Saturday, December 31, 2005

Dear Heiner!
A Happy new Year 2006. We will meet us in the summer in Georgia!
Have a good night! Rappo.
ALLES GUTE FÜR DAS JAHR 2006 !
A GOOD NEW YEAR 2006 !

Quelle: http://www.luethi-hasli.ch/thl/02geo/georgien.html



Paradiesvögel
Film von Otar Iosseliani

03. 01. 2006, 22:25 Uhr, 3sat

(Adieu, plancher des vaches)
Spielfilm, Frankreich 1999
Regie: Otar Iosseliani
Länge: 113 Minuten (französische Originalfassung mit Untertiteln)
Nicolas: Nico Tarielachvili
Mutter: Lily Lavina
Motorradfahrer: Philippe Bas
Tochter des Kaffeehausbesitzers: Stéphanie Hainque
Soubrette: Mirabelle Kirkland
Pierre: Amiran Amiranachvili
Vater: Otar Iosseliani u.a.

Der junge Nicolas führt ein Doppelleben zwischen dem Luxus seines großbürgerlichen Elternhauses auf dem Land und dem Milieu von hart arbeitenden Menschen, Pennern und Gaunern in Paris. Bis er sich auf ein kriminelles Abenteuer einlässt. - Episodenhafter, poetischer Spielfilm von Otar Iosseliani.

Der 20-jährige Nicolas wächst im Luxus der Pariser Großbourgeoisie auf. Seine Familie besteht nur aus Exzentrikern, bewohnt ein Schloss bei Paris und hält sich einen Marabu, der durchs Haus stolziert. Sein Vater ist ein Alkoholiker, der gerne mit der Eisenbahn spielt und mit anderen Männern singt. Seine Mutter hat Mafioso-Allüren und lässt sich mit dem Helikopter ins Büro nach Paris bringen. Nicolas versucht, seine wohlhabende Herkunft abzustreifen, indem er als Tellerwäscher arbeitet und sich mit Gaunern und Pennern in Paris herumtreibt. Leider fehlt es ihm in dieser Umgebung an Erfahrung und Realitätssinn. Nicolas verliebt sich in eine Frau, die einen anderen liebt. Eines Abends schließt er sich bei einem etwas riskanteren Abenteuer als üblich den anderen an. Er landet mit seinem Freund Pierre, dem Bettler, im Gefängnis. Die anderen könnenfliehen. Bei seiner Entlassung lässt Nicolas' Mutter ein herrliches Auto bringen, mit dem er in sein altes Viertel zurückfährt. Doch alles hat sich verändert, und Nicolas kehrt nach Hause zurück ...

Der in Frankreich lebende georgische Regisseur Otar Iosseliani ("Günstlinge des Mondes") inszenierte mit souveräner und spielerischer Leichtigkeit einen episodenhaften Familienfilm und eine persönliche Entwicklungsgeschichte in einem. Seine liebevoll und mit feiner Ironie gezeichneten Figuren versuchen, sich in kleinen Fluchten ihren Rollenzwängen zu entziehen, und treffen dabei oft falsche Entscheidungen. Es ist die Kunst Iosselianis, seine Geschichten in alltägliche Geschehnisse einzubetten, wobei oft Geräusche eine größere Bedeutung haben als die Dialoge.

3SAT Mehr erfahren Sie unter 3SAT

Zu Otar Iosseliani: Wer weder raucht noch trinkt, wird gesund sterben
+++
Die neue Ausgabe der "Kaukasischen Post" ist erschienen +++ In Tiflis erhältlich im "Zandukeli 40 - European Bistro & Bar", im "Prospero's Book Shop" und in der Redaktion
+++

Grußwort des Deutschen Botschafters Uwe Schramm zum Jahreswechsel

Kultur:
Dirigent Wachtang Jordania verstorben
Filmpreis für Tbilissi-Tbilissi
Bilder nach Georgien zurückgekehrt
Neue Leitung für staatliches Theater
Manöver Festival 2005: Kartuli Suli -Die georgische Seele in Leipzig
Der weiße Saperawi: DeutschesKabarett in Tiflis
"Fire of Georgian Dance": Die Suchischwilis auf Deutschland-Tournee

Rubriken:
Die Seite des Deutschlehrers
Deutsche Organisationen und Institutionen
Georgisch kochen
Georgisch lernen

Politik/Nachrichten
"Gemeinschaft für Demokratische Wahl" -Gegengewicht zu Rußland in Kiew gegründet
Mutmaßlicher Bush-Attentäter in Tiflis vor Gericht
Saakaschwili: Keine ehemaligen Partei-Funktionäre an der Macht
OSZE-Konferenz ohne Abschlusserklärung
Georgien erneuert Truppen im Irak
Der zweite Jahrestag der Rosenrevolution
Votum für liberale Reformen in Georgien
Spende vom Bundestag: Bildschirmanlagefür das Georgische Parlament

Wirtschaft:
Neue Zolltarife ab 1. Januar
Bahnverbindung Sotschi-Tiflis
2,5 Millionen Euro Hilfe: DeutschesErdbebenhilfeprogramm abgeschlossen
Vertragsunterzeichnung: DeutscheFinanzhilfe über 33 Millionen Euro
Preis für russisches Gas steht fest

Allgemeines:
Georgische Traditionen: Weihnachten und Neujahr in Georgien
Georgiens Botschafterin trug sich ins Goldene Buch von Magdeburg ein
Wissenschaftlertreffen der"Alexander-von-Humboldt-Stiftung"
Weihnachtsbasar im "Metechi Palace"für einen guten Zweck
Erneute Teilnahme Georgiens am ProgrammInternationale Parlamentspraktika
Toppmöller bald Teamchef in Georgien?
UEFA Generaldirektor besuchte Georgien
Deutsche Auslandsmedien trafen sich in Brüssel
Bilder des Jahres 2005
Serie: Deutschsprachige Zeitungen imAusland (Teil 7) - Die Woche in Australien
Serie: Die Brüder Siemens in Georgien - Der erste Telegraph Tiflis-Moskau
Neue US-Botschaft in Digomi eröffnet

Link: http://www.kaukasische-post.pressguide.info/

Georgien noch unschlüssig über Verkauf seiner Gaspipeline an Gasprom
Georgien ist immer noch unschlüssig über den Verkauf seiner Gaspipeline an Gasprom, teilte der georgische Premier Surab Nogaideli am Donnerstag mit.
Ihm zufolge hatten Vertreter des russischen Staatskonzerns Gasprom vorige Woche die Vorschläge Georgiens, ein Gas-Joint Venture zu gründen, abgelehnt und ein Gegenangebot unterbreitet, in dem es um den Erwerb der georgischen Ferngasleitung die Rede sei, sagte Nogaideli. "Wir müssen alles gründlich erwägen und unsere Vorschläge formulieren". Nogaideli zufolge hat Georgien keine Probleme mit Gasprom.
Am 28. Dezember hatte David Mortschiladse, Leiter der Repräsentanz des russischen Unternehmens Gasexport (Tochtergesellschaft von Gasprom) in Georgien, auf einer Pressekonferenz in Tiflis bestätigt, dass die georgische Regierung mit Gasprom über den Verkauf der georgischen Pipeline-Magistrale verhandle. Laut Mortschiladse soll Georgien in den ersten drei Monaten 2006 dem Gaskonzern die Bedingungen für den Verkauf nennen.
Die Gaspipeline mit einer Durchlasskapazität von 16 Milliarden Kubikmeter im Jahr verbindet das russische Leitungsnetz mit dem armenischen über georgisches Gebiet. Gegenwärtig bedürfe der georgische Abschnitt einer umfassenden Rekonstruktion, die mindestens 250 Millionen Dollar kosten würde. Nach dem georgischen Recht gehört die Pipeline neben der Eisenbahn usw. zu "strategisch wichtigen Objekten", deren Privatisierung verboten ist. Um die Gasleitung in private Hände zu verkaufen, muss Georgien sein Privatisierungsgesetz korrigieren. (RIA)

Wednesday, December 28, 2005


Einsame Ikonen
Das Museum von Mestia kämpft um den Erhalt seiner Kunstschätze

Von Carsten Probst

Georgien, das Land im Kaukasus an der Schwelle von Orient und Okzident, blickt auf eine über 5000 Jahre alte Kultur zurück. Gerade in seiner langen christlichen Tradition hat es immer wieder neue einflußreiche Kunstformen hervorgebracht. Um diese Kunst zu bewahren, fehlen heute jedoch die Mittel, den bedeutenden Sammlungen des Landes droht ein beispielloser Exodus des kulturellen Erbes.


Das Museum von Mestia fällt auf. Es ist das mit Abstand modernste Gebäude in der dreitausend Einwohner zählenden Bergmetropole, ein geschlossener Betonbau, der so, wie er daliegt, auf einer Gerölllandschaft mitten im kaukasischen Hochgebirge, selber aussieht wie ein riesiger geschliffener Fels. Das Museum ist die Schatzkammer der Region Swanetien, einer wildromantischen Grenzregion im Hochgebirge zwischen Georgien und der Russischen Föderation. Die Swanen galten schon immer als besonders unabhängig und zugleich als besonders geschäftstüchtig. Selbst zu Zeiten der Sowjetunion, heißt es, wurden hier oben Sprache, Kultur und Bräuche ungeniert weitergeführt, die eigentlich längst hätten "sowjetisiert", das heißt abgeschafft werden sollen. Kaum jemand heutzutage hier oben auf dem abgelegenen Hochplateau knapp 2000 Metern über dem Meer Bildschätze von einzigartigem Wert. Doch Ciala Tschartolani, die Museumsdirektorin, belehrt uns eines Besseren:
Die swanetischen Könige waren immer sehr stark an neuen Formen von Heiligendarstellungen interessiert. Nicht zuletzt deshalb galt Swanetien lange Zeit als die Schatzkammer des gesamten Kaukasus. Die Swanen waren wohlhabender als die anderen kaukasischen Bergvölker, sie konnten sich kostbare Materialien und hervorragende Maler und Handwerker leisten. Deshalb gab es hier sehr früh, bereits seit dem sechsten Jahrhundert, eine so große Vielfalt an Bildformen, von kostbarsten Ikonen, Teppichen und Wandmalereien, später auch Skulpturen und illuminierte Handschriften. Vieles von dem, das Sie heute als alte georgische Kunst bewundern können, hat seine ikonographischen Ursprünge in swanetischen Vorbildern.
Die Geschichte der Museumssammlung selbst reicht zurück in die Mitte der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Der gebürtige Georgier Stalin führte einen ideologischen Feldzug gegen die uralten religiösen Wurzeln der Region. Alle Formen von religiösem Ritus wurden verboten, Gotteshäuser geschlossen, zerstört und geplündert, nicht allein die der georgisch-orthodoxen Mehrheit, auch Moscheen und Synagogen und die kleinen Kirchen von Minderheiten. Der Katholikos von Mestia versteckte damalszahlreiche der ältesten Ikonen und anderen bedeutenden liturgischen Schätze in der Kathedrale - bis er 1937 von sowjetischen Kommissaren ermordet wurde. Ein bedeutender Teil der swanischen Kunst war zu dieser Zeit bereits ins französische Exil gelangt und ist heute im Nationalmuseum von Tbilissi zu sehen.Viele andere Bildwerke wurden damals jedoch privat von swanetischen Bauern versteckt und überdauerten so auch den Zweiten Weltkrieg. Erst in den siebziger Jahren schlugen sowjetische Kunstwissenschaftler in Moskau Alarm, drängten die Regierung, die Kunst der Swanen als Kulturgut zu bewahren. Ciala Tschartolani wurde später zur Gründungsdirektorin berufen.
Das Museum ist eine reine Staatsgründung. Privatpersonen, Kirchen oder andere potentielle Geldgeber waren damals nie miteinbezogen, auch nach der Eigenständigkeit Georgiens nicht. Heute ist die Lage natürlich eine andere. Die Grundausstattung wird zwar nach wie vor vom Staat übernommen, das heißt heutzutage von der Georgischen Regierung in Tbilissi, aber für alle Maßnahmen, um die Schätze überhaupt vor dem Verfall zu bewahren, müssen wir das Geld irgendwo anders auftreiben, wir sind auf Unterstützung und Initiativen aus dem Ausland angewiesen, vor allem aus der Schweiz, aus Holland und Deutschland.
Offizielle Eröffnung des Museums von Mestia war das Jahr 2003 - nach sage und schreibe zwanzigjähriger Bauzeit. Unter den extremen Bedingungen der Bergwelt haperte es zu Sowjetzeiten immer wieder an Nachschub für Baumaterial und Arbeitsgerät. Am gravierendsten wirkte sich der Niedergang des Sozialismus aus. Georgien wurde unabhängig und hatte im folgenden rasenden Verfall der Wirtschaft jahrelang kein Geld, um das Projekt voranzubringen. Hinzu kam, daß die Swanen selbst das Museum als sowjetische Gründung skeptisch betrachteten, gewissermaßen als Sammellager für den staatlich organisierten Kunstraub. Auch wenn Ciala Tschartolani mittlerweile zu einer Art Grande Dame der kaukasischen Kunstsammlungen geworden und als Hüterin der swanischen Identität akzeptiert ist, gelingt es ihr kaum, die Sammlungen weiter auszubauen.
Noch immer sind auch viele Werke hier oben in Privatbesitz swanetischer Familien, und viele dieser privaten Sammlungen werden hoch geehrt und nicht herausgegeben. Manche davon sind inzwischen durchaus gut restauriert. Andere bedürfen dringend einer Restaurierung. Natürlich bieten wir den Besitzern auch an, Kontakte zu vermitteln oder die Werke im Museum zu verwahren. Aber nach den Erfahrungen aus der Sowjetzeit haben viele Familien Angst, daß sie ihre wertvollsten Dinge, die manchmal seit Jahrhunderten weitervererbt wurden, nicht zurückbekommen. Manche mißtrauen sogar auch mir noch und zeigen mir ihre Bilder nicht einmal.
Kein Zweifel, die Swanen sind stolz auf ihre Schätze, auch auf dieses Museum. Andererseits pflegen sie einen anderen Kunstbegriff als der Westen. Ikonen, auch wenn sie noch so alt sind, bleiben Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Sind sie irgendwann unbrauchbar, wird ein Maler für eine neue Ikone beauftragt. Das Abbild des Heiligen ist, das was zählt. Nicht das historische Alter oder der Rang eines Kunstwerks. Das macht es schwer für jede Museumsdirektorin, der überdies kein Etat für Nachforschungen zur Verfügung steht. Nicht einmal die notwendigsten restauratorischen Arbeiten können aus Geldmangel geleistet werden. Es gibt keine Anlagen, die das Mikroklima für die empfindlichen Handschriften aus dem 10. Jahrhundert regelt. Viele Vitrinen sind undicht, die aggressive Beleuchtung läßt allmählich die Farben bleichen. Die Leitung des Hauses muß ohne Computer und ohne Fachbibliothek auskommen. Das Museum, gerade erst eröffnet, ähnelt in manchem noch immer einem Rohbau. Von einem eigenen Restaurator ganz zu schweigen. Ciala Tschartolani zeigt ihre Verzweiflung ungern, aber sie spiegelt sich doch in ihrer Mimik.
Vielleicht wird es einmal eine Zeit geben, in der wir schon am Beginn eines Jahres sicher wissen, ob und wieviel Geld wir für die nächsten Ausstellungen, Kataloge und sonstigen Arbeiten haben werden. Ob wir uns vielleicht sogar einmal einen Computer leisten können oder eine Restaurierung. Vielleicht werde ich das nicht mehr schaffen, weil ich schon zu alt bin. Aber eines Tages wird es vielleicht einem anderen Direktor gelingen, darauf hoffe ich. Die Hauptsache ist, daß das Museum bestehen bleibt.
In der Tat ist die Zukunft ungewiß. Ein neuer Museumverbund ist für Georgien geplant, der die Verwaltung aller Museen des Landes zentralisieren soll. Die Swanen jedoch fürchten, daß ihre großen alten Schätze auf diesem Weg ebenfalls nach Tbilissi ins Nationalmuseum geschafft werden könnten, eine Tagesreise entfernt. Und bevor das geschieht, heißt es, holen sich die Swanen eher die Bilder aus ihrem Museum zurück.
Der Palast der Tschawtschawadses in Zinandali

Dia-Show (Photos) zu Georgien:

http://www.lupereisen.com/reisen/georgien/csv/thumb/overview.php

KULTUR:
Georgien – Kultur und Küche –
zwischen Europa und Asien
Von Maka Chikviladze
ca. 160 Seiten, durchgängig farbig bebildertFadenheftung, Pappband, mattfolienkaschiert, 19,5 x 27,5 cmISBN 3-86601-105-9ca. € 24.00

Mit einem Vorwort von Jérôme Raffenau.

Georgien, das Land im Kaukasus zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer, hat seine eigene Sprache, Traditionen, Lebenslust und auch seine eigene Küche trotz 70 Jahre sowjetischen Einflusses bewahrt. Seit 1991 ist Georgien wieder unabhängig. Kulinarische Kreativität, vorzeigbare Weinsorten und die ganz eigene georgische Tischtradition bilden die Eckpfeiler der georgischen Gastfreundschaft und Kochkultur. Bevorzugtes Gemüse sind Aubergine – zubereitet mit Walnuss ein Festtagsgenuss – und Zucchini. Koriander verleiht vielen Speisen einen außergewöhnlich frischen Geschmack. Fleisch spielt eine große Rolle in der georgischen Küche. Legendär sind die Xinkali (Fleischtaschen) und vor allem das Mzwadi, als Schaschlik bekannt, das ursprünglich aus der georgischen Provinz Kaxeti stammt.Das Essen wäre nicht so schmackhaft, wenn nicht »georgische Weine die Esstische schmücken«, wie die Georgier gerne erzählen. Die Weinbautradition ist Jahrtausende alt; bis heute wird der Wein überwiegend in Handarbeit produziert.Eine georgische Party unterscheidet sich stark von einer europäischen Familienfeier. Der Gastgeber ist traditionell der Tischführer, der Tamada. Dieser leitet mit seinen Trinksprüchen zum Beispiel zum Frieden, zur Familie, Gesundheit oder Freundschaft durch den Abend. Nach jedem Toast wird das Weinglas komplett entleert und so mehrere Liter Wein pro Person getrunken.Die Georgierin und Wahl–Hamburgerin Maka Chikwiladze beschreibt diese typisch georgische Atmosphäre und Esskultur, die zahlreiche Bilder illustrieren. Die ausgewählten Rezepte aus allen Provinzen Georgiens werden begleitet von Texten zur Geschichte und Kultur dieses zu entdeckenden Landes.
T I N A _ P A T S A T S I A


Singer • Model • Aerobics leader
High School: 1987 - 1999 ( Tbilisi, Georgia)

Graduated Tbilisi Ballet School. (1987 - 1991)Tbilisi Modern Dance Studio ( 1992 - 1996)

Tbilisi Music School Guitar classes (1988 - 1992)

Singer and Dancer of group "Super Girls"(1995 - 1997)

Run morning aerobics on first channel of Georgia since 1997

Model of "Natali" agency (1997 - 2000)

Participated in every important fashion shows, did many comercials and worked as a photo model.

"Miss Tbilisi - 1997"

"Miss Georgia - 1998"

Singer of the most popular girl group "SET" since 1997. This group of three girls had many tours around Georgia . Took the "Eko" award as the Best Girl Group in 1999 and the same award for the Best Song in 2000.

In 2000 -2001 studied in The Lee Strasberg Theatre Institute in New York.

In 2002 released Her first album:" Say, What You're Gonna do? " which include 11 new songs.




• Photos from "The Pankisi Fashion Show" -- >>>

• The Shots from the Video "Say What You Gonna Do ?" >>>

• Buy Online Her CD "Say What You Gonna Do ?" which includes 11 Brand New Songs >>>

Homepage: http://www.tika.ge/

Uwe Halbach: Erdöl und Identität im Kaukasus

Ein Jahrzehnt nach dem Zerfall der Sowjetunion ist die kaukasische Region ein von Konflikten durchzogenes Labyrinth politischer Entitäten. Die Landschaft des Südkaukasus setzt sich zusammen aus drei unabhängig gewordenen Staaten (Georgien, Armenien und Aserbaidschan) und drei Sezessionsgebilden (Berg-Karabach, Abchasien und Südossetien), hinzu kommen einige zentrifugale Landesteile Georgiens. Der Nordkaukasus besteht aus sieben nationalen Teilrepubliken der Russischen Föderation, darunter trennungsanfällige binationale Konstruktionen wie Kabardino-Balkarien oder Karatschajewo-Tscherkessien, ein schillerndes polyethnisches Gebilde namens Dagestan sowie das von Russland abtrünnige Tschetschenien, das bis heute Kriegsschauplatz ist. Im sogenannten postsowjetischen Raum übertrifft die kaukasische Region hinsichtlich ihrer Fragmentierung auch Zentralasien, dessen politisch-territoriale Gliederung überschaubarer ist, obwohl sich auch hier Konflikte entfaltet haben.

Kaukasien ist eine von Demarkationslinien und Blockaden durchsetzte Parzellenlandschaft, die das Schlagwort der „feudalen Zersplitterung“ provoziert und die beiden Hauptfunktionen der Region für die internationale, insbesondere die europäische Politik außer Kraft setzt: Als Konfliktlabyrinth kann Kaukasien seine Funktion als Transitkorridor zwischen Europa und Asien insbesondere für den Transport kaspischer Energierohstoffe kaum erfüllen. Und die dringend geforderte regionale Zusammenarbeit ist blockiert.

Der ganze Text: Erdöl und Identität im Kaukasus (pdf)

Tuesday, December 27, 2005

Claudia's Trip to Tbilisi
Jorn Akes wife went to Tbilisi and shot these photographs with her digital camera.
43 photos here >>> Photos are from19 Dec 05.
Tbilisi: The Avlabar Bridge

Photos about Georgia by Denis LE GOURRIEREC

subjects:
* Near Akhalstikhe : Sapara Monastery
* Batumi : the harbour
* Near Kutaisi : Gelati Monastery
* Tbilisi : gathering of a medieval society
* Mtskheta
* Gori (birthplace of Stalin)Statue of Stalin on ... guess .... Stalin Square (obviously !)
* Ananuri monastery and Zhinvali reservoir
* The Georgian Military Highway near Jvari pass (2676m, end of May)
* Kazbegi village seen from Tsminda Sameba church
* Tsminda Sameba church
* Mount Kazbek (5047 m)
* Tsminda Sameba church seen from Kazbegi under some dark clouds

(you guessed : Kazbegi is one of the most beautiful places I passed on this trip)

Friday, December 23, 2005

Wohnen in einer Moschee


Kond liegt links vom altem Yerevan, welches im 19. Jahrhundert verlassen worden ist, als die armenische Hauptstadt vorranging ein moslimisches Dorf war. Sogar die örtliche Schule besaß gemäß alter Fotografien noch Minarette, die aus dem Bezirk hinausragten. Sie sind die Zeugen der islamischen Vergangenheit von Kond.

Tatsächlich gibt es noch stillgelegte Moscheen, obgleich die Minarette beseitigt wurden. Seit den 1920, als die letzten aserbaidschanischen Moslems Kond verlassen hatten, ist es von christlichen armenischen Familien, die noch dort leben, bewohnt wurden - sie benutzen die Zimmer, die den inneren Hof der Moschee umgeben.

The Article In English Are Here >>> (with more photos)

by Onnik Krikorian



Thursday, December 22, 2005

Gori - Stalin's train carriage
This train carriage was found in the Nord of (East) Germany.


by Yves Hanotiau (www.skiouros.net)

Josef Dzhugashvili (or Djougachvili) is the most famous citizen of Gori. Never heard ? And "Stalin" ?Gori is the natvie town of this important figure of the European (and World) history. For some people,it's a pilgrimage place, for other, it's a gruesome place. Stalin (the name come from Russian stal which means steel) and he is still - very -popular in Georgia.

More Photos From The Caucasus: Some portraits (candid pictures) — — Yerevan - Echmiadzin and Zvartnots - Garni et Geghard - Alaverdi, Haghpat and Sanahin - Amberd - Khor Virap - Goris and the Tatev monastery - around the Lake Sevan : Sevan, Hayravank and Noratus — — on the road to Nagorno-Karabakh the Nagorno-Karabakh : Stepanakert - Shushi - monasteries of Gandzasar and Dadivank — — going to Georgia Tbilisi - Mtskheta - Gori - Kazbegi Art Nouveau in Tbilisi — — sites on the World Heritage List (UNESCO) — — Index - Sitemap — — Index en français

Wednesday, December 21, 2005

G U D A U R I in the C A U C A S U S



Snow-Safari



B A K U R I A N I

Stalin Monument Unveiled in Russia’s North Caucasus
Source: MosNews

'A monument to Joseph Stalin was unveiled Wednesday in the North Caucasus republic of North Ossetia.The monument will commemorate Stalin’s birthday. The Soviet leader was of Ossetian origin.It is the second monument of Stalin to be erected in the region. The first was unveiled in a local village in the middle of the 20th century, Ekho Mosky radio reported.Stalin was a much-loved figure in North Ossetia even during the years after the fall of his personality cult. A local communist even drew Stalin’s portrait on a remote rock face in the flood lands.In recent times monuments to Stalin have appeared in a number of Russian cities. His busts were unveiled in the cities of Yakutsk and Krasnoyarsk and a bas-relief was restored in the city of Kaliningrad. In the North Caucasus republic of Dagestan a museum devoted to Stalin’s life has been opened.
Die Rolle des Westens in der Beilegung des
georgisch-abchasischen Konfliktes


Unter den Faktoren, die die Entwicklung politischer Prozesse im Kaukasus und besonders in Abchasien beeinflussen, ist der geographische einer der bedeutsamsten. Gerade dieser Umstand ist dafür verantwortlich, dass Abchasien im Laufe vieler Jahrhunderte in Entwicklungen hineingezogen wurde, die zum Zusammenstoß geopolitischer Ansprüche vieler Großmächte führten. Griechenland, Persien, Rom, Byzanz, Iran, die Türkei und Russland waren die grundlegenden Akteure in dieser Arena. Spielte sich der Kampf um Vorherrschaft in der Region im 19. Jahrhundert noch zwischen der Türkei und Russland ab, so erschienen Anfang des 20. Jahrhunderts deutsche und britische Truppen auf der Bildfläche. Nach dem Zusammenbruch des Russischen Reiches im Jahr 1917 beschritten sowohl Georgien als auch Abchasien den Weg zur Bildung unabhängiger Nationalstaaten. In dieser Periode verstärkten sowohl die Türkei als auch Deutschland ihre Aktivitäten in der Region. Den Worten General Denikins nach hätte die Todesangst vor einer türkischen Invasion die südkaukasischen Republiken dazu veranlasst, sich in einer Föderation zusammenzuschließen. Zu diesem Zeitpunkt geriet Georgien auch in den strategischen Blick Deutschlands. Der deutsche General und Politiker Ludendorff betonte: Für uns war das Protektorat über Georgien das Mittel, unabhängig von der Türkei, den Zugang zu den kaukasischen Rohstoffen und zum Eisenbahnbetrieb durch Tiflis zu erhalten. Wir konnten der Türkei in dieser Beziehung nicht trauen. Wir konnten nicht mit dem Bakuer Öl rechnen, wenn wir es nicht selbst hatten. 1

Lev Trotskiy schrieb, dass der Vasallenbund mit Deutschland Georgien zeitweilig ernsthafte Garantien auf Unantastbarkeit gab, doch Deutschland band die Brest-Litowsker Schlinge um Sowjetrussland, deren Scheitern von vornherein unausweichlich schien.... 2

Unter Ausnutzung der militärischen Unterstützung Deutschlands okkupierte die georgische Armee im Juni 1918 Abchasien. Der britische Forschungsreisende Carl Eric Bechoffer, der sich von 1919 bis 1920 im Kaukasus aufhielt, schrieb dazu: Der freiheitliche und unabhängige sozialdemokratische Staat Georgien wird mir für immer im Gedächtnis bleiben als klassisches Beispiel der imperialistischen Kleinmacht in der Frage der auswärtigen territorialen Expansion und der bürokratischen Tyrannei im Inneren. Ihr Chauvinismus hat keine Grenzen. 3

Ungeachtet dessen, dass an der Spitze des georgischen Staates eine marxistische Regierung stand, schrieb sogar Clara Zetkin, dass nicht ein zaristischer General während der Eroberung des Kaukasus derart erbarmungslos gewütet hat, wie General Masniaschwili in Abchasien.
Die November-Revolution 1918 in Deutschland beraubte Georgien der Unterstützung durch den Dreibund. Die Staaten der Entente erkannten die georgischen Staatlichkeit nicht an. Im Unterschied zu den Deutschen machten die Engländer nicht viele Umstände mit Tiflis und stellten schon bald harte Forderungen an die georgische Regierung, unter anderem auch bezüglich des besetzten Abchasiens.4

Der erste Engländer , erinnerte sich der Regierungschef Georgiens Zhordania, der im Namen der englischen Kommandantur zu mir kam, war General Brightford. Der General erschien auf einer Sitzung der Regierung. Er trat ein, wie ein Feldwebel, grob und unerzogen, gab sich wie ein Machthaber. Zwischen uns kam es zu einem Geplänkel. Erzürnt verkündete er uns: Sie werden nicht lange hier herrschen! und ging. 5

Die von den einmarschierten georgischen Truppen gefangen genommenen abchasischen Politiker wurden auf Anordnung des Oberkommandierenden der verbündeten Truppen im Kaukasus, des englischen Generals Thomson, hin aus dem Tifliser Gefängnis entlassen.6
Während dessen, von 1918 bis 1921, lief in Abchasien der nationale Befreiungskrieg. Dieser Kampf erhielt Unterstützung von den alliierten Streitkräften, die von der georgischen Regierung die Änderung ihrer Abchasien-Politik forderten. Im Februar 1919 übermittelte General Denikin den verbьndeten englischen Generälen Walker(?) and Millen (?), dass sich offizielle Vertreter des abchasischen Volkes an ihn gewandt und in Einzelheiten die tragische Lage Abchasiens nach der georgischen Besetzung erläutert hätten. In anbetracht der Situation in Abchasien, sprach sich Denikin dafür aus, dass:

1) Abchasien neutral zu erklären sei;
2) sich die georgischen Truppen hinter den Fluss Ingur zurückzuziehen hätten;
3) die georgische Verwaltung in Abchasien aufzulösen sei;
4) die Verantwortung der öffentlichen Ordnung auf abchasische Gewalten, die frei gewählt werden sollten, zu übertragen sei. 7

In seinen Memoiren schreibt Lev Trotzki, dass sich, als Denikin Abchasien von Georgien abtrennte, die Menscheviki (damalige Regierungspartei Georgiens, Anmerkung S.S.) bei Walker über Denikin beschwerten, und über Walker bei Henderson,- in beiden Fällen mit gleichem Erfolg. 8

Den abchasischen Unabhängigkeitskampf unterstützten anfangs auch die Bolschewiken. Sogar Stalin sprach in dieser Periode über das heroische Abchasien an der Küste des Schwarzen Meeres ist vereint aufgestanden gegen die schwarzen Banden der Tifliser Regierung und verteidigt mit der Waffe in der Hand Suchum gegen sie. 9

Anfang 1921 kamen mit Unterstützung der Roten Armee in allen südkaukasischen Republiken, darunter auch Abchasien die Bolschewiken an die Macht.

Mit der Verabschiedung der Deklaration des Revolutionskomitees der SSR Georgien über die Unabhängigkeit der SSR Abchasien erkannte das höchste staatliche Organ Georgiens die Eigenständigkeit Abchasiens an. Doch es war kaum ein Jahr vergangen, als von Seiten Stalins Druck auf die abchasische Führung mit dem Ziel ausging, sie zu zwingen, eine Entscheidung über die Eingliederung nach Georgien zu treffen. Aber erst weitere zehn Jahre später, nach Erlangung der absoluten Macht, konnte Stalin, gegen die Zustimmung seines Volkes, Abchasien als autonome Republik der georgischen SSR angliedern. Dabei handelte es sich um den ersten und letzten Fall einer Herabsetzung des Status eines Subjekts der UdSSR. Die Abchasen wurden zum einzigen Volk der UdSSR, dass in politisch motivierten Massenkundgebungen zusammentrat, 1931, 1947, 1956, 1967, 1978, 1980, 1989, 1991, um den Status der SSR zurückzufordern. Schon bald nach dem Zusammenbruch der UdSSR im Dezember 1991 kam es in allen der drei südkaukasischen Republiken zu ernsthaften innenpolitischen Problemen. In Georgien führten diese zum militärischen Umsturz und darauf folgenden Bürgerkrieg. Augenscheinlich, setzte sich auch Eduard Schewardnardse für die Organisatoren des Umsturzes ein. Bruno Coppieters, Professor der Freien Universität Brüssel, geht davon aus, dass, ungeachtet des Sturzes des erst kurz zuvor durch einen Volksentscheid gewählten ersten Präsidenten, die Führer des Putsches darauf hofften, dass Schewardnardse sie mit internationaler Anerkennung und innenpolitischer Legitimität versorgt. Die Regierungen westlicher Staaten hießen diesen Schritt gut, -schreibt er- ungeachtet der demokratischen Legitimität des zu Fall gebrachten Präsidenten Gamsachurdia und ihrer traditionellen Appelle zur Einhaltung formaler Schritte in demokratischen Gesellschaften. Sie hofften, dass Schewardnardse in der Lage sein würde, den gewaltsamen ethnischen Konflikten, die sich im Land abspielten, ein Ende zu setzen, die Rechtssicherheit wiederherzustellen und sich für marktwirtschaftliche Reformen einzusetzen. Im März 1992 trat Georgien der KSZE bei, und wurde im Juli des gleichen Jahres zum vollwertigen Mitglied der UN. 10

Die belgischen Forscher Eric Remakl und Olivier Pei glauben gleichwohl, dass in der Beziehung zu den militärischen Umstürzen in Georgien und Aserbaidschan nicht die gebotenen Zwangsmittel eingesetzt wurden, im Grundlagentext des 7. Kapitels, Die Putsche gegen Eltschibey und Gamsachurdia waren einfach akzeptabel für die Großmächte, und besonders für Russland. 11

Gamsachurdia sagte selbst, das der Umsturz von der anderen Seite des Atlantiks unter persönlicher Teilnahme von Baker und mit Billigung Bushs gesteuert wurde. 12

Es ist bekannt, dass man Politik nicht nur mit Pragmatismus lenkt. Viele politische Handlungen finden unter Einfluss zufälliger Umstände und Emotionen statt. Diesem kann man auch den unglaublichen Aufstieg des ersten Sekretärs der KP Georgiens auf den Posten des Außenministers der UdSSR, gerade in der Epoche der großen Umschwünge, zuordnen. Dies wiederum machte ihn zum "Vereiniger" Deutschlands.

Wir können festhalten, dass Schewardnardses politisches Gewicht nicht unbeträchtliche Bedeutung in der Politik des Westens sowohl in Beziehung zu Georgien, als auch zur Regelung des georgisch-abchasischen Konfliktes hatte und hat. Nach dem Umsturz kehrte Schewardnardse nach Georgien zurück. Und bereits im April 1992, als im Land noch Chaos und Zerstörung herrschten, besuchte der damalige deutsche Außenminister Hans-Friedrich Genscher Georgien. Dies war der erste offizielle Besuch eines hochrangigen westlichen Politikers im unabhängigen Georgien. Schewardnardse äußerte sich dazu so: Andere haben bisher nur geschwankt: Sollen sie diplomatische Beziehungen mit uns aufnehmen, und wenn ja, in welchem Rahmen, er aber ist persönlich gekommen, hat einen Botschafter mitgebracht und wohnte der Eröffnung der Botschaft bei, bei der er einen langfristigen Kredit zusicherte. 13

Georgien erhielt seinen ersten Kredit in Höhe von 70 Mio. ECU von der Europäischen Union und 100 Mio. DM von Deutschland. Und am 26. Juni 1993 wurde Eduard Schewardnardse in feierlichem Rahmen mit dem Immanuel-Kant-Preis geehrt, für seine besonderen Verdienste um die Stärkung des Friedens in Europa. Zur gleichen Zeit drangen georgische Regierungstruppen, die eine Demonstration von Anhängern Gamsachurdias in Mengrelien niedergeschlagen hatten, in Abchasien ein. Es begann der Krieg um die Vernichtung eines Volkes, seines kulturellen Erbes. Der Kommandeur der georgischen Armee G. Karkaraschwili erklärte, dass man bereit sei, alle 90 000 Abchasen auszurotten. In 13 Monaten militärischer Auseinandersetzung gelang es ihm, 3 000 Abchasen zu töten. Später sollte Schewardnardse diesen General einen edlen Ritter nennen. Alle Appelle der abchasischen Führung und Öffentlichkeit an internationale Organisationen blieben derweil ohne Antwort. Erst im Herbst 1993, als die abchasische Armee damit begann, die besetzten Gebiete zu befreien, und der Fall Schewardnardses offensichtlich wurde, kamen von allen Seiten Forderungen nach der Einstellung der Offensive. Am 30. September 1993 beendeten die abchasischen Truppen ihren Vormarsch am Fluss Ingur, der Georgien und Abchasien trennt. Die beiden Seiten setzten sich an den Verhandlungstisch.

Im März 2002, auf einem Ehrenempfang Schewardnardses in der Staatskanzlei sagt Bundesminister a.D. Genscher: Ich möchte zu jedem Georgier gehen, ihm die Hand geben und sagen: Nicht irgendwer, sondern ein Georgier war es, der Deutschland wiedervereinigt hat, das deutsche Volk wird das niemals vergessen. 14

Trotz enormer politischer, finanzieller, humanitärer und militärischer Hilfe hat es Georgien nicht geschafft, auch nur eines seiner Probleme zu lösen. Zurecht schreibt Klaus-Helge Donath in der Tageszeitung : Georgien gehört zur Gruppe jener Staaten, die Politologen als failing state bezeichnen. Es gehört zu den Ländern, denen es nicht gelang, handlungsfähige politische Strukturen zu etablieren. Die westlichen Politiker schonen die Regierung der kaukasischen Republik, wofür es nur einen Grund gibt: die Person Eduard Schewardnardse.15

Offensichtlich hat es Schewardnardse versäumt, sich der Unterstützung zu bedienen, die sowohl westliche Staaten als auch Russland leisteten, um sie in Hinsicht auf die Beilegung des georgisch-abchasischen Konfliktes auf seine Seite zu ziehen. Man muss zugeben, dass dies ihm gelungen ist. Jedoch war ein solcher Ausgang von vorn herein absehbar.

Diesbezüglich wird von vielen Politologen hervorgehoben, dass nicht in einem der bestehenden vergleichbaren Konflikte ein solcher Druck auf eine der Seiten ausgeьbt wird, wie das in Hinsicht auf Abchasien der Fall ist. Auf die negativen Folgen einer solchen Politik weist auch B. Coppieters hin: Die Versuche Georgiens, sich zu seinen Gunsten, den Westen heranzuziehen und das Fehlen von Unparteiligkeit im Verhältnis zu Georgien von Seiten des Westens haben nur das Misstrauen gesteigert, das sich in den georgisch-abchasischen Beziehungen erhalten hat. 16

Im Rahmen des Genfer Verhandlungsprozesses, der unter der Ägide der UNO, sowie unter Mitwirkung Russlands und der Teilnahme der OSZE im April 1994 stattfand, wurde von den Konfliktparteien eine ganze Reihe von wichtigen Vereinbarungen getroffen. In Übereinstimmung mit denen sollte ein Verzicht auf erneute militärische Auseinandersetzungen erzielt werden. Das mit Abstand bedeutendste Dokument ist dabei die Erklärung über die Maßnahmen zur politischen Beilegung des georgisch-abchasischen Konfliktes , welche das Fehlen von staatlich-rechtlichen Beziehungen zwischen Georgien und Abchasien konstatierte. Eben diese Wertung gab dem Dokument der Generalsekretär der UN in seiner Rede vor der Vollversammlung am 3. Mai 1994 (8/19947529) und den Vorschlägen bezüglich der politischen und rechtlichen Elemente der umfassenden Beilegung des georgisch-abchasischen Konfliktes (Anlage II zur Rede vom 03.05.94). Dort heißt es: Abchasien wird ein Subjekt mit souveränen Rechten in einem Unionsstaat sein, welcher geschaffen wird im Ergebnis der Verhandlungen nach einer Regelung der umstrittenen Fragen. Die Bezeichnung für diesen Unionsstaat wird von den Parteien im Laufe des weiteren Verhandlungsprozesses festgelegt. Die Parteien erkennen die territoriale Einheit des Staates an, der in den Grenzen der früheren Georgischen SSR am 21. Dezember 1991 geschaffen wurde.

Aus dem Blickwinkel der abchasischen Seite, schlug die UN vor, einen neuen Unionsstaat zu gründen, und danach seine Bezeichnung zu vereinbaren. Diese Meinung wird gestützt von den Experten der internationalen NGO Gemeinschaft von Juristen für Zusammenarbeit im asiatisch-pazifischen Raum , die folgende Einschätzung abgaben: Wie dem Text der Resolution zu entnehmen ist, gelangen auch die Parteien zu dem Verständnis der Möglichkeit selbständigen Handelns in den Bereichen innere Politik, Grenzkontrolle und Zoll, Energie, Transport, Kommunikation, Ökologie, Sicherstellung der Menschenrechte. Diese Bereiche der staatlichen Tätigkeit sind lediglich souveränen Staaten vorbehalten. Damit billigen die Konfliktparteien eben diese Souveränität der jeweils anderen Seite zu....

Auf dieser Grundlage könnte man davon ausgehen, dass folglich nicht nur die georgische Seite, sondern auch die UN, Russland und die OSZE, die ihre Unterschrift unter die Erklärung gesetzt hatten, Abchasien die entsprechenden Vollmachten zuerkennen.

Der Prozess des peacemaking , der sich im Anfangsstadium relativ erfolgreich entwickelte, endete in der Folge in einer Sackgasse. Sich bedingungsloser Unterstützung aller am Verhandlungsprozess teilnehmenden Akteure bedienend stärkte Georgien seine Position erheblich.

Wenn man berücksichtigt, dass die Uneinigkeit zwischen Georgien und Abchasien eigentlich auf unterschiedlichen Herangehensweisen an zwei grundsätzliche Normen des internationalen Rechts beruht das Recht eines Volkes auf Selbstbestimmung und die territoriale Einheit eines Staates so kann man die Haltung der Hauptteilnehmer am Friedensprozess wohl kaum als gleichmütig gegenüber einem Ergebnis bezeichnen. Von Beginn an wird dem zweiten Prinzip die höhere Priorität eingeräumt.

Die Politik des Westens, und in erster Linie die der USA gegenüber dem neu gegründeten georgischen Staat war anfangs zurückhaltend, um Russland durch aggressive Handlungen in dessen direkten Nachbarländern nicht zu provozieren. In dieser Periode zog sich Russland aus den Staaten Mitteleuropas zurück und sah sich mit einer sich massiv verschärfenden Sicherheitslage an seinen Südgrenzen konfrontiert. Im Zuge seines Besuchs 1994 in Moskau verglich Clinton die stabilisierende Rolle Russlands an seinen Grenzen mit der Politik der USA in Panama und Grenada.17

Derzeit erlebt der georgisch-abchasische Konflikt ein Stadium von Veränderungen hin zu einem Problem auf ganz anderer Ebene. Es bildet sich eine neue Machtverteilung heraus. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts werden deutliche Interessen der USA in der Region erkennbar.
Der bekannte amerikanische Politologe Ariel Cohen hat sehr exakt die amerikanischen Positionen zur Beilegung der Konflikte im Kaukasus formuliert. Diese sind vor allem definiert durch das Interesse and den Ressourcen Erdöl und Erdgas im kaspischen Becken, den Wunsch nach der Isolation des Südkaukasus vom Einfluss Russlands, die Unterstützung seiner wichtigsten Partner in der Region der Türkei und Israels. In diesem Kontext sind auch die strategischen Interessen der USA zu beurteilen, die der territorialen Einheit von Georgien, Aserbaidschan und Armenien den Vorrang geben. Cohen glaubt, dass es unumgänglich für Moskau ist, sich klar zu machen, dass die weitere Unterstützung des Separatismus die Einstellung der Hilfe durch die USA bedeuten wird.18

Robert Bruce Ware, Professor der University of Illinois, denkt, dass Georgien zu einem wichtigen Stützpunkt der USA werden könnte, nicht nur aufgrund seiner Nähe zu den Brennpunkten im Nahen Osten und in Zentralasien, sondern auch in Hinsicht auf die Tatsache, dass es das letzten Glied in der Kette amerikanischer Basen werden könnte, die schon heute Russland umspannen. Darüber hinaus, würden amerikanische Truppen da stehen, wo die Bewachung der wichtiger Transportwege kaspischen Öls zur Versorgung westlicher Märkte nötig wurde. Zusammen mit den Möglichkeiten eines neuen Transitweges durch Afghanistan und Pakistan könnte dies helfen, jetzige Nebenbuhler Russland und China aus der Konkurrenz um das kaspische Erdöl auszuschalten.19

In Abchasien hat man nach den Vorgängen des 11. September die sich anschließende militärische Offensive gegen den Terrorismus positiv bewertet, da es sich in den Nachkriegsjahren dauerhaft von Attacken georgischer Kämpfer bedroht sah, deren Handlungen sich eindeutig als Terrorismus beschreiben lassen. Es kam die Hoffnung auf, dass Tiflis, das sich in Erreichung seiner Ziele der Hilfe georgischer wie internationaler (das bewahrheitete sich mit den Vorgängen im Herbst 2001) Terroristen bediente, gezwungen werden könnte, von der Unterstützung durch Banditen abzusehen. Indessen ließen sich anschließende Ereignisse ernsthafte Zweifel daran aufkommen. Die gesellschaftliche Meinung in Abchasien fasst die Teilnahme amerikanischer Spezialisten bei der Ausbildung von 1 500 bis 2 000 georgischen Soldaten als Bedrohung auf.

In Verbindung dazu äußerten sich Abchasien, Süd-Ossetien und Adscharien mit Blick auf den potentiellen Einsatz der gut ausgebildeten und ausgestatteten Einheiten gegen sie besorgt. Derartige Befürchtungen sind nicht grundlos, definiert die Militärdoktrin der georgischen Armee doch die Wiederherstellung der territorialen Einheit als deren Hauptaufgabe. Diese Befürchtungen werden genährt durch die Erklärungen einer ganzen Reihe georgischer Politiker über den Aufenthalt international aktiver Terroristen auf abchasischem Territorium. Am 21.März 2002 verabschiedete das georgische Parlament eine Resolution, in der von der Notwendigkeit gesprochen wird, die internationale Gemeinschaft darüber zu informieren, dass Abchasien eine Quelle des Extremismus und Terrorismus darstellt und die Sicherheit in der Region bedroht. In Abchasien wurden derartige Äußerungen als Propaganda-Kampagne zur Vorbereitung der gesellschaftlichen Meinung auf den Beginn von Militärmaßnahmen gegen Abchasien unter dem Vorzeichen des Kampfes gegen den Terrorismus aufgenommen.
Auf diese Weise müssen Hoffnungen, die die nicht mehr existente Möglichkeit Schewardnardses, mit den Widersprechen zweier Mächte spielen zu können, und die Stabilisierung der Region durch die pragmatische amerikanisch-russische Allianz betrifft, begraben werden. Die in verschiedenen politischen Kreisen Russlands laut gewordenen Befürchtungen zur Präsenz US-amerikanischer Soldaten in Georgien, verdeutlichten wieder einmal die Kompliziertheit politischer Spiele im Kaukasus. Ein redaktioneller Artikel der New York Times warnt nicht ohne Grund: Das ist ein tückischer Ort für die amerikanischen Militärberater, nicht nur aufgrund chronischer Unruhen in Georgien, sondern auch infolge besonderer russischer Sensibilität in dieser Region. 20

In der notwendigen Abschätzung der Interessen potentieller Spieler in der Region wird die gesellschaftliche Meinung in Abchasien von zwei Umständen getragen: Die allgemeine Empfindung der Bedrohung durch die Wiederaufnahme militärischer Handlungen, und das in der zurückliegenden Dekade erlangte Verständnis, dass sich im Prozess des Aufbaus staatlicher Strukturen eine vollständige Anlehnung an den Westen nicht auszahlt.

Die Beziehung der abchasischen Gesellschaft zum Westen formierte sich im Kontext eines veränderten Weltbildes. In Bezug auf die USA und Westeuropa gründet sich diese Haltung auf verschiedenen Ebenen und beinhaltet einige, nicht vollständig kongruente Bewertungsmaßstäbe: Die Einschätzung der laufenden Beziehungen zwischen dem Westen und Georgien, die Haltung zu vom Westen finanzierten humanitären Programmen in Abchasien und die Einstellung gegenüber den Völkern.

Der größten Unterstützung im abchasischen Volk erfreut sich der Gedanke, dem zufolge eine Politik des des Nichtblickens auf den Westen durchgesetzt wird. Nach der Verlautbarung über die Ausbildung georgischer Truppen durch westliche Spezialisten bekennt sich die Mehrheit der abchasischen Bevölkerung zu dieser Politik. Dies bedeutet nicht gleichzeitig die Isolierung vom Westen.

Shamba, Sergey Mironovich

Außenminister der Republik Abchasien

Doktor der Geschichtswissenschaft

Sukhum 7. April 2002


Fußnoten:
1 Denikin A.I. Skizzen einer russischen Aufruhr (Ocherki Russkoy Smuty ), T.Z.Berlin, 1924, S. 46-47, zit. aus: Lakoba, S. Antwort an Historiker aus Tbilissi (Otvet istorikam iz Tbilisi ), Sukhum, 2001, S.29
2 Trotskiy, L.E. T.12.Moskva, 1925. S.231. zit. aus: Lakoba S., ebenda
3 Bechoffer S.E. In Denikin s Russia and the Caucasus, 1919-1920. London. 1921. S.14. zit. Aus: Lakoba S.;S.44.
4 Lakoba S. Ebenda, S.62.
5 Zit. aus: Lakoba S., Ebenda.
6 Lakoba S. Ebenda, S.62.
7 Denikin-Yudenich-Vrangel . S.96-97. zit. aus: Lakoba S., ebenda, S.66
8 Trotskiy L. Ebenda. Zit. aus: Lakoba S., S.66
9 Pravda , 1918, 23.05.
10 Coppieters Bruno. Die Politik des Westen im Bereich Sicherheit und der georgisch-abchasische Konflikt. (Politika Zapada v oblasti bezopasnosti i Gruzino-Abkhazkiy konflikt ). Im Buch: Alternativensuche für Georgien und Abchasien (Poiski al ternativ dlya Gruzii i Abkhazii ). Moskva, 1999, S.19/20.
11 Pei Olivier und Remakl Eric. Die Politik der UN und KSZE im Transkausasus//Umstrittene Grenzen im Kaukasus (Politika OON und SBSE v Zakavkas e//Spornye granitsy na Kavkaze ). S.116. Zit. aus: Lakoba S. Abchasien de-facto oder Georgien de-jure? (Abkhaziya de-fakto ili Gruziya de-yure? ) Saporro, Slavic Research Center, Hokkaido University, 2001, S.19.
12 Svobodnaya Gruziya , 1992, 12.01., iz Lakoba S. Ebenda.
13 Ebenda. 2002, 03.16.
19 Weighar P. Warum braucht Georgien amerikanische Truppen? (Pochemu amerikanskie voyska nuzhny Gruzii?) Christian Science Monitor, 04.03.02.
20 Seid vorsichtig im Kaukasus. (Khodite ostorozhno na Kavkaze. ), NYT, 04.03.02.

Quelle: http://www.kapba.de/DieRolleDesWestens.html


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Quelle: http://www.ecmi.de/emap/download/Abkhazia_Bibliography.pdf (pdf)

Friday, December 16, 2005


VOM KRIEG DES WEINBAUERN:
Der „Tauwetter“–Spielfilm in Georgien
Von Lars Karl

„Jedes Volk hat seinen eigenen Wert. Der des georgischen Volkes besteht darin, daß es wie ein Wald ist, wo die Bäume, das Unterholz, die Gräser und die Vögel im Chor singen.“ (Viktor Šklovskij) Wie an vielen anderen Orten des Sowjetreiches kam es auch in den nichtrussischen Unionsrepubliken zu Beginn der sechziger Jahre zu einer Belebung der Filmproduktion, ein Phänomen, das von der Filmgeschichte später als „Emanzipation der nationalen Kinematographien“ bezeichnet wurde.1 Insbesondere der georgische Film, der sich von Anfang an in eigenen, von der russischen Filmkunst weitgehend unabhängigen Bahnen entwickelt hatte, erlebte in den „Tauwetterjahren“2 eine Renaissance.
Die Stalin-Ära war für die oft kleinen Studios in den südlichen Sowjetrepubliken eine besonders finstere Periode. Von den knapp 290 Spielfilmen, die zwischen 1945 und 1955 in der Sowjetunion produziert wurden, stammten nur 19 aus den fünf zentralasiatischen Republiken. Die drei transkaukasischen Republiken Armenien, Aserbaidschan und Georgien produzierten lediglich 22 Filme, von denen 12 aus den noch bevorzugten georgischen Studios kamen.3
Als Chruščev das Erbe Stalins antrat, erklärte er seinen Vorgänger zum alleinigen Verantwortlichen für die Leiden der sowjetischen Bevölkerung. Er verurteilte den „Personenkult“ und beschuldigte das Kino, dessen Komplize gewesen zu sein.4 Das „Tauwetter“ bewirkte in der sowjetischen Kinematographie, in der künstlerischen Praxis, in der Filmästhetik sowie im Verhältnis zwischen Filmkunst und Zuschauer grundlegende Veränderungen. Mitte der fünfziger Jahre wurden viele der alten Einschränkungen aufgehoben, was ein beachtliches Ansteigen der Filmproduktion zur Folge hatte. Regisseure, die in der Vergangenheit interessante Arbeit geleistet hatten, nutzten die neue Freiheit und kehrten zum Experiment zurück. Neue Regie-Talente hatten die Chance zur Entfaltung, wodurch das Kino insgesamt vielfältiger wurde. In einem System, das alle Aspekte des Lebens politisierte, hatte jeder Film, der die Realität mehr oder weniger realistisch zeigte, subversives Potential. Zwar erreichte der sowjetische Film nie wieder die weltweite Anerkennung, die er einst in den zwanziger Jahren genossen hatte, aber die Filme wurden wieder sehenswert und auch international als positiver Beitrag zum kulturellen Leben der Sowjetunion gewertet.5
Die neuen Filme unterschieden sich radikal von der stalinistischen Dogmatik der vergangenen Jahre. Ihre Helden waren gewöhnliche Menschen in einer konkreten Umgebung, die filmisch in einer annäherungsweise realistischen Art und Weise beschrieben wurde.6 Der Film leistete so einen wichtigen Beitrag gegen die Tendenz, Kunst als Bebilderung von Abstraktionen zu verstehen, gegen ei-nen Monolithismus, der keinen Widerspruch zuließ zwischen Individuellem und Gesellschaft, gegen die „perspektivische“ Abbildung einer Realität, die der Theorie des Sozialistischen Realismus entsprang.
Entscheidend für die Entwicklung des Kinos in den nichtrussischen Sowjetrepubliken war in diesem Zusammenhang die Rolle der Moskauer Filmhochschulen, insbesondere des All-Unions-Staatsinstituts für Kinematographie (VGIK) mit seinem zweijährigen Förderstudium, das seit 1960 für Drehbuchau-toren und nach 1963 auch für Regisseure angeboten wurde. Die Moskauer Institute bildeten Schmelztiegel verschiedener „nationaler“ Stile, in denen zukünftige Regisseure von anerkannten Altmeistern des Fachs unterrichtet wurden: Eisenstein, Trauberg, Dovženko sowie deren Nachfolger Savčenko, Rajzman, Romm und Gerasimov. Der positive Effekt von „Quoten” für Studenten der kleineren Republiken und die besonders fruchtbare kulturelle Atmosphäre in Moskau zwischen 1955 und 1965 übten einen tiefen Einfluß auf diese jungen Künstler aus. Auch in Georgien war der Aufschwung in der Filmproduktion durch eine neue Generation von kreativen Regisseuren geprägt, deren stilistischer Bruch mit der Vergangenheit eine vergleichbare Wirkung hatte wie die Tätigkeit ihrer russischen Fachkollegen. Dieser Bruch war nicht einfach. Um ein Projekt zu Ende zu bringen, mußte häufig die Hilfe der Intelligencija, besonders von Schriftstellern, gewonnen werden. Die durch das ”Tauwetter” aufgerissene Kluft war so groß, daß es Regisseuren der früheren Generation wie Arno Bek-Nazarov oder Michail Čiaureli nicht gelang, weiterhin überzeugende Arbeiten zu liefern. Trotz dieser Konflikte entstanden – oft nach ermüdenden Kämpfen der beteiligten Regisseure – Filmwerke, die in der Tradition der nationalen Kinematographien verankert und weit von der von oben verordneten Doktrin des Sozialistischen Realismus entfernt waren. 7


Tradition vs. Moderne:

Der geteilte Blick auf ein Paradies In Georgien gelang es, in den Studios der Hauptstadt Tiflis eine neue Filmsprache zu entwickeln, die fest in der Tradition des nationalen Films verwurzelt zu sein schien. Der Erfolg des georgischen Films wurde dem Genre der Tragikomödie zugeschrieben, das auf den Zusammenprall alter patriarchalischer Lebensformen mit der modernen Zivilisation beruhte. Die Grundsituation konnte scheinbar unendlich variiert werden: Ein Bauer kommt in die Stadt, ein Weinbauer an die Front; ein Parteisekretär kämpft gegen lokale Sitten, die im modernen Staat als Korruption, innerhalb der patriarchalischen Lebenswelt des Dorfes jedoch als Verhaltensnorm gelten. Der georgische Film setzt die parabelhafte Abrundung seiner Geschichten gegen die grobe Abbildnatur des Mediums. „Der metaphorische Lakonismus ist die Formel des orientalischen Denkens überhaupt“, so die Einschätzung des georgischen Filmemachers Ėl'gar Šengelaja.8 Kennzeichen georgischer Filme ist demzufolge häufig die Zuflucht in eine sym-bolische und metaphorisch distanzierende, poetisch-humoristische Sprache – am beeindruckendsten in Michail Kobachidzes Meisterwerken9 – oder in anderen Kurzfilmen der georgischen Schule10 – und vor allem in den Arbeiten von Otar Ioseliani.11 Sein Film „Es war einmal eine Singdrossel“ (Icho šašwi mgalobe-li/Žil pevčij drozd, 1971) handelt von einem Paukisten in einem großen Sinfonieorchester, dessen Rolle sich lediglich auf ein paar Trommelwirbel am Ende der Konzerte beschränkt. In zerstreuter Manier kommt er meistens erst in letzter Minute. Der Zuschauer folgt einem ruhigen Träumer, der komponiert, einen Uhrmacher besucht, in einer Bibliothek Bücher liest oder in einem medizini-schen Labor herumstreicht, auf der Suche nach seiner Freundin. Er ist nicht zu fassen, man weiß nie, wo er gerade zu finden ist. Um Haaresbreite verfehlen ihn herabfallende Gegenstände, und am Ende erwischt ihn, als er einem Mädchen nachschaut, ein fahrendes Auto.12
Auch Georgij und Ėl’dar Šengelaja, Söhne des Regisseurs Nikolaj Šengelaja und der populären Schauspielerin Nato Vačnadze, debütierten Mitte der sechziger Jahre als eigenwillige Regietalente. Georgij Šengelaja absolvierte seine Ausbildung an der Moskauer Filmhochschule in den Meisterklassen von Aleksandr Dovženko und Michail Čiaureli. In seinen Werken, die der georgischen Filmkunst zu Weltruhm verhalfen, stehen die Traditionen und die Kultur Georgiens im Mittelpunkt. An seinem vielleicht bekanntesten Film „Pirosmani“ (Pirosmani, 1969; Verleih 1972 mit 107 Kopien und 1,8 Mio. Zuschauern) arbeitete Georgij Šengelaja zwei Jahre lang. Das Werk versteht sich als Annäherung an das rätselhafte Leben des naiven georgischen Volksmalers Niko Pirosmanišvili (1862–1918), genannt Pirosmani. Dabei ist es jedoch nicht als bloße Inszenierung biographischer Stationen zu verstehen, sondern bildet eine Art Dialog des Künstlers und Filmemachers Šengelaja mit einem Maler des alten, vorrevolutionären Georgien, eine Suche nach Übereinstimmung mit der Tradition, eine Reflexion über das Ethos des Künstlers und die moralischen Intentionen seines Seins. Somit wird der Film auch zu einem Beitrag in der Diskussion um die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft – ein Thema, mit dem sich der sowjetische Film während dieser Zeit wiederholt auseinandersetzte.13 Der Film widmet sich dem Leben Pirosmanis im Spannungsfeld seiner außergewöhnlichen Künstlernatur, dem Leben der armen, aber nach den moralischen und ethischen Grundsätzen des Christentums lebenden bäuerlichen Bevölkerung, und der aus Entfremdung resultierenden Einsamkeit in den Städten: Zwei junge Männer stoßen 1912 in einer Kneipe in Tiflis auf Pirosmanis Bilder und entschließen sich, diesen ausfindig zu machen. Dabei stoßen sie jedoch lediglich auf Spuren von ihm, auf weitere Werke, die er anderen Gastwirten zur Abzahlung seiner Schulden hinterlassen hat, auf merkwürdige Geschichten aus seinem Leben, die ihnen von anderen Menschen erzählt werden. Den Einzelgänger, Bauernsohn aus dem kachetischen Dorf Mirsani, zog es in die weite Welt. Deren Krämergeist kann er nicht begreifen, die gleichmacherischen Kunstschulen verachtet er, er wird Dienstbote, Eisenbahnarbeiter, Soldat und schließlich Gebrauchs- und Wandermaler. Er läßt sich durch Weinhändler und Gastwirte ausbeuten und erhält statt Geld oft nur einen Becher Wein oder einen Teller Suppe. Man will ihn verheiraten, doch er macht sich beim Hochzeitsfest davon. Eines Tages wird er in einer Scheune eingesperrt, damit er ein Bild vollendet und dort buchstäblich vergessen. Als man ihn zum Osterfest freiläßt, bleibt ihm die einzige Freiheit, arm und einsam zu sterben. Das Auferstehungsfest scheint hier bereits das des Künstlers nach seinem eigenen Tode zu sein. Der Film parallelisiert somit die künstlerischen und persönlichen Schwierigkeiten der Hauptfigur mit dem Leidensweg und der Auferstehung Christi.14
Auch war die unsichere Zukunft einer Gesellschaft, die nicht mit ihren Traditionen brechen wollte, ein entscheidendes Thema vieler georgischer Spielfilme und machte einige Produktionen aus Tiflis weltweit beliebt.15 In seiner späteren „Pastorale“ (Pastoral‘, 1976) konstatiert Ioseliani, daß der Fortschritt an die Wurzeln rührt. Über die nur scheinbar unberührte Landschaft fliegt ein Flugzeug, das Düngemittel oder Insektizide verstreut; in den klaren Gebirgsbächen detonieren die Dynamitstangen, mit denen man Fische fängt; nachbarliche Streitigkeiten unterbrechen den ländlichen Frieden und die spontane Fröhlichkeit bei einem Familienfest kann insgesamt nicht mehr darüber hinwegtäuschen, daß die Menschen in diesem Dorf wenig von den Segnungen des Fortschritts und der Zivilisation erfahren haben. Und schließlich verschweigt der Film auch nicht, daß in dieser Umgebung die Menschen weniger an der Planerfüllung interessiert sind als daran, mit unter der Hand beschafften Materialien ein Haus zu bauen. Der Film verweilt stärker auf den Unstimmigkeiten und Widersprüchen der Mo-derne als auf dem traditionellen Bild des Georgiers, der singt und eine Menge Wein trinkt.
Auch der später weltbekannte Tengiz Abuladze16 nutzte in „Das Gebet“ (Vedreba/Molba, 1968) die Vergangenheit, um wichtige moralische Fragen zu thematisieren. Arrangiert nach Motiven des bedeutenden georgischen Dichters Važa P'šavela aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, projiziert der Film eine Geschichte vom Scheitern eines Versuchs, einer Ordnung der Gewalt und Unbarmherzigkeit einen Weg der Menschlichkeit und friedlichen Versöhnung entgegenzusetzen, ins Mittelalter. In einem kaukasischen Bergdorf weigert sich ein christlicher Krieger, den getöteten muslimischen Feind nach traditioneller Sitte zu verstümmeln. Er wird daraufhin aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen und begibt sich als nun Vogelfreier auf die Wanderschaft. Er begegnet dem Bruder des Toten, der ihn – anstatt Blutrache zu nehmen – in sein Haus aufnimmt. Dessen Stammesgenossen setzen sich allerdings über das Gesetz der Gastfreundschaft hinweg – der Versuch, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, endet
tödlich. „Das Gebet“ gehört mit „Der Baum der Wünsche“17 (Natvris khe/Drevo želanija, 1977) und „Die Reue“18 (Monanieba/Pokajanie, 1984) zu einem insge-samt dreiteiligen Filmzyklus, der auch im Westen stark rezipiert wurde und dem Regisseur internationalen Ruhm bescherte.19
Tengiz Abuladze begann seine Laufbahn als Filmemacher gemeinsam mit Revaz Čcheidze in der Tradition des Neorealismus. Ihr Debüt „Magdanas Eselchen“ (Lurdža Magdany, 1955) bekam in Cannes einen Preis. Später inszenierten beide Regisseure Filme über die Tragik des Krieges. Abuladze berichtet in „Ich, Großmutter, Iliko und Illarion“ (Ja, Babuška, Iliko i Illarion, 1963) über den Krieg als Einbruch der fremden, feindlichen, hoch technisierten Zivilisation in die patriarchalische Welt eines Dorfes. Revaz Čcheidze zeigt in dem 1964 pro-duzierten Film „Der Vater des Soldaten“ (Otec soldata), wie ein alter Bauer, der von der Verwundung seines Sohnes an der Front erfährt, sein Dorf verläßt, um diesen zu finden.


Fallbeispiel: „Der Vater des Soldaten“ (Revaz Čcheidze, 1964)


Der Regisseur und sein überzeugender Hauptdarsteller Sergo Zakariadse erzählen in diesem georgischen „road movie“ vom Zusammenprall der Welt des Weinbauern Georgij Macharašvili und der des Frontsoldaten. Der bodenständige Alte mit seinen vom Dorfleben geprägten Verhaltensmustern ignoriert die Realitäten des Krieges. Selbst im Schützengraben lebt er konsequent nach seinen eigenen Gesetzen weiter, woraus sich im Film Humor und Dramatik ergeben und was den Hauptdarsteller zu einem Liebling des sowjetischen Publikums werden ließ.20
Der alte Georgier gerät über die wechselnden Stationen seiner Odyssee immer näher an die wankende Front einer der erbarmungslosen Sommerschlachten des Jahres 1942. In dem Maße, in dem sich der Unterschied zwischen Zivilbe-völkerung und kämpfender Truppe verwischt, verwandelt sich der scheinbar unbeholfene Alte, den man besorgt nach Hause abschieben will, in einen zähen, tapferen Soldaten, der auch noch den Jüngeren Eindruck abverlangt. Auf der Reise ins Lazarett begegnet Georgij zum ersten Mal der Sowjetarmee – in Form von diszipliniert in geordneten Reihen und zu Marschmusik vorbeiziehenden Truppen, die einen spürbaren Gegensatz zur undisziplinierten Quirligkeit seines Heimatdorfes bilden. Kurz darauf fährt der Alte mit einigen Zivilisten auf einem Pferdewagen, wo er dem Kutscher seine Meinung über den Krieg mitteilt. Der Krieg sei „nicht meine Sache“, sondern eine Angelegenheit für „die Jungen“, die kämpfen könnten – am Zielort angekommen, bemerkt er, daß der Mann ein beinloser Invalide ist, der sich nur auf primitiven Prothesen fortbewegen kann. Auch im Lazarett begegnet er Menschen, die von der Realität gezeichnet sind – verwundeten Soldaten und einem Arzt, der vor Erschöpfung einschläft, als Georgij von seinem Sohn erzählt. Die Konfrontation mit den Ereignissen und Folgen des Krieges kulminiert in der Szene, in der Georgij zwischen die Fronten gerät und aus Wut über den feigen Mord an seinem jungen russischen Kameraden einen deutschen Soldaten erschlägt. Vater Macharašvili will sich nun auch zur Armee melden und es gelingt ihm sogar, den perplexen General zu überzeugen, daß er trotz seines hohen Alters noch „voll einsatzfähig“ ist. Dieser formale und propagandistische Akzent macht den georgischen Soldaten zum Helden.
Noch bemerkenswerter als die Umwandlung von Passivität in Aktivität im Handeln der Hauptfigur ist das starre Gleichbleiben seines Wesens und seines Verhaltens im „Alltag“. Die knorrige Individualität des alten Weinbauern ist so ausgeprägt, ruht so fest in sich selbst, daß sie sogar von der Extremsituation des Krieges unberührt zu bleiben vermag. Nicht die unmenschlichen Maßstäbe und Gesetze des Krieges zwingen sich dem alten Soldaten auf – wenn er auch töten muß – sondern er besitzt die urtümliche Kraft, seine überzeitliche bäuerliche Denkweise von Pflanzen und Ernten, vom Erhalten und Pflegen den Menschen seiner Umgebung aufzuprägen. Macharašvili liebt eigentlich nur seinen Sohn und seine Erde: den einen, weil er Vater, die andere, weil er Bauer ist. Das Konzept der „Erdverbundenheit” zieht sich durch die gesamte Handlung und manifestiert sich permanent in der Handlungsweise des Hauptprotagonisten. Selbst als sich Georgij vor einem Gefecht mit seinen Kameraden zur Deckung ein Erdloch ausgraben muß, zerreibt er sinnierend den Boden zwischen den Fingern: „Gute und lebende Erde“ (zemlja). Auch er ist es, der im verschneiten Boden auf dem Marsch nach Deutschland eine symbolträchtige Entdeckung macht: Ein Grenzschild mit der Aufschrift „SSSR“.
In einer späteren, in der Nähe einer deutschen Kirche spielenden Szene spricht der Alte in seiner georgischen Muttersprache – mit den Weinstöcken, die ihn an sein Dorf erinnern und ihn dazu inspirieren, ein Liedchen anzustimmen. Doch seine Freude währt nur kurz: Ein sowjetischer Panzer biegt von der Straße in das Feld ein und zermalmt die ersten Weinstöcke unter seinen Ketten. Georgij wirft sich vor das donnernde Ungetüm und bringt schließlich die Panzerbesat-zung unter Zuhilfenahme von Ohrfeigen dazu, ihre Richtung zu ändern und die Gewächse zu schonen. Weinstöcke zu zerstören sei für ihn ebenso ein Verbrechen wie Menschen zu töten – wobei er auf zwei im Weinberg stehende deutsche Kinder aufmerksam macht und den Panzerkommandanten auffordert, diese „Faschisten“ doch auch zu erschießen. Wenn der Alte einer vom Kriege abgestumpften, hartgesottenen Panzerbesatzung ins Gewissen redet und erreicht, daß sie beschämt den Weinstöcken ausweicht, die sie gerade zu überrollen im Begriff war, so wird suggestiv eine klare, sichere Gewißheit darüber spürbar, nach welchen Grundsätzen der Mensch – unabhängig von der Situation – sein Handeln auszurichten habe.
In den Kampfszenen fällt Čcheidze zudem des öfteren in den pathetischen Monumentalstil der „stalinistischen“ Kriegsepen zurück. Gleich weit entfernt von dokumentarischem Realismus und distanzierender Abstraktion – man denke an die exzentrische, sich schwerelos drehende Kamera Grigorij Čuchrajs in der „Ballade vom Soldaten“ (Ballada o soldate, 1959) während des deutschen Pan-zerangriffs – entfaltet sich das Kriegsgeschehen in schöner Plastizität, in die Tiefe einer gewaltigen Freiluftbühne gestaffelt. Bezüglich dieser theatralischen Formen scheint sich der Film eher an Werken wie Vladimir Petrovs „Die Stalingrader Schlacht“ (Stalingradskaja Bitva, 1949) oder Michail Čiaurelis „Der Fall von Berlin“ (Padenie Berlina, 1949/50) zu orientieren. Die Szene, in denen Macharašvili auf dem Weg zu seinem Sohn wie ein entfesselter Kriegsgott das Treppenhaus eines von den Deutschen besetzten Gebäudes mit der Maschinen-pistole stürmt, wirkt einer Sequenz bei Petrov nachgestellt, in der ein Sergeant im Alleingang ein Haus in Stalingrad vom Keller bis zum Dachboden von Deutschen leerfegt. Solche Szenen wie auch der ganz als Bühnenfinale inszenierte Abschied Georgijs von seinem sterbenden Sohn auf dem Hausdach über der Stadt stehen im Widerspruch zu der mit chronistischer Sorgfalt beobachteten Detailzeichnung der kleinen Ereignisse und ihrer Charaktere am Rande der Schlacht.
Die Handlung des Films ist einfach und schlicht – doch gerade darin liegt der Charakter ihrer Allgemeingültigkeit. Formal durchschnittlich und mit konventio-nellen Mitteln gestaltet, gelangt der Film doch zu einer eindringlichen Wirkung. Das verdankt er der zweifellos herausragenden Darstellungskunst Sergo Zakariadses. Der freilich nimmt den gesamten Krieg auf seine breiten Schultern. Der georgische Regisseur wollte vermutlich mit dem bäuerlichen Dickschädel be-wußt eine exemplarische Charakterstudie seines ganzen Volkes liefern. Der erdverbundene Bauer, begeisterte Soldat und liebende Vater versetzt in jeder Phase des Films den Zuschauer in den Zustand, dem künstlerischen Abbild des georgischen Weinbauern etwas Vorbildliches und Sinnbildhaftes abgewinnen zu können. „Der Vater des Soldaten“ steht somit zweifellos in der Tradition des in der georgischen Filmschule verbreiteten Genres der Tragikomödie, das auf dem Zusammenprall alter, patriarchalischer Lebensformen mit der Moderne beruht und dessen Grundsituation scheinbar unendlich variiert werden kann. So reihte sich „Der Vater des Soldaten“ ein in eine Galerie skurriler Dorfkäuze, diesem ständigen Ornament der folkloristischen Komödie, in der die Helden in ihren Träumen und Utopien leben und die schlechten Dinge der Realität nicht wahrhaben können oder wollen. Dies führt zu einem unüberwindlichen Auseinander klaffen von Leben und Ideen und endet unausweichlich in der Tragödie. Ėl'gar Šengelaja charakterisierte diesen Sachverhalt wie folgt: „Realismus ist und bleibt ein Produkt des europäischen analytischen Denkens. Die orientalische Kultur strebt nicht nach Abbildung, sondern immer nach Symbolik, Parabel, Ornament. Und die georgische Kultur steht an der Scheide, ja dazwischen." 21
Der in der UdSSR als einer der größten Filmerfolge des Jahres 1965 rangierende „Vater des Soldaten" war gleichfalls einer der letzten sowjetischen Kriegsfilme, die in Form und Inhalt der Periode des „Tauwetters" zugerechnet werden können. Mit Beginn der Ära Brežnev brach nicht zuletzt im kulturellen Bereich die „Zeit der Stagnation" an, in der ein neuer Konservatismus und eine verschärfte Zensur auch das verfilmte Bild des Krieges in konventionellere Schablonen gießen sollten.22


1 Vgl. Engel, Ch. (Hg.): Geschichte des sowjetischen und russischen Films, Stuttgart/Weimar 1999, S. 164-181; Lawton, A. (Hg.): The Red Screen. Politics, Society, Art in Soviet Cinema, London/New York 1992; Radvanyi, J. (Hg.): Le cinéma georgien, Paris 1988; Mostra interna-zionale del Nuovo cinema (Hg.): Il cinema delle repubbliche transcaucasiche sovetiche: Arme-nia, Azerbaigian, Georgia, Venezia 1986. Zum sowjetischen „Vielvölkerkino" aus zeitgenössi-scher sowjetischer Perspektive vgl. Čachirjan, G.: Mnogonacional'noe sovetskoe kinoiskusstvo, Moskau 1961; Kandelaki, D.: Kino i iskusstvo, Tiflis 1957; Mamatova, L.: Mnogonacional'noe sovetskoe kinoiskusstvo, Moskau 1982; Pisarevskij, D.: Mnogonacional'noe sovetskoe kino, in: Iskusstvo kino, 4/1962, S. 100–111; Vajsfel'd, I.: Naše mnogonacional'noe kino i mirovoj ekran, Moskau 1975; Vajsfel'd, I. V.: Zavtra i segodnja. O nekotorych tendencijach sovremennogo fil -ma i o tom, čemu nas učit opyt mnogonacional'nogo sovetskogo kinoiskusstva, Moskau 1968.
2 Der Begriff „Tauwetter" entstammt dem Titel des Romans „Ottepel'" (1954–56) des Schriftstel-lers Il'ja Ehrenburg, wird jedoch ebenso auf alle anderen Bereiche der Kunst angewandt. Zum „Tauwetter" in der Filmkunst vgl. Woll, J.: Real Images. Soviet Cinema and the Thaw, Lon-don/New York 2000.
3 Aus einem Bericht des Komitees für Kinematographie beim ZK der KPdSU „Über den Zustand der produktionstechnischen Basis der Spielfilmstudios in den Unionsrepubliken" vom 17.11.1952 geht hervor, daß die Kinostudios von Tiflis im Vergleich zu denen in anderen nicht-russischen Sowjetrepubliken materiell vergleichsweise gut ausgestattet waren. GARF, f. 5446, op. 86, d. 2491, Bl. 1–6. © Potsdamer Bulletin für Zeithistorische Studien Nr. 32-33/2004 19
4 Vgl. Woll, Real Images, S. 9 ff.

5 Zu den internationalen Erfolgen des sowjetischen „Tauwetter“-Kinos vgl. Bol'šakov, I.: Sovet-skie fil'my na ekranach mira, in: Iskusstvo kino, 9/1959, S. 120–124; Kacev, I.: Sovetskie fil'my i zarubežnyj zritel', in: Iskusstvo kino, 3/1961, S. 22–27; Pobeždaet pravda. Uspech sovetskogo kinoiskusstva na mirovom ekrane, in: Iskusstvo kino, 2/1961, S. 1–6; Sadul', Ž.: Tri perepo-lennych zalach. Uspech sovetskich kinofil'mov vo Francii, in: Kul'tura i žizn', 8/1959, S. 58–59; Zorkaja, N. M.: Sovetskie fil'my na zarubežnom ekrane, Moskau 1987. 6 Zum veränderten Menschenbild im „Tauwetter“-Kino vgl. Hänsgen, L.: Vom Pathos des Auf-bruchs zur kulturellen Selbstreflexion: Entwicklungstendenzen im sowjetischen Film von der zweiten Hälfte der fünfziger bis in die frühen achtziger Jahre, Bochum 1999.
7 Vgl. Maglakelidse, D.: Nationale Identitäten in den westdeutschen und georgischen Autorenfil-men zwischen den 60er- und 80er Jahren, Berlin 2002; Amirėdživi, N. I.: Na zare gruzinskogo kino, Tiflis 1978; Cereteli, K. D.: Gruzinskij chudožestvennyj kinematograf, 1925-1967, Moskau 1968; Cereteli, K. D.: Kinoiskusstvo Sovetskoj Gruzii, Moskau 1969; Rondeli, L.D.: Tradicija i ėkran, Tiflis 1978; Tikanadze, R.: Gruzinskoe kino..., problemy, iskanija, Tiflis 1978.
8 Zit. nach Engel, Geschichte des sowjetischen und russischen Films, S. 168.
9 Etwa „Die Hochzeit" (Korsile/Svad'ba, 1964).
10 Etwa Iraklij Kvirikadzes „Der Weinkrug" (Kvevri/Kuvšin, 1971).
11 Etwa „Die Weinernte" (Giorgowistwe/Listopad, 1967). Zum Filmschaffen Ioselianis vgl. Trošin, A.: Interv’ju s Ioseliani. Vse idet po krugu…, in: Iskusstvo kino, 12/1996, S. 12-17; Amirejibi, N.: Kinorezisori Otar Ioseliani, Tiflis 2003; Fiant, A.: Le cinéma d’Otar Iosseliani. Lausanne 2002; Silvestri, S.: Otar Iosseliani, Rom 1997.

12 Vgl. dazu: Es war einmal eine Singdrossel, in: Binder, E./Engel, Ch. (Hg.): Eisensteins Erben: der sowjetische Film vom Tauwetter zur Perestrojka (1951–1991), Innsbruck 2002, S. 188-191; Gromov, E.: Duchovnost‘ ėkrana, Moskau 1976, S. 93-95; Ioseliani, O: Ja chotel by.., in: Fomin, V.: Peresečenie parallel’nych, Moskau 1976, S. 118-147; Lordkipanidze, N.: Motivy tvorčestva, in: Komsomol’skaja pravda, 12.1.1972; Nekrasov, V.: Ioseliani protiv Ioseliani, in: Ėkran 71–72, Moskau 1972, S. 23–27; Problemy sovremennogo kino, Moskau 1976, S. 89-96; Šklovskij, V.: Za 60 let: Raboty o kino, Moskau 1985, S. 322–325; Vajsfel’d, I.: O sovremennom kino, Mos-kau 1973, S. 5–6.; Zak, M.: Kinorežissura. Opyt i poisk, Moskau 1983, S. 139–146.
13 Etwa in Andrej Tarkovskijs „Andrej Rubljow" (Andrej Rublev, 1966) und Gleb Panfilovs „Durch das Feuer führt keine Furt" (V ogne broda net, 1968).

14 Vgl. dazu: Pirosmani, in: Binder/ Engel, Eisensteins Erben, S. 169–171; Donadze, M.: Proizve-denija živopisi na ėkrane, in: Literaturnaja gazeta, 3/1980; Ėkran 66–67. Moskau 1967, S. 144–147; Gasparov, Ė.: Niko Pirosmani – legenda i čelovek, in: Moskovskij komsomolec, 4.6.1968; Lorkipanidze, N.: Motivy i tvorčestvo, in: Komsomol’skaja Pravda, 12.1.1972; Tikanadze, Gru-zinskoe kino, S. 325-342. 15 Etwa Merab Kokočašvilis „Ein großes grünes Tal“ (Didi mtsavane veli/Bol'šaja zelenaja dolina, 1967) oder Lana Gogoberidzes „Grenzen“ (Rubeži, 1968). 16 Zum Filmschaffen Abulazes vgl. Tuguši, S.: Ešče odin urok Tengiza Abuladze, in: Murian, V. M. (Hg.): Kino: Metodologičeskie issledovanija. Moskau 2001, S. 187-190; Horton, A. (Hg.): Russian Critics on the Cinema of Glasnost. New York 1994; Youngblood, D.: Repentance: Sta-linist Terror and the Realism of Surealism, in: Rosenstone, R. A. (Hg.): Revisioning History: Film and the Construction of a New Past. Princeton 1995, S. 139-154.
17 „Der Baum der Wünsche" erzählt von der Zerstörung des Mythos eines georgischen Paradieses am Anfang des 20. Jahrhunderts. In ein kleines Dorf hält die Moderne Einzug, doch dessen skur-rile Bewohner verdrängen dies stoisch. Der Dorflehrer predigt von der geistigen Übermacht Ge-orgiens, eine Verrückte berichtet von ihrer aus Groschenheften zusammengeträumten Liebe, ein Anarchist beschwört den technischen Fortschritt, ein Gegner die Tradition. Viele der Geschich-ten enden tragisch, denn das wirkliche Leben und die Wünsche und Ideen der Beteiligten klaffen zu weit auseinander.
18 Diese Geschichte über einen Diktator und sein Volk wird als „kleine Begebenheit" in der Chro-nik eines nicht näher genannten Städtchens in einer nicht näher genannten Zeit aufgerollt. Varlam, der „Vater des Volkes", liquidiert nach und nach die Bevölkerung, löscht die alte Kultur und das historische Gedächtnis aus, läßt die Kathedrale sprengen, versucht, den Künstler mit dessen Auserwähltheit zu korrumpieren und vernichtet ihn schließlich. Doch nach dem Ableben Varlams wird dessen Leiche immer wieder von Unbekannten ausgegraben und in seinem Garten aufgestellt.
19 Vgl. dazu Anninskij, L.: Zur Stalinismuskritik im Kino. Anmerkungen zum sowjetischen Film „Reue", in: NZZ, 11./12.10.1987; Der Preis der Identität. Tengis Abuladse und Wim Wenders triumphieren in Cannes, in: Süddeutsche Zeitung, 21.5.1987.
20 Vgl. Papava, M.: Otec soldata, in: Iskusstvo kino, 6/1965; Kogan, L. N. (Hrsg.): Kino i zritel': Opyt sociologičeskogo issledovanija, Moskau 1968, S. 111.

21 Zit. nach Engel, Geschichte des sowjetischen und russischen Films, S. 168. 22 Zum sowjetischen Kino in der Brežnev-Ära vgl. Golovskoy, V./Rimberg, J.: Behind the Soviet Screen. The Motion-Picture Industry in the USSR 1972–1982, Ann Arbor 1986; Jampolskij, M.: Kino bez kino, in: Iskussvo kino, 6/1988, S. 88–95; Turovskaja, M.: K probleme massovogo fil'ma v sovetskom kino, in: Kinovedčeskie zapiski, 8/1990, S. 72–78.

Quelle: Potsdamer Bulletin für Zeithistorische Studien Nr. 32-33/2004 (pdf)

Thursday, December 15, 2005

Pressespiegel
Berichterstattung zur Expedition von Kay Meister in der Thüringer Allgemeine
Jenaer Studenten erforschen den Kaukasus
Vor knapp zwei Jahren begleitete die Thüringer Allgemeine Studenten der Friedrich-Schiller-Universität auf eine botanische Expedition nach Spitzbergen. Zahlreiche wissenschaftliche Resultate und Aktivitäten im Nachfeld der Unternehmung waren das Ergebnis dieser Reise. So berichteten die Studenten auf zahlreichen Diavorträgen in Schulen, Museen und Universitätshörsälen von Dresden bis Nordhausen von ihren Erlebnissen. Auch eine Ausstellung vermittelt Wissenswertes zur Expedition.Hauptaugenmerk des wissenschaftlichen Interesses auf Spitzbergen waren damals die sogenannten "niederen" Pflanzen: Flechten und Moose. Sie besiedeln Lebensräume, welche für die anspruchsvolleren Blütenpflanzen kaum geeignete Existenzbedingungen mehr bieten. Diese Bereiche finden sich beispielsweise in der Tundra der Arktis, aber auch in den Hochgebirgsregionen der Welt. Zahlreiche einzigartiger Belege dieser Pflanzengruppen aber auch der widerstandsfähigen höheren Arktispflanzen konnten als Ergebnis der Spitzbergen-Expedition 2002 in den Bestand des Jenaer Herbariums eingegliedert werden und sind auf diese Weise für die Wissenschaft dokumentiert worden.Auch das Forschungsfeld der Hochgebirgsvegetation wird seit vielen Jahren an verschiedenen Instituten der biologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena bearbeitet, verbunden mit regelmäßig stattfindenden Studentenexkursionen in verschiedene Hochgebirgslandschaften Europas und der Demonstration der natürlichen Lebensräume dieser Regionen. So erkundeten die Studenten des Instituts für Spezielle Botanik beispielsweise in den vergangenen Jahren die rumänischen Karpaten sowie den Hochalpenraum. Für den Sommer 2004 bereitet das Institut für Spezielle Botanik mit Herbarium Haussknecht eine dreiwöchige Studentenexpedition in eine der unberührtesten Gebirgslandschaften des europäisch-asiatischen Raumes und gleichzeitig Zentrum der Biodiversität vor: den georgischen Kaukasus. Die geplante Exkursion soll die bislang vorwiegend auf Blütenpflanzen beschränkte Arbeit dieses Institutes in hervorragender Weise ergänzen. Sie bietet darüber hinaus die Möglichkeit, die jungen Biologen an Pflanzengruppen, Moose und Flechten, heranzuführen, die an den meisten deutschen Hochschulen oft nur marginal behandelt werden. Aber im Rahmen nachhaltigen Umgangs mit der Naturausstattung aller Lebensräume der Erde kann auf fachlich versierte Biologen mit Artenkenntnis auch in Zukunft nicht verzichtet werden. Gerade der Kenntnis der Naturausstattung unterschiedlicher Lebensräume wird an vielen Universitäten Deutschlands zunehmend weniger Bedeutung beigemessen.Anknüpfungspunkte für eine solche Expedition finden sich zudem in einer langen Tradition partnerschaftlicher Beziehungen der Universitäten Jena und Tiflis, heute Hauptstadt Georgiens, sowie im umfangreichen wissenschaftlichen Pflanzenbelegmaterial aus dem europäisch-asiatischen Raum im Herbarium des Instituts, der größten Einrichtung dieser Art in Deutschland. Ein erklärtes Ziel der diesjährigen Expedition wird es deshalb auch sein, die Sammlung von Hochgebirgspflanzen, insbesondere der Flechten und Moose, weiter zu vervollständigen. Wichtigstes Anliegen der Reise stellt jedoch die Vermittlung eines umfangreichen Artenwissens des sensiblen Ökosystems Hochgebirge den teilnehmenden Studenten gegenüber dar. Auch 2004 sollen die wissenschaftlichen Ergebnisse der Expedition von Öffentlichkeitsaktivitäten der Studenten in Form einer eigenen Internet-Seite, eines von den teilnehmenden Studenten gestalteten Diavortrags sowie einer Ausstellung über den Kaukasus begleitet werden. Die Thüringer Allgemeine wird an dieser Stelle in loser Folge von den Vorbereitungen der Expedition, von ihrem Verlauf und den erzielten Ergebnissen berichten.
Quelle: Thüringer Allgemeine vom 30. März 2004
Vorbereitungen für 5000 kaukasische Höhenmeter
Für die Teilnehmer der Kaukasus-Expedition 2004 begann mit dem Beginn des Sommersemesters an der Friedrich-Schiller-Universität Jena die heiße Phase der Vorbereitungen. Wöchentlich kommen Sie zu einem Seminar zusammen. Der Zeitplan sowie die Expeditionsziele stehen nun fest. Drei Zielgebiete stehen im Zentrum der Unternehmung: Den größten Zeitraum wird die Erforschung der Kaukasus-Hauptkette beanspruchen. Es ist ein Aufstieg zum Kazbek-Massiv an der georgisch-russischen Grenze geplant. Dort findet sich eine einzigartige, unberührte Hochgebirgsvegetation. Die genaue Route wird aber erst im Sommer festgelegt, da sich erfahrungsgemäß durch unvorhergesehene Witterungsverhältnisse Änderungen ergeben können. In einem zweiten Teil sollen Untersuchungen im Kleinen Kaukasus, in devastierten Weidegebieten mit Trockenrasen sowie wald- und schluchtenreichen Regionen der Gebirgsstufe durchgeführt werden. Schließlich wird die Gruppe auch Tbilissi, der alten Hauptstadt Georgiens, einen Besuch abstatten und dort unter anderem die Universität mit den entsprechenden botanischen Einrichtungen wie dem Botanischen Garten, Herbarium, Laboratorien sowie das ethnographische Museum besichtigen. Die Expeditionsgruppe bemüht sich derzeit, die notwendige Ausrüstung zusammenzustellen. Dabei kann auf die Erfahrungen früherer Expeditionen in Hochgebirge zurückgegriffen werden. Es ist vorgesehen, sowohl im Großen als auch Kleinen Kaukasus täglich wechselnde Lager einzurichten. Die dafür benötigten Zelte müssen deshalb sowohl Hochgebirgstauglichkeit, also Stabilität und Unwetterbeständigkeit, besitzen, gleichzeitig aber ein möglichst geringes Tragegewicht aufweisen. In Georgien erwarten die Teilnehmer der Expedition unterschiedlichste Witterungsbedingungen. Tbilissi liegt auf 450 Metern über dem Meeresspiegel und ungefähr auf der geographischen Breite von Neapel. Hier können die Sommer heiß (bis 40°C) und schwül werden. Die Bergregionen kennzeichnet dagegen ein alpines Klima mit zum Teil stark schwankenden Temperaturen und hohen Niederschlagsmengen aus. Deshalb gehört extrem wetterfeste und warme Kleidung zur Grundausrüstung eines jeden Expeditionsteilnehmers. Die Gruppe wird bis in die Schneeregionen vordringen. Funktionsbekleidung, welche wind- und regendicht verarbeitet ist, wird im Hochgebirge unerlässlich sein. Sie ermöglicht auch eine Gewichtsreduktion des Gepäcks. Auch das Schuhwerk wird während der Expedition enormen Belastungen ausgesetzt. Die Gruppe wird sich auf unbefestigten Wegen und heißem Steppenboden der Ebene, dauerfeuchten Wiesen und Waldboden des Hügellandes sowie Felspartien und Geröllfeldern des Hochgebirges fortbewegen. Oberhalb der Baumgrenze werden dann auch Schneefelder hinzukommen. Zudem sind immer wieder kalte Gebirgsbäche zu überqueren.Selbstaufblasbare Isomatten, welche eine Isolationsschicht aus Luft erzeugen, schirmen die Bodenkälte ab. Schlafsäcke mit Daunenfeder- oder Synthetikfaser-Füllung und einem Komfortbereich bis in den Minusgrad-Bereich hinein halten für die Nacht warm. Die gesamten Nahrungsmittel für die Bergbesteigungen müssen auf dem Rücken mittransportiert werden. Wie die Erfahrungen vorangegangener Expeditionen lehren, werden sich die täglichen Mahlzeiten aus selbstgemischtem Müsli am Morgen, einer Zwischenmahlzeit aus Knäckebrot mit Fisch oder Fleisch sowie selbst hergestellten Energie-Riegeln mittags und am Abend einer größeren Mahlzeit mit dem Hauptbestandteil stärkehaltiger Nahrungsmittel (Gries, Reis, Kartoffelbrei u.a.) zusammensetzen. In einem 9-Liter-Topf, welcher schon so manche Exkursion Jenaer Botaniker begleitet hat, wird das Essen gekocht. Georgien bietet als Entstehungszentrum vieler Obstsorten den Vorteil, stets an vitaminreiche Zusatznahrung gelangen zu können. Einen der wohl wichtigsten Ausrüstungsbestandteile im Gepäck der Studenten wird jedoch sicherlich die Fotoausrüstung bilden, nicht zuletzt, da für den kommenden Herbst eine Dia-Reportage zur Expedition geplant ist. Zu diesem Zweck wird auch ein Expeditionstagebuch geführt. Am 26. Juli 2004 hebt der Flieger mit den Studenten und Wissenschaftlern aus Jena in Richtung Georgien ab, am 16. August wird die Expeditionsgruppe zurückkehren. Dann wird die oft anstrengende Vorbereitungszeit sich, so hoffen die Studenten, gelohnt haben. Die Thüringer Allgemeine steht durch Internet-Korrespondenz mit den Expeditionsteilnehmern in Kontakt und wird live aus Georgien berichten. Für die Ausrüstung im Kaukasus können die Teilnehmer auf Erfahrungen zurückgreifen, welche auf einer Expedition im Jahre 2000 in den rumänischen Karpaten gemacht wurden.
Quelle: Thüringer Allgemeine vom 04. Mai 2004
Auf den Spuren Ernst Haeckels
Der Jenaer Biologe Ernst Haeckel (1834-1919) gilt als der wohl bedeutendste Verfechter und Verbreiter des darwinistischen Gedankengutes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und um die darauffolgende Jahrhundertwende in Deutschland. Haeckels Lebenswerk erhielt sein charakteristisches Gepräge durch den Kampf für eine Abstammungstheorie, welche nur naturwissenschaftliche Erkenntnisse anerkannte und den Menschen neben allen anderen Organismen einbezog. Zu naturwissenschaftliche Studien, aber auch zur Popularisierung seiner Idee des Lebens (Haeckel zeichnete beispielsweise als erster Stammbäume des Organismenreiches) bereiste er bis ins hohe Alter die unterschiedlichsten Gegenden der Erde. Dabei war Haeckel auch als Künstler unterwegs. Zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen des Darwinisten befinden sich im Besitz des Ernst-Haeckel-Hauses Jena, wo sein wissenschaftliches Erbe verwaltet wird. Hier werden auch die umfangreichen Reisenotizen des Forschers archiviert und im Institut für Geschichte der Naturwissenschaften, Medizin und Technik der FSU Jena unter der Leitung von Prof. Breidbach analysiert. Für das Jahr 1897 finden sich in Haeckels Notizbüchern hochinteressante Eintragungen: In diesem Jahr unternahm der Forscher das einzige Mal in seinem bewegten Leben eine Reise in das damals zaristische Russland. Anlass war ein internationaler Geologenkongress in St. Petersburg. Jedoch noch vor Ende des Kongresses reiste Haeckel wieder ab. Gemeinsam mit dem Hallenser Professor für Geologie Johannes Walter und dem aus Freiburg stammenden Georg Böhm, Professor für Geologie und Paläontologie, wollte Haeckel den Kaukasus überqueren und plante einen Besuch der georgischen Hauptstadt Tbilissi. Die Eisenbahn brachte die drei Forscher nach Waldikawkas, wo sie mit einem "Revolver und Munition, zum Schutz gegen die (immer noch zahlreichen) Räuber" ausgerüstet in einem "leichten viersitzigen Wagen, 4 Pferde nebeneinander gespannt" in vier Tagen abenteuerlicher Fahrt den wilden Kaukasus bezwangen und wohlbehalten in Tbilissi ankamen. Sie benutzen die große Heerstraße, einen alten Karawanenweg und gleichzeitig die kürzeste Verbindung zwischen dem Norden und dem Orient. An dieser Stelle laufen die Linien von Haeckels Georgienreise vor gut 100 Jahren und der Kaukasus-Expedition Jenaer Biologie-Studenten in diesem Sommer zusammen. Auf seinen Spuren werden die Teilnehmer auf der großen Heerstraße bis zum Kasbek-Pass vordringen. Natürlich sind die Transportbedingungen nicht mit denen zur Zeit Haeckels zu vergleichen, die 4 Pferde werden wohl gegen ein paar Dutzend Pferdestärken in einem alten LKW eingetauscht. Er bringt die Studenten in den traditionsreichen georgischen Ort Kasbek. Hier wo Haeckel einige der insgesamt sechs größeren Aquarelle und viele der kleineren Skizzen vom Kaukasus anfertigte, während die ihn begleitenden Geologen stets mit dem Hammer unterwegs waren, um Gesteinsproben zu nehmen, werden die Studenten den Aufstieg ins Hochgebirge wagen. Haeckels Bilder zeigen eindrucksvoll die kaukasische Landschaft, wie er sie vor gut 100 Jahren erlebte. Wechselvolle Zeiten hat die Region seitdem erlebt: einst georgisches Königreich, später unter russischer Sowjetherrschaft und nun als Republik Georgien. Haeckel reiste weiter Richtung Süden. In der Hauptstadt angekommen, besuchte er neben dem berühmten Botanischen Garten das Kaukasisches Museum. Dieses war vom Deutschen Gustav Radde gegründet worden. Aus der Einrichtung ging unter anderem das Georgische Staatsmuseum hervor, welches einen Höhepunkt des Besuches in der georgischen Hauptstadt auch für die Studenten 2004 bilden wird, ebenso wie eine Führung durch den noch heute existierenden Botanischen Garten. Haeckels Reise war das Ergebnis eines intensiven Briefwechsels zwischen Jena und Tbilissi und bildete gleichzeitig den Ausgangspunkt späterer Schreiben. Gleichzeitig bietet Haeckels Reise vor über 100 Jahren aber auch eiHaeckels Reise war das Ergebnis eines intensiven Briefwechsels zwischen Jena und Tbilissi und bildete gleichzeitig den Ausgangspunkt späterer Schreiben. Gleichzeitig bietet Haeckels Reise vor über 100 Jahren aber auch eine wesentliche Grundlage der Studenten-Expedition in diesem Jahr, und das nicht nur, weil die teilnehmenden Studenten alle in ihrem Studium in Jena auch einmal das Arbeitszimmer des Evolutionsforschers im Ernst-Haeckel-Museum besucht haben und in den Regalen vielleicht das große Naturwerk "Grundzüge der Pflanzenverbreitung in den Kaukasusländern" von Gustav Radde aus Tbilissi entdeckten, welches dieser Haeckel als Dank für seinen Besuch nach Jena gesandt hatte. Die Expedition ist gleichzeitig ein Stück nachempfundene Wissenschaftsgeschichte.ne wesentliche Grundlage der Studenten-Expedition in diesem Jahr, und das nicht nur, weil die teilnehmenden Studenten alle in ihrem Studium in Jena auch einmal das Arbeitszimmer des Evolutionsforschers im Ernst-Haeckel-Museum besucht haben und in den Regalen vielleicht das große Naturwerk "Grundzüge der Pflanzenverbreitung in den Kaukasusländern" von Gustav Radde aus Tbilissi entdeckten, welches dieser Haeckel als Dank für seinen Besuch nach Jena gesandt hatte. Die Expedition ist gleichzeitig ein Stück nachempfundene Wissenschaftsgeschichte.
Quelle: Thüringer Allgemeine vom 25. Mai 2004
Reiseberichte von der Expedition
Von Kay Meister
Tbilissi - Die Hauptstadt Georgiens
Im Winter ist es in Tbilissi wesentlich kälter als in Deutschland. Das können wir uns gar nicht so richtig vorstellen, bewegen wir uns doch derzeit bei 30°C im Schatten durch die engen lassen der Hauptstadt Georgiens. Man erzählte uns dass öffentliche Gebäuden und Privatwohnungen in den Wintermonaten meist dennoch unbeheizt bleiben. Die Energiekrise Georgiens - die verbleibenden Wasserkraftwerke können den Strombedarf nicht decken - ist bis heute nicht überwunden. Wir wohnen in Privatwohnungen in abenteuerlichen Hochhäusern. So katastrophal diese von außen anzusehen sind, die Wohnungen sind äußerst liebevoll und geradezu herrschaftlich ausgestattet. Die Bewohner teilen Sie mit uns für die Dauer unseres Aufenthaltes in Tbilissi und versorgen uns mit exzellenter georgischer Küche.Der Verkehr auf den Hauptstrassen ist für extrem gewöhnungsbedürftig. So gibt es weder Fahrspuren noch Fußgängerüberwege. Die Fahrtrichtung zeigt der Fahrer unseres angesichts der Straßenverhältnisse noch erstaunlich funktionstüchtigen Kleinbusses durch hartnäckiges Hupen an. Der Namen der Stadt bedeutet soviel wie "Warme Stadt" und geht auf heiße Schwefelwasserquellen im Stadtgebiet zurück. Sie besitzen Temperaturen zwischen 24 und 38°C und sprudeln im iranisch anmutenden Bäderviertel. Gegen die Hitze im Sommer helfen sie also nur wenig. Ein angenehmes Klima werden wir im Botanischen Garten vorfinden. 1845 angelegt, war er mit seinen 130 Hektar Fläche, durchzogen von einem kleinen Flüsschen schon im späten Mittelalter ein königlicher Park.In Tbilissi leben ca. 1,5 Millionen Einwohner. Die Metropole erstreckt sich beiderseits des Flusses Mtkwari. Wie Schwalbennester kleben die Häuser Tbilissis Altstadt an den hohen grauen Felsen des linken Steilufers. Ein großer Teil der Altstadt steht unter Denkmalschutz. Von den kopfstein-bepflasterten Gassen aus bestaunten wir die ein- bis zwei-etagigen Wohnhäuser mit den kleinen Höfen, von Balkonen und Veranden eingefasst. Sie zeigen den Stil der in ganz Georgien typischen Landhäuser mit ihren Schnitzereien und Ziersäulchen. Die hier lebende Bevölkerung ist teilweise extrem arm und verdient im Monat umgerechnet zehn Euro, das sind 22 Lari. Hoch oben über der Stadt thront die alte Festung "Narikala". Genauer gesagt thronte sie über Jahrzehnte dort, denn ein Blitz traf 1827 das Pulvermagazin in den Kasematten und richtete eine verheerende Verwüstung an. Heute stehen nur noch die Ruinen der einst glanzvollen Burganlage. Für uns beeindruckend waren die zahlreichen Kathedralen der Stadt - Musterbeispiele georgischer Baukunst. Im ältesten Kultbau Tbilissis, der Antschisschati-Basilika erklang der weltberühmte traditionsreiche georgische Chorgesang. In der Neustadt geht es turbulenter zu. Bis zum 19. Jahrhundert herrschte ein chaotisches Durcheinander verschiedener Baustile, wie wir beim Gang durch die weitläufigen Strassen beobachten können. Danach hat man versucht, die Stadt dem russischen Klassizismus anzunähern und sie in eine Großstadt nach westeuropäischem Muster zu verwandeln. Dennoch wuchs Tbilissi weiter nach ganz eigenen Gesetzen. Die im Jahre 1969 errichtete U-Bahn bringt uns direkt zum Rustawelli-Prospekt, der Hauptstrasse Tbilissis. Neben Cafes und Restaurants finden sich an dieser wichtigsten Verkehrsader der Stadt auch das Staatliche Museum Georgiens, dem wir einen Besuch abstatten und wo ich zu meiner Freude zahlreiche Unterlagen über deutsche Naturforscher des ausgehenden 19. Jahrhunderts in den Archiven vorfinde. Die Ausstellung schöpft aus einer reichen Sammlung der Stein- und Bronzezeit sowie Kulturschätzen des Mittelalters. Nicht weit entfernt findet sich zu unserer Freude eine ganz andere "Sehenswürdigkeit" der Stadt: der Lagidse-Pavillion. Er wurde vor vielen Jahrzehnten von der Gebrüdern Lagidse gegründet, die hier aus Früchten hergestellte Sirups in verschiedenen Geschmacksrichtungen verkauften. Bis heute sind die Rezepte Familiengeheimnis. Die Strassen säumen unzählige kleine Verkaufsstände, an denen die Menschen praktisch alles, sogar ihr eigenes Hab und Gut, verkaufen, um zu überleben. Unser Blick fällt auf das ehemalige Luxushotel Iweria. Es erinnert uns an die zum Teil dramatischen Zustände hier in Georgien. Das Hotel ist zum Bersten mit Flüchtlingen aus Abchasien belegt, die aus der abtrünnigen Region aufgrund ethnischer Konflikte vertrieben wurden. Das Gegenbeispiel finden wir in der Kaschweti-Kirche am sogenannten Alexandergarten: Hier wurden die Gottesdienste unter einem Dach auf zwei Etagen in zwei Sprachen - Georgisch und Russisch - abgehalten. Und auch in der 1918 gegründeten staatlichen Universität, welche wir besuchen, hören Studenten aller georgischen Regionen gemeinsam Wirtschafts-, Medizin- oder naturwissenschaftliche Vorlesungen für ein in Zukunft hoffentlich friedliches Georgien.
Quelle: Thüringer Allgemeine vom 05. August 2004
Der Nationalpark und der südliche Kaukasus
Verlässt man Tbilissi auf der Landstrasse Richtung Süden, beginnt schon bald die Strecke abenteuerlich zu werden. Die Strassen sind hier schlechte Feldwege, gepflastert mit knietiefen Löchern und belagert von Schweinen, Schafen und Rindern. Neben den Gebirgen ist ein Drittel der Fläche Georgiens mit Hügeln bedeckt. Der sogenannte kleine Kaukasus erreicht immerhin auch Höhen von über 3000 Metern. Die Landschaft prägt eine intensive Weidewirtschaft mit nomadenähnlichen Strukturen. Dies durften wir erleben, als wir von aserbaidschanischen Schäfern in ihre Jurte zum Schafmahl eingeladen wurden. Zubereitet wurde von einem Schaefer, der heute über 1000 Tiere sein Eigen nennt. Die Gastfreundlichkeit dieser nach unseren Verhältnissen sehr armen Bevölkerung Georgiens hat uns immer wieder auf unserer Reise beeindruckt. Die Vegetation des kleinen Kaukasus ist stark von der Weidewirtschaft geprägt. In den Dörfern findet man beispielsweise typische Pflanzenarten bäuerlicher Siedlungen, die es auch bei uns in Deutschland vor der Industrialisierung der Landwirtschaft vorkamen, heute jedoch extrem selten oder ausgestorben sind. Zwischen durch Erosion gerundeten Höhenzügen liegt in Zentralgeorgien der Borjomi-Nationalpark. Der Park wurde 1995 mit Hilfe des WWF und der Unterstützung durch die deutsche Botschaft in Georgien unter anderem auch mit deutschen Spendengeldern eingerichtet. Hier beeindrucken vor allem die Hochstauden-Pflanzengesellschaften, wie wir sie aus Mitteleuropa nicht kennen. Der Borjomi gilt als er erste Nationalpark der Kaukasusregion mit internationalen Standards und einer der größten Parks auf dem europäischen Kontinent. Er bietet zumindest für ein begrenztes Gebiet von 76 000 Quadratkilometern dem Ausverkauf des Landes Einhalt. Vor 1990 war der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der blühenden russischen Provinz Georgien. Aufgrund des Bürgerkrieges jedoch finden nur noch wenige Besucher den Weg in die atemberaubende Natur des Nationalparks. Georgien gilt als waldreiches Land. In den natürlichen Waldgebieten lebt unter anderem auch der Kaukasische Wolf, der nirgends sonst auf der Welt beheimatet ist. Aber auch die subalpinen und alpinen Wiesen im südlichen Kaukasus erwarteten uns zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Ein verschlungenes Pfadnetz führte zu Stellen mit atemberaubenden Aussichten. Immer wieder kamen wir an mittelalterlich wirkenden Dörfern mit lange Geschichte vorbei. In Gebieten mit Weidewirtschaft gibt es kaum noch Wälder. Hier heizen die Menschen mit getrockneten Kuhfladen, die sie im Sommer in ihren Gärten zum Trocknen auslegen. Ein Erlebnis sind die Basare, auf denen vor allem Obst und Gemüse angeboten werden. Georgien wird als ein Zentrum der Entstehung des Obstanbaus von der Wissenschaft angesehen. Überall treffen wir auf freundliche Menschen, die uns zu sich einladen. Unabhängig von der Tageszeit wird dabei als Willkommensgruss Wodka gereicht, was uns zugegebenermaßen etwas zu schaffen macht. Dr. Shamil Shetekauri jedoch, unser Führer während der Expedition und versierter Fachmann was die georgische Flora betrifft, vermittelte in manch komplizierter Situation. Die Georgier sind eines der ältesten Kulturvölker Europas. Unzählige Eroberungen fremder Kulturen in der Geschichte Georgiens haben ihre Spuren und verschiedene Volksgruppen hier zurückgelassen. Die Menschen leben von Handwerk und Ackerbau, wobei der Weinbau eine Besonderheit bietet. In den abwechslungsreichen Berg- und Hügelregionen gedeihen die mannigfaltigsten Rebsorten. Sie werden noch heute in Handarbeit und kaum mechanisiert zum berühmten georgischen Wein verarbeitet. Getrunken wir der Wein dann zu allen Gelegenheiten. Und in großen Mengen zum Schafmahl.
Quelle: Thüringer Allgemeine vom 18. August 2004
Mitternachtsgewitter im Großen Kaukasus
Wie eine große Barriere wirkt er, der Kaukasus. Das Gebirge, an welches Zeus Prometheus schmieden lies, da er durch eine List dem Gottvater gegenüber den Menschen das Feuer gebracht hatte und gleichzeitig nördliche natürliche Grenze Georgiens. Der Große Kaukasus gilt als eine der vielfältigsten Regionen der Erde. Zwanzig Prozent des Gebirgsmassivs liegen höher als 2000 Meter über dem Meeresspiegel. Die vielgestaltige Landschaft verursacht ein sehr wechselhaftes Wetter. Hier haben wir zehn atemberaubende Tage verbracht. Diese gigantische Landschaft erscheint uns nach mehreren abenteuerlichen Wanderungen noch vieldeutiger und undurchschaubarer als zuvor. Unsere täglichen Expeditionen führten uns vorbei an gigantischen Felsmassiven, deren Gipfel auch im Hochsommer ihre Schneemütze nicht verlieren. Im Winter sind diese Bergregionen kalt und schneereich. Die physikalische Verwitterung (Nachtfröste sind auch im Sommer möglich, Quellen verraten Wasseradern im Gestein) fordert hier wie überall auf der Welt ihren Tribut, Frost und Wasser tragen die Berge allmählich ab. Jedoch wird dies noch viele hundert Jahrtausende andauern. Nichts desto trotz bekommen wir dieses Phänomen selbst zu spüren, immer gewahr von Steinschlag und Muren. Erleben konnten wir dieses Schauspiel bei einem Mitternachtsgewitter, das auf 2500 Höhenmetern über uns hereinbrach und die Zelte vor eine ziemliche Belastungsprobe stellte. Besucht haben wir den Kasbegi. Höchster Punkt Georgiens. Ein imposanter, vergletscherter Riese. Manche dieser Berge sind erloschene Vulkane, was man ihnen heute noch ansieht. Das gesamte Gebiet gilt als erdbebengefährdet. Trotzig liegen sie deshalb inmitten der Bergriesen, die kleinen Bergsiedlungen mit ihren altertümlichen Bauten. Am imposantesten wirken dabei die Wehrtürme. In keiner Gegend der Erde gibt es wohl so viele Sprachen und Kulturen wie im Kaukasus. Und auch die tief reichende Gastfreundschaft erscheint angesichts dieser rauen Landschaft außergewöhnlich. Die Kirchen in den größeren Siedlungen und vor allem die vereinzelten Klöster in ihrer Abgeschiedenheit bieten einen tiefen Blick in die Seele der Bergvölker. Neben den Dörfern weiden die Kühe der Dorfgemeinschaft. Weideland dominiert die Höhenzonen zwischen 1800 und 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Hier und darüber erstrecken sich die ausgedehnten Rasen einer farbenprächtigen Hochgebirgsvegetation. Unter anderem dafür waren wir ja hierher gekommen. Unsere Mappen füllten sich zusehends. Abgekapselte Gebirgstäler mit ihren übereinanderliegenden Klimazonen und den abschottenden Bergen ermöglichten eine ungestörte Entwicklung einzigartiger Lebensgemeinschaften. Jedoch ist diese einmalige Vegetation des Kaukasus einer hohen Gefährdung ausgesetzt. Die schwierigen Lebensbedingungen der Bevölkerung führen zu einem verstärkten Rückgriff auf die natürlichen Ressourcen. Dem Land fehlen schließlich die finanziellen Mittel für den Erhalt der weltweit einzigartigen Naturausstattung. Das Material – zahlreiche Pflanzenarten, die nur hier im Kaukasus vorkommen – wird den Bestand des Herbariums Haussknecht in Jena mit einigen außergewöhnlichen Exemplaren von Seltenheitswert weiter komplettieren. Unseren Wasservorrat aufzufüllen, bereitete indes keine großen Schwierigkeiten. Die unzähligen kleinen Bergflüsse führen ein klares Wasser. Sie retteten schon seit zwei Jahrtausenden vielen Menschen das Leben bei der Überquerung des Kaukasus. Heute bewegt sich der meiste Verkehr entlang der alten Heerstraße, die auch wir für unsere Anfahrt auf den Kaukasus nutzten. Sie trennt den Zentral- vom Ostkaukasus ab. Der alte Karawanenweg ist die kürzeste, aber nichts desto trotz immer noch beschwerliche Verbindung zwischen dem Norden und dem Orient. Ruinen alter Festungsmauern und Überreste von Palästen ehemaliger Herrscher Georgiens säumen den Weg. Auch wenn durch die Fertigstellung einer Eisenbahnverbindung Ende de 19. Jahrhunderts zum Verlust der wirtschaftlichen Bedeutung des Heerstraße führte, ermöglicht sie noch heute den kulturellen Austausch zwischen dem georgischen und dem russischen Volk.
Quelle: Thüringer Allgemeine vom 16. September 2004
Über den georgischen Charakter

Die Mentalitätsgeschichte pendelt zwischen zwei Extremen der georgischen Identität. Einerseits hält sich der Georgier die Finalität seiner Existenz vor, andererseits unternehmen Georgier energische Anstrengungen, sich im Leben gegenseitig zu beflügeln. Die georgische Kultur mit all ihrem antiken Gewicht und ihrem Klassizismus war dabei der stabilisierende und ausgleichende Faktor.
Anhand zweier Witze läßt es sich gut illustrieren, worum es dabei geht.
Ein Bauer aus Kachetien macht es sich im Schatten eines Walnussbaums bequem. An seiner Seite ein Krug voll Wein, aus dem er genüsslich trinkt, während er das Panorama des Kaukasusgebirges und des Alasani-Tals betrachtet. Plötzlich nähert sich ein amerikanischer Milliardär, den man zu ihm geführt hat, und zwischen den beiden entspinnt sich der folgende Dialog: „Was machst du so den lieben langen Tag?“ fragt der Milliardär. „Nun, es ist sehr heiß...“ antwortet der Bauer. „Dann steh mal auf, schau dir all die Nüsse an diesem Baum an, schüttele sie herunter, heb sie auf, bring sie zum Markt, verkauf sie, ...“„Und dann?“ „Und dann brauchst du nur noch das Geld anzulegen, das du mit deinem Geschäft verdient hast, und es für dich arbeiten zu lassen...“„Und dann?“ „Dann musst du ein Unternehmen gründen, eine Fabrik bauen, und so wirst du ein Chef... Du wirst so reich wie ich werden, du wirst ein Milliardär...“ „Und dann?“ „Dann kannst du dich zurücklehnen, brauchst dir keine Sorgen mehr zu machen und kannst es dir unter diesem Baum bequem machen und dabei deinen Wein trinken...“ „Aber das mache ich doch gerade!“
Die Sicht der Welt
Kein anderer Witz könnte eine treffendere Beschreibung der wahren Natur des georgischen Charakters geben. Nichts ist aufschlussreicher als die spontane Verwunderung des georgischen Bauern. Hierin drückt sich das Wesen der georgischen Natur aus, in all seinen philosophischen, ich würde fast sagen religiösen Dimensionen... Der Witz stellt ihren Archetypus dar. Die Art, mit der der Bauer aus Kachetien die Wirklichkeit auffasst – seine Sicht der Welt – konfrontiert uns direkt mit den wichtigsten ontologischen und existenziellen Fragen: Was ist die Existenz? Was ist das Sein? Was ist ihre Existenzberechtigung, wenn nicht die direkte Herrschaft über Zeit und Dauer?
Das Fortschreiten der Zeit ist recht eigentlich mit dem Ziel verknüpft, das der Existenz eingeschrieben ist, sowie mit den Mitteln, die zur Erreichung dieses Ziels aufgeboten werden. Diese Anstrengungen sind wie eine Kette, und die Glieder dieser Kette sind nichts anderes als fortwährende Modifikationen der Zeit. Das Zerreißen dieser Kette bedeutet das Nicht-Erreichen und also den Stillstand der Zeit.
Für den Georgier existiert die Zeit nicht außerhalb der Existenz, sie ist mit dieser Existenz unmittelbar verwoben und kann daraus nicht extrahiert werden, ohne sie aufzulösen. Der georgische Bauer existiert hier und jetzt nicht hinsichtlich eines Ziels, sondern er ist schon am Ziel. Die Existenzberechtigung und die Existenz sind miteinander verwoben.
Der Milliardärs hingegen sieht seine Existenzberechtigung in der Aktion erst aktiv kommt er zu seinem eigentlichen Ziel. Zwischen der Weltsicht des amerikanischen Milliardärs und der des georgischen Bauern besteht ein grundlegender Unterschied. Das bedeutet nicht, daß nicht auch der georgische Bauer nicht gerne Milliardär werden würde, aber eben nur nach seiner Fasson: mit einem Minimum an Anstrengung oder ohne jede Anstrengung, unverzüglich und plötzlich, und vor allem ohne mit all dem zu brechen, was zu seinem Naturell gehört.
Die Verweigerung jeglichen Entgegenkommens
Dieser besonderen Auffassung der Zeit entspricht eine spezielle Sicht des Raums, die durch einen anderen bekannten Witz illustriert wird, der aus Westgeorgien, aus Gurien kommt:
Sitzt ein Gurier in Gedanken versunken auf einer Eisenbahnschiene. Ein anderer Gurier kommt vorbei, und als er ihn sieht, beschließt er, sich neben ihn zu setzen. Er tritt zu ihm hin und sagt: „Freund, rück ein Stück zur Seite, damit ich mich auch dahin setzen kann!“
Diese Sicht drückt das existenzielle Leiden aus, das angesichts der Unmöglichkeit der eigenen Freiheit bei der Besetzung des Raumes durch die anderen verspürt wird. Nach der georgischen Auffassung wird der Raum, der von den anderen besetzt wird, als der eigene angesehen, und von daher wird es unmöglich, sich auf den Schienen neben einen anderen hinzusetzen. Denn genau dieser bestimmte Punkt innerhalb des unendlichen Raums, der jetzt von einem anderen besetzt wird und den ich aufgrund einer Art transzendentaler Wahrnehmnung als mir gehörig ansehe, muss befreit werden, damit sich meine Freiheit realisieren kann. Wenn das nicht geschieht – wenn der andere sich nicht umsetzt und mir dadurch den Platz freimacht – wird mir meine Existenz und mein Handeln unmöglich gemacht. Die Daseinsberechtigung meiner Existenz wird somit abhängig von meiner Fähigkeit, den anderen dazu zu bringen, sich umzusetzen, oder von seiner Bereitschaft, mir den Platz zu überlassen. Aber ist der andere, der auf den Schienen sitzt, nicht letztlich auch mein Bruder, und sieht nicht auch er diesen Platz als den seinen an...?
In dem einen Fall erzeugt das Bestreben, das Ziel direkt im „leeren Raum“ zu bezwingen, eine Gleichgültigkeit gegenüber den Mitteln, die zur Verallgemeinerung des Prinzips „Alles ist erlaubt“ führen. In dem anderen Fall resultieren aus der Wahrnehmung, daß der Raum, den die anderen besetzen, mir gehört, aggressive Anspruchshaltungen und die Verweigerung jeglichen Entgegenkommens. Daraus folgt, daß es unendlich leichter ist, die Georgier gegeneinander aufzubringen, als sie dazu zu bringen, geschlossen zusammenzustehen, wenn es etwa darum geht, einer Bedrohung von außen entgegenzutreten. Dieser Charakterzug ist nicht ohne gravierende Folgen ...
Die ausgleichende Rolle der Kultur
Die Geschichte Georgiens spielt sich auf einem Feld ab, das zwischen diesen zwei Polen liegt: auf der einen Seite eine Vision der Finalität der Existenz, auf der anderen Seite die energischen Anstrengungen, sich gegenseitig zu „pushen“.
Jeder anderen Form der Aktivität wird der Georgier es vorziehen, die Seinen zu „pushen“... Daraus ergibt sich die quasi-Unmöglichkeit einer parallelen Aktivität oder echter sozialer Beziehungen. Daraus resultiert auch eine ganze Reihe sozialer Konsequenzen, die von den Behörden des russischen Imperiums perfekt analysiert und ausgenutzt wurden, und die Georgien die schweren Folgelasten beschert haben, die wir heute dort sehen. Die Dekultivierung und die grenzenlose Weiterentwicklung dieser beiden extremen Charakterzüge sind im gegenwärtigen Georgien zu entscheidenden Faktoren geworden.
Die georgische Kultur mit all ihrem antiken Gewicht und ihrem Klassizismus ist der stabilisierende und ausgleichende Faktor gewesen, der es im Laufe der Jahrhunderte erlaubte, diese zwei extremen Charakterzüge der Georgier abzumildern und einzubinden. Daher finden wir gerade dort den feinfühligen und ausgeglichenen Typus des kultivierten Georgiers, der sowohl für die sinnliche orientalische Zivilisation wie auch für die rationale okzidentale zugänglich ist, denn Georgien liegt gerade an der Schnittstelle der orientalischen Zivilisation Vorderasiens und Persiens und der westlichen byzantinisch-christlichen Welt.
Die Probleme und Schwierigkeiten, die Georgien im Laufe der beiden letzten Jahrhunderte, insbesondere unter den schwierigen Bedingungen der totalitären Epoche durchmachte, hat sich im georgischen Charakter in der Steigerung gerade extremer Charaktereigenschaften niedergeschlagen, wie sie in den beiden Witzen zum Ausdruck kommen, dass also der feinfühlige kulturell-georgische Typus sich kaum kultivieren konnte, es gab den „homo sovieticus“, eine Massentypologie, die dem feinsinnigen mehr kultivierten als indidualisierten Georgier entgegensteht.
Die sowjetische Proletarisierung Georgiens verdrängte die Mentalität des Georgiers, seine kulturellen und soziale Mentalität wurde arg ramponiert. Jedoch auch bei den westlichen Ländern ist die "individuelle Freiheit" mittlerweile eingeschränkt.
Das Revolutions-Erbe
Das, was heute in Georgien und auch anderswo in der ehemaligen Sowjetunion passiert, ist einzigartig und exemplarisch. Keine der anderen Revolutionen, welche Urteile man auch immer über ihre Konsequenzen sprechen mag, hat jemals die Geschichte angehalten, indem sie deren Motor gestoppt hat: das Privateigentum. Ich bin überzeugt, daß die derzeitige Unfähigkeit, die Situation zu verstehen und zu analysieren, in der sich die dem Totalitarismus entkommenen Länder befinden, auch durch die Einzigartigkeit dieses Phänomens bestimmt wird.
Das Paradoxe der Revolutionen besteht darin, daß sie am Ende die abgehalfterten Strukturen des vorhergehenden, schon gestürzten Regimes übernehmen, um sie im Rahmen eines neuen politischen und sozialen Systems zu erneuern, was im Hinblick auf die von der Revolution selbst propagierten destruktiven Prinzipien eine absurde Situation darstellt. Die negative und korrumpierende Tendenz der Revolutionen entspringt dieser grundlegenden Unmöglichkeit, alle Brücken zur Vergangenheit zu sprengen – eine Gegebenheit, die sehr schnell von der revolutionären Verwaltung angenommen und infolgedessen zur Bewahrerin der alten Verwaltung wird und damit den radikalen Bruch unmöglich macht. Diese Unmöglichkeit einer Revolution ist der eigentliche Grundstein der revolutionären Romantik.
Der ganze Text bei caucaz.com:
Artikel Erschienen am 04/12/2005
Von Janri KACHIA in Tiflis
Übersetzt von Gebhard REUL und Gudrun STAEDEL-SCHNEIDER)
.... Ich fürchte allerdings, dass der Zusammenhalt und die Ehrlichkeit, die man in Osteuropa bis hin zum Kaukasus finden kann, permanent von der westlichen Lebensweise gefährdet sind. Ich las kürzlich von einem ukrainischen Autor, der meinte, die östliche Mentalität verschwände im Grunde, sobald der Wohlstand Einzug hält. Heute Vormittag bin ich auch wieder auf diesen Gedanken gestoßen. Da gab es plötzlich kein Wasser im ganzen Haus (wegen der Tunnelarbeiten, wie sich später herausstellte) und schon kommt man mit Hausbewohnern ins Gespräch, die man vorher noch nicht mal gesehen hatte. Mit anderen Worten: wenn Mangel herrscht, ist man eben auf die Nachbarn angewiesen.

Von Dirk Lorenz
Leipzig, den 09. Dezember 2005

Wednesday, December 14, 2005

Über den Wolken ...
Von Ralph Hälbig

Schon der Flug von Deutschland in den Kaukasus war beispiellos. Voller Erwartung und zugleich erschöpft döste ich vor mich hin. Draußen war die Welt zwielichtig. Weder das Schwarze Meer noch die schneebedeckten Hänge des Kaukasus waren zu sehen. Nur der Silberschein des Mondes verschleierte vereinzelte Wolken.
Die Triebwerke vibrierten durch den ganzen Rumpf. Plötzlich beanspruchte ein Georgier auf der Höhe der Sitzreihe meine Aufmerksamkeit. Bestimmt und sehr höflich kam er den Gang nach vorn in unseren Bereich und bat die Stewardess um einen Korkenzieher, damit er den feurig roten Kindzmarauli öffnen kann.
Die junge Frau spreizte sich etwas: „Sie können hier im Flugzeug nicht ihren eigenen Wein trinken. Sie können welchen kaufen.“, sagte sie. Doch der junge sehr seriöse Mann verstand sie nicht recht. Er meinte, dass dies ein georgischer Wein sei, dass seine Freunde und er nach Georgien fliegen, und dass sie jetzt diesen Wein trinken müssen. Er tippte auf das Etikett und erzählte von Kachetien, er gestikulierte, seine dunklen Augen himmelten sie an. Seine Stimme hatte einen rauen Klang.
Andere Männer schlenderten bald nach vorn. Überhaupt bewegten sie sich im Flugzeug, wie in einem Bus, wo man ab und an aufstehen müsse, und sich die Füße vertreten muss. Sie standen, lümmelten oder feuerten ihre Erzählungen an. Sie bezogen andere Passagiere ein. Ihre Gefälligkeit steckte an.
Sie freuten sich zutiefst heimzukehren. Es schien, als wären sie ewig nicht zu Hause gewesen. Als sich um die hübsche Stewardess eine Traube bildete, lies sie bald locker und übersah, dass nun ab und an ein Korken pfloppte. Bald stimmten die Männer in einen polyphonen Gesang ein. Hinter mir saß eine junge Georgierin mit ihrem Neugeborenen auf dem Schoß. Von den Männern bekam sie Obst, und dem Kind sang man ein Schlaflied.
Feierlich hoch über den Wolken, durchflogen wir diese lebensfeindliche Nacht. Mich beschlich eine Ahnung, was mich wohl erwarten könnte. Auch die Stewardess zog sich zurück und sah vergnügt, dass sie sich um ihre Fluggäste nicht bemühen brauchte. Hier oben war es eine Gemeinschaft, eine Freude und ein Fest. Bald landeten wir auf der Erde -

Tuesday, December 13, 2005

Vasilij Dimov “Tbilissimo”
Lesung im Café Goethe am 15.12. 2005, um 17.00 Uhr
Goethe-Institut Tbilissi, Sandukelistr.16

Vasilij Dimov (geb. 1957), veröffentlichte Gedichte, Novellen und Romane. Der Nationalität nach Bulgare, geboren in der Ukraine, wohnhaft in Moskau, getauft in Georgien hat Dimov sich in das Land Georgien verliebt und diese Liebe in seinem neuen Roman „Tbilissimo“ dargestellt. Das von einigen russischen Kritikern als ein „Trinkspruch-Sammelband“ gekennzeichnete Buch ist in die georgische Sprache übersetzt und vor kurzem im Saari-Verlag erschienen, Übersetzer ist der georgische Schriftsteller, Kritiker, Publizist Dschumber Titmeria. Vasilij Dimov begann mit 20 zu schreiben, als er an der journalistischen Fakultät der Staatlichen Universität in Moskau studierte. Dimov ist Autor des Erzählbandes „Profil im geklebten Spiegel", der 1991 erschien. Dem deutschen Publikum wurde der Schriftsteller mit seinem ersten Roman „/Die vier Leben des heiligen Possekel/“ bekannt, der von Berlin handelt. Der Roman wurde für den russischen Booker-Literaturpreis nominiert und erschien 1999 in deutscher Übersetzung bei Dumont.
Aus dem Artikel über Vasilij Dimov in der georgischen Literaturzeitung: Bücher (Nr. 07(28) vom 9.-22.09.2005, S. 13f.

Lesung in deutscher und russischer Sprache

Uwe Rieken/Institutsleiter
Goethe Institut Tbilissi
Sandukeli 16
0108 Tbilissi
Georgien
Tel. +995 32 938945/920154/933178 +995 32 92 19 43(direkt)
Fax. +995 32 93 45 68
Neu: Deutsche in Georgien: http://www.goethe.de/georgica
GEORGIEN/UKRAINE: Welkende Revolutionsträume

Knapp zwei Jahre nach Amtseinführung des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili im Januar 2004 wächst in Georgien die Kluft zwischen Arm und Reich. Die weltweit begrüßte Rosenrevolution hat den Menschen wenig Gutes gebracht. Nicht viel besser sieht es in der Ukraine aus. Zum ersten Jahrestag der orange-farbenen Revolution mehren sich in diesen Tagen ebenfalls die kritischen Stimmen. Angesichts der schwachen Bilanz des noch vor kurzem gefeierten Präsidenten Juschtschenko, der Entlassung seiner Premierministerin und politischer Skandale zeigen sich die Ukrainer zunehmend enttäuscht. In Meinungsumfragen führt mittlerweile Juschtschenkos alter Gegner Viktor Janukowitsch, gegen den sich die orange-farbene Revolution gerichtet hatte.

Henryk Alff zieht eine Zwischenbilanz der Revolutionen. Geeignetes Fotomaterial von Roemer Lemaitre ist angefügt. Zu honorieren ist es über den Autor Henryk Alff.


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Mit freundlichen Grüßen
Andreas Metz, n-ost-Büro Berlin
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Die eingeschlafene Revolution
Der Stern der einst gefeierten Revolutionsregierungen in Osteuropa sinkt zunehmend
Von n-ost-Korrespondent Henryk Alff

Tbilissi (n-ost) - Emil Adelchanow steckt sich genüsslich eine starke Zigarette an. Sein kleines Büro mit Blick auf das spätherbstliche Tbilissi füllt sich mit Rauch. Es ist kühl, nur eine elektrische Heizsonde spendet diffuse Wärme. "So wie wir, frieren noch immer viele Menschen in der Stadt", sagt der Bürgerrechlter, der für das Kaukasische Institut für Frieden, Demokratie und Entwicklung arbeitet. "Strom und besonders Gas sind bei uns nicht für Arme. Das wird sich kaum ändern, wenn Russland, wie geplant ab nächstem Jahr die Tarife weiter anhebt." Georgien ist immer noch abhängig von den Energielieferungen des einstmals großen Bruders im Norden.
"Auch die Verbraucherpreise für viele Produkte sind seit der Amtseinführung Michail Saakaschwilis als Präsident im Januar 2004 enorm gestiegen", berichtet Adelchanow. Besonders Grundnahrungsmittel seien um 20 bis 30 Prozent teurer geworden. Die Renten habe die Regierung im gleichen Zeitraum zwar auch angehoben. Dennoch bleibe das Versprechen der "Revolutionäre" von einst, die Armut zu bekämpfen und den Lebensstandard auf ein zivilisiertes Niveau zu bringen, weitgehend unerfüllt, so Adelchanow. Er muss selbst mehrere Tätigkeiten ausüben, um seine Familie ernähren zu können. "Die Rentnerin mit monatlich 28 Lari (umgerechnet etwa 13 Euro) in der Tasche könne sich entscheiden: Entweder mit Strom die Wohnung heizen und an Hunger leiden oder sich von Kartoffeln und Brot ernähren und frieren."
Laut einer vom International Republican Institute im Oktober 2005 landesweit durchgeführten Umfrage glauben zwar noch 50 Prozent der Interviewten, dass Georgien auf dem richtigen Weg sei. Diese Zahl habe sich gegenüber dem Sommer allerdings um 15 Prozentpunkte verringert. Brennende innenpolitische Probleme wie die grassierende Armut sind eng mit dem angespannten Verhältnis zum großen Nachbarn Russland verbunden. Die hohen Energiepreise werden, so glauben Experten, von Moskau als Instrument eingesetzt, die Regierung in Tbilissi unter Druck zu setzen und das kleine Land südlich des Kaukasus zu destabilisieren. "Andererseits ist der Anstieg der Kosten für Lebensmittel auf die Initiative der georgischen Behörden zurückzuführen, Schmuggelware aus Russland aus dem Verkehr zu ziehen und damit der abtrünnigen Republik Südossetien die Lebensgrundlage zu entziehen", meint Barbara Christophe, Georgienspezialistin an der Universität Frankfurt/Oder.
Es gibt deutliche Parallelen zur Situation in der Ukraine, die ebenfalls von russischen Rohstofflieferungen abhängig ist. Das russische Unternehmen Gasprom plant bereits seit dem Sommer die Anhebung der Exportpreise für den Energieträger um das Dreifache. In Kiew befürchtet man das Schlimmste und kontert mit der Drohung, die Transitgebühren für russisches Gas drastisch zu erhöhen. Doch auch aus anderen Gründen steht Präsident Viktor Juschtschenko ein Jahr nach seinem Triumph in Orange vor einem postrevolutionären Scherbenhaufen. Die beliebte Ministerpräsidentin und Ikone der Kundgebungen vom vergangenen Herbst, Julia Timoschenko, wurde im September von Juschtschenko entlassen. Die Wirtschaft hat deutlich an Fahrt verloren und die alten Seilschaften funktionieren noch immer. In Meinungsumfragen führt mittlerweile sogar Juschtschenkos alter Gegner Alexander Janukowitsch, gegen den sich die orange-farbene Revolution gerichtet hatte.
Auf den Straßen von Kiew machen der Beamte Viktor Kuschnir und einige Dutzend seiner Kollegen ihrem Ärger Luft. Sie prangern vor dem Bürgermeisteramt korrupte Praktiken beim Verkauf von Staatseigentum an. "Wir haben auch eine Stimme, und wehren uns dagegen, dass die Regierung ihre vor einem Jahr verkündeten Ziele nicht durchsetzt." Zumindest hätte die Revolution die Bürger der Ukraine zu einem mündigen Volk gemacht, sieht Kuschnir einen gravierenden Unterschied zur Situation vor einem Jahr. Auch die früher gegängelte Presse berichte heute viel freier über politische Ungereimtheiten.
Für Georgien zeichnet Kulturwissenschaftlerin Christophe ein anderes Bild: Trotz kleinerer Erfolge bei der Bekämpfung der Kleinkorruption und im Bereich der Steuergesetzgebung, sei die Unzufriedenheit im Volk zwar da, aber es überwiege dennoch Apathie und nicht Aktionismus. "Saakaschwili stützt sich nicht auf politische Organisationen, sondern auf die Zustimmung der Menschen. Wenn diese aussetzt, fehlt der Regierung die Legitimität und sie muss auf andere Partner zurückgreifen, wie etwa kriminelle Netzwerke", meint Christophe.
Die politische Passivität der georgischen Bevölkerung, beklagt auch Adelchanow und schaut aus dem Fenster. "Was der Präsident sagt, ist Programm. Die meisten politischen Gegner sind verstummt, die Opposition schwach und wenig charismatisch. Bei den Herrschenden überwiegt ein Klima der Selbstzufriedenheit schlimmer als bei Schewardnadse. Und das obwohl ihre politischen Erfolge bisher gering sind."

Monday, December 12, 2005

Der Künstler Wladimir Schengelaja

Wladimir Schengelaja "O.T." 2000, 55 x 50 cm, Acryl auf Leinwand


"Ich wurde in der malerischen Stadt Suchumi geboren, welche in der Zeit der Antike gegründet wurde und wuchs dort auf. Das Land Abchasien erfuhr Einflüsse von vielen altertümlichen Kulturen. Doch trotz des Reichtums der Geschichte bleibt es eine Peripherie des russischen Imperiums und lebt nach seinen Gesetzen. Hier gab es auch eine sogenannte "offizielle" Kunst und seit dem Anfang der siebziger Jahre eine Underground-Bewegung. Dieser Underground lieferte aber keinen Widerstand gegen die offizielle Kunst und bekämpfte diese nicht. Ich gehöre zu der Generation, die nach dem Fall des eisernen Vorhangs aufwuchs und ohne die ersten Freiheitsströmungen zu bewerten, wurden wir zu Zukunftsgläubigen. Diese Situation bestimmte die Grenzen meiner Tätigkeit als Künstler. Innerhalb der Mauern der Tifliser Kunstakademie, in der ich Mitte der Sechsziger Jahre studierte, hat sich die "nationale" Kunst dominant gemacht. Diese Art von Kunst begrenzte die Suche der Künstler in Richtung der Folklore und der dekorativen Malerei. In Tiflis lernte ich die bedeutendsten Beispiele der georgischen Kunst kennen. Ich sah die altertümliche und wunderschöne Wandmalerei, die starke Einflüsse auf mich und meine Kunst hat. Es ist sehr schwer, die Faktoren zu konkretisieren, die auf meine Malerei Einfluß ausüben. Ich bewege mich von irrationalen Zeichen und Gesten hin zu der Schöpfung eines Bildes. Ich arbeite sehr präzise an der Oberfläche der Leinwand, vertiefe mich in alle Schichten "der alten und der neuen" Kunst und stehe über nationalen und zeitlichen Grenzen. Ich bewege mich von der spontanen zu der gefundenen oder erarbeiteten ästhetischen Methode. All diese Vorgänge tragen in sich die Vergangenheit und verarbeiten sie, und dies spiegelt meine heutige Verfassung wider. Es gibt Meinungen über die Folgeerscheinung des swjetischen Undergrounds. Ich glaube, daß die psychologische und ästhetische Wirkung der Kunst auf uns immer unerschütterlich und primär bleibt. Wenn ich über meine Arbeit sprechen soll, möchte ich Henri Matisse paraphrasieren - ich mache das, was ich kann."

Wladimir Schengelaja wurde1949 in Suchumi/Abchasiengeboren.
Bis 1971 Studium an derKunstakademie Tiflis/Georgien.
1988 Aufnahme im Künstlerverband der UDSSR.
Bis 1992 freier Künstler in Suchumi
1993 ausgewandert nach Deutschland.
Lebt und arbeitet in München.
Mitglied des BBK.

"O.T.", 2000, Öl auf Leinwand, 50 x 50 cm

Homepage: Wladimir Schengelaja

Sunday, December 11, 2005


The Caspian:
Politics, Energy, Security
Shirin Akiner (Editor), Anne Aldis (Editor)


Touted as the world's next Arabia and a region of unbridled opportunity following the Soviet collapse in 1991, the Caspian Sea and the turbulent oil rush that characterized the ensuing decade captured the world's attention in what at first sight appeared to be a triumph of capitalism over communism. Yet rather than engendering immediate wealth and prosperity for foreign multinationals, regional powers and local populations, successive years have seen problems both historical and contemporary erect significant hurdles in the path of progress. The Caspian redefines a Caspian debate long characterized by one-sided and politically motivated analyses and, at times, fantastic reporting. Bringing together a whole range of influential voices from academia, the media, the oil industry, civil service, the military and diplomatic corps, this book rewrites the region's recent history from the perspective of the players themselves, ferreting out the nuances that characterize contemporary Caspian energy and security politics.

Hardcover 432 pages (July 8, 2004)
Publisher: RoutledgeCurzon
Language: English
ISBN: 0700705015

Link:
Energie Politics In Russia And The Casoian Sea Region (RadieFreeEurope)

In the past decade, the Caspian Sea has become one of the world's most promising new regions for petroleum investment and development. The landlocked waterway has been the focus of intense international competition for access and pipeline routes.But the promise of new resources has also come with the problems of ethnic tension, instability and slow democratization. The shoreline nations -- Azerbaijan, Iran, Kazakhstan, Russia, Turkmenistan -- have struggled to settle border disputes and conflicting claims to offshore oilfields. Continuing RFE/RL coverage of energy-related developments in the region will be posted to this page.

Die nächste Veranstaltung der BGG findet statt am:
Freitag, 16.12., 18.30 Uhr, Botschaft der Republik Georgien, Berlin-Pankow, Heinrich-Mann-Str. 32

Prof. Dr. Rolf Schrade, Mahlow, Vortrag mit Lichtbildern:

"Gerettetes georgisches Kulturerbe – Das achtjährige Restaurierungsprogramm der Stiftung Horizon in Swanetien"

anschließend Weihnachtsfeier mit georgischen Spezialitäten
Bitte beachten: anderer Veranstaltungsort !
Armenia's Yezidi Kurds

A glimpse into the life of Armenia’s biggest minority community as it struggles to survive in the 21st century.


Photographs by Andrei Liankevich with text by Zhanna Alexanian and Andrei Liankevich. more >>>

(Quelle: IWPR Photojournalism)

For Lufthansa bright skies ahead
By Anna Arzanova

Since it started flights to Georgia in June, Lufthansa has enjoyed success in growing passenger numbers and could even expand its activity in the country in the near future, company officials report.
General Director of Lufthansa in Tbilisi Stefan Schwarz stated that the high season for passengers lasted for longer than expected since inaugurating flights on June 5, 2005 and noted Lufthansa has had a "very good" passenger load over the full summer period. "Our flights were successfully booked from the beginning, even the high season which was expected to ends in August," he stated in a recent interview with the paper in Munich.
"Traffic is picking up for Christmas season and winter holidays as well," Schwarz added.
"Depending on passengers' demand, we are going to increase our services either by frequencies or by the size of the aircraft capacity. But this is something that will be shown a little bit later. We need a full season for that to see how all the developments of passenger will go," Schwarz said.
Schwarz said that Lufthansa has developed a highly qualified staff not only in Europe but in Georgia as well. "We hire local Georgian employees, who are being trained in our international center in Germany, in check in, ticketing and so on. We take utmost interest to maker sure that colleagues are well-qualified in all the services," he stressed.
Speaking about the future plans and possible expansion of Lufthansa's branches, Schwarz underscored the success of Lufthansa's three flights weekly between Tbilisi and Munich, a hub for the airline which allows passengers to connected to any other Lufthansa destination.
Schwarz, 41, took on the new position of Lufthansa General Director in Tbilisi in June 2005. Schwarz had studied economics in Johannes Gutenberg University in Mainz, Germany, and management in Hagen, Germany. From 1986 to 1989 Mr. Schwarz studied at Lufthansa special aviation management courses. In addition to his professional activities at Lufthansa, in 2003 Mr. Schwarz finished MBA courses at Danube University in Krems, Austria specializing in aviation.
Group: Justice For North Caucasus
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This group is devoted to elaborate on obtaining long lasted missing justice for the nations of the North Caucasus. Also to concentrate on human rights issues that had been abducted when the invaders conquered and colonized the region...
CAUCASUS

Caucasus is a mountainous country stretching along borders of Europe and Asia in the limits of Russia, Azerbaijan and Georgia. The highest, axis part of upland region expanding on 1100 km between Black and Caspian Seas in the North-West- South-East direction is called Great Caucasus.
Great Caucasus mountains are rather young by geology. The tectonic uplands, the relief is exposed by intensive destructive influence of glaciers, rivers, wind erosion. Mountainous summits composed by firm rocks have peak, fortress and pyramid forms. The areas of soft rocks are presented by round forms with flat tops and sheer slopes.
There are various of profiles of river valleys – from wide trough-formed made by ancient glaciers to narrow, impassable canions.
This area has rather high seismic. The main part of Great Caucasus upland region is formed by two almost parallel and just the same by altitude ridges: Glavny (Main) or Vodorazdelny (Watershed), and Peredovoy transforming into Bokovoy (Side) on the East. Glavny ridge stretches as unbroken mountain range, but Peredovoy and Bokovoy ridges are alternating mountain mass parted by diametrical river plains.
A number of wavy mountain ridges descending to the plain the nearest of which named Scalisty (Rocky) and Pastbischny (Pasture) ridges consisting of hollow from the East and steep to the South. The southern slope of Great Caucasus on the whole is shorter and steeper than northern especially in the eastern part. It expands by side ridge-spurs: Khahetinsky, Khartlinsky, Rachinsky, Svanetsky, Khodorsky, Chhaltssky, Bzbsky, Gagrsky.
Great Caucasus is divided into three parts: Western Caucasus, Central and Eastern ( with conventional borders by meridians crossing Elbrus and Khazbek).
The climate of Great Caucasus is determined by its southern situating, by proximity of Black and Meditaranian seas, and also by considerable mountain ridges altitude. Great Caucasus is a barrier on the way of mass motion with damp, warm air from the West. More precipitation is on the southern slopes, maximum quantity- in the western part where in highlands drops out more than 2500 mm per year(most of all – in our country). There is the precipitation quantity to the east – 600 mm per year. The northern slope of Great Caucasus on the whole is drier than southern.
In Great Caucasus mountains which are on the not so extensive area are presented by large set of climatic zones with expressed belts according to the altitude: Black seaside damp subtropics, chilly-continental (to the East till sub-desert) climate with hot summer and short and cold winter on Caucasus- forward plains; temperate continental climate of mountains-forward with considerable precipitation (especially in the western part) and much-snowy winter ( in Krasnaya Polyana (Red Field) area on the rivers Bzyb and Chhalta snowy cover reaches 5 m and even 8 m). There is cold and wet climate in the alpine glasslands, winter lasts for 7 months; average temperature of August, the warmest month is from 0 °C to +10 °C. There is so-called nival belt higher it where the average temperature of warmest month isn’t higher 0 °C . The precipitations here is snow or hail.
At foothills January average temperatures are –5 °C in the North and from +3 °C to +6 °C in the South: on the altitude 2000 m –7-8 °C; on the 3000 m altitude -12 °C; on the 4000 m altitude –17 °C. At foothills July average temperatures are +24 °C in the West; in the East till +29 °C; on the 2000 m altitude +14 °C; on the 3000 m altitude +8 °C; on the 4000 m +2 °C. In Great Caucasus the snow-line height raising from West to South fluctuates in the limits of 2770-8900 m over sea level. Its average note is different for northern and southern slopes. In Western Caucasus it accordingly 3010 and 3090 m, in Central - 3360 and 3560 m, in Eastern – 3700 and 3800 m.
Great Caucasus the modern covering with ice total square is 1780 sq. km. The number of glaciers – 2047, theirs tongues descend to absolute peaks: 2300-2700 m (Western Caucasus), 1950-2400 m (Central Caucasus), 2400-3200 m (Eastern Caucasus). The larger covering with ice part is the its northern side. The distribution of covering with ice square between northern and southern sides is: Western Caucasus –282 and 163 sq. km.; Central Caucasus -835 and 385 sq. km.; Eastern Caucasus – 114 and 1 sq. km.
Caucasus glaciers have diverse forms. Here you can see grandiose and ice-falls with seraks, and ice grottos, “tables”, “mills”, deep cracks. Glaciers take out lots of fragment material which accumulates in the form of different moraines on sides and near the tongue of glacier.
Great Caucasus is rather inhabited. On the 2000-2250 m altitude you can meet populated stations, industrial and agricultural enterprises.
The main regional transport means is an automobile. Qualitative roads with firm cover are constructed to the most of stations, alpine grasslands have unpaved highways, in places of forest-falling and geological prospecting – tractor ruts. There are only three auto-roads in force crossing Glavny (Main) Caucasus ridge: Voenno-Gruzzinskaya (Military-Georgian) road (through "Cross" pass –2819 m), connecting Vladicaucasus and Tbilisy; under Rokhsky pass the tunnel has made a hole on which there is a modern highway; Voenno-Osetinskaya (Military-Osetinskaya) road (through Mamisonsky pass –2819 m), accessible to high accessibility autos and during warm season only. Through Great Caucasus watershed passes are known long before through such passes as: Sanchara (2600 m), Maruh (2740 m), Kluhor (2816 m), Donguzorun (3161 m), Tviber (3580 m), Gezevtsek (3465 m).
Populated stations are connected by buses with district centers, some of them – by small aviation planes (Suhumy-Pshu, Mestiya-Khutaisy, Telavi-Omalo, Mahachkhala-Bezhda, Tlyarata, etc.). Helicopters is a great help in this region.
Railway roads turn round mountains-forward of Great Caucasus. Short brunches go to finish stations in cities of Maikop, Labinsk, Cherkessk, Khislovodsk, Nalchik, Vladicaucasus, Buynaksk, Chiatura, Tshinvaly, Telavy that helps in up-approaches to the routs beginning and departure after its finish.
Great Caucasus mountain-forward part is well-mastered, agriculture and industry are well-developed. There are a lot of towns here: Baku, Tbilisy, Khutaisy, Suhumy, Sochy, Maikop, Cherkessk, Nalchic, Vladicaucasus and Mahachkhala.
Comfortable geographical position, the proximity of country well-developed regions great cities, the mountain-forward dense population – all this makes Great Caucasus one of the most visited by tourists mountain region. Here they have mountain routs for any qualification groups and conditions for holding of all tourist sport and teaching actions: competitions, meetings, gatherings, schools, etc. The variety of landscapes and the abundance of historical and cultural monuments make special beauty to Great Caucasus tracks. There are hundreds of different mountain 1-6 complication category routs. The acquaintance with wonderful land, its nature and history doesn’t go apart with the sport requirement execution.
The most complicated routs are in Central Caucasus where there are about 20 of highest difficulty passes, 135 passes from 1A to 2A complication category and 82 passes from 2B to 3B complication category. Great Caucasus high-mountain part has 170 1A-2A complication category passes and 25 2B-3B complication category passes. Routs attract by high mountains with thick vegetation and proximity of Black seaside combination. During last time Eastern Caucasus with its wider territories approaches to the main high-mountain passes, by the historical monuments abundance and by specific nature. Here are 336 1A-2A complication category passes and 95 2B-3B complication category passes.
The best time for trekking, backpacking, pass hopping, mountaineering and climbing in highlands – from 1 June to 30 September, moreover the most favourable period is from 15 June to 15 September. Today are popular 1-2 complication category treks in mountains with altitude less 3000 m in the first half of May just the same as mass climbings on Elbrus and Kazbek. During winter period ( early spring and autumn too) in connection with unstable weather, snowfalls and high avalanche danger in highlands are found only a few experienced tourists groups.

Link: Central and Eastern Caucasus (south side, Georgia) selected fotogallery (NEW!)

Photos: courtesy of Levan Palavandishvily, Chief of "Agrotourism Association of Georgia" & Beso Tsitelashvily.



Kazbegi (Kazbek) mountain (5033 m, Central/East Caucasus, Main Caucasus Range) - popular goal for climbing with few simple routes. Summer view



Mountain in the Kazbegi area



Caves in Racha-Imereti area (near the cities of Oni, Ambrolauri) are the real paradise for speleotourists!



Enter to the one of the Kazbegi gorges.
Mount Elbrus



The Caucasus

THE CAUCASUS

The Caucasus, an Alberta-size area including Southern districts of Russian Federation as well as three new nations - Georgia, Armenia and Azerbaijan - has been to a great extent isolated from the rest of the world during 70 years of communist rule and its policy of "the Iron Curtain". Most archival materials and other sources of historical information about the Caucasus were unavailable during this time, both for foreign and domestic research. In the USSR and to a great extent in the Russian empire (before 1917), mostly for ideological reasons, researchers were unable to study the history of annexed lands, especially if those lands had a much longer history than Russia itself. The Caucasus with its history coming back at least to the 9th century B.C. was not an exception. At the same time many Western researchers tended to underestimate the area regarding it as a remote and thus less important Russian province.

Due to the above facts the Caucasus still remains relatively unknown to the West. Finding reference literature is still a problem and it is still very hard for western diplomats, businessmen and ordinary citizens to understand the conflicts and problems of the area, to help resolve them and to make a more or less reliable prognosis for future development.

However the Caucasus seems to be a very interesting area of the world. Being a frontier of West and East it has a long and dramatic history. Its mountains and valleys gave birth to many important historical figures, among them philosopher Averroes and marshal Joachim Murat (hyp.), field-marshal Peter Bagration and dictator Joseph Stalin, Jurij Andropov and Mikhail Gorbachev. Peoples of the Caucasus made a valuable deposit into human culture having created numerous masterpieces of art, architecture, literature and film. Rich mineral and natural resources make the Caucasus a prospective area for international business.

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Quelle:
Link:
Der Caucasus
Mir zu Häupten Wolken wandeln,
Mir zur Seite Luft verwehet,
Wellen mir den Fuß umspielen,
Thürmen sich und brausen, sinken.
-Meine Schläfe, Jahr' umgauklen,
Sommer, Frühling, Winter kamen,
Frühling mich nicht grün bekleidet,
Sommer hat mich nicht entzündet,
Winter nicht mein Haupt gewandelt.
och mein Gipfel über Wolken
Eingetaucht in ew'gen Äther
Freuet sich des steten Lebens.

Karoline von Günderrode
(1780-1806)
Ratingagentur stuft Georgien positiv ein

Die Ratingagentur Standard and Poor’s hat die Kreditwürdigkeit Georgiens als positiv bewertet. Für Georgien gab es bei der langfristigen Bewertung ein B+ und bei der kurzfristigen ein B. Zudem stuft die Agentur die Aussichten Georgiens als positiv ein. Ihre Einschätzung gründet die Agentur auf die Ausrichtung der Regierung auf eine zuverlässige Finanzpolitik und marktorientierte Strukturreformen. Dies war die erste Bewertung durch eine international tätige Ratingagentur. Premier Surab Nogaideli begrüßte die positive Einschätzung. Als abwertende Faktoren bewertete die Agentur eine schwache externe Liquidität, die immer noch hohe Inflation und dringend notwendige Maßnahmen zur Entwicklung der Infrastruktur. Zudem gebe es politische Unsicherheiten durch die regionalen Konflikte.

Quelle: Civil Georgia - Georgien Nachrichten

USAID beginnt mit Realisierung eines neuen Projektes in Georgien

TIFLIS, 09. Dezember (RIA Nowosti). In der Nationalbank von Georgien hat die Präsentation eines Projektes der USAID (US-Agentur für internationale Entwicklung) zur Unterstützung des kleinen und mittelständischen Unternehmertums in Georgien stattgefunden. Dazu waren Vertreter der Regierung und des Parlaments von Georgien, von internationalen Spenderorganisationen, Kommerzbanken, kleinen Finanzorganisationen und einigen georgischen Nichtregierungsorganisationen anwesend gewesen, die im Bereich des kleinen und mittelständischen Unternehmertums tätig sind, meldet die Nachrichtenagentur "Nowosti-Grusia".
Das für vier Jahre berechnete Projekt, dessen Realisierung praktisch schon begonnen hat, schließt mehrere Bestandteile ein. Unter anderem sind das: erleichterter Zugang zu Finanzmitteln für die Vertreter des kleinen und mittelständischen Unternehmertums, Entwicklung unabhängiger Organisationen in verschiedenen Regionen des Landes zwecks Förderung des Unternehmertums, Hilfe für Unternehmerverbände bei der Selbstzertifizierung, Einführung von internationalen Standards im georgischen Unternehmertum und zusätzliche Ausbildung von jungen Unternehmern, darunter unter Vertretern der nationalen Minderheiten.
In dem Projekt ist außerdem vorgesehen, zum Dialog zwischen dem Privatsektor und der Regierung beizutragen, um die gemeinsame Lösung der in Georgiens Unternehmermilieu bestehenden Probleme zu fördern.
Das Projekt erstreckt sich auf sieben große Städte Georgiens: Tiflis, Telawi, Marneuli, Achalziche, Kutaissi, Batumi und Sugdidi.
Zuständig für die unmittelbare Umsetzung des USAID-Projektes ist das Internationale Expertenkorps, eine nichtstaatliche Organisation, die in vielen Ländern der Welt auf die Entwicklung von deren Wirtschaft hinwirkt. Die georgischen Partner des Projektes sind die Nationalbank, der Bankenverband und die Banken- und Finanzakademie Georgiens.
Das Internationale Expertenkorps wurde 1964 von David Rockefeller als Nichtregierungsorganisation gegründet. Inzwischen hat das Korps etwa 24 Projekte zur technischen und Beratungshilfe in mehr als 120 Ländern realisiert.
Geschichte GEORGIENS

Die Überreste der ersten Menschen in Georgien sind der Steinzeit der Scheli-Periode vom 600-400 Jahrtausend v.u.Z. zugeschrieben worden. Schon in der Epoche von Ascheli und Mustie wurden im Küstengebiet, auf dem Territorium Westgeorgiens Werkzeuge und Wohnbauten gefunden, anhand derer man festellen konnte, daß schon damals Menschen hier siedelten.
Im frühen Paläolithikum gründet sich die matriarchalische Familie. Aus dieser Zeit befinden sich in Georgien zahlreiche archäologische Denkmäler (Jaschtchwa, Zina, Kudaro, Dewis-Chewi, Sakashia).
Aus Bronze gefertigte Werkzeugfunde in Georgien stammen aus der neolithischen Kultur. Auf diese Zeit werden auch jene archäologischen Exponate datiert, die in den Gräbern von Trialeti und Samtawro gefunden wurden.
Zu Beginn des zweiten Jahrtausends v.u.Z. bildeten sich die ersten großen Stammesverbände. Im 6. Jahrhundert v.u.Z. entstand in Westgeorgien der Staat Kolchis, kurz darauf in Ostgeorgien Iberien mit der Hauptstadt Mzcheta. Die griechischen Historiker erwähnen das Georgien dieser Zeit als ein vermögendes Reich, das über gut entwickelten Ackerbau, Viehzucht und eine gut organisierte Armee verfügte. Einzigartige archäologische Gegenstände, Festungen und Schlösser (Uplisziche, Urbnissi) und epigraphische Denkmäler weisen auf hohe Kultur und frühe Verbreitung des Schrifttums hin.
In der hellenischen Welt entstehen die Mythen von "Prometheus", den "Argonauten" und dem "Goldenen Vlies".
Zu Beginn der neuen Epoche (1. Jahrhundert) wurde Georgien vom römischen Reich erobert. Im 2. Jahrhundert wurden die georgischen Könige Verbündete Roms. Für ihren Heldenmut wurden in Rom goldene Statuen als Denkmäler errichtet.
Im Laufe der Herausbildung von feudalistischen Verhältnissen während der Regierung von König Mirian wird 337 das Christentum zur Staatsreligion. Die Festungen und Tempel aus dem IV.-VI. Jahrhundert sind in Georgien bis heute erhaltengeblieben: Udsharma, Bolnissi, Dshwari, Warziche. In dieser Zeit entstehen die ersten herausragenden Dokumente des georgischen Schrifttums: Jakob Zurtawelis "Das Martyrium der Heilligen Schuschaniki" (V. Jh.), "Das Martyrium des Ewstafi Mzcheteli" (VI. Jh.). Während der Regierungszeit Wachtang Gorgasalis (V J.) wurde Tbilissi zur Hauptstadt Georgiens erwählt.
Das IV.-VI. Jahrhundert war eine Periode des schweren Kampfes des georgischen Volkes gegen den Iran und Byzanz. Ende des VI. Jh. befreite sich Iberien von der Herrschaft der Iraner. Im Jahre 677 nahmen jedoch die Chasaren Georgien ein. Für mehr als hundert Jahre beherrschten die Araber Georgien. Der hartnäckige Widerstand der Georgier führte jedoch zur Befreiung aus der Abhängigkeit von den Arabern.
Im X. Jahrhundert wurde die Kurapalatsregierung durch das Reich Bagrationis ersetzt.
Das XI. und XII. Jahrhundert ist eine Periode der größten politischen Macht und der Blüte von Wirtschaft und Kultur in Georgien. In Jahren 1089-1125, unter der Herrschaft König Davids IV. "des Erbauers", wurde Georgien vereinigt. Er befreite Schirwan und Nordarmenien von der türkischen und seltschukischen Herrschaft und verleibte sie als einen Teil des georgischen Staates ein. Um eine mobile Königsarmee zu bilden, siedelte er 45 000 Kiwtschager aus dem Nordkaukasus an. Die kulturelle und wirtschaftliche Weiterentwicklung setzt sich während der Regierungszeit König Giorgis III. und seiner Tochter Tamar fort.
Das XII. Jahrhundert wurde in Georgien die "goldene Zeit" genannt. In dieser Zeit wurden Straßen- und Brückenanlagen, Festungen, Kirchen und Klöster (Bagrati, Swetizchoweli, Alawerdi, Wardsia, Geguti) erbaut und Bewässerungssysteme angelegt. Zwei wissenschaftliche Zentren wurden gegründet: die Akademien in Gelati und Ikalto. Im XII. Jh. entsteht das geniale Poem "Der Mann im Pantherfell" von Shota Rustaweli. Zu dieser Zeit dehnt sich die Macht Georgiens auf die Territorien vom Nordkaukasus, des östlichen Transkaukasus, Aserbaidshans, Armeniens und der Türkei aus.
Im XIII. Jh. drangen die Mongolen in Georgien ein. Der König Giorgi III. "der Glänzende" befreite das Land von den Eroberern und machte es wieder zu einem der stärksten und einflußreichsten Staaten des Transkaukasus.
Vom XV. bis zum XVIII. Jahrhundert (1386, 1444, 1541, 1578, 1735, 1795). drangen die Perser und Osmanen mit großen Armeen in Georgien ein. Die Eroberer Murwan der Taube, Temur Leng, Dshalaledin, Nadir-Shah, Karsat Agha- Mohammed-Chan verheerten Georgien und tilgten einen Teil der Bevölkerung, einen weiteren Teil verschleppten sie in den Iran und in die Türkei. Durch die Kämpfe gegen die Moslems war Georgien erschöpft, in einzelne Königreiche zerfallen und wirtschaftlich geschwächt. Der König Erekle II. war deshalb gezwungen, Georgien unter den Schutz des Glaubensgenossen Rußland zu bringen. 1801 wurde der "Georgiewsker Vertrag" unterzeichnet. Laut diesem Vertrag trat Georgien als gleichberechtiges Land dem orthodoxen Rußland bei. Rußland brach den Vertrag und setzte den georgischen König vom Thron ab. Das georgische Volk erhob sich gegen die Herrschaft Rußlands. Nach der Entthronung in Rußland wurde Georgien am 26. Mai 1918 zu einer unabhängigen demokratischen Republik erklärt. 1921 wurde Georgien von der "Roten Armee" eingenommen und in den Bestand der Sowjetunion einverleibt.
Der Zerfallsprozeß im postsowjetischen sozialistischen Raum erwuchs sich in Georgien in den 90er Jahren zur nationalen Bewegung.
1991 erklärte Georgien seine Unabhängigkeit und spaltete sich somit von der Sowjetunion ab. In dieser Periode eskalierten die ethnischen Konflikte, welches die Form bewaffneter Konflikte bekam.
Im 20. Jahrhundert wurde Tbilissi leider noch einmal - diesmal jedoch durch die Hand der Georgier selbst —zerstört: als Folge des Kampfes zwischen Regierungsanhängern und dem mit der Regierung unzufriedenen Teil der Georgier (1991). Der sog. "Tbilissi-Krieg" hat merkliche Spuren in Tbilissi und bei den Tbilissern hinterlassen: beschädigt wurde die Stadtmitte; die Anarchie, die nach dem Krieg begann, fügte der Wirtschaft großen Schaden zu.
Ab 1995 stabilisierte sich allmählich die politische und ökonomische Lage. Georgien gewinnt sein altes Image wieder zurück.

(Quelle: http://www.kaukasische-zeitung.de/Texte/GE1.htm)
Der Satchino Palast ist ein interessantes Beispiel für Georgiens spätfeudalistische weltliche Architektur. Er war der Sommer-Wohnsitz von Königin Darejan, der Ehefrau des Georgischen
Königs Erekle II (1720-1798). Gebaut am Ende des 18. Jahrhunderts sehen wir auf dem Foto links davon, dass eine kleine Gerichtshofkirche aus der gleichen Periode zu sehen. Die ursprüngliche Sts. Erekle und Darejan Kirche veränderten sich 1822. Im 19. Jahrhundert wurde die ursprüngliche Erscheinung der Kirche geändert.

Thursday, December 08, 2005

Gypjak Mosque


Suraxhani oil fields

WOLGA CAR


Look Carpetblogger's photostream

Wednesday, December 07, 2005

Im Arabika-Massiv liegt die Voronya-Höhle.
Sie ist mit 2.164 Metern die tiefste bekannte Höhle der Welt.

Die Voronya-Höhle (auch Krubera-Höhle) ist eine Höhle in Abchasien, Georgien. Die Kalksteinhöhle befindet sich im Arabika-Massiv im westlichen Kaukasus. Mit vertikal mindestens 2.164 Metern ist sie die tiefste bekannte Höhle der Welt.
Der Eingang zur Höhle liegt auf etwa 2.250 Metern Höhe. Die Höhle windet sich durch abschüssige Gänge, bis zu 40 Metern tiefe senkrechte Schächte, unterirdische Wasserfälle, Seen und Sümpfe. Sie besitzt verschiedene Räume und eine eine grosse Halle in 1.710 Metern. Die Gewässer werden aus verschiedenen Gebirgsquellen gespeist.
Im Januar 2001 erreichten Höhlenforscher der Ukrainischen Speleologischen Vereinigung eine Tiefe von 1.710 Metern. Ein Cave Exploration Team (CAVEX) unter Leitung des Ukrainers Oleg Klimtschuk stieg im Juli 2005 zunächst auf 2.040 Meter Tiefe, im Oktober 2005 bis zu 2.164 Metern hinab. Es wird angenommen, dass die Höhle noch wesentlich tiefer ist.

Literatur:
Alexandre Klimchouk, Youri Kasjan
: A la recherche du moins 2000. Le gouffre Krubera (Voronya). Spelunca, 82, 2, S. 15-24, Paris 2001


Links:
* Bericht über die Erforschung der Voronya-Höhle bis 2.164 Meter (en)
* Karte der Voronya-Höhle bis 1.823 Meter (en)
* Bilder aus der Voronya-Höhle (ru)


Im Kaukasus tut sich was. Dort ist der seit August 1998 bestehende Tiefenrekord aus Österreich (Lamprechtsofen) erneut übertroffen worden. Und die Forschungen gehen weiter. Hier ein Zwischenbericht (Übersetzung/Zusammenfassung aus Speleo-Aktuell): Neues von der Voronya-Höhle: -1710m ! Neuer Weltrekord

Letzte Meldung war:
1680m in der Voronya-Höhle, West-Kaukasus
Das MTDE-Team (Höhlenforscher der Ukrainian Speleological Association aus Spanien, Frankreich, Russland und der Ukraine) haben am 16. Januar 2001 in der Voronya-Höhle (Arabika Massif, West-Caucasus, Republik Abkhazia eine Tiefe von 1680m erreicht. Die Forscher standen in dieser Tiefe vor einem weiteren, etwa 70m tiefen Schacht. Die Forschungen laufen weiter.

Heute nun die Bestätigung:
Die Forscher haben in einer grossen Halle eine Tiefe von -1710m erreicht (Messungen zweimal mit Höhenmesser und Neigungsmesser topografiert). In der Halle gibt es einen grossen Versturz, der denen in den Nachbarhöhlen ähnelt und nicht unüberwindbar scheint.
Den Heimweg aus dem Gebirge mussten die Forscher im Tiefschnee zu Fuss bewältigen, da bei dem schlechten Wetter die Hubschrauberflüge ausgesetzt wurden.
Zum Namen der Höhle: es gibt zwei Namen: "Voronya-Höhle" und "Krubera-Höhle" (nach einem berühmten russischen Höhlenforscher vom Anfang des Jahrhunderts). Bis die Namensgebung endgültig ist, werden beide Namen benutzt.

Dr. Alexander Klimchouk
(Quelle: Alexander Klimchouk)
Links:
Nr.3 "Georgisches Fest"
(Preis pro Person ab 20,00 €)

Ob Familienfest, Firmenjubiläum, Betriebsfeier, ein Treffen mit Freunden oder Gartenparty ... egal zu welchem Anlass zaubern wir auf Vorbestellung ein unvergessliches Essen. Sie können wählen unter unseren verschiedenartigen Buffet-Tafelnfür min. 12 Personen (bestehend aus min. 6 Speisen)

Auberginenröllchen
gefüllt mit Paste aus Walnüssen,
Kräutern und georgischen Gewürzen
"Naduhi" - würzige Frischkäsebällchen
im Paprikamantel
"Lobio" - rote Bohnen-Salat
wie es nur Georgier aus einfachen Bohnen zubereiten können
mit Granatapfelsaft, Walnüssen und Koreander
Farsierte Eier nach "Tiflis"-Art
mit Walnüssen, Knoblauch, Chmeli-Suneli und Safran
Hühner-Saziwi
mariniertes Hühnerfleisch
unter pikanter Walnuss-Safran-Sauce
"Kupaty von schneller Hand"
Schweinefleisch-Frikadellen
mit Zimt, Nelken, Barbaris und Granatapfel
"Lawasch"-Brot; frisches Gemüse und Kräuter
Dazu empfehlen wir Ihnen auch Hatschapuri und Lobiani
(georgische gefüllte Hefefladen) zu bestellen

Wenn Sie interessiert sind, lassen wir Ihnen gerne
unser aktuelles - auch erweitertes - Angebot zukommen
Wir können nur schriftliche Bestellungen (per Fax, Post oder e-Mail) entgegennehmen,
die spätestens fünf Tage vor dem gewünschten Termin bei uns eingegangen sind.
Eine entsprechende Bestätigung unsererseits erfolgt umgehend.
Die Speisen sind spätestens bei Übergabe zu bezahlen.
Alle Preise verstehen sich als Abholpreise.
Eine Überweisung als Vorkasse ist möglich.
Kartenzahlung wird leider nicht akzeptiert.
Lieferung ist gegen Aufpreis möglich.
Sie erreichen uns unter:
Tel: 030 444 04 22 (täglich ab 18 Uhr)
Fax: 030 44046252 (täglich von 11-21 Uhr)

Georgian Aikido Federation

Klick on the picture an you come to the Web-Site!

Gantiadi (Central Gymnasium) , Agmashenebeli 95. Monday, Wednesday, Friday, 20:00-22:00. Instructors: Zurab Gavardashvili, Lasha Tvalabeishvili. Tel.: 899 51 85 24, 64 28 64

Temqa, Temqa 11. Monday, Wednesday, Friday, 18:00-19:30 (children); Tuesday, Thursday, Saturday, 19:00-21:00 (adults). Instructor: Zurab Gavardashvili. Tel.: 899 51 85 24, 64 28 64

MUSIC: DUDANA MAZMANISHVILI A Georgian Pianist

Dudana Mazmanishvili was born in 1980 in Tbilisi, Georgia. She received her first piano lessons, at age three, from her mother, Tamar Apakidze. Three years later she was accepted into the Central Music School for Talented Children in Tbilisi.
Dudana’s concert debut took place at the age of eight when she performed Mozart’s Piano Concerto No. 15 with the Georgian State Orchestra. By age 14 she played Rachmaninoff’s Piano Concerto No. 2 with the Tbilisi Symphony Orchestra. Since then she has regularly performed in Germany, Russia, France, Poland, Italy, and the United States. One highlight was in 2001 when she played a solo recital in the Max-Josef-Hall of the Munich Residence, a performance which was recorded by Bavarian Radio and subsequently broadcasted several times in Germany.
Since 1998 Dudana has been a student of Prof. Elisso Virsaladze at the Hochschule für Musik und Theater in Munich. This year she began her studies with Prof. Jerome Rose in New York.
Dudana is a prize winner of numerous international piano competitions, including 1992 Dvarionas International Competition in Vilnius, Lithuania, 1995 Città di Senigallia Competition in Italy, 1996 Sarrebourg Competition in France, 1998 Chopin Competition in Corpus Christi, Texas, Isabel Scionti Competition in Kingsville, Texas, 2005 Washington International Piano Competition and a special recognition winner of the 2002 Tchaikovsky Piano Competition in Moscow. Other noteworthy successes in that year were the Nicolai Rubinstein International Competition in Paris, where she was awarded first prize, the prestigious Solo Recital Award of the Merano International Music Festival in Italy and being a prize winner of the International Keyboard Festival in New York. In 1998-2001, Dudana received the annual Honorary Prize awarded by President Eduard Shevardnadze to talented young Georgians.
Dudana’s concerts in 2004 included Rachmaninoff’s Piano Concerto No. 3 with the Nordwestdeutsche Philharmonie, when the Westfälische Abend-Zeitung described her as a “soloist who captured the soul of the music…. She captivated the audience with her sensitive, poetic sound…. She plays with bravura and great virtuosity.”
In 2005 Dudana is scheduled to record a CD featuring the Rachmaninoff piano transcriptions at the Bavarian Radio for the label Oehms Classics.


Homepage: http://www.dudana.com/index.php

Another Link: http://www.grier.org/news_archive_010622_2.htm

Monday, December 05, 2005

In Khevsureti



The valley of the river Assa in Arkhoty, Akhieli, Khevsureti

Blog: http://khevsureti.blogspot.com/

Sunday, December 04, 2005

CauCaz.Com - Archiv (eng) About Caucasian Countries Like Armenia, Aserbaijan And Georgia
Is there a place for Islam in Mikhael Saakashvili’s Christian Georgia? [1/3]
Ajaria: When a young governor turns his hand to politics
Georgia: the Catholic church has lost its legal status
“The Russian military base protects us. From unemployment and from Turkey”
Neil Bush in Tbilisi: «Georgia on my mind !»
Tomorrow’s Georgian elite
The diplomatic flurry surrounding the 9 May commemorations
George W. Bush arrives in a conquered Tbilisi
Russian military bases in Georgia
Vakhtang Maisaia's Column
How far will Mikhael Saakashvili carry the fervour of democratic revolution in the CIS?
Pankisi – many faces, but above all multi-ethnic
Mikhael Saakashvili’s Pankisi valley
Saakashvili is using strong-arm tactics. Is this the right way?
Pierre Jolicoeur's Column
"Action Plans for Georgia should be announced next March" - Heikki Talvitie
Tbilisi between NATO and EU
The History of Man is being rewritten in Georgia, Dmanisi
Zurab Nogaideli
Thornike Gordadze's Column
Is the death of a counterbalancing voice to President Saakashvili's policy going to destabilize Georgia's political future?
Zurab Zhvania, Georgian Prime Minister, found dead by poisoning
Zurab Zhvania
Torben Holtze
«When planning the recent EU enlargement, we were aware of building tensions between those countries - the countries joining EU and the new neighbors » - Torben Holtze
« In Georgia, the fixed line telephony is less than mobile telephony » - David Lee
Elene Tevdoradze
Council of Europe : forced smile to President Mikhael Saakashvili
Economy: an aerospace industry in Georgia?
Eleonore Dermy's Column
Robert Simmons
Ajaria - Turkey : new motorboat line, new economic objectives?
Leuville-sur-Orge : a little Georgia 25 kilometers away southward from Paris
Ed Johnson
BTC : taking stock of the Caucasian mission of Ed Johnson, General Manager of BP Georgia in Tbilisi
INVESTIGATION : Iveria and Adjara hotels, two symbols back on the Real Estate market
INVESTIGATION : Tide turning for a political symbol, the Iveria hotel
INVESTIGATION : Real Estate speculation and reinstatement of Republic square in Tbilisi
INVESTIGATION : Adjara hotel, eviction notice
Is there an influence of the European events on Caucasus ? Interview with Catherine Lalumière
Nino Burjanadze
"We are both near abroad for Russia and, EU's New Neighbor " - Salome Zurabishvili
Rose Revolution, One Year Later. Interview with Thornike Gordadze
South-Caucasus gives a look toward Brussels. An embryonic and common European vocation ?
International Universities Cooperation : Paris-Tbilisi
EU-Caucasus, interview with Damien Helly [2/4]
Turkish Meskhetians, sixty years of exile
A. Ossipov : "This repatriation rumor should not considered."
Transfer of power and democracy : is there any Georgian scheme?
What kind of relationships does Tbilisi maintain with its neighbors?
Saakashvili : the man of the Revolution of Roses establishes a strong political power
Interview with Salome Zurabishvili, minister of Foreign Affairs
Rector Roin Metreveli resigns
Georgia : revolution, presidential election, and after ?
Audiovisual media: Who is holding the 4th power in Georgia?
Ajaria : interview with Aslan Abashidze
Irakli Tschogowadse: „Warum fällt es den ausländischen Unternehmen schwer, in Georgien mit den Russen, Kasachen und Ukrainern zu konkurrieren?“
Artikel Erschienen am 03/12/2005 bei CauCaz.Com
Von Célia CHAUFFOUR in Tiflis
Übersetzt von Myriam GOINARD

Die immer wieder auftauchende Kontroverse um den Privatisierungsprozess in Georgien betraf vor kurzem die Eisenhütte von Rustawi, die für 27 Millionen Dollar im Oktober 2005 verkauft wurde. Die italienische Firma Metal Geo behauptete, bei der Ausschreibung im Juni diesen Jahres den Zuschlag bekommen zu haben. Die Regierung von Micheil Saakaschwili möchte offensichtlich von dieser heiklen Debatte ablenken und ist bemüht, ein günstiges Klima für ausländische Investoren zu schaffen. Die nächste Feuerprobe wird die Privatisierung des Energie- und privaten Telefonsektors im Jahre 2006 sein. Ein Gespräch mit dem georgischen Wirtschaftsminister Irakli Tschogowadse.

"[...] Sie haben von den französischen Investoren in Georgien gesprochen. Welchen Anteil machen die europäischen Investitionen in Ihrem Land aus?

Dieser Anteil könnte größer sein. Warum fällt es den ausländischen Unternehmen schwer, in Georgien mit den Russen, Kasachen und Ukrainern zu konkurrieren? Es gibt eine einfache Antwort: diese Länder sehen das Risiko als nicht so groß an und sie sind bereit, mehr zu bezahlen. Die russischen, kasachischen und ukrainischen Unternehmen vergleichen die Situation in Georgien mit dem, was in ihrem eigenen Staat abläuft. Das Ergebnis liegt auf der Hand: weniger Risiko, bessere Preise.Die Russen z.B. sind bereit, in Georgien zu den gleichen Verkaufsbedingungen wie in Russland und in Kasachstan zu zahlen. Ein französischer Anleger ist bereit, Vermögenswerte in Georgien für 30, die gleichen in Russland für 60 und in Frankreich für 200 zu bezahlen. Ein russischer Investor ist aber bereit, die gleichen Vermögenswerte in Frankreich für 200, in Russland für 60 und in Georgien auch für 60 zu bezahlen.

Es gibt also eine unterschiedliche Risikowahrnehmung, die es für die westlichen Investoren aus Europa und Amerika schwierig macht, sich an dem Privatisierungsprozess zu beteiligen und wettbewerbsfähig zu sein.Kann man von einer Konkurrenz zwischen europäischen und amerikanischen Investoren in Georgien sprechen?

Nein, das denke ich nicht. Für die Projekte kann man von einer Konkurrenz zwischen Russland und Kasachstan, zwischen Russland und der Türkei sprechen. Man kann die amerikanische Präsenz in Georgien erwähnen, die die georgische nationale Sicherheit betrifft, man kann aber auch von der Millenium Challenge Corporation sprechen, die für Georgien 299,4 Millionen Dollar vorgesehen hat, oder auch von der Wiederherstellung der georgisch-armenischen Gaspipeline und von dem gemeinsamen Interesse an Stabilität und Sicherheit im kaukasischen Raum. Aber es ist heute schwierig, von einer bedeutenden europäischen Präsenz in Georgien zu sprechen. Die europäischen Investitionen gehen meistens kaum über den Bereich Wein und Alkohol hinaus. Momentan geht es für Georgien in erster Linie darum, ein Freihandelsabkommen mit der EU abzuschließen. Wir hoffen, dass dies in spätestens einem Jahr erreicht sein wird. "
?id=102 Die immer wieder auftauchende Kontroverse um den Privatisierungsprozess in Georgien betraf vor kurzem die Eisenhütte von Rustawi, die für 27 Millionen Dollar im Oktober 2005 verkauft wurde. Die italienische Firma Metal Geo behauptete, bei der Ausschreibung im Juni diesen Jahres den Zuschlag bekommen zu haben. Die Regierung von Micheil Saakaschwili möchte offensichtlich von dieser heiklen Debatte ablenken und ist bemüht, ein günstiges Klima für ausländische Investoren zu schaffen. Die nächste Feuerprobe wird die Privatisierung des Energie- und privaten Telefonsektors im Jahre 2006 sein. Ein Gespräch mit dem georgischen Wirtschaftsminister Irakli Tschogowadse.

Das Ganze Interview hier >>>
Welkom Bij Georgica
Kasbeg (click on the photo)

In Deutschland präsentierte georgische Filme und Musik
Die Tätigkeit der Deutsch-Kaukasischen Gesellschaft "LILE"
Von Eka Sakalaschwili, Kaukasische Post
Seit Februar 1999 existiert in Deutschland die Deutsch-Kaukasische Gesellschaft "LILE". Die Gesellschaft gründete eine Gruppe georgischer und deutscher Kulturfreunde. Seitdem pflegt die Gesellschaft die kulturellen Beziehungen zwischen den kaukasischen Ländern und Deutschland.
Marika Lapauri-Burk, Musikerin von Beruf leitet diese Gesellschaft und jedes Jahr organisiert kulturelle Programme in Deutschland.
Im Herbst 1999 wurde das erste Kulturprogramm von LILE e.V. in Deutschland präsentiert. Vom 1. Bis 22. November 1999 fanden in Hamburg Georgische Kulturtage "GEORGlarte" statt.
Neben verschiedenen Vernissagen konnte das deutsche Publikum die Gesänge von Antschis-Chati-Chor, und herausragende georgische Filme genießen. Dabei fanden auch die Klavierabende mit Eteri Anjaparidse statt.
Das Jahr 2000 war auch reich an kulturellen Veranstaltungen. Im Juni wurden im Kinohaus "Metropolis" die georgischen Filme gezeigt. Dabei wurden der Stummfilm "Eliso" (1928) von Nikolos Schengelaja, "Meine Großmutter" (1929) von Kote Mikaberidze, "Das Salz Swanetiens" (1930) von Michael Kalatosov und die Kurzfilme von Michael Kobachidze "Junge Liebe" (1961), "Karussell" (1962), "Die Hochzeit" (1964), "Regenschirm" (1967) und "Musikern" (1969) vorgestellt.
"Der Film der 20er Jahre versuchte die Schlechtheit der feudal-bürgerlichen Gesellschaft und die Fortschrittlichkeit der sozialistischen zu beweisen. So wurden auch in der georgischen Kinematographie vulgär-soziologische Gegenüberstellungen von Gut und Böse gestaltet. Doch es gab auch einige wirkliche Filmkunstwerke wie "Eliso" (N.Schengelaja, 1928), "Meine Großmutter" (K. Mikaberidze, 1929) oder "Jim Schwante" (M. Kalatosischvili, 1930).
Das Genre der Parabel-Fabel entstand, wie heutige russische Literatur- und Filmwissenschaftler bestätigen, im georgischen Film. Auch die sowjetische Prosa- und Filmkunst profitierte davon. "Sapownela", 1958; "Aprili", 1964 von Otar Iosseliani; "Kortsili" (Die Hochzeit) 1964, "Kolga" (Der Regenschirm, 1967), "Musikosebi" (Die Musiker, 1969) von Michael Kobachidze; "Gza schinisaken" (Der Weg nach Hause, 1981), "XIX saukunis kartuli kronika" (Die georgische Chronik des XIX. Jahrhunderts, 1978) von Al. Rechviaschvili wären hier zu nennen." (Prof. Dr. Natia Amiredjibi, "Die Leinwand der Zeit", kurzer Überblick der georgischen Kunst).
Im Mai/Juni 2001 veranstaltete die Gesellschaft "LILE" die georgische Musiktage "Haraloo". Bei diesen Kulturtagen im Vorprogramm wurde das Buch von Fried Nielsen "Wind, der weht – Georgien im Wandel" präsentiert. Vater Bassil (Kobachidze) hielt gemeinsam mit dem Antschis-Chati-Chor eine kurze Andacht zu den Georgischen Musiktagen. Im Filmhaus "Metropolis" wurden die georgische Filme gezeigt: "Keto und Kote" ein Musical-Film aus den 40er Jahren von Wachtang Tabliaschvili und Schalva Gedevanischvili, "Phänomen" ein Dokumentarfilm von M. Kokotschaschvili, "Ranina" ein Trickfilm mit Musik von Gia Kantscheli, "Die Tage sind länger" von Lana Gogoberidze.
"Keto und Kote" ist ein Juwel der georgischen Filmkunst. Er wurde im Jahre 1948 im Filmstudio Tbilissi (so hieß damals das Filmstudio "Kartuli filmi") gedreht. Als Grundlagen für diesen Film dienten das Stück "Chanuma" von Akvsenti Zagareli und die Oper "Keto und Kote" von Viktor Dolidze. In "Keto und Kote" sind all jene großen Persönlichkeiten der Zeit zu sehen, die im georgischen Theater und Film eine ganze Epoche verkörpern, so etwa Medea Djaparidze, Batu Kraveischvili, Tamar Tschavtschavadze, Schlava Gambaschidze, Petre Amiranaschvili, Vaso Godziaschvili, Giorgi Schavgulidze und anderen.
Der Film wurde über viele Jahre mit andauernd großen Erfolg in Georgien gezeigt. Auch beim sowjetischen Publikum fand er großen Anklang. "Keto und Kote" war und ist bei den georgischen Kinoliebhaber der erfolgreichste und beliebteste Film. Der 53 Jahre alte Hit wurde im vergangenem Jahr nach der Zuschauer- und Journalistenumfrage zum besten georgischen Film des 20. Jahrhunderts prämiert." (Dr. Zwiad Dolidze)
Im Mai 2002 organisierte die Gesellschaft "LILE" das Kurzfilmprogramm "Cinema Georgien" wobei die besten georgischen Kurzfilme vorgestellt wurden. "Alawerdoba" (1962) von Giorgi Schengelaja, "Serenade" (1968) von Kartlos Chotiwari, "Irisis Iberika" (1982) von Gogita Tschkonia, "law-Nana" (Wiegenlied, 1983) von Nargiza Gardapkhadze, "Varationen auf Pirosmani" (1985) von Sergo Paradjanov, "Kvevri" (Der Krug, 1970) von Irakli Kvirikadze, "Mogzauroba sopotschi" (Reise nach Sopot, 1980) von Nana Djordjadze, "Stumrebi" (Die Gäste, 1991) von Dito Tsintsadze und die Filme von David Kobachidze.
"Georgien, die kleine Nation am Rande des Kaukasus, ist ein großes Filmland mit eigenständiger Tradition. Die Filme zeichnen sich durch einen subversiven Humor aus. Regisseure wie Tengis Abuladse und Otar Iosseliani entwickelten ihre eigene Filmsprache, um Wahrheiten an der Zensur vorbei zu formulieren. Sie fanden dabei einen universellen Ton, so das ihre Filme auch außerhalb Georgiens große Resonanz fanden. Eine besondere Stellung nahm Kurzfilme ein, lassen sich hier doch Situationen und Aussagen besonders gut Zuspitzen." (Gisela Kruse, 27. Mai 2000)
"Die Filmtitel sind schlicht. Sie heißen "Junge Liebe" und "Karussell", "Der Krug" oder "Die Gäste", und ihr Inhalt ist hintersinnig, humorvoll oder poetisch-surreal. Von der Zensur bedrängt, entstanden in Georgien Leinwand-Parabeln, Filme von magischen Realismus, doppelbödigen Bildern, Filme an der Grenze zur Malerei, zum absurden Theater, Hommagen an den Stummfilm und den Chaplinesken Humor" (Hamburger Abendblatt, 23. Mai, Sabine Danek "Ein Brunnen voller Ideen").

Deutsch-Kaukasische Gesellschaft e.V.
Marika Lapauri-Burk
Max-Bauer-Alle 68
22765 Hamburg
Tel./Fax: +49(0)40 389 22 22
E-Mail: info@lile.de
Internet: www.lile.de
Christopher Walker
Schuld haben nicht die Reformer
25 November 2005
Frankfurter Allgemeine Zeitung

In diesem Monat sind es zwei Jahre seit der "Rosenrevolution" in Georgien und ein Jahr seit der "orangefarbenen Revolution" in der Ukraine. Die Begeisterung der Volksbewegungen gegen korrupte, autokratische Regierungen ist der Erkenntnis gewichen, daß die Konsolidierung der demokratischen Reformen ein schwieriger und langwieriger Prozeß ist. Die Größe der Reformaufgabe ist nun jedermann bekannt.
Gleichzeitig fragen mehr und mehr skeptische Stimmen, ob der Wunsch nach politischer Veränderung in diesen Ländern wirklich authentisch gewesen sei. Die Skeptiker verweisen auf die Schwierigkeit, schnell tiefgreifende Reformen ins Werk zu setzen, und ziehen daraus den Schluß, daß die öffentliche Aufwallung von Unzufriedenheit oberflächlich, gar künstlich gewesen sei.
Das ist eine falsche Sicht. Die Reformer, die etwas versuchen, was man als gewaltiges politisches Experiment bezeichnen könnte, haben schlechte Karten. Sie müssen das Erbe vernachlässigter Institutionen, verbreiteter Korruption und einer politischen Kultur überwinden, in der Inhaber öffentlicher Ämter ihre Posten als Mittel zur Förderung ihrer privaten Interessen betrachten. Die Schwierigkeiten denen anzulasten, die das zu beseitigen versuchen, was ihre Vorgänger in vielen Jahren angerichtet haben, ist unaufrichtig.
Will man verstehen, wie es zu der gegenwärtigen Lage gekommen ist, muß man kurz zurückblicken. Die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion aufkommenden Hoffnungen auf freie und faire Wahlen sowie auf breitgefächerte demokratische Reformen wurden nicht erfüllt. In fast allen ehemaligen Sowjetrepubliken schafften es Schlüsselfiguren der alten Garde, sich in einflußreiche Positionen zu bringen und sich echten Reformen in den Weg zu stellen. Als es offenkundig wurde, daß dieses fehlerbehaftete Regierungsmodell nicht dem öffentlichen Interesse diente, machte sich Unzufriedenheit breit. In Georgien und der Ukraine, wo die Opposition in der Lage war, sich als glaubwürdige Alternative zu den Regierenden zu präsentieren, kam es zu einem Machtwechsel.
Es ist entscheidend, über welche Fähigkeiten die jeweilige Opposition verfügt. Alle Autokraten im postsowjetischen Raum und ihre Anhänger behaupten, die Opposition sei nicht in der Lage, eine bedeutende Rolle im politischen System zu spielen, weil sie schwach und schlecht organisiert sei. Die Behauptung, die Opposition sei unreif und in einigen Fällen sogar unverantwortlich, ist nicht ganz falsch. Das sollte aber niemanden überraschen. Die Autokraten, die das System auf ihren Vorteil zugeschnitten haben, tragen daran die Hauptschuld. Der Opposition wird systematisch die Gelegenheit verwehrt, in einen Wettbewerb mit den Regierenden zu treten. Die Argumente der Autokraten erinnern an den Mann, der seinem Gegner die Hände fesselt und sich dann wundert, daß dieser nicht kämpfen kann.
Kritiker der Ereignisse in Georgien, der Ukraine und in Kirgistan führen als Beleg dafür, daß es einen verbreiteten Wunsch nach Veränderung nicht gebe, an, daß es in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken nicht zu Volksaufständen gekommen sei. Auch dieses Argument ist auf Sand gebaut. Die repressive Art, mit der Autokraten Journalisten bekämpfen, politische Opponenten ins Gefängnis stecken und Wahlen in ihrem Sinne kontrollieren, ist der wichtigste Grund dafür, daß sich Unzufriedenheit nicht öffentlich entfalten kann. Aber: Unterdrückung nach Art der Regierungen in Usbekist! an und Weißrußland führt politisch unweigerlich in eine Sackgasse. In der Zwischenzeit erleben die Bürger dieser Länder einen Albtraum an Menschenrechtsverletzungen - die im Westen weit mehr Aufmerksamkeit finden sollten.
Es besteht die Gefahr im gesamten Raum der ehemaligen Sowjetunion, daß die Unzufriedenheit schon bald den Siedepunkt erreichen könnte, weil es verhältnismäßig wenige Kanäle gibt, auf denen sie sich friedlich äußern kann. Was war die Antwort der Autokraten auf die Gärungsprozesse in Georgien, der Ukraine und in Kirgistan? Weitere Unterdrückung. Unabhängige Medien, die "Zivilgesellschaft", die Justiz und die Wirtschaft werden von einer kleinen Interessengruppe (besser: Clique) kontrolliert - und das in so verschiedenen Ländern wie Usbekistan, Weißrußland und Aserbeidschan. In Usbekistan erreichte die Brutalität im Mai ein bis dahin nicht gekanntes Ausmaß, als die Sicherheitskräfte Präsident Karimows in der Stadt Andischan Hunderte Menschen massakrierte! n. Natürlich halten die regierenden Kräfte auch die Wahlurnen streng unter Kontrolle. Damit ist sichergestellt, daß es keinen ernsthaften politischen Wettbewerb um die Macht geben kann. Die jüngste - partiell gefälschte - Parlamentswahl in Aserbeidschan, die als Zeichen für den Stand demokratischer Reformen gelten sollte, paßt in dieses Muster. Wie wird es bei der Wahl in Kasachstan im Dezember wohl zugehen? Die Marginalisierung der wichtigsten Oppositionskräfte öffnet die Tür für extremistische Bewegungen. Kritik an den Leistungen der an die Macht gelangten Oppositionskräfte, der Juschtschenkos und Saakaschwilis, ist durchaus angebracht. Es ist aber wichtig, sich den wirklichen Reformhindernissen zuzuwenden. Es ist auch wichtig, sich vor Augen zu halten, daß die sogenannten "Revolutionen" im Grunde nur den Wunsch der Bürger nach einer verantwortlich handelnden Regierung ausdrücken.
Wenn man bedenkt, was auf dem Spiel steht, kann man verstehen, daß sich in den reformfeindlichen Hauptstädten der ehemaligen Sowjetunion so etwas wie Schadenfreude breitmacht, wenn sie die Herausforderungen ihrer nachrevolutionären Nachbarn betrachten. Ein Mißlingen in der Ukraine oder in Georgien - es ist nicht auszuschließen - gäbe den Kritikern recht. Deshalb müssen die Europäische Union, die Vereinigten Staaten und die übrigen Demokratien der Versuchung widerstehen, in Reformmüdigkeit zu verfallen: Die um die Festigung ihrer Reformen bemühten Länder verdienen mehr politische Aufmerksamkeit und materielle Unterstützung.

Der Autor ist Forschungsdirektor bei Freedom House in New York www.freedomhouse.org.

Friday, December 02, 2005

Caucasus Crossword Puzzle
Even if you assume that it is a major turf war going on in the Caucasus, America could not allow another evident failure happening after the fiasco in Iraq. It is always more costly to be fighting with an Islamic nation directly. And even though America is more successful in Hollywood studios, it is still good at making troubles and intrigues in the so-called third world countries.
Fokus Ost-Südost 01.12.2005
Weg frei für Verfassungsänderung in Armenien
Von Aschot Gasasjan, Jerewan
DW-RADIO/Russisch, 28.11.2005, Fokus Ost-Südost
Fokus Ost-Südost 01.12.2005
Keine Überraschung bei Parlamentswahl in Tschetschenien
Von Natalja Nesterenko
DW-RADIO/Russisch, 28.11.2005, Fokus Ost-Südost
Guardian: Special Report to Chechnya
Nick Paton Walsh, Wednesday November 30, 2005

Thursday, December 01, 2005

Tiflis feilscht hart mit Moskau
Die Absicht Georgiens, aus der GUS auszutreten, hat in Moskau eine starke Resonanz ausgelöst. Nach Meinung von Analysten wird Tiflis jedoch in dieser Frage kaum weit gehen, denn die Wirtschaft dieses Landes ist sehr auf den Markt der Gemeinschaft angewiesen.
Das Hauptziel der gegenwärtigen Demarche besteht darin, Moskau dazu zu zwingen, die Preise für Energieträger als Gegenleistung für den Verzicht Georgiens auf den Ausstieg aus der GUS nicht anzuheben. Wie der Direktor des Russischen Instituts für strategische Forschungen, Jewgeni Koschokin, in einem Interview für RIA Nowosti sagte, "kann die Erörterung der Frage des Austritts aus der GUS im georgischen Parlament kaum ein anderes Gefühl, als großes Bedauern auslösen. Gegenwärtig gibt es in den Beziehungen zwischen Russland und Georgien tatsächlich ernste Probleme, aber zugleich kommen russische Investoren nach Georgien.
Russland ist keineswegs darauf eingestellt, dass sich die russisch-georgischen Beziehungen weiter verschärfen. Der Austritt Georgiens aus der GUS würde Russland keine spürbaren wirtschaftlichen oder militärpolitischen Sorgen bringen - dies würde einfach ein Zeichen sein, und zwar ein solches, das zweifellos weder das russische noch das georgische Volk braucht.
Außerdem gibt es einen solchen Faktor wie die zahlenmäßig starke georgische Diaspora, es gibt auch Gastarbeiter, die aus Georgien nach Russland kommen, und diese Menschen - es handelt sich um Hunderttausende von Menschen - brauchen eine gutnachbarliche Atmosphäre und keine Konfliktbeziehungen.
Solange keine entsprechende Entscheidung getroffen ist, wird die Vernunft, wie mir erscheint, möglicherweise doch noch triumphieren, so dass diese Geste nicht vollführt wird." Die Frage des Austritts aus der GUS ist ein Element des Kuhhandels, den Tiflis nicht erst seit einem Jahr mit Moskau betreibt. So ist die gegenwärtige Erklärung von Burdschanadse mit dem Moskau-Besuch des Energieministers Nik Gilauri zeitlich zusammengefallen. Der Sinn des Kuhhandels ist folgender - wenn Russland die Preise für Energieträger nicht auf das Niveau der Weltmarktpreise anhebt, so wird Tiflis auch die Frage des Austritts aus der Gemeinschaft nicht stellen.
Wenn man die mildernde Erklärung der Parlamentsvorsitzenden Nino Burdschanadse, dies bedeute "noch nicht den Beginn der Prozedur des Austritts Georgiens aus der GUS" in Betracht zieht, wird völlig klar, dass Tiflis noch keine definitive Entscheidung getroffen hat. Nach Meinung des stellvertretenden Direktors des Zentrums für politische Technologien Alexej Makarkin "versucht Georgien, mit Russland gleichzeitig in zwei Registern zu spielen, wobei es einen ausgeprägt konstruktiven Präsidenten und ein radikales, russlandfeindliches Gesetzgebungsorgan gibt. Dieses Spiel wird seit Schewardnadses Zeit geführt, als das Parlament den Abzug der russischen Friedenstruppe aus Abchasien gefordert hatte. Unter Saakaschwili versuchte es bereits in diesem Frühjahr Ultimaten hinsichtlich der Präsenz der russischen militärischen Objekte auf georgischem Territorium zu stellen. Jetzt aber wird auf die Notwendigkeit verwiesen, aus der GUS auszusteigen, und zwar aus einem durchaus zweitrangigen Anlass."
Laut Makarkin "müssen solche Erklärungen mit Zurückhaltung aufgenommen werden. Jetzt sei die Frage der Gasversorgung weiterhin am wichtigsten. Wenn Russland dementsprechend Konzessionen einginge, würde die georgische Seite dann sagen können, sie bleibe in der GUS. Andererseits, wenn Moskau Härte an den Tag legt und seine ökonomischen Interessen verteidigt, wird Tiflis auch in einem solchen Fall nicht aus der Gemeinschaft austreten, denn Georgien ist zu 80 Prozent auf den GUS-Markt angewiesen. Unter diesen Umständen würde der Ausstieg aus der GUS seine wirtschaftlichen Probleme sofort verschärfen. Angesichts dessen, dass die Wahlen schon vor der Tür stehen, brauchen weder Saakaschwili noch die Abgeordneten des georgischen Parlaments solche Komplikationen. Denn unter den Bedingungen eines Konfliktes mit Russland und der GUS insgesamt würde es ihnen viel schwerer fallen, wiedergewählt zu werden... An diese Situation muss rational herangegangen werden", resümierte der Experte.
Tiflis betreibt die Politik des harten Feilschens aus dem Grunde, weil Saakaschwili keine wirklichen Hebel für den Druck auf Moskau hat. Washington erweist dem gegenwärtigen Regime selbstverständlich eine gewisse Unterstützung, aber es wird wegen Georgien auf keine Verschlechterung der Beziehungen zu Russland eingehen. Trotzdem ist nicht ganz klar, warum die Vertreter der politischen Elite des georgischen Volkes nicht einsehen können, dass Versuche, sich von der Position der Stärke aus mit Russland zu verständigen, kontraproduktiv sind. (Arseni Palijewski, RIA Nowosti).
The South Caucasus Institute Of Regional Security

Nabucco gegen Bluestream
Pipelines durchs Schwarze Meer
Der Türkei geht es um die geopolitische Balance zwischen zu den USA, Europa und Russland, denn auf einen EU-Beitritt könne sich die Türkei nicht verlassen. Zum Abschluss der Schwarzmeerkonferenz in Wien, ging es um die geopolitischen Machtkämpfe in der Region. "Wir haben keinen Kampf der Kulturen, sondern einen Kampf der Pipelines", erklärte Bocutoglu.
Eine neue OMV-Gaspipeline namens Nabucco soll von der Türkei, durch Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich gehen.
Jetzt hat Russland aber der Türkei eine andere Pipeline vorgeschlagen: Blue Stream soll von Russland über die Türkei und Griechenland nach Sizilien reichen. Italien wird allerdings schon von Libyen aus beliefert.
Peter Seifert, OMV-Generaldirektor für Zentral-, Osteuropa und Russland: "Der Druck aus Russland ist groß, denn wenn Nabucco realisiert würde, wäre Europa auch unabhängiger von Russland. Jetzt hat Russland aber der Türkei eine andere Pipeline vorgeschlagen: Bluestream soll von Russland über die Türkei und Griechenland nach Sizilien reichen. Italien wird allerdings schon von Libyen aus beliefert. Peter Seifert, OMV-Generaldirektor für Zentral-, Osteuropa und Russland: "Der Druck aus Russland ist groß, denn wenn Nabucco realisiert würde, wäre Europa auch unabhängiger von Russland. Uns geht es darum, jene Kräfte in den Ländern der Schwarzmeerregion zu unterstützen, die den europäischen Weg gehen wollen." Hanns Porias, Direktor der Abteilung Osteuropa, Kaukasus, Zentralasien im Wiener Außenministerium, meint: "Wir müssen aufpassen, dass die Schwarzmeerküste nicht zur Grenze wird." "Die Region sollte Teil eines integrierten Europas sein." Während der EU-Präsidentschaft Österreichs sollen Aktionspläne für die EU-Nachbarschaftspolitik mit Georgien, Armenien und Aserbaidschan ausgearbeitet werden.
Der ganze Text im Standard hier >>>
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(Die Konflikte dort stammen aus dem Konkurrenzkampf zwischen dem russischen und osmanischen Imperium, die die Region drei Jahrhunderte lang dominierten. Der Kalte Krieg war so kalt, dass er diese Konflikte eingefroren hat. Das Erbe - die Zersplitterung und Zerstörung - sind für die kleinen Nationen im Südkaukasus schmerzvoll. Es kann aber heute überwunden werden, wenn der wachsende europäische und transatlantische Einsatz genutzt wird. Denn der Westen will die Region stabilisieren, um strategische Aufgaben im Nahen Osten und Zentralasien zu bewältigen. Die Schwarzmeerländer müssen die Interessen des Westens für sich arbeiten lassen und ein Sicherheitssystem schaffen, das Teil des westlichen ist. Es wird aber noch Zeit brauchen, bis die politischen Eliten verstehen, dass eine regionale Partnerschaft die Lobbyingmacht gegenüber Westeuropa vergrößern würde.)
(STANDARD-Kaukasus-Experte Markus Bernath vergleicht das Schwarze Meer mit einem gemeinsamen Swimming Pool aller Anrainerstaaten, in den aber noch kaum jemand zu springen wagt. [...] Die EU soll Russland nun überzeugen, dass eine vernünftige Europäisierung allen dienen würde." Ein erster Schritt zur Mini-OSZE soll die Gründung einer Schwarzmeerkommission sein, ein Zusammenschluss von NGOs aus Bulgarien, Rumänien, Ukraine, Russland, Georgien und der Türkei. Die meisten Politologen aus der Region, die in Wien zusammengekommen sind, unterstützen diesen Vorschlag. [...] Zu den wichtigsten offenen Sicherheitsfragen zählen politische Lösungen für abtrünnige Republiken wie Abchasien (Georgien) oder Transnistrien (Republik Moldau), aber auch Waffen-und Menschenhandel. Die Alternativen zur Mini-OSZE wären eine "Universalisierung" der Konflikte mit Hilfe der UNO, eine Schirmherrschaft, die auf einer Kooperation zwischen Russland und der EU oder der Türkei und der EU fußt, oder die Intervention der Nato mit oder ohne USA, erklärt Experte Ryabtsev. [...] Der ehemalige Vize-Regierungschef von Abchasien, Vakhtang Kolbaia, will darauf hinweisen, dass Europas Sicherheit von der Sicherheit in der Region abhängt. "Deshalb muss sich auch das europäische Sicherheitssystem ändern." Skeptisch bleibt Jörg Himmelreich vom German Marshall Fund in Berlin: "Die EU ist mit ihren eigenen Problemen beschäftigt.")