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Saturday, January 04, 2014

PODCAST: Südkaukasus: Ist Demokratie machbar, Herr Nachbar? Nach den Präsidentschaftswahlen in Aserbaidschan und Georgien (ge.boell.org)

(ge.boell.org) Berlin, 5. November 2013

- Tamar Kordzaia (Abgeordnete im Parlament, Georgischer Traum - Demokratisches Georgien, Georgien);
- Zaal Andronikashvili (Literaturwissenschaftler und Blogger, ZfL Berlin/Georgien);
- Emin Milli (Direktor Meydan-TV, Aserbaidschan);
- Leyla Alieva (Politikberaterin, Präsidentin Center for National and International Studies, Aserbaidschan);
- Stefanie Schiffer (Europäischer Austausch, Berlin)

Moderation: Walter Kaufmann (Referatsleiter Ost- und Südosteuropa, hbs Berlin)

Am 9. Oktober finden in Aserbaidschan Präsidentschaftswahlen statt, das Nachbarland Georgien folgt zwei Wochen später am 27. Oktober.

Die Ausgangsbedingungen in den beiden Ländern könnten kaum unterschiedlicher sein. In Georgien führte der Sieg des Wahlbündnisses „Georgischer Traum - Demokratisches Georgien“ unter dem populären Milliardär Bidsina Iwanischwili bei den Parlamentswahlen im Oktober 2012 zum ersten demokratischen Regierungswechsel in der Geschichte des Landes. Mit den Präsidentschaftswahlen geht nun die Arä von Mikheil Saakashvili, der nicht erneut antreten darf, endgültig zu Ende. Zugleich treten Verfassungsänderungen in Kraft, die Georgien in ein parlamentarisches System verwandeln und die Machtbefugnisse des Präsidenten zugunsten des vom Parlament bestimmten Premiers stark eingrenzen. Ist Georgien damit in ruhigem Fahrwasser einer kontinuierlichen demokratischen Entwicklung angelangt? Dies zumindest behauptet der derzeitige starke Mann, Premier Iwanischwili, der sich daher nach der Präsidentschaftswahl aus der Politik zurückzuziehen will. Wird sein Rückzug erneute Instabilität auslösen?

In Aserbaidschan dagegen ist alle politische, wirtschaftliche und mediale Macht in den Händen von Präsident Ilham Aliev konzentriert. Aussichten auf einen durch demokratische Wahlen bedingten Machtwechsel bestehen keine – Aliev hat sich durch Verfassungsänderung das Recht auf eine unbeschränkte Zahl von Amtszeiten zusichern lassen. Zuletzt wurde der von den heterogenen Oppositionskräften zum gemeinsamen Kandidaten gekürte Rustam Ibraimbekov aus formalen Gründen von der Teilnahme an den Wahlen ausgeschlossen. Dennoch investiert das Regime Aliev große Summen in den „Wahlkampf“ und reagiert auf oppositionelle Initiativen nervös. Worin besteht überhaupt die Bedeutung von Präsidentschaftswahlen in Ländern ohne plurale Demokratie? Welche Dynamik besteht unter der Oberfläche einer stabil erscheinenden Autokratie?

Mit unseren Gästen werden wir über die Situation nach den Wahlen diskutieren und darüber, warum Georgien und Aserbaidschan so unterschiedliche Entwicklungspfade eingeschlagen haben. Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen den beiden Ländern, die ihre geopolitische Partnerschaft stets betonen? Emin Millis Beitrag zu den aserbaidschanischen Wahlen wird mit Filmbeispielen illustriert. 



Walter Kaufmann (deutsch) 0:00-14:05
Stefanie Schiffer (deutsch) 14:07-26:37
Tamar Kordzaia (georgisch) 28:10-39:37
Zaal Andronikashvili (deutsch) 41:17-53:25
Leyla Alieva (englisch) 55:05-1:08:50
Emin Milli (englisch) 1:09:46-1:22:03



Monday, October 21, 2013

DISKUSSION: Südkaukasus: Ist Demokratie machbar, Herr Nachbar? Nach den Präsidentschaftswahlen in Aserbaidschan und Georgien (boell.de)

(boell.de) Podiumsdiskussion am 5. November 2013 19.00 - 21.00 Uhr

Ort: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin

Mit:
Tamar Kordzaia, Abgeordnete im Parlament, Georgischer Traum - Demokratisches Georgien, Georgien
Zaal Andronikashvili, Literaturwissenschaftler und Blogger, Georgien
Emin Milli, Direktor Meydan-TV, Aserbaidschan
Leyla Alieva, Politikberaterin, Präsidentin Center for National andInternational Studies, Aserbaidschan
Stefanie Schiffer, Europäischer Austausch, Berlin

Moderation: Walter Kaufmann, Referatsleiter Ost- und Südosteuropa, Heinrich-Böll-Stiftung Berlin 

Am 9. Oktober finden in Aserbaidschan Präsidentschaftswahlen statt, das Nachbarland Georgien folgt zwei Wochen später am 27. Oktober. Die Ausgangsbedingungen in den beiden Ländern könnten kaum unterschiedlicher sein. In Georgien führte der Sieg des Wahlbündnisses zGeorgischer Traum " Demokratisches Georgienoe unter dem populären Milliardär Bidsina Iwanischwili bei den Parlamentswahlen im Oktober 2012 zum ersten demokratischen Regierungswechsel in der Geschichte des Landes. Mit den Präsidentschaftswahlen geht nun die Arä von Mikheil Saakashvili, der nicht erneut antreten darf, endgültig zu Ende. Zugleich treten Verfassungsänderungen in Kraft, die Georgien in ein parlamentarisches System verwandeln und die Machtbefugnisse des Präsidenten zugunsten des vom Parlament bestimmten Premiers stark eingrenzen. Ist Georgien damit in ruhigem Fahrwasser einer kontinuierlichen demokratischen Entwicklung angelangt? Dies zumindest behauptet der derzeitige starke Mann, Premier Iwanischwili, der sich daher nach der Präsidentschaftswahl aus der Politik zurückzuziehen will. Wird sein Rückzug erneute Instabilität auslösen? In Aserbaidschan dagegen ist alle politische, wirtschaftliche und mediale Macht in den Händen von Präsident Ilham Aliev konzentriert. Aussichten auf einen durch demokratische Wahlen bedingten Machtwechsel bestehen keine "Aliev hat sich durch Verfassungsänderung das Recht auf eine unbeschränkte Zahl von Amtszeiten zusichern lassen. Zuletzt wurde der von den heterogenen Oppositionskräften zum gemeinsamen Kandidaten gekürte Rustam Ibraimbekov aus formalen Gründen von der Teilnahme an den Wahlen ausgeschlossen. Dennoch investiert das Regime Aliev große Summen in den zWahlkampfoe und reagiert auf oppositionelle Initiativen nervös. Worin besteht überhaupt die Bedeutung von Präsidentschaftswahlen in Ländern ohne plurale Demokratie? Welche Dynamik besteht unter der Oberfläche einer stabil erscheinenden Autokratie? Mit unseren Gästen werden wir über die Situation nach den Wahlen diskutieren und darüber, warum Georgien und Aserbaidschan so unterschiedliche Entwicklungspfade eingeschlagen haben. Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen den beiden Ländern, die ihre geopolitische Partnerschaft stets betonen?

Emin Millis Beitrag zu den aserbaidschanischen Wahlen wird mit Filmbeispielen illustriert.

Sprache: Georgisch/Englisch/Deutsch mit Simultanübersetzung

Anmeldung: Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich

Information:
Katja Giebel
Projektbearbeiterin
Referat Ost- und Südosteuropa
E giebel@boell.de
T 030-28534-388

Wir weisen darauf hin, dass im Rahmen dieser Veranstaltung Foto-/Ton- und Filmaufnahmen von TV-Sendern sowie für öffentliche und nicht-öffentliche Zwecke gemacht werden können.

Tuesday, October 23, 2012

DISKUSSION: Georgien: Gelingt der demokratische Machtwechsel? (boell.de)

(boell.de) Georgien: Gelingt der demokratische Machtwechsel? Berichte und Analysen zu den georgischen Parlamentswahlen am 1. Oktober 2012

Datum: Donnerstag, 25. Oktober 2012, 19.00 Uhr

Ort: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Mit:

- David Zurabishvili (Koalition Georgischer Traum/ Republikanische Partei)
- Giorgi Kandelaki (Abgeordneter der Vereinten Nationalen Bewegung, ehem. Regierungspartei, nun Opposition, Tbilisi)
- Salome Asatiani (Korrespondentin des georgischen Programms von Radio Free Europe, Prag)
- Viola von Crammon (MdB Bündnis 90/Die Grünen)


Am 1. Oktober 2012 fanden in Georgien Parlamentswahlen statt. Sie führten zu einer tiefen Zäsur in der jüngeren Geschichte des Landes: Zum ersten Mal steht Georgien vor einem regulären, durch eine demokratische Wahl herbeigeführten Machtwechsel.

Die seit der Rosenrevolution von 2003 regierende Nationale Bewegung von Präsident Micheil Saakaschwili erlitt bei der Wahl eine schwere Niederlage. Verfügte sie bis zum 1. Oktober über eine Zweidrittelmehrheit im Parlament und ein politisches Monopol auf allen Ebenen des Staates, muss sie sich nun in der Rolle der parlamentarischen Minderheit und Opposition einrichten. Gewinner der Wahlen sind die unter Führung von Bidzina Ivanischwili zusammengeschlossenen sechs Parteien des Oppositionsbündnisses 'Georgischer Traum' - sie verfügen nun über die klare Mehrheit der Mandate und können die Regierung bestimmen. Ihr Einfluss wird entscheidend verstärkt durch die nach der Präsidentschaftswahl 2013 in Kraft tretenden Verfassungsreform, durch die Georgien von einem Präsidial- zu einem parlamentarischen System wechseln wird und die zentralen Machtbefugnisse vom Präsidenten auf den vom Parlament gewählten Premierminister übertragen werden. Damit scheint die Zeit von Micheil Saakaschwili als die alles dominierende politische Führungsfigur Georgiens vorbei zu sein - nach zwei Amtsperioden darf er nicht mehr als Präsident kandidieren.

Gelingt es der georgischen Gesellschaft, den demokratischen Machtwechsel nach einem zutiefst polarisierenden Wahlkampf friedlich zu vollenden? Worin liegen die Gründe der Wahlniederlage der zuvor dominanten Regierungspartei von Präsident Saakaschwili? Wer sind die neuen Machthaber, und wie demokratisch wird ihre politische Praxis? Gelingt Georgien tatsächlich der Schritt zu einer pluralistischen Demokratie?

Sprache: Georgisch/Deutsch mit Simultanübersetzung.

Anmeldung: Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Information: Nina Happe, Referat Ost- und Südosteuropa, Heinrich-Böll-Stiftung Berlin, T +49 (0)30 285 34 384, E happe@boell.de

VeranstalterHeinrich-Böll-Stiftung, Berlin
Veranstaltungs- ort
Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
10117
Berlin, Schumannstr. 8
Mit der S-Bahn oder mit der U-Bahn bis Bahnhof Friedrichstraße. Ausgang über die Spree, dann Albrechtstraße, Reinhardtstraße überqueren und nach links in die Schumannstraße.

Lageplan
 

Monday, June 11, 2012

DISKUSSION: Georgien: "Die Farben des Kapitalismus"

(freiheit.org) Im Rahmen der Festveranstaltung „Deutsche Woche Tiflis – 20 Jahre deutsch-georgische Beziehungen“ veranstalteten die Vertretungen der deutschen politischen Stiftungen in Georgien, die Konrad-Adenauer-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung sowie federführend die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit eine Paneldiskussion zum Thema „Die Farben des Kapitalismus: Welche Zukunft für Georgien?“

Klicken Sie auf das Bild, um dieses Fenster zu schlie�en!Im Vorfeld der Parlamentswahlen im Oktober 2012 widmete sich das Panel aktuellen Themen und Streitfragen: Welchen Reformkurs beschreitet das Land in Zukunft? Entscheidet sich die Führung des Landes für das Entwicklungsmodell einer Modernisierungsdiktatur, in der wirtschaftliche Liberalisierung eng verknüpft ist mit politischer Unfreiheit und selektiver Rechtsstaatlichkeit? Oder wird man sich für den europäischen Weg eines liberaldemokratischen Rechtsstaats in Verknüpfung mit freier Marktwirtschaft stark machen?

Eingeführt und moderiert wurde das Panel hochrangiger Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft vom Direktor des Netherland Instituts for Multiparty Democracy, Levan Tsutskiridze. Im Panel vertreten waren Zurab Japaridze, Professor an der Freien Universität Georgien, Giorgi Targamadze, Vorsitzender der Christdemokratischen Bewegung Georgiens, Levan Izoria, Mitglied der Freien Demokraten, Irakli Petriaschwili, Gewerkschaftsführer und Pulizist, Manana Kochladze, Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation Green Alternative, sowie der Wirtschaftsjournalist und Analyst Revaz Sakevarishvili.

Klicken Sie auf das Bild, um dieses Fenster zu schlie�en!
Nino Lejava und Walter Kaufmann.
In der Diskussion wurde insbesondere die Frage aufgegriffen, welche Reformen ein Land wie Georgien für seine weitere Entwicklung brauche. Hauptgegensatz bildete dabei die von Herrn Japaridze vertretene Regierungsauffassung, Georgien müsse weiter auf Deregulierung und die Schaffung günstiger Bedingungen für Unternehmer setzen. Zurab Japaridze, der in seinen Ausführungen die Institution einer Wettbewerbsbehörde heftig kritisierte, vertrat die Meinung, dass die georgische Regierung mit ihrer Deregulierungspolitik manch europäischen Staat in den Schatten gestellt habe. Nun müsse man in einem nächsten Schritt die Nationalbank abschaffen, um einen Währungswettbewerb einzuführen.

Im Gegensatz dazu bewertete der Wirtschaftsexperte Sakevarishvili die bisherigen Reformen als zu einseitig, da keine Rahmenbedingungen für Wettbewerb gegeben seien und mangelnde Rechtssicherheit für georgische wie ausländische Investoren bestünden. Der Vertreter der Freien Demokarten fügte hinzu, die Reformen seien der wirtschaftlichen und sozialen Lage im Land nicht angemessen und begünstigten lediglich eine Reihe von Geschäftsmännern, die der Regierung nahe stünden. Fehlender Wettbewerb habe so zu einer Oligarchisierung der georgischen Wirtschaft geführt. Schließlich plädierte Giorgi Targamadze für das deutsche Modell einer sozialen Marktwirtschaft, die stärker auf die sozialen Belange der Bevölkerung Rücksicht nehmen müsse.

Das Publikum schloss sich der lebhaften Diskussion mit Kommentaren und Fragen an. Viele Teilnehmer charakterisierten die Regierungsführung als zu autoritär. Andere wiederum argumentierten, wirtschaftliche Reformen müsse man durchsetzen, und regulative Institutionen bzw. Rahmenbedingungen behinderten Wirtschaftswachstum nur. In einem Punkt waren sich jedoch alle Beteiligten einig: Privateigentum sei eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung des Landes und müsse besser vor staatlicher Willkür geschützt werden. Dies dürfe allerdings nicht zu einem Laissez-faire-Kapitalismus und einer Ellenbogengesellschaft führen, in der lediglich die ökonomisch bislang erfolgreichen Akteure ihre Freiheitsrechte auch realisieren können.

Die Veranstaltung hat das Dilemma, in dem das Transformationsland Georgien steckt, besonders deutlich gemacht. In den ersten Jahren nach der Rosenrevolution bestand das erklärte Ziel der georgischen Führung darin, das Land durch eine radikale Rosskur zu einer der führenden Volkswirtschaften in der Region zu entwickeln. Das Rezept bestand neben der Stärkung der Sicherheitsorgane wie z.B. Polizei oder Militär in einer kompromisslosen Deregulierung und Entbürokratisierung sowie der Umsetzung eines Minimalstaates im Bereich Wohlfahrt mit dem Ziel, vor allem ausländischen Unternehmern größtmögliche Freiheit zu verschaffen und Investitionen in das Land zu holen.

Anfänglich war diese Strategie äußerst erfolgreich und Georgien erhielt Bestnoten im Ease of Doing Business Index der Weltbankgruppe. Die zunehmende Attraktivität Georgiens für ausländische Unternehmer führte zu einem Anschwellen der Investitionen in 2007 und Anfang 2008 auf ein Rekordniveau und bescherte der georgischen Regierung satte Staatseinnahmen.

Trotz dieses Erfolgs blieb das allgemein erwartete georgische Wirtschaftswunder allerdings bislang aus. Bei näherer Betrachtung wird klar: die Reformen konzentrieren sich auf die Bereiche Deregulierung und Abbau von Hemmnissen für ausländische Unternehmer, lassen institutionelle Rahmenbedingungen einer Marktwirtschaft aber fast völlig außer Acht. Der Aufbau effizienter Institutionen und die Durchsetzung von rechtsstaatlichen Prinzipien hielt nicht Schritt mit der anfänglich mutigen Liberalisierung Georgiens.

Klicken Sie auf das Bild, um dieses Fenster zu schlie�en!
Canan Atilgan und Yasemin Pamuk
Yasemin Pamuk, Projektleiterin der Stiftung für die Freiheit im Südkaukasus fasste zusammen: "Georgien ist in den vergangenen Jahren einen weiten Weg gegangen. Wie die Paneldiskussion aber auch deutlich gezeigt hat, steht das Land heute vor wichtigen Entscheidungen, die für seine künftige Entwicklung von großer Bedeutung sind. Aus liberaler Sicht heißt dies, die Führung des Landes darin zu bestärken, das Prinzip der Freiheit, sei es politische, individuelle oder ökonomische Freiheit, für die Bürger zu verwirklichen und den liberalen Reformkurs in dreifacher Hinsicht weiterzuentwickeln: Rechtsstaatlichkeit, politischer Pluralismus und freier Wettbewerb."

Tuesday, November 23, 2010

EINLADUNG: Topografie des Stalinismus - Zur Aufarbeitung der Repressionsgeschichte in Georgien, 02.12.10, 19 Uhr (taz.de)

www.boell.de

Topografie des Stalinismus
Zur Aufarbeitung der Repressionsgeschichte in Georgien

Datum: 2. Dezember 2010, 19.00 Uhr
Ort: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8 10117 Berlin
Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich

Podiumsdiskussion mit:
* Omar Tushurashvili, Georgisches Staatsarchiv, Tbilisi
* Lasha Bakradze, Soviet Past Research Laboratory, Tbilisi
* David Gogishvili, Soviet Past Research Laboratory, Tbilisi
* Giorgi Kldiashvili, Soviet Past Research Laboratory, Tbilisi

Moderation: Walter Kaufmann, Heinrich-Böll-Stiftung

Stalin wird in Georgien entweder als großer Sohn des Landes gefeiert oder verschwiegen. Die Aufarbeitung des Stalinismus war im Geburtsland des Diktators bislang kein Thema. Doch mittlerweile verändert sich etwas: Im Juni dieses Jahres stürzte die Regierung von Präsident Micheil Saakaschwili das monumentale Stalindenkmal im Zentrum von Gori, der Geburtsstadt Stalins, vom Sockel.

Eine Gruppe von acht jungen Historikern aus Tiflis nutzt den politischen Abgrenzungswillen der Regierung gegenüber der sowjetischen Vergangenheit und die damit verbundene Zugänglichkeit der Archive, um das Thema "Aufarbeitung des Stalinismus" in Georgien voranzutreiben. 2009 gründeten sie das unabhängige "Soviet Past Research Laboratory". In mühsamer Kleinarbeit in staatlichen und privaten Archiven sowie durch Interviews mit Zeitzeugen schafft das von der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützte "Laboratorium" Grundlagen für die differenzierte Erforschung des Phänomens "Stalinismus" und seinen Auswirkungen auf die georgische Gesellschaft.

Seit 2009 bietet das "Soviet Past Research Laboratory" unter dem Titel "Topografie des Roten Terrors" Stadtführungen zu Orten stalinistischer Repression an.

Die Historiker vom "Soviet Past Research Laboratory" laden zu einem virtuellen Rundgang ein und berichten über Rahmenbedingungen der Aufarbeitung des Stalinismus in Georgien.

Die Veranstaltung wird simultan Georgisch - Deutsch übersetzt.

Eintritt frei, im Anschluss sind Sie zu einem Umtrunk und informellen Austausch eingeladen.

Informationen:
Kerstin Nickig
, Referat Osteuropa, T 030-28534-384,
Email:
RG_Osteuropa@boell.de

Hinweis:
Wir weisen darauf hin, dass im Rahmen dieser Veranstaltung Foto-/Ton- und Filmaufnahmen von TV-Sendern sowie für öffentliche und nicht-öffentliche Zwecke gemacht werden können.


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Red Terror Topography

In the small hours of the morning on June 25, 2010, the Georgian government removed a statue of the Joseph Stalin from the central square of his hometown of Gori. Georgian media and civil society were instantly abuzz with talk about dismantling the dictator’s statue and the ambivalent views many Georgian still hold about Stalin and his era. The Heinrich Boell Foundation (HBF), in cooperation with DVV International and the new non-governmental organization “The Soviet Past Research Laboratory,” has been developing an innovative project about the Stalin era to provide a new means for Georgians to address their past. Official action to move the Stalin statue from the central square to a nearby museum shows that the time is right for looking back at Georgia’s history.

“The Topography of Red Terror” will develop routes and tours showing buildings and places associated with Soviet terror and repression. Guides will be trained to explain and interpret the sites for Georgians and international visitors. By directly encountering the locations where people in Georgia experienced injustice at the hands of the state, citizens and visitors can have a more vital understanding of the shape.

To set up the project, the HBF and partners are drawing on international expertise, in both coming to terms with a dictatorial past and in engaging the public with such difficult questions. On July 1-2, the Foundation hosted a workshop with experts who have addressed similar questions in other countries, most notably in the Baltic States. Former Prime Minister of Estonia Mart Laar, representatives of Estonian Ministry of Internal Affairs, along with representatives from Latvia’s Museum of the Occupation, Lithuania’s Genocide and Resistance Research Centre of Lithuania, and Russia’s International Memorial participated in the workshop.

The working group first met in November 2009, and it served as a starting point for researching the historical details, initiating a design of the route map of the Red Terror illustrating buildings and places associated with the Soviet terror and repressions. The process will support Georgian society in its efforts to come to terms with its Soviet legacyAt the July meeting, the Soviet Past Research Laboratory organized a test run of the guided tour in the old parts of Tbilisi, showing and describing historical places and buildings related to Stalinist terror, including NKVD headquarters, Communist Party offices, places of executions, houses of Communist party leaders. These locations and their history are largely unknown to the most Georgians, let alone foreign visitors.

In addition, participants visited the Archive Administration of Analytical Department of Ministry of Internal Affairs of Georgia that years ago served as the Archive of Soviet Party Organs. They had a unique opportunity to see original documents from the Stalin period, such as investigative papers, protocols of “Troikas” (judicial authorities) in 1937–38, protocols of the judicial sessions of Georgian Cheka collegiums, and orders of execution. These documents are now housed by the Archive Administration of the Ministry of the Internal Affairs. They are the raw material of history and enable visitors to get factual information on a dark part of the country’s history. The tour of Tbilisi locations was based on materials found in these archives.

Archive representatives presented a documentary showing how damaged archival materials were preserved, restored and made available to the broader public. Digitalization of the materials and open access to the archive documentation are important steps toward the democratic development of the country and shedding light on shadowy parts of its Soviet history.

The workshop participants agreed to assist the launch of an international consortium for the Stalin Museum in Gori. High-level political support could lead to establishing a museum and a research center, with global scope, focused on communist crimes and located in Gori. Such a center would include the current Stalin Museum as one part of its exhibits. Estonian participants also contributed their perspective on both legal and historical perspectives on Soviet actions. As a result, workshop members encouraged supporting Georgian society in establishing an International Investigation Commission on Crimes Against Humanity in Georgia.

The HBF and the DVV, in cooperation with the Soviet Past Research Laboratory, will continue to support the process of researching, designing the route map of the Soviet terror in Tbilisi and developing new ideas on coming to terms with Georgia’s past. With changes even coming to Gori, the time is right.

Tuesday, May 11, 2010

INTERNATIONAL CONFERENCE: The EU and Civil Society in the South Caucasus: a Common Effort to Build Sustainable Peace (dgo-online.org)

10 June 2010, Berlin, Germany

Background and Topic


In May 2009 the EU launched the Eastern Partnership (EaP) with Armenia, Azerbaijan, Belarus, Georgia, Moldova and Ukraine. Building on the European Neighbourhood Policy, the Eastern Partnership is the new framework under which relations between the EU and the six Eastern neighbours will be developing. It includes a bilateral dimension between the EU and each country and a multilateral dimension involving all Partners, the latter being accompanied by a Civil Society Forum which first met in November 2009 in Brussels.

The three countries of the South Caucasus pose a particular challenge to the Eastern Partnership. They all experienced violent conflicts on their way to independence that did not allow them to develop with the desired speed, to create new economic opportunities and to ensure their security. The unresolved conflicts in Abkhasia, South Ossetia and Nagorno Karabakh have become a major issue of international politics, and there is growing awareness that the spill-over from these conflicts can have a serious impact on Europe’s security. Since the war in August 2008, relations between Georgia and Russia are extremely tense and are further burdened by Georgia’s aspirations of NATO membership. Moreover, Nagorno-Karabakh continues to pose a serious threat of conflict between Armenia and Azerbaijan.

Following the August 2008 war in Georgia, the EU has become fully engaged in conflict settlement in the South Caucasus. It worked out a comprehensive policy approach encompassing the EU Monitoring Mission and a broad set of soft policy instruments, which include political as well as economic and social means. After the termination of the mandates for OSCE and UN it is the EU who has slipped into the role of monitoring cease fire lines in Georgia. Its comprehensive peace building effort enjoys the full support of the international community, including Russia. These efforts are accompanied by some promising developments in the relations between Armenia and Turkey, which have been hampered over the past decades particularly because of the Nagorno-Karabakh conflict.

However, efforts undertaken on the government level alone are insufficient. What is urgently needed is a strong engagement by the civil society. Unless there is a complimentary effort by civil actors’ peace building in the South Caucasus will hardly be sustainable. Above all this concerns such vital areas like confidence building and the restoration of people-to-people contacts.

The Berlin Conference will consider the role of civil society within the new peace-building landscape. It aims to take stock of the institutional setting which civil society organisations are facing. This would serve as a basis to identify opportunities for confidence-building initiatives suitable to reduce mistrust, to hold governments accountable and to support the EU’s conflict resolution activities in particular.

Program

The EU and Civil Society in the South Caucasus: a Common Effort to Build Sustainable Peace

Thursday, 10 June 2010

09:00 – 09:30 Arrival, Coffee

09:30 – 09:45 Opening remarks:
Carsten Lenk, Program Officer, Robert Bosch Stiftung
Gabriele Freitag, Executive Director, German Association for East European Studies (DGO), Berlin
George Zarubin, President, Eurasia Partnership Foundation

09:45 – 12:00 Panel One:
The EU's Contribution to Conflict Settlement in the South Caucasus
Armenia, Azerbaijan, and Georgia do not have identical objectives in their relations
with the EU. However in their aspiration to advance links with the EU, all three South Caucasus Countries to varying degrees implemented political, social, and economic reforms. In addition unresolved conflicts in Abkhazia, South Ossetia, and Nagorno-Karabakh further hinder the process of the European Integration. What is the EU’s present contribution to conflict settlement? Where are the largest opportunities, and where the shortcomings of the present instruments applied? And is there a win-win strategy for Armenia, Azerbaijan, and Georgia engaging with the largely unrecognized territories of Nagorno-Karabakh, Abkhazia, and South Ossetia?

• Political landscape and conflicts in the South Caucasus – general overview
• Dimensions of the EU’s engagement (incl. Eastern Partnership instruments, EaP Civil Society Forum)
• The EU’s role in conflict resolution initiatives (OSCE, UN, Council of Europe):
Is there any European example of peace-building and conflict transformation? How can it possibly impact the peace processes in the South Caucasus?

Short Introduction: Facts and Figures
Hans Gutbrod, Regional Director, Caucasus Research Resource Center, Tbilisi

Speakers:
Peter Semneby, European Union Special Representative for the South Caucasus, Brussels
Giorgi Baramidze, Vice Prime Minister and State Minister for Euro-Atlantic Integration, Tbilisi
Tabib Huseynov, Political Analyst, International Crisis Group Correspondent in Azerbaijan, Baku (tbc) Gevorg Ter-Gabrielyan, Armenia Country Director, Eurasia Partnership Foundation, Yerevan

Moderator:
Dieter Boden, Ambassador (ret.); former Special Representative of the United Nations Secretary-General in Georgia; Member of the Board of Trustees, Eurasia Partnership Foundation, Berlin

12:30 – 14:00 Luncheon Address
Cornelia Pieper, Minister of State, Ministry of Foreign Affairs of Germany, Berlin

14:00 – 16:30 Panel Two:
The Role of the Civil Society: What Can be Done to Make the Effort Still More Effective?
Societies function most effectively when the state and its citizens engage openly in debate on how policies and decisions that affect them are formulated and implemented. What can be done to support peace processes and confidence-building? What is the role of civil society in dismantling and preventing confrontations, simultaneously serving as a mean of developing conditions where the states and the peoples of the region can enjoy friendly relations and close cooperation amongst each other as well as with the EU? And how can the EU engage Russia to help promote peace-building in the South Caucasus?

• Civil society initiatives addressing conflict dimensions (towards their own governments; confidence building with breakaway territories; confidence building between South Caucasus states and/or with Russia, Turkey)
• Interaction between civil society and the EU – where to focus (incl. opportunities
provided by EaP, Civil Society Forum to raise issues to the EU level)

Speakers:
Farda Asadov, Director, Open Society Institute Azerbaijan, Baku
Walter Kaufmann, Heinrich Böll Stiftung, Berlin
Giorgi Khutsishvili, Head of the International Center for Conflict Negotiations, Tbilisi
Amalya Kostanyan, Head of Transparency International in Armenia, Yerevan

Moderator:
Sabine Freizer, Europe Program Director, International Crisis Group, Brussels

16:30 Closing Remarks
George Zarubin, President, Eurasia Partnership Foundation,Tbilisi
Andreas Wittkowsky, German Association for East European Studies (DGO); Member of the Board, European Integration Strategy Association, Berlin


Programm & Anmeldung >>>

Dr. Gabriele Freitag -Geschäftsführerin-
Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e.V.
German Association for East European Studies
Schaperstr. 30
D-10719 Berlin
Tel.: +49(0)30 214 784 12
Fax: +49(0)30 214 784 14
Mail: info@dgo-online.org
Web: www.dgo-online.org

Saturday, May 23, 2009

KOLLOGIUM: Konfliktlandschaft Kaukasus: Hintergründe und Perspektiven (osteuropa.unibas.ch)

Mittwoch, 27. Mai, 18:15 Uhr
Kollegienhaus der Universität Basel (Petersplatz 1), Hörsaal 118 (1. Stock)

Teilnehmer:

Prof. Dr. Gasan Gusejnov, Osteuropahistoriker und Publizist
Walter Kaufmann, M.A., Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung Südkaukasus
2002-2008
Dr. Jeronim Perovic, Historiker und Kaukasusexperte

Moderation:

Prof. Dr. Thomas Grob, Slavisches Seminar der Universität Basel

In Zusammenarbeit mit dem Freundes- und Förderkreiskreis Osteuropa, Basel
www.osteuropa.unibas.ch

Saturday, March 14, 2009

MAGAZIN: Aus Politik und Zeitgeschichte, veröffentlicht am 23. März 2009 mit dem Thema "Kaukasus" (bpb.de)

Gestern wurde auf der Buchmesse in Leipzig die Wochenzeitung Aus Politik und Zeitgeschichte vorgestellt, die am 23. März 2009 mit dem Thema "Kaukasus" erscheinen wird.
Einer der Autoren war hier auch auf dem Podium: Walter Kaufmann hat kurz und bündig, nach dem das Thema, wie immer hier in unseren Breitengraden, erst einmal grundlegend eingeführt werden muss, die Lage erklärt. Er konstatierte einleitend, dass einfache Gut- und Böse-Schemate eben nicht funktionieren. Auch hinsichtlich des Georgienkrieges ist die Sachlage komplexer und sollte ausdifferenziert betrachtet werden.
Natürlich sind weder die Georgier unhinterfragbar die Guten, aber auch die Sezessionisten - die Abchasier und Südosseten beispielsweise - sind per se die Bösen in diesem Konflikt. Jeder beansprucht in seinem Interesse seine Rechte. Ebenfall gilt das für die Armenier und die Aserbaidschaner hinsichtlich des Karabakh-Konfliktes. Auf der Suche nach Schutz - denn diese Region rüstet enorm auf - bieten sich dann auch noch die Global Player an. Und wenn es sein muss, wird dann durch diese wissentlich oder unwissentlich auch noch "Erdöl" ins Feuer gegossen.
Letztendlich wurde zusammengefasst, dass es hier nicht nur ums Erdöl, also um die Energiepolitik geht. Auch der Westen geht hinsichtlich seiner Interessen Kompromisse ein, die fatal sein können, indem er beispielsweise das Referendum für eine präsidentiale Herrschaft auf Lebenszeit kaum Aufmerksamkeit zukommen lässt. Die südkaukasischen Länder sind sogenannte Demokratien. Aber nirgendwo herrscht Gewaltenteilung geschweige denn Pressefreiheit und Meinungsfreiheit. Worauf das hinausläuft kann wohl niemand genau sagen. Ruhig und stabil schaut es nicht aus. Selbst eine Theorie des Gefangenen-Dilemmas hilft da nicht wirklich weiter, dabei ist wohl der Einsatz zu unberechenbar und unterschiedlich, und Effekte nicht wirklich kontrollierbar. Wie man gesehen hat, war Saakshvilis Einsatz auf den ersten Eindruck nicht rational fassbar. Betrieb er ein riskantes Spiel oder herrschten im Hintergrund gar andere Regeln? Nicht umsonst geistern im Kaukasus auch die Verschwörungstheoretiker durch die Gegend - altmodische Eiferer und moderne Medienprofis.

Aber beschreiben kann man mit dieser Theorie des Rational Choice die Situation irgendwie schon. Nicht von ungefähr heißt ein Film von Sergej Bordrov wohl auch in diesem Sinne "Gefangen im Kaukasus" - nach einer Novelle von Tolstoi erzählt der Film eine Episode aus dem Tschetschenischen Bürgerkrieg. Oder kommt Puschkin in seinem berüchtigtem Poem «Der Gefangene im Kaukasus» (1821) dem Problem näher, in dem er General Jermolow preist, der den Kaukasus erzittern lässt (siehe hier >>> ) ?
Silvia Stöber von tagesschau.de (
Georgien im Wahlkampf / Konflikt im Südkaukasus / Wackelt Saakashvilis Suhl? ) pflichtete Kaufmann bei, indem auch sie die Schwierigkeiten andeutete, die Problematik adäquat medial darzustellen. Schon Zeit- und Platzprobleme tun da ihr übriges.
Weglassen hat auch Effekte. Minimalismus nennt man das in der Kunst, wobei die Öffentlichkeit eigensinnig reagiert, was die Angebote betrifft.
Und Tamuna Gurchiani beschrieb anfangs die emotionale Befindlichkeit mit Ausbruch des Krieges und danach. Sie lebt seit 2006 wieder in Georgien, organisierte in Südossetien vor Ausbruch des Krieges zusammen mit Martina Tichov das Film Festival "Nationality: human" - (South Caucasian Documentary Film Festival). Natürlich lebte sie immer mit diesen "frozen conflicts", aber letztendlich kam der Krieg im letzten Sommer auch für sie unerwartet. Sie schilderte knapp, die Müdigkeit und Ohnmacht der Georgier. Auf die Frage, wie es um die Integrität des georgischen Territoriums bestellt sei, antwortete sie, dass die Georgier, so hörte man es im Land, wohl an die 50 Jahre ohne diese Gebiete auskommen müssen, aber grundsätzlich werden sie das nie in aller Konsequenz dulden. Sie werden das nicht vergessen. Zur politischen Lage hinsichtlich der kommenden Wahlen führte sie auch die emotionale Lage vieler Georgier ins Feld, das man wohl gegenwärtig zu müde für Experimente sei. Alasania genieße als ehemaliger UN-Botschafter Georgiens ein gewisses Ansehen im Land und auch im Westen. Nur stellte man sich die Frage, wie es um seine Mannschaft bestellt sei. Gurchani führte auch an, dass aufgrund der angefangenen Projekte in den letzten Jahren auch Saakashvili eine gewisse Chance habe, wiedergewählt zu werden, da niemand in Georgien will, dass das Land um Jahre zurückgeworfen wird. Unter diesem Blickwinkel wird es wohl wieder interessant werden, welche Versprechungen die Akteure von außerhalb der Konfliktzone hier einbringen.
In der Summe war es eine gelungene Einführung in die Problematik für die Messebesucher in Halle 3. In einer halben Stunde kann natürlich kaum eine ausgiebige Analyse erfolgen. Wer will kann ab 23. März in der Beilage Aus Politik und Zeitgeschichte von unterschiedlichen Autoren mehr erfahren. Der Blickwinkel ist dabei ein wissenschaftlicher und publizistischer Einstieg. Weltpolitik, die Zivilgesellschaft, Konfliktdarstellung, Minderheiten- und Machtpolitik, die Geschichte Kaukasiens und der Auslandsjournalismus werden vordergründig beleuchtet. Mentalitäten, lokale Identitäten, künstlerische Reflexe, ethnographische Beschreibungen kommen zu kurz, um die Eigenarten und Konflikte der kulturellen Selbstvergewisserung darzulegen. Der Südkaukasus ist eben auch ein fremdes Land - mit einem eigenen Koordinatensystem zur Orientierung und anderen Verkehrsregeln, um diese etwas nüchteren Metaphern zu bemühen, die die Menschen in dieser Region wohl kaum etwas angehen.

Jedoch ist das Heft mit solchen profunden Kennern und Autoren ihres Faches, wie Uwe Halbach, Walter Kaufmann, Manfred Quiring, Maximilian Opitz, Eva-Maria Auch und Gemma Pörzgen sehr zu empfehlen.
Ein ethnopsychologischer Blick fehlt mir irgendwie - doch das wäre dann wohl zu literarisch oder verschwobelt geworden und tut einer kompetenten Darstellung Abruch, wie man es landläufig unterstützt. Aber man könnte präziser Minderwertigkeitskomplexe und Defizite beschreiben, man kann aber auch einen Spiegel hervorholen und sich über seine eigenen Unfähigkeiten, Grenzen und Kompensationen im klaren werden, indem man die Herausforderungen der kaukasischen Mentalität annimmt und zusieht wie weit man damit kommt. Das gilt nicht nur für den Kaukasus, auch für den Balkan und die russische Weite, um das mal auf den eurasischen Kontinent zu beschränken - was bei weitem nicht ausreicht. (Ralph Hälbig)

ab dem 23. März auch online hier >>>

Tamuna Gurchani und Johannes Piepenbrink

Johannes Piepenbrink, Silvia Stöber und Walter Kaufmann

Sunday, March 08, 2009

BUCHMESSE LEIPZIG 2009: APuZ-Forum: Kaukasus - Krise ohne Ende (leipzig-liest.de)

13. März 2009, 14:30 - 15:00 Uhr

Die Autoren des kurz vor der Messe erscheinenden APuZ-Heftes zum Kaukasus diskutieren über die aktuelle Situation nach dem Krieg in Georgien und die Perspektiven der Region

Veranstalter Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
Ort Sach- und Fachbuchforum, Halle 3, Stand H300

Obwohl der Georgienkrieg erst ein halbes Jahr zurückliegt und für kurze Zeit die gesamte Welt in Atem hielt, ist die Kaukasusregion heute kaum mehr in den Medien präsent. Eine Woche vor Erscheinen einer aktuellen Ausgabe der bpb-Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ) zum Thema "Kaukasus" diskutieren mehrere Kaukasus-Experten aus Deutschland und der Region über die aktuelle Lage und die Frage, wie die Zukunft dieser konfliktbelasteten Region aussehen könnte.

Teilnehmer
  • Tamuna Gurchani, Kuratorin beim Südkaukasischen Dokumentarfilmfestival über Frieden und Menschenrechte, Tbilissi/Georgien
  • Walter Kaufmann, bis 2008 Leiter des Regionalbüros Südkaukasus der Heinrich-Böll-Stiftung in Tbilissi/Georgien, Autor in der APuZ 13/2009 (Kaukasus)
  • Silvia Stöber, Tagesschau-Korrespondentin

    Moderation: Johannes Piepenbrink, Bundeszentrale für politische Bildung
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Leipziger Buchmesse, dem wichtigsten Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche, statt. Hier treffen sich Verlage, Autoreninnen und Autoren, Leserinnen und Leser sowie Journalisteninnen und Journalisten. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb präsentiert sich mit ihrem gesamten Sortiment, mit Klassikern wie den "Schwarzen Heften", mit Neuerscheinungen, aber auch mit multimedialen Produkten sowie zahlreichen Veranstaltungen.

Termin
13.03.2009

Ort
Leipziger Buchmesse, Messegelände Sach- und Fachbuchforum, Halle 3, Stand H300

Veranstalter
Bundeszentrale für politische Bildung

Kontakt
Bundeszentrale für politische Bildung
Daniel Kraft
Adenauerallee 86
53113 Bonn
Tel +49 (0)228 99515-510
Fax +49 (0)228 99515-293
kraft@bpb.de

Pressekontakt
Bundeszentrale für politische Bildung
Pressestelle
Adenauerallee 86
53113 Bonn
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Saturday, November 15, 2008

HINWEIS: Veranstaltung: Süd-Ossetien: Leben nach dem Krieg, 17.11., 19.30 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben heute Nachricht von nachfolgender Veranstaltung erhalten, auf die wir Sie – leider sehr kurzfristig – gern aufmerksam machen möchten.

Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.

Mit freundlichen Grüßen
Franca Brand

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Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e.V.
German Association for East European Studies
Schaperstr. 30
D-10719 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 / 21 47 84 12
Fax: +49 (0) 30 / 21 47 84 14
E-Mail: info@dgo-online.org
Homepage: www.dgo-online.org

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Süd-Ossetien: Leben nach dem Krieg

Zeit: Montag, 17. November, 19:30 Uhr
Ort: taz-Cafe, Rudi-Dutschke Strasse, Berlin


Seit drei Monaten schweigen die Waffen zwischen Georgien und Russland im Kampf um Süd-Ossetien. Russland hat Süd-Ossetien anerkannt, EU-Beobachter überwachen seit Oktober den Waffenstillstand. Inzwischen scheint sich das während des Krieges angespannte Verhältnis zwischen Russland und der Europäischen Union wieder zu entspannen. Die EU wird in Kürze die Verhandlungen über eine strategische Partnerschaft mit Russland wieder aufnehmen. Wie sieht heute, drei Monate nach Kriegsende, das Leben in der international nicht anerkannten Republik Süd-Ossetien aus? Gibt es überhaupt noch die Perspektive einer Reintegration Süd-Ossetiens in den georgischen Staat? Welche Auswirkungen hat der Konflikt auf die Region?

Es diskutieren:

- Svetlana Gannuschkina vom "Menschenrechtszentrum Memorial".
Gannuschkina hatte in den vergangenen 20 Jahren mehrfach Konfliktgebiete in Georgien, Berg-Karabach, Tschetschenien und Inguschetien besucht. Im Oktober 2008 hatte sie Südossetien besucht.
Gannuschkina ist Mitglied im Rat für Zivilgesellschaft und Menschenrechte beim Russischen Präsidenten, Trägerin des Menschenrechtspreises von Amnesty International, Deutsche Sektion, 2003.
- Maria Kotajewa, Jahrgang 1986, ist Lehrerin für englische Sprache und Literatur an der allgemeinbildenden Oberschule Nr. 7 der Stadt Zchinwali. Zugleich ist sie aktives Mitglied des
Jugendparlaments der Republik Südossetien. Während des Krieges befand sie sich in Zchinwali.
- Mira Zchowrebowa, Jahrgang 1952, ist an der Südossetischen Staatlichen Universität tätig, wo sie einen Lehrstuhl für englische Sprache innehat. Sie war bereits als Augenzeugin des Konflikts zur Herbsttagung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg eingeladen.
- Walter Kaufmann, eh. Leiter des Regionalbüros Südkaukasus der Heinrich-Böll-Stiftung in Tbilissi/Tiflis/Georgien (2003 bis Juli 2008).
Der Osteuropahistoriker und Slavist war 1995-2002 Osteuropa-Referent der Heinrich-Böll-Stiftung, von 2003 bis Juli 2008 Leiter des Regionalbüros Südkaukasus der Heinrich-Böll-Stiftung in Tbilisi/Tiflis/Georgien.

Moderation: Barbara Oertel, taz

Tuesday, August 26, 2008

INFORMATION: Was ist los im Kaukasus?

Der russisch-georgische Krieg: Fakten, Fragen, Hintergründe

Mittwoch, 27.08., 19.30, Haus 73, Schulterblatt 73

Mit
Walter Kaufmann, Büroleiter der Heinrich-Böll-Stiftung Tiflis, Georgien bis Ende Juni 2008 und Manuel Sarrazin, GAL, Mitglied im Europaausschuss des Bundestages

Moderiert wird die Veranstaltung von Jörn Dobert, umdenken e.V.

Während in Peking die Olympischen Spiele eröffnet wurden, schlug der "frozen conflict" in Georgien in einen offenen Krieg um. Schon nach wenigen Stunden wurde in den Medien von mehr als 1.000 Todesopfern im Krieg zwischen Russland und Georgien berichtet. Wie ist die Vorgeschichte der Auseinandersetzung um Südossetien und Abchasien? Welche langfristigen Interessen verfolgen die Regierungen in Moskau und Tiflis? Was haben die NATO und die EU damit zu tun? Ein Konflikt, der viele Fragen aufwirft. Wir versuchen, einige zu beantworten.

Eine Veranstaltung von:
umdenken Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg e.V.
Politisches Bildungswerk
Max-Brauer-Allee 116
22765 Hamburgcon

Thursday, June 05, 2008

ARTIKEL: Fast alles, was ein Staat so braucht

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Südkaukasus-Interessierte, anbei ein journalistisches Stück über Abchasien aus der Berliner Zeitung, mit einigen – wie ich finde – recht authentischen Schilderungen.

Mit freundlichen Grüßen

Walter Kaufmann
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Abchasien kämpft um seine Unabhängigkeit, Georgien hält dagegen. Das kleine Land am Rande des Kaukasus rückt erneut ins Zentrum der Weltpolitik
Von Christian Esch, Berliner Zeitung, 03.06.2008

SUCHUMI. Das Meer, das alles sieht und alles vergisst, liegt glatt und ruhig in der Sonne. Am Ufer, im Schatten der Seepromenade, plätschert das Gespräch der alten Männer an den Dominotischen - so wie es gestern schon plätscherte und vorgestern, vor dem Krieg. Damals, als Suchumi noch der glückliche Ort eines Weltreichs war und nicht die Hauptstadt eines halb zerstörten, halb entvölkerten Zwergstaates.

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Thursday, May 29, 2008

COMMENT: Stellungnahme des Office for Democratic Institutions and Human Rights der OSCE zu den Parlamentswahlen vom 21. Mai in Georgien

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Südkaukasus-Interessierte,

anbei die erste Stellungnahme des Office for Democratic Institutions and Human Rights der OSCE zu den Parlamentswahlen vom 21. Mai in Georgien.


INTERNATIONAL ELECTION OBSERVATION MISSION
Georgia — Parliamentary Elections, 21 May 2008
STATEMENT OF PRELIMINARY FINDINGS AND CONCLUSIONS

Mit freundlichen Grüßen
Walter Kaufmann
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Wednesday, April 30, 2008

REPORT: CEPS European Neighbourhood Watch 37

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Südkaukasus-Interessierte,
da ich leider aus zeitlichen Gründen derzeit keine eigenen Kommentare schreiben kann, sende ich Ihnen einen kurzen Kommentar von Michael Emerson vom CEPS in Brüssel, der die Abchasien-Problematik in einer Weise fasst, die ich inhaltlich voll unterstütze.

Mit besten Grüßen, Walter Kaufmann

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Dear Colleague,

Please download the 37th Issue of the
CEPS European Neighbourhood Watch
from: http://www.ceps.eu/files/NW/NWatch37.pdf.

Editorial by Michael Emerson: "After Bucharest"

NATO’s Bucharest Summit on 3 April ended with some crafty drafting in the communiqué about the prospects for Ukraine and Georgia’s membership action plans. The language is crystal clear, up to a point: “ Ukraine and Georgia will become members of NATO…. [Membership Action Plan] MAP is the next step for Ukraine and Georgia on their direct way to membership”. Foreign ministers have the authority to decide on the MAP applications, and will make a first assessment at the next meeting in December. The EU is, by comparison, not willing to say “ Ukraine and Georgia will become members of the EU”, so the NATO statement is far from meaningless.
However the wording is still ambiguous. France and Germany went to Bucharest determined to prevent a positive decision on MAP. Their reasoning included reasonable comments that there is still a divisive cleavage in Ukrainian political positions and public opinion over NATO, while Georgia’s unreso lved conflicts make for dangers of destabilization. But also there was the undercurrent that President Saakashvili decried as appeasement of Russia, which was amply illustrated by French Prime Minister Francois Fillon’s remarks that their membership would disturb the balance of power between Russia and Europe, a remark that would have fitted well into the discourse of the Congress of Vienna in 1815, but seems stupendously incongruous for today. But did French and German positions change there? Or do they simply retain their blocking positions for another day.
Apparently both Ukraine and Georgia went home from Bucharest happy with the outcome, which Putin’s earlier menacing speeches (like Ukraine will be divided and destroyed by pursuing NATO membership) did not prevent. What should these two countries now do?
For Ukraine it is obvious enough. The countries coalition leadership has to get its act together, at a time when President Yushchenko and Prime Minister Timoshenko appear to be in outright opposition on a whole host of issues from the economy to the constitution.
For Georgia it is time for President Saakashvili to take seriously the misgivings of his Western friends and supporters over his Abkhazia policy. The resolution of this separatist conflict can in theory be pursued by two different routes: renewed war, or a peaceful settlement. As for a renewed war, it means Georgia versus Russia - no further comment needed. As for a peaceful resolution the latest Georgia proposal for the highest autonomy for Abkhazia within a federative Georgian constitution is today a non-starter. Saakashvili is bashing his head against a brick wall. A third hybrid method, of proposing a peaceful solution with the vague threat in the background of the use of force, is equally hopeless, since it just pushes Abkhazia into deeper reliance on Russian protection. This third hybrid approach may be what Saakashvili finds the best political stance internally, but that does not increase its chances of success. The West’s recommendation to Saakashvili seems to be that for the time being he should truly open up the borders for road and rail traffic between, and let commerce and the interaction of people develop, and return to the final settlement question after some years of improving confidence and renewed mutual interests. This may be a difficult message for Saakashvili to digest, but it seems that his aspirations to join NATO have no chance of success unless he does so.

The CEPS European Neighbourhood Watch is distributed electronically and free of charge to over 8200 international recipients. Please forward it to those that might wish to subscribe to it. To subscribe, please click here. For further questions and to unsubscribe, please send an email to: neighbourhood@ceps.eu.

Sincerely,
Michael Emerson and George Dura
Centre for European Policy Studies (CEPS)
CEPS – Thinking Ahead for Europe
Place du Congrès 1
B-1000 Brussels
Tel.: +32 2 229 39 11
Fax: +32 2 219 41 51
E-mail: neighbourhood@ceps.eu

Saturday, March 15, 2008

ARTIKEL: Die erfrorene Aprikosenrevolution

Anbei eine Reportage aus der Berliner Zeitung von heute, die nach meinem Eindruck einen guten Eindruck von der Situation in Armenien während des bis zum 20. März andauernden Ausnahmezustandes vermittelt.

Mit freundlichen Grüßen
Walter Kaufmann

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Auch in Armenien träumten viele von einem demokratischen Wandel. Anfang März schlug die Staatsgewalt in Eriwan zu
Von Christian Esch

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Monday, March 03, 2008

REPORT: Bericht über die Ereignisse in Armenien. Von Walter Kaufmann (02.03.2008)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Südkaukasus-Interessierte,

in der Anlage sende ich Ihnen einen eilig aus den mir vorliegenden Informationen zusammengestellten Bericht über die Ereignisse in Armenien, die gestern zur gewaltsamen Auflösung von Massendemonstrationen und zur Verhängung des Ausnahmezustandes bis zum 20. März geführt haben.

In den westlichen Medien wurde bisher kaum über diese Ereignisse berichtet. Ich bitte die KollegInnen aus dem Journalismus unter Ihnen, auch diesem kleinen Land die gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Walter Kaufmann

P.S. Leider bin ich derzeit nicht in der Region und kann daher nur über Email erreicht werden.

Nach den November-Ereignissen in Georgien wurden am Samstagabend innerhalb weniger Monate im Südkaukasus ein zweites Mal Demonstrationen gewaltsam aufgelöst und ein Ausnahmezustand verhängt: In Armenien sind die der Präsidentschaftswahl vom 19. Februar folgenden Proteste nach einer Räumungsaktion der Polizei eskaliert.
Noch vor einem halben Jahr hätte in Armenien kaum jemand eine solche Entwicklung für möglich gehalten. Politischen Beobachtern schien ausgemacht, dass sich das geschlossene System der Machtsicherung innerhalb eines engen Zirkels, das sich unter Präsident Robert Kotscharjan in den letzten zehn Jahren entwickelt hat, auch durch den von der Verfassung vorgeschriebenen Abgang Kotscharjans nach zwei Wahlperioden nicht in Gefahr befinde. Spätestens seit den von der „Partei der Macht“, der Republikanischen Partei Armeniens mit haushohem Vorsprung gewonnenen Parlamentswahlen 2007 erschien die Machtübergabe von Kotscharjan an den Premierminister und „starken Mann“ neben Kotscharjan, Sergej Sarksian, als eine nur noch durch Wahlen zu legitimierende Formalität.
Doch dann trat im September 2007 plötzlich der vor 10 Jahren von Kotscharjan zum Rücktritt gezwungene erste Präsident der Unabhängigkeit, Levon Ter-Petrosjan, vor die Presse und kündigte seine Kandidatur an. Dieser Auftritt war auch deshalb so sensationell, weil sich Ter-Petrosjan seit seinem Rücktritt völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und sich wieder seinem Spezialgebiet, der Mediävistik, zugewandt hatte. Somit kehrte plötzlich ein Mythos in die armenische Tagespolitik zurück, und die gesellschaftlich stark verankerte, aber politisch schwach organisierte Opposition gegen Kotscharjan und Sarksian erhielt plötzlich einen charismatischen Führer und begnadeten Redner.

Levon Ter-Petrosyan organized protest meeting near Matenadaran 2008-02-20 Protest meeting, Matenadaran (Set)

Ter-Petrosjan konzentrierte seine Wahlkampagne ganz auf stundenlange Kundgebungen im Zentrum Jerewans, bei denen er in rhetorisch ausgefeilten Reden das „kleptokratische Regime“ seiner Nachfolger auseinandernahm und an die mit seinem Namen verbundene Zeit des „demokratischen Aufbruchs in die Unabhängigkeit“ Ende der 80er Jahre erinnerte. Er entschuldigte sich auch für einige Fehler seiner Amtszeit, wobei er jedoch die von ihm selbst zu verantwortenden Fälschungen der Präsidentschaftswahl 1996, durch die er damals eine zweite Wahlrunde mit ungewissem vermied, nicht eigens erwähnte.
Die Regierung reagierte auf Ter-Petrosjans von vielen Zehntausenden besuchte Kundgebungen mit wütenden Medienkampagnen in den staatlich kontrollierten elektronischen Medien, in denen v.a. an die Zeit der dramatischen Energiekrise in Armenien 1992/1993 erinnert wurde. Erst einen Monat vor der Präsidentschaftswahl erhielten auch Petrosjan und andere Oppositionskandidaten einige, ihnen nach dem Wahlgesetz zustehende Sendezeit.
Mit den großen Mobilisierungserfolgen Ter-Petrosjans in der Hauptstadt Jerewan, in der über ein Drittel der armenischen Bevölkerung lebt, wurde aus den als längst entschieden geltenden Präsidentschaftswahl am 19. Februar plötzlich eine Konkurrenz mit ungewissem Ausgang. Sollte es tatsächlich zu fairen Wahlen mit offenem Ausgang kommen, deren Ergebnis von Siegern und Verlieren gleichermaßen akzeptiert würde?
Leider kam es anders – so, wie es in einigen postsowjetischen Staaten mittlerweile schon zur Regel geworden ist: Wahlfälschung, Einsatz aller administrativen Ressourcen, Druck auf die Medien, Repression auf der einen Seite – populistische Radikalopposition, Massendemonstrationen, Boykottaufrufe auf der anderen Seite. In der Kunst, sich gewünschte Wahlergebnisse zu organisieren, sind die armenischen Autoritäten, ähnlich wie ihre Nachbarn in Aserbaidschan und leider auch in Georgien, sehr erfahren. Längst greift man dabei nicht mehr auf grobe und für internationale Wahlbeobachter leicht festzustellende Verfahren wie Raub von Wahlurnen, das Auffüllen von Urnen mit gefälschten Stimmzetteln oder die direkte Einschüchterung von Wählern im Wahllokal zurück. Viel wirksamer und viel unsichtbarer sind Methoden des massiven Stimmenkaufs und der indirekten Einschüchterung. Für den Stimmenkauf reichen in ländlichen Gegenden Nahrungsmittellieferungen oder kleinere Geldbeträge, in städtischen Regionen werden auch schon größere Geldbeträge verteilt. Einschüchterung wirkt v.a., wenn Beschäftigten mit dem Verlust des Arbeitsplatzes gedroht wird, sollte sich erweisen, dass sie für den falschen Kandidaten gestimmt haben.
Da in weiten Teilen der Gesellschaft das Vertrauen in die Legitimität von Wahlen dementsprechend gering ist, ist die Opposition in keiner Weise darauf eingestellt, ein Wahlergebnis zu akzeptieren und auf evolutionären Ausbau ihrer Positionen zu setzen. So war die Konfrontation nach der Verkündung der offiziellen Wahlergebnisse, die Sergej Sarksian einen Wahlsieg in der ersten Runde mit 52% der Stimmen zusprachen, geradezu zwangsläufig. Zwar billigte die OSZE-Beobachtermission die Wahlen als „weitgehend demokratisch“, doch wurde dies von der Opposition nur als ein weiterer „Kniefall des Westens“ vor einem autoritären Regime in der europäischen Peripherie gedeutet. Ter-Petrosjan und Zehntausende seiner Anhänger versammelten sich zu Dauerdemonstrationen und bauten Zeltstädte am Freiheitsplatz im Zentrum von Jerewan, um die Wiederholung der Wahlen zu erzwingen. Zehn Tage lang verhielt sich die Regierung abwartend, und im Fernsehen riefen Kotscharjan und Sarksian zu Ruhe und Zusammenarbeit mit der Regierung auf. Am frühen Morgen des 1. März griff sie jedoch ohne Vorwarnung zu Gewalt, als Spezialtruppen des Innenministeriums die Demonstranten vertrieben, die Zeltstadt abräumten und Ter-Petrosjan in Hausarrest nahmen. Bei dieser Aktion wurden ca. 30 Demonstranten verletzt. Im Laufe des Tages kam es dann zu einer großen Spontandemonstration mit über 100.000 Teilnehmern vor dem Rathaus von Jerewan. Einige Demonstranten errichteten Straßensperren. Diese Demonstration wurden von Polizei, Soldaten und Spezialtruppen des Innenministeriums mit massiver Gewalt (Gas und Gummigeschosse, nach einigen Angaben auch scharfe Munition) angegriffen, konnte aber nicht aufgelöst werden. Nach unbestätigten Berichten kam ein Demonstrant ums Leben, mehrere Polizisten wurden teils schwer verletzt.
Am Abend des 1. März rief Ter-Petrosjan von seinem Haus aus die Demonstranten auf, nach Hause zu gehen und die Bestimmungen des Ausnahmezustandes nicht zu verletzen, um Opfer zu vermeiden. Er werde weiter für die Wiederherstellung von Demokratie und Recht in seinem Land kämpfen. Diesem Aufruf folgten die Demonstranten; gegen 3 Uhr in der Nacht löste sich die Demonstration auf.
Nun herrscht in Armenien bis zum 20. März der Ausnahmezustand. Ob diese bleierne Zeit mit der autoritären Verfestigung einer Präsidentschaft Sarksian, mit Kompromissen zwischen Opposition und Regierung oder gar mit einer Neuwahl endet, ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht vorhersagbar.

Walter Kaufmann
02.03.2008

Walter Kaufmann
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Photos uploaded on February 27, 2008 by Vaghinak Petrosyan

Thursday, January 10, 2008

REPORT (2): Präsidentschaftswahl in Georgien - Anzeichen erheblicher Wahlfälschungen

Von Walter Kaufmann

Nachdem ich in einem Kommentar vom 6. Januar davon ausgegangen war, dass am Tag der georgischen Präsidentschaftswahlen selbst wohl keine das Wahlergebnis entscheidend verändernde Manipulationen stattgefunden haben dürften, möchte ich diese Aussage zumindest relativieren.
Mittlerweile werden von der Opposition, aber auch vielen meiner georgischen Bekannten zahlreiche Indizien vorgebracht, die auf massive Manipulationen bei der Auszählung, auf gezielte mehrfache Stimmabgabe in verschiedenen Wahllokalen und auf die Einschüchterung von Wählern hindeuten. Sollte nur ein Teil dieser Vorwürfe zutreffen, müsste das Wahlergebnis möglicherweise um über 3% korrigiert und damit eine zweite Runde der Präsidentschaftswahlen abgehalten werden (Saakaschwili hat offiziell 52,2% erhalten). Eine rasche und transparente Untersuchung dieser Vorwürfe wäre dringend vonnöten, um eine weitere politische Polarisierung, an der einige oppositionelle Politiker mit ungeschickten bis unverantwortlichen Äußerungen eifrig mitwirken, und eine mögliche Eskalation zu vermeiden. Ob sie unter den gegenwärtigen politischen Bedingungen möglich ist, erscheint zweifelhaft.
Ein eigenes Urteil zu den Wahlen erlaube ich mir nicht – im Anhang zur Information die offizielle Stellungnahme der OSZE-Wahlbeobachtungsmission vom 6. Januar, ein Bericht der unabhängigen Wahlbeobachtungsorganisation „Int. Experts for Electoral Systems“ sowie ein Korrespondentenbericht aus der Frankfurter Rundschau online von heute.


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more:

INTERNATIONAL ELECTION OBSERVATION M I S S I O N
Georgia — Extraordinary Presidential Election, 5 January 2008
STATEMENT OF PRELIMINARY FINDINGS AND CONCLUSIONS


REPORT OF The Mission of Observers of the International Expert Centre for Electoral Systems in the Presidential Elections in Georgia, 6th January 2008

Wahl in Georgien massiv gefälscht
OSZE: "Erhebliche" Manipulationen / Saakaschwili geht auf Oppostion zu

VON FLORIAN HASSEL (FR)
Deutschland - Frankfurter Rundschau
Die Ohnmacht der OSZE-Wahlbeobachter Florian Hassel kritisiert, dass OSZE-Wahlbeobachter Wahlmanipulation nicht auf die Schliche kommen, zum Beispiel in Georgien. "Die Schummeleien finden nicht nur im Wahllokal am Wahltag statt, sondern im Wahlkampf und bei Auszählung und Weiterverarbeitung der Stimmen - getreu dem Wort Josef Stalins, entscheidend sei nicht, wer wie stimmt, sondern wer zählt. All dies festzustellen, ist nur erfahrenen, im Idealfall der Landessprache mächtigen Beobachtern möglich, die Wahlkampf, Wahltag und Auszählung über Monate verfolgen...
In Georgien gab es 28 Langzeitbeobachter, doch 300 kurzfristig eingeflogene Beobachter ohne Hintergrundkenntnisse, meist weder Georgisch noch Russisch sprechend. Ihre Erkenntnisse beschränkten sich oft auf nichtssagende Beobachtungen im Wahllokal. Dazu kommt, dass die OSZE ihre in der öffentlichen Wahrnehmung entscheidende Stellungnahme bereits einen Tag nach einer Wahl abgibt. Das ist zu wenig, um die Umstände konkret und penibel zu beurteilen und Vorwürfen oft sehr raffinierter Fälschungen nachzugehen." (11.01.2008)
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch) Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Ukraine, » Russland, » Georgien

REPORT: Präsidentschaftswahl in Georgien – ein Etappensieg für den politischen Pluralismus

Ein Kommentar von Walter Kaufmann zu den georgischen Präsidentschaftswahlen. Mittlerweile steht das Ergebnis fest; seine Vermutung, es werde zu keiner zweiten Runde der Wahlen kommen, ging vom Informationsstand am Sonntag, den 6. Januar aus.

14 Stunden nach Schließung der Wahllokale verkünden erste Ergebnisse der Zentralen Wahlkommission Georgiens sowie verschiedene Erhebungen am Wahltag einen Sieg Präsident Michail Saakaschwilis in der ersten Runde – mit einem Anteil von 50% bis maximal 53% der Stimmen. Im Wahlkampfstab Saakaschwilis im Zentrum von Tbilisi jubeln Regierungsjugendliche in die Kameras – der Präsident spricht von einem "Triumph für die Demokratie". Die Opposition spricht von massiver Wahlfälschung, findet darin aber keine Unterstützung von Seiten der internationalen Wahlbeobachter. Ein Triumph also für Saakaschwili und seinen autoritären Regierungsstil – ein Desaster für die Opposition?

Keineswegs. Als Saakaschwili kurze Zeit nach der Verhängung des Ausnahmezustandes und der gewaltsamen Schließung oppositioneller Fernsehkanäle am 7. November 2007 vorgezogene Präsidentschaftswahlen am 5. Januar ankündigte, schien er nur ein sehr geringes Risiko einzugehen. Seine Regierungspartei – die Nationale Bewegung – verfügt über ein absolutes politisches Monopol in allen politischen Institutionen des Landes – vom Zentrum der Regierungsmacht in Tbilisi bis in die kleinsten Bergdörfer in abgelegenen Regionen. Zum Zeitpunkt der Ankündigung der Wahlen verfügte er zudem über die vollkommene Kontrolle der elektronischen Medien. Als schließlich am 25.11. der Ausnahmezustand aufgehoben wurde, während dessen nur der regierungsnahe 1. Kanal Nachrichten senden durfte, waren einen Monat vor den Wahlen zwar die schlimmsten Restriktionen vorbei, von einem tatsächlichen Medienpluralismus konnte aber natürlich nicht die Rede sein. Zumal der einzige landesweit sendende regierungskritische Sender Imedi erst in der zweiten Dezemberwoche wieder auf Sendung ging, am 28.12. aber – diesmal auf Beschluss seiner eigenen Redaktion – wieder abgeschaltet wurde. Vor diesem Hintergrund schien die Ankündigung Saakaschwilis zum Auftakt seines Wahlkampfes gar nicht so verwegen, er wolle einen Erdrutschsieg (70% und mehr) erreichen, um der Welt und den einheimischen „Unruhestiftern“ zu beweisen, wie beschlossen die georgische Gesellschaft hinter ihrem heldenhaft gegen äußere und innere Feinde kämpfenden Präsidenten stehe.

Es liegt außerhalb der Kompetenz des Autors dieses Artikels zu beurteilen, ob – wie von der Opposition behauptet – tatsächlich am Wahltag selbst massive Wahlmanipulationen den Ausschlag gegeben haben. Es erscheint unwahrscheinlich, dass der Aufmerksamkeit zahlreicher internationaler und einheimischer Beobachter Wahlfälschungen entgangen sein sollten, die das Ergebnis um mehrere Dutzend Prozentpunkte verändern und die nicht gerichtsfest nachgewiesen werden können. Glatt verloren hat Saakaschwili in Tbilisi, wo er überall nur den zweiten Platz einnimmt. In manchen entlegenen Regionen und in Westgeorgien hat er dagegen Ergebnisse zwischen 70 und 90 % eingefahren. V.a. diese werden von der Opposition in Frage gestellt; ihren Angaben nach wurden gefälschte Protokolle ins Zentrum übermittelt. Wer Wahlfälschungen reklamiert, steht in der Pflicht, Beweise zu präsentieren und alle Rechtswege zu nutzen.

Sicher ist jedoch zugleich, dass das Ergebnis komplett freier und fairer Wahlen ungünstiger für den Präsidenten ausgefallen wäre. Jedem Langzeitbeobachter ist aufgefallen, wie ungleich die Ressourcen in den letzten zwei Monaten vor der plötzlich verkündeten Wahl verteilt waren. Im ganzen Land waren ausschließlich Wahlplakate des Präsidenten zu sehen, meist in Übergröße an strategischen Plätzen in den Zentren der Städte. Administrative Ressourcen mussten nicht erst mobilisiert werden – nach der politischen Polarisierung des November war klar, dass alle diejenigen ihr Maximales für den Sieg Saakaschwilis geben würden, die durch seine Niederlage Amt, politischen und wirtschaftlichen Einfluss oder sogar Straffreiheit verlieren würden. Von massiven Versuchen zum Stimmenkauf und Einschüchterungen wurde allseits berichtet – insgesamt ein Bild, wie es noch immer der politischen Realität in den meisten Staaten, die aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangen sind, entspricht. Hinzu kamen gigantische Wahlgeschenke, die Saakaschwili aus dem Staatsbudget verteilte und damit die Inflationsgefahr steigerte – vorher nicht geplante Lohn- und Pensionserhöhungen, Einmalzahlungen an verschiedene Bevölkerungsgruppen, Zusagen von Infrastrukturprojekten.

Die aus taktischer Notwendigkeit zu einem Wahlbündnis vereinigte Opposition von neun sehr heterogenen Parteien musste sich im Schnellverfahren auf einen Kandidaten einigen und diesen landesweit bekannt machen. Mit dem Kompromisskandidaten Levan Garchechiladse, der über kaum Charisma und kein eigenes politisches Profil verfügte und mit der Losung antrat, seine eigene Präsidentschaft zur Abschaffung des Präsidialsystems zu nutzen, sollte der mediengewandte Saakaschwili eigentlich ein leichtes Spiel haben. Zudem traten weitere Kandidaten an, die sich dem Oppositionsbündnis nicht angeschlossen hatten, darunter der schillernde Tycoon Badri Patarkatsischvili, der jedes Wahlgeschenk Saakaschwilis damit konterte, er werde im Falle seiner Wahl jeweils das Doppelte aus seiner eigenen Schatulle bezahlen. Seine Person v.a. diente als Vorlage für eine von der Regierungsseite losgetretene Schlammschlacht um angebliche Umsturzplanungen, geheime Geldzahlungen und Doppelagenten, die die medialen Auseinandersetzungen in den letzten zwei Wochen vor der Wahl dominierten.

Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse des 5. Januar ein Etappensieg für den politischen Pluralismus in Georgien. Sicher – eine zweite Runde der Präsidentschaftswahlen wäre für eine pluralistische politische Kultur noch besser gewesen. Doch statt darüber zu klagen, sollten sich diejenigen, die für ein funktionierendes System von „Checks und Balances“ in Georgien arbeiten, die Chancen bewusst machen, die in der neuen Situation liegen. Geradezu aus dem politisches Nichts heraus ist dem Präsidenten, der 2004 mit über 90% der Stimmen gewählt wurde und daraus sein Recht auf ein politisches Monopol ableitete, eine deutlich sichtbare politische Opposition erwachsen. Er wird nun mit ihr rechnen müssen – eine Fortsetzung seines zunehmend autoritären, jeden Dialog mit politischen Gegnern verweigernden Regierungsstils kann sich Saakaschwili nicht mehr leisten, will er seine zweite Präsidentschaft bis zum Ende durchhalten. Und schließlich stehen im April Parlamentswahlen an: Im parallel mit den Wahlen organisierten Plebiszit zum Termin der nächsten Parlamentswahlen sprachen sich ca. 67% der Wähler für vorgezogene Wahlen im Frühjahr 2008 aus.

Man erinnere sich: Im Herbst 2006 hatte die Regierungsmehrheit per Verfassungsänderung die nächsten Parlamentswahlen um ein halbes Jahr nach hinten auf Herbst 2008 verschoben und mit der ursprünglich für Frühjahr 09 terminierten Präsidentschaftswahl zusammengelegt. Begründet wurde dies mit der Gefahr russischer Interventionen in Zeiten langgezogener innenpolitischer Wahlperioden. Die Rückverlegung des Wahltermins für die Parlamentswahlen auf Frühjahr bildete daraufhin die eigentliche Kernforderung der Demonstrationen Anfang November 2007. Die Regierung lehnte diese Forderung als "landesverräterisch" und „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ kategorisch ab, was zur Radikalisierung der Demonstrationen führte. Im Zuge der vorgezogenen Präsidentschaftswahl hat sie diese zentrale Oppositionsforderung nun klammheimlich akzeptiert.

Ausgehend von den Ergebnissen der Präsidentschaftswahl stehen die Chancen gut, bei der Parlamentswahl das politische Monopol von Saakaschwilis "Nationaler Bewegung", die derzeit über 70% der Mandate hält, zu brechen. Damit würde die Opposition im politischen System gestärkt und parlamentarische Verhandlungsprozesse notwendig, der sich die Regierung bislang verweigert hat. Die Rolle des Parlaments könnte insgesamt wachsen, und schließlich würde eine Sperrminorität der Opposition das Gewicht der Verfassung vergrößern, indem das ständige tagespolitische Herumbasteln an ihr unterbunden würde.

Georgien hat es noch weit auf dem Weg zu einer pluralistischen Demokratie und einem funktionierenden Rechtsstaat – im regionalen Vergleich steht es aber nach dem 5. Januar 2008 gar nicht so schlecht da.

Walter Kaufmann
Director
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