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Saturday, December 10, 2016

#GEORGIANWINE: 360° Geo Reportage - Georgien, die Wiege des Weins Doku (2009)


Wer sich in Georgien begrüßt, fragt nicht: „Wie geht es Dir?“, sondern „Wie geht es Deinem Weinstock?“ Wein ist hier heilig. Experten gehen sogar davon aus, dass Georgien eines der Ursprungsländer für den Weinanbau ist. Seit Jahrtausenden werden die Reben unter idealen klimatischen und geologischen Bedingungen gezüchtet. Zu Sowjetzeiten belieferte das Land die gesamte UdSSR mit dem traditionell süßen Wein. Etwa 85 Prozent der Produktion wurden exportiert. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems war Russland noch immer der größte Abnehmer. Als Moskau jedoch aufgrund der starken Konflikte zwischen beiden Ländern ein Embargo verhängt, leidet Georgien unter einem Absatzproblem. Denn der Wein wird weiter angebaut und gelesen.

Um auf dem Weltmarkt bestehen zu können und neue Kunden zu gewinnen, suchen die georgischen Winzer nach Strategien, um ihre Ware international zu vermarkten. Einer von ihnen ist Dato Maisuradse. Zusammen mit anderen Winzern versucht er, den georgischen Wein unter einer Qualitätsmarke zu etablieren. Kein leichtes Unterfangen, denn bisher unterlag die Produktion eher dem Prinzip Masse statt Klasse. Hinzu kommt, dass nach den Jahren der kommunistischen Planwirtschaft jeder Weinbauer allein auf seiner Parzelle wirtschaftete.

Kooperativen assoziieren diese Menschen immer noch mit gefürchteter Bevormundung und staatlicher Kontrolle. Dennoch will Dato Maisuradse die Bauern für sich gewinnen und ihre Kräfte gewinnbringend bündeln. Ihre Anstrengungen tragen nun erste Früchte: Wird die Zukunft des georgischen Weins etwa in China liegen?

Friday, December 02, 2016

REPORTAGE: Die metallenen Gondeln von Tschiatura. Ein Film von Manuel Fenn (arte.tv)

(arte.tv) Sendetermine:
Samstag, 3. Dezember um 9.35 Uhr
Donnerstag, 15. Dezember um 2.40 Uhr
Online vom 26. November bis zum 26. Dezember 2016
Weltweit verfügbar

Video hier >>>

Wer in Tschiatura zur Arbeit fährt, braucht gute Nerven. Das Seilbahnnetz, das das georgische Bergarbeiterstädtchen im Kaukasus durchzieht, dürfte zu den furchterregendsten der Welt gehören. Doch ohne seine Gondeln wäre der kleine Ort nicht lebensfähig. "360° - GEO Reportage" hat den Ort besucht.

Das Seilbahnnetz, das das georgische Bergarbeiterstädtchen Tschiatura im Kaukasus durchzieht, zählt zu den marodesten der Welt. Zur industriellen Blütezeit des Ortes in den 50er und 60er Jahren erbaut, gleiten sie noch heute in schwindelerregender Höhe knarzend über steile Abhänge, tiefe Schluchten und die Dächer des Ortes. Als einziges öffentliches Transportmittel prägen sie den Alltag der 16.000 Einwohner. Zugleich sind die Seilbahnen existenziell für den Betrieb der nahegelegenen Manganmine, den größten Arbeitgeber in der Region. Nun sollen die Gondeln durch neue Modelle ersetzt werden. Einmal pro Woche klettert der Mechaniker Amiran Bareladze auf das Dach der Gondeln und ölt in voller Fahrt die Rollen der Seilbahn. In schwindelerregender Höhe schwebt der 57-Jährige über die Stadt Tschiatura, deren Einwohner ihre Seilbahnen im Scherz "metallene Särge" nennen. Für sie sind sie trotzdem das Nahverkehrsmittel schlechthin. Die Stützen, Masten, Laufwerke, Aufhängungen, Rollen und Seile der gesamten Anlage gehen zurück bis in die 50er Jahre, als Georgien noch zur Sowjetunion gehörte, die dort große Mengen Manganerz fördern ließ. Stalin hatte das Transportnetz für Mensch und Material spannen lassen, um zu demonstrieren, dass sowjetische Ingenieurskunst imstande wäre, selbst die widrigen geografischen Gegebenheiten der von steilen Hängen und tiefen Einkerbungen durchschnittenen Stadt zu überwinden. Die meisten Gondeln sind inzwischen dem Rost zum Opfer gefallen, doch einige wenige Linien versehen weiterhin ihren Dienst. Nun plant der Gouverneur der Region eine Modernisierung der Seilbahnen – ein Vorhaben, das von den Einwohnern mit einer Mischung aus Euphorie und Sorge gesehen wird. Einerseits bewegt sich der Ort damit in Richtung Zukunft, andererseits könnten Arbeitsplätze wie der von Amiran Bareladze abgebaut werden. Und ob die Fahrt für die Einwohner dann weiterhin kostenlos bleibt, ist ebenfalls fraglich.

Friday, April 03, 2015

TBILISI: Vino Underground: Wine Heaven. By Paul Rimple / Photographies by Molly Corso (culinarybackstreets.com)

Photo by Paul Rimple
(culinarybackstreets.com) Enek poured a rosy colored splash of wine into our glasses, avidly explaining how this particular Aladasturi grape vine was meticulously cultivated in its native west Georgia. In a tasting ritual uncommon in Georgia, we swirled it, sniffed it and savored the flavor as it caressed our tongues. Here in the “cradle of wine,” the land where viticulture is believed to have originated 8,000 years ago, wine is customarily poured into a water glass and “tasted” in one long drag, until drained. But in this cozy cellar in the heart of Tbilisi’s historic Sololaki neighborhood, seven winemakers have come together to offer an alternative convention to winemaking and consumption. They call it Vino Underground, but we call it wine heaven.

“This wine is made by an 80-year-old man in Imereti,” Ènek said. “He’s only bottled 500.” 

Vino Underground offers about 100 family-produced Georgian wines, most all made much like they have been for thousands of years; in ceramic qvevris, tear-shaped vessels buried in the ground and found in nearly every basement in east Georgia’s wine region of Kakheti. But what sets this wine apart from what is normally consumed in the country is the acute care given to the vine. Vino Underground’s co-op think of themselves as grape cultivators rather than winemakers, following an intrinsic philosophy of “listening to the vines” to help them develop a resilient immune system naturally, instead of fertilizing them with chemicals. By the time the grapes get to the cellar, nothing needs to be added to help the fermentation process. You can taste the personal touch that goes into each bottle.

That night we were sampling whites, working our way to Georgia’s distinctive tannin-infused, amber colored wine, a result of the inclusion of skins, seeds and stems into the fermentation process. After sampling a straw-colored, citrusy Kisi, we settled on a bottle of Rkatsiteli, which is Georgia’s most popular white.

Ènek Peterson walked us through several wines, impressing us with a profound knowledge of the background of each bottle, all with an enthusiasm she couldn’t hide. The 21-year-old Boston native eloped with Georgia when she failed to board her flight back home seven months ago, after coming here to learn Georgian folk singing. Already a fluent Georgian speaker, she is fast becoming an expert on natural local wines, and this Rkatsiteli she selected for us was divine.

“This wine comes from Zaza Darsavelidze. He’s a soldier and security guard by profession but inherited the business from his father,” Ènek explained. “Zaza takes his four year-old son with him to the marani” – wine cellar – “and vineyards because he feels it’s so important for this tradition to be carried on.”

Vino underground isn’t the kind of place you visit if you’re hungry, which is unheard of in this Black Sea nation where wine and supper are as inseparable as salt is from the sea. But they do offer savory treats well suited to partnering with their wide selection of wines, which also includes European and Kiwi vintages. We skipped the platter of local cheeses, preferring to try that evening’s specials of fried Sulguni cheese with sorrel and Ekala with walnuts. Sulguni is best described as a kind of mozzarella, while Ekala is a spinach-like plant native to west Georgia. While both are simply outstanding, at Vino Underground it is the wine that really shines.

Address: 15 Galaktion Tabidze St., Sololaki
Tel: +995 322 30 9610
Hours: noon-midnight


(top and above photo by Molly Corso, middle photo by Paul Rimple)
twitter: @CBackstreets
Meet our Tbilisi team
culinarybackstreets.com/tbilisi
itunes.apple.com/culinary-backstreets


Interested in diving deeper into the Culinary Backstreets? Check out our small group food walks.

Friday, August 01, 2014

360° - GEO REPORTAGE. Georgien, die Wiege des Weins: Von Pierre Goetschel (arte.tv)


Mittwoch, 30. Juli um 12:55 Uhr (53 Min.)
Wiederholung am Samstag, 02.08. um 8:50 Uhr

(arte.tv) Georgien galt zu Sowjetzeiten als der Weinkeller der UdSSR. Auch nach dem Zusammenbruch des Riesenreiches blieb Wein eines der wichtigsten Exportgüter des Landes. Der Weinanbau im Kaukasus läuft nach wie vor auf Hochtouren, wird Jahr für Jahr sogar effektiver. Kleinbauern und Kooperativen wetteifern um Ertrag und Qualität.

Wer sich in Georgien begrüßt, fragt nicht: „Wie geht es Dir?“, sondern „Wie geht es Deinem Weinstock?“ Wein ist hier heilig. Experten gehen sogar davon aus, dass Georgien eines der Ursprungsländer für den Weinanbau ist. Seit Jahrtausenden werden die Reben unter idealen klimatischen und geologischen Bedingungen gezüchtet. Zu Sowjetzeiten belieferte das Land die gesamte UdSSR mit dem traditionell süßen Wein. Etwa 85 Prozent der Produktion wurden exportiert. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems war Russland noch immer der größte Abnehmer. Als Moskau jedoch aufgrund der starken Konflikte zwischen beiden Ländern ein Embargo verhängt, leidet Georgien unter einem Absatzproblem. Denn der Wein wird weiter angebaut und gelesen.

Um auf dem Weltmarkt bestehen zu können und neue Kunden zu gewinnen, suchen die georgischen Winzer nach Strategien, um ihre Ware international zu vermarkten. Einer von ihnen ist Dato Maisuradse. Zusammen mit anderen Winzern versucht er, den georgischen Wein unter einer Qualitätsmarke zu etablieren. Kein leichtes Unterfangen, denn bisher unterlag die Produktion eher dem Prinzip Masse statt Klasse. Hinzu kommt, dass nach den Jahren der kommunistischen Planwirtschaft jeder Weinbauer allein auf seiner Parzelle wirtschaftete.

Kooperativen assoziieren diese Menschen immer noch mit gefürchteter Bevormundung und staatlicher Kontrolle. Dennoch will Dato Maisuradse die Bauern für sich gewinnen und ihre Kräfte gewinnbringend bündeln. Ihre Anstrengungen tragen nun erste Früchte: Wird die Zukunft des georgischen Weins etwa in China liegen?

Monday, June 30, 2014

SILK ROAD REPORTERS: The Caspian Connection. Published by Joshua Noonan (silkroadreporters.com)

(silkroadreporters.com) The 826-kilometer (513-mile) Baku-Tbilisi-Kars (BTK) Railway is expected to be completed by late 2015, according to Azerbaijani Transportation Minister Ziya Mammadov who recently attended a tripartite meeting of ministers from Turkey, Georgia, and Azerbaijan.

It is anticipated that this railroad will transport up to 1 million passengers after its launch, ramping up to 3 million passengers and 15 million tons of freight within the first few months of operation. The railroad is seen as the most important strategic infrastructure project in recent history for the region, and will have major implications for the three partners with secondary ramifications for Armenia and Kazakhstan as East-West energy transport routes link the Caspian Basin to Europe.

Hotel-Crescent-Baku-Azerbaijan
Azerbaijan and the cities of Baku, Sumgayit, and Gance will notably benefit as their transportation links to Georgia and Turkey develop. The metropolitan areas of these cities comprise at least 20% of Azerbaijan’s population and a large proportion of the economic activity and foreign exchange earning power of the state. Although there is already a Soviet-legacy Baku-Tbilisi passenger and freight network, an improvement in the infrastructure from the dilapidated Soviet legacy railroad will allow for the speedier delivery of goods and transport of passengers.

The BTK is being coupled with the Nakhchivan-Kars Railway, which will connect the politically important Azerbaijani exclave of Nakhchivan with Kars. The deepening of links with Turkey and Georgia will provide for the further westerly economic integration that the leaders of the country seek that started with the Baku-Tbilisi-Ceyhan and the Baku-Tbilisi-Erzurum oil and gas pipelines, signaling the development of the Southern Energy Corridor.

This has continued recently with further Azerbaijan-driven investment in the downstream distribution and sales of gasoline and diesel in Georgia and the continued expansion of natural gas pipelines through Turkey with TANAP and TAP, linking Greece, Albania, and Italy. These mega-projects have been spearheaded by investors originating from Azerbaijan, Turkey, and other partner countries. Politically, these projects allow for the consolidation of Azerbaijani influence in Georgia through its State Oil Company of Azerbaijan Republic (SOCAR) service stations, while providing increased leverage over its adversary Armenia through the deployment of its natural-resource-derived wealth in the guise of SOCAR and State Oil Fund of Azerbaijan (SOFAZ).

Since the Rose Revolution in November 2003, Georgia has been seeking inflows of foreign direct investment (FDI) through internal reforms, cooperation with its neighbors, and integration into the Euro-Atlantic Community. As the current Georgian government has prioritized and campaigned on the promotion of rural development, market access that will be granted through these improved transportation links if coupled with subsequent reforms to the tariff and import regimes of Turkey and Azerbaijan. Georgia ranked eighth in the World Bank Ease of Doing Business Report in 2014. As labor costs increase in Turkey, Georgia could become a source of intermediary-product production, with the process speeded by the development of the BTK. This coupled with extant trade links, geopolitical trends, and entrepreneurial opportunities will assure the continued development of Georgia through this project.

Turkey will continue to develop its role as a hub-state for the transportation of resources and a interconnector for Europe, Asia, and the Middle East. In that role, actions involved with the development of the BTK are quite useful. This mega-project will be paired with the Marmaray Bosphorus Tunnel Project, which will cross the Bosphorus, knitting the European and Asian sides of Turkey together. This action will link the rails of the Absheron Peninsula with those in Berlin. Continued investments in eastern Turkey, linking booming Azerbaijan with this underdeveloped region, will allow for an accelerated growth-path and increased market access for businesses from the Caucasus, as well as provide additional export opportunities for this less developed region while expanding access to cheap and reliable natural gas, petroleum, foodstuffs, and commodities.

The last two countries are not transit countries for the BTK, but rather adjacent countries. The first, Armenia, has protested its exclusion from regional mega-projects. Though it would be a shorter and cheaper route from Baku through Yerevan to Kars, this possibility was forestalled by the over-20-year-old frozen conflict in Nagorno-Karabakh. This has led to its continued regional marginalization, and the BTK is only the latest example. Despite the lack of direct investment, consumers and intermediaries in Armenia will benefit from a more developed method of importing goods from Turkey, all of which are currently transshipped via Georgia on semi-tractor trailers. Moreover, exports from Armenia not bound for Russia or Iran could benefit from transshipment from Tbilisi westwards to European markets.

Kazakhstan as a major commodity and energy exporter may be able to benefit from the export of commodities to Turkey and from there to the Balkans via the Caspian. Issues concerning shipments on the Caspian, including terminals, are starting to be rectified on both shores. Nevertheless, a deeper East-West integration across the Caspian would take additional political capital that the respective leaders do not seem prepared to spend.

Nevertheless, as Europe and the Caucasus are knit together, leaders across the Caspian will start to take due notice of these opportunities.

There are still many hurdles for the project to clear – both technical and politcal – but when this project is finished and finally goes online, the world will behold an important realignment of how it interacts and trades with this once-distant region.

Monday, June 09, 2014

VIDEO: Georgiens Angst vor dem russischen Riesen. Von Roman Schell (info.arte.tv)

(info.arte.tv) Das Vorgehen Russlands auf der Krim und in der Ost-Ukraine weckt große Ängste in Georgien. Seit der russischen Besetzung Südossetiens 2008 fürchtet man sich dort vor einer weiteren russischen Expansion. Bis Ende Juni will das Land ein Assozierungabkommen mit der EU unterzeichnen. Nun drückt die Regierung in Tiflis aufs Tempo. Über die Sorgen und Ängste vor dem übermächtigen Nachbarn, eine Reportage von Roman Schell.

Sunday, January 19, 2014

LITERARISCHE REPORAGE: Arkadi Babtschenko: "Ein Tag wie ein Leben. Vom Krieg". Von Gregor Ziolkowski (deutschlandradiokultur.de)

(deutschlandradiokultur.de) Seinen Militärdienst leistete Arkadi Babtschenko in Tschetschenien. Die Kriegserfahrung hat den russischen Journalisten nicht mehr losgelassen. "Ein Tag wie im Leben" ist sein drittes Buch darüber.

Podcast >>>

Zerstörung in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny
Kriegszerstörung in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny (AP Archiv)
Arkadi Babtschenko ist vom Krieg geradezu besessen. Mit "Ein Tag wie ein Leben" legt er sein drittes Buch vor, das sich diesem Thema zuwendet, und erneut ist die eigene Erfahrung dieses Autors, seine Erlebnisse in den zwei Tschetschenien-Kriegen, ein wichtiger Pfeiler seiner Erzählungen. Allerdings erweitert der Autor in diesem Buch sein Blickfeld erheblich und dies sowohl in geographischer als auch in zeitlicher Hinsicht, ein Umstand, der auch auf der reflexiven Ebene Folgen hat.

Denn wenn die vorherigen Bücher Babtschenkos klar auf die Individualisierung des Phänomens Krieg abzielten, auf die Unmittelbarkeit des Erlebens. Auf die Heranführung des Lesers bis zum Leib des einfachen Soldaten, der sein Fleisch und sein Hirn der härtesten Gefährdung aussetzen muss. So geht es auch hier darum, aber eben auch um mehr.

Die Erfahrungen des Kriegsreporters fließen da ein, der etwa an die Schauplätze des russisch-georgischen Konflikts gereist ist und diese noch glühenden Brandherde, diese Landschaften nach der Schlacht, mit der Eindringlichkeit eines Augenzeugen beschreibt, auch ohne selbst Beteiligter gewesen zu sein. Die geopolitische Dimension dieses Konflikts, der da zwischen NATO-Gelüsten auf georgischer Seite und russischen Interessen zu verorten ist, gerät dabei in den Blick, ohne dass die Geschehnisse eine letzte Erklärung finden würden.

Zwielichtige Begegnungen

Begegnungen mit durchaus zwielichtigen "Geschäftsleuten", die offenkundig in der Grauzone des privatwirtschaftlichen Söldnertums ihr Auskommen finden. Leuchten hinein in die Merkwürdigkeiten einer konfliktiven Gegenwart, die unter dem Stichwort "Krieg" nicht mehr ausschließlich nationalstaatliche Konfrontationen versteht. Sondern einen globalisierten, dabei lokal eingegrenzten Wirtschaftsfaktor, der in gewisser Weise auch "Arbeitsplätze" und "Märkte" bereithält, die vielleicht Irak oder Afghanistan heißen.

Immer wieder treibt den Kriegsphänomen-Besessenen die Sinnfrage um. Wozu tut man das? Wer unter den unmittelbar Beteiligten versteht eigentlich die Motive für das Kämpfen? Unter welchen Bannern werden diese Auseinandersetzungen geführt? Heimat, Patriotismus, Religion, Pflicht - Begriffe, die Babtschenko unaufdringlich in die Debatte wirft, weil er sie an konkreten Personen und ihren Lebensläufen entlang verhandelt. Aus der jeweiligen Geschichte selbst ergeben sich diese Fragestellungen, die nach Werten fragen, wobei die Antworten eher verhalten ausfallen.

Verarmte Kriegsveteranen

Als schlichtweg desaströs beschreibt er die Situation jener – inzwischen uralten – Generation von Kriegsveteranen, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben und im heutigen Russland ein Bettlerdasein führen müssen. Die thematische Linie – Wie geht das Land mit seinen Kriegsveteranen um? - wird aber auch am Beispiel der Afghanistan- und Tschetschenien-Veteranen verfolgt, auch dies ein nicht allzu rühmliches Kapitel.

"Vom Krieg", das ist ein gut gewählter Untertitel für dieses Buch. Zwischen literarischer Reportage, historischem Exkurs und sozialpsychologischer Reflexion sondiert es am jeweiligen Beispiel jenes beunruhigende Terrain, das für uns seit langer Zeit woanders liegt, ohne dass es den Anspruch erheben würde, die jeweilige Situation erschöpfend zu erklären. Dieses "Woanders" ist hier nichts anderes als ein Schlachtfeld des Menschlichen, im Zweifelsfall gar nicht so weit entfernt.

Arkadi Babtschenko: EinTag wie ein Leben. Vom KriegAus dem Russischen von Olaf Kühl
Rowohlt Verlag, Berlin 2014
272 Seiten, 19,95 Euro

Mehr zum Thema:
20.05.2009 | KRITIK
Arkadi Babtschenko: "Ein guter Ort zum Sterben"
3.05.2009 | LITERATUR
Literarische Sichten auf Krieg von Remarque bis zu Babtschenko


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Tuesday, December 03, 2013

REPORTAGE: Über den EU-Gipfel in Vilnius für das georgische Magazin "Liberali". Von Silvia Stöber

Am Ende stand Georgien mit Moldawien als Klassenbester da. Außenministerin Maja Panjikidze durfte vor die Vertreter der 28 EU-Länder und der Staaten der östlichen Partnerschaft treten. Zu Klaviermusik wurde sie bei einer Schuljahresabschlussfeier auf das Podium gebeten. Mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton unterschrieb sie das Assoziierungs- und Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit Georgien.

Es ist ein Werk mit mehr als 1000 Seiten voller Paragrafen, Bestimmungen und technokratischer Begriffe. Sie regeln, wie die Gesetze angepasst werden müssen, damit sich für Georgien die Tür zur Europäischen Union ein Stück weit öffnet. Aber erst müssen diese Seiten in die EU-Sprachen übersetzt und juristisch überprüft werden. Bis das Abkommen in Kraft treten kann, werden noch Monate vergehen.

Eigentlich hätte der ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch an dieser Stelle glänzen sollen. Doch er selbst hatte die Rolle des bösen Schulbuben gewählt. Denn die Unterschrift unter das für die Ukraine vorbereitete Abkommen hatte er eine Woche vor dem Gipfel abgelehnt. Dennoch war er nach Vilnius gereist und hatte sich, so sagte ein westeuropäischer Diplomat verärgert, in der teuersten Hotel-Suite der Stadt einquartiert.

Janukowitsch konnte sich größter Aufmerksamkeit gewiss sein. Denn sein Land ist unter den sechs Ländern der östlichen Partnerschaft mit 45 Millionen Einwohnern das Schwergewicht. Doch Janukowitsch hatte sich getäuscht, wenn erwartet hatte, dass die EU in einen Bieterwettbewerb mit Russland um die Ukraine einsteigen würde. "Wir betreiben hier keinen Basar", sagte Schwedens Außenminister Carl Bildt. Sein Land hatte mit Polen die Idee der östlichen Partnerschaft entwickelt und vorangetrieben, auch um die sechs Ex-Sowjetrepubliken dem Einfluss Russlands zu entziehen.

Janukowitsch führte in den Gesprächen mit den Regierungschefs immer wieder den Druck von Seiten Russlands und die enge wirtschaftliche Verflechtung in Richtung Osten an, um sich zu rechtfertigen. Vor deutschen Journalisten äußerte Bundeskanzlerin Angela Merkel Verständnis für Janukowitschs Entscheidung und bot Unterstützung an: "Er hat viele Schwierigkeiten, was die Gaslieferungen anbelangt. Wenn die Ukraine das möchte, werden wir in Zukunft Gas zur Verfügung stellen. Aber wir müssen weiter arbeiten und es ist ein beschwerlicher Weg."

Im Gespräch mit Janukowitsch selbst wählte sie deutliche Worte: "Wir haben mehr erwartet", sagte sie ihm zum Aperitif am Donnerstag Abend, bevor sie einen großen Schluck Wein nahm. Bekannt wurde die Szene, weil das Büro von Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite ein Video davon veröffentlichte. Schmollend erklärte Janukowitsch, die wirtschaftliche Situation seines Landes sei schwierig und mit Russland gebe es große Probleme.

Grybauskaite antwortete auf diese Klage bei der Abschlusspressekonferenz, es sei eine Frage des politischen Willen, dem Druck Moskaus zu widerstehen. Schließlich sei es auch den baltischen Staaten gelungen, sich Russland zu entziehen. Dies waren klare Worte im Vergleich zu den immer wieder verwendeten Formulieren, für die Ukraine bleibe die Tür geöffnet und das Abkommen liege noch immer auf dem Tisch, die Ukraine müsse nur bereit sein, die Bedingungen zu erfüllen.

Doch zu durchschaubar ist Janukowitschs Ping-Pong-Strategie, sich mal Russland, mal Europa anzunähern. Er verfolgt das Ziel, von beiden Seiten zu profitieren, sich aber nicht auf deren Bedingungen einlassen zu wollen. Doch unter dieser Schaukelpolitik leidet die Ukraine, denn eine Lösung für die hohen Schulden, fehlenden Investitionen und die Abhängigkeit von Russland findet er so nicht. Seit mehr als einer Woche demonstrieren täglich Tausende gegen seine Entscheidung und seine Politik.

So schauen die Westeuropäer längst nach den anderen politischen Kräften in der Ukraine. Gelegenheit dazu bot sich auf den Nebenschauplätzen des Gipfels in Vilnius. EU-Spitzenvertreter sprachen mit dem ukrainischen Neu-Politiker und Ex-Profiboxer Vitali Klitschko bei einem Treffen der Europäischen Volkspartei (EVP), dem Zusammenschluss christdemokratischer Parteien in Europa.

Vor einer Pressekonferenz der EVP war Klitschko im regen Austausch mit dem Ex-Chef des georgischen Nationalen Sicherheitsrates, Giga Bokeria, und UNM-Fraktionschef David Bakradze anzutreffen, deren Partei Vereinte Nationale Bewegung in der EVP Beobachterstatus hat. Auf die Frage, ob er Klitschko Ratschläge für den Protest in der Ukraine gebe, sagte Bokeria, Klitschko brauche keine Ratschläge und er sei sicher, dass die Menschen in der Ukraine sich den freien Nationen anschließen werden.

Bokeria und seine Mitstreiter nutzten in Vilnius die Gelegenheit, ihre Sicht auf die innenpolitische Lage in Georgien zu präsentieren. So zeigte sich Elmar Brok, Chef des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament, besorgt: "Die georgischen Gesprächspartner haben gesagt: Auch bei uns darf die Opposition nicht im Gefängnis im landen. Die Frage nach selektiver Justiz ist in Georgien genauso wie in der Ukraine gegeben." Beim parallel zum EU-Gipfel stattfindenden Forum der Zivilgesellschaft lieferten sich Europaminister Alex Petriaschwili und UNM-Parlamentarier Giorgi Kandelaki mal wieder eine Diskussion über den Umgang mit Stalin-Denkmälern in Georgien.

Für etwas Verwunderung sorgte, dass Präsident Giorgi Margwelaschwili in einer kurzen Rede nach der Unterzeichnung des Assoziierungs- und Freihandelsabkommens nur auf das zweite ausgehandelte Abkommen einging, bei dem es um die Teilnahme Georgiens an Krisenmissionen der EU ging. Man könnte dies seiner Unerfahrenheit auf internationalem Parkett zuschreiben.

So fällt das Urteil über die Regierungsarbeit und die politische Lage in Georgien derzeit eher verhalten aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte lediglich, dass die Zusammenarbeit mit Georgien gut laufe und die Unterschrift unter das Assoziierungsabkommen ein großer Fortschritt und ein mutiger Schritt zugleich sei. Sie sagte aber auch Unterstützung zu, sollte Russland den Druck auf Moldawien und Georgien erhöhen, um so die endgültige Unterzeichnung der Assoziierungs- und Freihandelsabkommen zu verhindern. Schon vor dem Gipfel hatte Merkel Russlands Präsident Wladimir Putin gewarnt: "Um es klar zu sagen: Die Länder entscheiden allein über ihre künftige Ausrichtung. Ein Veto-Recht Dritter kann es nicht geben."

Doch, so viel wurde auch deutlich bei all den Gesprächen auf dem Gipfel, die georgische Regierung muss noch zeigen, dass sie ihr Land wirklich auf dem Pfad Richtung Westen halten will und dafür auch die versprochenen Reformen zum Beispiel für mehr Rechtssicherheit durchführen wird. Fürs Erste jedoch konnte sich Georgien neben Moldawien bei diesem Gipfel als Klassenbester feiern, auch wenn dies neben dem heiß diskutierten Fall der Ukraine in den Hintergrund rückte.

Thursday, June 27, 2013

REPORTAGE: Durchs wilde Dagestan. Inhalt Durchs wilde Dagestan Unentdecktes Land im Kaukasus. Ein Film von Ina Ruck (daserste.de)

Hier können sie das Video anschauen mediathek.daserste.de

(daserste.de) Wir wissen nur wenig von diesem Land: vom wilden Dagestan. Eine Region im Kaukasusgebirge, die zu Russland gehört – und die doch so weit von Russland entfernt scheint.


Tabasaran Gebiet - Hier leben dutzende Völker und sie sprechen dutzende Sprache. Die alte Handwerkskunst ist hier erhalten.
Zwischen Imam und Bergjuden

Seit Jahrtausenden ist die Gegend besiedelt, die alten Römer waren hier, Perser, Araber und Mongolen. Die Festungsstadt Derbent, malerisch am kaspischen Meer gelegen, ist die älteste Stadt des heutigen Russland. Sie ist muslimisch geprägt, gilt aber auch als Heimat der sogenannten kaukasischen Bergjuden. ARD-Korrespondentin Ina Ruck und ihr Team treffen dort einen muslimischen Imam, der seine predigten per Skype in die dagestanischen Hochgebirgstäler schickt. Einige seiner Gemeindemitglieder werden sie auf der Weiterreise besuchen.


In Kubatschi, liegt in 1080 Meter Höhe, herrscht eine jahrelange Tradition. Jedes Haus hat ein Zimmer voller Schätze.
Im atemberaubend schönen gebirgigen Hinterland leben Dutzende verschiedener Nationen – so zerklüftet sind die Berge, dass in jedem Tal eine andere Sprache, in jedem Dorf ein anderer Dialekt gesprochen wird. Und jedes Dorf hat seine Besonderheit – Kubatschi ist bekannt für seine Silberschmieden, Chutschni für seine bunten Teppiche. Und in Zowkra beherrscht jeder den Seiltanz.


Die Wasserträgerinnen aus Kubatschi holen täglich ihr Wasser, es gibt kein fliessendes.
Früher gab es hier keine Brücken, man nutzte dicke gespannte Seile – bis heute lernt jedes Kind, wie man auf einem Seil läuft. Aus Zowkra kommen deshalb bis heute viele Zirkusartisten. In den Ebenen des nördlichen Dagestans werden Pferde gezüchtet – auch die berühmte Pferderasse der Achal-Tekkiner. Russlands Präsident Putin überreicht diese besonderen Pferde gern als Gastgeschenk. 

Mehr: Der Kaukasuskonflikt - Ursachen und Hintergründe

Sunday, June 16, 2013

AUSZEICHNUNG: n-ost-Reportagepreis 2013: Die Preisträger - u. a. Meinrad Schade Nagorni Karabach – Der lange Schatten des Unabhängigkeitskrieges (n-ost)

Presseinformation des Netzwerks für Osteuropa-Berichterstattung

Preisträger n-ost-Reportagepreis 2013


n-ost-Reportagepreis 2013 geht an Andrea Roedig (Text), Elke Windisch (Radio) und Meinrad Schade (Foto)


(n-ost) Berlin, 14.06.2013 – Die Preisträger des n-ost-Reportagepreises 2013 sind Andrea Roedig („Macht, dass ihr rüberkommt!“, Der Standard ALBUM, 04.08.2012) in der Kategorie Text, Elke Windisch (Bruder Europäer – Das Dubrovniker Symphonieorchester, DLF, 12.06.2012) in der Kategorie Radio und Meinrad Schade (Nagorni Karabach – Der lange Schatten des Unabhängigkeitskrieges, Neue Zürcher Zeitung, 01. – 05.10.2012) in der Kategorie Foto.


Vor 200 Gästen wurde die Auszeichnung am Donnerstag, 13. Juni 2013, im Grünen Salon der Volksbühne Berlin zum siebten Mal verliehen. Die Preise übergaben die Jurymitglieder und Laudatoren Werner D’Inka (Herausgeber F.A.Z.), Silke Engel (Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio) und Lars Bauernschmitt (Hochschule Hannover).


Aus insgesamt 117 Einsendungen hatten die Juroren sechs weitere Beiträge nominiert:
Urs Mannhart (Gazprom heizt ein, Reportagen, Juni 2012) und Andreas Schneitter (Bauland, Repor-tagen, Februar 2012) in der Kategorie Text,
Stephan Ozsváth (Budapest, 15. März 2012, Nationalfeiertag. Ungarn auf der Suche nach sich selbst, RBB, MDR, WDR, 2012) und Rainer Schwochow (Geduldet – Leben im Zwischenraum, DLF, HR, 2012) in der Kategorie Radio,
Kirill Golovchenko (Kachalka. Muscle Beach, Geo, Neon u. a., 2012) und Helena Schätzle (9645 Kilometer Erinnerung, Verlag Nimbus Kunst und Bücher, 2012) in der Kategorie Foto.


Im Zentrum des Osteuropa-Abends, durch den Moderatorin Anja Heyde (ZDF-Morgenmagazin) führ-te, standen die ausgezeichneten Reportagen: Autoren und Fotografen berichteten persönlich von ihren Recherchen und stellten ihre preisverdächtigen Bildstrecken und Reportagen vor. Schauspieler Wolfgang Häntsch las Auszüge aus den drei nominierten Texten. Nach der Preisverleihung ging die Party mit den „Balkangrooves“ von DJ Pixie weiter.
Der n-ost-Reportagepreis ist in jeder Kategorie mit 2.000 Euro dotiert und geht an herausragende Osteuropa-Reportagen, die in deutschsprachigen Medien erschienen sind. Er soll Journalisten, Fotografen und Redaktionen zu qualitativer Berichterstattung ermutigen, herausragende Autoren auszeichnen und eine Debatte in Gang halten darüber, was „Osteuropa“ eigentlich ist und wie darüber erzählt und informiert wird.


Der n-ost-Reportagepreis 2013 wird unterstützt durch die Robert Bosch Stiftung sowie die METRO GROUP in Düsseldorf.



Preisträger 2013


TEXTREPORTAGE

Andrea Roedig
„Macht, dass ihr rüberkommt!“, Der Standard ALBUM, 04.08.2012
„Was sagt uns die Geschichte einer Flucht aus dem Rumänien der Ceauşescu-Zeit – heute, fünfzig Jahre später? Viel, wenn man sie so erzählt wie Andrea Roedig. Denn jede Entscheidung vernichtet Optionen. Wer geht, kann nicht zugleich bleiben. Und wer etwas gewinnt, gibt auch etwas auf. Wann und wo auch immer Menschen ihre Heimat verlassen, freiwillig oder unter Druck, wird das so sein. Davon handelt Andrea Roedigs Reportage, geschrieben in einer klaren Sprache, die sich auf die Men-schen einlässt, aber immer respektvolle Distanz wahrt.“
Laudator Werner D’Inka, Herausgeber der F.A.Z.


RADIOREPORTAGE
Elke Windisch
Bruder Europäer – Das Dubrovniker Symphonieorchester, DLF, 12.06.2012
„Eine großartige Allegorie auf die Vielvölker-Familie Europa! Die trotz aller Konflikte und Zerrissen-heit Identität stiftet. Wie in den Reihen des Symphonieorchesters Dubrovnik. Die Musiker sind so bunt wie die Stadt selbst, offen, tolerant. Sogar während des Kriegs im damaligen Jugoslawien halten sie die europäische Idee hoch: indem sie Beethovens „Neunte“ einstudieren. Die Aufführung gelingt dem Orchester erst 20 Jahre später, doch der Weg dorthin bleibt beispielhaft und zeigt, was Europa im Kern zusammenhält. Welch schöne Geschichte – eindrucksvoll, mitreißend und dicht erzählt!“
Laudatorin Silke Engel, Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio, rbb

Podcast >>>

FOTOREPORTAGE
Meinrad Schade
Nagorni Karabach – Der lange Schatten des Unabhängigkeitskrieges, Neue Zürcher Zeitung, 01. – 05.10.2012
„Der Foto-Essay von Meinrad Schade verwirrt den Betrachter, weil er keine einfache, schnell lesbare Information liefert. Die Bilder sind nicht bequem konsumierbar, sondern verunsichern durch schein-bare Widersprüche und zwingen so zur längeren Auseinandersetzung mit dem Dargestellten. Die Brüche in den Fotos dienen als visuelle Übersetzungen der Stimmung in der Region. Den Betrachtern stellen sich Fragen, deren Antworten offen bleiben – so offen wie die weitere Entwicklung des Staa-tes Nagorni Karabach, den bisher niemand anerkennt.“
Laudator Lars Bauernschmitt, Hochschule Hannover


Meinrad Schade: Berg-Karabach – der lange Schatten des Unabhängigkeitskriegs 
Foto-Tableau  
1991 wollte sich die kleine Bergregion Berg-Karabach von Aserbeidschan trennen und erkämpfte mit Armeniens Hilfe die Unabhängigkeit; als Staat ist sie aber bis heute nicht anerkannt. Der Schweizer Fotograf Meinrad Schade hat sich dort umgesehen. 
Bildergalerie >>> 
 


Jurys 2013

TEXTREPORTAGE
Christian Böhme Journalist, ehem. Chefredakteur „Jüdische Allgemeine“
Werner D'Inka Herausgeber Frankfurter Allgemeine Zeitung
Henrik Kaufholz Redakteur Politiken, Kopenhagen
Sonja Margolina Publizistin und Autorin
Uwe Neumärker Direktor Stiftung Denkmal der ermordeten Juden Europas
Horst Pöttker Professor am Institut für Journalistik, TU Dortmund


RADIOREPORTAGE
Sabine Adler Korrespondentin in Warschau, Deutschlandfunk
Silke Engel Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio, rbb
Uwe Leuschner Vice-President Business Development CIS, DB Schenker Logistics
Jürgen Webermann Reporter NDR Info
Marianne Wendt Autorin und Regisseurin für Theater, Hörfunk und Film


FOTOREPORTAGE
Lars Bauernschmitt Professor für Fotojournalismus und Dokumentarfotografie
an der Hochschule Hannover
Michael Biedowicz Bildchef ZEITmagazin
Tomasz Dąbrowski Direktor des Polnischen Instituts Berlin
Pepa Hristova Freie Fotografin
Ute Mahler Professorin für Fotografie an der HAW Hamburg, Fotografin
Daniel Nauck Fotograf und Multimediaproducer bei 2470media
Michael Trippel Fotoreporter


Unterstützt durch

Robert Bosch Stiftung, METRO GROUP
 
Pressekontakt
Sarah Portner
Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung n-ost
Neuenburger Straße 17
10969 Berlin
+49-30-259 32 83-11
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Monday, May 27, 2013

VIDEO: 360° - Geo Reportage: Georgien, die Wiege des Weins (youtube.com)


Georgien galt zu Sowjetzeiten als der Weinkeller der UdSSR. Auch nach dem Zusammenbruch des Riesenreiches blieb Wein eines der wichtigsten Exportgüter des Landes. Erst seit Russland ein Embargo verhängt hat, ist der Export dramatisch eingebrochen, und Georgien sucht nach neuen Absatzmärkten. Denn der Weinanbau im Kaukasus läuft nach wie vor auf Hochtouren, wird Jahr für Jahr sogar effektiver. Kleinbauern, freie Kooperativen und Weingüter nach westlichem Vorbild wetteifern um Ertrag und Qualität. "360°- Geo Reportage" zeigt eine Weinregion im Wandel, zerrissen zwischen einer Jahrtausende alten Tradition, dem sowjetischen Erbe und den Anforderungen des modernen Marktes.

Wer sich in Georgien begrüßt, fragt nicht: "Wie geht es dir?", sondern "Wie geht es Deinem Weinstock?" Wein ist hier heilig. Experten gehen sogar davon aus, dass Georgien eines der Ursprungsländer für den Weinanbau ist; seit Jahrtausenden werden die Reben unter idealen klimatischen und geologischen Bedingungen gezüchtet. Zu Sowjetzeiten belieferte das Land die gesamte UdSSR mit dem traditionell süßen Wein. Etwa 85 Prozent der Produktion wurden exportiert. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems war Russland noch immer der größte Abnehmer; seit es jedoch starke Konflikte zwischen beiden Ländern gibt und Moskau ein Embargo verhängt hat, leidet Georgien unter einem Absatzproblem. Denn der Wein wird weiter angebaut und gelesen.

Um weltmarktfähig zu werden und neue Kunden zu gewinnen, suchen die georgischen Winzer nach Strategien, um ihre Ware international zu vermarkten. Einer von ihnen ist Dato Maïsouradzé. Zusammen mit anderen Winzern versucht er, den georgischen Wein unter einer Qualitätsmarke zu etablieren. Kein leichtes Unterfangen, denn bisher unterlag die Produktion eher dem Prinzip Masse statt Klasse. Hinzu kommt, dass nach den Jahren der kommunistischen Planwirtschaft jeder Weinbauer allein auf seiner Parzelle wirtschaftete.

Kooperativen assoziieren diese Menschen immer noch mit gefürchteter Vormundschaft und staatlicher Kontrolle. Dennoch will Dato Maïsouradzé die Bauern für sich gewinnen und ihre Kräfte gewinnbringend bündeln. Ihre Anstrengungen tragen nun erste Früchte: Wird die Zukunft des georgischen Weins etwa in China liegen?

Saturday, May 04, 2013

VIDEO: Einmal um das Schwarze Meer. ARTE Reportage by Vladimir Vasak (videos.arte.tv)



(videos.arte.tv) Von Vladimir Vasak, Sébastien Guisset et Florence Touly – ARTE GEIE –Frankreich 2009

ARTE Reportage - 11.07.2009

Erstausstrahlungstermin: Sa, 11. Jul 2009, 19:00

Saturday, January 26, 2013

TRAVEL: Jessica Hynes: Tbilisi or bust (guardian.co.uk)

(guardian.co.uk) Jessica Hynes wanted churches, art, poetry. Her sister? Not so much. Would they get through their city break to the Georgian capital without squabbling?

The Guardian homeBy Jessica Hynes 
The Guardian,

The last time I travelled with my sister Zoe was a trip to Turkey 17 years ago. She beat all the men off the backgammon table, I tried to hire a moped without a licence and nearly crashed it, and my mother got so badly sunburned she had to stay in her hotel room. This trip was infinitely more sophisticated – not, as you might think, because we are old bags, but because Tbilisi is heaven on Earth. Not just because you can still smoke, or because the food you eat in every restaurant is fresh, seasonal and unlike anything you've ever eaten, or because you can drink usakhelauri, a wonderful light semi-sweet red wine (I am cradling a bottle to open on my sister's birthday). But also because, despite relentless onslaughts over centuries from unfriendly neighbours, the Georgian culture and spirit remain undimmed.

It was the Georgians I met while filming the BBC show World's Most Dangerous Roads whose enthusiasm, kindness and pride in their country inspired me to return. My sister is a fashion designer and jumped at the chance to join me. She and I travelled a lot as children, to stay with relatives in Canada and America in the summer holidays. As adults, we have both been all over the world for work, but rarely for pleasure. With five children between us and the busy, erratic schedules of self-employed mums, a weekend away from it all felt well overdue.

My intention was to push life's stresses from my sister's head by filling it with the wonders of the city (ie, waffle on at her) – something she let me do, a wry smile at the corner of her mouth.

First up was the Kashveti Church on Rustaveli Avenue. An eclectic array of framed religious paintings climb the walls, but beneath is a grey wash, all the original religious murals gone – the Communist contribution to this beautiful place. My sister and I refrained from whipping out our cameras and capturing a rather handsome portrait of Jesus because it felt disrespectful, but trust me, he really did look a bit like James Franco.

Next door was the National Gallery of Georgia. The gallery space is huge and grand, with comfortable benches for sitting and looking, which is what we did with great pleasure, this trip being a rare chance to evade childcare. We both loved Imeretia – My Mother, a stunning portrait of painter David Kakabadze's mother doing needlework. It made me feel desperately inadequate that I have not, as yet, ever crocheted a pair of socks.

Jessica Hynes and her sister Zoe at the Kashveti Church in Tbilisi
Photograph: Temo Bardzimashvili

Wednesday, January 02, 2013

FERNSEHEN. Nun auf 3sat - die Dokumentationsreihe zur Seidenstrasse vom SRF mit Georgien und Aserbaidschan (3sat.de)

Bidsina Ivanishvili, Präsident von Georgien, mit Peter Gysling © SRF-RetoVetterliSeidenstraße, Teil 2 (Georgien)
2. Januar 2013, 20.55 Uhr
Wiederholung:
6. Januar 2013, 16.30 Uhr
Von Venedig nach Xi'an mit Peter Gysling
Von trinkfreudigen Bauern, felsenfesten Glaubensbrüdern, vergessenen Flüchtlingen und menschenfreundlichen Milliardären.

Auf Marco Polos Spuren reist der Kaukasus- und Zentralasienexperte Peter Gysling von Venedig bis nach Xi’an in China und vermittelt so auf ganz persönliche Weise den Charme und den Mythos des Reisens auf den historischen Handelswegen.

Peter Gysling nimmt das Fernsehpublikum mit auf ein großes Abenteuer: Er bereist eine der Nordrouten der Seidenstraße, von Venedig nach Xi'an.

Die zweite Etappe der siebenteiligen Reihe "Seidenstraße" führt durch Georgien - von Batumi über Tiflis nach Lagodekhi. Batumi, die Ferienmetropole am Schwarzen Meer, wird rigoros ausgebaut. Die neuen Casinos und Fünfsterne-Hotels wirken wie ein potemkinsches Dorf. In der wilden Bergwelt der Region Adscharien entdeckt Peter Gysling ein ganz anderes Georgien. Die Menschen dort leben von einer bescheidenen Landwirtschaft und wirken besonders engagiert und selbstbewusst. Im monumentalen Felskloster Vardzia betet Vater Lazare für Gott, für sein Land und für sein Volk. Der steilen Felswand wurden vor 800 Jahren Tunnel und Terrassen für bis zu 50.000 Menschen abgetrotzt, die Höhlenräume sind auf sieben Stockwerken labyrinthartig miteinander verbunden. Der 56-jährige Bidsina Iwanischwili hat in Russland mit Computern, Telefongeräten und einer Kreditbank ein Vermögen verdient.

Seit seiner Rückkehr nach Georgien versteht sich Iwanischwili als Menschenfreund. Er hat zahlreiche Staatsaufgaben finanziert und seinen Heimatbezirk Satschkere mit Geldsegen beglückt. Der öffentlichkeitsscheue Milliardär führt Peter Gysling durch seinen Tifliser Glaspalast, der eine schöne Kulisse für einen James-Bond-Film geben würde. Mit seinem Parteienbündnis hat Iwanischwili jüngst die Parlamentswahlen gewonnen. Sein Ziel: Hunderttausende von Arbeitsplätzen schaffen und Georgien von der Armut befreien.

Morgen:
3. Januar 2013, 20.15 Uhr
Wiederholung:
7. Januar 2013, 17.25 Uhr

Peter Gysling nimmt das Fernsehpublikum mit auf ein großes Abenteuer: Er bereist eine der Nordrouten der Seidenstraße, von Venedig nach Xi'an

Die dritte Etappe der siebenteiligen Reihe "Seidenstraße" führt durch Aserbaidschan, von Sheki über Naftalan nach Baku. Aserbaidschan ist berühmt für seine Teppichtradition. Die Zeiten der kleinen Familienbetriebe sind allerdings vorbei. Peter Gysling besucht die privatisierte Seidenfabrik in Sheki, einst die größte Seidenproduktionsstätte der Sowjetunion. Heute arbeiten dort rund 900 Weberinnen, fertigen in Handarbeit Baumwoll- und Seidenteppiche nach traditionellen Vorlagen und bewahren so das kulturelle Erbe. In der Stadt Naftalan tritt Schweröl ohne komplizierte Förderung an die Erdoberfläche. Das Kur-Baden im schwarzen Gold ist seit Sowjetzeiten ein Hit: Es hilft angeblich gegen Rheuma, Arthritis und Schuppenflechte. Peter Gysling gewinnt einen heiteren Einblick in die skurrile Welt der Ölwannen und Bademeister. Die Faszination des aserbaidschanischen Ölbooms erlebt er auch auf Neft Dashlari mitten im Kaspischen Meer: Es ist die größte Offshore-Plattform der Welt. Die Fotografin Rena Effendi nennt man "das soziale Gewissen Aserbaidschans". Sie dokumentiert in Bildern das Schicksal all jener, die trotz des Ölreichtums in Armut leben. Freie Wahlen und freie Medien gibt es nicht in Aserbaidschan. Als junger Mensch müsse man seine Wahl treffen, die schwerwiegende Konsequenzen haben könne: Zugunsten des autokratischen Präsidenten Rakhat Aliyev - oder zugunsten einer ersehnten freien Demokratie. Peter Gysling trifft eine unerschrockene Gruppe aus der Blogger-Szene in Baku.

Friday, October 26, 2012

DOK-SERIE: Trailer "DOK - Seidenstrasse" ab 9.11.2012 auf SF 1 (videoportal.sf.tv)

(videoportal.sf.tv) In sieben Folgen macht Peter Gysling das Publikum bekannt mit den vielfältigen Kulturen und grossartigen Landschaften entlang der legendären nördlichen Route. Das Abenteuer führt die profilierten Kaukasus- und Zentralasien-Kennerinnen und -Kenner sowie alle Interessierten von Venedig nach Xi'an in China.

+++ Mit einem ausgesprochen tollem Team war ich unterwegs in Georgien. Es hat mir sehr viel Spass gemacht mit Helen Stehli Pfister, Chirtoph Müller, Peter Gysling, Reto Vetterl, Pascal Nufer, Laurent Stoop, Maja Kobaidze, Dinara Diana Maglakelidze, Jago Arabuli  zusammenzuarbeiten. Vor allem auf den zweiten Teil der Reportage über Georgien bin ich sehr gespannt, und dann auch auf den dritten Teil über Aserbaidschan, wo Alina Abdullayeva die Kontakte hergestellt hat ... Im Südkaukasus sind zu sehen u.a.: Vater Lazare im Höhlenkloster Wardzia, Bidsina Iwanischwili in Tbilisi, Eter Turadze in Batumi, Lasha Bakradze in Tbilisi, Rena Effendi in Baku und viele andere mehr . Dank auch durch die Unterstützung von kaukasus-reisen.de (Ralph Hälbig, 26.10.2012) +++

 

DOK - Seidenstrasse vom 19.10.2012


Ab 9.11. 2012 um 21.00 Uhr auf SF 1 

Friday, October 12, 2012

REPORTAGE: Die christlichen Heiden des Kaukasus. Von Tatjana Montik (derstandard.at)

(derstandard.atGeorgien ist im Westen vor allem durch seine brisante geopolitische Lage und den Konflikt mit Russland bekannt. Zu seinen landschaftlich und kulturell reizvollsten Regionen zählt Swanetien im Großen Kaukasus.

Zwei der dutzenden Wehr- und Fluchttürme in Swanetiens 
Hauptort Mestia, die mit staatlicher Hilfe renoviert wurden. Die Zahl 
ihrer Türme gab über Wohlstand und  Einfluss einer Familie Auskunft. Zur
 Zeit der Blutrache dienten sie ganzen Clans als Zufluchtsorte.
Mestia - Wer heute nach Swanetien reist, erfährt die Geschichte, die Traditionen und die legendäre Gastfreundschaft dieses kaukasischen Volkes hautnah. Dazu braucht man nur in einer der zahlreichen Gastfamilien Unterkunft zu finden. Und das Angebot ist groß und günstig: rund 25 Euro pro Person und Nacht mit Vollpension. Mestia, Swanetiens "Hauptstadt", ist derzeit eine einzige Baustelle. Es wird renoviert und gebaggert, die Zentralstraße wird neu gepflastert, die alten Häuser werden mit neuen Dächern, Fenstern und Holzbalkonen versehen.

Über die Swanen erzählt man sich in Georgien so einiges. Etwa dass sie trotz ihres christlich-orthodoxen Glaubens heimliche Heiden geblieben seien (siehe Wissen). Oder dass Frauen nie allein nach Swanetien reisen dürften, weil die swanischen Männer unberechenbar seien.

Unsere Gastfamilie ist jene von Murad und Larissa Margiani. Murad ist Architekt, gebürtiger Mestianer, während seine Frau Ukrainerin aus Sibirien ist. Nach der Heirat zog sie in die Heimat ihres Mannes, um nach swanischer Tradition ihren alten Schwiegereltern einen sorglosen Lebensabend zu sichern. "Diese gute Tradition, die Alten zu verehren und für sie zu sorgen, war mir sofort sympathisch", erzählt Larissa, "denn dann weiß man sicher, dass man selber im hohen Alter gut aufgehoben ist." Inzwischen steht Larissa selber an der Spitze einer Großfamilie, die sie mit ihren drei Söhnen reicher gemacht hat.

Die georgische Gastfreundschaft ist bekannt und berühmt. Hier in Swanetien, in der Margiani-Familie, bekommt man das Gefühl, dass die Gastgeber nur für ihren Besuch da sind. Vom Zimmerbalkon aus bietet sich ein wunderbarer Blick auf ganz Mestia, dessen zahllose Türme und auf den Kaukasus mit über 4000 Meter hohen Gipfeln.

Jede Mahlzeit wird zu einem lukullischen Fest, bei dem eine Mischung aus georgischen, russischen und ukrainischen Speisen dargeboten wird. Hausgemachter Topfen und Matsoni, georgisches Joghurt, Palatschinken, dünn wie feine Spitze, die mit hausgemachten Marmeladen serviert werden, pikant gewürztes Fleischragout mit jungen Erdäpfeln und milchsauer eingelegten Gürkchen, nach frischen Kräutern duftender Bohneneintopf, zarte Jungsaiblinge, Salatvariationen, Zwetschkensoßen, vieles mit mit dem berühmten, aromatisch-pikanten swanischen Gewürzsalz versehen.

Gastgeberin Larissa Margiani mit einigen Köstlichkeiten ihrer vielfältigen Küche.
Gastgeberin Larissa Margiani
Larissa Margiani kümmert sich um Haushalt und Landwirtschaft, betreut die Gäste. Daneben führt sie Touristengruppen durch das Hausmuseum, während ihr Mann bei der Restaurierung der zahlreichen Wehrtürme mitarbeitet. Als sie 1985 nach Swanetien kam, gab es hier weder Wasserleitung noch Kanalisation. "Gewaschen habe ich am Fluss, das Wasser holte ich vom Brunnen. Und in den wilden 90ern, als hier Banditenwillkür und Mangel an allen Waren des täglichen Bedarfs herrschte, habe ich sogar gelernt, Seife selber zu kochen", erinnert sich die gebürtige Sibirierin ukrainischer Abstammung.

Durch die Entwicklung der touristischen Infrastruktur, im Sommer wie im Winter, haben die Swanen nach und nach mehr Beschäftigung bekommen und ihren Lebensstandard verbessert, berichtet Larissa. Deshalb hat sie sich vor den Parlamentswahlen für die Vereinigte Nationale Bewegung, die Partei von Präsident Michail Saakaschwili engagiert und Unterschriften gesammelt.

Umstrittener Bauboom

"So viel wurde in letzter Zeit bei uns bewegt und gemacht. Es gibt Familien, die sich ohne die staatlichen Hilfen eine gründliche Hausrenovierung nie hätten leisten können." Damit spricht sie den von Saakaschwili im ganzen Land ausgelösten Bauboom an, der in manchen Bereichen, etwa bei teuren Repräsentativbauten, nicht unumstritten ist.

Bei der Führung durch das Museum der Margianis besichtigt man nicht nur ein typisches swanisches Haus aus dem 12. Jahrhundert mit Inventar und den familieneigen Friedhof, sondern man besteigt auch einen der berühmten über 20 Meter hohen Wehrtürme von Mestia und erfährt Details über Sitten und Alltag der Swanen.

Noch bis vor kurzem war in Swanetien die Blutrache verbreitet, die sich oft nicht nur auf eine, sondern auf zwei oder drei Generationen ausdehnte. Zwischen den Clans wurden regelrechte Rachefeldzüge ausgetragen, de nen bis zu 14 Männer auf jeder Seite zum Opfer fielen.

Und um sich vor diesen Rachezügen zu schützen, flüchtete der ganze Familienclan in einen seiner Wehrtürme, der mit Vorräten versorgt und durch unterirdische Gänge mit dem Haus und dem nahe liegenden Wald verbunden war. Manche Familien lebten bis zu einem Jahr in ihren Türmen.

Laut einer Statistik kamen etwa zwischen 1917 und 1924 in Swanetien 600 Männer durch Vendetta ums Leben. Bis heute ist die Blutrache nicht völlig verschwunden. Man praktiziere sie bloß auf eine andere Weise, indem man die gesamte Sippe aus dem Dorf verbanne, erzählt unsere Führerin. Und für einen Swanen gebe es keine schlimmere Strafe, als seine Heimat zu verlieren.

Von Reichtum und Einfluss einer swanischen Familie zeugte unter anderem die Zahl ihrer Wehrtürme. Die einzigartige Bauart der Türme, denen ein eierförmiges Fundament zugrunde liegt, erwies sich über Jahrhunderte als sicherer Schutz auch vor Naturgewalten, etwa Lawinen.

Georgiens Schatzkammer

Der Familie Margiani gehörten einmal acht Türme, von denen vier noch heute stehen, und ein eigener Friedhof. In dieser Friedhofskirche sowie in den anderen über die Berge verstreuten zahlreichen Kirchen, von denen viele mit wertvollen Fresken geschmückt sind, wurden die Schätze des Dorfes, alte Bücher und Schriften aufbewahrt.

Einiges an Kunstgegenständen kam aus ganz Georgien nach Swanetien, denn diese Region war durch ihre schwer erreichbare Lage mitten in den Bergen vor Kriegen und anderen großen Konflikten bewahrt geblieben. Der Legende nach suchten hier die Argonauten nach dem Goldenen Vlies. Swanische Künstler waren für ihre einzigartigen Gravuren auf Ikonen berühmt. Viele dieser Ikonen gibt es noch heute zu sehen, unter anderem in der reichhaltigen Sammlung des Ethnografischen Museums von Mestia, das nach zweijähriger Renovierung in diesem Herbst wiedereröffnet werden soll.

Viele alte Kirchen liegen am Weg zum Dorf Uschguli, 40 Kilometer von Mestia entfernt. Uschguli, das wie andere alte Ortschaften zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, ist das höchstgelegene Dorf Europas und das zweithöchste der Welt. (Tatjana Montik, DER STANDARD, 2.10.2012)

Wissen: "Dünne Wand" zwischen den Welten

Swanetien ist eine historische Region Georgiens im Großen Kaukasus. Es schließt im Westen an die abtrünnige Region Abchasien an, die von Russland (aber nicht international) als unabhängiger Staat anerkannt wird, ebenso wie Südossetien seit dem georgisch-russischen Krieg im August 2008.

Die Teilregionen Oberswanetien (Georgisch: Semo Swaneti) und Niederswanetien (Kwemo Swaneti) werden durch das Swanische Gebirge getrennt. In Oberswanetien leben heute etwa 45.000 Menschen. Seine Bergdörfer gehören zum Weltkulturerbe der Unesco. Hauptort der gesamten Region ist Mestia.

Die Swanen werden sowohl von den Griechen als auch von den Römern erwähnt. Das Für-stentum Swanetien gliederte sich etwa im 12. Jahrhundert dem georgischen Königreich an.

Für gläubige Swanen existiert zwischen Diesseits und Jenseits nur eine "dünne Wand", sodass die Verstorbenen einen wichtigen Teil ihres kulturellen und religiösen Lebens darstellen. Sie glauben, dass ihre verstorbenen Angehörigen sich um das Seelenheil der Lebenden kümmern. Zum Dank werden beim Lipanali-Fest (18. Jänner) die Seelen der Verstorbenen bis zum nächsten Morgen in den Häusern ihrer lebenden Angehörigen bewirtet.

Gottesdienste werden außen an der Kirche abgehalten, wo auch weltliche Persönlichkeiten wie Könige abgebildet sind. Das Kircheninnere ist den Seelen der Verstorbenen vorbehalten. (red)