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Wednesday, January 10, 2018

KLASSIK: Tigran Mansurian: "Requiem". Von Claus Fischer via @Kulturradio_rbb


(kulturradio.de) Sehnsucht nach einer besseren Welt - Tigran Mansurians "Requiem" ist keine reine Trauermusik. In ihm stecken neben Klage und Verzweiflung auch sehr viel Zuversicht und Hoffnung. Da klingt nicht nur Karfreitag ...

Der armenische Komponist Tigran Mansurian ist in Deutschland nicht so bekannt, wie er es verdient hätte. Er steht auf einer Stufe mit dem Esten Arvo Pärt oder der Russin Sofia Gubaidulina, deren Werke ja sehr populär hierzulande sind. Alle komponieren sie tonal, gehen dabei aber recht unterschiedliche Wege. Pärt hat seinen ganz persönlichen minimalistischen Stil kreiert, "Tintinabuli" nennt er das, übersetzbar mit "hingetupft", Sofia Gubaidulina orientiert sich dagegen eher am Barock, an kontrapunktischen Formen, sie verehrt Bach. Und für Tigran Mansurian ist die Volksmusik seiner armenischen Heimat die Inspirationsquelle, auch bei diesem Requiem sehr deutlich, dass hier nun in Weltersteinspielung vorliegt, mit Solisten, dem RIAS-Kammerchor und dem Münchner Kammerorchester unter Leitung von Alexander Liebreich.

Sehnsucht nach einer besseren Welt

Das Werk hat eine besondere Entstehungsgeschichte. Viele persönliche Emotionen des Komponisten stehen im Hintergrund. Wie fast alle Armenier hat auch Tigran Mansurian zahlreiche seiner Vorfahren beim Genozid der Türken an den Armeniern verloren. Und den Opfern dieses Völkermordes hat er sein Requiem gewidmet. Die Arbeit muss ihn sehr mitgenommen haben, denn er hat zweimal komplett neu begonnen, also das bis dahin Geschriebene zweimal verworfen. Die Lösung des Problems bestand schließlich für ihn darin, sein "chorsinfonisches Gebäude" ganz auf der Klangsprache der armenischen Volksmusik aufzubauen. In ihr gibt es Motive und Wendungen, die rund 2000 Jahre alt sind.

Die Grundstimmung der Musik ist absolut meditativ, auch wenn es natürlich, wie z.B. im "Dies Irae" auch expressivere Stellen gibt. Der ruhige Duktus eignet sich natürlich gut, um Klage auszudrücken und die Sehnsucht zu äußern nach einer besseren Welt. Um diese Stimmungen kreist das Werk.

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CD: ecmrecords.com

Alexander Liebreich dirigiert Tigran Mansurians Requiem - CD Tipp via SWR2

Altes und neues Requiem. RIAS Kammerchor mit Uraufführung von Mansurian. via Deutschlandfunk Kultur

Requiem – Tigran Mansurian erinnert an die Leiden des armenischen Volkes. via KlassikAkzente

Podcast: Tigran Mansurian: Instrumentalkonzerte. via Bayrischer Rundfunk

Saturday, August 09, 2014

RADIO: Khatia Buniatishvili beim Reykjavik Arts Festival, Island - Mo. 11.08., 20:05 Uhr (ard.de u. mdr.de)

(ard.de u. mdr.de) Das Konzert, Mo. 11.08., 20:05 Uhr, 145 min

REYKJAVÍK ARTS FESTIVAL, ISLAND 

Johannes Brahms: 3 Intermezzi aus op. 117 und 118
Frédéric Chopin: Scherzo Nr. 2 b-Moll, op. 31
Maurice Ravel: La Valse
Igor Strawinsky: 3 Mouvements de Pétrouchka

Khatia Buniatishvili, Klavier

Konzert vom 29. Mai 2014 im Konzerthaus Harpa, Reykjavík.

Das Reykjavík Arts Festival ist der Treffpunkt der isländischen Kunstszene. Hier begegnen sich Tänzer, Musiker und bildende Künstler aus allen Bereichen der Kunst - zeitgenössischer und klassischer Prägung. In diesem Jahr fand das zweiwöchige Festival bereits zum 28. Mal statt. Zu Gast war die georgische Pianistin Khatia Buniatishvili. Ihre Lehrerin, Elena Bashkirova - die Ehefrau von Daniel Barenboim - gab sie den Grundsatz auf den Weg: "Die Intuition ist das Wichtigste. Sie ist die innere Stimme, auf die du hören musst." Khatia Buniatishvili beherzigt das und kann mit ihrer atemberaubenden Spieltechnik ihre Geschichten erzählen: mal zart, mal mächtig, wenn sie das Instrument unter der Kraft ihrer Finger brodeln lässt. Ein Vulkan am Klavier.

link: listahatid.is

Friday, March 21, 2014

RADIO: Der Schriftsteller, Weltenbummler und Kulturvermittler Stephan Wackwitz im Samstagsgespräch mit Michael Struck-Schloen [ardmediathek.de]

WDR 3 Samstagsgespräch: Podcast zum hören (15.03.2014) [WDR 3]


Stephan Wackwitz auf facebook: "Allein in einem Studio des leeren BR-Funkhauses am Samstagmorgen um zehn vor acht. Kaffee im Styroporbecher. Wunderbare georgische Musikbeispiele. Kluge Fragen und die sympathische Stimme von Herrn Struck-Schloen, der vom Sirius zugeschaltet sein könnte, aber in Wirklichkeit in Köln sitzt, wahrscheinlich auch in einem wochenendmorgendlich leeren Studio: Medialer Surrealismus, wo man gerne hingeht."

Seit zwei Jahren leitet Stephan Wackwitz das Goethe-Institut in Tiflis, dort hat er den Machtwechsel in Georgien miterlebt, aber auch die Nachbarländer Aserbaidschan und Armenien bereist. Von der uralten Kultur in der Region im Schatten des Kaukasus handelt sein neues Buch. Seit den späten 1980er Jahren ist Stephan Wackwitz als Kulturvermittler im Auftrag des Goethe-Instituts weit herumgekommen. Nach Stationen in Delhi, Krakau, Bratislava und New York hat es ihn vor zwei Jahren nach Tiflis verschlagen. Überall betätigt Wackwitz nicht nur als Kulturveranstalter, sondern auch als aufmerksamer Spaziergänger, der seine Beobachtungen in Essays fließen lässt. Aus der Distanz der Ferne blickt er jedoch auch auf die eigene Familiengeschichte, die er in autobiografischen Romanen gestaltet hat. 

Buchhinweis: Stephan Wackwitz: Die vergessene Welt der Mitte. Unterwegs zwischen Tiflis, Baku und Eriwan. S. Fischer Verlag, 19,99 Euro.

Tuesday, February 11, 2014

FERNSEHEN: Die Story im Ersten: Putins Spiele. Ein Film von Golineh Atai und Udo Lielischkies (youtube.com)


(youtube.com) Er ist der Pate dieser Winterspiele. Wladimir Putin, der sich im subtropischen Sotschi eine prunkvolle Residenz bauen ließ, will genau hier der Welt Russlands Größe demonstrieren. Und die eigene Allmacht: ein olympisches Wintermärchen, aus dem Boden gestampft, dramatisch teurer als alle bisherigen Spiele.

Link: daserste.de

Er ist der Pate dieser Winterspiele. Wladimir Putin, der sich im subtropischen Sotschi eine prunkvolle Residenz bauen ließ, will genau hier der Welt Russlands Größe demonstrieren. Und die eigene Allmacht: ein olympisches Wintermärchen, aus dem Boden gestampft, dramatisch teurer als alle bisherigen Spiele.

Das staatsnahe Fernsehen zelebriert derweil den Weg des olympischen Feuers quer durch Putins Riesenreich. Bejubelt von Rentierzüchtern und Bergleuten, im Kaukasus und im fernen Osten. Die ARD-Korrespondenten Golineh Atai und Udo Lielischkies sind der Fackel durch Russland gefolgt und schauten sich um, wenn der olympische Tross weitergezogen war.

In der Industriestadt Norilsk, bei Pferdezüchtern in Jakutien, im terrorgeplagten Dagestan, in der Schwulen-Gemeinde St. Petersburgs. Was denken die Menschen dort? Ist Putins glanzvolle Sotschi-Inszenierung ein kraftvolles Aufbruchssignal in Richtung Moderne? Oder doch nur milliardenschweres Blendwerk fürs Wahlvolk, um die grassierende Korruption und Bürokratenwillkür im Land zu überstrahlen?

Ein Film von Golineh Atai und Udo Lielischkies

Wednesday, February 05, 2014

DISKUSSION: Dokumentation "Brot & Spiele" zur Eröffnung der Winterspiele 2014 in Sotschi am 7. Februar 2014 in Berlin

Einladung zu Film & Diskussion am 7. Februar 2014 in Berlin

"Brot & Spiele" zur Eröffnung der Winterspiele 2014 in Sotschi

Pascha steht vor seinem ehemaligen Haus und blickt auf eine Bauruine.
Zu Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 am 7. Februar laden iDecembrists e.V. und die Humboldt Universität zu Berlin zur Film- und Diskussionsveranstaltung "Brot & Spiele" ein.

Sotschi 2014 ist ein Medienereignis, bei dem schon im Vorfeld die kontroversen Positionen ausgespielt wurden, was einen kritischen Blick auf die russische sowie die deutsche Medienöffentlichkeit erfordert. Doch was bedeutet das Mammutprojekt Sotschi 2014 für ein Russland, das zunehmend die Großmachtrolle anstrebt, für die Kaukasus- Region, was sagt seine Umsetzung aus? Was verspricht der Ausbau einer Wintersportmetropole auf der einstigen Sowjetischen Riviera, was macht Sotschi 2014 für die multiethnische Lokalbevölkerung, indigene Kaukasus-Völker und die nahe Georgisch-Abchasische Grenzregion aus?

Diesen Fragen, darunter der Menschenrechtsproblematik, der Tscherkessen-Frage, den Plänen der Kurortentwicklung im Kaukasus und realen Zukunftsaussichten für die Region nach Sotschi 2014, gehen wir mit Experten und Vertretern der Russischen Föderation in der Diskussion nach.

Podium

o Dr. Uwe Halbach, Kaukasus-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik

o Stefan Melle, Geschäftsführer des Deutsch-Russischen-Austausches e.V.

o Jakob Rühle, Produzent bei Sinafilm GmbH (angefragt)

o Ein Vertreter der Russischen Botschaft ist angefragt

Moderation: Moritz Gathmann, Journalist

Film-Preview

Als Preview werden spannende Ausschnitte aus "Constructing Sochi" gezeigt (2014, Regie: Steffi Wurster, OmdU). Die Dokumentation ist in Sotschi zwischen 2010 und 2013 als Langzeitbeobachtung entstanden, und feiert schon im Februar in Berlin Premiere. Ihre Protagonisten sind Einwohner, die dem Jahrhundertbau weichen mussten, Glamour- Politiker, Öko-Aktivisten, Bauarbeiter. Die Dokumentation bleibt ausgewogen und differenziert, zeigt aber gleichzeitig ungeschönt die Realität der teuersten Winterspiele der Welt. Produzent Jakob Rühle (Sinafilm GmbH) führt in den Film ein. Weitere Informationen: http://sinafilm.de/constructing-sotschi/

Ort: Humboldt Universität zu Berlin, Dorotheenstraße 26, Hörsaal 207, 2. OG
Zeit: Freitag, 7. Februar 2014, 18 Uhr
Eintritt frei, Spenden erbeten
www.idecembrists.de

Mehr zu Sotschi: https://twitter.com/TerekMedia

Saturday, February 01, 2014

VIDEO: Sotschi und die Vertreibung der Tscherkessen. Von Tom Fugmann | Kulturjournal | NDR (ndr.de)



(ndr.de) Hunderttausende Tscherkessen wurden vor 150 Jahren aus Sotschi, dem Olympia-Austragungsort, vertrieben. Einer der wenigen, der sich für die Ureinwohner einsetzt, ist Cem Özdemir.

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Timur Shogen von der Föderation der Europäischen Tscherkessen. © NDR
Timur Shogen
Der Austragungsort der Olympischen Winterspiele hat eine düstere Vergangenheit: Vor genau 150 Jahren vertrieben die Russen aus Sotschi Hunderttausende Tscherkessen - das größte der kaukasischen Völker, das jahrhundertelang am Schwarzen Meer und in den Bergen gelebt hatte. "Da wurden Massaker durchgeführt an uns, an unserem Volk", sagt Timur Shogen von der Föderation der Europäischen Tscherkessen. Über 20.000 Menschen seien an dem Ort, an dem jetzt die Skiwettläufe stattfinden, einfach abgeschlachtet worden. "Heute redet niemand mehr darüber. Es werden Worte laut, was die Menschenrechte anbetrifft. Korruption, krumme Geschäfte. Aber dieses Thema wurde bis jetzt von keinem genannt."

Der Schlächter des Kaukasus'


Manfred Quiring. © NDR
Manfred Quiering
Die Gegend um Sotschi war das Kernland der Tscherkessen - das Volk, das jahrhundertelang vom zaristischen Russland erbittert bekämpft wurde. Seit Iwan dem Schrecklichen drangsalierten russische Heere die Tscherkessen - bis ins 19. Jahrhundert. Berüchtigt für seine Grausamkeit war General Jermolov: Unterwerfung oder Tod. "Es gibt Beispiele dafür, dass er Dörfer hat umstellen lassen", erzählt Autor Manfred Quiring. "Und er hat dann die gesamten Dörfer, die vorher sich nicht freiwillig ergeben haben, vernichten lassen, einschließlich Frauen und Kinder. Und er hat Exempel statuiert und sich dadurch den Ruf erworben, der Schlächter des Kaukasus' zu sein."

1864 fand in Sotschi, der Hauptstadt der Tscherkessen, die letzte Schlacht statt. Tausende wurden massakriert. Wer überlebte, wurde übers Schwarze Meer in die Türkei deportiert. Um dem zu entgehen, stürzten sich Hunderte Tscherkessen in eine Schlucht, auch Frauen mit ihren Babys. Ein Völkermord, so sehen es die Tscherkessen heute, der von Russland nicht anerkannt wird. "In Russland sagt man immer: 'Über den Sieger urteilt man nicht.' Die Russen sind die Sieger und bis heute schreiben sie auch die Geschichte des kaukasischen Krieges", so Quiring.


Keine Rede vom Völkermord

Zamir Shukow von der Tscherkessischen NGO "Adyge Chasse". © NDR
Zamir Shukow
Das alte Siedlungsgebiet der Tscherkessen im Nordkaukasus ist heute nur noch ein Flickenteppich. Und im offiziellen russischen Sotschi-Werbevideo und anderswo ist vom Völkermord keine Rede. Dagegen protestiert die tscherkessische Organisation "No Sochi" - in ihren Moskauer Büros gab's schon eine Razzia. Viele sagen ab, als wir tscherkessische Historiker und Aktivisten um Interviews bitten. Nur einer redet mit uns: Zamir Shukow. Ihn empört besonders, dass die Parade, mit der die Russen vor 150 Jahren ihren Sieg über die Tscherkessen feierten, zu Olympia als Kostümschau wiederholt werden soll: "Wenn das wirklich stattfindet, dann gibt es dafür nur eine Bezeichnung: Es ist eine Schändung. Es wäre eine Siegesfeier auf Massengräbern, unbarmherzig und gefühllos. Man stelle sich nur vor, was los wäre, wenn Neonazis in Auschwitz eine Parade abhielten."


Hamburger Museum erinnert an die Tscherkessen

Bei uns ist diese Tragödie so gut wie unbekannt. "Tscherkessen - Vom Kaukasus in alle Winde verweht" heißt eine kleine Ausstellung imHamburger Völkerkundemuseum: Erinnerung an das Reitervolk, das lange der Inbegriff der Kaukasuskultur war. Anlass für die Schau: Olympia in Sotschi. "Ich habe in Sotschi, als ich schon mal da war vor einigen Jahren, natürlich Sachen gehört, die einem die Haare zu Berge stehen lassen", so Museumsdirektor Wulf Köpke. "Da sagte die Frau, die uns dort auf dem Olympiagelände herumführte: 'Na klar, die Tscherkessen. Wir wollten denen ja die Zivilisation beibringen. Das wollten die nicht, da mussten wir die ja totschlagen.'"


Grünen-Politiker setzt sich für Tscherkessen ein

Einer der wenigen, der sich für die Sache der Tscherkessen einsetzt, ist Cem Özdemir. Sein Vater ist Tscherkesse, dessen Vorfahren in die Türkei gekommen waren. Russland soll sich endlich der Vergangenheit stellen. "Mittlerweile ist das Klima auch dank der Tschetschenienauseinandersetzung in Russland ein sehr vergiftetes gegenüber den gesamten Kaukasiern", sagt Cem Özdemir, Vorsitzender Bündnis90/Die Grünen. "Viele unterscheiden da nicht mehr. Kaukasus gleich Terrorismus gleich Islam gleich Islamismus. Insofern wären die Olympischen Spiele eine Chance für Russland, diesen dunklen Teil der Vergangenheit aufzuarbeiten."

Tscherkessen fordern Ende des Schweigens

Im aufpolierten Sotschi erinnert nichts an die Tscherkessen. Dabei drohen sie nicht mit Gewalt und wollen kein Land zurück. Aber eine Anerkennung ihres Leids und ein Ende des Schweigens. "Diese Ereignisse haben dazu geführt, dass ich jetzt in Deutschland bin", erzählt Timur Shogen. "Gerade mal 700.000 sind in ihrer ursprünglichen Heimat. Der Rest ist auf die ganze Welt vertrieben, oder verteilt worden. In über 14 Ländern leben wir zurzeit." Und das habe man Sotschi zu verdanken, so Shogun. "Schlusspunkt war Sotschi."

INTERVIEW

Cem Özdemir engagiert sich für Tscherkessen
27.01.2014 | 22:45 Uhr
Video starten (06:55 min)

Tuesday, December 17, 2013

VIDEO: Oh Tannenbaum. Die Jagd nach der Nordmanntanne. Film von Viktor Apfelbacher und Andy Lehmann (daserste.de)


Plantage in Dänemark
Plantage in Dänemark: Nordmanntannen, so weit das Auge reicht.
Video abspielen >>>

(daserste.de) Die Nordmanntanne, des Deutschen liebster Weihnachtsbaum: 
gerader Wuchs, weiche Nadeln und lange Haltbarkeit. Unbekannt ist, dass für diese schönen Bäume Menschen in Georgien ihr Leben riskieren. Denn die Nordmanntanne, das ist ein gutes wie auch riskantes Geschäft. Die lange Haltbarkeit macht sie für den Export geeignet. Jahr für Jahr werden 70 Millionen Weihnachtsbäume in Europa verkauft, 29 Millionen allein in Deutschland. Ein Drittel der in Deutschland verkauften Bäume kommt aus Dänemark. Ein Qualitätsprodukt also, dessen Wertschöpfungskette bereits in Vorderasien beginnt.

Der große Kaukasus: Irgendwo in den Wäldern der georgischen Region Radja, unweit der russischen Grenze, soll angeblich der beste Genpool der Nordmanntanne gedeihen. Die Autoren begeben sich auf die Spur und werden fündig. Sattgrüne Wiesen und leuchtende Bergketten prägen die wilde Schönheit Georgiens. In diesem zu Sowjetzeiten landwirtschaftlich florierenden Gebiet herrscht inzwischen Landflucht. Immer mehr Dörfer sind menschenleer und verfallen. In den Wipfeln der Bäume, die bis zu 60 Meter hoch werden und zwei Meter im Durchmesser erreichen, wachsen die Zapfen, die das hochwertige Erbgut beinhalten. Wie alle Jahre stehen auch jetzt wieder alte und junge waghalsige Dorfbewohner, Arbeiter, Landwirte und arbeitslose Angestellte zur Ernte bereit. Bereit, bis in die Baumspitzen zu klettern und ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Nicht selten kommt es zu Abstürzen, weil die Pflücker ohne Klettergeschirr in die Bäume steigen. Aber die Menschen haben keine Wahl. Die zweiwöchige Erntezeit ist seit langem für viele die einzige Einkommensquelle. Der niedrige Lohn ist so attraktiv, dass mittlerweile hunderte Wanderarbeiter aus anderen Regionen nach Radja strömen. Das Geschäft aber machen die europäischen Samenhändler. Doch plötzlich wendet sich das Blatt: Die Pflücker verweigern die Arbeit und fordern bessere Bezahlung. Zum ersten Mal setzen sie die Unternehmer aus dem Westen unter Druck. Werden die Forderungen nicht erfüllt, gibt es keine Samen.

„Oh Tannenbaum" beleuchtet das lukrative aber auch riskante Geschäft mit der Nordmanntanne. Die Filmemacher hinterfragen die Geschäftsmethoden und werden Zeugen eines Machtkampfes, in dem Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen sich plötzlich auflehnen und ihre Rechte einfordern. Nicht zuletzt folgt der Film den Spuren des beliebtesten Weihnachtsbaums der Deutschen, vom Samen bis zum ausgewachsenen Baum. Von der georgischen Provinz über die dänischen und niedersächsischen Großplantagen bis zu uns.

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Unser Weihnachtsbaum ist ein begehrtes internationales Handelsobjekt. Längst hat er sich zum lukrativen, aber auch riskanten Geschäft entwickelt. Jahr für Jahr werden 70 Millionen Weihnachtsbäume in Europa verkauft, 29 Millionen allein in Deutschland. Ein Drittel der in Deutschland verkauften Bäume kommt aus Dänemark.


Georgier
Viele arbeitslose Georgier wagen den riskanten Weg in die Gipfel der Nordmanntanne.
Dort wie hier setzt man auf die Nordmanntanne. Sie hat sich zur beliebtesten Tanne der Deutschen gemausert. Ihre Merkmale: gerader Wuchs, weiche Nadeln und lange Haltbarkeit. Letzteres macht sie besonders für den Export geeignet. Ein Qualitätsprodukt also, dessen Wertschöpfungskette bereits in Vorderasien beginnt.

Der große Kaukasus: Irgendwo in den Wäldern der georgischen Region Radja, unweit der russischen Grenze, soll angeblich der beste Genpool der Nordmanntanne gedeihen. Die Autoren begeben sich auf die Spur und werden fündig. Sattgrüne Wiesen und leuchtende Bergketten prägen die wilde Schönheit Georgiens.

Bäume mit bis zu zwei Metern Durchmesser

In diesem zu Sowjetzeiten landwirtschaftlich florierenden Gebiet herrscht inzwischen Landflucht. Immer mehr Dörfer sind menschenleer und verfallen. In den Wipfeln der Bäume, die bis zu 60 Meter hoch werden und zwei Meter im Durchmesser erreichen, wachsen die Zapfen, die das hochwertige Erbgut beinhalten.

Wie alle Jahre stehen auch jetzt wieder alte und junge waghalsige Dorfbewohner, Arbeiter, Landwirte und arbeitslose Angestellte zur Ernte bereit. Bereit, bis in die Baumspitzen zu klettern und ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Nicht selten kommt es zu Abstürzen, weil die Pflücker ohne Klettergeschirr in die Bäume steigen.


Aber die Menschen haben keine Wahl. Die zweiwöchige Erntezeit ist seit langem für viele die einzige Einkommensquelle. Der niedrige Lohn ist so attraktiv, dass mittlerweile hunderte Wanderarbeiter aus anderen Regionen nach Radja strömen. Das Geschäft aber machen die europäischen Samenhändler.

Unternehmer unter Druck

Doch plötzlich wendet sich das Blatt: Die Pflücker verweigern die Arbeit und fordern bessere Bezahlung. Zum ersten Mal setzen sie die Unternehmer aus dem Westen unter Druck. Werden die Forderungen nicht erfüllt, gibt es keine Samen.

Die Story beleuchtet das lukrative wie riskante Geschäft mit der Nordmanntanne. Die Filmemacher hinterfragen die Geschäftsmethoden und werden Zeugen eines Machtkampfes, in dem Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen sich plötzlich auflehnen und ihre Rechte einfordern.


Nicht zuletzt folgt der Film den Spuren des beliebtesten Weihnachtsbaums der Deutschen, vom Samen bis zum ausgewachsenen Baum. Von der georgischen Provinz über die dänischen und niedersächsische Großplantagen bis zu uns.


Sunday, December 01, 2013

VIDEO: Georgien: Mtskheta - Die Wunder der Nino (swr.de)


(swr.de) Der Film führt nach Mtskheta, der alten Hauptstadt Georgiens. Sie gilt als heiligster und geschichtsträchtigster Ort des Landes.

Hier entstanden die ersten Kirchen und von hier aus begann im 4. Jahrhundert die Christianisierung, um die sich - typisch georgisch - wundersame Geschichten ranken. Oft ist dabei von der kräuterkundigen Heilerin "Nino" die Rede, der auch eine Beteiligung am Bau der Kirchen nachgesagt wird.

In der Ortsmitte liegt die über 1000 Jahre alte Sweti-Zchoweli-Kathedrale, bis heute Sitz des georgischen Patriarchen. Von der Dschwari-Kirche, der ältesten Kreuzkuppelkirche Georgiens, erschließt sich eine unglaubliche Aussicht auf die Stadt, auf die sanften Bergketten ringsherum sowie auf die zerklüfteten Gebirgszüge des Kaukasus am Horizont.

Mtskheta - ein Ort, an dem die Geschichte der Christianisierung, georgische Baukunst und die Wunder der Nino zusammenfallen.

Thursday, June 27, 2013

REPORTAGE: Durchs wilde Dagestan. Inhalt Durchs wilde Dagestan Unentdecktes Land im Kaukasus. Ein Film von Ina Ruck (daserste.de)

Hier können sie das Video anschauen mediathek.daserste.de

(daserste.de) Wir wissen nur wenig von diesem Land: vom wilden Dagestan. Eine Region im Kaukasusgebirge, die zu Russland gehört – und die doch so weit von Russland entfernt scheint.


Tabasaran Gebiet - Hier leben dutzende Völker und sie sprechen dutzende Sprache. Die alte Handwerkskunst ist hier erhalten.
Zwischen Imam und Bergjuden

Seit Jahrtausenden ist die Gegend besiedelt, die alten Römer waren hier, Perser, Araber und Mongolen. Die Festungsstadt Derbent, malerisch am kaspischen Meer gelegen, ist die älteste Stadt des heutigen Russland. Sie ist muslimisch geprägt, gilt aber auch als Heimat der sogenannten kaukasischen Bergjuden. ARD-Korrespondentin Ina Ruck und ihr Team treffen dort einen muslimischen Imam, der seine predigten per Skype in die dagestanischen Hochgebirgstäler schickt. Einige seiner Gemeindemitglieder werden sie auf der Weiterreise besuchen.


In Kubatschi, liegt in 1080 Meter Höhe, herrscht eine jahrelange Tradition. Jedes Haus hat ein Zimmer voller Schätze.
Im atemberaubend schönen gebirgigen Hinterland leben Dutzende verschiedener Nationen – so zerklüftet sind die Berge, dass in jedem Tal eine andere Sprache, in jedem Dorf ein anderer Dialekt gesprochen wird. Und jedes Dorf hat seine Besonderheit – Kubatschi ist bekannt für seine Silberschmieden, Chutschni für seine bunten Teppiche. Und in Zowkra beherrscht jeder den Seiltanz.


Die Wasserträgerinnen aus Kubatschi holen täglich ihr Wasser, es gibt kein fliessendes.
Früher gab es hier keine Brücken, man nutzte dicke gespannte Seile – bis heute lernt jedes Kind, wie man auf einem Seil läuft. Aus Zowkra kommen deshalb bis heute viele Zirkusartisten. In den Ebenen des nördlichen Dagestans werden Pferde gezüchtet – auch die berühmte Pferderasse der Achal-Tekkiner. Russlands Präsident Putin überreicht diese besonderen Pferde gern als Gastgeschenk. 

Mehr: Der Kaukasuskonflikt - Ursachen und Hintergründe

Sunday, March 31, 2013

POLITIK: EU-Christdemokraten machen PR für Saakaschwili. Von Silvia Stöber (tagesschau.de)

Unterstützung für Georgiens umstrittenen Noch-Präsidenten 

EU-Christdemokraten machen PR für Saakaschwili

(tagesschau.de) In Georgien kämpfen Neu-Premier Iwanischwili und Noch-Präsident Saakaschwili um die Macht. Christdemokraten im EU-Parlament mischen sich ein: Sie kritisieren Iwanischwili scharf. Ein Schweizer Diplomat sagt: Das ist Propaganda im Sowjetstil. Tatsächlich schadet die Kritik dem Land mehr als sie hilft.
Von Silvia Stöber, tagesschau.de

Grünen-Chefin Claudia Roth mit Georgiens Präsident Michail Saakaschwili beim Empfang der Stadt München anlässlich der Sicherheitskonferenz. (Foto: dapd) (Klick führt weiter zum nächsten Bild)
Auf der politischen Bühne Georgiens ging es schon immer rau zu. Im vergangenen halben Jahr aber konnte man den Eindruck gewinnen, es handele sich um eine Ringkampfarena. Sogar Fäuste flogen.

Das liegt an der politischen Konstellation seit der Parlamentswahl im Oktober. Da ist einerseits der noch bis Herbst amtierende Präsident Michail Saakaschwili. Dessen Partei UNM stellte in den vergangenen neun Jahren die Regierung und beherrschte das Parlament. Im Oktober aber gewann die Koalition "Georgischer Traum" die Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Ihr Führer, der Neupolitiker und Milliardär Bidsina Iwanischwili, wurde Premierminister. Seine Leute stellen die Minister.

Der Regierungswechsel in der Ex-Sowjetrepublik ging reibungslos vonstatten. Doch danach kehrten beide Lager in den Wahlkampfmodus zurück. Sie überboten sich darin, der anderen Seite die demokratische Gesinnung abzusprechen. Weil der Milliardär Iwanischwili sein Vermögen in Russland gemacht hat, haftet ihm der Vorwurf an, er sei ein Gehilfe des Moskauer Kreml. Das Verhältnis zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem westlich orientierten Saakaschwili ist seit langem zerrüttet.
  
"Totale Machtübernahme"

In den Machtkampf zwischen Iwanischwili und Saakaschwili stimmten konservative Abgeordnete der Europäischen Volkspartei im Europaparlament ein. CDU-Politiker Elmar Brok wirft Milliardär Iwanischwili eine "totale Machtübernahme" vor. Noch amtierende Bürgermeister aus Saakaschiwilis Zeit würden aus den Ämtern gedrängt, ebenso Mitarbeiter des öffentlichen Rundfunks. Der christdemokratische EU-Abgeordnete Joachim Zeller meint, Iwanischwilis Regierung habe den Weg des demokratischen Miteinanders verlassen.

In einem gemeinsamen Brief mit 21 weiteren konservativen Politikern werfen sie dem Premier vor, Georgien die Tür nach Europa zu verschließen. Die Lage im Land sei äußerst bedenklich. Sie geben die Vorwürfe wieder, die Saakaschwili und seine Mitstreiter seit Monaten äußern.

Saakaschwilis Partei UNM ist Mitglied der EVP. Er ist regelmäßig zugegen bei den EVP-Treffen auf höchster Ebene, an denen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnimmt, beispielsweise vor zwei Wochen in Brüssel. Dort verabschiedete die EVP einen Beschluss mit der Drohung, ihre Mitglieder könnten die Unterschrift unter ein EU-Assoziierungsabkommen mit Georgien verweigern. Es soll dem wirtschaftlich schwachen Staat Handelserleichterungen bringen.

Krieg der Briefe
Als "Propaganda im Sowjetstil" bezeichnet der Schweizer Botschafter Günther Bächler die Äußerungen der EVP-Politiker. In einem ungewöhnlichen Brief an Iwanischwili spricht der Diplomat von voreingenommenen Äußerungen, die die Realität in Georgien nicht im Geringsten widerspiegelten. Iwanischwili und seine Regierung lobt er dagegen für ihre Reformbemühungen und ihre Offenheit für Ratschläge zivilgesellschaftlicher Organisationen und internationaler Institutionen.

Tatsächlich verschonen die EVP-Kritiker Saakaschwili weitgehend mit öffentlicher Kritik. Doch dieser modernisierte in den vergangenen Jahren nicht nur den Staat, sondern konzentrierte auch die Macht in seinen Händen, er ließ Elitenkorruption zu, ebenso das Ausspionieren von Regierungskritikern und das Vorgehen der Steuerbehörden gegen Unternehmer, die nicht seiner Partei nahe standen.

Premier mit Startschwierigkeiten
Die neue Regierung wirft allerdings ebenfalls Fragen auf. Dazu tragen missverständliche Äußerungen des Neu-Politikers Iwanischwili bei, der sich erst daran gewöhnen muss, dass seine Handlungen und Äußerungen von der Öffentlichkeit bewertet werden.

Es gibt auch durchaus Druck auf Politiker der Saakaschwili-Partei - aus der Bevölkerung. Viele erwarten, dass nach dem Machtwechsel Vergeltung für wahrgenommenes oder tatsächlich erlittenes Unrecht geübt wird. Bei der Generalstaatsanwaltschaft gingen nach der Wahl Tausende Klagen ein. Mehr als 20 Ex-Ministeriumsmitarbeiter warten inzwischen auf Prozesse wegen Amtsmissbrauch. Viele Georgier fragen sich, warum Iwanischwilis Seite so stark im Fokus der Kritik steht.

EU-Kommission ist mit Iwanischwili zufrieden
Auch bei der EU in Brüssel kommen die Äußerungen der EVP-Politiker nicht gut an. Auch bei der EU in Brüssel kommen die Äußerungen der EVP-Politiker nicht gut an. EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle zum Beispiel zeigt sich zufrieden mit der neuen Regierung. Die Verhandlungen mit der EU gingen kontinuierlich weiter. "Bei einigen Themen kommen wir sogar schneller voran", sagt Füle im Interview. Deshalb ist der Ärger über die Drohung der EVP groß, das Assoziierungsabkommen nicht unterzeichnen zu wollen. Es geht schließlich auch darum, beim EU-Nachbarschaftsgipfel im November in Vilnius Erfolge präsentieren zu können. Die anderen fünf Länder der Östlichen Nachbarschaft - Armenien, Aserbaidschan, Ukraine, Moldawien, Weißrussland - können weniger Fortschritte aufweisen, wenn überhaupt.

Doch Saakaschwili und seine Mitstreiter werden nicht müde, im Ausland ein bedrohliches Bild über die Lage in Georgien zu zeichnen. Den einstigen "Rosenrevolutionären" gelang es in den vergangenen Jahren, in der EU und in Washington Unterstützer vornehmlich unter konservativen Politikern zu finden. Für das Ziel, Georgien in NATO und EU zu führen, fanden sie Sympathisanten, die oft genug gewillt waren, über Versäumnisse bei der Demokratisierung Georgiens hinwegzusehen.

Wohlgesonnene Äußerungen ausländischer Politiker dienten Saakaschwili zur Legitimierung seiner Politik gegenüber der eigenen Bevölkerung. Seine politischen Gegner wiederum setzten mangels unparteiischer Institutionen im Land auf die ausländischen Botschafter als Schiedsrichter. Deshalb sind Äußerungen von Diplomaten wie des Schweizer Botschafters von großem Gewicht. US-Botschafter Richards Norland ist quasi zum Vermittler zwischen den politischen Lagern sowie zum Berater Iwanischwilis geworden, mit dem er regelmäßig spricht.

EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle zum Beispiel zeigt sich zufrieden mit der neuen Regierung. Die Verhandlungen mit der EU gingen kontinuierlich weiter. "Bei einigen Themen kommen wir sogar schneller voran", sagt Füle im Interview. Deshalb ist der Ärger über die Drohung der EVP groß, das Assoziierungsabkommen nicht unterzeichnen zu wollen. Es geht schließlich auch darum, beim EU-Nachbarschaftsgipfel im November in Vilnius Erfolge präsentieren zu können. Die anderen fünf Länder der Östlichen Nachbarschaft - Armenien, Aserbaidschan, Ukraine, Moldawien, Weißrussland - können weniger Fortschritte aufweisen, wenn überhaupt.

Doch Saakaschwili und seine Mitstreiter werden nicht müde, im Ausland ein bedrohliches Bild über die Lage in Georgien zu zeichnen. Den einstigen "Rosenrevolutionären" gelang es in den vergangenen Jahren, in der EU und in Washington Unterstützer vornehmlich unter konservativen Politikern zu finden. Für das Ziel, Georgien in NATO und EU zu führen, fanden sie Sympathisanten, die oft genug gewillt waren, über Versäumnisse bei der Demokratisierung Georgiens hinwegzusehen.

Wohlgesonnene Äußerungen ausländischer Politiker dienten Saakaschwili zur Legitimierung seiner Politik gegenüber der eigenen Bevölkerung. Seine politischen Gegner wiederum setzten mangels unparteiischer Institutionen im Land auf die ausländischen Botschafter als Schiedsrichter. Deshalb sind Äußerungen von Diplomaten wie des Schweizer Botschafters von großem Gewicht. US-Botschafter Richards Norland ist quasi zum Vermittler zwischen den politischen Lagern sowie zum Berater Iwanischwilis geworden, mit dem er regelmäßig spricht.

Schaden für Georgiens Ansehen im Ausland 

Indem die Lager Saakaschiwilis und Iwanischiliws ihre Fehde auf die internationale Bühne tragen, schaden sie dem Ansehen und der Zukunft Georgiens. Wenn Europa-Parlamentarier diesen Streit befeuern und ein einseitig negatives Bild der Lage in Georgien zeichnen, gefährden sie letztlich ihren eigenen Handlungsspielraum.

CDU-Politiker Zeller sagt selbst über die laufenden Verhandlungen im Europaparlament über die Vergabe von Geldern im Rahmen der U-Partnerschaftshilfe: "Insbesondere die südeuropäischen Kollegen sagen, 'die osteuropäische Nachbarschaft funktioniert ja sowieso nicht so richtig. Also sollten wir doch die Gelder besser für die Stabilisierung der Länder in Nordafrika verwenden.' Das wollen wir, die stärker auf Osteuropa ausgerichtet sind, nicht."

CDU-Politiker Brok gibt sich im Interview denn auch kompromissbereit: "Wir versuchen, Brücken zu bauen und die Dinge in Georgien zu moderieren. Ich habe Premierminister Iwanischwili eingeladen, zu uns in den Auswärtigen Ausschuss des Europäischen Parlamentes zu kommen. Noch ist ein Zeitpunkt, an dem wir reden und die Dinge in Ordnung bringen können."

Wahl des Regierungschefs besiegelt Machtwechsel (24.10.2012) 
Das Ausland glaubt an den Georgischen Traum (03.10.2012) 
Wähler zeigen Saakaschwili Grenzen auf (02.10.2013)



Friday, December 07, 2012

AUDIO: Baubeginn von South Stream. Der Pipeline-Triumph von Gazprom. Von Horst Kläuser (tagesschau.de)

AudioHorst Kläuser, ARD-Hörfunkstudio Moskau07.12.2012 01:55 | 3'02
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(tagesschau.de) Russland verstärkt seine Position auf dem europäischen Gasmarkt. Am Schwarzen Meer beginnt heute der Bau der neuen Pipeline South Stream, die vor allem auf den südeuropäischen Markt abzielt. Damit droht dem Konkurrenzprojekt Nabucco, das Europa unabhängiger von Russland machen sollte, das Aus.

Von Horst Kläuser, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Gas Pipeline South Stream South Stream ist ein gigantisches Projekt: eine technische Herausforderung, eine sehr teure Investition. Vor allem aber ist die Gaspipeline ein Politikum. Wenn heute im russischen Anapa der Bau der Pipeline offiziell beginnt, kann sich Präsident Wladimir Putin, unabhängig davon, ob er tatsächlich selbst dort erscheint oder nicht, die Hände reiben. Er und seine größte Geldquelle Gazprom haben die Nase vorn. Wieder einmal.

Denn es geht um nicht weniger als die Gasversorgung ganz Südosteuropas. Fast meint man den Triumph in Putins Stimme hören zu können: "Das ist ein bedeutendes und wichtiges Ereignis angesichts der Prozesse, die zurzeit auf dem internationalen Energiemarkt verlaufen. Das ist ein Zeichen der Stabilität."

Für Russland gewiss. Andere Länder in Europa mögen das anders sehen. South Streams Dimensionen sind derweil gewaltig: Für etwa 16 Milliarden Euro entstehen vier Stränge der rund 1500 Kilometer langen Pipeline, die Gas aus Westsibirien nach Italien transportieren soll. Große Teile verlaufen quer durchs Schwarze Meer, bis zu 2250 Meter tief verlegt, berühren sie türkische Hoheitsgewässer. Weiter zieht sich die Pipeline durch Bulgarien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Ungarn und Slowenien.

Gazprom, der russische Gasmonopolist, hält 50 Prozent an South Stream; die anderen Anteilseigner sind die italienische ENI mit 20 Prozent, die BASF-Tochter Wintershall und die französische EDF, die sich die restlichen 30 Prozent teilen. Das Wettrennen mit der von der EU favorisierten Nabucco-Pipeline ist eröffnet. Während Russland seinen Markt in Europa sichern möchte und das Transitland Ukraine umgehen will, geht es bei Nabucco um noch mehr.

Nabucco-Partner denken über Ausstieg nach

Das Konsortium, an dem türkische Unternehmen, die österreichische OMV, Bulgaren, Rumänen und das deutsche RWE beteiligt sind, will sich von russischem Gas lösen und strebt Lieferverträge mit Aserbaidschan, Turkmenistan und dem Irak an. Nichts ist allerdings unterschrieben. Und weil Moskau eiligst und höchst geschickt in den genannten Ländern eigene Lieferverträge abschloss, denkt RWE mehr als laut über einen Ausstieg nach.

Das könnte das Ende von Nabucco bedeuten. Alexej Miller, Putin-Vertrauter und Gazprom-Chef sieht sich bereits als Sieger im Wettlauf: "Der Zeitplan des Projekts South Stream wird genau eingehalten. Wir haben keine Zweifel, dass das Projekt zur geplanten Zeit fertig gestellt wird."

Das wäre Ende 2015, Anfang 2016. Dann soll das erste Erdgas kommen und bis 2050 fließen. So lange soll South Stream seinen Investoren Geld bringen. Chef ist der ehemalige Hamburger SPD-Bürgermeister Henning Voscherau. Auch dies ein kleiner Triumph der Russen. Während Ex-Kanzler Gerhard Schröder dem North-Stream-Projekt durch die Ostsee vorsteht, warb sein ehemaliger Außenminister Joschka Fischer für Nabucco und vergrätzte den Kreml.

Dieser Beitrag lief am 7. Dezember 2012 um 06:41 Uhr auf NDR Info.
Pipeline-Projekte: Wie Europa mit Gas versorgt werden soll
Türkei sagt Ja zu russischer Gaspipeline South Stream (28.12.2011)
Russland beginnt Bau von Southstream-Pipeline [H. Kläuser, ARD Moskau]
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Gazprom Says South Stream Construction To Start, While EU Begs To Differ (eurasianet.org)

Thursday, October 04, 2012

HINTERGRUND: Der Preis des Abgehobenseins - Zur Wahl in Georgien. Von Silvia Stöber (tagesschau.de)

(tagesschau.de) Wie auch immer das neue Parlament in Georgien besetzt sein wird, die Regierungspartei von Präsident Saakaschwili musste bei der Wahl aber auf jeden Fall eine Niederlage einstecken. Dies liegt nicht allein am starken Gegner. Georgien stehen unruhige Tage bevor.

Von Silvia Stöber, tagesschau.de, zzt. Tiflis

Oppositionsführer Bidsina Iwanischwili vor Anhängern (Foto: REUTERS) (Klick führt weiter zum nächsten Bild)Die Wahllokale waren noch eine halbe Stunde geöffnet, da fuhr bereits der erste Autokorso mit elf Fahrzeugen und den Fahnen des Oppositionsbündnisses "Georgischer Traum" über den zentralen Freiheitsplatz. Am Rande begannen sich andere Anhänger von Oppositionsführer Bidsina Iwanischwili zu versammeln. Ein Einsatzfahrzeug der Polizei fuhr davon. Lediglich 100 Meter weiter vor dem Wahllokal Nr. 4 blieben zwei Polizisten zurück. Dort zählten etwa 15 Frauen und Männer die Stimmzettel aus.

Wenig später verkündete Iwanischwili vor seinem Hauptquartier in der Altstadt den Sieg. "Gilocav!" (Glückwunsch) und "Gaumardjos" (Mit uns ist der Sieg!) schallte es über den Platz. Bis spät in die Nacht feierten Iwanischwilis Anhänger auf dem Freiheitsplatz, während sich nebenan im Marriott Hotel die Berater und Lobbyisten der Regierungspartei den Kopf zerbrachen über die Wahlergebnisse. Wie am Ende das Parlament besetzt sein wird, zeigt sich erst, wenn sowohl die Direktkandidaten als auch die Sitze, die per Verhältniswahlrecht vergeben werden, verteilt sind.

Hoffnung auf einen vermögenden Wohltäter

Dennoch belegen schon die Wahlprognosen einen enormen Erfolg für ein Oppositionsbündnis, dessen Führer noch vor einem Jahr ein Mythos war und von dem es bis dato lediglich ein Foto und ein Interview in einer russischen Zeitung gegeben hatte. Dass dem Multi-Milliardär Iwanischwili schon damals der Ruf eines Gönners und Wohltäters vorauseilte, erklärt zum Teil seinen heutigen Erfolg.

Da er sechs sehr unterschiedliche Parteien unter dem Schirm "Georgischer Traum" vereinigt, blieben kaum noch wählbare Alternativen in den Reihen der Opposition. Die bisher im Parlament vertretene Partei der Christdemokraten zum Beispiel gilt als eine der Regierung nahestehende Oppositionspartei.

Allerdings fand sich eine gewichtige Kraft mehr oder weniger deutlich auf Seiten des Milliardärs ein: die einflussreiche orthodoxe Kirche. Immerhin hatte sich Iwanischwili auch ihr gegenüber großzügig gezeigt.

Gewalt-Video als Auslöser für offene Debatte

Die regierende "Nationale Bewegung" muss sich den Stimmverlust aber auch zu einem großen Teil selbst zuschreiben. Die Veröffentlichung der Videos mit Gewaltszenen aus Gefängnissen öffnete ein Ventil in der Glocke über der Bevölkerung. Plötzlich sprachen die Menschen nicht nur offen über die Gewalt in den Gefängnissen. Sie äußerten sich auch zu Kündigungen von Staatsbeamten, die der Opposition nahestehen, und anderen Formen des Drucks auf Regierungskritiker. Der Bann war gebrochen. Die Menschen nahmen nicht mehr ernst, was die Regierung Iwanischwili vorwarf: Ein Mann des Kreml zu sein und einer, der sich mit den "Dieben im Gesetz" eingelassen hat - einem kriminellen Netzwerk noch aus Sowjetzeiten, das im Ausland überlebt hat.

Präsident Saakaschwili hat stark an Ansehen eingebüßt. Zu unstet tritt er auf, zu hochfliegend waren seine Bau- und Modernisierungspläne, zu weit weg waren sie am Ende von der Bevölkerung, die eben nicht nur aus der westlich gebildeten Elite in Tiflis besteht.

Was, wenn Iwanischiwili nicht Premier wird?

Wie auch immer die Sitzverteilung im Parlament am Ende aussieht - das langjährige Übergewicht der Regierungspartei ist dahin. Allerdings steht zu befürchten, dass Iwanischwilis Bündnis an den inneren Widersprüchen zerbricht. Fraglich ist, ob sich der Milliardär auf mühsame Parlamentsarbeit einlässt. Im Juli auf seine Pläne nach der Wahl befragt, hatte er nur eine Antwort: "Ich werde Premierminister."

Doch selbst wenn er genug Stimmen auf sich vereinen könnte, der Präsident setzt das Kabinett und den Regierungschef ein. Nach der großen Schmutzkampagne der vergangenen Woche wäre es eine gewaltige Herausforderung für die beiden größten Opponenten, gemeinsam politische Arbeit zu betreiben. Gelänge es, würde Georgien tatsächlich beweisen, dass es einen weiteren Schritt in Richtung Demokratie geht. Der Westen müsste aber damit rechnen, dass sich das Reformtempo verlangsamt und der Konservatismus der Bevölkerung stärker hervortritt.

Unweigerlich wird die Euphorie der Wahlnacht in kalte Nüchternheit umschlagen. Denn selbst als Premier und mit all seinem Vermögen könnte Iwanischwili die Menschen nicht über Nacht reich machen. Eines ist gewiss: Sollten die enormen sozialen Probleme nicht angepackt und die Kontrolle an der Staatsspitze weiter so gebündelt bleiben, wird sich neuer Protest regen. Unter den Studenten findet sich eine neue Generation, die in der Demokratie mehr sieht als eine Modernisierung und Konsolidierung des Staates, als liberale Reformen und eine Bekämpfung der Korruption auf niedriger Ebene.

Wednesday, October 03, 2012

ARD: Das Ausland glaubt an den Georgischen Traum. Nach Sieg bei Parlamentswahl (tagesschau.de)

Oppositionsbündnis von Iwanischwili erhält Mehrheit
tagesschau 20:00 Uhr, 02.10.2012 [Ina Ruck, ARD Moskau zzt. Tiflis] 

 Der Ausgang der Parlamentswahl in Georgien hat international positive Reaktionen hervorgerufen. Die EU-Kommission gratulierte dem siegreichen Bündnis Georgischer Traum von Oppositionsführer Bidsina Iwanischwili zum Sieg und würdigte zugleich den positiven Ablauf der Abstimmung. Die EU freue sich auf weiter enge Beziehungen zur Kaukasusrepublik, hieß es in einer Mitteilung der Außenbeauftragten Catherine Ashton und des Erweiterungskommissars Stefan Füle.

Auch US-Außenministerin Hillary Clinton beglückwünschte das georgische Volk zu den friedlichen Wahlen. Es sei ein "historischer Tag" für alle Georgier und für die demokratische Zukunft Georgiens gewesen, sagte Clinton. Die USA riefen alle Parteien in Georgien zu einer konstruktiven Zusammenarbeit auf.

OSZE lobt freie Wahl, beklagt aber Atmosphäre der Einschüchterung

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte in Tiflis die Abstimmung ebenfalls als frei und demokratisch gelobt. Allerdings beklagte sie auch eine Atmosphäre der Einschüchterung.

Russland schloss nach dem Wahlsieg von Iwanischwili indes einen Neustart im zerrütteten Verhältnis mit dem Nachbarland nicht aus. "Im Parlament werden verantwortungsvollere und konstruktivere Kräfte vertreten sein", sagte Regierungschef Dmitri Medwedew. Die Kremlpartei Geeintes Russland sei zum Dialog bereit. Georgiens Staatschef Michail Saakaschwili von der bei der Wahl unterlegenen Vereinten Nationalen Bewegung gilt seit dem russisch-georgischen Südkaukasuskrieg von 2008 als Erzfeind des Kremls. Medwedew hatte Saakaschwili mehrfach als "politische Leiche" bezeichnet.

Iwanischwili fordert Vorzug der Präsidentenwahl

Michail Saakaschwili (Foto: AFP) (Klick führt weiter zum nächsten Bild)
Verlierer Saakaschwili (Foto: AFP)
Iwanischwili forderte Saakaschwili zum Rücktritt auf. Die für Herbst 2013 geplante Präsidentenwahl im Land müsse vorgezogen werden, sagte Iwanischwili. Er will Premierminister und damit - nach einer Verfassungsänderung im kommenden Jahr - der mächtigste Mann im Staat werden will. Iwanischwili rief Saakaschwilis Lager zur Zusammenarbeit auf.

Die erst im April gegründete Bewegung Georgischer Traum lag nach Auszählung von etwa der Hälfte der Stimmzettel mit 54,1 Prozent in Führung, teilte die zentrale Wahlkommission in Tiflis mit. Saakaschwili räumte die Niederlage seiner Partei ein. Damit ist das Machtmonopol des Präsidenten neun Jahre nach der unblutigen Rosenrevolution von 2003 gebrochen.

Silvia Stöber (Journalistin) zum Wahlsieg der Opposition [mehr]

Iwanischwili - Der reiche Gegenspieler Saakaschwilis [Matthias Reiche, WDR]
02.10.2012 20:12 | 2'17



Sunday, September 30, 2012

WAHLEN: Saakaschwili - Präsident auf Abruf. Parlamentswahl in Georgien. Von Silvia Stöber (tagesschau.de)

(tagesschau.de) Am Montag wird in Georgien ein neues Parlament gewählt. Georgiens Präsident Saakaschwili steht mit dem Rücken zur Wand: Die Opposition befindet sich im Aufwind. Und im westlichen Ausland hat er seine Reputation schon lange verloren. Fraglich bleibt, ob Saakaschwili die Macht freiwillig abgibt.

Von Silvia Stöber, zur Zeit Tiflis, tagesschau.de

Georgiens Präsident Michail Saakaschwili  (Foto: picture alliance / dpa) (Klick führt weiter zum nächsten Bild)
Georgiens Präsident Saakaschwili gilt als international isoliert. (Foto: picture alliance / dpa)
Nachts um Eins in Tiflis. Die georgische Hauptstadt ist zur Ruhe gekommen. Gestern Nachmittag hatte sie die größte Demonstration seit der Rosenrevolution erlebt. Es schien, als hätte die Farbe Blau des Oppositionsbündnisses "Georgischer Traum" von Milliardär Bidsina Iwanischwili die Oberhand gewonnen: Nicht nur mit den Fahnen, T-Shirts und Halstüchern der Demonstranten, auch die blauen Wahlplakate, Aufkleber und Graffities dominierten an den Hauswänden der Stadt.
Nun aber, im Schutze der Dunkelheit, fahren Regierungsgetreue durch die Straßen und überkleben alles Blaue mit roten Aufklebern ihrer Partei Vereinigte Nationale Bewegung von Präsident Michail Saakaschwili. Sie hinterlassen Hunderte weiße Papierstreifen auf den Gehwegen.

Der Kampf zwischen dem einstigen Rosenrevolutionär Saakaschwili und seinem Herausforderer Iwanischwili hatte von Anfang an wenig mit Sachthemen, viel aber mit Symbolen und Stereotypen zu tun: Der rückwärtsgewandte Oligarch Iwanischwili, Handlanger des feindlich gesinnten Russland und Verbündete der georgischen Mafia, wolle die Demokratisierungserfolge Saakaschwilis zunichte machen. Diese Parole verbreitete die Regierung seit dem Erscheinen des Multi-Milliardärs auf der politischen im Bühne im vergangenen Herbst.

"Basis der Regierungspolitik ist PR"

Doch fällt es der Regierung nicht mehr so leicht, ihre Linie durchzuziehen. Saakaschwilis Rückhalt schwindet, sowohl zuhause als auch im Ausland. Nach der Machtübernahme hatte er es geschickt verstanden, sich im eigenen Land und im Westen zu verkaufen.

"Die Politik der Regierung basiert auf PR", kritisiert Khatia Nadaraia von der Studentenbewegung "Laboratorium 1918" und nennt ein Beispiel: Eigentlich proklamiere die Regierung eine neoliberale Politik, vor der Wahl aber verteile sie 1000-Lari-Gutscheine (500 Euro) an die Familien im Land. Nachdem Konkurrent Iwanischwili ein Sozialprogramm vorgelegt hatte, kündigte auch sie soziale Maßnahmen an, die einer sozialdemokratischen Regierung zur Ehre gereichen würden.

Elitenkorruption und enorme soziale Probleme

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Demokratisierung Georgiens seit 2004 eher als Konsolidierung und Modernisierung der staatlichen Strukturen zu bezeichnen ist. Die Folge war eine Bündelung der Macht an der Staatsspitze. Letztlich hat auch die zu Recht gefeierte Ausmerzung der Korruption unter Polizisten und Staatsbeamten dazu beigetragen.

Doch bleiben Elitenkorruption und enorme soziale Probleme, die die Statistiken von Weltbank, IWF und anderen Organisationen aber verdecken. Sieht man zum Beispiel die vielen Taxifahrer mit ihren heruntergekommen Autos, die Kleinhändlerinnen mit ihren Billigwaren oder die Bauern mit ihren winzigen Ernten, so wirkt eine Arbeitslosenzahl von 16 Prozent wenig nachvollziehbar.

Um sich als Erfolgsmodell im post-sowjetischen Raum zu präsentieren, engagierte die Regierung in den vergangenen Jahren zahlreiche PR-Firmen in Washington, Paris, Brüssel oder London.

Herausforderer Iwanischwili - verlängerter Arm des Kremls?

 Große Unterstützung erhielt die Saakaschwilli-Regierung bei jenen Ländern und Parteien, die in Russland noch immer eine Gefahr wie die Sowjetunion im Kalten Krieg sehen - vor allem rechtskonservative Kräfte in den USA und Westeuropa, daneben Schweden, Polen oder die baltischen Staaten. Dort kam jetzt auch die Behauptung sehr gut an, der Milliardär Iwanischwili, der sein Vermögen in Russland gemacht hat, handele im Interesse des Kreml.

Zu jenen, die diese Behauptung in Westeuropa verbreiteten, gehört der georgische Parlamentarier Giorgi Kandelaki. Als Beleg führt er an, dass sich Iwanischwili nie deutlich gegen Präsident Wladimir Putin ausgesprochen hat. Außerdem habe dieser seinen Besitz und seine Anteile in Russland zu überaus guten Preisen an Kreml-nahe Unternehmen verkauft, und er sei immer noch im Besitz eines Aktienpaketes des staatlichen russischen Konzerns Gazprom.

Iwanischwili weist dies als pure Propaganda zurück. Nicht ganz eindeutig äußert er sich allerdings darüber, ob er Gazprom-Aktien besitzt.

Moskau hat wenig Interesse an Machtwechsel

In Moskau selbst hört man Zweifel über Iwanischwilis Rolle: Russland habe derzeit angesichts anderer außen- und innenpolitischer Probleme kein Interesse an einer Einflussnahme auf die Innenpolitik Georgiens, sagt zum Beispiel der Sicherheitsexperte Ruslan Puchow.

Mit den Militärbasen in den abtrünnigen georgischen Regionen Abchasien und Südossetien übe Russland die militärische Kontrolle über den Südkaukasus aus. Mehr sei derzeit nicht gewollt. Zudem werde Saakaschwili ohnehin ganz im Stile Putins dafür sorgen, dass er die Wahl gewinnen werde. Mit Iwanischwili brauche man sich da nicht erst beschäftigen.

Georgien ist im Westen isoliert

Es kann sogar gut sein, dass der Kreml Saakaschwili an der georgischen Staatsspitze bevorzugt gegenüber einem rationaler und besonnener auftretenden Politiker wie Iwanischwili, der sich für Annäherung ausspricht. Saakaschwili hat spätestens seit dem Fünf-Tage-Krieg mit Russland 2008 seine Reputation im Westen eingebüßt.

Ganz sicher provoziert von Russland, aber auch entgegen eindringlicher Mahnungen aus dem Westen, ließ er seine Truppen gegen Südossetien marschieren. Seitdem ist er kaum noch zu Gast bei westeuropäischen Regierungen. US-Präsident Barak Obama ließ sich erst nach intensiven Lobbybemühungen auf ein kurzes Gespräch mit ihm ein.

Beobachter sprechen von klaren Signalen aus dem Westen, dass man von Saakaschwili nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit im nächsten Jahr eine Machtübergabe erwartet.

Freiwillige Aufgabe der Macht ist fraglich

Auch unter den Georgiern und sogar den einstigen Anhängern ist Saakaschwili ganz offenbar nicht mehr beliebt. Ein Hinweis darauf ist, dass zu seinen Wahlkampfveranstaltungen nur wenige Anhänger erscheinen und viele von ihnen behaupten, zu den Veranstaltungen beordert worden zu sein.

Hochrangige Regierungsmitglieder erwarten nicht, dass Saakaschwili wie Putin in Russland den Premierminister-Posten übernehmen wird. Dieser sei für Vano Merabischwili vorgesehen, sagen sie. Der als Manager respektierte und als langjähriger Innenminister gefürchtete Merabischwili übernahm kürzlich das Amt des Regierungschefs. Das Problem der Regierungspartei ist jedoch, dass Saakaschwili immer die treibende Kraft war und den kleinen Kreis der Machtelite zusammenhielt.

Fraglich ist, ob Saakaschwili freiwillig die Führung abgeben wird und welche Entscheidungen er in den nächsten Tagen treffen wird, da er praktisch mit dem Rücken zur Wand steht. 

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Kandidaten werben noch einmal um Stimmen tagesthemen 21:50 Uhr, 29.09.2012 [Udo Lielischkies, ARD Moskau]
Download der Videodatei
Georgien: Zehntausende demonstrieren für Iwanischwili (29.09.2012)
Georgiens Innenminister reicht Rücktritt ein (20.09.2012 ) 
Schmutziger Wahlkampf um die Macht in Georgien (09.08.2012) 
Letzte Wählermobilisierung vor der Wahl [Udo Lielischkies, ARD Moskau]