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Wednesday, August 12, 2020

BOOK: Ethnography and Folklore of the Georgia-Chechnya Border. Images, Customs, Myths & Folk Tales of the Peripheries. By Shorena Kurtsikidze & Vakhtang Chikovani

The aim of this book is to acquaint a wide audience with the traditional culture of the Christian and Muslim highlanders who live on the border of Europe and Asia in the central part of the Caucasus Main Mountain Range. Under one cover, the publication features unique materials on visual anthropology, ethnography, mythology, and folklore of the region. The book portrays the mysterious subgroup of Georgian highlanders, the Khevsur, who are considered to be the champions of Georgian patriotism and at the same time, according to one popular theory, are believed to be direct descendants of the last Crusaders. Featuring 158 black and white original photographs and accompanying explanatory texts, the publication gives a detailed description of the exotic religious institutions and examples of material culture of this group of highlanders, illustrating the closeness of their lifestyle to the ways of the Frankish crusaders. The emphasis is on the spheres of folk culture that bear clear traces of centuries of confrontations between two ethnic groups: Christian Georgian highlanders and their neighbors, Muslim Vainakh or Chechen and Ingush. The authors attempt to show how the traditional mode of life of the highlanders affects the contemporary ethnic and political situation in the region. The publication includes original translations of Georgian folk tales and myths. The latter are narratives representing mythologized chronicles of “holy wars” of old times once carried out on the border of Europe and Asia by the ancestors of the Khevsurs. Shorena Kurtsikidze and Vakhtang Chikovani are cultural anthropologists and natives of Georgia. They have been teaching the Georgian language, culture, and folklore courses at the University of California, Berkeley. Both authors are affiliates of the Institute of Slavic, East European and Eurasian Studies at the same university and regularly give talks and public lectures about Georgia and the Caucasus.

Link: amazon.de

Sunday, May 03, 2020

BUCHBESPRECHUNG: Über eine faszinierende Geschichte russisch-georgischer Beziehungen. Von Dieter Boden via @theeuropean

Buch: Philipp Ammon, Georgien zwischen Eigenstaatlichkeit und russischer Okkupation. Die Wurzeln des Konflikts vom 18. Jh. bis 1924, Frankfurt/M 2020.


Früherer Deutscher Botschafter 

in Georgien, Dieter Boden
(theeuropean.deDies ist die faszinierende Geschichte russisch-georgischer Beziehungen zwischen 1801, dem Jahr der Annexion Georgiens durch das zaristische Rußland, bis nach dem ersten Weltkrieg. Es ist ein Thema, das bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion allenfalls für Fachleute der Geschichtswissenschaft von Interesse gewesen sein mag. Inzwischen hat der Kaukasus als ein regionaler Spannungsherd in unserer unmittelbaren Nachbarschaft neue Aktualität erhalten. Dieses Buch von Philipp Ammon ist insofern auch ein Beitrag zur politischen Zeitgeschichte.

Ammon behandelt einen entscheidenden Abschnitt in den Beziehungen zwischen den beiden Völkern und Nachbarn, die sich in ihrer Kultur, ihrer Mentalität und ihren Lebensgewohnheiten grundlegend unterscheiden. Es ist eine Geschichte, die geprägt ist von Gewalt, Verrat und Täuschungen, aber auch von friedlichem, oftmals sogar harmonischen Zusammenleben – mit einem Wort: ein Musterbeispiel aus dem Fach politischer Staatenbeziehungen, das uns auch heute noch manches lehren kann. Dies gilt sicherlich insbesondere hinsichtlich unseres heutigen Verhältnisses zu Rußland.

Mit viel Sachkunde schildert Ammon die Periode der bilateralen Beziehungen in dem sich insgesamt über 115 Jahre erstreckenden Zeitabschnitt, in dem Georgien Teil des Russischen Zarenreiches war. Der Band enthält eine Fülle an Anmerkungen sowie ausführliche Hinweise auf weiterführende Literatur zum Thema; ein wenig störend wirkt die umständliche Transskription der Personennamen ins Deutsche, die nicht selten das Lesen beeinträchtigt. Kurz behandelt Ammon auch die Periode von 1918 bis 1921, in der Georgien erstmals seine Unabhängigkeit errang, bevor diese im Februar 1921 durch den Einmarsch der Roten Armee wieder zunichte gemacht wurde – weitgehend unbemerkt durch das restliche Europa, das mit den Folgen des vorangegangenen Weltkrieges beschäftigt war. Die darauffolgende Periode, in der Georgien über 70 Jahre als Bundessstaat Teil der Sowjetunion war, wird von Ammon nur gestreift. Viel Aufmerksamkeit widmet er den Beziehungen zwischen den beiden orthodoxen Kirchen.

Die Annexiuon durch Rußland von 1801 brachte für Georgien zunächst das übliche Schicksal eines unterworfenen Landes: Ausplünderung, Zwangsassimilierung und Niederschlagung von immer wieder aufflammenden Aufständen. Als schlimmste Demütigung, so bemerkt Ammon zutreffenderweise, empfanden die Georgier die Unterstellung ihrer orthodoxen Kirche unter die des Moskauer Patriarchats im Jahre 1811. Jedoch setzt Ammon denjenigen, die die russische Herrschaft allein als eine Leidensgeschichte fortdauernder Unterdrückung sehen wollen, eine differenziernde Betrachtungsweise entgegen. Die Bilanz ist ambivalent: in der Zeit bis 1914 erlebte Georgien eine Friedenszeit ohne die Verwüstungen, die es in den Jahrhunderten vorher durch eine endlose Folge an Invasionen durch fremde Eroberer erlitten hatte. Unter „befreundeten Bajonetten“, wie der Dichter Lermontov dies bezeichnete, erholte sich das Land allmählich. Es fand Anschluß an die Moderne durch den Bau von Infrastrukturen, durch die beginnende Umstellung einer archaischen Agrarwirtschaft auf eine industrielle Erschließung seiner Ressourcen, durch den Aufbau von Telekommunikationen, bei der die deutsche Firma Siemens entscheidend mitwirkte.

Wiederbelebt wurden nun auch die zuvor jahrhundertelang unterbrochenen Verbindungen zu Europa, und Rußland spielte bei der Vermittlung eine entscheidende Rolle. Es waren russische Universitäten, die die neuen georgischen Eliten ausbildeten. Die georgischen Studenten kamen von dort als „Westler“ zurück, hatten Kant und Hegel gelesen und traten bald auch für nationale Selbstbestimmung ihres Landes ein.

Auch nach 115 Jahren gemeinsamer Staatlichkeit blieben jedoch die Unterschiede in Kultur, Lebensgefühl und Mentalität zwischen beiden Ländern bestehen. Daß die russische Epoche heute überwiegend als eine traumatische Erfahrung wahrgenommen wird, ist eine Folge der anschließenden 70 Jahre unter sowjetkommunistischer Herrschaft, die am 9.4.1989 mit einem besonders brutalen Akt abschloss: einem Massaker sowjetischer Truppen an der georgischen Zivilbevölkerung.

Es wäre wünschenswert, wenn diese vergangene Geschichte der russisch-georgischen Beziehungen durch ein Kapitel über die Sowjetzeit und die Gegenwart seit der neuen georgischen Unabhängigkeit von 1991 ergänzt würde. Das Buch von Ammon ist jedenfalls ein verdienstvoller Anstoß. Heute werden die russisch-georgischen Beziehungen durch die Auseinandersetzung um die von Georgien abgefallenen und von Rußland unterstützten Separatstaaten Abchasien und Südossetien bestimmt. Eine einvernehmliche Regelung dieses Konflikts ist nicht in Sicht. Seit 2008 sind die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern abgebrochen. Die Wirkungen dieses Konflikts strahlen vielfältig zu uns in den Westen Europas aus. Auch dies macht Ammons Buch deutlich: ohne eine Normalisierung der georgisch-russischen Beziehungen wird die Region des Südkaukasus nicht zur Stabilität finden.

Monday, April 20, 2020

BÜCHERSCHAU von Urs Unkauf: Ammon, Philipp (2020): Georgien zwischen Eigenstaatlichkeit und russischer Okkupation. Klostermann-Verlag

Die Beziehungen zwischen Georgien und Russland sind heute überschattet. Einerseits kritisiert Georgien die Einmischung Russlands und dessen Aktivitäten in Abchasien und Südossetien. Andererseits sieht die russische Seite ihre traditionelle politische Einflusssphäre durch die Entscheidung Georgiens für den Weg in die euro-atlantische Integration gefährdet. Dass die Wurzeln dieser aktuellen Konflikte tiefer liegen, zeigt Philipp Ammon in seinem Buch. Ausgehend von der Frage „wie es zur Konfrontation zweier Völker kam, die keine tiefverwurzelte, gleichsam metaphysische Feindschaft“ (S. 9) trenne, stellt Ammon die georgische und russische Perspektiven gegeneinander. Dabei kommen politische, aber auch literarische Akteure zu Wort. Ammon beginnt mit der georgischen Geschichte. Er startet in der Antike und kommt dann im 18. Jahrhundert an. Konkret geht es um den 1783 geschlossenen Vertrag von Georgijewsk, in dem die georgischen Könige einem Bündnis mit dem Zaren beitraten. Dies hatte den Verlust der Souveränität über die außenpolitischen Kompetenzen zur Konsequenz. Es geht weiter mit der Annexion Georgiens durch das Zarenmanifest von 1801. Es folgen wechselseitige literarische Wahrnehmungen, die Entwicklung der georgischen Nationalbewegung und kirchliche Konflikte. Das letzte Kapitel nimmt den chronologischen Faden wieder auf. Es befasst sich mit der Zeit nach der Revolution von 1905 bis zur ersten georgischen Republik, die 1921 durch den Einmarsch der Roten Armee endete.

Die Beziehungen zwischen Georgien und Russland waren nach Ammon „ein Muster von Nähe und Fremdheit, von Verbundenheit und Abkehr, von russisch-imperialer Homogenisierung und georgischer Identitätsbehauptung“ (S. 212). Ammon legt die historischen Wurzeln dieses Spannungsgeflechtes frei. Ein lesenswertes Werk für alle, die Georgien besser verstehen wollen, und zugleich bereit sind, auch über Russland Neues zu lernen.

Urs Unkauf, Berlin Bücherschau WeltTrends • Das außenpolitische Journal • 161 • März 2020 • 28. Jahrgang • S. 66 Ammon, Philipp (2020): Georgien zwischen Eigenstaatlichkeit und russischer Okkupation. Klostermann-Verlag, 238 Seiten, 29,80 Euro.

welttrends.de

Saturday, March 28, 2020

GESCHICHTE: Georgien - Spielball im "Great Game" - über Georgiens Geschichte und das ambivalente Verhältnis zu Russland - von Philipp Ammon. Rezension von Claus-Dieter Stille. via @derfreitag


Buchbesprechung [freitag.de] Philipp Ammon hat es unternommen, ein tief lotendes Buch über Georgiens Geschichte und das ambivalente Verhältnis zu Russland geschrieben

Über Georgien hört man im Grunde nichts bzw. sehr selten etwas. Erst recht nicht heute, in Zeiten, wo der Corona-Virus "regiert". Ein kleiner, christlich geprägter Staat (sh. Wikipedia) mit gerade einmal 3.729.635 Einwohnern. Das Land erklärte sich am 26. Mai 1918 für unabhängig und erlangte nach dem Ende der UdSSR am 9. April 1991 wieder die Unabhängigkeit. Ich kannte das Land lange nur unter der vom Russischen herrührenden Bezeichnung Grusinien (Грузия (Grusija) früher gelegentlich auch Grusien oder Grusinien genannt; Quelle: Wikipedia).

Zuletzt war Georgien während der Olympischen Spiele in Peking stärker in den Fokus der Nachrichten gerückt. Micheil Saakaschwili, von 2004 bis 2013 Staatspräsident Georgiens, (an dessen geistiger Gesundheit so mancher zweifelte) ließ, während die Weltöffentlichkeit mit den Olympischen Spielen beschäftigt war, in der Nacht vom 7. auf den 8. August 2008 – also zeitgleich mit dem Beginn der Olympischen Spiele in Beijing - die Hauptstadt der "abtrünnigen Republik" Südossetien, Zchinwali, militärisch angreifen, um dieses - innerhalb der Grenzen der früheren sowjetischen Teilrepublik Georgien gelegene - Territorium (erstmals seit der Zerstörung der UdSSR) der Hoheit des unabhängigen georgischen Staates zu unterstellen. Russland, das sich als Schutzmacht Südossetiens verstand (und versteht), reagierte mit einem militärischen Gegenschlag und drang auf "kerngeorgisches" – wie es hieß - Territorium vor.

Über die Geschichte Georgiens dürften viele von uns – beschönigend ausgedrückt - keine größere Kenntnis besitzen. Das Verhältnis von Georgien und Russland ist ambivalent. Der Historiker Philipp Ammon charakterisiert es in seinem Buch „Georgien zwischen Eigenstaatlichkeit und russischer Okkupation. Die Wurzeln des Konflikts vom 18. Jh. bis 1924“ als „tiefverwurzeltes, gleichsam metaphysisches Spannungsverhältnis“ . Gegen Ende seines hochinteressanten Buches lesen wir in den Schlussbetrachtungen:

„Im Verhältnis der beiden christlich-orthodoxen Länder unterschiedlich ausgeprägter Tradition spiegelt sich ein Muster von Nähe und Fremdheit, von Verbundenheit und Abkehr, von russisch-imperialer Homogenisierung und georgischer Identitätsbehauptung. Die Beziehung von Georgiern und Russen war von Anbeginn die ungleicher Partner. Seit dem späten Mittelalter sehen wir das kleine Georgien als beim nördlichen Reich Schutzsuchenden. Das Zarenreich war hingegen seit Peter d. Gr. an einer Ausgangsbasis für ein weiteres imperiales Ausgreifen nach Persien – späterhin mit Perspektive auf Indien – und den Dardanellen interessiert. Eine Harmonisierung derart unterschiedlicher Interessen fand zu keiner Zeit statt. Wie schon erstmals im Jahr 1483 König Alexander I. von Kachetien gegenüber dem Großfürsten – in der Selbstbezeichnung gegenüber Mindermächtigen sich erstmals „Zar“697 bezeichnenden – Ivan III. d. Gr. oder um 1720 Vaxt’ang VI. gegenüber Peter d. Gr. traten bei den Verhandlungen zu dem immer wieder zitierten Vertrag von Georgïevsk 1783 die Georgier als Bittsteller auf. Auf die von Georgiern bis heute als "Verrat" gedeutete verheerende Niederlage von K’rc’anisi (1795) gegen die Perser folgte die unter demütigenden Umständen vollzogene Annexion von 1801. Die Wegführung der Bagratiden nach Russland erscheint symbolhaft für den rücksichtslosen Umgang des Imperiums mit dem hilflosen kaukasischen Königreich. Anders als beim Anschluss der baltischen Provinzen unter Peter d. Gr., bei welchem sämtliche ständischen Rechte gewahrt und die deutsche Selbstverwaltung beibehalten wurde, oder bei der Inkorporation des durch einen Bagratidengeneral eroberten Finnland (1809) nahmen die Russen bei der Annexion Georgiens keine Rücksicht auf die lokalen Traditionen. Der Modus der Annexion – der dem Adel unter Bajonetten aufgezwungene Treueid in der Zionskirche 1802 – blieb im historischen Gedächtnis des Volkes, nicht nur des Adels haften. Zum ersten Bezugspunkt des verletzten Rechtsbewusstseins wurde so die Missachtung der im Vertrag von Georgïevsk getroffenen und in den Bittpunkten vom Zaren bestätigten Vereinbarung über die Beibehaltung des bagratidischen Königtums. Die Inkorporation Georgiens folgte demselben Muster wie die der benachbarten muslimischen Khanate.

697 v. Rimscha, S. 142.“

Nichtsdestotrotz, arbeitet der Autor heraus, gibt es in beiden Völkern Sympathien für das jeweils andere Volk. Ebenso freilich Antipathien.

Das wird auf Seite 212 des Buches verständlich:

"Fehlwahrnehmungen, machtgestütztes Vorgehen der Russen und Widerstand der Georgier führten zu Entfremdung. Doch die russische Dichtung löste sich nie von ihrem Traumland Georgien. Um eine einseitige Sicht der Dinge zu vermeiden, galt es, die unter russischer Herrschaft erzielten zivilisatorischen Fortschritte im Kaukasus zu berücksichtigen. Die russische Verwaltung beendete Jahrzehnte barbarischer Einfälle und islamischer Fremdherrschaft.705 Die drohende Vertilgung des georgischen Volkes wurde abgewendet. Schließlich brachte die russische Expansion in Transkaukausien eine "Sammlung der georgischen Erde" zuwege, die Verwirklichung des georgischen Traumes seit der Mongolenzeit.706 Georgien verdankte seine Konsolidierung als einheitlicher politischer Raum gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Machtentfaltung des petrinischen Imperiums. Durch wirtschaftlich-technische und administrative Integration schuf Russland überhaupt erst die Voraussetzungen für die Herausbildung georgischer Staatlichkeit. Die unter imperialer Ägide entstandenen Institutionen bildeten die Vorformen des georgischen Staates. Die Leistungen Russlands in Georgien wurden überwiegend anerkannt. Auch die Vereinigung Georgiens durch russische Annexionen wurde als politischer Gewinn erkannt. Erst unter dem Szepter des Zaren war das alte Georgien fast wiedervereint." 

Ebenfalls interessant:

"Zu den Besonderheiten der russisch-georgischen Geschichte gehört, dass die Loyalität gegenüber dem Zarenreich seitens nationalbewegter Georgier trotz aller erfahrenen Härten über lange Zeit nicht in Frage gestellt wurde. Im Jahre 1880 – vor dem Regierungsantritt Alexanders III. – schrieb der Journalist Sergi Mesxi in der Zeitschrift Droeba, dem Sprachrohr der Nationalbewegung: "Wir haben uns guten Willens Rußland anvertraut, dem wir grenzenlos ergeben sind." Er fügte jedoch warnend hinzu, der Schulinspektor Janovskïj "versündigt sich gegenüber Rußland, weil er versucht, ihm die Liebe und Ergebenheit des georgischen Volkes zu rauben"." Anscheinend hat sich Sprache, Kirche und Kultur Georgiens unter der Sowjetherrschaft sogar zeitweise günstiger entfalten können als unter der Herrschaft des Zaren: "Die unterschwellig gleichwohl stets herbeigesehnte nationale Unabhängigkeit fiel den Georgiern in den Revolutionsjahren 1917/18, genauer: im Gefolge von Brest-Litowsk, eher zufällig zu. Mit dem durch die deutsche Niederlage besiegelten Umschwung der Machtverhältnisse sah sich das unabhängige Georgien in einer teils bekannten, teils neuartigen Zwangslage: im Süden die Jungtürken, im Norden die Bolschewiken. Der Verlust der Unabhängigkeit war indes nicht das Werk Lenins, sondern jener georgischen Bolschewiken, die ihr Heimatland in das neue, vermeintlich völkerverbindende Sowjetreich heimholen wollten. Zur Ironie der russisch-georgischen Geschichte gehört die Tatsache, dass sich Sprache, Kirche und Kultur Georgiens unter der Sowjetherrschaft zeitweise ungestörter entfalten konnten als unter den Zaren. Zu Recht verweist Reisner darauf, dass sich die Dialektik von russischem Machtausbau und georgischer Selbstbehauptung in vollem Umfang sogar erst in Zeiten der Sowjetherrschaft entfaltete, als der Ausbau georgischer nationaler Institutionen – zu nennen sind hier nicht nur Schulen, Universitäten, Akademien, sondern auch die kommunistische Staatspartei Georgiens, der Staatsapparat und der Geheimdienst – voranschritt. Anders als Rosa Luxemburg erkannte Lenin der Nation durchaus eine fortschrittliche Funktion zu." 

Was man auch berücksichtigen sollte:

"Die Loyalität der Georgier gilt der Kirche, nicht ihrem Staat. Diese geringe Staatsbindung verleiht den Regierungswechseln seit dem Ende der Sowjetherrschaft revolutionären bis bürgerkriegsartigen Charakter, verbunden mit jeweils komplettem Austausch der Staatsdienerschaft. Politik gerät in Georgien in die Nähe einer permanenten stásis – ein Moment, das von den Georgiern selbst leider kaum reflektiert wird. Weit bequemer ist es, die schwache Staatlichkeit auswärtigen Mächten wie Russland anzulasten." 

Noch immer wird in Georgien Stalin hochverehrt; während auf der anderen Seite Antikommunismus existiert. Beides werde jedoch nicht als Widerspruch empfunden.

Am schwierigen Verhältnis zwischen Russland und Georgien – lesen wir aus dem Text von Ammon heraus dürften beide Staaten wechselseitig nicht frei von Schuld sein:

"In diesem Zusammenhang spielt aber auch das von Dostoevskïj und Vasilïj Rozanov722 beklagte Desinteresse der Russen an der Historie, nicht zuletzt an Geschichte und Selbstverständnis der imperial angeeigneten Völker, eine nicht zu unterschätzende Rolle. Umgekehrt leidet auch die georgische Historiographie nicht an übertriebener Selbstkritik. Beide Dispositionen sind einer vernünftigen Politik nicht förderlich. Selbst da, wo mit großem Aufwand Versuche einer Verständigung unternommen werden, zeichnet sich keine Wende zum Positiven ab." 

Georgien ist nicht zuletzt so etwas wie ein Spielball – meint Philipp Ammon – in einer Neuauflage des "Great Game" zwischen den USA und Russland im Nahen Osten. Nichts so ganz eues: Habe doch Georgien seinerzeit Peter dem Großen als Aufmarschgebiet gegen Persien gedient. Und in der Gegenwart werde das Land nun von den USA und Israel in eine vergleichbare Rolle als strategische Basis gegen Iran manövriert. Ob Georgien gut beraten war (freilich in der verständlichen Absicht sich von russischem Einfluss fernzuhalten) sich die USA als neue Schutzmacht quasi an den Hals zu schmeißen, nachdem es wohl nicht an entsprechenden Winken aus Washington gefehlt haben dürfte, darf m.E. stark bezweifelt werden.

Der Vorhang zu und alles Fragen offen, könnte man nach der Lektüre betreffs des Verhältnisses zwischen Russland und Georgien sagen. Denn von positiven Aussichten betreffs einer möglichen Verbesserung des Verhältnisses beider Länder kann das Buch freilich keine Kunde geben.

Um aber zu verstehen, um nachzuvollziehen warum die Situation so ist wie sie heute ist, war es sehr lehrreich, dieses Buch von Philipp Ammon zu lesen. Man kann es durchaus als veritables Geschichtsbuch mit einer Fülle von genau beschriebenen Hintergründen bezeichnen. Ammon hat für das Buch unglaublich tief gelotet und viel Wissenswertes an den Tag befördert. Eine unglaubliche Fleißarbeit, die nicht hoch genug geschätzt werden kann, leistete der Autor augenscheinlich, die jedoch nötig war, um möglichst alle erreichbaren Quellen (akribisch aufgeführt) zu studieren, um diese Arbeit zu leisten. Einfach so und sozusagen in einem Rutsch ist das Buch – mit den vielen Hinweisen und Quellenangaben – logischerweise nicht zu lesen. Aber es ist für diejenigen, welche sich für dieses ansonsten meines Wissens wenig beackerte Thema interessieren dann doch unverzichtbar. Das Buch dürfte darüber hinaus aber auch für einen breiteren Leserkreis von Interesse sein. Die Zeit zur Lektüre dieses Buches wird man sich dann gewiss gerne nehmen. Und in der Corona-Krise hat sicher manche/r womöglich auch die Muße sich dem Buch in Ruhe zu widmen.

Das Buch

Philipp Ammon: Georgien zwischen Eigenstaatlichkeit und russischer Okkupation. Die Wurzeln des Konflikts vom 18. Jh. bis 1924
Neuauflage Neuauflage der ersten Ausgabe von 2015 mit einem Nachwort von Uwe Halbach
2020. 238 Seiten. Kt 29,80 €
Format 14 x 21,5 cm
ISBN 978-3-465-04407-9
Klostermann Rote Reihe 117

Wednesday, December 18, 2019

VIDEO: Der Berliner Mauerfall im internationalen Kontext und Georgien / Konrad Adenauer Foundation South Caucasus

30 Jahre nach dem Mauerfall hat sich das geopolitische Umfeld in Europa verändert. Wie wurde die deutsche Wiedervereinigung im internationalen Kontext reflektiert? Ist die Einheit heute tatsächlich überall angekommen? Was trennt und was verbindet die Menschen in Ost und West 30 Jahre nach dem Mauerfall? Können die deutschen Erfahrungen bei der Wiedervereinigung Vorbild für Georgien sein?

An der Diskussion nehmen teil:
- Lasha Bughadze, Schriftsteller
- Dr. Lasha Bakradze, Historiker
- Dr. Maia Panjikidze, Diplomatin
- Stefan Tolz, Filmregisseur 

Zu Gast: 
- Hubert Knirsch, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Georgien
- Medea Metreveli

Die Moderation erfolgt durch Dr. Thomas Schrapel, Leiter der Konrad Adenauer Stiftung Südkaukaus

Georgian Literature Initiative (GLI)
Konrad-Adenauer-Stiftung South Caucasus 

Sunday, September 15, 2019

HISTORY OF GEORGIA: Summary in English of the Book - Georgien zwischen Eigenstaatlichkeit und russischer Okkupation Die Wurzeln des Konflikts vom 18. Jh. bis 1924. Von Philipp Ammon

here is a content of the book: "Where lie the roots for the alienation between Russia and Georgia, two countries of the same Chalcedonian Creed, whose links go back to the early Middle Ages? Georgian influences can already be seen in the Glagolitic alphabet (9th century) and the Nestor Chronicle (12th century). The Russian longing for the Georgian paradise garden, the Vyrïj-sad, where birds migrate every year to spend the winter, is just as old. "Indeed, we began to believe that most Russians hope that if they live good and virtuos lives, they will not go to heaven, but to Georgia, when they die," writes John Steinbeck in the Russian Journal in 1948. After the fall of Constantinople, for the Georgians "the sun began to rise in the north", as the poet Mamuk´a Barat´ašvili puts it, but the Georgians missed the secularization of the "holy Rus´", which is no longer guided by the belief in an eschatalogical mission but by the reason of state. This misunderstanding causes an alienation and a tragedy that lasts until today.

To provide an answer to his questions the author investigates the history of Georgia from ancient times beginning with the genesis of Georgian statehood. He limns the Christianisation of the country, its early ties to Byzantium, its blood witness of faith amongst foreign empires, the rise of the Bagratid kingdom and its prime during the Golden Age from the reign of David the Builder (1073– 1125) and Tamar the Great (1160 –1213) until its decline due to the Mongol conquests of the 13th century. He then qualifies the cultural transfer from Georgia to Russia during the Middle Ages. He delineates the Georgian kings´ requests for military aid to the Tsardom of Muscovy from 1483 after the downturn of Byzantine protecting power. He then characterises the Treaty of Georgievsk of 1783 between Catherine II the Great of Russia and Irakli II of Georgia as crucial to the conflict as in 1795 promised Russian troops stayed away from the Battle of Krtsanisi when the Qajar khan Agha Mohammad Shah attempted to reinforce Iranian overlordship upon Eastern Georgia. Thus the Georgians felt betrayed by their Russian ally. The period following the annexation of Georgia in 1801 is described as ambivalent as the ensuing modernisation of the land, its demographic and economic growth went with the abolition of the Bagratid dynasty and the autocephaly of the Georgian Apostolic Church and Russification in contradiction to the Treaty of 1783. Those measures of the new administration give rise to frequent peasant revolts and to the aristocratic conspiracy of 1832. On the other hand Georgian nobles – plus russe que les Russes – rise to the top in Russian ranks whereas despite their commitment to the mission civilisatrice russe Russian poets imagine the Caucasus and its Georgian heartland as a paradise lost. Unlike their Romantic fathers national movement Georgia´s generation of the sons, the tergdaleulni, returning from Russian universities is striving for feasable improvements for their countrymen. Their national movement is broader in its aims. They found a society to spread literacy among commoners and a bank to save the estates of the landed gentry. In the Revolution of 1905 Gurian peasants form a self-governed social-democratic local republic and in 1907 the “uncrowned king of Georgia” and leader of the country´s national movement Ilya Chavchavadze is killed by Georgian bolsheviks. On the eve of World War I the very existence of Georgia is in danger when Transcaucasia at risk to be settled by Russian peasants and Cossacks and the Georgian Exarchate is threatened to be dissolved into a Caucasian metropolis. During the Great War Georgian emigrants get in close contact with the German comand that is to promote Georgian indepence after the October Revolution. This independent Republic of Georgia persists after the military collapse of the Central Powers until in 1921 the Red Army led by Georgian bolsheviks invades the country. In 1924 a last insurgency for independence is crushed by overwhelming forces of the new Soviet government. Despite occupation and terror Soviet Georgia witnesses the establishment of national institutions as schools, colleges, universities and an academy as well as the development of governmental structures. Georgia´s secession from the Soviet Union in 1991 was payed with the loss of two provinces and those frozen conflicts stepped into war with Russia in 2008. At present no substantial enhancement of the relationship between Russia and Georgia let alone an agreement with her lost provinces is apparent." (Philipp Ammon)

You can order the book here: lehmanns.de

Wednesday, September 11, 2019

VIDEOS: Stalin’s Underground Secret Printing House Museum, Tbilisi, Georgia. #ReiseKnowHowGeorgien


The secret room where early Bolsheviks cranked out propaganda fliers on a smuggled printing press.

A nondescript, crumbling house in Georgia’s capital hides a series of tunnels where in 1904, a young communist printed magazines, pamphlets, and newspapers calling for the removal of the Tsar. At the time, Georgia was still part of the Russian Empire, and that young communist went by his given name, Iosif Djugashvili. The world would later come to know him as Joseph Stalin.

Hidden beneath the house, a printing press—old even by the standards of 1906—was smuggled into Tbilisi in pieces by a network of Bolshevik supporters. For three years, the press clandestinely cranked out thousands of pamphlets written in Georgian, Russian, and Armenian.

On the porch, lookouts—mostly women—would ring a bell if police were passing the house, a signal to those below silence the noisy press. A series of tunnels led from the from subterranean room to a nearby well, an escape route in anticipation of raids by Russian officials.

By the time Stalin began working at the printing press, he was already robbing banks and running protection rackets to raise money to support the Bolsheviks. Some of that money went toward printing and distributing the materials from the press around the region.

In 1906, three years after it printed its first pamphlet, the press was destroyed when the underground room was discovered.

Thirty-one years later, Stalin had consolidated power in what had become the USSR. Under his government, the press was restored and the building turned into a museum that included a movie theatre that screened Soviet films. But in 1991, after the fall of the Soviet Union, the museum was abandoned.

Today, the museum is operated by the Communist Party of Georgia, but it receives no money from the state. The printing press is caked in rust and the museum itself is largely in disrepair. But in recent years, the story of Stalin’s printing press has found a new audience: Chinese tourists.

Know Before You Go

The printing press is located within the Georgian Communist Party headquarters. You will need to speak at least a basic level of Russian or Georgian (or bring your own translator), as it is only possible to visit the "museum" by guided tour. While there is no official entrance fee, whomever shows you around will also expect a tip at the end of your visit.

Source: Stalin’s Underground Printing House [atlasobscura.com]

More links:
Indulge your Soviet curiosity in Stalin’s secret printing house in Tbilisi, Georgia. By Angelo Zinna [matadornetwork.com]

Joseph Stalins Underground Printing House [edfedoradiary.com]
Georgia’s Communists, With Chinese Help, Fight to Preserve Stalin’s Press. By Bradley Jardine [eurasianet.org]
Stalin’s Cave Beneath the capital of Georgia, a tyrant’s legacy slumbers. By Paul Salopek [nationalgeographic.org]
Stalin's Underground Printiung Press [latitudewattitude.com]
Inside Stalin's Secret Print House in Tbilisi, Georgia. By Angelo Zinna [medium.com]
Tbilisi’s Bolshevikian Word Fabrique. By Irma Kakhurashvili [georgiatosee.com]
Uncle Joe’s Underground Printshop. [derwombat.net]


Stalin's Underground Printing House – Feel the spirit of Soviet Georgia. By Anano Chikhradze

The period of the Soviet Union has already passed a long time ago. However, people are still interested in stories of this time. Lenin, Stalin, Trotsky, Kamo… they are all the famous people who left their marks on history. You can find several places in Georgia, where you can recall the Soviet Union times. For example, the Stalin Museum, that is located in Gori. There you can see his private things and listen to the stories about the way he lived there. In addition to that, there are many other interesting places connected to him. In this article, I am going to tell you about Stalin's Underground Printing House Museum, where you can still feel the spirit of Soviet Georgia.

A story of the Printing House

The Printing House is located in the Avlabari district in Tbilisi. You can travel thanks to the "time machine" while visiting this museum and go back to the time when young revolutionary Stalin lived and worked.

The construction process of this Printing House was arranged by Mr Mikheil Bochoridze. He chose a suitable area in the Avlabari district. Mr Rostomashvili owned the land in this place. He was a worker in the workshops of the railway. After Mr Bochoridze and Mr Rostomashvili got a consent on the construction, they started building an illegal underground Printing House below the building. In a short period of time, they built a house that had only two rooms. In the years 1904-05, the Printing House started working.

There were 15-meter deep underground tunnels as well. From 1904-06, Stalin was secretly printing different newspapers and brochures in Georgian, Russian, and Azerbaijan language, and the revolutionaries were spreading them in these countries. 24-year-old Stalin escaped from the resettlement and started living in this Printing House from 1904. Many articles published here are actually written by Stalin, and that is why nowadays the Printing House is connected to his name.

How they discovered the Printing House?

The location of the Printing House was secret. However, in 1906, the police accidentally found it while they were checking the building. One of the police officers threw a burning paper in the dry water well to check its depth. A tunnel that was leading to the Printing House was at the bottom of this well, so this paper flew in the tunnel. A police officer realized that there was something under the building. They burned the house and the owner Mr Rostomashvili was sent into exile forever.

Underground Printing House today

Nowadays, you can see the same building in the Avlabari district. The Georgians reconstructed this place. They tried to keep its first appearance. The Printing House has many visitors today. People are interested in how this place worked, what were its secrets, etc. So, if you are a history lover, don’t miss the Stalin’s Underground Printing House Museum, where you can really feel the spirit of Soviet Georgia.

Source: Stalin's Underground Printing House – Feel the spirit of Soviet Georgia. By Anano Chikhradze [itinari.com]


These are a few images from inside the odd Joseph Stalin Underground Printing House Museum. It's like a real time warp into the Soviet past. And Zhuli the guide still believes. This video was made to accompany a more extensive essay which can be found at The Anadromous Life.

Source: Georgian Lessons #7: The Red Stain [theanadromist.wordpress.com]

Monday, September 09, 2019

VIDEO: Das Armenische Volk ist uralt. Der zähe Überlebenskampf eines Landes. Interview mit Dr. Jasmine Dum-Tragut. via @dctp_tv

Über mehrere tausend Jahre kämpft und lebt eine frühe christliche Zivilisation zwischen wechselnden Großmächten im Osten und Westen und verteidigt seine Existenz: Armenien. Das Land, dessen genaue Grenzen wechselten, war bereits der Zankapfel zwischen den Parthern und dem Römischen Reich. Später bedrohen mongolische und islamische Reiche im Osten das Land. Und im 20. Jahrhundert steht die Türkei im Westen des armenischen Kernlandes. Die Massaker der von der damaligen türkischen Führung im Ersten Weltkrieg angestrebten ethnischen Säuberung sind bekannt. 

Video: dctp.tv/Das Armenische Volk ist uralt

Die kulturellen und zivilisatorischen Wurzeln Armeniens liegen lange vor der christlichen Zeitenwende. Wenig bekannt ist, dass zeitgleich mit der Gründung der ersten europäischen Universitäten um 1180 Wissenschaftszentren und Universitäten in Armenien begründet wurden. Mit den Kreuzzügen sind die Armenier eng verknüpft. In Armenien besteht eine autokephale Kirche und ein armenischer Mönch entwickelt ein eigenes Alphabet für das Land. In den Zeiten des osmanischen Siegs über Ost-Rom und verstärkt seit dem 18. Jahrhundert entstand weltweit eine armenische Diaspora. Aus ihrem Geiste wurde 1918 aus dem Nachlass des osmanischen Reiches eine selbständige Republik begründet und diese nach 1991, dem Zeitpunkt der Auflösung der Sowjetunion, erneuert. Armenien ist heute eine der ethnisch konsolidiertesten Republiken der GUS.

Es berichtet die Privatdozentin Dr. Jasmine Dum-Tragut, die an den geisteswissenschaftlichen und theologischen Fakultäten der Universitäten Graz, Wien, Salzburg und Innsbruck, an der Staatlichen Universität Jerevan und an der LMU München lehrt.

Friday, September 06, 2019

ATLAS: Kulturweg der deutschen Minderheit in Georgien / Cultural Route of the German minority in Georgia / გერმანული უმცირესობის კულტურული მარშრუტი საქართველოშ

Die in diesem Atlas enthaltene Beschreibung und Kartografierung des Kulturerbes der von Deutschen gegründeten Orte Georgiens beruht auf der langjährigen Grundlagenforschung von Nestan Tataraschwili, Architektin, Restauratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins zur Bewahrung deutschen Kulturguts im Südkaukasus (Tiflis). Diese Forschung wurde 2015 und 2016 von der Staatsagentur für Kulturerbeschutz Georgiens finanziert. Tatia Gwineria (Tiflis) hat den Abschnitt zu Tiflis westlich der Kura und die ausführlichen Beschreibungen in dem Abschnitt zu Neu-Tiflis verfasst. Zu einzelnen Texten und Ortsplänen haben Tamas Gersamia (Tiflis) und Leonhard-Eduard Breisch (Alexandershilf) beigetragen. Mit diesem Atlas werden erstmals Ortspläne aller Siedlungen mit deren herkömmlichen deutschen Orts-, Straßenund Örtlichkeitsnamen sowie den georgischen Bezeichnungen oder – falls es solche nicht gibt – mit der georgischen Umschrift der deutschen Namen veröffentlicht.

The description and mapping of the cultural heritage in the places founded by Germans in Georgia is based on the long-term fundamental research of Nestan Tatarashvili, architect, restorer and researcher of the Verein zur Bewahrung deutschen Kulturguts im Südkaukasus (Tbilisi). The research was funded by the National Agency for Cultural Heritage Preservation of Georgia in 2015 and in 2016. Tatia Gvineria (Tbilisi) is the author of the chapter about Tbilisi west of the River Kura and the detailed descriptions in the chapter about Neu-Tiflis. Tamaz Gersamia (Tbilisi) and Leonhard-Eduard Breisch have contributed to some texts and maps. For the first time, this atlas publishes contemporary maps of the aforementioned settlements with their traditional German place, street and other topographic names as well as the Georgian names or, where the latter do not exist, with the Georgian transliteration of the German names.

გერმანელების მიერ დაარსებული კოლონიების ტერიტორიაზე არსებული კულტურული მემკვიდრეობის ძეგლების აღწერა და მათი რუკებზე დატანა ეფუძნება სამხრეთ კავკასიაში გერმანული კულტურული მემკვიდრეობის დაცვის კავშირის (თბილისი) არქიტექტორ-რესტავრატორისა და მკვლევრის, ნესტან თათარაშვილის ფუნდამენტურ და გრძელვადიან კვლევას, რომელიც დააფინანსა საქართველოს კულტურული მემკვიდრეობის დაცვის ეროვნული სააგენტომ 2015 და 2016 წელს. თათია ღვინერიას (თბილისი) ეკუთვნის თავი, რომელიც ეხება მდინარე მტკვრის დასავლეთით მდებარე თბილისის ნაწილს. მასვე ეკუთვნის დეტალური აღწერა, რაც ნოი-ტიფლისის შესახებ თავშია წარმოდგენილი. თამაზ გერსამიამ (თბილისი) და ლეონარდ-ედუარდ ბრეიშმა წვლილი შეიტანეს ზოგიერთი ტექსტისა და რუკის შედგენაში. ამ ატლასში პირველად ქვეყნდება ზემოხსენებული კოლონიების თანამედროვე რუკები, სადაც ქართულ სახელწოდებებთან ერთად მითითებულია მათი გერმანული, ტრადიციული სახელები, მათ შორის, ადგილის, ქუჩის და სხვა ტოპოგრაფიული სახელწოდებები. ისეთი შემთხვევებისთვის, სადაც შესაბამისი ქართული სახელწოდებები არ არსებობს, გამოყენებულია გერმანული ვერსიების ქართული ტრანსლიტერაცია.

Kostenloser Reiseführer zu den deutschen Siedlungen

Rechtzeitig zu den 200-Jahr-Feierlichkeiten der deutschen Ansiedlung hat der Europarat einen Reiseführer zu den von Deutschen gegründeten Orten Georgiens veröffentlicht. Der „Kulturweg der deutschen Minderheit in Georgien“ ist im Netz (https://rm.coe.int) und als Broschüre kostenlos erhältlich. Er enthält eine Einführung in die Geschichte der Deutschen im Lande und stellt dann das bauliche Erbe aller historischen deutschen Siedlungen vor. Dargestellt werden auch die Werke deutscher Architekten in Tiflis. Mit dem "Kulturweg" werden erstmals heutige Ortspläne aller Siedlungen mit deren herkömmlichen deutschen Orts- und Straßennamen veröffentlicht. Die Beschreibung und Kartografierung des deutschen Kulturerbes beruht überwiegend auf der langjährigen Grundlagenforschung von Nestan Tataraschwili, Architektin, Restauratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins zur Bewahrung deutschen Kulturguts im Südkaukasus. Diese Forschung wurde 2015 und 2016 von der Staatsagentur für Kulturerbeschutz Georgiens finanziert. Da der „Kulturweg“ auch im Deutschunterricht an georgischen Schulen eingesetzt werden soll, bietet das Goethe-Institut eine Schulung für Lehrer an (www.goethe.de). Der Europarat hat ähnliche "Kulturwege" zu zwölf anderen nationalen Minderheiten in Georgien veröffentlicht.

Mehr dazu hier: 
facebook.com/KulturerhaltGeorgien
Sichtbare Rehabilitierung: Mit den Ortsnamen kehrt die deutsche Minderheit zurück ins öffentliche Bewusstsein
Deutsches kulturelles Erbe und seine Rezeption: Deutsches Kulturerbe in der Hauptstadt Georgiens – Neu-Tiflis. Von Tamar Giorgobiani

Monday, February 04, 2019

VIDEO: "The Last Jew in the Village". By Rufat Asadov

"Последний еврей в деревне" (Russian version): https://youtu.be/JlBEKoFt59g



Abandoned village. This is a village founded by mountain Jews in Azerbaijan in the 19th century. There is a Jewish cemetery near the village. An old man is working at the grave. He is watering a sapling and wiping the grave-stone. This is Meyer. He is the only Jew who stays in the village. There are his father's house, a small plot of earth and a household... He knows everything about this village. He remembers the persecution of the rabbinate in Soviet time, and the troubles of the 1941-1945 wartime, and the post-War years. He is a real living history of this village, and the only nexus between the Past of this Jewish village and the Present time. His parents and his wife and his neighbours as well are buried in this cemetery. He is all time looking after the graves, for they are not to be overgrown with weed and the grave-stones are not to be destroyed... He knows the life story of every Jew buried here indeed!

Wednesday, November 14, 2018

PODIUMSGESPRÄCH: Architektur und baubezogene Kunst aus der Sowjetzeit in Georgien in Zeiten der Transition!

mit
Kuratorin Irina Kurtishvili und Autorin Nini Palavandishvili
Moderation: Adolph Stiller, Ausstellungskurator

am Mittwoch, 14.11.2018 | 18:00 Uhr
Ausstellungszentrum im Ringturm, Schottenring 30, 1010 Wien

Um Anmeldung wird gebeten unter Tel. +43 (0) 50 390-20299 oder per Mail an info@airt.at

Die Ausstellung im Rahmen der Reihe "Architektur im Ringturm" (11. Oktober bis 30. November) knüpft an die 2016 gezeigte Schau über die Architektur in Georgiens Hauptstadt an und wirft nun einen Blick über die Grenzen Tiflis hinaus. Die einzigartige Architekturlandschaft des eurasischen Staates an der Schwelle zwischen Europa und Asien wird präsentiert: Vom historisch verbrämten Zuckerbäckerstil, der als Zeitzeuge an die Jahrzehnte der Zugehörigkeit zur Sowjetunion erinnert, bis hin zu atmosphärischen Ähnlichkeiten mit europäischen Städten oder Parallelen zu Europa in der alpinen Baukultur.

Zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer: Georgien
von 11. Oktober bis 30. November 2018

Ausstellungsort:
Ausstellungszentrum im Ringturm (Schottenring 30, 1010 Wien)

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 9:00 bis 18:00 Uhr, freier Eintritt
(an Feiertagen geschlossen)

WICHTIG:
Angabe Copyrights / honorarfrei nur im Rahmen der Berichterstattung über diese Ausstellung und Namensnennung des Fotografen


Links:
www.airt.at


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Die Herbstausstellung der Reihe "Architektur im Ringturm" des Wiener Städtischen Versicherungsvereins steht ganz im Zeichen des kulturellen und architektonischen Reichtums Georgiens. Sie knüpft an die 2016 gezeigte Schau über die Architektur in Georgiens Hauptstadt an und wirft einen Blick über die Grenzen Tiflis hinaus: in die Stadt Gori, westlich von Tiflis im georgischen Kernland, nach Kutaissi, der zweitgrößten Stadt des Landes, in den Kurort Zqaltubo und in die Hafenstadt Batumi am Schwarzen Meer.


Einzigartige Bauten des 20. Jahrhunderts werden vorgestellt: von den in dezentem Klassizismus russischer Prägung gestalteten Jugendstilbauten in der Hauptstadt, den architektonisch sowie kulturgeschichtlich bedeutenden Bauten aus den Jahrzehnten der Zugehörigkeit zur Sowjetunion – die in Dimension, Raumkomposition und Baumaterialien eine eigenständige Entwicklung darstellen – über die markant modernistischen Architekturen aus der Regierungszeit Micheil Saakaschwilis bis hin zu den jüngsten Entwicklungen der aufstrebenden Hafenstadt Batumi.

Auch die jahrhundertealten Badehäuser in persischer Bauart, die bei den heißen Quellen in Tiflis zu finden sind, werden im Rahmen der Ausstellung präsentiert.


Tiflis


In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Georgien zu einer Teilrepublik der Sowjetunion. Die Folge war Gigantomie in der Baupolitik und die Abkehr vom Individualismus. Tiflis wurde zu einem der größten architektonischen Experimentierfelder der jüngeren Geschichte.
Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zog sich der Staat zurück, seitens der öffentlichen Hand wurden keine größeren städtebaulichen Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnsituation der Bevölkerung mehr durchgeführt. Erst dank des persönlichen Engagements von Georgiens ehemaligem Präsidenten Micheil Saakaschwili (von 2004 bis 2013, mit Unterbrechungen, im Amt) wurden im ganzen Land neue Bauprojekte realisiert. Dafür wurden Architekten von internationalem Renommee aus Deutschland, Italien und Spanien engagiert. Ihre Aufgabe sollte es sein, ein Gegengewicht zur Architektur aus der Zeit der Sowjetunion zu schaffen.

In Tiflis gilt seit Jahrhunderten höchste religiöse Toleranz. Ein architektonischer Beweis hierfür ist das Nebeneinander von 48 orthodoxen und armenisch-gregorianischen Kirchen sowie jeweils zwei Moscheen, jüdischen Synagogen und römisch-katholischen Kirchen.



TBILISI Wissenschaftliche Bibliothek des Botanischen Instituts | Library of the Institute of Botany 2009 Sulkhan Sulkhanishvili Foto | Photo: Adolph Stiller





Gori

Westlich von Tiflis, im Kernland Georgiens, liegt die Stadt Gori an der Mündung des Flusses Liachwi. Ihren Namen verdankt Gori der weithin sichtbaren Felsenfestung „Goris-Ziche" („Festung auf einem Hügel"), die auch das alte Stadtzentrum markiert.

Im Jahr 1949 wurde ein Generalplan für den urbanen Ausbau der Stadt unter Berücksichtigung des historischen Stadtbildes erarbeitet. Der Stadtkern sollte von Industriebauten verschont bleiben, es wurden nur überwiegend niedrige Bauten zugelassen. Eine neu geschaffene breite Nord-Süd-Achse verbindet das Stadtzentrum mit dem Bahnhof. Darüber hinaus wurden ein neuer Museumskomplex, ein Hotel sowie ein Forschungsinstitut errichtet.

Als Heimatstadt von Sowjet-Diktator Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili (vulgo Josef Stalin) beherbergt Gori auch das Stalin-Museum.


GORI | GORI Justizpalast | Palace of Justice 2012 AG & Partners Foto | Photo: Adolph Stiller





Kutaissi

Kutaissi ist die zweitgrößte Stadt Georgiens und das kulturpolitische Zentrum im Westen des Landes. 2012 wurde der Parlamentssitz von Tiflis nach Kutaissi verlegt, in ein gläsernes, futuristisch anmutendes 200 Millionen Dollar teures Parlamentsgebäude am Stadtrand, umgeben vom „Millenium"-Park. Noch im selben Jahr wurde ein anderes großes Entwicklungsprojekt realisiert und feierlich eröffnet, der Kutaissi-David-Agmashenebeli-Flughafen.

Das architektonische Erbe der Stadt hingegen ist von bescheidenem Ausmaß: So verlor die Bagrati-Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert im vergangenen Jahr nach übermäßiger Restaurierung ihren Status als UNESCO-Weltkulturerbe. Lediglich ein großes Theaterhaus und einige Bauten aus dem 19. Jahrhundert laden noch zur Besichtigung ein.


KUTAISI Kutaissi David Agmashenebeli Flughafen | Kutaisi David Agmashenebeli International Airport 2012 Ben van Berkel, Caroline Bos, Gerard Loozekoot, UN Studio, Amsterdam Foto | Photo: Nakanimamasakhlisi




Zqaltubo

Zqaltubo ist weltweit bekannt für seine heilenden Quellen und liegt inmitten einer saftig grünen Hügellandschaft, umgeben vom Kolchischen Wald. Hier präsentieren sich kunstvoll erbaute Kurhäuser in neoklassischer Opulenz mit hohen griechischen Säulen. Vor kurzem wurde das Kurhaus Quelle Nr. 6 (eine Kombination aus Kurhaus und Hotel) saniert und modernisiert, in dem einst auch Stalin badete.

Auch ein Krückenmuseum – vermutlich das weltweit einzige seiner Art – ist in Zqaltubo zu finden und beeindruckt mit einer herausragenden Sammlung. Menschen, die am Kurort vollständig geheilt wurden, ließen ihre Krücken zurück, um so die heilenden Eigenschaften der Quellen zu bezeugen.

Zwischen den Jahren 1931 und 1956 wurde Zqaltubo maßgeblich umgestaltet. Aufgrund der geografischen Situation wurde die Stadt als Amphitheater geplant. Für die kreisförmige Anlage des Kurortes wurden 80 Hektar Territorium eingerechnet. Die Wohnbezirke verlegte man vom Zentrum nach Süden, um so den Bau des Kurorts zu sichern, der 1953 schließlich zur Kreisstadt erklärt wurde.

Die Mitte der 1940er Jahre erbaute Eisenbahn verband Zqaltubo mit der UdSSR. Der Fluss wurde vom Kurort weg und in eigene Kanäle geleitet. Rund um diese Kanäle errichtete man Ringstraßen. Das Gebiet zwischen der ersten und der zweiten Ringstraße gehörte zu den Kurhäusern, dahinter lag die Wohnzone, gefolgt von Parklandschaften und Wäldern. Der dritte Ring sollte die umgebende Landschaft zusammenfügen.


ZQALTUBO | TSKALTUBO Sanatorium »Tbilisi« | »Tbilisi« Sanatorium 1951 V. Oltrazhevski, B. Sobolewski Foto | Photo: Adolph Stiller




Batumi

Batumi ist die Hauptstadt der selbstständigen georgischen Provinz Adscharien. Die 1883 an die transkaukasische Eisenbahn angeschlossene Stadt ist nicht zuletzt wegen ihrer Raffinerie weit über die Grenzen Georgiens hinaus bekannt, in der Rohöl aus Aserbaidschan verarbeitet wird.
In den letzten Jahren erlebte Batumi einen Aufschwung, von dem zahlreiche Neubauten zeugen, darunter einige sehr gewagte und spektakuläre. Sie stehen im Kontrast zu den teilweise restaurierten und meist exotisch anmutenden dreistöckigen Gebäuden der Altstadt, die aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen. Die sehr bekannte, beinahe 7 km lange und im Jahr 1881 eröffnete Uferpromenade wurde komplett neu gestaltet.



BATUMI Kolonaden im Park | Colonnades in the park 1934 B. Kirakosian Foto | Photo: Adolph Stiller



Tiflis und seine Bäder

Die berühmten Bäder in Tiflis sind im nördlichen Seidabadi-Viertel beheimatet. Seit mehr als 700 Jahren werden die unter der Stadt befindlichen heißen Schwefelquellen genutzt, rund 65 Schwefelbäder zählte Tiflis im 13. Jahrhundert. Heute sind nur noch einige wenige Bäder in Betrieb, die ältesten davon datieren aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Die im persischen Stil aus Backstein erbauten Bäder zeichnen sich durch halbkugelige Kuppeln aus. Im Zentrum der Badehäuser empfangen mit Marmor verkleidete Säle die Besucher. Oberhalb der Bassins befinden sich des Öfteren schmale Sitznischen, am Rand laden Bänke zum Verweilen ein.

Katalog
Architektur im Ringturm LII.: Zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer: Georgien. Hg. Adolph Stiller. 180 Seiten. Beiträge von Fried Nielsen, Nini Palavandishvili, Adolph Stiller, Irina Kurtishvili. Mit zahlreichen Fotos, Plänen und Auswahlbiographie. Müry Salzmann Verlag.
Preis: 28 Euro


Monday, October 01, 2018

GESCHICHTE: Sovlab Programm 2018-2020 in Georgien @SovLab

Das „Soviet Past Research Laboratory“ (SOVLAB) wurde im Jahr 2010 von Historikern, Journalisten, Wissenschaftlern und Personen mit Interesse an einer Aufarbeitung der sowjetischen Vergangenheit gegründet. Bis heute ist SOVLAB die einzige nichtstaatliche Organisation in Georgien, die kontinuierlich an der Aufarbeitung der sowjetischen Vergangenheit arbeitet und ihre Erkenntnisse der Öffentlichkeit vermittelt. Ziel von SOVLAB ist es, die totalitäre sowjetische Vergangenheit zu erforschen, die politische, rechtliche und moralische Verantwortung des sowjetischen Erbes wahrzunehmen und einen freien Raum zum Denken und Diskutieren zu schaffen – mit dem Ziel einer demokratischen Entwicklung Georgiens. Finanzielle Unterstützung erhält SOVLAB hauptsächlich durch internationale Organisationen und Stiftungen. Programm 2018-2020

Copyright: © All Rights Reserved


www.sovlab.ge


Tuesday, September 18, 2018

GESCHICHTE: Georgien. Baubezogene Kunst. Mosaiken der Sowjetmoderne 1960 bis 1990. Von Nini Palavandishvili und Lena Prents [dom-publishers.com]

Während die Bauten der Sowjetmoderne in ­Georgien schon seit einigen Jahrzehnten weltweit Anerkennung genießen, harrt die baubezogene Kunst dieser ­Epoche – die monumental-dekorativen Mosaiken – noch ihrer internationalen Entdeckung und Würdigung. Damals wie heute sind diese farbenprächtigen Mosaikbilder ein selbstständiger und dennoch un­trennbarer Bestandteil der Architektur in Georgien: Sie verweisen auf die Nutzung des jeweiligen Gebäudes, strukturieren seine Fassade oder verschmelzen gar mit ihm zu einem kunstvollen Ganzen. Gegenwärtig sind jedoch viele dieser Werke, die weit mehr als nur Träger staatlicher Propaganda waren, von der Zerstörung bedroht.

Diese Publikation ist die erste systematische Dokumentation dieser einzigartigen Relikte sowjet­georgischer Mosaikkunst. Kenntnisreich führen Nini Palavandishvili und Lena Prents anhand von Fotos und kurzen Essays durch die facettenreiche Welt der sowjetischen Mosaiken in Georgien, die im Vergleich zu anderen sowjetischen Orten eigene Besonderheiten aufweist. Indem sie auf dieses bemerkenswerte künst­lerische Erbe einer vergangenen Epoche aufmerk­sam machen sowie dessen Schönheit und kulturelle Bedeutung aufzeigen, plädieren sie zugleich nachdrücklich für seinen Schutz und Erhalt.

135 x 245 mm
280 Seiten
350 Abbildungen
Softcover

ISBN 978-3-86922-692-7

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