amsterdam war zuerst nur schockierend, alles: das Essen, was für Jobs man angeboten bekam, der Umgang mit Sexualität; wir waren zum ersten Mal ausserhalb unseres Familien-und Freundeskreises, mussten alles selbst organisieren und hatten kein Geld; wir gewöhnten uns etwas daran, die Schule war natürlich gut, aber das Leben blieb deprimierend. Meine Freundin und ich wechselten nach einem Jahr auf die Akademie nach Düsseldorf; ich sprach nur englisch, ich wußte, ich werde sowieso nie in Deutschland bleiben, es ging mir nicht gut hier. Das änderte sich erst nach vier Jahren." Heute hat sie ein unbefristetes Künstlervisum und sagt, sie könne "nicht in einem Land leben, in dem man Kippenberger nicht versteht." Damit meint sie Georgien. Aber hier zuhause fühlt sie sich auch nicht.
Das hat sie gemeinsam mit ihren Freunden, die verstreut in der Welt leben - Kippenberger mag man ersetzen durch Paradjanov, Foucault, Zaha Hadid oder auch Homosexualität.
"Georgia's always on my mind" (The Beatles - Back in the USSR)
"Homosexualität ist eine Krankheit und kommt aus dem Westen", erzählt der in Berlin lebende Philosoph Giorgi Maisuradze, "das ist die öffentliche Meinung. Das gleiche gilt für 'Emanzipation'. Selbst der Vorsitzende der sogenannten 'Arbeiterpartei' sagte neulich in einem Interview, ,wenn ich mich in eine Frau verlieben soll, muss sie Jungfrau sein'. Was sich in den letzten Jahren aber auch geändert hat, ist ein aufflackernder Antisemitismus, den gab es nie in Georgien, nicht nur offiziell als Staatliche Doktrin sondern - viel wichtiger - in der Bevölkerung. Nach dem Ende der Sovietunion unter dem Präsidenten Gamsarchurdia fing das an; sein Sohn, der aus der Schweiz zurückgekehrt ist und eine Partei gegründet hat, ist ein glühender Antisemit, der von der jüdischen Weltverschwörung faselt und der Gefährdung Georgiens." Doch nach wie vor gibt es in Tbilisi ein Viertel, in dem Synagoge neben Kirche neben Moschee steht und Juden, Christen und Moslems friedlich zusammen leben (etwas, was in der Tagesschau nicht stattfindet, aber Freunde auch aus Teheran berichten).
In Georgien ist alles lokal verortet. Kriterien der 'Aussenwelt' existiert kaum. Erst kürzlich gab es ein Hochschul-Reformgesetz und alle älteren Professoren wurden entlassen; so auch Giorgis Vater: "Wissen hat keinen Wert. Es gab beispielsweise keinen Nachfolger für 'deutsche Lyrik'; aber irgendeiner kriegt die Stelle, nur weil er jung ist, gibt sich als Experte aus und entscheidet jetzt, wo es lang geht, selbst, wenn er nichtmal Deutsch spricht."
Giorgi war politisch immer aktiv, in der Studentenbewegung kämpfte er für die Unabhängigkeit Georgiens, dann gegen den rechtsextremen Präsidenten Gamsarchurdia. Er studierte in Saarbrücken und kehrte 1993 zurück nach Tbilisi: "das Land war paralysiert, eine Kleptokratie, beherrscht von bewaffneten Banden. Shevardnadze war der Hoffnungsträger. Allerdings mit einer Partei ohne Ideologie: linksliberal oder konservativ? - man war einfach für oder gegen ihn." Giorgi war mit 21 Jahren (!) Stadtratsabgeordeter, mit 23 (!!) stellvertretender Parteivorsitzender. Mit 24 zog er sich zurück: "Ich war enttäuscht. Allein durch meine Anwesenheit in der Politik fühlte ich mich korrupt. Shevardnadze war seit dem Wahlsieg 1995 ein Anderer: populistisch, seine Inauguration fand in der Kirche statt - das gab es nichtmal bei Gamsachurdia -, alte sovietische Seilschaften und die georgische Mafia wurden mächtiger. Ich war dann aktiv an der Universität, ehrlich gesagt, führte ich die politische Tätigkeit weiter nur mit anderen Mitteln. Bis 1998. Da bin ich drei Wochen vor dem Staatsexamen abgehauen - das bereue ich heute. Ich schrieb an meiner Doktorarbeit, ich fühlte mich toll. Am Tag, als ich meinen Text zum Universitätsverlag brachte, traf ich einen sehr guten Freund: er fragte, was mein Thema sei, ich sagte 'Phalozentrismus' und er: 'ahh Schwänze!' - ich war so enttäuscht, dass er es nur auf eine vulgäre Ebene zog, selbst er, ein Freund. Ich war entrüstet und angeekelt. Ich hatte in diesem Jahr elf Fernsehbeiträge produziert, Texte veröffentlicht, Veranstaltungen organisiert, und in diesem Moment gemerkt, was Du auch tust, es interessiert hier niemanden, es bedeutet nichts, es ist überflüssig. Ich hatte ein einjähriges Auslands-Stipendium, aber mir war klar, ich werde nicht zurückkehren."
"In Berlin angekommen, ging ich durch die Strassen und mußte loslachen vor Freude, es war so ein Glücksgefühl, spazierenzugehen. In Tbilisi wohnte ich 300 Meter weg von meinem Freund Gogi Dzodzuashvili ('Postmodern Boys'), aber oft hatten wir Angst, uns zu besuchen, wegen der Polizeiwillkür; Shevardnadze war alt geworden, Korruption und Schutzgelder regierten. Also, das ist schon ein Verdienst von Saakarshvili, dass sich das geändert hat." Ansonsten hält er nicht viel von dem neuen Präsidenten. "Ich war letztes Jahr nach sechs Jahren zum ersten Mal wieder in Tbilisi; ich habe mich nicht wirklich wohl gefühlt. Zurück in Berlin habe ich gemerkt, wie abartig das ist, wie alle bei der offiziellen Politik mitmachen, bewußt oder unbewußt - selbst meine alten Freunde, die denken sie verhalten sich kritisch. Ich will darüber schreiben, wie nach der 'Rosenrevolution' Begriffe und Symbole missbraucht werden, wie die georgische Bevölkerung hinters Licht geführt wird." Giorgi ist nicht der Einzige, der glaubt, mit dem Land abgeschlossen zu haben, mit seiner politischen Laufbahn hatte er auch mehr investiert als andere, "manchmal habe ich eine Sehnsucht, aber dann doch das Bewußtsein, dass es das, was ich suche, nicht mehr gibt. Also: Heimweh? Nein."
"I'd rather live in his world, than live without him in mine" (Gladys Knight - Midnight Train to Georgia)
"Vor der Westöffnung oder gar Amerikanisierung habe ich keine Angst - solange unsere Sprache und Schrift bleibt, wird das Land diese seltsame Identität behalten", erzählt Zaza Rusadze. Der heute dreißigjährige Filmemacher lebt zur Zeit in Amsterdam, er hat ein Stipendium am 'Binger Filmlab'. In Georgien war er ein Kinder-Star: mit Zwölf wurde er Moderator einer Fernsehsendung. Er reiste um die Welt und berichtete dann beispielsweise aus einem McDonalds in Chicago - es war die Zeit der Perestroika. Mit Sechzehn konnte er nicht mehr, einerseits unentwegt Autogramme schreibend und Gast auf allen Parties internationaler Journalisten (Georgien war ein heisses Thema, gerade von der Sovietunion losgesagt, Shevardnadze neben Genscher die Kraft hinter der Deutschen Wiedervereinigung) andererseits von vielen Jugendlichen genau deswegen verachtet. "Fernsehen wollte ich nicht mehr, Film schon, und weg wollte ich." Er bewarb sich in Babelsberg: "es herrschte Bürgerkrieg, ich musste meine Fotos selbst entwickeln; die Chemikalien waren schon so oft benutzt, dass meine Abzüge sepiafarben wurden; ich konnte meine schriftlichen Arbeiten nirgendwo ausdrucken, so schrieb ich alles mit der Hand. Ich glaube, das waren die Gründe, warum ich genommen wurde", erzählt er bescheiden.
"Vor der Westöffnung oder gar Amerikanisierung habe ich keine Angst - solange unsere Sprache und Schrift bleibt, wird das Land diese seltsame Identität behalten", erzählt Zaza Rusadze. Der heute dreißigjährige Filmemacher lebt zur Zeit in Amsterdam, er hat ein Stipendium am 'Binger Filmlab'. In Georgien war er ein Kinder-Star: mit Zwölf wurde er Moderator einer Fernsehsendung. Er reiste um die Welt und berichtete dann beispielsweise aus einem McDonalds in Chicago - es war die Zeit der Perestroika. Mit Sechzehn konnte er nicht mehr, einerseits unentwegt Autogramme schreibend und Gast auf allen Parties internationaler Journalisten (Georgien war ein heisses Thema, gerade von der Sovietunion losgesagt, Shevardnadze neben Genscher die Kraft hinter der Deutschen Wiedervereinigung) andererseits von vielen Jugendlichen genau deswegen verachtet. "Fernsehen wollte ich nicht mehr, Film schon, und weg wollte ich." Er bewarb sich in Babelsberg: "es herrschte Bürgerkrieg, ich musste meine Fotos selbst entwickeln; die Chemikalien waren schon so oft benutzt, dass meine Abzüge sepiafarben wurden; ich konnte meine schriftlichen Arbeiten nirgendwo ausdrucken, so schrieb ich alles mit der Hand. Ich glaube, das waren die Gründe, warum ich genommen wurde", erzählt er bescheiden.
Zaza erreichte 2003 internationale Anerkennung mit seinem Film "Bandits", dem Versuch einer Rekonstruktion, was in der Georgischen Sovietrepublik wirklich passierte, als ein paar Jugendliche ein Flugzeug entführten; er arbeite bei vielen europäisch-georgischen Co-Produktionen, er drehte ein Feature über ein Mädchen aus Batumi. Sein aktuelles Projekt 'Storm in a Cup' ist ein fantastischer Spielfilm, angelegt in einem postsovietischen Land - nicht explizit Georgien: "Natürlich haben meine Filme alle irgendwie mit mir und meiner Herkunft zu tun. Aber ich würde nie hingehen, ein Drehbuch zu schreiben: '18jähriger Junge landet in Schönefeld und steigt in die S-Bahn nach Berlin' - klar, für so was würde ich sofort Fördergelder kriegen. Aber man muss doch auch einen Schritt weitergehen, das sehe ich zur Zeit zwar kaum, alle bewegen sich nur noch in abgesicherten Rahmen. Salome Machaidze's Film ist da sehr mutig. Sie hatte sich einen Punkt gewählt, den sie schon nicht wirklich kannte, also wird das jetzt ein Spielfilm oder Kunst oder überhaupt ein Film, und 'Trigger Tiger' dann als Annäherung an diesen Punkt geplant, dann aber einen noch entfernteren Ort weit über diesen Punkt hinaus angesteuert. Also völlig egal, wie die Rezeption ist, aber dass da jemand etwas wagt, wo er selbst nicht weiss, was das jetzt ist oder wird und dafür jahrelang kämpft."
"Delete this landmark, again, wrong signal" (Tba - Trigger Tiger)
'Trigger Tiger' ist Salomes erster abendfüllender Film. Die experimentell-apokalyptische Fortsetzung zu Petersen's 'Das Boot' hatte letzten November Premiere in der ausverkauften Berliner Volksbühne. "Nein in Georgien hätte ich den Film niemals machen können. Ich glaube, ich wäre dort nie darauf gekommen, überhaupt Filme zu machen. Die Gesellschaft, in der ich aufwuchs, war konservativ - heute ist das vielleicht anders, aber damals war man gezwungen, sich anzupassen. Nach dem Ende der Sovietunion und während des Bürgerkrieges gab es auch andere Probleme, wie kriegt man Essen, wie kriegt man Strom oder Gas - man konnte nicht über Filme träumen. Ich hatte Malerei studiert, aber es gab keine Möglichkeit, Kunst zu machen. Wir organisierten Ausstellungen selbst, was ging, solange es kein Geld kostete."
'Trigger Tiger' ist Salomes erster abendfüllender Film. Die experimentell-apokalyptische Fortsetzung zu Petersen's 'Das Boot' hatte letzten November Premiere in der ausverkauften Berliner Volksbühne. "Nein in Georgien hätte ich den Film niemals machen können. Ich glaube, ich wäre dort nie darauf gekommen, überhaupt Filme zu machen. Die Gesellschaft, in der ich aufwuchs, war konservativ - heute ist das vielleicht anders, aber damals war man gezwungen, sich anzupassen. Nach dem Ende der Sovietunion und während des Bürgerkrieges gab es auch andere Probleme, wie kriegt man Essen, wie kriegt man Strom oder Gas - man konnte nicht über Filme träumen. Ich hatte Malerei studiert, aber es gab keine Möglichkeit, Kunst zu machen. Wir organisierten Ausstellungen selbst, was ging, solange es kein Geld kostete."
Dennoch war Kino immer präsent: "Freunde brachten Videos aus dem Ausland mit, wir schauten Filme nonstop - wirklich nur tolle Sachen; es gab auch nichts anderes, man konnte ja zum Bespiel nicht Ausgehen." Salomes frühverstorbener Vater war Assistent des Regisseurs Otar Ioseliani, ein Onkel war Kameramann, ein zweiter, der Vater von Nika 'Nikakoi' Machaidze, hatte ein Filmstudio. "Film war schon Alltag in meiner Kindheit, mit meinem 'Bruder' Nika hatte ich immer beim Filmschnitt zugeschaut oder bei Dreharbeiten."
Salome Machaidze sagt, sie brauche das Zerrissene, was Berlin hat, weil es einfach ihren Lebensumständen entspreche. "Nur jetzt nach 'Trigger Tiger' bin ich so müde, da will ich nach Wuppertal ziehen oder in eine kleine Schweizer Stadt", lacht sie. Oder zurück nach Tbilisi? - "Eigentlich schwierig. Eigentlich will ich sehr oft da sein, aber dort leben, kann ich mir nicht vorstellen; oder nur theoretisch, in Zukunft: eine Familie haben." Salome weiss aber auch, dass sie als Einzelkind eines Tages zurück muss, sich um ihre Mutter zu kümmern. Sie sagt, sie will irgendwann so arbeiten können, dass dies unabhängig vom Ort ist.
"'Trigger Tiger', das ist schon ein georgischer Film," erzählt Produzentin Tamuna Karumidze, "wir wollten daher, dass sich Georgien daran beteiligt, gerade weil sich eigentlich niemand wirklich interessiert dort, darum haben wir das auch so präsentiert, das sei ein georgischer Film, aber eben in Deutschland produziert, weil es in Georgien nicht möglich wäre. So sind wir auch ans Kultur-Ministerium rangetreten und haben, überraschenderweise, ein paar Fördergelder gekriegt. Das war sogar ein kleiner Skandal, man weiss ja überall, wer in diesen Gremien sitzt, und wie mafiös die Gelder verschoben werden. Als wir weiteres Geld für die Postproduktion beantragten und den Rohschnitt zeigten, gab es leider nichts mehr" - lacht sie.
Tamuna hatte vor einigen Jahren einen lakonischen Dokumentarfilm über Tbilisi gedreht: 'Sahexi 708'. "Ich war lange nicht in Georgien, ich wollte gar keinen Film drehen, ich wollte nur beobachten, das war alles so spannend. Ich filmte monatelang, also die ganze Zeit: Kamera am Auge, bis es die Leute gar nicht mehr wahrnahmen, Tamuna + Kamera war Normalität. Und alle begannen sich natürlich zu benehmen. Erst da entstand die Idee, daraus einen Film zu machen. Der Titel bezieht sich auf ein Kraftwerk in der Nähe von Tbilisi, und im Film sind 708 Schnitte, aber das sollte wie eine Adresse sein und der Film den Zustand, die Energie der Gesellschaft zu dieser Zeit beschreiben." Tamuna ging weg aus Tbilisi als sie 18 war. Auch während des Bürgerkrieges. Dass sie heute in Berlin lebt ist Zufall: "Ich hatte in Tbilisi Leute aus Berlin kennengelernt, die luden mich ein. Ich sprach ziemlich gut englisch, und sah das nur als Schritt auf dem Weg nach Amerika. Mittlerweile bin ich seit 13 Jahren hier und fühle mich auch sehr wohl. Allerdings, sobald ich an keinem Projekt arbeite, fühle ich mich unwohl, also 'einfach leben' geht nicht. Dann denke ich, wenn ich nichts mache, dann könnte ich genauso gut in Tbilisi sein oder sonstwo, wo es wärmer oder schöner ist." 2004 hatte sie das probiert. Ein Auto gekauft, vollgeladen und zurück nach Georgien, "aber es war nicht einfach, dort wieder zu leben. Als Salome nach acht Monaten wegen 'Trigger Tiger' angerufen hatte, habe ich das erst noch so formuliert, ich lebe wieder hier und fahre zur Arbeit nach Deutschland. Angeblich. In Wahrheit funktionierte die Idee, nach Tbilisi zurückzugehen, nicht."
"A room of one's own" (Virginia Woolf)
Gio Sumbadze lebt in Tbilisi. Er ist Künstler. Und als solcher auch ein Weltenbummler. Er ist der Namensgeber von 'Goslab' - ein Kunstwort aus dem Russischen entlehnt. 'Staatslaboratorium' - vielleicht was Ähnliches wie Arno Schmidt's 'Gelehrtenrepublik' - also zwischen Humor und Arroganz. Natürlich mit eleganter und schillernder Oberfläche. Ein lockerer Zusammenhalt von Freunden, die Familie, die sich gesucht hat, eine freie Republik, die den Individualismus fördert und fordert. Manche leben in Tbilisi, manche in Europa. Sie halten ständig Kontakt: wenn man sich nicht besuchen kann, dann telefonieren sie täglich miteinander. Sie sind unterwegs. Sie reisen. Jeder hat ein Laptop. DSL, Flatrate, call-by-call, E-Mails, Chatten, Filesharing, Airport, web2 natürlich. Sie skypen, manchmal ist die Leitung einfach nur offen, jeder arbeitet für sich, schaut ab und zu in die Kamera. Elektronische Zweisamkeit.
"Warum ich weg bin, kann ich gar nicht sagen. Aber vor etwa einem Jahr wurde mir klar, dass ich nicht wieder zurückkehren werde - bis dahin war das offen. Ich habe gemerkt, dass mich zuviel Sachen dort stören, Dinge, über die ich gelacht hatte, die ich immer romantisiert hatte, aber das geht einfach nicht mehr. Und ich habe keinen Raum dort, also wirklich, zum Denken, frei denken, und auch physisch. Es ist zu eng," erzählt Tusja 'Tba' Beridze - die in der Eifel mit Thomas Brinkmann lebt. In Georgien leben mehrere Generationen unter einem Dach. Haus oder Wohnung sind meist in Familienbesitz. Das Konzept Altersheim ist für einen Georgier ungeheuerlich. Das hat Vorteile bei der Haushaltsführung und natürlich eine emotionale Schönheit; aber eben auch die Bewegungsunmöglichkeit von der Tusja spricht.
Zaza: "Wenn man im 'Westen' geliebt wird, dann hat man etwas dafür getan - das ist mir lieber. In Georgien wird man einfach so geliebt; das heisst dann aber auch, dass man keine Wahl hat; es ist immer alles schon für einen entschieden, ob Literatur, Film, gesellschaftliche Prozesse: 'WIR finden das gut.' Ich meine, das gibt es überall, aber in Georgien ist das extremer. Also auch: WIR finden das NICHT gut. Es gibt keine Alternative in Georgien. Shevardnadze kam, man war für ihn. Dann kam Saakarshvili. Man mußte für ihn sein."
Und zur Emotionalität: "Letzten Sommer in Batumi am Schwarzen Meer, war es ein wundervoller Abend: wir schauten auf den Sonnenuntergang, und ein Freund machte Fisch für uns alle. Am nächsten Tag war sein Vater gestorben. Und so ist das einfach ständig in Georgien. Es gibt nur heiss oder kalt. Kein lauwarm. Viele Menschen dort denken, dieser Punkt, wo man zur Ruhe kommt, sich mal distanzieren kann, das, was es in Westeuropa gibt, sei der Tod. Also Westeuropa ist tot. Aber wenn ich in Berlin bin und sehe eine Rasenfläche mit dem Schild 'Liegewiese' - also das Schild bräuchte ich nicht umbedingt -, aber dass ich mich auf eine Wiese legen kann und einfach mal ausruhen, das macht mich so glücklich."
Wenn woanders Menschenansammlungen als Bedrohung gesehen werden, ist es in Georgien der Einzelne. Wer sich zurückzieht gilt als verdächtig, wer alleine nachts spazierengeht wird von der Polizei angehalten; wer im Park sitzt und ein Buch liest, kann nichts Gutes im Sinn führen.
"Then memories fading in dust" (Tba - Trigger Tiger)
Vielleicht ein Exil, aber hier wie da: zweimal fremd im zweimal (nicht-)eigenen Land. Alle Georgier, die ich kenne, tragen eine Trauer in sich; eine Sehnsucht nach einer Zeit, die vielleicht gar nie da war, aber im Erinnern immer wahrer wird - und nochmals Zaza: "Ich weiss, dass viele diese Traurigkeit haben, weil sie auch nicht wissen, wo sie hingehören, ich habe diesen Punkt überwunden und finde das großartig und unheimlich bereichernd, zwischen diesen beiden Welten hin-und-herspringen zu können."
Vielleicht ein Exil, aber hier wie da: zweimal fremd im zweimal (nicht-)eigenen Land. Alle Georgier, die ich kenne, tragen eine Trauer in sich; eine Sehnsucht nach einer Zeit, die vielleicht gar nie da war, aber im Erinnern immer wahrer wird - und nochmals Zaza: "Ich weiss, dass viele diese Traurigkeit haben, weil sie auch nicht wissen, wo sie hingehören, ich habe diesen Punkt überwunden und finde das großartig und unheimlich bereichernd, zwischen diesen beiden Welten hin-und-herspringen zu können."
Monday, January 14, 2008
MUSIC & VISUALS: comin up stampa - 15.01.2008
music by: nika machaidze - amiko - gio sumbadze - dima dadianivisual by: koka ramishvili - wato tsereteli
beginning: 15.01.2008 / 22:00
uznadze st. 8
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