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Thursday, July 27, 2017

TRAILER: I Didn’t Cross the Border, The Border Crossed Me (English subtitles). Documentary by Toma Chagelishvili


I Didn’t Cross the Border, The Border Crossed Me (English subtitles) from Rise and Shine on Vimeo.
The villagers of Churvaleti knew since the end of the Georgian war in 2008 that they were living on a border. Life was simple, but not far from normal. Until a while ago, when Russian patrols started drawing the borderline and putting up barbed wire fences. In Churvaleti, the barbed wire fence goes right through the village. Families and communities got divided. Every other hour border patrols pass by and put anyone in captivity who come close to the fence. In spite of this menace, the villagers find ways to stay in touch with their relatives and friends across the line. Life goes on, but will it ever be the same again?


Zu sehen am 25. August in Berlin
Screening: I didn´t cross the border, the border crossed me


Georgia / Germany 2015
Wann: Freitag, 25. August 20:30 Uhr
Wo: 800A | Stettiner Straße 19, 13357 Berlin
Veranstaltung organisiert von 18591KM www.18591km.org


Nach dem Film folgt eine Diskussionsrunde zwischen dem Regisseur Toma Chagelishvili, dem kreativen Produzenten Veronika Janatková und dem Publikum

SYNOPSIS
Seit dem Ende des Georgien-Krieges im Jahr 2008 leben die Dorfbewohner von Churvaleti direkt an der russischen Grenze. Bisher war das Leben einfach. Doch dann begannen russische Soldaten eine Grenze zu ziehen und Stacheldrahtzäune aufzustellen. In Churvaleti verläuft die Absperrung quer durch das Dorf. Familien und Gemeinden sind seither getrennt. In regelmäßigen Abständen patrouillieren Soldaten entlang der Grenze und nehmen jeden fest, der ihr zu Nahe kommt. Trotz der gefährlichen Konsequenzen finden die Dorfbewohner aber immer wieder Wege den Kontakt mit ihren Verwandten und Freunden über den Stacheldrahtzaun aufrecht zu halten. Das Leben geht weiter aber wird es jemals sein, wie vorher?
 
Weitere Veranstaltungen auf www.kulturgeorgien.com

Sunday, January 10, 2016

SÜD-KAUKASUS: Region Berg-Karabach - In einem Land, das es nicht gibt. Von Sven Töniges (deutschlandfunk.de)

(deutschlandfunk.de) Berg-Karabach, eine Region im Südkaukasus, ist seit fast 25 Jahren eine selbsternannte Republik. Seit Jahrhunderten streiten Armenier und die heutigen Aserbaidschaner um die Bergregionen. Bis 1994 wurde dort Krieg geführt, seitdem halten armenische Truppen Berg-Karabach und rund ein Sechstel Asaerbaidschans besetzt. Ein Lösung ist nicht in Sicht, eine Reise war es trotzdem wert.

Von Sven Töniges


Foto: Maxence Peniguet


"Oh, du geliebtes Heimatland", singen die Männer. "Oh, Ihr meine hohen Gipfel". Die geliebten hohen Gipfel: Das sind die Zweieinhalbtausender des Südkaukasus, die geliebte Heimat: Das ist Berg-Karabach. Rund 50 Männer sind an diesem Abend in die Stadt Shuschi gekommen, die allermeisten tragen Tarnfleck. Sie wollen ihre Heimat besingen - und ihre gefallenen Kameraden, mit denen sie gekämpft haben vor mehr als 20 Jahren. Der Besucher aus Deutschland wird etwas bestaunt. Nicht allzu oft kommen Touristen vorbei in ihrem schönen Land und in ihrem schönen Staat - den es eigentlich gar nicht gibt. Aber der Reihe nach.

Kommen Sie nach Berg-Karabach, hatte mir Herr Khachian gesagt auf der Tourismusmesse in Berlin. Einfach, weil es wunderschön dort ist, hatte er gesagt. So ähnlich wie in der Schweiz. "Karabach – Ein versteckter Schatz", und: "Ein unentdeckter Schatz", stand auf den Prospekten, die mir Herr Khachian in die Hand drückte.

Berg-Karabach, oder: Nagorny-Karabach. Da ist ein leises Echo irgendwo aus den Nachrichten der frühen 90er-Jahre; irgendwas mit Kaukasus kommt einem da in den Sinn. Irgendwas mit der kollabierenden Sowjetunion. Einer dieser sowjetischen Nachfolgekriege, für die sich Europa bald nicht mehr interessierte. Wie in der Schweiz also soll es dort sein, in Berg-Karabach.

Ein paar Wochen später überreicht mir der nette Beamte ein Visum der Republik Nagorny-Karabach. Rund fünf Stunden hatte das Sammeltaxi von Eriwan gebraucht über den mächtigen Worotan-Gebirgspass nahe der Grenze zum Iran. Ein unscheinbares Gebäude offenbart sich als Grenzstation. Eine große Schautafel heißt die Besucher willkommen: Republik Berg-Karabach, steht da. 140.000 Einwohner, zu 98 Prozent Armenier, Territorium: 12.000 Quadratkilometer.

Dieser Staat existiert nicht

Was hier nicht steht: Dieser Staat existiert nicht. Nicht nach Ansicht der Vereinten Nationen oder dem Europarat. Völkerrechtlich befinden wir uns in Aserbaidschan. Kein einziger Staat der Welt hat die Republik Berg-Karabach anerkannt - nicht einmal der große Bruder: Armenien. Dabei hatte Armenien zwischen 1992 und 1994 mit Aserbaidschan einen blutigen Krieg um die damalige Exklave Karabach geführt. Die Armenier siegten. Und doch traut sich Jerewan bis heute nicht, die Karabach-Republik anzuerkennen - geschweige denn sich einzuverleiben. Im gleichen Moment würde der Krieg wieder ausbrechen.

Das Taxi schraubt sich ein enges, satt grünes Tal hinauf. Die Straße ist gut ausgebaut. Der Asphalt ist frischer, die Leitplanken sind neuer als eben noch auf der armenischen Nationalstraße. Oben wartet Bergpanorama. Sanft geschwungene Kämme, dahinter felsige Gipfel. Die Schweiz? Kommt schon hin. Bergkarabach oder Nagorny-Kara-Bach: Das bedeutet wörtlich: der bergige schwarze Garten. Aus drei Sprachen speist sich der Name: Russisch, Türkisch und Persisch. Ein erster Hinweis darauf, dass diese Gegend stets Zankapfel der Großmächte war - und ist.

Was denn das für lange Metallseile seien, die da immer wieder über das Tal gespannt sind? Seilbahnen?, frage ich meinen Sitznachbarn. Nein, sagt er, das ist zur Abwehr von Hubschraubern. Dann ein Ortsschild: "Stepanakert". Hauptstadt der Republik Bergkarabach.

Perfektes sowjetisches Kleinstadt-Idyll

Gepflegte neoklassizistische Straßenlaternen aus der Sowjetzeit werfen ihr Licht auf besenreine Straßen; ein Väterchen mit Schirmmütze zieht akkurat einen Zebrastreifen nach. Uniformierte mit breiten Tellermützen schlendern rauchend die Straße entlang. Hie und da rollt ein Wolga oder ein Lada vorbei. Perfektes sowjetisches Kleinstadt-Idyll.

Auch nebenan auf der "Allee der Liebenden", einer etwas zu großzügig geratenen Freitreppe.

Hier stehen Artak Grigorian und seine Frau Gayane. Das Paar erwartet in drei Wochen die Geburt ihres ersten Kindes, erzählen sie. Sie sei sehr aufgeregt, sagt die 21-jährige Gayane. Sorgen, dass ihr Kind in einem Land aufwächst, das sich de jure im Kriegszustand befindet, habe sie nicht.

"Nein, natürlich nicht. Mag sein, dass man in Europa Bergkarabach mit Konflikt- und Krisengebiet gleichsetzt. Wir leben hier in unserer Heimat. Und wir leben in Frieden hier. Wir hoffen, dass unsere Kinder auch in Frieden leben werden."

Dass das so bleibt, dafür sorgt eine Armee mit geschätzten 30.000 Soldaten - und das bei gerade einmal 100.000 Einwohnern - eine wiederum geschätzte Zahl. Die real existierende Armee ist die größte Rückversicherung des Operetten-Staates Berg-Karabach. Alle anderen Institutionen haben nicht allzu viel zu melden: Nicht der international nicht anerkannte Präsident in seiner großen Residenz in Stadtzentrum, nicht das international nicht anerkannte Parlament im üppigen Neubau gegenüber.

Wahrlich präsidial ist indes auch das Büro von Sergey Shahverdiyan. Der Chef der Behörde für Tourismus und Erhaltung der historischen Umwelt der Republik Berg-Karabach hat mich geladen, um mir zu erklären, warum die Zukunft seines Landes im Tourismus liege. Vier Telefone stehen auf dem tiefen Schreibtisch. Sergey Shahverdiyan hat Großes vor. Er will den Tourismus zur Schlüsselindustrie seines Landes ausbauen, zum Hauptdevisenbringer. Ob das nicht etwas zu ehrgeizig sei, in einer Region, die wenn überhaupt nur als Krisengebiet bekannt ist?

Nein, sagt Herr Schahverdiyan, seit 1995 hole er jetzt schon Touristen ins Land. Noch sei nie jemand verletzt worden. "Berg-Karabach, das ist für Besucher sicherer als Berlin!"

4.000 Jahre Geschichte hat Herr Khachian in Berlin versprochen. Reiseführer Narek präsentiert nun eine der archäologischen Perlen von Berg-Karabach: die Ausgrabungen von Tigranakert rund eine halbe Autostunde von der Hauptstadt Stepanakert entfernt. Die archäologische Stätte liegt am Fuße eines Bergrückens. Ab hier erstreckt sich nur flaches Land, Steppe.

Diese Stadt wurde vom armenischen König Tigran dem Großen gebaut, erzählt Reiseführer Narek. Tigran regierte von 95 bis 55 vor Christus.

Die Bedeutung Tigrans, sagt Narek, könne nicht hoch genug geschätzt werden. Es sei der wichtigste Herrscher der armenischen Geschichte gewesen. Vom Mittelmeer bis zur kaspischen See erstreckte sich sein Reich. Armenien von Meer zu Meer, wurde es genannt.

Zu Sowjetzeiten, als das Gebiet zur aserbaidschanischen Sowjetrepublik gehörte, sei hier ein vermüllter Rastplatz gewesen. Nun steht, soeben fertiggestellt, eine aufwendig rekonstruierte Festung aus dem 17. Jahrhundert. Darin ein kleines Museum. Die ausgestellten Artefakte und die Schautafeln sollen belegen: Das hier ist armenisches Land. Seit 2.000 Jahren.

Agdam einst eine aserbaidschanische Stadt

Durch die Schießscharten des Mauerwerks eröffnet sich ein weiter Blick hinein in die Tiefebene. Wenige hundert Metern entfernt zeichnen sich Mauerreste ab. Grundmauern von Häusern sind zu erkennen, bei genauerem Hinsehen reichen sie bis zum Horizont? Noch eine antike Ausgrabungsstätte also? Durch das Tele der Kamera erkenne ich die Gerippe mehrerer Plattenbauten, die Silhouette zweier Türme, vielleicht Schornsteine; und rundherum die Ruinen über Ruinen. Hier muss einmal eine Großstadt gewesen sein. "Das ist militärisches Speergebiet", sagt Narek schmal-lippig und drängt zur Weiterfahrt. Was da im Hintergrund liegt ist Agdam, einst eine mittlere aserbaidschanische Großstadt, die 1993 von den Armeniern gebrandschatzt wurde.

Eine Autostunde später und drei Vegetationszonen höher. Ringsum falten sich dicht bewaldete Berge auf. Wie ein Tapete im Hintergrund: die firnbedeckten Dreitausender-Gipfel des Kleinen Kaukasus. Reiseführer Narek steht vor dem Kloster Gandzasar. 1216 gegründet als geistliches Zentrum des Fürstentums von Khachen. Heute residiert der Erzbischof von Nagorny-Karabach hier.

Dicke Mauern schützen die Klosteranlage. Über Jahrhunderte musste der Bau dem ständigen Hin-und-Her zwischen muslimischen und christlichen Eroberern im Südkaukasus trutzen. Der Kirchenbau ist eine mustergültige armenische Kirche mit einem polygonen, mittigen Turm.

Es sei einer der wichtigsten armenischen Sakralbauten des Mittelalters, erklärt Narek. Nun kämen jeden Sonntag um Elf die Gläubigen aus Berg-Karabach hierher, um zu beten. Für die Republik Berg-Karabach ist es ein geradezu mythischer Ort, erklärt Narek.

Ein breitschultriger Mann in tarnfarbener Uniform und mit gewaltigem Schnauzbart eilt herbei. Auf seiner Brust glänzen anderthalb Dutzend Orden. "Stendal!", ruft er und zeigt eine verblasste, diffuse Tätowierung auf dem rechten Unterarm.

Als junger Soldat sei er in Deutschland, in Stendal, stationiert gewesen. Dann zieht er einen Ausweis hervor. Die Mitgliedskarte der Union der Veteranen des Karabach-Krieges. Aragat Mkrtchyan steht da. Aber alle nennen ihn nur bei seinem Kampfnamen: Bondo. Dass er heute mit einigen Kameraden auf dem Klosterberg sei, das habe Tradition, erklärt Bondo.

"Wir haben dieses Kloster verteidigt. Sie haben es immer wieder bombardiert. Die Aserbaidschaner griffen mit Suchoi-25-Kampfjets an. Gerade einmal eine Bombe traf, eine 500 Kilobombe, sie fiel auf das Haus da drüben. Aber: Sie explodierte nicht. Es ist ein Wunder. Wir waren nur ein paar Mann, auch der Priester hat mitgekämpft."

Reichlich Wodka und Tränen

Und heute Abend wollen Sie feiern, sagt Bondo. Veteranen des Karabach-Kriegs, Freiheitskämpfer, wie sie sich nennen, von überall her kommen sie heute Abend nach Shushi. Auf den Tag genau vor 23 Jahren hätten sie die Stadt von den Aserbaidschanern erobert. "Befreit", im hiesigen Sprachgebrauch. Deswegen wird heute ein Lamm geschlachtet. Dafür haben sie sich gerade im Kloster Gandzazar den Segen abgeholt. Ich bin eingeladen. Heute Abend in Shushi.

"Wach auf und sattel' dein weißes Pferd, ruf deine Kämpfer. Und rette dein schönes Heimatland."

Reichlich Wodka und Tränen fließen im Festsaal eines Hotels in Shushi. Rund 50 Veteranen, fast alle in Tarnfleck, sind gekommen. Das Lamm ist geschlachtet, alles was das Tier hergibt ist auf den Tisch gewandert; dazu reichlich Lavash, das dünne armenische Fladenbrot, Gurken, Tomaten und herber Ziegenkäse. Alles wird mit Wodka heruntergespült. General Varsham Gorian, Chef des Veteranen-Verbands, erhebt sein Glas.

"Uns allen ein glückliches Festmahl! Ehre sei unseren Kameraden. Ihr Blut war der Preis dafür, dass wir hier heute friedlich zusammensitzen dürfen. Zum Wohle! Glückwunsch. Auf den Frieden."

"Diese Männer hier haben an der Befreiung von Shushi teilgenommen. Shushi ist das Zentrum der armenischen Kultur. Armenien ist ein von Gott gemachter Himmel - und Shushi ist ein strahlender Stern darin. Unser Alphabet, das armenische Alphabet ist das Taschentuch Gottes. Noahs Arche ist auf dem Berg Ararat gestrandet, auf dem wichtigsten Symbol der armenischen Nation. Also hat die Geschichte mit dem armenischen Volk begonnen."

Shushi, oder Shusha, wie die Stadt auf Aserbaidschanisch heißt: In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1992 erklommen armenische Einheiten die Felsen um die 1.500 Meter hochgelegene Feste und überwältigten die aserbaidschanischen Truppen. Ein Wendepunkt des Krieges.

Der nächste Toast wird ausgebracht. Es gibt sehr gute Neuigkeiten, ruft einer der Veteranen. Der US-Bundesstaat Kalifornien habe Berg-Karabach als unabhängiges Land anerkannt!

Draußen vor der Tür ruht Shushi. Strahlender Stern im armenischen Himmel, so hatte der General die Stadt genannt. Strahlend: nicht der erste Begriff, der einem unterhalb des Hotels in den Sinn kommt. Graubraun die Häuser zu beiden Seiten der menschenleeren Straße. Bis auf das verblasste Rosa des einstigen Sowjetkinos. Dahinter, wie Ausrufezeichen, die Minarette einer in Trümmern liegenden Moschee.

Historisches Zentrum

Als Jerusalem des Kaukasus gilt Shusha beziehungsweise Shushi. Historisches Zentrum der aserbaidschanischen Kultur - und der armenischen. Hier konnte er lange besichtigt werden: der Kaukasus als Berg der Völker, als Nahtstelle zwischen Nord und Süd, Ost und West, Christentum und Islam. Doch immer wieder wurde die Stadt zerstört, wurde mal der armenische und mal der aserbaidschanische Teil der Bevölkerung vertrieben oder gar massakriert. Nun, seit dem letzten Krieg. Ist Shushi - so wie ganz - Berg-Karabach rein armenisch. Ethnisch bereinigt, wenn man dieses Wort benutzen möchte.

"Oh, du geliebtes Heimatland, oh, Ihr meine hohen Gipfel", singen die Männer drinnen im Hotel Und doch schauen die meisten mit nachdenklichem, vor allem aber müdem Blick auf das Geschehen. "Heute Abend wollen wir nur an die schönen Dinge denken." Das sagt mir ein Veteran in Panzergrenadier-Uniform.

Auf dem Weg zurück ins Hotel nach Stepanakert. Gleich am Ortseingang ist ein Banner gespannt. Auf Russisch und auf Englisch ist es beschrieben, mehrsprachig, wie in der Schweiz: "Wir glauben an unsere Zukunft", steht da trotzig.

Informationen zu Reisen in die "Republik Berg-Karabach"

Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die "Republik Berg-Karabach" ab. Entlang der Waffenstillstandslinie zu Aserbaidschan kommt es regelmäßig zu Schusswechseln und Scharmützeln, außerdem muss hier mit Minen gerechnet werden. Im Landesinneren war die Lage zum Zeitpunkt der Recherche ruhig.

Die Einreise nach Berg-Karabach ist nur über Armenien möglich. Aserbaidschan betrachtet Reisen ohne vorherige Zustimmung als illegal. Näheres dazu auf der deutschen Seite der Botschaft der Republik Aserbaidschan, Berlin.

Weitere Informationen bietet die Seite der Tourismusverwaltung von Berg-Karabach.

Wednesday, April 30, 2014

INTERVIEW: Peter Voß fragt Jörg Baberowski: Peter Voß fragt Jörg Baberowski (3sat.de)


(3sat.de) "Die Ukraine (war) das Kernland des alten Imperiums. Der russische Gründungsmythos beginnt in Kiew", sagt der Historiker Jörg Baberowski. Was hat die Vergangenheit mit der aktuellen Krimkrise zu tun? Wie hat der Westen beim Konflikt in der Ukraine versagt?

Stalin und der Stalinismus ist ein ewiges Leit- und Leidthema der jüngeren russischen Geschichte, aber keineswegs nur dieser. Der Osteuropa-Experte Jörg Baberowski hat mit seiner 2012 erschienen Studie "Verbrannte Erde - Stalins Herrschaft der Gewalt" über die Bedeutung Stalins im stalinistischen Terrorsystem kontroverse Diskussionen ausgelöst. Darin hatte er den Stalinismus als Rückfall in eine archaische Gewaltherrschaft, und damit als Fremdkörper im sowjetischen Modernisierungsprojekt gedeutet. Baberowski erzählt die Geschichte der stalinistischen Gewaltexzesse und beschreibt Stalin als einen Psychopathen und passionierten Gewalttäter.



Die Gewaltherrschaft Stalins

Das bolschewistische Projekt, so die These des Buches, bot eine Rechtfertigung für den Massenmord, aber es schrieb ihn nicht vor. Stalin war Urheber und Regisseur des Terrors. Laut seiner Studie über die stalinistische Herrschaft ließen sich deutliche Parallelen zum Nationalismus erkennen, so zum Beispiel im Ausmaß der Gewalt. Baberowski erforschte in den russischen Archiven, wie grausam Stalin und seine Schergen waren. Bereits 1918 gab es in Russland Konzentrationslager. Nahe Moskau haben vier Leute in einem Jahr 20.000 Menschen erschossen. Die Bolschewisten konnten ihre schwache Machtposition nur durch einen gnadenlosen Krieg gegen die eigene Bevölkerung durchsetzen.



Auf der Leipziger Buchmesse wurde Baberowski in der Kategorie "Sachbuch/Essayistik" ausgezeichnet. Die Jury begründet ihre Bewertung mit der Verbindung von Baberowskis Quellennähe und seiner klugen Kritik tradierter Deutungen. Er widerstehe der Versuchung, die Gewalt zu rationalisieren.

Warum einen ungewollten Staat erhalten?

In der Krimkrise rät Baberowski zu einem Verständnis für Putin und die Mehrheit der Russen. Er wirft dem Westen Europas und der USA vor, das sowjetische Imperium und die Rolle der Ukraine nicht verstanden zu haben. Für die Russen sei die Ukraine der mythische Geburtsort ihres Landes. Die Ukraine sei kein einheitlicher Nationalstaat, und die Krim habe immer eine Sonderrolle gespielt. Gegenüber dem Deutschlandradio Kultur wirft er die provokante Frage auf: "Warum kann die Krim nicht haben, was für die Südtiroler selbstverständlich ist? Wieso soll für alle Zeit ausgeschlossen sein, dass sich der östliche vom westlichen Teil der Ukraine trennt? Solches Recht haben auch Tschechen und Slowaken für sich in Anspruch genommen, und es ist kein Krieg daraus geworden."

Im Konflikt um die Ukraine verweist Jörg Baberowski auf die Autonomie der Südtiroler oder die Trennung von Tschechen und Slowaken. Dies seien Modelle in Westeuropa, die gewaltfrei erprobt wurden. Der Geschichtsprofessor sieht darin eine potentielle Lösung. Auch ein mögliches Auseinanderbrechen der Ukraine hält Baberowski nicht für tragisch, sofern gewalttätige Konflikte verhindert würden. "Der Souverän ist das Volk, und wenn die Mehrheit der Wähler im Osten nicht mehr Teil der Ukraine sein will, dann ist es eben so. Warum sollte man denn einen Staat erhalten, dessen Bürger ihn gar nicht wollen?", äußert er gegenüber der Deutschen Welle.

Die russische Sicht der Dinge

Nicht nur die Krim, sondern auch die Gebiete im Osten der Ukraine sollen sich abspalten dürfen, meint Baberowski. Der Westen habe in der ukrainischen Krise versagt, weil er die Geschichte der Ukraine nicht begreife. "Jetzt tut der Westen so, als könne man die Ukraine in die Nato aufnehmen - das ist naiv", postuliert er im Interview des Deutschlandradios. Die Westukrainer hätten mit Hitler kollaboriert, während die Ostukrainer als Soldaten in der Roten Armee kämpften. Die Geschichtserinnerung sei deshalb im Westen und im Osten grundsätzlich unterschiedlich. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion habe die Ukraine zu einer Nation werden müssen.

Die provokanten Thesen des Berliner Professors rufen viel Kritik hervor. Baberowski wird Blindheit gegenüber der Existenz einer selbständigen ukrainischen Geschichte vorgeworfen. Er vernachlässige, dass sich in der Ukraine nach über zwanzig Jahren staatlicher Unabhängigkeit eine demokratische Zivilgesellschaft gebildet habe, und übersehe die postsowjetische Generation, die sich nicht mehr in ethnischen, sondern in staatsbürgerlichen Kategorien definiere.

Sehen Sie am Montag, 28. April 2014, 23.10 Uhr ein Gespräch von Peter Voß mit Jörg Baberowski, in dem dieser den Historiker fragt: "Verstehen wir Russland?"

Vita

Jörg Baberowski ist Professor für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität in Berlin. Der 1961 am Bodensee geborenen Historiker studierte Geschichte und Philosophie in Göttingen, erlernte selbstständig die russische Sprache und verfasste Studien über die politische Justiz im ausgehenden Zarenreiche und den Stalinismus im Kaukasus. 2012 erhielt er für sein Buch "Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt" den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie "Sachbuch/Essayistik".

Tuesday, February 11, 2014

INTERVIEW: Friedliche Spiele im Kaukasus - Interview mit Uwe Halbach. Von Armin Siebert (german.ruvr.ru)

Dr. phil. Uwe Halbach(german.ruvr.ru) STIMME RUSSLANDS Der Kaukasus ist die Heimat vieler Völker und seit Jahrhunderten eine Gegend friedlichen Miteinanders, aber auch Brennpunkt vieler Konflikte. Die Tschetschenienkriege, der Konfrontation zwischen Russland und Georgien, die Unabhängigkeitsbestrebungen von Abchasien und Süd-Ossetien und der verbissene Kampf um die Region Bergkarabach sorgen seit dem Zerfall der Sowjetunion für Spannungen. In unmittelbarer Nachbarschaft finden nun die Olympischen Winterspiele statt. Kaukasus-Experte Uwe Halbach von der Stiftung Wissenschaft und Politik hofft auf friedliche Spiele.

Podcast hier >>>

Tuesday, October 08, 2013

BLOG: Occupation Continuum – New Berlin Wall in Georgia. By Tamar Lobjanidze (adjapsandali.wordpress.com)

“A good neighbor is a fellow who smiles at you over the back fence, but doesn’t climb over it”, Arthur Baer.
 
http://adjapsandali.files.wordpress.com/2013/10/12.jpg(adjapsandali.wordpress.com) Post-Soviet conflicts are mostly referred to as “Frozen Conflicts”, but since the August war broke out in 08.08.08 we can no longer consider the unresolved dispute in South Ossetia/Tskhinvali Region “frozen”, as the dramatic events continue to occur ever since the active armed conflict has been brought to an end by the Cease-fire Agreement on August 12th, 2008.
To follow the Michael S. Lund’s Curve of Conflict theory, after the peace enforcement, conflicts are mitigated, therefore peacekeeping is launched to terminate and engage in post-conflict peace building process, that finally brings parties to the conflict stabilization and further resolution.
In the case of South Ossetia/Tskhinvali Region, the August heat completely melted the stagnant situation, and dramatically changed the dynamics of the ethnic conflict, first broken out in the years of 1988-1989. As a result, the inhabitants of the region witnessed a second wave of ethnic cleansing, expulsion, torture, captivity, destruction and degradation of their property and many more of the physical and moral damage a human brain could imagine. Consequently, the war resulted in the occupation of 127 Georgian villages; most of which have been entirely obliterated (Tamarasheni, Avnevi, Ergneti, Kekhvi, Dzartsemi etc.), while the neighboring villages left under the control of Georgia, continually witnessed cruelty and oppression from Russian-Ossetian militias.
Particularly, during the last five years, Georgians living around the Administrative Boundary Line (ABL), have been systematically exposed to arbitrary arrests, unlawful detentions and abductions, resulting in physical abuse and other inhumane treatments. The de facto authorities, together with Russian military forces, massively discriminated the ethnic Georgians – intimidation, harassment, humiliation and other acts of ill-treatment were designed to terrorize or to push Georgians to flee from their native territories. More precisely, during last five years, due to the mass militarization of South Ossetia/Tskhinvali Region (build up of military bases, deploying around 3500 Russian troops), the local population tremendously suffered from the violation of their basic rights – freedom of movement and the adverse impact on their livelihood, destruction and plunder of their property belongings, etc. and continue to suffer, as of the so called process of building new border with Georgia.
As a matter of fact, in the post war period, efforts are made to end the hostilities and switch to peacemaking and/or conflict management process, where the outside parties engaged in peace enforcement and conflict mitigation. In the case of the Russia-Georgia war, the Six-Point Ceasefire Agreement had been reached to end hostilities and an outside party, the European Union Monitoring Mission (EUMM), was set up to seek stabilization, normalization, confidence building amongst the relevant authorities and “help make sure that the local people are living in a safe and secure environment”. The efforts to keep the conflict from re-escalation succeeded, as the fighting subsided and military conflict terminated. Therefore, post-war activities helped to reduce tensions, moving the conflict from a state of war to a state of crisis. However, the efforts at peacemaking failed, as peace enforcement never actually happened.
One of the main reason, why a state of crisis constantly fluctuates and sends signals to re-escalation, is directly related to continual land appropriation. Instead of fulfilling the obligation as stated in the principle five of the Six-Point Ceasefire Agreement: “Russian armed forces to withdraw to the positions held before hostilities began in South Ossetia.”, The Russian Authorities continue to penetrate and seize Georgian territories along the ABL. Therefore, Russia plays its own game in the Caucasus and has no interest in managing conflicts and making peace. On the contrary, it deliberately continues to destabilize the situation and create chaos that seems to suit Russia’s interests.
Therefore, the process is, fairly, called the Crawling/Creeping Occupation, as for its character of jutting about 1000 meters south, further into Georgia – drawing a new border between Georgia and its breakaway province of South Ossetia/Tskhinvali Region, by installing a new Berlin Wall – metal border fences unilaterally – impeding the freedom of movement of ethnic Georgians and the appropriation of their belongings.
The installation of barbed wires and fences started after the August War and was in progress during 2009-2012 around the villages of Gori, Kareli and Kaspi region. The process intensively continues currently in 2013, and rapidly covers the villages belonging Gori, Kareli, Akhalgori regions, which raises tensions locally and internationally.
In September, the situation turned even more dramatic. Russians and Ossetians claimed the border is in fact deeper into villages of Ditsi and Dvani, and continue to build actual fences. While local Georgian civilians, together with Georgian armed forces, have no plans to resist. As a result, residents are currently forced to evict, as their houses are crossed by the Occupation line, Russian and Ossetian forces claim to be the new borderline. Sadly, three families – Mekarishvili, Makhachashvili and Korashvili living in Dvani, were pressured to abandon their homes. Consequently, families dismantled their property, took their belongings and fled.
The fact demonstrates, that Russia will never agree to stable peace in the region. Instead of following the Six-Point Ceasefire Plan, where Russian armed forces were to pull back on the line, preceding the start of hostilities, it purposely penetrates deeply in Georgia, to tease the new government, demoralize, raise tensions and finally break the country. Moreover, instead of finding solutions for peaceful co-existence, or building confidence and reconciliation, the Russian authorities decided to build a Berlin Wall of barbed wire entanglements and, whilst,  impeding the right of return of the displaced people.
In the meantime, the Georgian society has mobilized and has been planning to take  action against the occupation of their country. During the last week of September, civil society members, journalists and students organized protests against the crawling occupation, visiting the ABL and the local population to show their support. In total around 35 foreign journalists and analysts, high profile officials, Embassy representatives in Georgia arrived in Ditsi and Dvani to evaluate situation on the ground. Also 28 Ambassadors of the EU Member States went on patrol to Ditsi, Ergneti and Zardiantkari to witness the situation along the ABL. Activism in the region significantly raised interest and concerns on local and international levels.
“We note with concern the continued and increasing activities by Russian security forces to erect fences and other physical barriers along the administrative boundary lines of the occupied territories in Georgia,” U.S. State Department spokeswoman Marie Harf said.
“It has a negative impact on the situation on the ground, and it affects the lives of those citizens of Georgia who live on either side of the administrative boundary lines,” Rasmussen stated. “I call for the removal of these barriers.” He also called upon Russia “to reverse its recognition of the South Ossetia and Abkhazia regions of Georgia as independent states.”
Catherine Ashton, the EU’s high representative for foreign affairs and security policy, called on the barriers to be removed and expressed “profound concern” over “the continued and increasing activities by Russian security forces to erect fences and other obstacles along administrative boundary lines in Georgia.”
After the strong signals and statements were voiced towards Russia, on October 3, 2013, Dvani residents noticed how Russian border forces temporarily terminated the installation of fences and took all the equipment away. Hence, international involvement and peaceful activism appears to be helpful so far, although nobody assures, Russia is going to stop building a new Berlin Wall in Georgia in the future.
Nevertheless, it is a fact, that strong international support and on time engagement could have a positive impact to prevent conflicts and keep peace. Even though, on a longer perspective, due to Russia’s irrational politics and realism in the region, it will be hard to predict, whether Georgians should wait for 30 more years to “TEAR DOWN THIS WALL”.

Sunday, August 18, 2013

VIDEO: Years After Russia-Georgia War, Fences And Fears Remain (youtube.com)


(youtube.com) Five years after Georgia and Russia fought a brief war over the breakaway region of South Ossetia, Russia troops remain in control of the territory, and continue to tighten the region's borders. For Georgians living in the Shida Kartli region, near the administrative border with South Ossetia, the presence of Russian troops and new barbed-wire fences has meant restricted movement and a constant fear of detention. But many say that there is no resentment between them and the civilians on the other side. Video by RFE/RL's Georgian Service

Wednesday, December 19, 2012

WISSENSCHAFT: „Der neue Kaukasus beginnt an den Universitäten“. Von Tanja Eisenach (idw-online.de)

(idw-online.de) Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Giorgi Khubua, georgischer Gastprofessor an der Universität Bamberg, hält die Entwicklung einer gemeinsamen kaukasischen Identität nach dem Vorbild Europas für den erfolgversprechendsten Weg zur dauerhaften Friedenssicherung. Den Beginn eines solchen Prozesses sieht er in wissenschaftlichen Kooperationen, wie sie beispielsweise die Universität Bamberg in Form eines Kaukasus-Kompetenzzentrums realisieren will.

Giorgi Khubua hat sein ganzes berufliches Leben an Universitäten verbracht und eine rein akademische Karriere eingeschlagen. Er studierte Jura in Tiflis und kam für Forschungsarbeiten zum ersten Mal mit 30 Jahren nach Deutschland. Seitdem lehrte und forschte er an Universitäten in Tiflis, Speyer, Heidelberg, Hannover, Jena und München. Von 2006 bis 2010 war Giorgi Khubua Rektor der Staatlichen Universität in Tiflis und damit vornehmlich mit administrativen Aufgaben betraut – „mit der Gefahr der wissenschaftlichen Dequalifikation“, wie er zugibt.

In der Zeit seines Rektorates gab es auch erste Kontakte zwischen ihm und der Bamberger Universitätsleitung. Als Rektor kämpfte er für die Freiheit der Wissenschaft: Die Universität Tiflis wahrte Distanz zur Politik, es gab kritische Veröffentlichungen der Professoren. „Die Universität darf keine Zweigstelle der Politik sein“, fordert der Wissenschaftler. Er ist sich bis heute nicht sicher, ob es diese Haltung war, die seine Karriere in Georgien beendete. „Vielleicht waren wir zu idealistisch. Nach den Wahlen und der Rosenrevolution 2003 haben wir gehofft, Georgien würde sich an demokratischen Standards nach europäischem Vorbild orientieren.“

2010 gab es verschiedene Vorwürfe gegen seine Person. Khubua versuchte zwar zunächst, seinen und vor allem den guten Ruf der Universität zu schützen, die sich auch zu Sowjetzeiten für Freiheit und Unabhängigkeit eingesetzt hatte. Die Professoren standen zu ihm. Trotzdem trat er unter politischem Druck gegen ihn und seine Familie im August 2010 als Rektor zurück, ein Jahr später wurde ihm auch sein Lehrstuhl entzogen. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete er bereits an der Universität in Jena, finanziert durch Stipendien der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, des DAAD und der Volkswagenstiftung. Seit August 2012 ist er Gastprofessor am Institut für Geographie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, wo er das Wintersemester 2012/13 lehrend und forschend verbringend wird.

„Von dem, was man heute an den Universitäten denkt, hängt ab, was morgen auf den Plätzen und Straßen gelebt wird“

An seinem Glauben an die Wissenschaft konnten weder die Vorwürfe noch der politische Druck etwas ändern. Für Khubua ist eine wissenschaftliche Kooperation die Grundlage für politische Zusammenarbeit in der konfliktträchtigen Region Kaukasus, in der unterschiedlichste religiöse, ethnische und politische Interessen aufeinanderprallen und immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen führen. Seine politische Vision: die Entwicklung einer gemeinsamen kaukasischen Identität. „Im Moment steht die nationale Zugehörigkeit und Ethnozentrismus im Vordergrund.“ Die aktuellen Herausforderungen können die Nationalstaaten allein jedoch nicht lösen, dafür seien sie zu klein: Demokratie etablieren, Militärkonflikte vermeiden, Korruption bekämpfen, wirtschaftliche Stabilität schaffen. „Für die Politik ist es jedoch unpopulär und ein sehr unsympathischer Gedanke, eigene Souveränität aufzugeben, um eine regionale Institution zu gründen, die über den Nationalstaaten steht.

Der Wissenschaftler denkt dabei an eine Institution wie es die EU für Europa war. „Auch wenn das fast wie eine politische Utopie klingt.“ Für eine regionale Kooperation sei zuerst eine kritische Selbstreflexion der beteiligten Länder notwendig, und die könne am besten innerhalb der Wissenschaft beginnen. „Denn Wissenschaft ist mobiler, dynamischer und nicht der politischen Konjunktur unterworfen“, erklärt Khubua. „Der neue Kaukasus beginnt an den Universitäten. Schon der spanische Philosoph José Ortega y Gasset erklärte: Von dem, was man heute an den Universitäten denkt, hängt ab, was morgen auf den Plätzen und Straßen gelebt wird.“ Wenn der Diskurs erst einmal gestartet sei, werde er in Bewegung bleiben, auf wissenschaftliche Kooperation werden Kooperationen in weiteren Feldern folgen.

Kaukasus-Kompetenzzentrum in Bamberg

Doch damit eine solche wissenschaftliche Kooperation gelingt, braucht es neutrale Dritte – eine deutsche Universität wie Bamberg beispielsweise. Die Universität plant deshalb, ihre Kooperationen im Kaukasus zu intensivieren. Im September 2012 war eine Bamberger Delegation in Kutaisi (Georgien), um weitere Vorbereitungen für deren Masterstudiengang European Studies zu treffen: Georgische Studierende werden nun voraussichtlich ab dem Wintersemester 2014/15 ein Auslandssemester in Bamberg absolvieren. „Wir haben ohnehin vorhandene Module für diesen Studiengang ausgewiesen und bekommen dafür Austauschstudierende und damit auch Austauschplätze“, erklärt der Vizepräsident für Lehre und Studierende, Prof. Dr. Sebastian Kempgen.

Auch mit Eriwan (Armenien) soll ein Austauschprogramm vor allem im Bereich Geschichte, Politik und Kultur aufgebaut werden. Prof. Dr.-Ing. Rainer Drewello, Direktor des Instituts für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte an der Universität Bamberg, ist darüber hinaus gefragter Fachmann für Restaurationsvorhaben an Weltkulturerbestätten in Armenien. Das größte Projekt wird aber ein Kompetenzzentrum für die Region Kaukasus in Bamberg sein. „Im Augenblick diskutieren wir ganz unterschiedliche Kooperationsformen, zwischen einzelnen Instituten, wie z.B. Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft oder Germanistik bis hin zu einem gemeinsamen Area-Studies-Studiengang“, resümiert der Vizepräsident. Dabei wolle man die vornehmlich linguistischen Kompetenzen, die bereits an anderen Universitäten etabliert sind, nicht duplizieren, sondern eine interdisziplinäre Kombination aus Sprach-, Geschichts- und Kulturstudien anbieten, die mit geographischem, politischem, wirtschaftlichem und sozialwissenschaftlichem Verständnis für die Region angereichert wird.

Auch die Virtuelle Hochschule Bayern (vhb) soll mit ihren Möglichkeiten einbezogen werden. „Konkurrierende Projekte an anderen bayerischen Universitäten sind nicht in Sicht“, gibt Präsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert seine Einschätzung wieder. Ein Stellenwunsch sei beim bayerischen Wissenschaftsministerium hinterlegt, denn: „Ohne zusätzliche Ressourcen geht es im Augenblick nicht. Erst wenn die großen Studierendenjahrgänge die Universität verlassen haben, ergibt sich unter Umständen eine Möglichkeit, neue Bereiche auch mit eigenen Ressourcen zu stärken“, so der Präsident. Die Universität Bamberg bringe jedenfalls für das Vorhaben beste inhaltliche Voraussetzungen mit, da sie mit den Fächern Slavistik, Turkologie und Iranistik bereits die Nachbarregionen abdecke.

Das bestätigt auch Giorgi Khubua, und er ist sich sicher: „Dies alles kann helfen, eine kaukasische Identität zu schaffen“. Die wäre dann zwar künstlich konstruiert – das sei die europäische aber ebenfalls. „Ich fühle mich noch nicht als Kaukasier, sondern als Georgier. Aber der europäische Gedanke gibt mir Hoffnung für den Kaukasus.“

Kontakt:
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Tanja Eisenach, Pressereferentin
Kapuzinerstraße 16
96047 Bamberg
Tel. +49 (0) 951 / 863 1023
Ansprechpartner: Prof. Dr. Giorgi Khubua 
Tel.: 0176-32475521 

Saturday, December 08, 2012

ARTIKEL: Die Schwarzmeerregion als europäische Kernaufgabe. Von Hans-Joachim Hoppe (eurasischesmagazin.de)

(eurasischesmagazin.de) Das Schwarze Meer ist eine der Urregionen der Menschheit. Vor 15.000 Jahren kam es tatsächlich, wie schon in der Bibel steht, zu einer großen Schmelze in den Bergen und einer Sintflut in den Tälern, die das Schwarze Meer entstehen ließ. Im Kaukasus erhoben sich der Elbrus als höchster Berg und der Ararat, wo die Arche Noah nach der Legende gestrandet sein soll. Am 9.November 2012 fand in Graz in der österreichischen Steiermark eine Schwarzmeer-Konferenz statt, auf der die modernen Bedürfnisse und Kernprobleme der Schwarzmeerregion erörtert wurden.

Für Europa stellt die Schwarzmeerregion einen wichtigen Wirtschaftsraum dar. Diese Weltregion enthält reiche Gas- und Erdölvorkommen im Kaukasus, wichtige Erze auf dem Balkan und im Kaukasus, Industrieagglomerationen und Kohlevorkommen sowie riesige Agrarflächen in Russland und der Ukraine und schließlich ein Pipeline-Netzwerk, das Mittelasien wahlweise über den Kaukasus und Russland durch die Türkei nach Süd- und Mitteleuropa führt.

Nicht zu vergessen sind die beliebten Tourismusgebiete rund ums Schwarze Meer: die Schwarzmeerküsten Bulgariens (Burgas, Varna), Rumäniens (Constanza) und der Ukraine, die Krim, die östliche Küste um Sotschi, Abchasien (Suchumi) und Georgien (Batumi) sowie die im Süden der Türkei. Am äußersten Ende des Schwarzmeerterrains stand Aserbaidschans Hauptstadt Baku beim 57. Eurovision Song Contest 22.-26. Mai 2012 im Mittelpunkt des Weltinteresses.

Europas Hauptinteresse gilt den Energiereserven

Ein globales Großereignis am Schwarzen Meer, für das der Kreml alle Kräfte aufwendet, sind die prestigereichen Olympischen Winterspiele in Sotschi vom 07. –23. Februar 2014. (XXII Olympic Winter Games). Das Hauptinteresse Europas gilt jedoch den Energiereserven in der Schwarzmeerregion. Dabei steht die Kaukasusregion, speziell Aserbaidschan, als Produzent und als Transit für die Vorkommen in Mittelasien, im Mittelpunkt. Der Transfer verläuft über Aserbaidschan, Georgien, die Türkei in Richtung Balkan nach Mittel- und Südosteuropa. Angesichts der politischen, wirtschaftlichen und strategischen Bedeutung der Schwarzmeerregion sind dort auf allen Ebenen die USA, die EU, Russland und viele andere Staaten und Organisationen engagiert. Zusammen mit Deutschland sind auch andere große und kleine EU-Mitglieder mit Förder- und Modernisierungsmaßnahmen, Investitionen und politischen Friedensbemühungen vertreten. Politische Konfliktlage

Bei einem Rundblick auf die Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres fallen zunächst einige typische Merkmale ihrer Entwicklung auf: alle (fast alle) Länder sind gekennzeichnet von Demokratiedefiziten mit verbreiteter Repression und Rechtlosigkeit, endemischer Korruption, organisierter Kriminalität, Geldwäsche und Drogenhandel, wirtschaftlicher Rückständigkeit und ethnischen Konflikten.

Selbst die EU-Mitgliedsländer Rumänien und Bulgarien haben die kommunistische Vergangenheit noch immer nicht bewältigt und weisen Demokratiedefizite auf, wie der Konflikt zwischen Präsidenten und Regierung vor einigen Monaten zeigte. In der Ukraine hat nach den Präsidentenwahlen von 2010 und den Parlamentswahlen Ende Oktober 2012 die Orange Revolution einen schweren Rückschlag erlitten. In Moldawien begann dagegen überraschend eine politische Konsolidierung. Die ethnischen und regionalen Konflikte, insbesondere mit Transnistrien, sucht das Land durch eine „Konföderalisierung“ zu lösen.

In einem so gesegneten Land wie Aserbaidschan gibt es noch immer ein Klanwesen verbunden mit Repressionen und wirtschaftlicher Rückständigkeit. In Armenien hat sich die innenpolitische Lage verbessert, jedoch leidet es nicht zuletzt aufgrund langsamer Wirtschaftsfortschritte unter einem extremen Bevölkerungsrückgang. In Georgien ist es trotz der Krieges vom August 2008 und Pressionen unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft tatsächlich bei den Wahlen am 1. Oktober 2012 zu einem halbwegs friedlichen Machtwechsel gekommen. Inwieweit sich unter der neuen Regierung die Lage verbessert, bleibt abzuwarten. (Siehe „Georgien: Die Gefängnis-Revolution“, EM 10-2012).

Farbige Revolutionen und neue Konflikte

Rund ums Schwarze Meer fanden „farbige Revolutionen“ statt, in Bulgarien und Rumänien 1989/1990, im entfernteren Serbien 2000 mit dem Sturz Milosevics, in Georgien 2003 und in der Ukraine 2004. 1991 war es zum Zusammenbruch der Sowjetunion und deren Auflösung in selbständige Staaten gekommen, darunter den Anrainern Russlands, Ukraine und die drei Kaukasus-Staaten Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Zwei Jahrzehnte später erreichte eine neue Demokratiebewegung und Protestbewegung zwischen Dezember 2011 und Sommer 2012 auch die Schwarzmeerregion Russlands.

Alle Anrainer des Schwarzen Meeres sind multiethnische und multikonfessionelle Länder, wobei Ethnos und Religion oft miteinander kombiniert sind: Bulgarien mit einer starken türkischen Minderheit sowie Roma-Sinti, Rumänien mit ungarischen und deutschen Minoritäten und einer größeren Roma-Bevölkerungsgruppe. Moldawien mit Ukrainern, Russen und türkischen Gagausen sowie der abtrünnigen Region Transnistrien, die als Konfliktlösung eine Föderalisierung anstrebt.

Die Ukraine ist gespalten in einen von Ukrainern bewohnten Westteil und einen mehrheitlich russischen Ostteil. Die Krim mit mehrheitlich russischer Bevölkerung wird auch von den während des Zweiten Weltkrieges deportierten Tataren als Heimat beansprucht. Siehe „Krimtataren - der lange Schatten Stalins über den Stiefkindern Eurasiens“ in EM 08-2011). Die Halbinsel, die 1954 vom damaligen Partei- und Regierungschef Nikita Chruschtschow an die Ukraine übergeben wurde, wird von einigen russischen Kreisen für Russland reklamiert.

Im Nordkaukasus lebt eine bunte Vielfalt von Völkerschaften: Tscherkessen, Karatschaier, Balkaren, Osseten, Tschetschenen, Inguschen, Dagestanis und Kalmyken, teils in eigenen monoethnischen Republiken, teils in bi-ethnischen wie Karatschai-Tscherkessien und Kabardino-Balkarien. In der Region ist abgesehen von den mehrheitlich russischen Gebieten überwiegend muslimisch. (Siehe „Kaukasus: Die Tscherkessen – ein unbekanntes Volk erwacht“ EM 10-2011).

Der Südkaukasus ist belastet von ethnischen Konflikten, die zu Kriegen und Sezessionen bestimmter Regionen führten (Bergkarabach, Abchasien und Südossetien). Georgien und Armenien sind überwiegend christlich, Aserbaidschan muslimisch, aber laizistisch - nach türkischem Vorbild laizistisch. Der zu Russland gehörige Nordkaukasus ist immer noch weitgehend unterentwickelt und von ethnischen und religiösen Konflikten belastet. Zur Befriedung und Entwicklung dieser Problemzone wurde mit Erlass von Präsident Dmitry Medwedjew vom 19. Januar 2010 aus dem Föderalen Großbezirk Süd, also Südrussland (mit der Hauptstadt Rostow am Don und der Olympiastadt Sotschi), ein spezieller Großkreis Nordkaukasus (Hauptstadt Pyatigorsk) herausgelöst. (Zur Teilung der Region in die Föderalen Großbezirke Süd- und Nordkaukasus im Januar 2010).

Außerdem soll bis 2025 ein Entwicklungsprogramm in Höhe von 1,7 Trillionen Rubel (sic!), umgerechnet in Höhe von 52,2 Milliarden Dollar, für die konfliktträchtige Nordkaukasus-Region aufgelegt werden. Hauptsorge des Kreml ist nicht zuletzt der reibungslose Ablauf der Olympischen Spiele in Sotschi im Jahre 2014. (Zur langfristigen Entwicklungsstrategie für den Nordkaukasus bis 2025).

Militärische Konflikte

Die Schwarzmeerregion war immer wieder von Konflikten und Kriegen betroffen. Während des Kalten Krieges war das Schwarze Meer zwischen den beiden Blöcken aufgeteilt. Die nördliche und östliche Küste beherrschte die Sowjetunion, im Westen lagen die Warschauer Pakt-Mitglieder Rumänien und Bulgarien: Im Süden erstreckte sich in voller Breite das NATO-Mitglied Türkei – insgesamt vier Staaten beherrschten die Region.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion differenzierte sich diese Struktur durch neue selbständige Staaten: von Westen nach Norden, Osten und Süden liegen am Schwarzen Meer die NATO- und EU-Mitglieder Bulgarien und Rumänien, das in Meeresnähe befindliche Moldawien, die Ukraine, Russland, das prowestliche Georgien und das NATO-Mitglied Türkei – insgesamt sieben Staaten.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion brachen innerethnische und nachbarliche Konflikte in der Schwarzmeer-Region aus, die unter den neuen Staaten zu Kriegen und bis heute andauernden Spannungen führten:

* Moldawien und das abtrünnige Transnistrien.
* Streit zwischen Rumänien und der Ukraine um die Schlangeninsel und das Donaudelta.
* Ansprüche Russlands auf die zur Ukraine gehörige Krim.
* Rückkehr der Tataren.
* mehrere Tschetschenienkriege.
* ethnische und religiöse Konflikte im Nordkaukasus.
* Fünftage-Krieg zwischen Russland und Georgien vom 8.-12. August 2008.
* Loslösung der abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien von Georgien.
* Krieg und Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um Berg-Karabach.

Russland unterhält weiterhin Stützpunkte in Transnistrien, auf der zur Ukraine gehörigen Krim in Sewastopol, Truppenmassierungen im Nordkaukasus, Stützpunkte in Armenien, Aserbaidschan (Radaranlage Gabala) und den von Georgien abtrünnigen Gebieten Abchasien und Südossetien.

Die Amerikaner unterhalten im Schwarzmeerraum Basen in Rumänien, Bulgarien, der Türkei und Georgien. Im Falle eines NATO-Beitritts Georgiens würde das Territorium des atlantischen Bündnisses im östlichen Teil des Schwarzen Meeres von der Türkei über Georgien bis an die Grenze Südrusslands reichen. Georgien wird außerdem durch den NATO-Schild vor russischen Übergriffen geschützt.

Gefürchtet wird letztlich sogar eine Verwicklung der Kaukasus-Staaten im Falle eines Krieges der Amerikaner (und Israel) gegen den Iran. Wenn zum Beispiel die Amerikaner den Kaukasus als Ausgangsbasis für eine Aktion gegen den Iran nutzen sollten, würden die Russen (wie schon in früheren Zeiten) eine solche Operation der USA als Vorwand für eine Besetzung der drei Kaukasusstaaten und des Nordiran ins Feld führen.

Für die NATO und die USA ist die Schwarzmeerregion von strategischer Bedeutung, nicht zuletzt als Transport- und Versorgungsweg über den Kaukasus zur Unterstützung der ISAF in Afghanistan. Mehrere Länder der Region sind selbst in Afghanistan mit Truppen vertreten.

Umweltbedrohungen verschärfen die Gefahren

Von Mittelasien, dem Iran, Saudiarabien und der arabischen Welt dringen starke fundamentalistische Strömungen in die Kaukasus-Region ein und breiten sich inzwischen auch ins Innere Russlands aus. Im Nordkaukasus macht sich die Aufstandsbewegung um Doku Umarov ständig durch Attentate und Scharmützel mit den Sicherheitsorganen bemerkbar. Am 19. Juli 2012, am Vorabend des Ramadan, erregte ein Attentat auf zwei hohe Geistliche in dem sonst für seine versöhnliche Politik bekannten Tatarstan Aufsehen. Das säkulare Aserbaidschan konnte wie auch die Türkei durch ihr laizistisches System den Islamismus bisher eindämmen. Jedoch droht auch hier ein Eindringen islamistischer Strömungen aus dem Nahen Osten.

Neben Krieg und militärischen Konflikten ist die Region, wie eine Vielzahl von Vorfällen in der Vergangenheit gezeigt hat, mannigfaltigen Gefahren vor allem die Umwelt betreffend ausgesetzt: Erdbeben, Überschwemmungen, Stürme, die Verseuchung der Luft, Smog und Schäden durch Bergwerke und Schwerindustrie, Verschmutzung der Gewässer, Deformation der Seen und Meere, Schmelze der Gletscher, Verstrahlung durch AKWs (ca. 15-20 an der Zahl); nukleare Katastrophen (Tschernobyl 1986); eine hohe Zahl von Krebserkrankungen und Leukämie durch AKW, Bergwerke, Stahl- und Kohleindustrie: Armenien ist geradezu ein „menschliches Biotop“ für die weltweite Krebsforschung.

Die Schwarzmeerkooperation

All diese Konflikte in der Schwarzmeerregion will die internationale Gemeinschaft einschließlich USA, Russland und EU durch politische und wirtschaftliche Förderung entschärfen.

Für den gesamten Raum wurde am 25. Juni 1992 auf türkische Initiative in Istanbul die Organisation der Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation (Black Sea Economic Cooperation, abgekürzt BSEC) gegründet, der weitaus mehr Staaten angehören als die unmittelbaren Anrainer des Schwarzen Meeres.

Erst nach Einrichtung eines formellen Sitzes in Istanbul 1994 und Inkrafttreten der Charta 1999 begann die eigentliche Arbeit der Organisation, die mit dem Beitritt Serbiens 2004 auf 12 Mitglieder anwuchs. Im ersten Halbjahr 2012 hatte Serbien den Vorsitz, am 26. Juni 2012 fand ein Treffen des Ministerrats der BSEC in Belgrad statt. Am 1. Juli übernahm die Türkei wieder den Vorsitz der Organisation. Es folgte der 20. Jubiläumsgipfels der BSEC in Istanbul.

Die Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation will Frieden, Stabilität und Wohlstand in der Region durch wirtschaftliche Zusammenarbeit fördern. Zölle und nichttarifäre Hindernisse zwischen den Mitgliederstaaten sollen reduziert, die Grenzformalitäten harmonisiert werden. Die Staaten verpflichten sich, Investitionen sowie gemeinsame Bank- und Finanzvereinigungen mit dem Ziel einer regionalen Wertpapier-Börse zu fördern. Sie kooperieren außerdem in den Bereichen Umweltschutz, Transport, Energieversorgung und Telekommunikation, Wissenschaft, Erziehung, Technologie und Landwirtschaft sowie in Fragen der inneren Sicherheit, der Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität. Neuerdings sucht die Organisation Strategien gegen die globale Finanzkrise (Förderung des kleinen und mittleren Unternehmertums), für den Kampf gegen Waldbrände und gegen Naturkatastrophen. Sie genießt die Förderung durch zahlreiche Partner in aller Welt.

Neben der BSEC gibt es noch viele regionale Zusammenschlüsse, die in die Region hineinreichen und sich teils überschneiden. So zum Beispiel die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ). Ein kurioses Bündnis stellt die „Gemeinschaft nicht anerkannter Staaten“ (GUS-2) dar, die sich analog zur großen „Gemeinschaft unabhängiger Staaten“ (GUS) benannt hat. Das Bündnis ist eher ein informeller Zusammenschluss der nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion entstandenen, aber international überwiegend nicht anerkannten De-fakto-Regime: Abchasien, Bergkarabach, Südossetien und Transnistrien.

Die vier Mini-Republiken haben 2001 in Stepanakert/Karabach die Gründung einer „Gemeinschaft für Demokratie und Völkerrechte“ angekündigt, die 2006 in Sokhumi / Abchasien gegründet wurde. Zwei der vier Staaten, Abchasien und Südossetien, wurden von Russland, Nikaragua, Venezuela und der Südseeinsel Nauru, Abchasien 2011 auch noch von Vanuatu und Tuvalu anerkannt.

Auch die zu Moldawien gehörende autonome Republik Gagausien hat Südossetien und Abchasien anerkannt. Die zu Aserbaidschan gehörige Exklave Nachitschewan könnte auch zu der Kleinstaatengruppe zählen, sie beansprucht aber keine Unabhängigkeit.(Siehe „Nachitschewan – Vorposten Aserbaidschans“, EM 08-2011).

Steiermark und Schwarzmeerregion

Die eingangs erwähnte Schwarzmeerkonferenz in Graz hat Chancen und Risiken der Entwicklung in den Anrainerstaaten und Nachbarländern des Schwarzen Meeres erörtert. Die Steiermark ist selbst im Rahmen von Regionalprogrammen, österreichischen und EU-Partnerschaften mit Fördermaßnahmen im Schwarzmeerraum vertreten. Bereits 2010 hieß es, Österreichs Wirtschaft soll in der Schwarzmeer-Region durchstarten.

Bemerkenswert sind die engen Kontakte der Steiermark zu Aserbaidschan und zu der kaum bekannten Region Nachitschewan, die sich schon seit 2006 entwickelten. Die Kontakte zu den Partnerregionen in aller Welt werden von der Abteilung 9, Internationales, der Landesregierung der Steiermark gepflegt. Die Steiermark trägt zur Entwicklung von Wirtschaft, Bildung, Tourismus und politischer Kultur in den Partnerländern am Schwarzen Meer bei. Die Veranstaltung kann bei Youtube und auf der Homepage der Landesregierung abgerufen werden.

Monday, November 05, 2012

PANEL: On Global Environmental Change, Conflict or Cooperation - a Talk & open panel of Günter Bächler (europehousegeorgia.org)

 
(europehousegeorgia.org) The Tbilisi State Academy of Arts request the pleasure of your company 
at a Talk & open panel of Günter Bächler
Ambassador of Switzerland to Georgia
On Global Environmental Change,
Conflict or Cooperation 
7 November, 2012, at 5.00 p.m.
Big Exhibition Hall, Tbilisi State Academy of Arts, 22 Griboyedov st.

Friday, November 02, 2012

BOOK: A War-Torn Region's Story Told Through Soccer. By John Mahoney - Offside: Football In Exile Photos by Dirk-Jan Visser; text by Arthur Huizinga. (americanphotomag.com)

(americanphotomag.com) Offside: Football In Exile documents six Azerbaijani and Armenian lives shaped by soccer in the conflict-ridden Nagorno Karabakh disputed territory

By John Mahoney on October 18, 2012

more pics here: americanphotomag.com

Most of you reading this have probably never heard of Nagorno Karabakh, an unrecognized republic roughly the size of Maine nestled between Armenia and Azerbaijan. I hadn’t either, before I picked up Offside: Football in Exile, a unique photobook that tells the story of this war-torn region via its two main soccer clubs, FK Qarabag Agdam and FK Karabakh Stepanakert. We watch this story unfold via the lives of six individuals and their complex relationship with both their tumultuous homeland and the game of soccer.

As the Soviet Union disintegrated in the early 1990s, Nagorno Karabakh became one of many violent flashpoints in the broader regional conflict in the Caucasus, with Armenia and Azerbaijan both battling fiercely for control of its territory. The confusion continues until this day–Nagorno Karabakh functions as an unrecognized de facto republic, and the conflict has displaced hundreds of thousands of Armenians and Azerbaijanis alike.

It’s a complicated story, to say the least. It’s wise, then, that photographer Dirk-Jan Visser and journalist Arthur Huizinga chose to narrow the story’s focus down to six lives. In Offside we meet people like Aslan Kerimov, a veteran defender for the Azerbaijani team FK Qarabag Agdam. In 1993, the team was driven from their home stadium in the heart of the disputed territory due to the violence (only in 2009 did they return to the region, from their temporary home in the Azerbaijani city of Baku). His story contrasts with David Martirosyan, a 19-year-old Armenian goalkeeper whose father was killed in the war, and whose future in the sport is uncertain, considering that the major European soccer sanctioning bodies ban his unrecognized homeland and its biggest team, FK Karabakh Stepanakert, from official competition beyond the junior level.

The book is organized around the six lives it describes, and its design features do a lot to drive the overall storytelling. Each section is introduced with a written biography by Huizinga and caption list, with all text printed in English, Armenian and Azerbaijani. The texts are also color-coded to indicate the person’s ethnic heritage (blue for Armenia, red for Azarbaijan). Visser’s photos that follow are also rigidly segmented–with photographs of important places and landscapes in color, and depictions of each person’s daily life in stark black and white. His work is presented alongside personal snapshots from years’ past provided by the subjects. The photos are often broken up across consecutive pages, with no image seen in its entirety on any single page.

At first I was a bit overwhelmed by these design choices–I felt like I couldn’t immediately solve the various puzzles the book seemed to be presenting. But of course this is intentional–you’ll not find a more complex and frustrating story to try to tell than the decades of ethnic and political conflict that have shaped this part of the world, and in presenting their stories in such a rigidly systematic way, Visser and Huizinga both emphasize this fact and at the same time attempt to impose some form of order on the chaos. I found it hardest to come around to the photos being broken up across multiple pages; the work here is often beautiful, and it was frustrating to feel deprived of any single image’s full impact. But again, the lives these photos depict could not be more fragmented, and the choice to break them up effectively mirrors that.

Ultimately I really enjoyed this book for its full-on commitment to narrative storytelling. Photographers experimenting within the documentary tradition will often shy away from communicating any single interpretation of their work. And that’s fine—forcing the viewer to interpret a series of images presented wordlessly can be a powerfully effective way to create an emotional response. I find this approach most effective in a gallery or museum setting. But in the case of Offside, Visser and Huizinga have made a work that is very much a book, exemplifying all the narrative strengths of the medium in fine form.

1258Offside: Football In Exile was published by Paradox and Y Books. A gallery show with some of the work was shown in the Netherlands at Noorderlicht gallery earlier this year.

John Mahoney is a writer and web designer living in New York City. He is the web editor for American Photo magazine. On Twitter he is @mahon_e.

Offside: Football In Exile
Photos by Dirk-Jan Visser; text by Arthur Huizinga. Published by Paradox and Y Books: $50

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Watch a video trailer made for the book and project.

Trailer of Noorderlicht Exhibition and Paradox / Ydoc Publishing photobook OFFSIDE - Football in Exile by photographer Dirk-Jan Visser and writer Arthur Huizinga. OFFSIDE is a documentary project on the forgotten conflict in Nagorno-Karabakh. The project adresses the conflict from the perspective of two football teams: FK Qarabag Agdam and FK Karabakh Stepanakert.

For more information see: noorderlicht.com

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(jmcolberg.com) After the implosion of the Soviet Union, ethnic and religious tensions that had been held in check by Communist regimes and their ruthless application of power erupted along long-dormant fault lines. It was as if things had been frozen into place in the 1940s, and the post-Communist thaw allowed them to move again. The Balkans and Caucasus regions have since seen wars and mini-wars that most people had thought of as events of the past. The Caucasus, in particular, has proven to be a veritable mine field, with, seemingly, every village being if not at war then at least in some sort of conflict with its neighbouring village (if you think that’s hyperbole read The Sochi Project’s Empty land, Promised land, Forbidden land). Westerners for the most part have had a hard time understanding and/or following the various conflicts, and regardless, most of them seem far away and thus inconsequential (people will not easily admit this, of course).
 
I’m not an expert on the region, but from memory the conflict around Nagorno-Karabakh is one of the earliest that erupted (just to give you an idea what we’re dealing with, the region is about 30% larger than the Rhode Island, but has only around one ninth the US state’s population). As of now, it’s mostly unresolved, with peace talks between Armenia and Azerbaijan - the two main countries involved - ongoing. The previously frozen conflict has effectively become re-frozen, with international involvement keeping it from going.
In this frozen landscape, life has been going on. Offside - Football in Exile by photographer Dirk-Jan Visser and writer Arthur Huizinga (with the book’s design by Kummer & Herrman) brings life in the region - and the unresolved conflict itself - into focus by looking at football (the actual one that Americans call “soccer”). This seems like a smart idea, since usually even the most antagonistic neighbours can be united in their love for the same kind of sport. And even though most types of sport contain a very strong tribalistic element (the same mechanism that feeds the kinds of conflicts we’re talking about here), there is more to them, with the general underlying aspirations and ideas being fairly universal.
 
Offside features six individuals, three from each side, talking about their lives and about football. Sport offers an escape mechanism only to some extent, and the reality of the Nagorno-Karabakh has all kinds of repercussions, resulting in often absurd restrictions. The book keeps things neatly apart, at least on the surface, by using colours (red and blue) - Armenia and Azerbaijan are blue and red, respectively, on the main map (Nagorno-Karabakh itself requires two types of hatchings), and the essays about the six individuals are printed in their country’s colour. For people like me, who enjoy things neatly organized, that’s a very simple and efficient way to convey information.
The photography, in b/w and colour (in addition, there are some archival photographs), is mixed throughout the book, so if you ignore the text you’re not going to be able to tell things apart that easily. Offside is not the first book to emerge from Holland that has a photographer working alongside a writer, and once you look through the book you realize what is to be gained from that. The overall design also neatly places the book into the contemporary Dutch context - in addition to the use of colour (and, presumably, fonts - I’m not much of an expert on that), the photographs wrap around pages. You might see part of an image on one page and then the rest on another. I do think, though, that in terms of the design less could have been a bit more. For me, the clever design gets a bit in the way of what the book is actually talking about. While great design can play an important role in photobook making, it must be content with serving the purpose of the book, and I’m not sure that’s 100 per cent the case here.
 
Design issues aside, Offside is another fine example of contemporary Dutch documentary photobook making. With so much hand-wringing about the state of photojournalism and about how to present documentaries, looking at recent examples coming from Holland might teach the rest of the world a lesson of what still is possible.
 
Offside - Football in Exile, photographs by Dirk-Jan Visser, text by Arthur Huizinga, design by Kummer & Herrman, 308 pages, Paradox, 2012