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Wednesday, February 17, 2016

ZEITSCHRIFT osteuropa: Grenzland - Konflikt und Kooperation im Südkaukasus (zeitschrift-osteuropa.de)

(zeitschrift-osteuropa.de) Osteuropa 7-10/2015
Manfred Sapper, Volker Weichsel (Hg.)
Berlin (BWV) 2015 [= Osteuropa 7-10/2015]
672 Seiten, 175 Abb., 21 Farbkarten
Preis: 32,00 €
ISBN: 978-3-8305-1708-5

Inhalt

Editorial
Jörg Stadelbauer Naturraum Kaukasien.Vielfalt, Kontraste, Risiken
Kaum ein anderes Gebiet des postsowjetischen Raums hat eine derartige Vielfalt aufzuweisen wie Kaukasien. Dies gilt für den naturgeographischen Rahmen, für Geschichte, Kultur, politisches Handeln und wirtschaftliche Potentiale. Wenn Georgien, Armenien und Aserbaidschan als Einheit gesehen werden, dient dies vor allem der Vereinfachung. Doch tatsächlich ist die Heterogenität enorm. Das bezieht sich auch auf die Nutzung der Bodenschätze, die Häufung von Naturgefahren durch extreme Witterungserscheinungen und globalen Klimawandel sowie die Degradation von Boden und Vegetation.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 7–44)


Tsypylma Darieva, Florian Mühlfried Kontaktraum Kaukasus.Sprachen, Religionen, Völker und Kulturen
Der Nordkaukasus und der Südkaukasus sind historisch, sozioökonomisch, kulturell und konfessionell eng verflochten. Als Teil multinationaler Imperien war der Kaukasus immer eine Kontaktzone, die von ethnischer und sprachlicher Vielfalt sowie einem reichen kulturellen Erbe geprägt ist. Ethnische Zugehörigkeit und ihre Repräsentation werden immer wieder aufs Neue hergestellt, verfestigt und aufgelöst. Gleichzeitig gibt es eine Tradition lokaler kosmopolitischer Kultur, die durch interregionalen Handel, normative Ordnungen und kulturellen Austausch aufrechterhalten wird. Allerdings gerät der „Kosmopolitismus von unten“ zunehmend in Gefahr.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 45–70)

Sofie Bedford, Emil Souleimanov Islam im postsowjetischen Kaukasus.Von Sunniten, Schiiten, Sufis und Salafisten
Der Islam ist im Kaukasus in unterschiedlichen Formen verbreitet. Der Nordostkaukasus ist von sunnitischen Sufi-Bruderschaften geprägt. Dort betrachten Eliten und Laien die Religion als Quelle politischer Legitimität. Im Nordwestkaukasus ist der sunnitische Islam der hanafitischen Rechtsschule verbreitet. In Aserbaidschan dominiert die von der iranischen Safawiden-Dynastie verbreitete Zwölfer-Schia, und der Islam ist – wie auch im Nordwestkaukasus – weitgehend auf den Bereich der Spiritualität beschränkt. Doch auch dort stellen Salafisten die Autorität des offiziellen Islam in Frage.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 71–92)

Oliver Reisner Sakral-national. Staat, Religion und Nation in Georgien
Georgiens Orthodoxe Kirche propagiert eine national-religiöse georgische Identität. Damit hat sie in den vergangenen Jahren an Einfluss gewonnen. Eine starke Verankerung in der Gesellschaft erlaubt ihr, auch politischen Druck auszuüben. Die Anpassung der georgischen Rechtsordnung an europäische Normen, etwa durch Verabschiedung eines Antidiskriminierungsgesetzes, konnte sie zwar nicht verhindern, ebenso wenig wie die rechtliche Anerkennung anderer Religionsgemeinschaften. Doch mit ihrer Mission gegen eine liberale und multikonfessionelle Gesellschaft provoziert sie Konflikte, ganz gleich ob sie die georgische Gesellschaft von den Muslimen Adschariens oder von Menschen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung bedroht sieht.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 93–112)

Thomas de Waal Aneinandergekettet. Armenier und Türken im Schatten des Genozids
Die Ermordung von 1,5 Millionen Armeniern durch die jungtürkische Regierung im späten Osmanischen Reich hat lange Schatten geworfen. Es handelte sich um einen der ersten Völkermorde des 20. Jahrhunderts. Seither dauert die Konfrontation von Armeniern und Türken an. Trotz der Unversöhnlichkeit und Entfremdung auf beiden Seiten sind die Armenier mit ihrem Trauma und die Türken mit ihrer Furcht, die Wahrheit anzuerkennen, in geradezu pathologischer Weise aneinandergekettet. Um in der armenischen Frage voranzukommen, sollte der Dialog an die Stelle der Konfrontation rücken. Es wäre vernünftig, den verhärteten, symbolischen Konflikt um den Begriff „Genozid“ zurückzustellen.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 113–128)
 
Jan Plamper Stalinkult und Ethnizität. „Koba“: Georgier oder „Vater der Völker“?
Stalin war Georgier. Doch im Stalinkult, an dem seit 1929 alle sowjetischen Medien von der bildenden Kunst über die Volksdichtung bis zum Film mitwirkten, blieb seine persönliche Nationalität tabu. Stalin verkörperte jenseits jeder eigenen Ethnizität den „Vater der Völker“. Seine patriarchalische Rolle stand symbolisch für die Sowjetunion, für das übernationale Dach, das die nationalen Territorien des sozialistischen, föderalen Staats überspannte. Stalin füllte damit das repräsentative Vakuum, das auf der Ebene der supranationalen sowjetischen Identität bestand.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 129–149)

Aleksandr Gol’dštejn Denk an Famagusta
(Osteuropa 7-10/2015, S. 151–160)

Die Macht des Staates

Andreas Heinemann-Grüder Eingebettet, nicht eingefroren. Konflikte und Regime im Kaukasus: Ein Literaturbericht
In den vergangenen Jahren ist eine Reihe neuer Analysen zu den Gewaltkonflikten im Kaukasus erschienen. Nur den besten Studien gelingt es, die ethnonationalistischen Gewaltakteure konkret zu benennen, Spannungen zwischen offiziellen Geschichtsbildern und konkreten Erfahrungen aufzuzeigen und zu demonstrieren, wie sich die sowjetischen Muster der Feindbildproduktion bis heute fortsetzen. Föderalismus als Option der Konfliktregelung wird jedoch kaum diskutiert. Ein Forschungsdesiderat sind komparative Analysen zu den (semi-)autoritären Regimen im Kaukasus und ihren Reproduktionsmechanismen sowie zur Mikrodynamik von Konflikten und zu innergesellschaftlichen Konfigurationen. Auch eine vergleichende Politikfeldforschung, die die politische Ökonomie sowie die Funktionsweise gerade der parastaatlichen Gebilde in Bergkarabach, Abchasien und Südossetien in den Blick nimmt, steht noch aus.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 161–179)

Huseyn Aliyev Netzwerke im Südkaukasus.Formen und Funktionen informeller Praktiken
Die Menschen des Südkaukasus sind zur Bewältigung ihres Alltags auf informelle Netzwerke angewiesen. Deren Ursprünge liegen in den traditionellen Formen sozialer Organisation wie Großfamilien und ländlichen Gemeinden. In der Sowjetunion dienten informelle Netzwerke zum Ausgleich der strukturellen Defizite der Planwirtschaft. Sie garantierten Zugang zu Mangelprodukten und Dienstleistungen. Die Einführung der Marktwirtschaft ließ die Netzwerke nicht obsolet werden. Im Gegenteil: In Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gewannen sie sogar an Bedeutung.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 181–190)

Petra Opitz Erneuerungsbedarf. Energiewirtschaft in Armenien, Aserbaidschan und Georgien
Armenien, Aserbaidschan und Georgien rechnen in den nächsten Jahren mit einem steigenden Energiebedarf. Aserbaidschan kann sich durch eigene Öl- und Gasvorkommen selbst versorgen. Armenien ist auf Brennstoffimporte aus Russland angewiesen und plant den Ausbau von Atomkraft. Georgiens Energiemix schwankt saisonal aufgrund eines hohen Anteils an Wasserkraft. Den Transit von Gas und Öl bekommt Georgien in Erdgas vergütet, das es für die Produktion billigen Stroms einsetzt. Mit Ausnahme von Wasserkraft spielen alternative Energiequellen in den drei Ländern bislang kaum eine Rolle. In die Steigerung der Energieeffizienz wird kaum investiert.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 191–209)


Silvia Stöber Zwischen Aufklärung und Propaganda. Medien im Südkaukasus
Die Medienlandschaften der südkaukasischen Staaten sind so unterschiedlich wie die Länder. In Georgien gibt es eine lebendige Medienszene, in Armenien ist der Markt von politischen und wirtschaftlichen Kartellen geprägt. In Aserbaidschan unterdrückt das autoritäre Regime die unabhängigen Medien.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 211–229)

Zaal Andronikashvili, Giorgi Maisuradze Philologen gegen Philosophen. Georgiens Weg in eine unfreie Freiheit
Georgien stand im Jahr 1990 an einer Wegscheide. In der Debatte über die Zukunft des kurz vor seiner Unabhängigkeit stehenden Landes zeigten sich Grundmuster des nationalen Selbstverständnisses. Eine rückwärtsgerichtete, den nationalen Mythos pflegende „philologische“ und eine nüchtern-analytische, in der Gegenwart verortete „philosophische“ Strömung lagen im Widerstreit. Die Wahl des Literaturwissenschaftlers Zviad Gamsakhurdia zum Präsidenten besiegelte auf Jahre hinaus die Dominanz der Philologen und einer klassenartig organisierten Intelligencija, die sich als Hüterin der Nationalkultur ausgab. Die Gegenströmung repräsentierte der Ende 1990 verstorbene Philosoph Merab Mamardashvili, der für ein Ethos der Verantwortung und einen tätigen Freiheitsbegriff eintrat. Die Niederlage dieser Strömung führte zur Eskalation von Konflikten, deren Folgen bis heute nicht überwunden sind.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 231–246)

Christian Timm Georgien: Staat im Markt. Vom Neoliberalismus zum gelenkten Kapitalismus
Nach der Rosenrevolution 2003 änderte sich in Georgien das Verhältnis von Wirtschaft und Politik. Mikheil Saakashvilis Politik der Deregulierung und Nichtintervention hatte die erwünschten Effekte: Bürokratismus und Korruption wurden beseitigt, das wirtschaftliche Umfeld gewann an Attraktivität. Die liberalen Reformen waren jedoch von willkürlichen informellen Interventionen begleitet. 2008 bildete einen Wendepunkt in der Wirtschaftspolitik. Proteste im Inneren, der Ansehensverlust nach dem Augustkrieg und die globale Finanzkrise beschleunigten das Ende des liberalen Wirtschaftsmodells. De facto führte die Regierung ein staatlich gesteuertes Entwicklungsprogramm ein.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 255–270)

David Losaberidze Zentrum und Peripherie. Kommunale Selbstverwaltung in Georgien
Das unabhängige Georgien hat der Dezentralisierung der politischen Entscheidungen keine Aufmerksamkeit geschenkt. Die kommunale Selbstverwaltung fristet ein Schattendasein. Organe der kommunalen Selbstverwaltung haben kaum Kompetenzen und sind unterfinanziert. Dabei sind funktionierende Städte und Gemeinden für Schlüsselbereiche der Daseinsvorsorge unverzichtbar. Erst in jüngster Zeit setzt sich das Bewusstsein durch, dass Dezentralisierung und die Idee der Subsidiarität den Staat nicht schwächen, sondern funktionierende Dienstleistungen den Staat stärken und damit die Legitimität der Herrschenden erhöhen.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 271–283)

Maria Koinova Einheit in der Vielfalt. Die armenische Diaspora und Armenien
1915 verloren bei dem Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich bis zu 1,5 Millionen Menschen ihr Leben. Ebenso viele Armenier wurden vertrieben. Die armenische Diaspora kämpft seitdem um die Anerkennung dieses Verbrechens als Genozid. Vor allem in den USA, in Frankreich, dem Nahen Osten und in Russland gibt es eine armenische Diaspora. Sie ist ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor für Armenien. Ihr großer Einfluss auf die Politik in Armenien ist nicht unproblematisch. Ihre teils kompromisslose Haltung erschwert pragmatische Lösungen in der Bergkarabach-Frage oder in den Beziehungen zur Türkei.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 285–298)

Eva-Maria Auch, Sebastian Schmidt Ambivalenzen in Aserbaidschan. Umwelt- und Naturschutz im autoritären Staat
Die ökologische Lage in Aserbaidschan ist widersprüchlich. Einerseits gab der Zusammenbruch der Sowjetunion den Blick auf die Unterwerfung, Zerstörung und Verseuchung von Natur und Umwelt frei. Das petrochemische Zentrum Sumqayit etwa gehörte zu den belastetsten Städten weltweit. Andererseits rückte ein Naturraum von einmaliger Schönheit in den Blick. Im Naturschutz und in der Forstpolitik erzielte das Land erstaunliche Erfolge. Doch in der Gesellschaft fehlt es an ökologischem Bewusstsein und Sensibilität für die Bedeutung des Umwelt- und Naturschutzes sowie zunehmend an politischer Rückendeckung. Selbst Errungenschaften im Naturschutz geraten zunehmend unter Druck.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 299–320)

Katharina Hoffmann Gesellschaft und Staat. Die lokale Ebene in Armenien und Aserbaidschan
In Armenien und Aserbaidschan sind die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Staat von Distanz geprägt. (Selbst-)Verwaltungsinstitutionen auf lokaler Ebene schaffen keine Annäherung. Sie dienen den regierenden Eliten zur Durchsetzung ihrer Interessen, bieten der Bevölkerung aber keinen Einfluss auf staatliche Entscheidungen zu lokalen Belangen. Der Bevölkerung bleibt vor allem, ihre Anliegen durch Selbstorganisation oder in persönlichen Netzwerken zu verfolgen.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 321–334)

Ansgar Gilster, Christina Huthmann Zweite Welt. Gesundheit und Bildung im Südkaukasus
Die Sozialsysteme der südkaukasischen Staaten gerieten nach Auflösung der UdSSR in eine Krise. Es dauerte mehr als ein Jahrzehnt, bis die Auswirkungen von Sezessionskonflikten und wirtschaftlichem Zusammenbruch überwunden werden konnten. Viele Entwicklungsindikatoren haben sich im vergangenen Jahrzehnt verbessert. Die Lebenserwartung steigt, das Gesundheitssystem gewährleistet eine Grundversorgung. Der Besuch einer Schule ist wieder für alle Kinder eine Selbstverständlichkeit, die Qualität weiterführender Bildungseinrichtungen wurde verbessert. Vorreiter bei Reformen ist Georgien, das wirtschaftlich am schlechtesten dasteht. Aserbaidschan hingegen nutzt das ökonomische Potential aus dem Erdölgeschäft nicht, um durch einen breiteren Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 335–350)


Lina Verschwele Unter dem Radar. Ende des autoritären Burgfriedens in Bergkarabach?
Im Mai 2015 wählte Bergkarabach ein neues Parlament. Viele Experten sahen in der Abstimmung nur politische Kosmetik, im Parlament werde ohnehin nur zum Schein diskutiert. Tatsächlich hatte der Konflikt mit Aserbaidschan lange für einen autoritären Burgfrieden gesorgt. Doch die Einigkeit bröckelt. Mit der Partei der Nationalen Wiedergeburt zog eine echte Oppositionspartei in das Parlament ein, die nicht zum herrschenden Establishment gehört.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 351–364)

Die Macht der Mächte

Roland Götz Erdöl und Erdgas im Südkaukasus. Binnenversorgung, Export, Transit
Von den drei südkaukasischen Staaten kann nur Aserbaidschan seinen Bedarf an Erdöl und Erdgas selbst decken. Georgien und Armenien sind auf Importe dieser Energieträger angewiesen. Armenien lehnt sich energiepolitisch an Russland an, Georgien hat sich als Transitland für die Lieferung von Öl und Gas aus dem Kaspischen Raum nach Europa etabliert. Aserbaidschan bereitet den Gasexport nach Europa vor. Ob zukünftig auch Erdgas aus Turkmenistan über Aserbaidschan und Georgien in die EU gelangen wird, ist ungewiss. Die EU bemüht sich mit wenig Erfolg um die Errichtung eines ihren Wettbewerbsregeln unterworfenen „südlichen Gaskorridors“, weil sie die Interessen der Gasförderländer der Region verkennt.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 365–382)

Uwe Halbach Russland im Süd- und im Nordkaukasus. Zwischen „Nahem Ausland“ und „Innerem Ausland“
Russland hat eine besondere Beziehung zum Kaukasus. Sie ist durch die Expansion des Zarenreichs historisch, kulturell und affektiv aufgeladen. Bis heute ragt Russland mit sieben Teilrepubliken in die Gesamtregion hinein. Außen- und sicherheitspolitisch, sozioökonomisch, aber auch religiös ist Russland mit dem Südkaukasus so eng verbunden, dass Moskau in seiner Politik gegenüber Armenien, Aserbaidschan und Georgien sowie den abtrünnigen Gebieten wie Abchasien oder Südossetien Rückwirkungen auf die eigene Peripherie im Nordkaukasus berücksichtigen muss. Das gesamte kaukasische Feld ist durch das Spannungsverhältnis zwischen russländischem Machtanspruch und faktischer Gestaltungsmacht geprägt.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 383–406)

Franziska Smolnik, Andrea Weiss, Yana Zabanova Prekäre Balance.Die Türkei, Georgien und der De-facto-Staat Abchasien
Die Türkei hat in den vergangenen 25 Jahren von Konflikt und Kooperation geprägte Beziehungen zu ihren östlichen Nachbarstaaten im Südkaukasus aufgebaut. Im Zentrum stehen wirtschaftliche und politische Interessen, doch auch die Geschichte des Osmanischen Reichs in der Region spielt eine Rolle. Ankara pflegt enge Beziehungen zu Georgien, unterhält aber auch informelle Kontakte zu dem von Tbilisi abtrünnigen De-facto-Staat Abchasien. Für die gesellschaftlichen Beziehungen zu Abchasien spielt die abchasische Diaspora in der Türkei eine wichtige Rolle. Dieses Engagement der Türkei ist jedoch ein Balanceakt. Ankara muss nicht nur auf Tbilisi Rücksicht nehmen, sondern auch auf Russland. Das setzt auch der Rolle der Türkei als Vermittler im georgisch-abchasischen Konflikt Grenzen.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 407–426)

Gayane Novikova Blockade à trois. Das Beziehungsdreieck Armenien–Aserbaidschan–Türkei
Die internationalen Beziehungen im Südkaukasus sind noch immer entscheidend von dem Konflikt um Bergkarabach geprägt. Aserbaidschan und die Türkei sind eng miteinander verbunden und halten die Grenze zu Armenien geschlossen. Das auf diese Weise isolierte Armenien sieht sich von einer massiven Aufrüstung in Aserbaidschan bedroht und lehnt sich aus sicherheitspolitischen Gründen an Russland an. Die Isolation Armeniens kommt Georgien zugute, das so zum alleinigen Transitland geworden ist. Der Versuch, die Blockaden durch eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen Armenien und der Türkei abzubauen, scheiterte 2010 an der Frage der Anerkennung des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich. Heute herrscht wieder Eiszeit, nicht nur zwischen Baku und Erevan, sondern auch zwischen Ankara und Erevan.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 427–441)
Volltext als Datei (PDF, 302 kB)

Emil Souleimanov, Josef Kraus Alte und neue Ansprüche. Die Politik des Iran im Südkaukasus
Der Iran ist eine wichtige Regionalmacht im Südkaukasus. Mit Georgien pflegt der Iran lediglich eine wirtschaftliche Kooperation. Das armenisch-iranische Verhältnis ist durch die Beziehungen beider Länder zu Aserbaidschan geprägt. Iran und Aserbaidschan haben ihre wirtschaftlichen Beziehungen verbessern können. Doch die politischen sind von Konflikten geprägt. Angesichts von 20 Millionen Aseris im eigenen Land fürchtet Teheran aserbaidschanischen Nationalismus und Irredentismus. Der Iran feilt an einem Instrumentarium, um die aserbaidschanische Integrität und Sicherheit von innen heraus zu unterminieren. Baku will seine Position durch die Hinwendung zu Israel und auch zu den USA stärken.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 443–457)

Julien Zarifian Bedingt engagiert. Die USA im Südkaukasus
Bis zur Auflösung der Sowjetunion sahen die USA den Südkaukasus nur durch das Moskauer Prisma. Das hat sich seit der Unabhängigkeit Armeniens, Aserbaidschans und Georgiens verändert. Die USA verfolgen im Südkaukasus eigene sicherheitspolitische, energiewirtschaftliche und politische Interessen. Georgien ist zu einem Verbündeten Washingtons geworden, Aserbaidschan ist den USA gewogen, und Armenien pflegt gute Beziehungen zu Amerika, obwohl Russland für Erevan sicherheitspolitischer Garant im Konflikt um Bergkarabach ist. Unter Obama haben die USA ihr Engagement in der Region allerdings stark reduziert.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 459–467)

Michèle Knodt, Sigita Urdze Ferne Nachbarn. Die Europäische Union im Südkaukasus
Das Interesse der EU am Südkaukasus ist begrenzt. Nach der Unabhängigkeit Armeniens, Aserbaidschans und Georgiens leistete sie humanitäre Hilfe und engagierte sich in der Entwicklungszusammenarbeit. Den ethnoterritorialen Konflikten in der Region schenkte die EU kaum Beachtung. Eine spezielle Südkaukasus-Politik hat sie nicht entwickelt. Für Brüssel war der Raum Teil der östlichen Partnerschaft. Dieses Modell ist an seine Grenzen gestoßen. Lediglich Georgien hat ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet, Armenien hat davon Abstand genommen, und Aserbaidschan hat von Anfang an klar gemacht, dass es nicht bereit ist, sich den Bedingungen der EU anzupassen.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 469–485)

Die Macht der Bilder

Sergej Rumjancev Feiertage für das Volk. Transnationale Erinnerung im Südkaukasus
Anfang des 20. Jahrhunderts waren Denkmäler im öffentlichen Raum des Südkaukasus nahezu unbekannt. Erst das Sowjetregime führte Feiertage und Denkmäler ein. Ziel dieser Erinnerungspraktiken war es, die multinationale Gesellschaft zu mobilisieren und zu integrieren. Nach dem Motto „national in der Form, sozialistisch im Inhalt“ wurden mittelalterliche Dichter einer „Nationalkultur“ zugeordnet und heroisiert. Als Beweis für die Gültigkeit des Historischen Materialismus wurden sie als übernationale Vorläufer sozialistischen Denkens interpretiert und instrumentalisiert. Shota Rustaveli, Nizami und das Volksepos David von Sasun wurden so Teil des sowjetischen Kulturerbes. Die postsowjetische Kulturpolitik verläuft in diesen Bahnen. Dieselben Eliten arbeiten in denselben bürokratischen Strukturen und bewegen sich im selben Statussystem aus Ehrentiteln und Auszeichnungen. Selbst die sowjetische Form der Erinnerung ist weitgehend unverändert.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 487–514)

Adrian Brisku So fern und doch so nah. Das Europabild in Georgien: Eine Ideengeschichte
Die Idee Europa kam aus Russland nach Georgien. Georgische Adelige im Dienst das Zaren begannen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Russische übertragene Schriften des deutschen Idealismus sowie der Dichter der Romantik zu lesen. Diese Texte brachten die nationale Idee nach Georgien. Auch für die nationale Bewegung der 1870er–1890er Jahre blieb Russland das Tor nach Europa. Erstmals sprachen Anfang des 20. Jahrhunderts die Dichter der symbolistischen Gruppe „Blaue Hörner“ nicht von einer Hinwendung zu einem modernen Europa, sondern von einer „Rückkehr“ Georgiens in die europäische Zivilisation. Nach der Errichtung der Sowjetherrschaft in Georgien lautete die offizielle Doktrin 70 Jahre lang, die sozialistische Zukunft liege in Asien. Erst mit der Perestrojka tauchte die Vorstellung einer Rückkehr ins gemeinsame Haus Europa wieder auf. Russland allerdings hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten seine Rolle als Vermittler europäischer Ideen verspielt. Heute schauen die Gegner eines europäischen Georgien nach Moskau.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 515–529)

Zaal Andronikashvili Glaubensbrüder oder Reich des Bösen. Russlandbilder der georgischen Literatur
Das konfliktträchtige Verhältnis zwischen Georgien und Russland ist seit Jahrhunderten stark emotional aufgeladen. Dies schlug sich nicht nur in der russischen, sondern auch in der georgischen Literatur nieder. Der Verlust der Unabhängigkeit ab 1801 und die Eroberung durch bolschewistische Truppen 1921 bilden tiefe Zäsuren. Das Spektrum der georgischen Russlandbilder reicht von der christlichen Schutzmacht bis zum kolonialen Unterdrücker, in ihm schwingt die Verheißung individueller Freiheit, aber auch der Hass auf das große kollektive Gefängnis mit. In den literarischen Erscheinungsweisen des großen Nachbarn spiegelt sich stets auch das sich wandelnde Selbstbild Georgiens.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 531–548)

Franziska Thun-Hohenstein Der russische Georgien-Mythos. Die Sowjetisierung einer romantischen Utopie
In der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts wurde Georgien romantisch überhöht. Mit dieser Tradition brachen auch Dichter und Schriftsteller der Sowjetzeit nicht. Das zeigen die Werke von Sergej Tret’jakov, Konstantin Paustovskij oder Andrej Bitov. In Poetik und Metaphorik knüpften sie an den romantischen Georgien-Mythos an. Ungeachtet der ideologischen Überformung speisen sich ihre Texte aus dem traditionellen Arsenal an Metaphern, Motiven und Symbolen, weshalb russisch-imperiale Gesten und Deutungen Georgiens erkennbar bleiben. Auf der sprachlichen Ebene treffen die sowjetischen Ideologeme und die traditionell romantische Metaphorik vielfach unvermittelt aufeinander und lassen Kontinuitäten oder Brüche zwischen beiden hervortreten.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 549–568)

Sevil Huseynova Baku zwischen Orient und Okzident. Der Islam in der postsowjetischen Stadt
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetherrschaft, die alle Religionen bekämpft hatte, kam es im unabhängigen Aserbaidschan zur Rehabilitation des Islam. In der Hauptstadt Baku wurden zweckentfremdete Moscheen restituiert, andere renoviert, neue gebaut. Der Islam ist in den öffentlichen Raum zurückgekehrt. Gleichzeitig betont das Regime den säkularen Charakter des Landes, versucht Kontrolle über alle Gläubigen zu bekommen, bekämpft radikale Strömungen und plädiert für einen „weltlichen Islam“ als nationale Tradition. Für Muslime ist das Nonsens. Die Stadt als ein Ort des Nebeneinanders unterschiedlicher Lebensweisen gerät unter Druck.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 569–586)
Volltext als Datei (PDF, 984 kB)

Florian Mühlfried Religion, Reinheit und Radikalisierung. Vom Ende des Alaverdoba-Fests in Georgien
Georgien erlebt seit einigen Jahren eine national-religiöse Aufladung des öffentlichen Raums. Diese Sakralisierung drängt nicht-georgisch-orthodoxe Minderheiten aus lokalen Gemeinschaften. Exemplarisch zeigt sich dies an einem Volksfest im ostgeorgischen Alaverdi. Dort löst sich ein jahrhundertealtes, von Arbeitsteilung und Handel getragenes transkonfessionelles Miteinander von Muslimen und Christen unter dem Druck der Kirchenobersten auf. Dies könnte zur Radikalisierung beider Gruppen führen.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 587–598)

Zaur Gasimov Aserbaidschan: Exportware Führerkult. Der Personenkult um Heydar Aliyev
Seit einem Jahrzehnt präsentiert Baku das Andenken an Heydar Aliyev auf dem internationalen Parkett, indem es die Errichtung von Aliyev-Denkmälern und -Parks fördert. Während große Teile der aserbaidschanischen Bevölkerung trotz der enormen Öleinnahmen immer noch unter der Armutsgrenze leben, erkauft sich Baku die Erlaubnis, den Aliyev-Kult ins Ausland zu exportieren. Dies trägt weder zur Demokratisierung von Aserbaidschan noch zur Verbesserung seines Images auf dem internationalen Parkett bei. Gleichzeitig stellt es die demokratische Reputation jener Staaten in Frage, die sich auf dieses Spiel einlassen.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 599–612)

Giorgi Gvakharia Zwischen Zwang und Freiheit. Poesie und Realismus im georgischen Film
Georgien hat eine außergewöhnlich lebendige Filmszene und brachte bereits viele innovative Filmkünstler hervor. In den 1920er Jahren drehten Georgier wegweisende Stummfilme, die unter dem Einfluss der Avantgarde standen. Unter der Doktrin des Sozialistischen Realismus lieferte der georgische Film in den 1930er und 1940er Jahren systemkonforme Monumentalfilme und Stalin-Elogen, seine Blüte erlebte er jedoch in den 1950er und 1960er Jahren. Der typische lyrische Grundton ist nicht nur dem Druck der Zensur geschuldet, sondern auch Ausdruck einer besonderen Mentalität. Nach der Unabhängigkeit Georgiens geriet der georgische Film in eine Sinnkrise. In jüngster Zeit sind es vor allem Regisseurinnen, die den Film neu erfinden.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 613–630)

Michail Ryklin Eine Philosophie der Freiheit. Merab Mamardashvili und die Metaphysik der Agora
Merab Mamardashvili war ein prinzipieller Gegner staatlicher Ideologien. Seine Moskauer Seminare der 1960er und 1970er Jahre waren ein Ort der Meinungsvielfalt und der freien Rede. In ihnen trat der im georgischen Gori geborene Philosoph, den die Sowjetunion 20 Jahre mit Reiseverbot belegte, in den Dialog mit Platon, Kant und Descartes. Damit gab er der Metaphysik eine russische Sprache. Als die staatlichen Repressionen in den 1980er Jahren zurückgingen und Wandel in greifbare Nähe rückte, wurde die politische Bedeutung der Philosophie Mamardashvilis offensichtlich.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 631–642)

Aschot L. Manutscharjan Das Wort „Genozid“ gab es noch nicht. 100 Jahre Völkermord an den Armeniern
2015 jährten sich die Vertreibung und die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich zum 100. Mal. Anderthalb Millionen Menschen verloren bei diesem Massenmord ihr Leben. Dass es sich um einen Genozid handelte, ist unumstritten, auch wenn der Begriff selbst erst 1951 Eingang in das Völkerrecht fand. Das belegt eine Vielzahl von Monographien, Studien, Quelleneditionen und Aktenpublikationen aus den diplomatischen Archiven. Das Wissen über den Völkermord ist erdrückend. Es ist an der Zeit, dass die Türkei ihre Politik der Leugnung beendet und die Aufarbeitung der Vergangenheit leistet.
(Osteuropa 7-10/2015, S. 657–670)

Redaktion Osteuropa, Schaperstr. 30, D-10719 Berlin, +49 (0)30/30 10 45 81, 
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Wednesday, October 30, 2013

COMMENT: So Long, Saakashvili. The Presidency That Lived By Spin -- And Died By It. By Thomas de Waal (foreignaffairs.com)

Saakashvili, Clinton, and Gordon in front of a ferris wheel in Batumi.
Georgian President Mikheil Saakashvili, U.S. Secretary of State Hillary Clinton, and Philip Gordon, U.S. Assistant Secretary of State for Europe and Eurasian Affairs, stop in front of a ferris wheel as they walk through the streets of Batumi, June 5, 2012. (Saul Loeb / Courtesy Reuters)
(foreignaffairs.com) Georgia's reputation for charm has long preceded it. Travelling in the Soviet Union in 1947, the writer John Steinbeck heard Russians repeatedly evoke the “magical name of Georgia.” “They spoke of Georgians as supermen, as great drinkers, great dancers, great musicians, great workers and lovers,” Steinbeck wrote at the time.

It was the singular achievement of Mikheil “Misha” Saakashvili, elected Georgia's president in 2004, to have elevated his country's capacity for charm into the centerpiece of a grand strategy, one designed to secure power in Georgia by winning over the West in general and the White House of George W. Bush in particular. As was inevitable, the strategy eventually failed. Only a year ago, Saakashvili fully expected that he would win parliamentary elections and that his team would stay in power almost indefinitely. But defeat in the October 2013 parliamentary vote and a spate of revelations since then about abuses committed by his government have sent his popularity into a tailspin. A poll commissioned last month found that 57 percent of Georgians dislike Saakashvili; only 15 percent of the country approves of his job performance. After dominating Georgia for nine years, Saakashvili has still been head of state for the past twelve months, but in practical terms he has been virtually irrelevant.

But for Saakashvili, it always seemed that the pursuit of Western celebrity was just as important as maintaining popularity at home. In some sense, the bigger question is not why this pursuit failed but why it lasted as long as it did. And that is a question only Saakashvili's enablers in the West can answer.

PR STRATEGIST IN CHIEF

If it is hard to disentangle myth from reality in assessing Saakashvili's political legacy, that is because he intentionally blurred the lines between Georgia’s political reality and his own PR efforts. Much of Saakashvili’s presidency was a rebranding exercise along the lines of Tony Blair's “Cool Britannia” campaign in the 1990s.

The popular Rose Revolution, which Saakashvili led in November 2003, was real enough. It swept the regime of his former patron Eduard Shevardnadze from power. Two months later, Saakashvili became the youngest head of state in Europe, and he appointed one of the youngest governments, eager to try a series of state-building reforms.

But thereafter, Saakashvili himself was only intermittently involved in the day-to-day business of government. His chief responsibility was to serve two roles: ideas man and chief salesman for his reforms. Saakashvili accepted the role with enthusiasm, tirelessly promoting the idea that, thanks to the Rose Revolution, Georgia had undergone a “mental revolution,” that Georgians had managed to transcend their history and join the West in one sweeping political and psychological transformation.

Needless to say, this message was appealing to many Westerners, especially to political and media elites who were hungry for what might be described as an “anti-Russia,” a post-Soviet success story. (And Vladimir Putin duly did his part in helping promote the message by vigorously opposing it.) Saakashvili gave generous access to Western media, and in particular to publications such as the Financial Times, The Economist, and The Wall Street Journal, which they repaid by giving lavish attention to his government's economic reforms. Saakashvili may be the only person to have twice been the subject of the “Lunch with the FT” column.

Saakashvili's most fateful courtship, however, was not with the media but with a fellow head of state: George W. Bush. When Saakashvili came to Washington in February 2004, he did everything to ensure that it would be love at first sight. Visiting the White House, he told an enthusiastic audience in his rapid fluent English that, as a former George Washington University student, this was a “most special homecoming.” An hour before his first Oval Office meeting with Bush, Saakashvili is said to have been hastily studying the State of the Union speech that Bush had delivered a month earlier. When Saakashvili, in his private meeting with the president, repeated verbatim some of the phrases about freedom and democracy from that speech, Bush and his team listened in rapture. Starting at that moment, it seems, Bush concluded that Saakashvili was “our guy.” In public comments afterward, Bush told Saakashvili, “I'm proud to call you friend.”

Saakashvili perfectly fit Bush's preferred image of a transformative leader: he was young, fluent in English, familiar with the vocabulary of reform and democracy, and, not least, ready to back U.S. foreign policy goals in Afghanistan and Iraq. They were also impressed by his commitment to nation-building in Georgia itself. The first years of Saakashvili’s presidency were a great success story. In short order, he eliminated most of the country's Soviet-era bureaucracy, ushering in a new policy force, traffic police, and tax and municipal authorities. Low-level bribe-taking was stamped out. Everything from the school system to the look of the national flag was overhauled.

But the Americans seemed to be unbothered by the fact that Saakashvili's style of leadership was much more authoritarian than his liberal rhetoric. His government's modernization efforts were imposed top-down, with increasing brutality and disregard for large parts of the population. Saakashvili's interior minister, Vano Merabishvili, served as the president's enforcer-in-chief. Merabishvili rightly earned praise for a crackdown on Georgia's powerful organized-crime lords. But the machine he built turned Georgia into a police state. Heavy surveillance became routine. The law enforcement agencies’ net was cast so wide that Georgia’s prison population per capita became the largest in Europe -- and those statistics concealed thousands of people living in limbo due to a corrupt plea bargaining system that threatened to result in their imprisonment at any moment, even absent a trial. Inside the country's prisons, the government practiced institutionalized torture, including the rape of inmates by prison guards.

ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT

By 2007, Georgia had a large constituency that felt marginalized or left out of the Saakashvili project. Western European governments had also become more skeptical. But most of Saakashvili’s supporters in the United States, as well as those in central and eastern Europe, stayed loyal.
American support served to insulate him from some of the domestic criticism -- but eventually it proved to be his undoing. Although Americans and Georgians had adopted the habit of using the word “ally” to refer to each other, there was never a formal alliance between the two countries. Saakashvili allowed his judgment to be skewed by his glowing testimonials from the Bush White House.

Saakashvili's miscalculations were tragically exposed in August 2008, when war broke out with Russia over Georgia's breakaway province of South Ossetia. We now know that the war was triggered by Saakashvili's decision to attack the South Ossetian town of Tskhinvali in a doomed attempt to reconquer the province by force, only to provoke a massive -- and well-prepared -- Russian assault on his country. Saakashvili probably believed that if he captured Tskhinvali, the United States would back him against Russia. In an interview with the BBC about the war, he tried to explain his reasoning: “Hopefully the international community would wake up and see -- we concentrate efforts, we get some kind of reversal.” We have yet to learn whether this was a blind guess or based on private assurances from supporters in Washington. Certainly, senior officials told him not to try the military option. Back in 2005, Bush himself had told Saakashvili that if he went to war with Russia, “the U.S. cavalry isn't coming over the horizon.” And once the war was underway, the United States duly did nothing to intervene.

The war also exposed the limitations of personal charm and brilliance. Foreign interlocutors said that they were both thrilled and exhausted by Saakashvili’s tendency to launch into monologues. One Western interlocutor said, “After you’ve had a discussion with him, you need to lie down. You need a drink.” Observers noticed that Saakashvili’s decision-making procedures were haphazard, and that he was negligent about maintaining a record of his government’s deliberations. Indeed, most of the government's decisions were made by a small group of advisers -- most of whom were younger than Saakashvili himself, who was only 41 in 2008 -- in meetings held after midnight (which, incidentally, meant that the Georgian government worked more or less on Washington time). Saakashvili’s informal system could not cope with the strain. Among the reasons that the Georgian military is said to have been unable to hold its lines was that it was receiving orders via cell phone, rather than via any standardized chain of command. After only five days, Georgia inevitably accepted its humiliating defeat by the Russians.

Saakashvili’s impulsive, abrasive style won him passionate admirers, but also a long list of enemies, ranging from many of his former ministers to German Chancellor Angela Merkel.

Sometime after 2008, an important addition to this list was Georgia’s richest man, Bidzina Ivanishvili. Thanks to indignation against the Russians’ bullying tactics, Saakashvili rode out the storm of the August war. But discontent was growing, and Georgians eventually rallied around Ivanishvili, who had earlier supported Saakashvili’s government and funded many of its projects but had, for reasons not yet fully apparent, angrily broken with him.

The last two years in Georgia have been dominated by a grudge match between the two men. Saakashvili first tried to do everything in his power to destroy Ivanishvili by attempting to withhold his Georgian passport, strip him of his assets, and stop his media outlets from broadcasting. Since he won the election in October 2012, Ivanishvili has done his best to destroy Saakashvili, trying to defund his presidential apparatus and having a number of his allies arrested.

GEORGIA ON THE MIND

It is to Saakashvili’s credit that, although he is no democrat, he was sufficiently conscious of his legacy to allow Georgians to experience the political change they so clearly wanted. Over the past year, Georgia has become, for want of a better word, more Georgian. It is simultaneously more democratic, more open, more nationalistic, and more Christian Orthodox. It now looks as though Saakashvili’s “mental revolution” was mostly a mirage. His much-touted de-Stalinization campaign was a case in point: its defining act was the removal of the huge statue of Stalin from the dictator’s hometown of Gori, but it was done without any public discussion, and masked the unfortunate reality that Georgians respect the memory of Stalin. (A poll, commissioned by the Carnegie Endowment last October, revealed that 45 percent of Georgians still had positive feelings about the dictator.) Now the people of Gori want to put the Stalin statue back up again.

In practical terms, the results for the new government have so far been mixed. It has made progress in tackling some of the problems Saakashvili left behind. The judiciary is being strengthened to make it free of political control. The media is far more diverse. Parliament is lively and no longer a rubber stamp for the president’s fiats. The government has facilitated much greater movement across the border with Abkhazia and has reached out to South Ossetia. But the new government lacks some of the competence of its iron-fisted predecessor. Growth rates have slowed, and Georgia’s biggest socio-economic problems, unemployment and rural poverty, have stayed at the same levels, despite Ivanishvili’s promises. Some policy changes, however long overdue, have also created new problems. A much-needed prison amnesty, which reduced Georgia’s prison population to more civilized levels, has also pushed up the crime rate. Worryingly, there have also been a number of nasty episodes of bigotry and violence against national and sexual minorities, who felt more protected by the pro-Western Saakashvili.

This week, Georgia acquired a new president with fewer constitutional powers, the former university rector Giorgi Margvelashvili. Ivanishvili is also about to step down as prime minister. As a result, Georgia will soon have two leaders, a president and a prime minister, who have almost no name recognition outside the country. But it is still unclear what will become of Saakashvili himself. The main issue now is whether he will be prosecuted upon stepping down as president. That question obviously depends on whether the prosecutor’s office can put forward evidence that is seriously incriminating. But fundamentally, the question is political. Ominously, Saakashvili’s enforcer, Vano Merabishvili, is now in detention facing criminal charges for his actions while an officer. There is a loud constituency in Georgia that would support the arrest of Saakashvili as well. That view may be shared by many in the government, including, perhaps, Ivanishvili himself.

They should be fully aware, however, that the arrest of Saakashvili would blacken Georgia’s reputation abroad. Many Georgians have cooled on Saakashvili’s charm, but it did earn him friends in countries with whom Georgia's new government will need to maintain good relations. Like it or not, Saakashvili’s successors will have to live with the fact that Saakashvili's renown will still outstrip their own, at least for the foreseeable future. Given all that, their wisest course would probably be to quietly appreciate the irony that Saakashvili's pursuit of foreign fame was likely both the source of his undoing and his final saving grace.

More by Thomas de Waal

Sunday, October 27, 2013

POLITIC: GOOGLE+ HANGOUT: Georgia's Presidential Elections (rferl.org)


(rferl.org) While not as dramatic as last year's parliamentary elections, Georgia's October 27 presidential polls are a milestone in the country's transition to a parliamentary republic. Although the presidency will have reduced powers under constitutional amendments adopted in 2010, a slate of 23 candidates will contest the office.

Washington-based analysts Thomas De Waal and Laura Linderman will join Tbilisi-based political analyst Ghia Nodia and Salome Asatiani of RFE/RL's Georgian Service for a live discussion of the vote. It will be moderated by RFE/RL's Brian Whitmore. (Thursday, October 24, 2013
11 am (Washington, DC) / 5 pm (Prague) / 7 pm (Tbilisi))

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Thomas de Waal - is a senior associate in the Russia and Eurasia Program at the Carnegie Endowment for International Peace, specializing primarily in the South Caucasus region and its unresolved conflicts - Abkhazia, Nagorno Karabakh, and South Ossetia - as well as in the wider Black Sea region. De Waal is the author of "The Caucasus: An Introduction" (Oxford University Press, 2010).
Laura Linderman - is the associate director of the Atlantic Council's Dinu Patriciu Eurasia Center, where she develops and shapes the Center's analytic and intellectual work on Georgia. A former Peace Corps volunteer in western Georgia, Linderman has co-authored articles on Georgian politics for the Atlantic Council and Foreign Policy.
Ghia Nodia - is the director of the International School of Caucasus Studies at Ilia State University in Tbilisi. A freelance contributor to RFE/RL's Georgian Service, Nodia served as Georgia's Minister of Education and Science from February to December 2008 and has published widely on issues of democratization, institution-building and nationalism in post-Communist countries.
Salome Asatiani - is a Prague-based broadcaster with RFE/RL's Georgian Service who has also covered Georgia for RFE/RL's Central Newsroom. Before becoming a journalist, Asatiani taught seminars at Tbilisi State University and worked as a DJ at a local rock radio station in Tbilisi.
Brian Whitmore - is Europe Desk Editor for RFE/RL's Central Newsroom in Prague and the writer of "The Power Vertical" blog
We invite you to post questions in advance and follow updates for live links to the Google+ Hangout on Twitter and Facebook.


Wednesday, March 06, 2013

PODCAST: Why Stalin Remains Popular in Parts of Former Soviet Union (theworld.org)


People carry red flags and a portrait of the late Soviet leader Joseph Stalin during a ceremony to mark the 60th anniversary of his death in his hometown of Gori. (Photo: REUTERS/David Mdzinarishvili)
Photo: REUTERS/David Mdzinarishvili)



(theworld.org) Soviet dictator Joseph Stalin was one of the most murderous dictators of the 20th century. During his 30 year rule, tens of millions of Soviet citizens were arrested, deported, or executed. And yet a new survey of Russians and other ex-Soviets finds that far from being reviled, Stalin is widely admired, six decades after his death. That’s especially true in the former Soviet Republic of Georgia.
Tom De Waal, a senior associate at the Carnegie Endowment for International Peace, says Stalin is a figure not just of the past, but of the present.

“He’s very much there in the heads of the people all across what’s the former Soviet Union,” – which is why the Carnegie Endowment commissioned this survey on attitudes towards the dead dictator.

De Waal says support for Stalin, who died 60 years ago this week, has actually increased since the end of the Soviet Union. While Russians acknowledge that Stalin was responsible for the deaths of millions of innocent people, a majority say, more importantly, he saved the Soviet people from Nazi Germany.

That’s Russia.

But how is Stalin viewed in Georgia? After all, the most powerful dictator in Russian history was a cobbler’s son from Georgia. Traveling around Georgia, De Waal says he noticed pictures of Stalin everywhere. Yet until now, no one had ever commissioned a poll on attitudes towards Stalin in Georgia.

De Waal says they found that a whopping 45 percent of Georgians have a positive view of Stalin, “which is really quite shocking to anyone who knows Stalin as one of the great murderers of the 20th century.”
Only 20 percent had an unfavorable view of him.

“And he was really very cruel in Georgia, especially,” says Lasha Bakradze, director of the Georgian State Museum of Literature in Tbilisi.

Even though he’s Georgian, Bakradze was also taken aback to discover that so many of his countrymen admire Stalin.

“On one side, we like democracy, but on the other, we say Stalin wasn’t such a bad guy. It makes no sense.”
Bakradze says this kind of thinking is common in post-Soviet countries.

“People don’t see the big problem. They say, on one side he was killing many people, he was a butcher, but on the other side, okay, he was a big personality and somehow we like him.”

Bakradze thinks that for Georgians, this has nothing to do with nostalgia for Soviet times, nor is it a fondness for dictators.

“They are somehow proud of Stalin because he was a Georgian, and this mass murderer is a famous Georgian outside of Georgia.”

Bakradze teaches a college course on Soviet history, and he’s amazed at how little his students actually know about Georgia’s most famous — or infamous — son.

After Stalin’s death, Nikita Khrushchev denounced the crimes of his predecessor in a secret speech to Communist party officials in l956. Khrushchev also tore down all statues of Stalin, and erased his name from streets and towns across the Soviet Union.

But Stalin never really disappeared from Soviet Georgia. His childhood home in the town of Gori became something of a shrine, with a 20-foot bronze statue of him nearby.

Three years ago, Georgia’s pro-western President Mikheil Saakashvili had the statue taken down. Bakradze thought it was a bad idea, and spoke out against it.

“I think before we take down the monument,” he says, “we have to have a big discussion of Stalin period and Soviet period in Georgian history, which we haven’t ever had.”

Georgian President Saakashvili could have started that conversation, says Tom De Waal of the Carnegie Endowment, but he didn’t.

“Funnily enough, it’s exactly what Khrushchev did 50 years before, when he in the middle of night took Stalin out of the mausoleum in Red Square where he was lying next to Lenin. People woke up the next morning, and Stalin was gone. Saakashvili did the exact same thing in Gori. He took down the big Stalin statue. No public consultation.”

De Waal says that isn’t proper de-Stalinization.

“It’s removing the symptoms of Stalin, but it’s not removing the real Stalin from people’s minds.”
After the statue came down, there was a huge backlash. Now there’s a plan to put the statue back up, but just down the street.

Lasha Bakradze says Georgia, and other post Soviet countries, need to regain their historical memory.
“I think many, many problems which we have are problems coming from the Soviet times, problems of building democracy, independent thinking, and son on. And when we know better about Soviet times we will understand ourselves better. And we can solve these problems maybe easier than we are doing now.”
Stalin’s life and legacy would be a good place to start.
 

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In 2005, The World’s Patrick Cox visited Stalin’s home town of Gori (now in Georgia). Since then, the Georgian government has pulled down a statue of Stalin in Gori’s main square. But some local are as pro-Stalin as ever.




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