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Monday, March 04, 2013

ARTIKEL: Georgien: Alte Recken. Von Frank Stocker (welt.de)

(welt.de) Georgien ist ein junger Staat. Und je jünger ein Staat, desto stärker betont er auf seinen Geldscheinen erfahrungsgemäß, wie lang die Geschichte der Nation eigentlich schon ist. So auch im Falle der Kaukasus-Republik. Es beginnt schon mit dem Namen: Lari ist ein altes Wort, das "Eigentum" bedeutet. Die Bezeichnung der Untereinheit Tetri geht sogar bis ins 6. Jahrhundert zurück, als damit Münzen bezeichnet wurden.

Ebenso weit zurück in der Historie gehen die Darstellungen auf den Banknoten. Dem Mitteleuropäer am ehesten vertraut dürfte Schota Rustaweli sein, der auf dem 100-Lari-Schein zu sehen ist. Von dem Dichter, der im 12. Jahrhundert lebte, stammt das Epos "Der Recke im Tigerfell".


Rustaweli soll in Königin Tamara verliebt gewesen sein, deren Abbild den 50-Lari-Schein schmückt. Diese wiederum war eine Urenkelin von David IV., auch David der Erbauer genannt. Er befreite die Georgier von den Seldschuken und verlegte die Hauptstadt nach Tiflis. Auf dem 200-Lari-Schein ist er zu sehen.


Noch weiter zurück geht dagegen der 20-Lari-Schein. Auf ihm ist prominent Wachtang I. Gorgassali abgebildet, Ende des 5. Jahrhunderts König von Iberien - das nichts mit der iberischen Halbinsel zu tun hat. Vielmehr war dies der Name eines antiken georgischen Staates. Wachtang I. gilt als Gründer von Tbillissi, deutsch Tiflis, der heutigen Hauptstadt des Landes. Daher gesellt sich neben ihn auf dem Schein auch eine Karte der Stadt aus dem 18. Jahrhundert. Zudem wird Wachtang in Form eines Reiterstandbildes dargestellt, das über dem Steilufer des Flusses Kura am Rande der Altstadt steht. Dieses Standbild allerdings wurde erst 1967 errichtet.


Doch dies ist nicht die einzige Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Auf allen Scheinen ist groß und deutlich ein Sonnensymbol zu sehen, das sogenannte Bordschgali. Es steht für das Universum und die Ewigkeit und ähnelt sicher nicht zufällig dem buddhistischen Lebensrad.

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Thursday, November 01, 2012

ARTIKEL: Georgier warten auf Iwanischwilis Milliarden. Von Ulf Mauder (fnp.de)

(fnp.de) Haus und Krankenversicherung gratis - in dem georgischen Dorf Tschorwila sind die Menschen satt und glücklich. Es ist die Heimat des Milliärdärs Iwanischwili. Der reichste Mann Georgiens lässt als neuer Regierungschef nun alle im Land von Wohlstand träumen.


Nach dem Wahlsieg des Milliardärs Bidsina Iwanischwili hoffen die Georgier auf ein besseres Leben.
Tschorwila. Früher hätten sie aus Scham immer mit einer Hand vor dem Mund gesprochen, sagen die Menschen aus dem georgischen Dorf Tschorwila. Aber heute blitzen ihre weißen Zähne, wenn sie begeistert von den Wohltaten jenes Mannes reden, von dem lange Zeit kaum einer außerhalb dieser Ortes wusste, wie er eigentlich aussieht: Bidsina Iwanischwili. "Bidsina zahlt sogar unseren Zahnersatz, er ist ein guter Mensch", sagt Murtas. Der Mittfünfziger verdient in der Hauptstadt Tiflis mit Fahrdiensten sein Geld.

Dass Iwanischwili als reichster Mann des Landes mit seinem Milliardenvermögen die Schwarzmeerrepublik Georgien als Regierungschef endlich nach vorne bringe, davon ist Murtas überzeugt. Er glaubt an den Georgischen Traum - wie Iwanischwili seine Partei nennt. "Es kann nicht mehr schlimmer werden in unserem Land", meint Murtas. Wie so viele kommt er in die Hauptstadt, weil es sonst kaum Arbeit gibt im Land - auch nicht im schönen Tschorwila.

Präsident Michail Saakaschwili, dessen Partei nach der Parlamentswahl im Oktober nun in der Opposition ist, habe die am Boden liegende Wirtschaft nicht auf die Beine gebracht, schimpft Murtas. Auf einer dreistündigen Autofahrt in Iwanischwilis Heimatdorf ziehen sie am Fenster vorbei: die Industriebrachen aus Sowjetzeiten und die von der Südkaukasus-Sonne ausgedörrte Landschaft. Es gehört zu den Zielen des Bündnisses Georgischer Traum, den Boden wieder in ertragreiche Agrarfläche zu verwandeln.

Entlang der Straße erinnern immer wieder Siedlungen an eine andere Wunde Georgiens: In den Bungalows leben die Flüchtlinge aus Südossetien, jener abtrünnigen Region, über die Saakaschwili nach einem Krieg gegen Russland 2008 die Kontrolle komplett verlor. Tausende Menschen leben hier abgeschieden vom Trubel der Hauptstadt. Ganz in der Nähe patrouillieren Beobachter der Europäischen Union an der Konfliktlinie, damit die Waffenruhe gewahrt bleibt.

Die Straße in das Dorf des superreichen Politikers verläuft durch waldreiches Hügelland. Schon vor dem Ziel leuchten in einigen Orten neue Dächer in grüner und rotbrauner Farbe, Spuren von Iwanischwilis Reichtum. Für die vielen baufälligen Häuser ist das so etwas wie eine erste Hilfe, Schutz vor Regen. Auch der Asphalt wird immer besser.

Plötzlich blenden in seinem Heimatdorf in der Sonne weiße, rosa und gelbe Fassaden das Auge. So groß wie Villen sind einige Häuser. Auf der Straße und den Grundstücken wehen im Wind blaue Flaggen mit dem Sonne-Sterne-Symbol und der Zahl 41. Es sind die Zeichen für die Bewegung Georgischer Traum.

Den georgischen Traum träumen inzwischen viele im Land. Iwanischwili hat diesen Namen von der Musikband seines Sohnes Bera, der als Rapper in Georgien berühmt ist. Tschorwila ist für viele Georgier der Beweis, dass Träume wahrwerden können. Iwanischwilis Anwesen liegt hinter hohen Mauern - anders als seine Villa aus Glas und Stahl, die in der Hauptstadt Tiflis gut einsehbar ist.

Wächter tragen tütenweise Bananen, Weintrauben und Pfirsiche durch das hohe Tor aus Metall. Iwanischwilis Mutter lebe hier, sagt Nugsar Schirtladse zögernd. Der 46-Jährige arbeitet für den Milliardär als Wachmann. Doch Fremde verirren sich nur selten in diese abgelegene Region. Und das viele Essen? Das sei für das Personal sowie die Bewohner eines kleinen Privatzoos.

Das Land könne froh sein, jemanden wie Iwanischwili zu haben, betont Nugsar. "Was Bidsina versprochen hat, hat er gehalten und sogar noch mehr gemacht." Er erzählt Geschichten von einmaliger Großzügigkeit, wie sie viele im Dorf kennen: von den guten Gehältern, die Iwanischwili zahle, pauschalen Beihilfen für Familien von 200 Lari (93 Euro) im Monat - fast so viel wie ein halber Durchschnittslohn - und eben von der kostenlosen medizinischen Versorgung.

Ein Stück weiter die Straße herunter, vorbei an modernen Strommasten, liegt am Ortsrand das "Haus der Rituale". Ein baumreicher Park umgibt das weiße Dorfgemeinschaftshaus. Eigentlich ist an diesem Sonntag kein Fest geplant. Swetlana Dschugaschwili und ihre Kollegen scheuern die Profiküche aus Stahl trotzdem noch einmal blank.

"Wir halten hier alles in Schuss, damit das Haus immer wie neu aussieht", sagt sie. Im Saal stehen die runden Tische für bis zu 300 Gäste. Swetlana bestätigt das, wovon viele im Land schwärmen: In diesem "Haus der Rituale" könne jeder gratis feiern. "Hochzeiten, Geburten, Jubiläen und Beerdigungen", sagt sie. "Sie bringen einfach die Getränke und die Zutaten für das Essen mit. Unser Koch schreibt auf, was sie brauchen. Und wir bereiten alles zu, servieren und besorgen auch die Kapelle", erzählt Swetlana.

"Bidsina spricht wie ein einfacher Mensch. Er weiß aus eigener Kindheit, was Armut ist. Nun hilft er anderen", sagt sie. "Es geht mir immer so zu Herzen, was er sagt und tut." Die Familie habe den Hausbau von Iwanischwili bezahlt bekommen, und ihrem Mann habe er noch ein Gehalt für die Bauarbeiten gezahlt, wie allen im Dorf. "Das ist die Wahrheit! So ist das Leben hier", sagt Swetlana lächelnd.

Wie der Oligarch zu seinem Reichtum gekommen ist, danach fragen die Menschen hier nicht. "Wer es in Russland als Georgier soweit bringt, der muss klug und gut sein", meint Swetlana. Es klingt wie eine Volksweisheit. Iwanischwili, der in Moskau Karriere machte, brachte es dort in den chaotischen 1990er Jahren zu seinem Vermögen.

Wie viele verdiente er damals viel Geld mit dem Handel von Computern, Telefonen und Elektronik und gründete dann eine eigene Bank. Sein Vermögen wird auf 6,4 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Für seine Landsleute hat der Gönner eine Hochglanzbroschüre drucken lassen. Auf 244 Seiten sind die Spenden von rund 2,8 Milliarden Lari aufgelistet. So steht in dem reich bebilderten Prospekt, der Milliardär habe die militärische Infrastruktur des Landes nach Standards der Nato um- oder neubauen lassen.

Auf Iwanischwilis Konto gehen Hunderte Polizeiautos. Nach der Rosenrevolution von 2003 habe er sogar zeitweilig das Gehalt für Präsident Saakaschwili, Minister und Abgeordnete gezahlt, heißt es in der Broschüre. Fotos zeigen viele der 535 Kirchen und historischen Gebäude, die er restaurieren ließ. Landesweit 400 Schulen seien von seinem Geld renoviert und 100 000 Schultische gekauft worden.

Und kaum etwas davon war bisher öffentlich bekannt. Wohl auch deshalb trieb Iwanischwilis Schritt in die Politik vor allem seinem größten Nutznießer Saakaschwili den Schweiß auf die Stirn. Dem einstigen Revolutionshelden wurde klar, dass die wichtige Geldquelle für ihn versiegen würde. Der lange Zeit diskrete Mäzen zehrt nun selbst politisch von seinem Ruf als Krösus.

In Tschorwilas größerem Nachbarort Satschchere sitzt nicht nur Iwanischwilis Organisation, bei der Georgier Hilfe beantragen können. In der Stadt liegt auch das neue medizinische Zentrum der Region mit Operationssälen voller Hochleistungstechnik aus dem Westen, mit Computern und einer modernen Geburtsklinik mit Inkubatoren für Frühgeburten und einer Herzstation.

"Sogar die Farbe an den Wänden ist bei uns antibakteriell", schwärmt der Arzt Malchas Kutschaschwili. Es könnte ein Werbefilm für eine private Luxusklinik in der Schweiz sein. "Der Unterschied ist, dass die Behandlung hier gratis ist", sagt der Hautarzt. Das Zentrum sei mit den rund 700 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber und Iwanischwilis kostspieligstes Projekt in dieser Region.

Nach einigem Zögern zeigt Kutschaschwili auch den Altbau nebenan, wo es keine Aufzüge gibt, die Wandfarbe bröckelt und Türen locker in den Scharnieren hängen und klapprige Krankenbetten mit Menschen an Schläuchen fast zusammenbrechen. Auch hier soll nach dem Umzug in den Neubau alles besser werden. In den Gängen mit den geflickten Steinböden warten Patienten auf eine Zukunft in weniger Armut.

Georgiens Elend ist hier ganz nah. Hinter dem Ortsausgang von Satschchere tun sich monströse Bergbauanlagen auf. Diese maroden Kolosse trister sowjetischer Planungswirtschaft erstrecken sich kilometerweit an Berghängen mit zerstörter Natur. Hier, wo die Welt zu Ende scheint, wird klar wie nirgends sonst, dass es mehr braucht als Iwanischwilis Milliarden für Georgiens Traum von mehr Wohlstand. (dpa)

Monday, October 01, 2012

POLITIK: Weihwasser gegen Unheil. Von Christian Esch (fr-online.de)

(fr-online.de) Vor den Wahlen in Georgien wachsen die Spannungen im Land - vor allem der Folterskandal überschattet die politischen Auseinandersetzungen in der Kaukasusrepublik.

Vielleicht hilft es ja, was der Patriarch der Orthodoxen Kirche Georgiens am Freitag angeordnet hat: Sämtliche Städte und Dörfer des Landes sollten mit Weihwasser besprengt werden, um Unheil bei den Parlamentswahlen vom Montag abzuwenden. Der dramatische Einsatz der Priesterschaft zeigt, wie groß die Angst in der Kaukasusrepublik vor Spannungen, ja Gewalt ist.

Seit eine friedliche „Rosenrevolution“ Präsident Michail Saakaschwili an die Macht spülte, ist keine Wahl so umkämpft gewesen wie die heutige. Saakaschwili hat acht Jahre lang den zerrütteten Staat modernisiert und auf Westkurs gebracht, und er hat sich dabei viele Gegner gemacht, aber keine starken.

Georgiens reichster Mann

Das ist nun erstmals anders. Georgiens reichster Mann, Bidsina Iwanischwili, hat die Opposition geeint. Die Zeitschrift Forbes schätzt sein Vermögen auf 6,4 Milliarden Dollar – das wäre so viel wie der gesamte Staatshaushalt des armen Landes. Iwanischwili war bisher als diskreter Mäzen bekannt, nicht als Politiker. So hat er Georgiens größte Kathedrale finanziert, die Renten von Schauspielern aufgebessert und der neuen Verkehrspolizei – einem Lieblingsprojekt Saakaschwilis – Uniformen spendiert.
Noch vor wenigen Wochen sah sich Saakaschwilis „Vereinte Nationale Bewegung“ in Umfragen deutlich vor Iwanischwilis Koalition „Georgischer Traum“ und den oppositionellen Christdemokraten. Aber dann hat ein Folterskandal dem Präsidenten und Parteiführer schwer geschadet. Regierungskritische Fernsehsender, darunter einer der Iwanischwili-Familie, veröffentlichten erschütternde Videoaufnahmen aus dem Tiflisser Gefängnis Nr. acht. Sie zeigten Aufseher, die Häftlinge systematisch schlugen, erniedrigten, mit Besen vergewaltigten. In den Straßen der Hauptstadt demonstrierten daraufhin Studenten mit Besenstielen in der Hand.

Die Bilder zeigten schlagartig die Schattenseite von Saakaschwilis Modernisierung. Er hat zwar die Kriminalität auf der Straße besiegt, aber nun wird die Gewalt eben vom Staat selbst ausgeübt, in hochmodernen Gefängnissen, sagt die Opposition. Die Regierung zog rasch Konsequenzen. Der Innenminister trat zurück, der Minister für Strafvollzug wurde mit einem Menschenrechtsbeauftragten ersetzt, leitende Gefängnisbeamte wurden verhaftet. Zugleich aber wirft die Regierung der Opposition vor, sie sei verbündet mit Mafiabossen, die aus den Gefängnissen und aus dem Exil eine Revanche suchten.

Inhalte spielen keine Rolle

Um das zu belegen, wird ein schmutziger Krieg in den Medien geführt. Die Behörden selbst bringen kompromittierende Materialien in Umlauf. So präsentierte das Innenministerium eine Tonaufnahme eines angeblichen Gesprächs zwischen Kriminellen und Kacha Kaladse. Kaladse ist der prominenteste Fußballerspieler des Landes und kandidiert für Iwanischwili. Die Oppositionsmedien wiederum zeigten uralte Aufnahmen, die Saakaschwilis Einflussnahme auf die Fernsehsender beweisen sollten.
Wahlprogramme spielen kaum mehr eine Rolle, sie unterscheiden sich auch nicht stark. Am Kurs der Westintegration will auch Iwanischwili nicht rütteln, er verspricht aber eine Entspannungspolitik gegenüber Russland, dem Kriegsgegner von 2008. Weil er aber selbst sein Geld in Moskau verdient hat, sieht die Regierung in ihm einen Agenten Putins.

Je näher die Wahlen rücken, desto angespannter ist die Stimmung. Rund dreißig Aktivisten der Opposition sind festgenommen worden. Ein Leibwächter Iwanischwilis, der am Kompromati-Kampf beteiligt war, wird von seiner Familie vermisst.

Für Präsident Saakaschwili hat die Wahl besondere Bedeutung: Er kann laut Verfassung im Herbst 2013 nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. Da aber zugleich eine Verfassungsänderung in Kraft treten wird, die die Macht des Präsidenten weitgehend auf den Premierminister überträgt, könnte Saakaschwili in einem Jahr selbst Regierungschef werden.

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Georgien: Folter im Gefängnis nachgewiesen
Georgien-Wahl: "Saakaschwili ist der falsche Mann"
Georgien: Folterskandal treibt Georgier auf die Straße


Sunday, September 09, 2012

ARTICLE: Bidzina Ivanishvili: The billionaire with a Georgian dream. By Shaun Walker (independent.co.uk)

The Independent(independent.co.uk By Shaun Walker ) Bidzina Ivanishvili was known as Georgia’s reclusive billionaire, his fortune built from Russian assets, and with a private zoo and art-filled glass fortress among his toys. Now he’s emerged from the shadows to challenge the country’s leader. His personal fortune outstrips the state budget, so why is he bothering? And is he Tbilisi’s saviour, or just Putin’s patsy? Shaun Walker joins Ivanishvili on the campaign trail to find out 

'There are eight different breeds of peacock," says Bidzina Ivanishvili, as an albino specimen struts purposefully across our path and into a eucalyptus grove. "I have them all." On our tour of his vast summer retreat on Georgia's Black Sea coast, we also encounter a flock of flamingos, a kaleidoscopic collection of several dozen parrots, and Zelda the pet zebra, who gratefully munches on carrots that a lackey brings us to feed her.

Ivanishvili with Zelda the zebra on his estate. By Justyna Mielnikiewicz view gallery VIEW GALLERY
Such an exotic menagerie is somewhat incongruous in an area where the primary non-livestock animal is the stray dog, but ranked by Forbes magazine as the 153rd richest human being on the planet, Ivanishvili can well afford such eccentric luxuries. Of late though, the Georgian billionaire, until last year the most secretive and reclusive of the oligarchs to rise from the ashes of the Soviet Union, has had more serious worries on his mind than the progression of Zelda's burgeoning pregnancy, or the parasite that is ravaging the dates on the estate's palm trees.

Until last October, very few people knew anything about Ivanishvili. It was known that his primary residence was a sleek glass castle on a hill overlooking Tbilisi, that he doled out huge amounts of money in stipends to Georgia's struggling artists and actors, and that he was a poor boy from a small Georgian village who had made it big in the 1990s in Moscow and now controlled assets in Russia worth several billion pounds. But that was about it – until recently nobody even knew what he looked like.

Then, last October, Ivanishvili made a sensational announcement in an open letter, and called the media to his contemporary chateau to follow it up. He was going into politics. He insisted that the rule of President Mikheil Saakashvili, a US-educated reformer who came to power in the 2003 Rose Revolution, had morphed into a ruthless dictatorship, and that he was the man to challenge it. He invited the country's myriad opposition parties, ranging from über-liberals to radical nationalists, to join around him in a coalition, the Georgian Dream, and fight parliamentary elections as one bloc. He himself would be prime minister for one or two years, he said, and then leave politics, but continue to fund it from his personal coffers.

Fast-forward 10 months, and I am following Ivanishvili on his campaign trail, ahead of parliamentary elections due on 1 October. The man who once only travelled incognito is now touring Georgia and drumming up support for his coalition. On the day that I join, he is campaigning in Svaneti, a mountain region of picturesque hamlets and ancient stone towers, an eight-hour drive from the capital, Tbilisi.

Campaigning in Georgia is not for the faint-hearted. At one point we climb for an hour up a sheer path to an 11th-century church perched on top of a mountain, where a religious festival is under way and hundreds of locals and visitors are jostling both to make it up to the church, and to get a glimpse of the visitor. Save for the bodyguards and the motorcade of black limousines waiting below, the scene could be straight from the Middle Ages. Atop the hill, candles are lit, bells rung by hand, goats are being skinned and stewed in giant pots, and a strong-man contest is under way involving the lifting of giant rocks. Ivanishvili, who hardly breaks a sweat during the climb in the summer sun, stops to hear the concerns and complaints of ordinary Georgians. Mainly they moan about a lack of jobs and investment. "We don't know much about him, but we are willing to give him a try. He can't be worse than the others," says 82-year-old Eduard, a local villager.

After a long day of pressing the flesh, a five-hour drive tailing Ivanishvili's motorcade brings us from the crisp mountain air of Svaneti to the soupy heat of the sub-tropical Black Sea coast. As we are driving along the road that hugs the coast, the driver pulls a sharp right turn at the smallest of breaks in the trees, and we pass through an unmarked entrance equipped with a barrier and security cameras. I'm driven to a large wing of functional rooms where a small army of security agents, cooks, cleaners and other assorted staff stay. "Bidzina is tired, he'll see you in the morning," I'm told.

The next morning at the appointed hour, a crimson golf buggy pulls up stealthily to bring us to Ivanishvili, but I notice that the unassuming driver is the man himself, dressed in jeans, a short-sleeved shirt and loafers. So begins an impromptu tour of the grounds – the animal collection, as well as a house for friends, a restaurant complex, a metal promontory jutting out 20 metres into the sea that we drive down in the golf buggy, and finally Ivanishvili's own house. He chats trilingually as the mood takes him; either in reasonable English, in lightly-accented Russian, or in his consonant-heavy native Georgian, translated falteringly into English by an aide who has accompanied us. It is hard to believe that the man casually showing off his summer house and pointing out his 15-year-old daughter reclining in a lounger by the pool is the same person who until a year ago was considered the most reclusive man in the former Soviet Union. The golf buggy's stereo system is playing a remix of Frank Sinatra's "My Way".

The buggy pulls up outside one of the buildings and we take seats in a bland lobby area that could belong to a four-star hotel in any world city. We talk for two hours about why he has decided to fight what has widely been considered one of the most progressive regimes in the former Soviet region, and why it is that he has such hatred for the current government. "I was forced to come into politics, because Saakashvili had destroyed the opposition. I had a choice either to leave the country, because it was dangerous to live here, or to go into politics." He even chartered a plane for his family several times, he claims, but in the end decided he had to stay and fight. "We will win. No doubts. I will be in the government for a year, or for two years maximum, and afterwards I will become an active member of society, to help society learn how to elect people and how to control their politicians. And make sure that there is a free press, and a real opposition."f

The government's initial response was aggressive – Ivanishvili was stripped of his Georgian citizenship, and his local bank was raided. Such an approach was counterproductive, so Saakashvili's team then settled on a more subtle form of attack, painting Ivanishvili as a political dilettante and possibly a front for malicious masters in Moscow. "The dark forces of the past, whatever money they are armed with, whatever lies they are telling… will not be able to stop Georgian people's accelerated drive towards progress," said Saakashvili back in May.

I meet with Raphael Glucksmann in one of Tbilisi's pleasant outdoor cafés to hear the government take on Ivanishvili. Glucksmann, a svelte Frenchman in his thirties, is the son of a French philosopher and one of Saakashvili's top advisors. "When you have this much money in the hands of one person, it would be a problem for any country," he says. "But it's especially problematic for a small country like Georgia. He has more money than the state budget."

Glucksmann is married to Eka Zguladze, the Deputy Interior Minister, who at 37 is one of the older members of Saakashvili's government. Saakashvili, himself just 36 at the time of the Rose Revolution, swept away the old guard and filled his government with youth. It was not unusual for ministers to be in their twenties, and with a few exceptions, any kind of service to the Soviet system meant an automatic disqualification from taking part in building the new state. This, of course, led to a whole generation of the angry and disenfranchised, which is very receptive to Ivanishvili's campaign. But the billionaire insists he is looking to the future, not the past, and that his problem is not with Saakashvili's Western-leaning outlook but with the fact that the current government cloaks autocratic methods with a mere façade of democracy.

Ivanishvili's narrative of contemporary Georgia is so wildly different to Saakashvili's that the two men may as well be talking about completely different countries. Saakashvili's people talk of a thriving democracy knocking on Europe's door, with the old Soviet mentality erased by efficient reforms and replaced with an effervescent meritocracy. Ivanishvili's brigade declare Georgia a totalitarian state, controlled by a ruthless cartel of a few men around Saakashvili who have scooped up all the economic and political resources for themselves, control the majority of media and are painfully sensitive to even the smallest criticism. The truth, unsurprisingly, is somewhere between the two extremes. The very fact that Ivanishvili and the opposition can make such public criticisms without the spectre of imprisonment or worse is testament to how far Georgia has come under Saakashvili – in neighbouring countries, such openness would be unthinkable.

Everyday life has also changed irrevocably. A decade ago, the capital experienced frequent electricity shortages, the police took bribes from all and sundry as hungrily as they do in all the other post-Soviet nations, and criminality was rife, with people scared to leave their houses in the evenings. Now, Tbilisi is a pleasant, civilised city with smart cafés and an aura of safety. Even Ivanishvili admits the police reforms were successful, at least initially, but says further reforms are needed and points to an autocratic streak in the government. "There is a strong vertical of power and one person decides everything," he says. "We need to introduce a culture of self-government and not have everything come from the top."

Ivanishvili's description of Saakashvili is withering; he calls him a "genuine coward" and even a "professional liar". He pauses for a moment before delivering his most surprising accusation: "If you want to look at it more deeply, the main problem is that he does not know what love is," he says gravely, fixing his hazel eyes on me. A few days later, I recount the allegation with a grin to a friend, a Tbilisi intellectual. But instead of giggling along, she nods resolutely, as if being apprised of a great truth for the first time. "You know, maybe Ivanishvili is right," she says with a heavy sadness in her voice.

This, after all, is a country where emotions are highly valued and worn on the sleeve. The capital's main street is named after a poet. The country's first post-Soviet president was a literary critic, and was in turn ousted by a painter and a playwright, who also happened to be military commanders. And one of the most revered professions in the country is that of the tamada, essentially a professional toastmaster who composes eloquent, impassioned speeches for the guests at wedding and birthday banquets to revel in before knocking back their drinks. There is no culture of the stiff upper lip here; this is a place where love, hatred, joy and sorrow come tumbling forth without filter.

But the hyperactive Saakashvili seems to me to be the perfect example of this Georgian exuberance – even at his lowest points, such as when cameras caught him preparing for a television interview by munching on the end of his tie, his problems seem down to a surfeit of emotion rather than a lack of it. So what does Ivanishvili mean? "He does not love; he cannot love. He cannot share others' sorrow. I feel sorry for him. He doesn't need to be jailed, he needs to be helped."

Glucksmann tells me Saakashvili and Ivanishvili never had any kind of relationship, so the President takes the criticism calmly: "They were never close so he does not feel it like a betrayal." In fact, he says, the pair only ever spoke twice. "He gave his money for cultural things and the Church, but there was never a relationship there." I ask Ivanishvili if this is true. "They said what?" he guffaws in disbelief. "There were days when Saakashvili called me 50 times! I would tell him, 'Misha, stop calling, I can't take it any more!'."

Ivanishvili says he had a rule in Tbilisi, in Moscow and in Paris – his house was for family only, and only one or two business partners who had become friends were allowed in. "It's customary in business to invite your partners to your house, to make the families friends, it helps with business. But for me, the home is sacred. No business partners were ever allowed in, let alone Saakashvili! If Putin had found out I was meeting him, my business in Russia would have been over the next day." Even before the August 2008 war between Russia and Georgia, there was extreme suspicion of Saakashvili and his pro-Nato agenda in Moscow, and Ivanishvili claims he would fly to Saakashvili's residence by helicopter, where the two men would have meetings in secret, to avoid the Russian leadership finding out.

Despite this, Saakashvili kept trying to call on Ivanishvili at home, claims the billionaire. "He called me once and said, 'I'm in the botanical gardens below your house, why don't I just walk up on foot?' Another time he suggested driving himself up in a Lada Zhiguli, in disguise, so nobody would know. I told him no way."

Ivanishvili says the two men met weekly for several years, but after Saakashvili's re-election in 2008, uneasy at how involved he was, and wary of the political course Saakashvili was taking, he cut off contact. "I told him I'm changing my SIM card, stop calling me, I don't want to be a politician and you've made me into one. When you leave politics we'll be friends, but for now we can't meet any more. He tried to persuade me, even sent his wife to see me, but I said no."

I went back to Saakashvili's people with the broad outline of Ivanishvili's claims. They reiterated that the two men had spoken "no more than two or three times ever".

As with everything about this contest, the two versions of the relationship could not be further from each other.

How Ivanishvili went from being a poor Georgian villager to one of the richest men in the world is also a story cloaked in a good deal of mystery. As he himself puts it: "I could tell you anything and you wouldn't be able to check it".

The story as he tells it is a classic oligarch's tale of wiliness and ruthlessness, clambering up ladders and dodging the multitude of snakes that dotted the gameboard of early 1990s Russia, when the clever few were able to get rich quicker than at any other time in human history. Excelling at secondary school, which was a three-mile walk from his home village, Ivanishvili went to university in Tbilisi, where he learnt Russian for the first time. "I finished my degree with distinction in 1980," he says. "Journalists never write that and it offends me." He then set off for Moscow, where he struggled to fit in. The Russian students bullied him and told jokes about Georgians; eventually he was too embarrassed even to set foot in the cafeteria because of all the mockery. But he says he realised something the Russian students did not.

"In Georgia, people had already understood that Communism couldn't survive, and I came to the institute in Moscow, and people still believed in it. They were completely different people and I found it very difficult psychologically." He also began to realise how much potential there was in computers. "I was writing my PhD in the late 1980s and was keeping an eye on what was happening in the world. It became obvious to me that Russia couldn't live without computers. I think I worked this out a year before anyone else. I started looking for people who could help import them."

He managed to track down old Jewish acquaintances from Tbilisi, many of whom had since emigrated to Israel or the West, and begged them to borrow or steal enough money to buy a computer or two and sneak it into Russia. "They hadn't left that long before, and they were by no means rich, but some of them managed to cobble together thef money for a computer and get it into Moscow, where we could sell it for 40,000 roubles. It was worth the price of two cars at the time!"

Within 18 months, Ivanishvili and three partners had earnt $80,000 – enormous money at the time, and enough to open a bank. "The thing that saved us was that the bandits had no idea what computers were," he grins. "They were blowing up cafés for 1,000 roubles, and we were wandering around with these large boxes that contained computers worth 40,000 roubles. As soon as they started to realise the value of what we were dealing with, we moved on."

With the money they had made, the friends set up a bank, Rossiisky Kredit, which went on to become one of the largest in Russia, and Ivanishvili acquired a diverse portfolio of retail, property and other businesses. "Everyone rushed to oil, to aluminium, where you could get quick returns, but it was too dangerous. I made longer-term investments. If ever a sector looked like turning violent, we got out."

Ivanishvili claims that the bank was never involved in any dubious sectors, however a source in the Moscow business world laughs at the idea, and describes the bank as "one of the most secretive in Russia".

Seizing on Ivanishvili's long history in Russia, as well as his calls for better relations with Moscow, the Saakashvili camp has painted him as a Kremlin stooge. The nadir of Saakashvili's reign was the 2008 war with Russia, in which the Georgian army was routed and all the internal progress that had been made was threatened. Most neutral observers believe that Saakashvili's government bore at least a share of the responsibility for the outbreak of hostilities, and since 2008, Russia and Georgia have had no diplomatic relations, and territory recognised as part of Georgia by most of the world are effectively occupied by Russian troops.

Vladimir Putin has made no secret of his extreme dislike for Saakashvili, famously saying he wanted to hang the Georgian leader "by the balls". Ivanishvili has promised an end to the posturing and a new, better relationship with Moscow, something that the current regime has seized upon as a sign that he is a Kremlin plant.

"I can't tell you what exact relations Ivanishvili has with the people in the Kremlin," says Glucksmann. "But he has never criticised Putin's foreign policy, which is an obvious vote-winner in Georgia." If he wasn't working to some kind of Russian plan, thinks Glucksmann, it would have been a no-brainer to rail again Putin and the Kremlin. "And don't forget the fact he sold his assets so quickly and for a good price – you can't do that in Russia without having good relations with the Kremlin."

Ivanishvili claims he is just as much a critic of Putin as he is of Saakashvili. "I left Russia when Putin came," he says. "My hobby was psychoanalysis, and the way he moved his hands, the complexes he had, it scared me. I understood Putin's psychology and I realised I had enough money to live freely and be happy, I didn't want to stay and be part of that system." He moved to Paris and then back to his home village of Chorvila, while work on his glass castle in Tbilisi was under way. Ivanishvili says he has not so much as set foot in Russia in more than a decade, extraordinary if true, given the vast business empire there he continued to control until this year.

For years he spent hundreds of millions of pounds in Georgia quietly, without any demand or desire for recognition. Theatre directors recount a quiet man coming backstage after a show to ask questions, and the next day a huge donation for renovations being announced. Hundreds of cultural and artistic figures received second salaries from Ivanishvili's cultural foundation. He built the biggest church in the country, and bought new uniforms for the army. Why? Simply for the pleasure of giving, or to assuage a gnawing sense of injustice at having so much when his country was so poor?

"What a hard question," he says, pausing to think. "It's both of those things and more. Of course it's awkward when you have things and others don't. Theatres are falling apart, actors who you loved from your youth are going hungry, it's awful. My closed lifestyle, my status as a hidden person meant I was able to go out on the street and meet people and hear their problems, and it was impossible not to want to help them. I tried to spend 1 per cent of my money on myself and 99 per cent on society. This is how I was able to live with myself." He did find the time to amass an extraordinary collection of contemporary art worth hundreds of millions of pounds, high-quality copies of which are hung in his Tbilisi mansion. The originals are in a vault in London, squirreled away on the advice of insurers who said it was too risky to keep them in Georgia.

Going from invisible man to public figure was not easy, he says. It was not only that Ivanishvili did not like the media, he shunned the whole world of oligarchic soirées. "I don't like anything where you have to wear a mask, and can't be yourself," he says. He has never so much as had a birthday party. Instead, to relax, several years in a row he wintered in the Seychelles, flying in a few close friends and a plane-load of his favourite Georgian folk musicians to keep him company.

"The first month was very hard, I felt sick every time I saw a camera," he says of his new life. It is clear he is still learning how to deal with journalists. "You can write some of this, but don't write it all," he says, while telling a juicy story of how he dispatched a nephew to Moscow to negotiate the sale of his Russian businesses after he had decided to go into politics. "Actually, probably you can write it all." Pause. "But actually it's better not to." Pause. "Though I suppose you could." Later, during the photo-shoot, he enquires whether it is OK that he is not wearing any socks.

We say our goodbyes and I make the five-hour journey from the Black Sea back to Tbilisi. Back in the capital, every conversation these days is infused with politics, it seems. "Perhaps it is time for a change, but I don't trust Ivanishvili," says a Tbilisi-based trainee doctor in her thirties, a sentiment I hear many times among the country's youth. "I don't trust anyone who has spent so long in Russia. What if he's a Kremlin plant?" Others speak fondly of his charity work and back him. Unsurprisingly, opinion polls are split: Saakashvili's aides quote a number of surveys that give Ivanishvili's Georgian Dream coalition a healthy but unthreatening minority of between 18 and 30 per cent of the electorate. Ivanishvili cites another poll giving Georgian Dream a nine-point lead over Saakashvili's National Movement. In a country with a history of street protests, the potential for a stand-off after the count comes back is ominous.

Kakha Kaladze is the country's David Beckham; for years captain of the national team, and the winner of two Champions League titles with AC Milan. Having lived for 12 years in Italy, he ripped up his contract in May and returned to Tbilisi. Sitting in an office adorned with photographs of both footballers and famous Georgian writers, Kaladze says Ivanishvili won his trust because of his decision to return to Georgia. "He has so much money, he has everything he could ever want. He could have happily lived in any city, in any country in the world. But he couldn't leave Georgia." Kaladze is running for parliament with Ivanishvili's party, Georgian Dream. "Like him, I could have stayed away, in Milan. But this country is important to us," he says.

Georgian Dream is an oddly subjunctive moniker for a political party, and it has led Ivanishvili and his gang to be dismissively nicknamed "the dreamers" in some quarters. But then, if you were picking someone to be in charge of turning dreams into reality, a man with a fortune in the billions and a collection of albino peacocks might not be a bad choice.

Saturday, April 14, 2012

INTERVIEW: Emin Milli spricht im Interview über Menschenrechte und Baku 2012 (fr-online.de)

Das Gespräch führte Patrick Schirmer Sastre

(fr-online.de) Aserbaidschan - "Ich habe keine Angst"

Der aserbaidschanische Blogger Emin Milli spricht im Interview über Menschenrechte und Baku 2012. Derzeit studiert Milli in London, möchte aber im September in seine Heimat zurückkehren. 

        

Emin Milli will sagen können, was er denkt – auch in seiner Heimat Aserbaidschan.
      Mit einem satirischen Video über einen absurd teuren Eselkauf durch die Regierung fing alles an. Kurz nach der Veröffentlichung wurde der aserbaidschanische Blogger Emin Milli im Juli 2009 verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach internationalen Protesten – unter anderem setzte sich US-Präsident Barack Obama für ihn ein – kam er nach 17 Monaten frei. Zur Zeit lebt und studiert Emin Milli in London. Er ist ein bekannter und ausdauernder Kämpfer für die Menschenrechte in seinem Heimatland, das am 26. Mai den Eurovision Song Contest austrägt.
Herr Milli, haben Sie sich über den Sieg Aserbaidschans beim letzten Eurovision Song Contest gefreut?

Na ja, ich bin kein großer Fan von Eurovision. Aber ich habe erkannt, welche Möglichkeiten uns dieser Erfolg bringen wird, um international auf die Probleme in unserem Land hinzuweisen. In diesem Zusammenhang, ja, habe ich mich wirklich gefreut.

Welche Probleme sind das?

Erstens, dass Armenien die aserbaidschanische Region Bergkarabach besetzt hat. Es ist wichtig, dass die Frage um dieses Gebiet gelöst wird. Sie behindert die demokratischen Prozesse, da beide Regierungen den Konflikt als Ausrede nehmen, um Reformen zu verschleppen. Zweitens müssen diese demokratischen Reformen in Gang gebracht werden. Die politischen Gefangenen müssen freigelassen werden. Und wir brauchen eine freie Presse.

Kann eine Schlagerveranstaltung Plattform für politische Inhalte sein?

Die European Broadcasting Union, die den Eurovision Songcontest ausrichtet, behauptet, es wäre keine politische Veranstaltung. Diese Position kann man aus deren Warte verstehen. Aber wenn man die Situation in Aserbaidschan analysiert, wäre es naiv zu glauben, dass Musik nicht politisch ist. Jede Sport- oder Kulturerrungenschaft wird vom Regime als Erfolg vereinnahmt. Deshalb ist alles politisch, was dort passiert.

Aserbaidschan ist seit 2001 Mitglied im Europarat. Inwieweit sehen Sie Bemühungen Europas, die Menschenrechtssituation in Ihrem Land zu verbessern?

Leider hat die Mitgliedschaft im Europarat die Lage eher verschlechtert. Das liegt an der passiven Haltung des Europarats zur Situation in Aserbaidschan. Zugegeben, es ist ein kleines Land. Es gibt viele Konflikte auf dieser Welt, viele Länder mit größeren Problemen und schlimmeren Menschenrechtsverletzungen. Aber angesichts der Ereignisse in der arabischen Welt sollte Europa über sein Engagement für Aserbaidschan nachdenken. Insbesondere darüber, wie man demokratische Werte vermittelt.

Wie könnte das aussehen?

Wir brauchen ein unabhängiges Fernsehen. Das könnte ein Netzwerkfernsehen sein, bestehend aus verschiedenen europäischen Akteuren. Damit könnte man Hunderttausende Menschen erreichen. In Aserbaidschan empfängt man über Satellit einen iranischen Sender, der auf Aserbaidschanisch sendet. Die iranische Propaganda vermittelt so ihre Werte. Das können die demokratischen Kräfte in Aserbaidschan bislang nicht.

Sie leben in England. Wie informieren Sie sich über die Menschenrechtslage in Aserbaidschan?

Ich bin jemand, der denkt, spricht und schreibt. Durch soziale Medien wie Facebook oder Youtube bin ich gut vernetzt in Aserbaidschan. Ich informiere mich darüber, was in Aserbaidschan passiert, aber auch was in der Welt passiert und wie die Welt die Probleme in Aserbaidschan sieht. Und ebenso wie Aserbaidschan die Probleme der Welt sieht.

Hat die Haft Ihr politisches Bewusstsein gestärkt?

Eindeutig. Ich habe mich nie als politische Person gesehen, auch heute nicht. Ich bin ein Bürger und habe das Recht zu sagen, was ich denke. Das mache ich ohne Gewalt, im rechtlichen Rahmen und ich will, dass viele Menschen das Gleiche machen. Das ist zunächst nicht politisch. Aber wie in jedem autoritären System wird dort alles auf diese Weise interpretiert. Die Zeit im Gefängnis hat mir geholfen, die Absurdität dieses Systems zu verstehen.

Können Sie zurzeit nach Aserbaidschan reisen?

Im September, nach meinem Studium, werde ich in meine Heimat zurückkehren. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich verhaftet werde, wenn ich zurückgehe. Aber ich habe keine Angst.

Werden Sie sich den Song Contest anschauen?

Ja, weil ich glaube und erwarte, dass die Sänger in einer Live-Übertragung jene Botschaften verbreiten können, die nach Meinung der Aserbaidschaner öffentlich debattiert werden sollten.



+++

Zur Person
Emin Milli wird 1979 als Emin Abdullayev in Baku geboren. Er schließt 2001 sein Studium des Völkerrechts und der Internationalen Beziehungen in Baku ab. 2002 erlangt er einen Master-Abschluss an der Universität des Saarlands.

Von 2002 bis 2004 war er Direktor der Friedrich-Ebert-Stiftung in Baku.

In seinem Blog befasst er sich mit den Menschenrechten in Aserbaidschan (www.eminmilli.posterous.com). Milli publiziert auch Gastbeiträge für internationale Zeitungen wie den Guardian.

Zurzeit lebt Milli in London. Im September will er jedoch in sein Heimatland zurückkehren.

Saturday, April 07, 2012

DEUTSCHE ZEITUNG: Kaukasische Post wird wieder aufgelegt - monatlich! Herausgeber: Rainer Kaufmann und Götz-Martin Rosin

Seit Februar 2012 wird die deutschsprachige Zeitung Kaukasische Post nach einer Ruhepause wieder erscheinen. 

Neben aktuellen Nachrichten zu Politik und Gesellschaft werden darin künftig auch deutschsprachige Incoming Agenturen in Georgien ihre touristischen Aktivitäten und Reiseangebote vorstellen können.

Die beiden Herausgeber Rainer Kaufmann und Götz-Martin Rosin greifen damit ein historisches Projekt auf und entwickeln es engagiert weiter: "Wir wollen die 1906 gegründete Tradition einer deutschen Zeitung in Georgien fortführen und alle Bereiche der Beziehungen des deutschsprachigen Raums mit dem Südkaukasus abdecken."

Vor mehr als 100 Jahren, am 18. Juni 1906 erschien die erste Ausgabe der Kaukasischen Post in Tbilisi, ursprünglich als Wochenzeitung für die deutsche Minderheit in Georgien und Transkaukasien. Chefredakteur war der deutsche Schriftsteller und Journalist Arthur Leist (1852-1927).

1914 unterbrach der erste Weltkrieg die Herausgabe bis 1918. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Georgien
musste die Zeitung 1922 ihr Erscheinen endgültig einstellen.

Im Oktober 1994 startete der Unternehmer Udo Hirsch, u.a. Gründer der "CUNA Georgica, Gesellschaft zur Förderung der Kultur und der Natur in Georgien", einen Versuch, die Kaukasische Post neu zu beleben. In den Jahren 1996 bis 2003 erschien die Zeitschrift zweimonatlich in Tbilisi, weiterhin als einziges deutschsprachiges Printmedium Georgiens.

Die geplante Neuauflage der
Kaukasischen Post wird etwa 24 Seiten umfassen und monatlich im KARO Media Ltd. Eigenverlag erscheinen. Die erste Ausgabe 02/2012 kann bereits vorbestellt werden.

Preisliste:

Einzelverkauf Georgien im Handel: Gel 5,-
Jahresabo Selbstabholung Redaktion: Gel 48,-
Jahresabo Anlieferung Büroadresse Tbilisi: Gel 54,-
Jahresabo BRD inkl. Postversand: € 48,-
Jahresabo Österreich/Schweiz inkl. Postversand: € 78,-

>> Vorschau Kaukasische Post 02/2012
>> weitere Informationen ERKAnet
>> Kontakt Redaktion Kaukasische Post

Kaukasische Post
Barnovi Str. 30
GE-0108 Tbilissi
Telefon +995-32-293 65 93
E-mail: redaktion@kapost.de

Friday, November 25, 2011

REISE: Georgien. Bei Uschba, dem Schrecklichen. Von Diana Laarz (zeit.de)

Swanetien im Norden Georgiens war über Jahrhunderte von der Umwelt abgeschieden. Jetzt gewöhnt sich ein altes Kriegervolk an ausländische Gäste.
Im nordgeorgischen Dorf Adischi leben noch vier Familien. Eine lebt direkt am Flussufer, die hält sich aus allem raus. Eine lebt etwas höher am Hang, die ist gerade verreist. Zwei leben am Dorfeingang, die sind miteinander verfeindet. Ab und zu geraten Touristen zwischen die Fronten.

Vor einer halben Stunde hat die granitgraue Doppelspitze des Berges Uschba die Sonne verschluckt. Für die Bewohner von Adischi ist die Zeit gekommen, langsam nervös zu werden. Wer jetzt noch ein Bett frei hat, geht heute Nacht vielleicht leer aus. Drei Wanderer, die letzten Ankömmlinge an diesem Tag, haben an der einzigen Kreuzung des Dorfes die Rucksäcke zu Boden fallen lassen. Sie biegen die Rücken, wischen sich den Schweiß von den Schläfen. Und schon ist der Kampf um ihre Gunst entbrannt.

Der Nachbar von rechts tobt brüllend über den Schotterweg, die Faust wild kreisend. Die Ehefrau, fest an sein Hemd geklammert, zieht er mühelos hinter sich her. Die Nachbarin von links greift sofort zum Knüppel. Die verwitterten Gemäuer der Häuser werfen ihr Kreischen zurück, so laut, dass die Hühner auseinanderstieben und sich die Schweine schnaufend davontrollen. Ein Mann aus Boston steht im Vorgarten. Er ist auf mehr als 2.000 Meter gestiegen, um die Ursprünglichkeit des Kaukasus und seiner Bewohner zu filmen – und vergisst vor Schreck, seine Videokamera draufzuhalten.

Als das Knäuel der Kämpfenden hinter einer Häuserecke verschwindet, machen sich die Wanderer auf und davon. Schnell Richtung Fluss. Die Gasse dorthin ist gesäumt von gemauerten Wehrtürmen. Manche stehen schon seit 900 Jahren, einige Wände sind geborsten, handbreite Risse teilen Feldsteine und Schieferplatten. Hier ist jedes Haus eine kleine Burg, gegen Angriffe gewappnet. Alle ortskundigen Historiker, angefangen mit dem antiken Griechen Strabo, haben die Swanen im kaukasischen Hochland als ein Volk der Krieger beschrieben. Man hätte ahnen können, dass ihr Temperament über die Jahrhunderte nicht vollständig abgekühlt ist.

Im Moment ringen die Swanen vor allem mit sich selbst. Eine Folge der neuen Zeit: Nach 2.000 Jahren weitgehender Isolation taucht Swanetien nun häufiger in Reisekatalogen auf.

Menschen, die im Auftrag der Unesco die Welt bereisen, sind bestimmt nicht leicht zu beeindrucken. Aber als Mitarbeiter des
Internationalen Rates für Denkmalpflege Mitte der neunziger Jahre das erste Mal nach Oberswanetien reisten, um die Aufnahme der Region ins Weltkulturerbe zu prüfen, waren sie kaum vorbereitet auf das, was sie vorfanden: Eine Landschaft wie gemalt, mit grün, grau und weiß gefalteten Bergen, mit hüftschiefen Steinhütten in den Tälern, mit Kirchen in Besenkammer-Größe, an deren Wänden verblichene Heiligenbilder aus dem frühen Mittelalter zu sehen waren – und überall diese Wehrtürme, bis zu 200 in einer Siedlung. Dem Bericht der Denkmalschützer ist, trotz steifer Behördensprache, ein tiefes Erstaunen anzumerken. Ähnlich abgeschiedene Dorfgemeinschaften, notierten sie, existierten nur noch in einigen Regionen des Himalaya. Oberswanetien wurde umgehend in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Ein paar Jahre später war es mit der Isolation vorbei.

Nino Ratiani steigt im Flur ihres Hauses über einen Campingkocher, hebt nebenbei zwei achtlos liegen gelassene Wanderstöcke auf und bringt dann fix mit zwei Handgriffen das Internet wieder zum Laufen. Von allen Seiten prasseln Fragen auf sie ein. Die Israelis brauchen einen Fahrer, spätestens um fünf Uhr morgens, eine Deutsche fragt nach ihrem Lunchpaket, aber bitte vegetarisch, und eine Irin mag keinen Tee ohne Zucker trinken. Ratiani bleibt kaum stehen: »Yes, of course«, »No problem«, »I will help«. Sie hat zwei Handys, die meiste Zeit telefoniert sie mit mindestens einem von beiden.

Ratiani ist eine drahtige Frau mit Dauerlächeln, die pechschwarzen Haare klemmt sie energisch hinter die Ohren. Sie ist 47 Jahre alt und die meiste Zeit ihres Lebens mit zwei Sprachen gut über die Runden gekommen: Swanetisch für die Nachbarn, Georgisch, falls sich mal jemand aus dem Flachland in die Höhe verirrte. Vor 15 Jahren fing sie an, Englisch zu lernen. Das war ungefähr zu der Zeit, als ihr Sohn zwischen zwei Bergen einen japanischen Wanderer auflas und sie ihm eine Übernachtung und ein paar Scheiben georgischen Bergkäse anbot. Der Gast drückte Ratiani am nächsten Morgen als Dankeschön fünf Lari in die Hand, umgerechnet etwa zwei Euro. Die Gastgeberin konnte ihr Glück kaum fassen, so karg waren die Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Heute kostet eine Übernachtung in
»Ninos Guesthouse« 18 Euro.

+++ Swanetien schüttet Naturschönheiten mit dem Füllhorn aus +++

Ratianis Heimatort, die Kleinstadt Mestia, ist das Verwaltungszentrum von Oberswanetien und zugleich erster Anlaufpunkt und Basislager für alle, die sich zu Fuß, zu Pferd oder mit Skiern auf den Weg machen wollen. Wer früher nach Mestia fuhr, bog von der Schnellstraße, die die georgische Hauptstadt Tbilissi mit dem Schwarzen Meer verbindet, rechts ab und quälte sich dann mindestens einen halben Tag lang Serpentinen hinauf, holperte mit dem Jeep über Geröll und versank häufig bis zu den Radachsen im Schlamm.

Die Swanen reiten ohne Sattel, in der Hand eine Flasche Grappa
Seit ein paar Jahren investiert Georgiens Regierung verstärkt in den Ausbau des Tourismus. Es hat ein bisschen gedauert, aber zu guter Letzt erinnerte sie sich auch an Oberswanetien. Seit Kurzem ist die Zufahrtsstraße nach Mestia durchgehend asphaltiert, zu Beginn des Jahres wurde außerdem der Flughafen Mestia eröffnet. Zugeschneite Straßen sind jetzt kein Problem mehr, Touristen können das ganze Jahr über kommen.

Wenn Nino Ratiani die Straße in Mestia entlanghastet – die Gehwege sind gerade aufgerissen – passiert sie mehr Gerüste als Fassaden. Es gibt ein modernes Polizeirevier mit voll verglaster Front. Im Boden eingelassene Scheinwerfer tauchen die Wehrtürme nachts in warmes Licht. Dank neuer Masten wird der Strom im kommenden Winter nicht mehr so schnell ausfallen. Ratianis raue, schleppende Stimme dringt nur schwer durch den allgegenwärtigen Baulärm. Ihre Worte könnten auch in einem georgischen Regierungsprogramm zur Unterstützung des Tourismus stehen. Sie spricht von »Entwicklung« und »Infrastruktur« und nebenbei ein bisschen von der Tradition. Gastfreundschaft, sagt Nino Ratiani, sei eine der ältesten swanetischen Tugenden. Das müssten nur auch die Bauern einsehen, die lieber ein neues Rind als ein neues Dach für die Ruine ihres Wehrturmes hätten.

Wer sehen wolle, wie ursprünglich die Swanen noch leben, brauche nur aus Mestia rausspazieren, sagt sie, und macht eine unbestimmte Handbewegung in alle Himmelsrichtungen. Über den nächsten Berg, ins nächste Tal – eine Straße dorthin werde im kommenden Jahr geteert. »Und dann kommen die nächsten Dörfer dran.« Ratiani hat vor Kurzem einen neuen Kredit aufgenommen. Im nächsten Jahr will sie in ihrem Garten ein neues Gästehaus bauen. Sie braucht eine große Küche und zusätzliche Bäder.

Nino Ratiani hat Recht. Touristen können bei der Routenwahl von Mestia aus keinen Fehler machen. Swanetien schüttet Naturschönheiten mit dem Füllhorn aus. Der Berg Uschba, der »Schreckliche«, 4.700 Meter hoch, sitzt den Wanderern wie ein streng blickender Zuschauer im Nacken. Lange bevor man die Gebirgsflüsse an seinem Fuße sieht, hört man ihr Reißen und Gurgeln. Im Spätsommer färben sich die Berghänge rot und gelb. Oft steht bis in die Nachmittagsstunden ein bleicher Mond am Himmel.

Am Ufer eines Flusses trifft eine Gruppe Touristen zwei Swanen hoch zu Pferde. An den Gästen scheint bis hin zum wasserabweisenden Stirnband alles aus einem Fachgeschäft für Wanderbedarf zu stammen. Die Swanen reiten ohne Sattel, halten in einer Hand die Zügel und in der anderen eine Plastikflasche mit selbst gebranntem Grappa, dem Tschatscha. Kurzentschlossen hieven sie die Fremden auf ihre Pferde und waten mit ihnen durchs gletscherkalte Wasser. Als die Gäste am anderen Ufer von den Pferden fallen und sich die Fellhaare von den Hosen klauben, lachen sie vor Glück laut auf. Im Gesicht der Reiter bewegt sich kein Muskel, ihre Antwort ist ein Achselzucken.

Bei den Awalianis bullert der Holzofen, es duftet nach Kerzenwachs

Zuletzt weisen sie den Besuchern den Weg zur nächsten Siedlung. In Iprali, einem weiteren Dorf aus altem Stein, wohnen die Schwestern Naili und Dschameki Awaliani. Nach der Schule sind die beiden auf der Suche nach Arbeit und Lohn ein paar Jahre durch Georgien und durch die restliche Welt getingelt. In diesem Sommer sind sie in ihr Elternhaus zurückgekehrt, weil Swanetien auf einmal gar nicht mehr so trostlos wirkte wie zuvor. Außerdem hatten sie gehört, man könne mit Tourismus nun gutes Geld verdienen. Die Schwestern besitzen die einzige Duschkabine mit fließend heißem Wasser im Dorf. Im nächsten Jahr wollen sie den zerfallenen Wehrturm an der Nordmauer ihres Hauses wieder herrichten lassen. Dann haben auch sie eine ansehnliche Bleibe anzubieten.

Die längste Zeit waren die Swanen angewiesen auf das, was ihnen Wiesen und Berge gaben. Noch heute brauchen sie nur selten einen Supermarkt, Milch und Käse bekommen die Schwestern Awaliani von den Nachbarn, Brot backen sie selbst und beschmieren es mit einer Sauce aus unreifen Pflaumen. So selbstverständlich sich die Swanen der Unwirtlichkeit der Natur im Hochgebirge gebeugt haben, begegnen sie auch den Besuchern.

Am Ende eines langen Tages bullert bei den Awalianis der Holzofen, es duftet nach Kerzenwachs. Gastgeber und Gäste rücken zusammen, weil in der Nacht die Hochgebirgskälte in die Häuser kriecht. Dschameki nimmt die Panduri von einem Haken an der Wand und singt von den Bergen und von einer unerfüllten Liebe, bis sie im schwindenden Tageslicht die Saiten nicht mehr erkennen kann. Naili erzählt mit warmem Singsang in der Stimme von den Seelen der verstorbenen Eltern und Großeltern, die manchmal nach Hause zurückkehrten und bewirtet würden, von Geistern der Vergangenheit und von der goldenen Zukunft Swanetiens. Das alte Kriegervolk schließt Frieden mit der neuen Zeit.

Georgiens Tourismusbüro steht im Netz unter
http://www.georgia.travel/.

Der Dresdner Veranstalter Schulz Aktiv Reisen (
http://www.schulz-aktiv-reisen.de/) bietet Wanderreisen nach Swanetien an.

Nino Ratianis Guesthouse in Mestia hat die Webadresse
http://www.svanetighouse.com/


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Bild© Vano Shlamov/AFP/Getty Images

+++Abenteuer Georgien
Bei den letzten Cowboys

Öliger Dosenfisch, selbst gebrannter Fusel und eine grandiose Landschaft – ein Almabtrieb im georgischen Tuschetien macht Männer zu ganzen Kerlen. Und Wölfe zu Hunden.
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Ein Oligarch gegen die georgische Regierungsmacht

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Wednesday, September 28, 2011

REISE: Eine Reise nach Armenien führt in eine Zwischenwelt (welt.de)

Über Armenien, das vor 20 Jahren unabhängig wurde, scheint die Zeit hinweggegangen zu sein: Ein Land versunken im Dornröschenschlaf – und kein Prinz, der es wachküsst.

Autor: Alan Posener 21.09.2011
+++ welt.de/reise

Das Land verwirrt. Was ist das nun, Orient oder Okzident, noch Europa oder schon Asien? Der älteste christliche Staat der Erde liegt hinter der Türkei, wo die Völker seit Jahrtausenden aufeinanderschlagen: Griechen, Römer, Perser, Skythen, Mongolen, Türken, Russen. Die Imperien der Eroberer, von Alexander bis Stalin, sind untergegangen, Armenien ist geblieben.

Wie die Juden wurden die Armenier aber zu einem Diaspora-Volk, zusammengehalten durch eine besondere Religion, eine besondere Sprache, geschrieben in einer besonderen Schrift, durch die fast mythische Beziehung zu einer Urheimat – und im 20. Jahrhundert durch die Erinnerung an einen Völkermord, bei dem die Nachbarn von einst zu Verfolgern wurden und Gemeinden mit einer zweitausendjährigen Geschichte ausgelöscht wurden.

Man kommt, um sich verwirren zu lassen

Man besucht Armenien nicht, um Badeurlaub zu machen, denn das Land hat keine Küste. Man besucht Armenien nicht, um exotische Bräuche zu erleben oder atemberaubende Ruinen zu besichtigen, denn die Armenier sind ein bisschen wie wir und ein bisschen – was sie nicht gern hören – wie die Türken von nebenan, und ihr archäologischer Schatz besteht aus vielen Klosterkirchen, die oft in einem erbärmlichen Zustand sind.

Man kann zwar in den Bergen, Steppen und Wäldern Armeniens herrlich wandern, und wem nach Selbstmord zumute ist, der kann hier auch Fahrrad oder Motorrad fahren; aber all das lässt sich auch anderswo machen. Nach Armenien kommt man eben, um sich verwirren zu lassen.

Armenien war immer exzentrisch, befand sich immer an der Peripherie der großen Reiche, zuletzt der Sowjetunion, die ihre materiellen Spuren hinterlassen hat in Gestalt deprimierender Industriebrachen, der dampfenden Kühltürme des mitten in einem Erdbebengebiet erbauten Atomkraftwerks Metsamor, halb fertiger Plattenbausiedlungen, riesiger Verwaltungsgebäude im stalinistischen Stil und einer monströsen Statue der "Mutter Armenien“, die mit erhobenem Schwert auf die Hauptstadt Eriwan herabblickt.

Nicht zufällig entstanden in Armenien die Witze um Radio Eriwan, mit denen hinterlistig die imperiale Ordnung infrage gestellt wurde. "Frage an Radio Eriwan: Kann es in Kanada auch den Sozialismus geben? Antwort: Im Prinzip ja, aber wer liefert uns dann den Weizen?“

Am 21. September feiert die Republik den 20. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung. Das wird ein großes Fest. Aber trotzdem und bis heute steht Armenien im Abseits: ein Land, das – wie mir ein Diplomat versicherte – als christlicher Staat nach Westen blickt und langfristig in die Europäische Union strebt, dessen Nationalhelden der französisch-armenische Chansonnier Charles Aznavour und der amerikanisch-armenische Multimilliardär Kirk Kerkorian sind, dessen bester Freund in der Region aber der Iran ist.

Und das, obwohl Armenien mit seinem islamischen Nachbarn Aserbaidschan einen Krieg geführt hat und mit seinem islamischen Nachbarn Türkei in Dauerspannung lebt. Für den Iran ist aber Armenien als Stromlieferant wichtig, für Armenien wiederum ist der Iran das Tor zum Meer.

Iraner kommen wegen der schönen Mädchen

Geopolitik ist wichtiger als der "Kampf der Kulturen“. Zu hohen Festtagen der islamischen Republik kommen Hunderttausende Iraner nach Eriwan, und das ganz bestimmt nicht der schönen iranischen Moschee wegen, die an die Zeit erinnert, da Armenien von den Persern besetzt war, sondern wegen der schönen armenischen Mädchen, die abends beim Wasserballett auf dem Republikplatz flanieren und – wie ein deutscher Reiseführer missbilligend bemerkt – "durch besonders auffallende, moderne und aufreizende Kleidung und vorgetäuscht freizügiges Verhalten“ auffallen, wegen des hier frei erhältlichen Alkohols und vielleicht auch wegen "Las Vegas“, der Casino-Meile entlang der Straße zum Flughafen, die allerdings in erster Linie für russische Neureiche da ist.

Zunehmender Beliebtheit unter den Armeniern wiederum erfreuen sich die Badeorte der türkischen Riviera, obwohl der armenische Staat es nicht gern sieht, wenn seine Bürger Urlaub im Land des Erzfeinds machen, der bis heute seine Verantwortung für den Völkermord leugnet.

Wie ein Treppenwitz der Geschichte wirkt es, dass ausgerechnet der heilige Berg der Armenier, der Ararat, hinter der Grenze liegt, auf türkischem Territorium. Die Legende von Noah, der nach der Sintflut mit der Arche auf dem Ararat landete und von hier die Neubesiedlung der Erde unternahm, weist auf die Bedeutung der von Archäologen lange vernachlässigten Region rund um das Schwarze Meer für die Entwicklung der Kultur.

"Durchstreif die Welt – es gibt keinen weißen Gipfel dem des Ararat gleich. Den Gipfel meines Ararat liebe ich – wie den Weg zum unerreichbaren Ruhm.“ So heißt es bei Jeghische Tscharenz. Der Nationaldichter Armeniens starb 1937 in einem Gefängnis des stalinschen Geheimdienstes. Heute fahren Busladungen Touristen zum "Tscharenz-Bogen“ unweit der Hauptstadt, lauschen den vom Reiseführer vorgetragenen Zeilen aus "Mein Armenien“ und blicken über die weite, sonnige Ebene hinüber zum unerreichbaren, schneebedeckten Berg. Ein Bild, das einem nicht aus dem Kopf geht.

Von dort ist es nicht weit zum Sonnentempel von Garni auf der Hochebene oberhalb der Schlucht des Azat. Der Bau im hellenistischen Stil würde etwa an der türkischen Westküste vielleicht nicht weiter auffallen; anderthalbtausend Kilometer ostwärts jedoch berührt er als eines der wenigen übrig gebliebenen Zeugnisse des Vordringens heiterer, mediterraner Kultur bis an die Grenzen des Partherreichs. Im zweiten nachchristlichen Jahrhundert, als der Tempel gebaut wurde, waren die armenischen Könige Klienten Roms.

Trutzburgen gegen Araber, Perser und Osmanen

Im Jahre 301 bekehrte Grigor der Erleuchter König Trdat III. zum Christentum. Gründlich wurden die Spuren des früheren Glaubens getilgt. So entstand denn schon im vierten Jahrhundert auch am Talende der Azat-Schlucht, dort, wo früher Quellengottheiten verehrt wurden, das Felsenkloster Geghart. Der gegenwärtige Bau geht in Teilen auf das 12. und 13. Jahrhundert zurück.

Wie alle armenischen Kirchen und Klöster – von der nur sechs mal sieben Meter messenden Kirche Karmravor an den Hängen des Ararat-Schwesterbergs Aragat bis zur prunkvoll ausgestatteten Kathedrale von Etschmiadsin in der Ararat-Ebene – scheint sich Geghart von der Welt trutzig zurückzuziehen, nicht, wie der Sonnentempel von Garni, sich ihr zu öffnen.

Und tatsächlich sind diese Gebäude oft genug auch Trutzburgen gewesen gegen die Araber, Perser, Mongolen, Osmanen. Nicht im Sinne des bewaffneten Widerstands; hier aber wurden die kostbarsten Schätze des Landes verborgen: die in der armenischen Schrift geschriebenen heiligen Bücher.

Heute allerdings sucht man vergeblich in den oft feuchten, dem Himmel und den Schwalben offenen Gemäuern nach alten Handschriften. Sie sind im Matenadaran versammelt, der Handschriftensammlung der Hauptstadt. Bis heute hat sich das vom Mönch Mesrop Maschtots im fünften Jahrhundert entwickelte Alphabet nicht verändert, die Sprache allerdings schon. So sagt man, die Armenier können ihre alten Handschriften zwar lesen, aber nicht verstehen, während ausländische Forscher, die sie verstehen könnten, die Dokumente leider nicht lesen können.

Das Bonmot verrät einiges über eine Kultur, die einerseits in Eriwan rücksichtslos malerische alte Stadtviertel niederreißt, um protzige Büro- und Wohntürme für die Neureichen, Shopping- und Flaniermeilen für die Jeunesse dorée hochzuziehen, andererseits Traditionen konserviert, die älter sind als alles, was wir in Europa kennen. So beruht die Eigenständigkeit der armenischen Kirche auf ihrer Ablehnung der Ergebnisse des Konzils von Chalzedon (heute Kaldeköy in Istanbul), das im Jahre 451 die "Zweinaturenlehre“ Christi festlegte, an der Orthodoxe, Katholiken und Protestanten bis heute festhalten.

Eine Blaue Moschee sucht man vergebens

Auch architektonisch kennt Armenien nichts, was dem radikalen Epochenwechsel entspricht, den wir im europäischen Kirchenbau verfolgen können: Romanik, Gotik, Renaissance, Barock und so weiter. Die meisten armenischen Kirchen sind Variationen eines Grundtyps: kreuzförmiger Grundriss, darüber eine steinerne Kuppel, und in der Ostapsis die bühnenförmig erhobene "Bema“, wo die Priester den Gottesdienst zelebrieren.

Der Reichtum der armenischen Architektur besteht in der oft raffinierten Ausgestaltung und Ergänzung dieser Kreuzkuppelform, etwa in dem vom Baumeister Momik errichteten, bezaubernden Kloster Norawank an der Grenze zur aserbaidschanischen Enklave Nachitschewan im Südwesten des Landes oder in den Klöstern Sanahin und Haghpat im Nordwesten an der Grenze zu Georgien. Wer große Effekte braucht, wird freilich enttäuscht: Ein Straßburger Münster, eine Blaue Moschee sucht man vergebens.

Hier stellt sich weder eine ecclesia triumphans noch ein selbstbewusstes städtisches Bürgertum zur Schau. Hier ist ein Land, in dem die Zeit stillzustehen scheint – oder über das die Zeiten hinweggegangen sind. Davon zeugen sowohl die alte Karawanserei am 2400 Meter hohen, kargen Selim-Pass im Süden, über den früher die Südroute der Seidenstraße führte, als auch das riesige, stillgelegte Kupferwerk von Alaverdi im Norden oder schließlich die heruntergekommene – im Jargon der Touristenbranche "romantische“ – Kurstadt Dilidschan in den tropfenden Wäldern der "armenischen Schweiz“.

Früher fuhren prominente sowjetische Künstler und Komponisten zur Sommerfrische hierher. Nun versinkt der Ort in einen Dornröschenschlaf, und da ist kein Prinz zum Wachküssen, nirgends. Auch der wunderbar blaue Sewansee scheint von besseren Tagen zu träumen; die Hotels am Ufer verströmen den diskreten, mottenkugelhaften Charme des Sozialismus.

Wer es laut und eindeutig mag, sollte Armenien meiden. Hier kann sich jederzeit, wenn der Touristenbus abgezogen ist, eine große Stille auf das Land senken, in der man mit seiner Verwirrung allein ist. Was aber ein großer Gewinn sein kann.

Die Reise wurde unterstützt von Studiosus.