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Wednesday, December 18, 2019

VIDEO: Der Berliner Mauerfall im internationalen Kontext und Georgien / Konrad Adenauer Foundation South Caucasus

30 Jahre nach dem Mauerfall hat sich das geopolitische Umfeld in Europa verändert. Wie wurde die deutsche Wiedervereinigung im internationalen Kontext reflektiert? Ist die Einheit heute tatsächlich überall angekommen? Was trennt und was verbindet die Menschen in Ost und West 30 Jahre nach dem Mauerfall? Können die deutschen Erfahrungen bei der Wiedervereinigung Vorbild für Georgien sein?

An der Diskussion nehmen teil:
- Lasha Bughadze, Schriftsteller
- Dr. Lasha Bakradze, Historiker
- Dr. Maia Panjikidze, Diplomatin
- Stefan Tolz, Filmregisseur 

Zu Gast: 
- Hubert Knirsch, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Georgien
- Medea Metreveli

Die Moderation erfolgt durch Dr. Thomas Schrapel, Leiter der Konrad Adenauer Stiftung Südkaukaus

Georgian Literature Initiative (GLI)
Konrad-Adenauer-Stiftung South Caucasus 

Monday, December 22, 2014

DEUTSCHE KULTURGESCHICHTE: Schwäbische Spuren in Georgien. Von Tatjana Montik (deutschlandfunk.de)

(deutschlandfunk.de - Tatjana Montik) Anfang des 19. Jahrhunderts kamen deutsche Siedler aus dem heutigen Baden-Württemberg auf Einladung des russischen Zaren nach Georgien, wo sie Zuflucht vor Hungersnot und religiöser Verfolgung suchten. Bis heute stehen ihre Fachwerkhäuser. Jetzt haben Kulturforscher sie für sich entdeckt. 

Podcast mp3 >>>
 
Weinlese deutscher Siedler in Georgien, Elisabethtal (Assureti), Anfang 20.Jahrhundert, Dank an Herrn Manfred Tichonov
Evangelischer Advent-Gottesdienst in Assureti, der ehemaligen deutschen Siedlung südlich von Tiflis, die früher Elisabeth-Tal hieß.

Anfang des 19. Jahrhunderts kamen die deutschen Siedler aus Baden-Württemberg auf Einladung des russischen Zaren nach Georgien, das damals zum Zarenreich gehörte. Hier suchten sie Zuflucht vor Hungersnot und religiöser Verfolgung. In ihrer neuen Heimat wurden sie zu Bauern, deren wirtschaftlicher Erfolg den Menschen bis heute in Erinnerung geblieben ist. Im Oktober 1941 wurden die Deutschen aus dem Kaukasus nach Zentralasien deportiert.

In Assureti sind bis heute 260 deutsche Fachwerkhäuser erhalten geblieben, in denen jetzt georgische Familien leben. Neue Sitten und Gebräuche sind eingezogen. Man spricht nicht mehr Deutsch, sondern Georgisch. Auf den Leinen in den Höfen ist – wie in Georgien üblich – überall die Wäsche zum Trocknen aufgehängt.

Doch die deutsche Vergangenheit ist bis heute überall zu spüren, etwa auf dem alten Friedhof oder an der baufälligen Kirche.

Der Gottesdienst wird nicht dort, sondern in einem Privathaus gefeiert. Extra dafür kam die evangelische Pfarrerin, Irina Solej, zusammen mit acht weiteren Gemeindemitgliedern, aus Tiflis hierher:

"Wir halten unseren Gottesdienst im Andenken an die deutschen Siedler ab, die alle gläubige Menschen gewesen sind. Das erste, was sie gemacht haben, war der Bau einer Kirche aus ihren eigenen Mitteln, diese Tradition dürfen wir nicht unterbrechen. Wir hoffen, dass wir einmal in diese Kirche zurückkehren dürfen. Es gibt sogar eine verrückte Idee: diese Kirche zusammen mit der orthodoxen Kirche zu nutzen. Das wäre natürlich eine einmalige Erfahrung."

Nachkommen der deutschen Siedler gibt es in Assureti nicht mehr. Die meisten, die aus der Verbannung in die alte Heimat zurückkamen, wanderten später nach Deutschland aus.

Allerdings gibt es einige deutsche Familien, die erst in den letzten zehn Jahren nach Georgien gekommen sind. Einer von ihnen ist Manfred Tichonow, ein ehemaliger Berliner, der 2004 in Assureti ein Fachwerkhaus kaufte, es von Grund auf restaurierte und sich hier niederließ. 



An seinem Fachwerkhaus aus dem Jahre 1870 sei viel zu tun gewesen, erinnert sich der 67-jährige Hausbesitzer. Doch die alte Bausubstanz könne man überall im Dorf bis heute noch bewundern:

"Hier unten können Sie noch einen Zaunpfeiler sehen. Wenn wir durchs Dorf gehen, werden Sie sehen, das waren die Zaunpfähle aus Stein. Horizontal waren das Holz und diese Zaunpfähle einbetoniert. Den habe ich rausgegraben, er wiegt 500 bis 600 kg, keine Ahnung! Also die alten Schwaben haben ja ganz schöne Steine gestemmt!"

Die Siedlungen südlich von Tiflis sollen für Touristen aufbereitet werden

Beim Spaziergang im Dorf lassen sich die typischen Merkmale der ehemaligen deutschen Siedlung gut erkennen, obwohl viele Fachwerkfassaden hinter Beton verschwanden und einige Ziegeldächer durch Wellblech ersetzt wurden. Dies sei der Grund, warum den einstigen deutschen Siedlungen, Assureti und Bolnisi, eine besondere Aufmerksamkeit der Denkmalschützer zustehe, sagt der georgische Star-Architekt Merab Gudschedschiani, dessen Unternehmen viele historische Restaurierungsprojekte durchgeführt hat:

"Es handelt sich nicht nur um das deutsche oder das georgische Kulturerbe, sondern um das Weltkulturerbe. Es geht nicht nur um die deutschen Häuser. Wertvoll ist die gesamte Stadtplanung, die auf der Höhe der Zeit ist: der Stausee, die Kanalisation, das System der Wasserleitung, der Wasserabfluss. Alle Glieder in der Stadtplanung waren durch eine Idee verbunden. Außerdem sind in diesen Dörfern einige Besonderheiten zu sehen, etwa der georgische Einfluss auf die Fachwerkarchitektur in Form von aus Holz geschnitzten Balkonen. Die Fachwerkfassaden und dann diese Balkone – das ist eine deutsch-georgische Mischung, denn diese Balkone waren seit dem Ende des 19. Jahrhunderts überall in Georgien beliebt."

Derzeit gibt es Ansätze, die deutschen Siedlungen südlich von Tiflis zu neuen kulturellen und touristischen Attraktionen zu machen. Am 13. Dezember wird der vor einem Jahr gegründete Verein für den Erhalt des deutschen Kulturerbes in Georgien für Sponsoren seine Projekte vorstellen. Dabei handelt es sich um die Pflege des materiellen und geistigen Nachlasses der deutschen Siedler.

Bei der Restauration sollte man jedoch sehr behutsam vorgehen, sagt Gudschedschiani:

"Viele Häuser sind in einem solchen bedauernswerten Zustand, dass sie bei einer unsachgemäßen Behandlung schnell auseinanderfallen könnten. Man muss damit sehr behutsam umgehen. Mit einem Schlag zu restaurieren ist sehr gefährlich. Diese Balken sind aus Eiche, sie lassen sich nicht so einfach und so schnell ergänzen. Es besteht die Gefahr, aus diesem Dorf eine schöne Fassade zu machen, einfach eine Kulisse, wir haben viele Beispiele dafür in Georgien und überall auf der Welt. Die Authentizität könnte schnell verloren gehen."

Der Katholik Manfred Tichonow, der sein Haus für die evangelischen Gottesdienste gerne zur Verfügung stellt, hat ebenfalls einiges an Ideen zu bieten: etwa die Eröffnung eines Landschulheimes in Assureti, wo die georgischen Kinder an Wochenenden intensiv Deutsch lernen könnten.

"Solche kleinen Projekte! Sie würden das Leben ins Dorf bringen! Oder man könnte die Kirche wieder renovieren, die hier mitten im Dorfzentrum steht, diese verfallene ehemalige deutsche Kirche ohne Kirchturm. Die könnte man wieder aufbauen. Dort könnte man ein kleines Kulturzentrum machen. Tiflis ist nicht weit entfernt, es sind 40 km. Dort könnte man Konzerte organisieren oder la-la-la. Solche kleinen Projekte, und nicht in Dimensionen denken wie 'Wolkenkuckucksheim' oder so etwas, kleine überschaubare Projekte."

Georgien auf der Suche nach einer eigenen Identität

In den letzten 20 Jahren war Georgien mit der eigenen Identitätssuche beschäftigt. So blieb die Geschichte der diversen nationalen Minderheiten in Georgien vernachlässigt, darunter auch die der Deutschen im Südkaukasus.

Nun aber hat sich das Blatt gewendet, glaubt der in Tiflis lebende deutsche Regisseur Stefan Tolz, der in einem seiner Dokumentarfilme die alten deutschen Siedler in Georgien noch porträtieren konnte:

"Und ich denke, das ist eine Sache, die jetzt im Wandel begriffen ist, und auch damit verbunden, dass sich Georgien an die EU annähern möchte, es gibt dieses Assoziierungsabkommen, was dieses Jahr unterschrieben worden ist. Das heißt, hier werden Schritte unternommen, dass man guckt, was ist bei uns wirklich europäisch. Wir wollen uns integrieren in die europäische Familie und dementsprechend ist es wichtig, an sein europäisches Erbe zu denken. Und was haben wir an europäischem Erbe? Dazu gehören natürlich, ganz wichtig, die deutschen Siedler, die in Georgien gelebt haben."

Auch die georgischen Wissenschaftler sehen in der Geschichte der Siedler ein reichhaltiges Forschungsfeld. Ketevan Chutsischwili, Professorin für Anthropologie an der Tiflisser Staatlichen Universität, hat vergangenen Sommer mit ihren Studenten im Rahmen eines DAAD-Projektes über das Andenken der Deutschen im Südkaukasus geforscht.

"Für die Anthropologen wäre es interessant, etwas über die Fortsetzung der deutschen Geschichte in Georgien zu erfahren: Die Deutschen wurden deportiert – und was ist mit diesen Menschen passiert, konnten sie in ihre Heimat zurückkehren, konnten sie sich hier wiederfinden, wie beeinflusst wurde dadurch ihr Andenken und die Identität ihrer Kinder? Wie empfanden sich diese Menschen – als Deutsche, als Georgien-Deutsche oder als Vertreter einer religiösen Gruppe? Was war es, was diesen Menschen die Kraft gab, weiterzuleben oder nicht zu leben?"

Die Sponsoren-Veranstaltung des Vereins für den Erhalt des deutschen Kulturerbes in Georgien findet am 13. Dezember in Tiflis im Gebäude des Georgischen Nationalmuseums statt, das ebenfalls von einem Deutschen, Gustav Radde, gegründet wurde.

Links:
facebook.com/Asureti-Elisabethtal
goethe.de
kaukasus-reisen.de/weinreisen-georgien 
ev-luth-kirche-georgien.de
assureti.wordpress.com
Georgia, German colonies [flickr.com]

Thursday, December 18, 2014

FILM: Presentation of "Georgian Trilogy" by Stefan Tolz and Q&A, in Frontline Georgia, Thursday, December 18th at 5.30 p.m. (facebook.com)

(facebook.com) On the occasion of the release of "Georgian Trilogy" by Stefan Tolz in Georgia, the filmmaker will speak about his work at Frontline Club Tbilisi on December 18.


German filmmaker Stefan Tolz has known Georgia for more than 25 years and carries Georgia "in his heart" as he says.

He has directed more than 20 documentaries, mostly in co-operation with the French-German cultural channel ARTE. He came to Georgia for the first time in 1990 to study at the Georgian Institute for Drama and Cinema and experienced the collapse of the Soviet Union in Tbilisi. He has been coming back ever since and made Tbilisi his permanent home seven years ago.

His last film "Full Speed Westward", in which he shows the quest for Georgia's future orientation through the eyes of an old classic Volga 21 received wide attention in Georgia and abroad. Film critic Gogi Gvakharia called the documentary 'the best film of the year 2013'.

Stefan Tolz has also been working as an executive producer and is currently co-producing three feature documentaries with Filmpunkt, a well-known production house from Cologne. He has also been teaching documentary filmmaking to students around the globe.

His three feature documentaries about Georgia will now be available for the first time in a DVD Edition, published trilangual (Georgian - English -­‐ German) and comes with interesting bonus material and and a 32-­‐page-­‐booklet.

Back in the early 1990's Stefan shot his first film on Georgia Caucasian Banquet, in which famous tamada Wakhushti Kotetishvili leads a Georgian feast. Filmed in the early 1990s, in the first year of Georgian independence, the footage revives the sentiment of these bygone days, a time of beginnings in the confusion of the dissolving Soviet Union.

Ten years later he made highly acclaimed feature documentary On the Edge of Time, a journey into the tough daily life of men at four remote and parochial locations in the Caucasus, in which people live as if it was at another time. The footage was filmed at the turn of the millenium and asks which values are important on our planet today. The film won the Golden Gate Award in San Francisco and the Grand Prize at the International Documentary Film Festival in Taiwan.

His latest feature doc Full Speed Westward was out in Tbilisi's cinemas this year and awarded at Chicago's International Film Festival TV Awards. In this film a classic sky-blue Volga 21 takes the film’s viewers on an unusual road trip during the last two years of President Saakashvili's rule and follows the rise of Georgian billionaire Bidzina Ivanishvili to become the most powerful politician in the country. The film also shows how the dream of becoming part of the Western world is capable of sowing division within society.

The three films show the country from the very personal perspective of a German filmmaker who has spent half his life with Georgia in his heart. Spanning 25 years, the films follow various paths in an attempt to uncover what makes Georgia such a magical place.

Thursday, December 18th at 5.30 p.m.
Frontline Club Georgia
62, Lado Asatiani Street, Tbilisi 
frontlinegeorgiaclub@gmail.com

(Presentation and Q&A will be held in English)

Saturday, December 13, 2014

VERANSTALTUNG: Stefan Tolz stellt in Tbilisi seine DVD-Edition "Georgische Trilogie" vor - erscheint am 15.12.2014

Launch der DVD-Edition "Georgische Trilogie" am 17.12. um 19.00 Uhr im Schriftstellerhaus in der Matchabelistrasse, in einem englisch-sprachigen Talk im Frontline Club am 18.12. um 18.30 Uhr.
more: facebook.com/frontlinegeorgia & frontlinegeorgia.ge
facebook.com/Writers House of Georgia

writershouse.ge

Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise:

Gerade rechtzeitig vor Weihnachten und Neujahr erscheint am 15.12. die "Georgische Trilogie" des deutschen Georgien-Experten Stefan Tolz als DVD-Edition.

Seine drei Kinodokumentarfilme über Georgien, die international ausgezeichnet wurden, sind nun zum ersten Mal gemeinsam auf DVD erhältlich. Filmpunkt bringt die dreisprachige Edition (georgisch/englisch/deutsch) mit Bonus-Material und einem 32 Seiten starken Begleitheft heraus.

Der deutsche Filmregisseur hat die meisten Republiken der ehemaligen Sowjetunion in den letzten 25 Jahren bereist und gilt als einer der besten Kenner der Region. Er lebt inzwischen in Tiflis und trägt "Georgien im Herzen" wie er sagt.

Seinen ersten Film über Georgien drehte er bereits 1991: in "Kaukasisches Gastmahl" leitet der bekannte Literat Wachuschti Kotetishvili als Tischherr ein georgisches Festmahl, dessen Gäste in Trinksprüchen und filmischen Porträts nacheinander vorgestellt werden.

Zehn Jahre später entstand "Am Rande der Zeit" - eine Reise in den Alltag "harter Männerwelten" an vier entlegene Orte im Kaukasus, in denen die Menschen "wie in einer anderen Zeit" leben. Der Film wurde auch zum Teil in Aserbaidschan und Dagestan gedreht. Er gewann den "Golden Gate Award" in San Francisco und den "Grand Prix" des Internationalen Dokumentarfilmfestivals in Taiwan.

In seinem himmelblauen Wolga 21 begleitete Stefan Tolz die Georgier "auf der Suche nach ihrer Zukunft" in den letzten zwei Jahren der Amtszeit Präsident Saakaschwilis (2011-2013) und verfolgte den Aufstieg des Milliardärs Bidsina Iwanischwilis zum mächtigsten Politiker des Landes. Der Film "Vollgas gen Westen" zeigt auf, wie der Traum ein Teil der westlichen Welt zu werden verschiedene Kräfte in einer Gesellschaft gegeneinander mobilisieren kann. Der Film wurde für den Impact Award 2014 nominiert und in Chicago ausgezeichnet.

"Die Menschlichkeit, die immer durchdringt, hat mich tief berührt.... Die Amplitude von abgrundtiefem Leid zu himmelhoch jauchzend ist in dieser Region voll von tragischer Geschichte einfach viel größer."  
Heidi Tagliavini
Sonderbeauftragte der OSZE

"Georgien ist ein schönes Land. Es hat so einen Chronisten verdient."
Uwe Schramm
Botschafter a.D.

Bestellen kann man die DVD-Edition auf www.georgiantrilogy.com und über eBay und Amazon. Nach Weihnachten ist sie dann auch im Buchhandel erhältlich.
Filmpunkt GmbH Köln - Tel. (0221) 800 471 30 info@filmpunkt.com

Wednesday, October 23, 2013

VIDEO: Vollgas gen Westen - Georgien sucht seine Zukunft. Von Stefan Tolz - Full Version (arte.tv)



(arte.tv) Am 27. Oktober wird in Georgien ein neuer Präsident gewählt. Damit geht für das kleine Land im Kaukasus eine Ära zu Ende, denn Präsident Michail Saakaschwili kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Filmemacher Stefan Tolz ist durch das Land gereist und zieht Bilanz über dessen Amtszeit.

Tuesday, October 22, 2013

ARTE FUTURE: Vollgas gen Westen? Georgien sucht seine Zukunft - Heute 23.50 auf ARTE (arte.tv)

Ich habe die Dokumenation in der ARTE Preview in Berlin gesehen. Stefan Tolz ist es gelungen - trotz der politischen Thematik, die ja nicht leicht umzusetzen ist in einem Film, wo man die Protagonisten vor die Kamera bringt und zu Aussagen "nötigt" - ein sehr poetisches und "tiefsinniges" Feature mit facettenreichen Anspielungen herzustellen. Die 90 Minuten sind in einem gewissen Sinne spannungsgeladen und wir dürfen weiterhin gespannt sein, wie es weitergeht in dieser interessanten Region. 

Auch nach den Wahlen werden gewisse Perspektiven eine große Rolle spielen. Man kann sagen, dass Stefan Tolz sich getraut hat, eine Dokumentation im Vorfeld der Wahlen ins Fernsehen gebracht zu haben, die sich nicht nur durch den aktuellen Bezug legitimiert. Sein Film lebt nicht von der Halbwertzeit politischer Berichterstattung. Die politische Kultur dieses kleinen Kaukasusstaates wird hier trefflich eingefangen! Sehenswert!!

Schade nur, dass ARTE in einem gewissen Sinne auf den Spuren aller öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsender wandelt, und so eine lange Dokumentation sozusagen zur Schlafenszeit um Mitternacht sendet. Für alle die es verpassen werden ..., wenigstens eine Woche lang, kann der Film in der Mediathek von Arte angesehen werden. Wie es dann weitergeht, werden wir sehen. Bei der zunehmenden Regionalisierung und Provinzialisierung des Fernsehens, bin ich da nicht zuversichtlich. (R.H.)

(arte.tv) Vollgas gen Westen? Bevor wir uns heute Abend in einer Dokumentation der Zukunft Georgiens widmen, können Sie sich bei ARTE Future schon jetzt in einen Wolga 21 setzen und das Land am Schwarzen Meer auf eigene Faust interaktiv entdecken: volga.arte.tv

Videos: vimeo.com
Facebook: facebook.com/volgasalon 

 

Der Machtkampf in Georgien

Im Oktober 2011 gab der reichste Mann Georgiens, der Milliardär Bidsina Iwanischwili bekannt, für einen Zeitraum von zwei Jahren in die Politik zu gehen. Sein Ziel war es, Premierminister zu werden und den westlich orientierten aber autoritär regierenden Präsidenten Michail Saakaschwili von der Macht zu verdrängen.

Dieser Film zeigt, wie der Oligarch sein Ziel erreichte und wie Saakaschwili versucht, Georgien „mit Vollgas“ auf Westkurs zu halten.

Filmemacher Stefan Tolz, der Georgien seit mehr als 20 Jahren hat aus dem Wettstreit der beiden Politiker ein spannendes Roadmovie gemacht und trifft in seinem 40 Jahre alten Wolga 21 auf Gewinner und Verlierer des Wandels in dem kleinen Landes, dass eine Anbindung an EU und NATO anstrebt.

Der Film liefert kurz vor der Präsidentenwahl am 27. Oktober ein außergewöhnliches Insiderporträt Georgiens – und ist gleichzeitig eine Parabel auf die gesellschaftliche Situation in vielen anderen Staaten des ehemaligen Ostblocks, in denen der Traum vom Westen zu Konflikten zwischen unterschiedlichen Interessensgruppen geführt hat.

Sunday, October 06, 2013

VIDEO: TEDxTbilisi - Stefan Tolz - Creating an Image: Second thoughts about making films in Georgia (youtube.com)


(youtube.com) Stefan Tolz discusses the art of documentary film, and the responsibilities of film makers towards their subjects.

German filmmaker Stefan Tolz has been visiting, living and working in Georgia for more than 20 years. He has filmed news reports, ethnological and political TV documentaries, and two feature-length documentaries for cinema. He is now working on his first fiction film in Tbilisi.

In the spirit of ideas worth spreading, TEDx is a program of local, self-organized events that bring people together to share a TED-like experience. At a TEDx event, TEDTalks video and live speakers combine to spark deep discussion and connection in a small group. These local, self-organized events are branded TEDx, where x = independently organized TED event. The TED Conference provides general guidance for the TEDx program, but individual TEDx events are self-organized.* (*Subject to certain rules and regulations)

TRAVEL: "Villa Tiflis" - Welcome to Stefan & Mzias Bed & Breakfast! (villatiflis.com)

(villatiflis.com) Tbilisi - the "warm city" - where Georgian king Vakhtang Gorgasali fished a hunted pheasant ready-cooked out of the sulphur springs, has become our common home in 2008, when we moved into this big appartment in the Kotetishvili family house in the centre of town, just a stone's throw away from the Prospekt Rustaveli, the main boulevard of Tbilisi.

The warmth to which the city owes its name is the principle with which we want to receive our guests within our little B & B in the Georgian capital. Our wish is to provide our guests with an environment, which provides tranquillity and room for thoughts in the midst of this foreign culture. We want to help our guests finding new energy in their everyday lives through the encounter with Georgian culture and the magnificent landscape of this remote part of the world.


Our "Villa Tiflis" is a cosy and very special place, its décor is inspired by oriental design and Jugendstil, reflecting Tbilisi's age-old status as a meeting place of Eastern and Western cultures.

If you decide to share the special atmosphere of this artists' house in the heart of Tbilisi, you will combine your Georgian experience with time for tranquillity and relaxation. You may contact us via the contact form.

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Mzia is a teacher of Georgian language and literature and works as a translator for international movies for the Georgian television. She has a lot of humour, loves Italian coffee and knows aside from the art scene almost everybody in town!

Stefan is a filmmaker from Germany, who initially came to Georgia 20 years ago. He has made several documentaries about the Caucasus and is currently working with a Georgian script writer on his first fiction movie. He especially loves the Caucasus for the outdoor activities and has travelled a lot within the country.

We love company and have therefore decided to share our experience in Georgia with guests from all over the world. As the saying goes: Every day you don't see a new place or don't meet someone new might be a day lost in your life.

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The Prices

We offer two double rooms (which can also be booked as singles) and possible extra beds. So please let us know your wishes and we will see what we can do to make your stay as comfortable as possible.

Starting from November 15th new rates apply: A room rented out for single occupancy is 50 euros per night. Double occupancy it is 70 euros per night.

Payment for the room is done on arrival in Lari / Euro / U.S. Dollars. Other costs you have accrued are payable upon departure.

Breakfast is being served complimentary as well as a glass of wine in the evenings. We are also happy to support you with any advice you might need.


Transportation to and from the airport for 30 Lari (approx. 13 Euro) one way can be organised as well as contacts to local travel agencies for trips inside Georgia.

The prices are subject to changes in relation to currency fluctuation. As we do not operate as a business but as a private household, we are not VAT-rated, but of course will give you a receipt for your payment.

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Contact

Stefan & Mzias Bed & Breakfast
Kotetishvili-Street 7, Tbilisi
Phone: +995 32 2932842

The easiest way to reach us is via e-mail. Whether you want to make a reservation or need some more information, please just use this form.

You may write in English, German, French, Spanish, Russian or Georgian. We'll get back to you as soon as possible.

Saturday, October 05, 2013

DOKUMENTARFILM: Vollgas gen Westen - Georgien sucht seine Zukunft . Von Stefan Tolz (arte.tv)


(arte.tv) Dienstag, 22. Oktober um 23:50 Uhr (90 Min.)

Am 27. Oktober wird in Georgien ein neuer Präsident gewählt. Damit geht für das kleine Land im Kaukasus eine Ära zu Ende, denn Präsident Michail Saakaschwili kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Filmemacher Stefan Tolz ist durch das Land gereist und zieht Bilanz über dessen Amtszeit.

Am 27. Oktober wird in Georgien ein neuer Präsident gewählt. Damit geht für das kleine Land im Kaukasus eine Ära zu Ende, denn Präsident Mikhail Saakaschwili kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Er hatte dem Land einen radikalen Kurs in freier Marktwirtschaft verordnet, der Georgien im weltweiten "Doing Business Survey" von Platz 112 auf Platz 12 katapultierte. Doch bei vielen Georgiern kam nichts von diesem Wachstum an. Bei den Parlamentswahlen im letzten Jahr wählten sie Saakaschwilis Partei aus der Regierung und sein Widersacher, der Milliardär Bidzina Iwanischwili wurde Premierminister.

Filmemacher Stefan Tolz hat über die letzten zwei Jahre die Ereignisse in Georgien begleitet. Er kennt das Land seit mehr als 20 Jahren und ist in seinem himmelblauen Wolga 21 unterwegs gewesen, um Gewinner und Verlierer der Reformen zu treffen und mehr über die Zukunftspläne der neuen Regierung zu erfahren.

Georgien ist ein strategisch wichtiger Partner für EU und NATO. Über das georgische Territorium führen Öl- und Gaspipelines vom Kaspischen Meer in den Westen. Georgische Soldaten stehen an der Seite der Amerikaner im Irak und Afghanistan. Diese West-Orientierung des Landes und der Dauerkonflikt um die abtrünnigen Provinzen Abchasien und Süd-Ossetien belastet das Verhältnis zu Russland und führte 2008 zu einem kurzen Krieg. Seither halten die Russen rund ein Fünftel des Landes besetzt.

Das Roadmovie setzt die unterschiedlichen Facetten des Landes als Mosaik zusammen. Dabei ist es dem Filmemacher gelungen, hinter die Kulissen der georgischen Politik zu blicken. Ob Präsident oder Premier, Justizministerin oder Bischof - alle entwickeln ihren persönlichen Bezug zum himmelblauen Wolga, der in der Sowjetunion ein Wohlstandssymbol war - und geben Einblick in ihre Ideen zur Gestaltung der Zukunft Georgiens.

Saturday, July 21, 2012

TRAILER: On the Edge of Time. By Stefan Tolz (youtube.com)



Trailer of the feature documentary by Stefan Tolz on male domains in the Caucasus. The documentary was shot in 2000 and 2001 in Georgia, Dagestan and Azerbaijan and received serveral awards among which are the Golden Gate Award (San Francisco) and the Grand Prize of the Taiwan International Documentary Film Festival.  

More information at www.on-the-edge-of-time.de

ARTIKEL: Stefan Tolz und der georgische Saftladen. Im Gespräch mit dem deutschen Filmregisseur und Produzenten. Von Rainer Kaufmann (kaukasische-post.com)

(kaukasische-post.com) Er hat einen der schönsten Filme gedreht, die es über den Kaukasus gibt: Am Rande der Zeit – Männerwelten im Kaukasus. Die Rede ist von Stefan Tolz, dem deutschen Filmproduzenten und Regisseur, einem Urgestein der postsowjetischen deutsch-gorgischen Szene. Denn seit 1990, noch bevor die UdSSR aufhörte zu existieren, ist der heute 46-jährige in Georgien irgendwie zu Hause. Damals kam der Münchner Filmstudent, 24 Jahre jung war er, nach Tiflis, um an der Kino-Fakultät des Staatlichen Georgischen Theaterinstituts ein Gaststudium zu absolvieren. In den Hörsälen allerdings hielt er sich nur selten auf, seine Georgisch-Kenntnisse waren noch nicht ausreichend. Umso mehr hielt er sich in den Studios der großen georgischen Regisseure auf, bei Eldar Schengelaia etwa oder bei Tengis Abuladse. Von ihnen hat er viel gelernt. Und von den unzähligen georgischen Streifen in Schwarz und Weiß, die er sich in eiskalten Kinosälen angesehen hat.

Heute spricht er perfekt Georgisch und hat sich nach einigen Jahren in anderen Teilen der Welt seit 2007 wieder in Tiflis niedergelassen. Dazwischen war er Gaststudent am Film Department der New York University und an der Pekinger Filmakademie. Von 1993 bis 1999 arbeitete er als freier Autor, Regisseur und Produzent zunächst in Köln für verschiedene öffentlich-rechtliche Fernsehsender, danach in München. Seit 1998 erhielt Tolz auch verschiedene Lehraufträge für Dokumentarfilm in Deutschland und Österreich. 2002 gründete er gemeinsam mit Thomas Riedelsheimer und Thomas Wartmann eine Filmproduktion in München, seit 2004 auch mit einer Niederlassung in Köln, filmpunkt heißt die Firma heute.

Lange Zeit hatte er sich eher in Richtung Kalifornien orientiert, der Liebe wegen, und sich nicht vorstellen können, jemals wieder für eine längere Zeit seine Zelte in Georgien aufzuschlagen, obwohl er regelmäßig seine alten Freunde im Kaukasus besuchte. Als die Beziehung nach Kalifornien erkaltet war, machte sich Stefan Tolz auf die Suche nach einer neuen Zweit-Heimat. Für Südfrankreich hatte er sich schon fast entschieden, als er dann doch wieder zu einem Besuch nach Georgien kam. „Da habe ich ein Georgien vorgefunden, wie ich es noch nie erlebt habe.“ Waren es früher vor allem die Abgeschiedenheit der Bergdörfer, die ihn angezogen hatten, war er plötzlich überrascht, dass Tiflis nicht mehr so abgeschnitten war von der Welt wie früher. „Ich konnte in einem Cafe sitzen, einen Cappuccino trinken und hatte über den Laptop Kontakt zur Außenwelt.“ Für den Filmemacher, der in Georgien alle schweren Zeiten ohne Strom und ohne Kommunikation miterlebt hat, die Zeiten des Bürgerkriegs und der danach folgenden Herrschaft von Warlords, war dies ein Quantensprung in Lebensqualität. Alte Freunde, mit denen er zu Studienzeiten seinen ersten Film in Georgien, Das Kaukasische Gastmahl, produziert hatte, boten ihm eine Wohnung zum Kauf an. Südfrankreich war vergessen. Stefan Tolz war wieder bei denen angekommen, mit denen seine Karriere angefangen hat. Mittlerweile ist er mit einer Georgierin verheiratet, keltert, wie es sich hierzulande gehört, seinen eigenen Wein, fährt einen wunderschönen alten Wolga und betreibt ein kleines Gästehaus in Tiflis.

Diesen Film-Erstling, vorfinanziert durch journalistische TV-Beiträge über Georgien, hat er bewusst mit alter sowjetischer Ausrüstung produziert. Es ging ihm um Authentizität auch in der Technik. Ein Tamada stellt mit seinen Trinksprüchen die Gäste einer georgischen Tafel vor, die sich nicht kennen, und die dann in Kurzbeiträgen portraitiert werden. Eine erste Annäherung an die Innenwelt Georgiens. Den selbst produzierten Film zeigte der junge Regisseur dem SWF-Redakteur Ebbo Demant in Baden-Baden, der ihn sofort aufkaufte und in ARD und auf ARTE zeigte. Das war der Durchbruch für Stefan Tolz, mehrere Jahre produzierte er für deutsche TV-Anstalten vor allem Dokumentarfilme.

Der mehrfach preisgekrönte Film Am Rande der Zeit – Männerwelten im Kaukasus (u.a. Golden Gate Award beim San Francisco Filmfestival und eine Nominierung zum Grimme Preis) folgte einige Jahre später, nachdem er für den Fritz-Pleitgen-Dreiteiler Durch den wilden Kaukasus die Regie geführt hatte. Zu seinem eigenen Kaukasus-Film, der sich weniger den wilden Klischee-Facetten dieser Region widmete, führte ihn die einfache Frage, in welcher Region man denn anlässlich des Jahrtausendwechsels noch Menschen finden konnte, die in einer völlig anderen Zeit leben als wir, in einer zeitlosen Zeit. Er fand sie in Swanetien, in einem Altenheim in Adscharien, auf einer Bohrinsel in Baku und in einer Koranschule in Daghestan. Ein wirklich zeitloser Film über Menschen und ihre Wertvorstellungen. Ein zeitlos gültiger Film über den Kaukasus.

Derzeit bereitet Stefan Tolz ein neues Filmprojekt in Georgien vor, einen Spielfilm. Die Idee ist zehn Jahre alt, zusammen mit Lascha Bagradse, dem heutigen Leiter des Literaturmuseums, hat er schon im Jahr 2002 das Grundgerüst für Drehbuch und Handlung erarbeitet. Zwischenzeitlich lag das Projekt auf Eis. Es geht vordergründig wieder um eine typisch georgische Geschichte, die Geschichte von Mitrophane Lagidze und seinen Limonaden.
Georgien-Veteranen erinnern sich wehmütig an das mit Marmor verkleidete und herrlich dekorierte Saftgeschäft auf dem Rustaweli, in dem Soda-Wasser mit selbst erzeugten Saftkonzentraten, die auf einem Drehgestell in großen Glasamphoren bereit gehalten wurden, vermischt wurde. Ein Spritzer Essenz, das Wasser kam aus einem Hahn, verrührt wurde es von den Verkäuferinnen mit einem Kaffelöffel. Es gab Fruchtkonzentrate, Kräuteressenzen (himmlisch süss und herb zugleich: Darchuna), auch eine Schokoladen-Variante. Lagidze war Kult für Generationen von Tiflisern und ihren Gästen. Die marmorne Trinkhalle musste in den letzten Jahren einer 0/8-15-Boutique weichen. Leider.

1887 hatte der Apothekerlehrling Mitrophane Lagidze damit begonnen, Säfte aus Naturextrakten herzustellen, ohne künstliche Aromen und Zuckerzusätze, die in dem legendären Kultlokal am Rustaweli verkauft wurden. Eine Erfolgsgeschichte: Anfang des 20. Jahrhunderts musste bereits in einer Fabrik produziert und in Flaschen abgefüllt werden, in den 30-er Jahren wurden Trinkhallen an den Badeorten des Schwarzen Meers eröffnet und 1952 wurden 40 Prozent der in der UdSSR verkauften Limonaden nach den Rezepten Lagidzes hergestellt. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Einmarsch weltweit bekannter Softdrinkmarken auch in Georgien wurde es für die Erben des traditionellen Limonadeherstellers aus Tiflis immer schwerer, der globalen Konkurrenz zu trotzen. Die Globalisierung ging mitleidlos über Traditionen und Kulte hinweg und Lagidzes Enkel ist heute Vizedirektor in der georgischen Dependance einer weltweit operierenden, amerikanischen Softdrink-Marke….

Das Drehbuch, geschrieben vom Irakli Solomonaschwili und Ana Kordzaia, ist aber vielschichtiger angelegt. Es erzählt, ganz in der Tradition des georgischen Films, die Geschichte Georgiens während der Sowjetzeit. Der Makrokosmos einer ganzen Epoche im Mikrokosmos eines Tifliser Saftladens, in dessen Labor alle möglichen Essenzen hergestellt werden. Essenzen, die der Sowjetarmee den Sieg brachten; Essenzen, die einen Geheimdienstchef glücklich machten; Essenzen, die die Eroberung des Weltalls erst ermöglichten, den Wiederaufbau der UdSSR nach dem zweiten Weltkrieg und ihren Niedergang; Essenzen, die am Ende die ganze Menschheit hätte glücklich machen können, wenn, ja wenn nicht das System sich das Recht vorbehalten hätte, die Menschheit alleine beglücken zu dürfen. Der Tifliser Saftladen als Nabel der Weltgeschichte. Dabei geht es dem Saftmischer in Stefan Tolzens Filmprojekt von Anfang nur darum, eine verunglückte Liebe wieder zu beleben, was ihm im hohen Alter – die Sowjetunion ist längst zerfallen – dann doch noch gelingt.

Eine schrille Parabel soll es werden ganz im Stil der georgischen Tragik-Komödien über die niemals endende Suche der Menschheit nach Glück. Und dabei will Stefan Tolz mit seinen georgischen Partnern ganz nebenbei ein Bild von Georgien und seinen Menschen zeichnen, deren Charme und tiefgründiger Mutterwitz ihm dieses Land endgültig zur zweiten Heimat gemacht haben.

Friday, September 10, 2010

FESTIVAL: SONDERPROGRAMM KAUKASISCHE LEKTIONEN - 53. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (dokfestival-leipzig.de)

52nd International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
18.10.- 24.10.2010

Homepage: dokfestival-leipzig.de

Das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm pflegt seit Jahrzehnten die Tradition, Ländern oder geografischen Regionen Sonderprogramme und Retrospektiven zu widmen, deren Filmschaffen in Deutschland und oft auch international weitgehend unbekannt ist. Dadurch erhält das Publikum einen tiefen Einblick in die jeweiligen Kinematographien und kann Filme entdecken, die sonst weder im Fernsehen noch im Kino zu sehen sind. So können sich die Festivalbesucher durch die Augen der Filmemacher aus den jeweiligen Ländern einen eigenen emotionalen Eindruck vom Alltag und der Kultur der Länder jenseits von verkürzten Schlagzeilen, Nachrichtenbildern und Stereotypen verschaffen, Vorurteile über Bord werfen und sich ihr eigenes Urteil bilden. Das Leipziger Publikum und die Fachbesucher belohnen diese Bemühungen mit oft schon morgens ausverkauften Vorstellungen.

In der Tradition dieser Programmschwerpunkte, zu denen in den letzten Jahren die Sonderprogramme zum chinesischen, arabischen, afghanischen oder afrikanischen Dokumentar- und Animationsfilm zählten, steht das von Barbara Wurm kuratierte Sonderprogramm zum jüngeren Filmschaffen aus der Kaukasus-Region.

Ausgangspunkt für das schwierige Unterfangen, eine Reihe mit neueren Dokumentarfilmen aus der Kaukasus-Region zusammenzustellen, ist ein simpler Befund: Es gibt keinen Fleck auf der Landkarte der ehemaligen Sowjetunion, der nicht von den politischen Ereignissen rund um die Perestrojka erschüttert worden wäre; es gibt aber nur eine Region, in der aus Konfliktherden Kriegszonen wurden, die bis heute nicht zur Ruhe kommen. An der strategisch Jahrhunderte lang wichtigen Grenze zwischen Europa und Asien graben sich seit nunmehr zwanzig Jahren die Konturen des postkommunistischen Dilemmas ein und verweisen immer wieder zurück auf die historischen Ursprünge der zahlreichen, einzelnen Konfliktbereiche, die sich zu einem Komplex geopolitischer Antagonismen formieren. Ob nationale, territoriale, ethnische, religiöse oder soziale Streitfragen – auf dem Gebiet der drei kaukasischen Sowjetrepubliken Georgien, Armenien und Aserbaidschan sowie des südlichen Russlands sind davon alle Lebensbereiche betroffen.

Aber noch ein zweiter Befund motiviert diese Filmreihe: So sehr der Kaukasus, insbesondere in Bezug auf den Tschetschenienkrieg und den Russisch-Georgischen Konflikt Thema in den öffentlichen Medien ist, und so viele Fernseh-Reportagen es zu diesem Thema gibt, so wenig ist das Filmschaffen aus der Region selbst bekannt. Die geplante Filmreihe will daher die historischen und politischen Krisenzonen aus künstlerischer, nicht rein journalistischer Perspektive beleuchten und darüber hinaus auch den verschütteten und vergessene Filmkulturen – die gemeinsam mit dem Ende des Sowjetstaats unterzugehen drohten – zu einem ‚Revival’ verhelfen.

So unterschiedlich nämlich die politischen Entwicklungen der letzten beiden Jahrzehnte in den betroffenen Staaten sind, so differenziert muss man sich auch dem Zustand der Filmproduktion in den einzelnen Ländern widmen. In Bezug auf Infrastruktur und Nachfrage litten die beiden großen ex-sowjetischen Filmkulturen Georgiens und Armeniens zunächst genauso stark wie die weniger bekannte Filmszene Aserbaidschans an den Folgen des Endes der Sowjetunion.



Autonomiebewegungen und Dezentralisierung leiteten jenen ökonomischen und kulturellen Prozess ein, der letztlich dazu führte, dass es seit drei Jahren nun kein (im ehemaligen Zentrum Moskau stattfindendes) föderatives "Forum der nationalen Kinematographien" mehr gibt. Wer Filme drehen wollte, emigrierte oder ließ sich auf langwierige internationale Koproduktionen ein. Der Zustand der Filmstudios war Anfang der Nullerjahre verheerend, so genannte "Filmschulen" waren mit nicht mehr Equipment als einem Fernsehgerät ausgestattet – keine Spur von Kamera oder Schnittplätzen –, während so manches aus dem Boden schießende neue "Filmstudio" von einer Handvoll Enthusiasten geführt wurde, das sich mit Mini-DV-Kamera und PCs über Wasser hielt.

Aber wie gesagt: Man muss sich dem Filmschaffen der Region, insbesondere dem dokumentarischen, differenziert nähern (kleinere Animationsarbeiten werden berücksichtigt, bilden aber keinen eigenen Schwerpunkt). Dies soll im Rahmen von fünf bzw. sechs Programmblöcken passieren, die der Kaukasus-Schwerpunkt von DOK Leipzig 2010 umfassen wird, aber auch im Rahmen eines Symposiums und von Werkstattgesprächen, zu denen FilmemacherInnen, ProduzentInnen und andere Fachleute aus der Kaukasus-Region eingeladen werden sollen. Die Filmauswahl konzentriert sich auf die letzen drei, vier Jahre (2006-2010), greift aber an einigen relevanten Punkten auf historisches Filmmaterial zurück. Filme, die in den letzten beiden Jahren im Rahmen des Festivals gezeigt wurden, können dabei nicht berücksichtigt werden (u.a. Nino Orjonikidzes und Vano Arsenishvilis "Altzaney", Georgien 2009; Marija Kravčenkos "Časti tela" (Body Parts), Russische Föderation 2009). Den Schwerpunkt bilden Arbeiten von Regisseurinnen und Regisseuren aus der Region selbst (also Georgien, Armenien, Aserbaidschan und Russische Förderation), das gilt auch für jene, die mittlerweile im Ausland leben, aber vor Ort drehen.

Im Weiteren seien einige mögliche Programmblöcke bzw. Themenschwerpunkte skizziert:

Berg-Karabach (Nagornyj Karabach)
Drei Autorenfilme umrahmen diese heikle Konfliktzone zwischen Armenien und Aserbaidschan, die gleichsam den schrecklichen "Auftakt" für das permanente Kriegstreiben im Kaukasus markiert: Vardan Hovhannisyans "Mardkayin patmutyun paterazmi yev khaghaghutyan orerits" (A Story of People in War & Peace), 2007, und das neueste Oeuvre der poetischen Ausnahmefigur unter den zeitgenössischen armenischen Filmregisseuren, Arutjun Hachatryans "Sahman" (Grenze), 2009, stellen je auf ihre Weise ihren persönlichen Umgang mit den Erinnerungen an und den Folgen des Berg-Karabach-Kriegs in den Vordergrund. Während Hovhannisyan auf Archivmaterial zurückgreift, das er selbst während des Kriegs gedreht hat, und sich zwölf Jahre später auf die Suche nach seinen ehemaligen Soldatenkameraden begibt, mit denen er der Gewalt des Schlachtfelds in intimen Gesprächen begegnet, erzählt Hachatryan die Geschichte eines kleinen vom Konflikt betroffenen Dorfes aus der Perspektive eines geretteten Büffels. Eine postkommunistische Parabel von Vertrauen und Misstrauen, ein poetisches Doku-Drama, basierend auf realen Ereignissen. Umflankt werden diese beiden Filme von Vitalij Manskijs großartig lakonischem (und seinerzeit "im Westen" wenig gezeigten) Kurzfilm "Post" (Wache), 1990. Damals, als alles begonnen hat, war schon klar, dass der hier nah verfolgte Einmarsch russischer "Friedenstruppen" in eine armenisch-aserbaidschanische Siedlung alles andere als Frieden bringen würde.

Tschetschenien
Von einer tschetschenischen lokalen Filmproduktion kann leider nicht die Rede sein. Aufhänger dieses Programmblocks bildet die erste Regiearbeit der jungen in Groznyj geborenen Tschetschenin Marija Kravčenko, „Sobirateli tenej“ (Collecting Shadows), 2006, das bildgestalterisch wie erzählerisch sensible Privatdokument einer Zerstörung, das weit über die damals aktuelle Kriegsberichterstattung hinausgeht. Produziert wurde dieser Film der VGIK-Absolventin vom Nizhne-Volzhskaya Studio of Documentary Cinema Chronicles in Saratov. Die ‚heutige’ Bilderwelt der persönlichen Erinnerungen der Autorin sind hier mit völlig unbekannten Archivaufnahmen aus der gerade-nochsowjetischen Filmchronik, die nie das Licht der Öffentlichkeit erreicht haben, verwoben - mit Bildern von Clan-Demonstrationen, politischen Meetings, Protesten gegen die Regierung. Die Idee für diesen Programmpunkt ist, über dieses Studio sowie über das RGAKFD, das Russische Staatliche Archiv für Film- und Fotodokumente in Krasnogorsk, das Spektrum an Archivmaterial zum tschetschenischen Leben in der noch "funktionierenden" UdSSR zu erweitern und den Film Kravčenkos in diesen Kontext zu stellen.

Weitere Recherchen zu Arbeiten jüngerer tschetschenischer Regisseure, die teilweise auch in Georgien produziert werden, sind hier noch notwendig. Verzichtet wird hingegen voraussichtlich aus konzeptionellen Gründen auf russische Dokumentarfilme zum Tschetschenien-Konflikt.

Georgien
Der aktuellste und auch streitbarste Dokumentarfilm zum russisch-georgischen Konflikt stammt von einem der schärfsten Kritiker der russischen Politik: Andrej Nekrasov. Gemeinsam mit Olga Konskaja stellt er in der norwegisch-russisch-georgischen Koproduktion "Russian Lessons", 2009, der u.a. auf den Festivals in Sundance und Rotterdam gezeigt wurde, den Krieg aus der Perspektive dies- und jenseits der Fronten dar, also vom "europäischen" Süden und vom "russischen" Norden. Die Konfrontation wird jedoch zu einer investigativ einzigartigen Lektion in Sachen Politik und Macht entfaltet, die bis ins Jahr 1993 und den Abchasien-Konflikt zurückreicht. Auch das dokumentarische Schaffen von Nino Kirtadze steht im Zeichen der Offenheit für die politischen und historischen Quellen der Kaukasus-Region. Ob in ihren frühen Arbeiten wie "Chechen Lullaby" (Il était une fois la Tchétchénie), 2001, oder im aktuellen "Durakovo: Village of Fools", 2007, der vom Aufkeimen russischer rechtsnationalistischer Bewegungen berichtet, immer wieder geht es um den Alltag und die Rituale einer ideologisch überformten Gesellschaft.

Das vielfältige georgische Dokumentarfilmschaffen der letzten Jahre muss für die Programmierung noch weiter recherchiert werden. Kontakte zum Georgian National Film Center und zu einzelnen BeraterInnen (Stefan Tolz, Zaza Rusadze, Mariam Kandelaki sowie Anna Dziapshipa) bestehen bereits. Angedacht sind in erster Linie die durchaus herausragenden Arbeiten der jungen Salome Jashi, aber auch von Levan Koguashvili oder Merab Kokochashvili. Einen Einzelplatz soll der Altmeister des georgischen Filmschaffens, Aleksandr Rechviašvili, bekommen.

Armenien
Neben den bereits erwähnten Filmen ist im Bereich des armenischen Films geplant, das marginale dokumentarische und teilweise experimentelle, in den Kunstbereich reichende Schaffen junger NachwuchsregisseurInnen und kleinerer Filmschulen sowie ähnlicher Initiativen zu porträtieren (Simoyan Arusyok ("9:39"), Gor Baghdasaryan ("Dinner Time"), Produktionen des Studios von Ruben Gevorkjanc "Nayk", Arbeiten des Experimentellen Zentrums für Kunst in Jerewan, u.a.m.)

Auch die in Russland produzierte, in Armenien gedrehte Arbeit von Arman Yeritsyan, "Privet, Fellini!" kommt in Betracht. Fraglich ist hingegen, ob historisch-politische Anklagefilme, die von Exilarmeniern in den USA produziert wurden, wie beispielsweise "The River Ran Red" ins Programm aufgenommen werden sollten. Eine Recherchereise zum zentralen Festival in Jerewan ("Golden Apricot") wäre hier sowie im Bereich der Recherche zu den kleineren Strömungen und Aktivitäten sehr aufschlussreich.

Aserbaidschan
Der international renommierte Schauspieler Murad Ibragimbekov ist gleichzeitig die herausragende Figur des aus Aserbaidschan stammenden Dokumentarfilmschaffens. Sowohl in "Neft" (Erdöl), 2003, als auch in seinem neuesten Kurzfilm "Objekt No. 1" lässt sich erahnen, wie sehr die großen Montage-Traditionen des sowjetischen Kinos und die reiche Symbolkraft noch bis heute wirksam sind, während gleichzeitig aktuelle Themen wie die geopolitische Bedeutung der Rohölvorkommen thematisiert werden. Einen weiteren Schwerpunkt eines möglichen Kurzfilmprogramms bilden die Arbeiten "Il’gar Safats", der bereits vor einiger Zeit in Leipzig war, sowie andere Dokumentarfilme, die von der aserbaidschanischen Firma Narimanfilm produziert werden. Außerdem werden noch Recherchen zu den aktuellen Arbeiten des ebenfalls bereits in Leipzig gezeigten "Elchin Musaoglu" durchgeführt.


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